Nr. M Erstes Blatt
186. Jahrgang
Samstag, 9. Mai 1936
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Das Zazit.
Die vergangene Woche brachte als größte lieber« raschung das Ende des Krieges in Abessinien. Wenn es auch nach den letzten Ereignissen auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz nicht mehr zweifelhaft sein konnte, wem schließlich der Sieg zufallen würde, so konnte man doch nicht damit rechnen, daß der Negus so plötzlich die Flinte ins Korn werfen würde, ohne noch einmal einen letzten Versuch gemacht zu haben, den Rest feiner Truppen zur Verteidigung der Hauptstadt zusammenzuraffen. Die grade in den letzten Monaten sich immer schwieriger gestaltende Berichterstattung aus dem Innern Abessiniens hat kein klares Bild darüber geben können, wie sehr schon unter den furchtbaren Schlägen der italienischen Waffen und dem zunehmenden Mangel an Munition, Proviant und ärztlicher Verpflegung die innere Auflösung des abessinischen Reiches fortgeschritten war. Gegenüber der Ueberzahl kolonialpolitischer und militärischer Sachverständiger, die dem italienischen Unternehmen angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten, die Klima, Gelände und kampfgewohnte Bevölkerung dem eindringenden Europäer-Heer bieten würden, einen schlimmen Ausgang prophezeiten, haben die wenigen wirklichen Kenner des Landes — wir erinnern an die Teilnehmer der letzten Frobenius- Expedition — Recht behalten, die von Anbeginn an vor einer Ueberfchätzung der Widerstandskraft des abessinischen Volkes warnten und auf die vielfältige stammesmäßige und konfessionelle Zersplitterung Abessiniens hinwiesen, die dann zu Tage treten würde, sobald erst einmal schwere Niederlagen des abessinischen Heeres im Felde den von den Amharas unterworfenen Stämmen die Möglichkeit eröffneten, durch ihren Abfall die nur widerwillig ertragene Herrschaft des Negus abzuschütteln. Zudem scheint auch unter den amharischen Stammesfürsten der Negus Halle Selassie keineswegs lauter Freunde gehabt zu haben. Die Anhänger der Dynastie des großen Menelik hatten ihm weder feine gewaltsame Thronbesteigung, mit der er den sehr beliebten, wenn auch kraftlosen Enkel Meneliks beiseite schob, noch die auf Unter
drückung der Teilfürstentümer und scharfe Zentralisierung der Macht in der Hand des Kaisers abzielenden Reformen vergessen. Grade von dieser Seite ging anscheinend der letzte und entscheidende Anstoß zur Flucht des Negus nach dem französischen Dschibuti aus. Nachdem die letzten Stammesfürsten ihm die weitere Heeresfolge verweigert hatten, sah sich der Negus vor die Entscheidung gestellt, ob er feine Sache aufgeben oder in einer drohenden Palastrevolution fein Leben aufs Spiel setzen wollte. Er hat es vorgezogen, im Schutze Englands, dessen Freundschaft ihm Thron und Land nicht hat erhalten können, die Reife nach Jerusalem ins Exil anzutreten. Mag er heute noch Pläne haben, in London oder gar in Genf seine Sache diplomatisch zu vertreten, die weitere Entwicklung wird ihm nur allzu schnell deutlich machen, daß er seine geschichtliche Rolle zu Ende gespielt hat.
Der Krieg ist beendet. Italiens Sieg ist vollständig, mögen auch hier und da noch in dem doch kaum erst zur Hälfte von italienischen Truppen besetzten Lande Örtliche Aufstände aufflackern und raublustige Stämme zur Raifon gebracht werden müssen. An irgendwelchen organisierten Widerstand planmäßig geführter abessinischer Truppen ist nicht mehr zu denken. In genau sieben Monaten hat der italienische Oberbefehlshaber Marschall B a d o - g l i o eine Aufgabe bewältigt, die nach der Meinung der meisten Sachverständigen mehrere Jahre beansprucht hätte, wenn sie sich nicht überhaupt als unlösbar Herausstellen sollte. Wenn man auch die gewaltige Ueberlegenheit der modernen technischen Kriegsmittel, über die Italien in beliebiger Menge verfügte, über die gänzlich unzulängliche und zum größten Teil noch durchaus primitive Bewaffnung der Abessinier in Rechnung stellt, so bleibt der abessinische Feldzug doch angesichts der ungeheuren Entfernung des Kriegsschauplatzes von der Heimat, angesichts der oft geschilderten großen Schwierigkeiten des Nachschubs von Truppen, Proviant und Munition und schließlich angesichts der für europäische Soldaten wohl beispiellosen Schwierigkeiten, das Klima und Gelände der von Wüste und Urwald umgebenen afrikanischen Bergfestung dem eindringenden Feinde boten, eine Leistung, die höchste Bewunderung verdient. Der Feldzug begann überraschend mit dem fast ungehinderten Vordringen des Marschalls d e Bono in der nördlichen Grenzprovinz Tiare und Generals G r a z i a n i in der O q a d e n - Wüste im Süden. Die Schmach von Ad u a wird getilgt, die heilige Stadt A k s u m genommen, im Nordosten Makalle, im Nord- roeften der Takazzefluß erreicht. Es folgt eine längere Gefechtspause, die der Sicherung der italienischen Etappe durch umfangreiche Straßenbauten, Depotanlagen usw. dient. Während dessen rückt Graziani von Süden her das Tal des Schebeli aufwärts und besetzt Anfang November Gorahai.
Nun haben die abessinischen Hauptarmeen ihren Aufmarsch beendet. Während im Raum von Ma- kalle kleinere abessinische Trupps die Etappe der Italiener beunruhigen, überschreitet Ras ^mr u Mitte Dezember den Takazzefluß und drangt das italienische Korps Maravigna bis m bie Oegenb von Adua und Aksum zurück. Weiter östlich greift Ras S e y u m an, erobert Abbl Addi und das ganze südliche Tembien zurück und wird erst vor Makalle zum Stehen gebracht. Immer neue Frontalangriffe des abessinischen Hauptheeres brechen im Feuer der Truppen des Marschalls Babog11o, der de Bono im Oberbefehl abgelöst hat, unter schweren Verlusten der Abessinier zusammen. Ba- doglio geht nun feinerrfeits zum Angriff über, nachdem schon Graziani im Süden in öer öreitagigen Schlacht bei Dolo das Heer des Ras D e st a
1.2. „Hindenburg" landet heute Mittag in Lakehurst. „Eine der größten Sensationen dieses Jahres."
Lakehurst, 9. Mal. (DNB. Funkspruch.) Das Luftschiff „Hindenburg" teilte der Marinefunk- station mit, daß es um 12.2 0 Uhr MEZ. lande- bereit fein werde. Die Fahrt des Luftschiffes ist unmittelbar vor der amerikanischen Küste durch Gegenwinde verzögert worden. Um 8 Uhr MEZ. funkte LZ „Hindenburg", daß es sich auf den Dampferkurs längs der Insel Long Island entlang bewege und voraussichtlich etwa 1 0.3 0 Uhr MEZ. Neuyork überfliegen werde. Vier Flugzeuge der amerikanischen Küstenwache liegen auf dem Neuyorker Flugplatz bereit, um dem LZ. „Hindenburg" entgegenzufliegen und das Luftschiff bis Lakehurst zu begleiten. Lakehurst gleicht einem Ameisenhaufen. Die Marineverwaltung hat strengste Kontrollmahnahmen getroffen. Der Flugplatz ist für jeglichen Flugverkehr und für Neugierige gesperrt. Man nimmt hier an, dah die Schiffsführung des „Hindenburg" keinen Abstecher nach Washington, Philadelphia usw. machen werde, sondern die Kühle am Morgen zur Landung aus- nuhen werde. Außerordentliche Beachtung findet die schnelle Heberfahrt des „Hindenburg".
Das Luftschiff wurde nach 10 Uhr (MEZ.) über dem Neuyorker Hafen gesichtet.
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Um 22 Uhr richtete die American Air Lines einen Flugzeug ° Pendelverkehr zwischen Neuyork und Lakehurst ein. Der Fahrkartenoerkauf mußte bald wegen lleberfüllung eingestellt werden, da 300 Fluggäste bereits Plätze belegt hatten. Nach Ansicht amerikanischer Journalisten ist der Besuch des Luftschiffes „Hindenburg" eine der größten Sensationen in diesem Jahre in Amerika. In den frühen Nachtstunden begannen sich die Warteräume der Hapag und des Nord-Lloyd mit Freunden und Angehörigen der „Hindenburg"- Fahrgäste zu füllen, die sich mehr oder weniger bequem für das Uebernachten einrichten, da die Gasträume in der Stadt Lakehurst völlig ausverkauft find.
Die WA.-Preffe im Zeichen des Atlantik-Fluges.
Neuyork, 9. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die amerikanische Presse steht völlig im Zeichen der Ozeanüberquerung des LZ „Hi n b e n b ur g". Die Morgenblätter vom Samstag widmen der bevorstehenden Ankunft des Luftschiffes zahlreiche mit Abbildungen versehene Artikel mit drei- bis se chs - spaltigen' Überschriften und berichten ausführ
geschlagen und bis Negelli zurückgetrieben hat. Nun folgen Schlag auf Schlag die großen Vernichtungs- schlachten an der Nordfront. Mit Hilfe eines inzwischen in aller Ruhe bereitgestellten ungeheuren modernen Kriegsapparats wird der Ras M u l u - g e t a in der viertägigen Schlacht bei Enderta besiegt. Der A m b a Ar ad am und wenige Tage später der Amba Aladschi werden nach heftigem Trommelfeuer der italienischen Artillerie trotz erbitterter Gegenwehr der abessinischen Truppen von den Italienern erstürmt. Ras Kassa wird in Tembien, Ras Jmru in Schire vernichtend geschlagen. Mitte März ist die abessinische Nord- front zusammengebrochen. Die Garde des Negus sucht noch einmal nördlich des A s ch a n g t f e e s im Angriff ihr Glück, aber sie wird zurückgeworfen und auf der Flucht von aufständischen Gallastämmen niedergemacht. Den Italienern steht der Weg nach Dessie, dem Hauptquartier des Kaisers, und Addis Abeba, der Hauptstadt Abessiniens, offen. Im Felde stand nur noch eine einzige intakte abessinische Armee unter Führung des Ras Nasibu und des ehemaligen türkischen Generals W e h i b Pascha. Gegen sie wandte sich Mitte April General Graziani. Trotz heftiger Gegenwehr gelang es ihm, am 30 Amil Sassabeneh zu nehmen. Nach der Flucht des Kaisers gaben auch Nasibu und Wehib die Verteidigung des Weges nach Harrar auf und wandten sich nach Djibuti. Der Krieg war beendet.
„Abessinien ist italienisch" verkündete Musso- l i n i nach der Besetzung der abessinischen Hauptstadt vom Balkon des Palazzo Venezia dem jubelnden Italien und darüber hinaus der ganzen Welt. Seine Worte, daß Italien bereit fei, den Sieg mit der gleichen Unentwegtheit und unerbittlichen Bestimmtheit zu verteidigen, mit der er errungen fei, richten sich an die Leute, die trotz des großen Erfolgs, den Italien neben der überlegenen Führung im Felde und der Tapferkeit feiner Truppen nicht zuletzt der Kühnheit und Entschlußkraft des Duce und der Opferfreudigkeit feines Volkes verdankt, immer noch glauben, das faschistische Italien werde sich nach einem mit so großen Opfern erkämpften Siege bet der Wiederherstellung des Friedens von irgend jemandem hineinreden lassen. Die parlamentarische Opposition in England und die sich zur Uebernahme der Regierung rüstende Volksfront in Frankreich scheinen zwar immer noch nicht den Geschmack an den Sanktionen verloren zu haben, mit denen der Völkerbund den „Angreifer" Italien zur Einstellung der Feindseligkeiten gegen das Völkerbundsmitglied Abessinien zwingen wollte. Aber Außenminister E d e n hat vor dem Unterhaus resigniert festgestellt, daß der Völkerbund gescheitert ist, und Austen
lich alle Einzelheiten der Ueberfahrt. Der bekannte amerikanische Journalist Arthur Brisbane schreibt in seiner täglichen Spalte in den Hearst- Blättern, das große Ereignis des heutigen Tages sei die Ankunft des LZ „Hindenburg", der den wirklichen Luftverkehr über den A t- lantif einleite. Die erste Ueberfahrt des Luftschiffes werde noch eine große Nachricht sein, wenn der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf und der Krieg in Abessinien in den Hintergrund der Geschichte gedrängt worden sind, denn der erste wirkliche Passagierluftverkehr über den Atlantik sei ein großer Schritt auf dem Wege des menschlichen Fortschrittes, etwas, was unvergeßlich fei.
In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag durchquerte das Luftschiff den von den Wetterwarten angekündigten Sturm, der von schweren Regenböen begleitet war, derartig glatt und ruhig, daß nicht einmal eine Blumenoase ober eine Wasserflasche umfiel. Auch von den Passagieren wurde der Sturm kaum bemerkt. Hingegen war die Schiffsleitung über dieses elementare Ereignis sehr erfreut, da es einen Regenballast von etwa 5 Tonnen einbrachte, mit dem der Gewichtsverlust durch den Treibstoffverbrauch wettgemacht werden konnte. Zum erstenmal sand am Donnerstagabend ein „Transatlantisches Luftschiff-Klavierkonzert" statt, bei dem Professor Franz W a g n e r die Mitreisenden durch seine Kunst erfreute. Am Freitagmorgen hielt Pater Schulte zum erstenmal eine Bordmesse ab.
Das technische Bild ist überwältigend. Es wäre falsch, sich das Innere des Luftschiffes vollgepfropft vorzustellen mit unheilschwangeren Gaszellen. Man kann einen großen Teil des Gerippes überblicken, das mit einem blau funkelnden Schutzlack überzogen ist. Das umfängt einen mit feinen Rippen und Streben wie eine Kathedrale.
Es geht eine ruhige Sicherheit aus von den Männern, denen der schmale, blau lackierte Laufsteg zwischen den Kielträgern zweite Heimat geworden ist. Für sie hat es nie in Frage gestanden, ob der Nordatlantik zu bezwingen ist ober nicht. Diese Männer verstehen sich ohne viele Worte unb bie Handgriffe, bie ihr Dienst erforbert, ergänzen sich ohne Zurufe unb ohne Nervosität.
Die Passagiere schneiben nicht so gut ab in biefer Bilanz. Sie haben zwischen Höhenrausch unb Nervosität geschwankt, lieber bie hellen Schlaf-
Chamberlain, offenbar heute roieber ber Sprecher ber großen Mehrheit ber konservativen Partei, hat bie Fortsetzung ber Sanktionen eine gefährliche unb zwecklose Politik genannt. Wenn also auch auf ber am Montag beginnenben Ratstagung bes Döl- ferbunbes in Genf Englanb selbst vielleicht nicht bie Initiative auf Aufhebung ber Sanktionen gegen Italien ergreifen wirb und auch bie Franzosen vor bem Regierungswechsel keine Neigung zu weit- tragenben Entschlüssen zeigen werben, so wirb boch ber Völkerbunb nichts anberes tun können, als recht schnell bas Fazit zu ziehen aus einer Politik ber Halbheiten, bie gar nicht anbers auslaufen konnte, als mit einer neuen schweren Einbuße seines Ansehens, bie nur burch eine grundsätzliche Reform im Sinne eines Bunbes gleichberechtigter unb gleichverpflichteter Nationen ausgeglichen werben kann.
England ist, wie Eden im Unterhaus erklärt hat, trotz dieses neuen Fiaskos entschlossen, am Völkerbund festzuhalten, aber es fordert eine lieber« Prüfung seiner Satzungen, die einen ähnlichen Zusammenbruch der „kollektiven Friedenssicherung", die England im Abessinienkonflikt hatte auf die Probe stellen wollen, unmöglich machen soll. Man wird sich hoffentlich in England darüber klar geworden sein, daß diese „Probe" nicht zum wenigsten deshalb einen so kläglichen Verlauf nehmen mußte, weil Frankreich nicht dazu zu bewegen war, der britischen Sanktionspolitik sich anzuschließen. Es wollte nicht zwischen der Freundschaft Englands und Italiens wählen müssen. Daran scheiterte der Versuch einer „kollektiven Friedenssicherung". Die alte Bündnispolitik, die Frankreich im Dreikönigs- oertrag von 1935 mit Italien zusammengeführt hatte, ließ sich durch das von England verfolgte System gegenseitiger Verpflichtungen für Aechtung des „Angreifers" nicht an die Wand drücken. England vermochte zwar die Völkerbundsmaschine gegen das zum „Angreifer" erklärte Italien in Gang zu bringen. Es versammelte starke Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeer, für Augenblicke stand die Lage auf des Messers Schneide. Aber Mussolini ließ sich nicht einschüchtem, er antwortete mit Truppentransporten nach Libyen, worin England eine Bedrohung Aegyptens sehen mußte. Das Risiko eines Krieges wollte England nur auf sich nehmen, wenn es ein „Dölkerbundskrieg" würde, d. h. wenn es ber Hilfe Frankreichs sicher wäre. Frankreichs Zusagen haben bem britischen Kabinett nicht genügt. Eine weitere Verschärfung ber Sanktionen, wie die Oelsperre oder die Schließung bes Suezkanals — Eden hat jetzt wieder daran erinnert —, hätten den Krieg bedeutet, Frankreich hat deshalb sich dagegen gesperrt. Sir Samuel H o a.r e sah damals während 1
Kommandant Rosendahl von der Marineluftstation Lakehurst befürwortete in einer im ganzen Lande verbreiteten Rundfunkrede dringend die weitere Entwicklung des Luftschiffbaues in den Vereinigten Staaten und erklärte, Deutschland sei die einzige Nation, die sich bisher ernsthaft mit dem Luftschiffbau befaßt habe, und auf diesem Gebiete große Leistungen aufweisen könne.
Die National Broadcasting Company verbreitete einen halbstündigen Funkbericht vom Luftschiff „Hindenburg", der von Ansprachen und musikalischen Vorträgen umrahmt war, und der von allen Sendern in den Vereinigten Staaten unb in Kanaba übernommen würbe.
fqbinen, über bie geschmackvollen Gemeinschaftsräume waren sie entzückt. Aber sie haben nachts um 2 Uhr Schreibmaschine geschrieben trotz ber Hellhörigkeit ber Luftschifftrennwänbe. Sie haben enge Passagen verstellt, haben im Gemeinschaftsraum intime Plaubereien mit Nebelhornstärke geführt, kurz, sie haben Stoff zum Nachbenken für bie Ingenieure geliefert. Sie werben sich ben Kopf zerbrechen müssen, wie sie bas störrische unb kostspielige Frachtgut, bas man Passagiere nennt, transportieren können, ohne baß es sich gegenseitig auf bie Nerven fällt. Dabei bietet man, was bisher kein transatlantisches Verkehrsmittel zu bieten hatte, eine Ueberfahrt, bei ber keine Seekrankheit zu fürchten ist. Kein Löffel Suppe ist währenb biefer Fahrt burch Schlingern unb Stampfen verschüttet, niemanb zu plötzlichem Rückzug vom Tische gezwungen worben. Alle haben bie Schönheit bes Meeres genießen bürfen, ohne feine Tücken mit in Kauf nehmen zu müssen.
„<5raf Zeppelin" startet Montagabend in Frankfurt.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist, wie bereits gemelbet, am Freitag von seiner zweiten bies» jährigen Südamerikareise glatt in Friedrichshafen gelandet. Bei der Landung in Rio am 2. Mai war eine leichte Beschädigung am Gerippe bes Schiffes eingetreten, bie behelfsmäßig an Ort unb Stelle ausgebeffert würbe. Die DoUftänbige Ausbesserung bes Schabens wirb am Spnntag beenbet sein, so daß „Graf Zeppelin" am Montagvormittag nach Frankfurt übergeführt werben kann, von wo aus am Montagabend bie dritte diesjährige Reife nach Südamerika angetreten wird.
einer Krisis ber italienischen Kriegführung in Ostafrika ben günstigen Augenblick für einen Ausweg aus bem britischen Dilemma. Der Pariser Plan hätte vielleicht die Zustimmung Mussolinis gefunben. Aber in falscher Einschätzung ber politischen Lage Englanbs schickte die über die vermeintliche Schwäche empörte englische öffentliche Meinung ihren Außenminister in bie Wüste und die Sanktionspolitik wurde fortgesetzt, obwohl sie ohne den Willen, sie bis xum letzten Mittel, bem Appell an bie Waffen, durchzuhalten, von vornherein zum Scheitern verurteilt war, sofern nicht Italien in Ostafrika Schiffbruch erleiben würde. Mit bem italienischen Sieg ist bie Sanktionspolitik gescheitert. England, bas burch bas Sichversagen Frankreichs seine Hoffnung auf eine „kollektive Friedenssicherung" getäuscht sah, hat baraus schon die erste Lehre gezogen: bie gewaltige Aufrüstung ber britischen See- unb Luftmacht, bie sogar nicht vor einer beträchtlichen Erhöhung der Steuerlast zurückschreckt, ist die erste Antwort auf bas offensichtliche Versagen bes Völkerbundes, den Frieden durch gegenteilige Bindungen und Aechtung des Angreifers zu bewahren ober gegebenenfalls wiederherzustellen.
Werfall auf den Eisenbahnzug Addis Abeba-Dschibuti.
Paris, 9. Mai. (DNB. Funkspruch.) Auf ben Personenzug, ber am Freitagabenb in Dschibuti eintraf, ist kurz nach Verlassen ber abessinischen Haupt» stabt von Räubern ein Ueberfall ver- ü b t worben, ber aber burch bie mit diesem Zuge nach Diredaua zurückkehrenden französischen Senegaltruppen rasch abgewehrt wurde. In Diredaua herrschte, als der Zug einfuhr, einige Aufregung, weil Eingeborene versuchten, bas bärtige Zollager zu plünbern. Die französischen Truppen konnten jedoch burch Maschinengewehrfeuer bie Drbnung rasch roieber Herstellen. Italienische Truppen sind in einem zweiten Zuge bis Direbaua gefahren unb haben an allen wichtigen Punkten ber Eisenbahnstrecke starke Besatzungen zurückgelasien. Die Einreise nach Abessinien mit ber Eisenbahn ist zur Zeit untersagt. Nur bas Eisenbahnpersonal bars bie Züge, mit einem Sichtvermerk bes italienischen Konsuls in Dschibuti versehen, benutzen.
Kleine Zwischenbilanz an Vvrd.


