m. 7 Drittes Blatt
(Weiter Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Donnerstag, 9. Jammr (956
Dritter Reichsberufswettkampf.
Hiilerjungen! BOM-Mä-el!
„Der Reichsberufswettkampf ist das Symbol der Hitlerjugend", so sagt Baldur von Schirach. Die Teilnahme an ihm ist Beweis eures Leistungswillens und hohe Ehre zugleich. Der diesjährige Wettkampf soll — das ist unser fester Wille — den vorjährigen abermals übertreffen in Ausmaß, Organisation und Leistung.
Rur noch wenige Tage könnt ihr euch zum RBWK. 1936 melden. Nutzt die Zeit.
Meldet euch sofort! Hessen-Nassau voran!
Der Führer des Gebietes 13:
gez.: Herbert Potthoff, Oberbannführer.
Die Führerin des Obergaues 13: gez.: Else Riese, Gauführerin. Oie Wettkampftage
Die Wettkampftage für die verschiedenen Wettkampfgruppen beim Reichsberufswettkampf sind nunmehr endgültig festgelegt. Wir geben nachstehend die Verteilung der Wettkampftage bekannt:
Sonntag, 2. Februar: Appell aller Wettkampfteilnehmer.
Montag, 3. Februar: Wettkampfqruppen: Eisen und Metall (Industrie), Handel.
Mittwoch, 5. Februar: Wettkampfgruppen: Friseure, Eisen und Metall (Feinmetall), Verkehr und öffentliche Betriebe, Bau, Hausgehilfen.
Freitag, 7. Februar: Wettkampfgruppen.- Eisen und Metall (Handwerk), Leder, alle Mädel von Eisen und Metallgruppen.
Sonntag, 9. Februar: Wettkampfgruppen: Gesundheit, Bergbau.
Dienstag, 11. Februar: Wettkampfgruppen: Nährstand, Bekleidung, Holz, Chemie, Stein und Erde, Gaststätten.
Donnerstag, 13. Februar: Wettkampfgruppen: Nahrung und Genuß, Druck, Papier,
3. Reichsberufswettkampf 1936.
Betriebssichrer! Handwerksmeister!
habt Ihr schon veranlaßt, daß sich Eure Lehrlinge zum 3. Reichsberufswettkampf vom 2. bis 15. Februar angemeldet haben? Meldeschluß am 15. Januar! Anmeldeformulare durch die Berufsschulen und die Jugendwatter der DAF.
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Freie Berufe (einschließlich Kindergärtnerinnen).
Samstag, 15 Februar: Wettkampfgruppe: Textil.
Mit Ausnahme der Wettkampfgruppen „Eisen und Metall" kämpfen die Mädels aller Wettkampfgruppen an den allgemein festgesetzten Wettkampftagen.
Die Fachgruppe „Tabak" wird in den einzelnen Tabak-Betrieben geprüft.
Gruppe Kaufleute. Gießen: Pg. Wertes, Schanzenstraße 18; Grünberg: Pg. Pfeffer, Londorser Straße; Hungen: Pg. Weber, Bahnhofstraße; Lich: Pg. Schwab, Oberstadt 5.
Gruppe Jungdentisten. Gießen: Pg. Scheiter, Großer Steinweg 21.
Gruppe Gaststätten. Gießen: O. Schneider, Kirchstraße 16
Gruppe Metall. Gießen: Gewerbelehrer Uih- lein, Kirchstraße 16; Grünberg: wie oben; Hungen: wie oben; Lich: wie oben; Lollar: Gewerbelehrer Weisel.
Gruppe Holz. Gießen: Fachlehrer Lehrmund, Kirchstraße 16; Grünberg: wie oben; Hungen: wie oben; Lich: wie oben.
Gruppe Lebensmittel und Tabak. Gießen: Bäcker Neurath, Asterweg 26; Metzger Nau, Neustadt 11; Grünberg: wie oben; Hungen: wie oben; Lich: wie oben. — Verschiedene Tabak
fabriken: Werkmeister lt. besonderer Aufstellung. Verantwortlich: Otto Pipper, Gießen, Schanzenstraße 18.
Gruppe Nährstand. Gießen: Gärtner Eberh. Schwarz, Kugelberg 2; Jungbauern Franz Hennecken, Marburger Straße 65; Londorf: Jungbauern Hch. Sch u d t, Hofgut, Tel. 21; Rodheim über Hungen: Jungbauern Erich Hofmann, Hof Graß, Telephon 89.
Gruppe Stein und Erde. Gießen: Willy Woelke, Kirchstraße 16; Abendstern: Aug. R e h- berg, Tonwerk Abendstern; Mainzlar: Jng. Kirdorf, Didierwerke.
NSG. Wieder rufen wir Euch wie im vergangenen Jahr. Macht mit bei dem großen Leistungskampf der deutschen Jugend 1936! Die Kameradinnen in der Stadt, gleich ob sie in der Fabrik, hinter der Maschine, in der Schreibstube oder im Kaufhaus ihr Brot verdienen, alle treten sie zum Berufswettkampf an.
Da dürft auch Ihr nicht fehlen! Auch Ihr steht in der großen Front der Jugend! Und nicht der kleinste Teil der deutschen Jugend erfüllt seine tägliche Pflicht an der deutschen Scholle. Keine Berufsgruppe ist allein zahlenmäßig so stark wie die der L a n d m ä d e l. Hierzu kommt noch, daß jedes Mädel auf dem Bauernhof von klein auf die Arbeiten bei der Mutter gelernt hat, daß es mit der Arbeit groß geworden ist.
Was die Kameradinnen in der Stabt sich in dreijähriger Lehre an Können im Beruf aneignen müssen, ist Euch täglicher Pflichtenkreis. Zeigt, daß Ihr als rechte Bauerntöchter zu wirken und zu schaffen versieht. Zeigt, daß Ihr stolz auf Euer Tagewerk seid, ebenso stolz wie die Kameradinnen der Stadt.
Glaubt nicht, daß Ihr vor Aufgaben gestellt werdet, die Ihr nicht meistern könnt. Alle Aufgaben sind Eurem täglichen Pflichtenkreis entnommen. Daß Ihr Holzbütten reinigen könnt, ist doch klar; und spülen und Fenster putzen könnt Ihr doch auch. Fragt Eure Kameradinnen, die im vorigen Jahr mitgemacht haben; solche und ähnliche Aufgaben wurden gestellt.
Oer Plattfuß als Volksübel.
Von Or. Heinz Jansen.
Die Zunahme des Plattfußleidens ist ein ernstes Problem, das bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Es spielt nicht in allen Ländern eine gleich wichtige Rolle. Italien zum Beispiel kennt keine Plattfußfrage. Auch in Griechenland ist der Plattfuß von äußerster Seltenheit. Dagegen haben die nördlicher gelegenen Länder alle ihre Plattfußsorgen. Es wird ärztlicherseits angenommen, daß die Rachitis, die trotz ihres starken Rückganges in den sonnenarmen Ländern noch immer große volksgesundheitliche Bedeutung hat, bei der Entstehung des Plattfußes eine entscheidende Rolle spielt. Auch eine angeborene Schwäche des Bindegewebes muß für das Entstehen des Nebels verantwortlich gemacht werden.
In Deutschland ist der Plattfuß zweifellos ein Volksübel. Jährlich werden Tausende von sozialen Existenzen durch dieses scheinbar so harmlose Leiden vernichtet. Die Gefahren der chronisch verlaufenen Plattfußleiden bestehen in der Minderung der Arbeitskraft und auch der militärischen Schlagkraft. Gute Marschleistungen werden auch in Zukunft trotz weitgehender Motorisierung der Heere von ausschlaggebender Bedeutung bleiben. Wie wichtig dieser Faktor im Kriegsfälle sein kann, zeigt Dr. P i tz e n in einer Statistik, in der er nachweist, daß während des Weltkrieges in einem Regiment
Gruppe Bergleute. Großen-Linden: Obersteiger Schäfer, Grube Fernie.
Gruppe Druck und Papier. Gießen: Rektor Adam, Kirchstraße 16.
Gruppe Leder (auch Polsterer, Tapezierer und Dekorateure). Gießen: Johann Neumann, Kirchstraße 16.
Gruppe Bau. Gießen: Herr Schuch ardt, Kirchstraße 16.
Gruppe Textil. Grünberg: wie oben.
Gruppe Bekleidung. Gießen: Heinr. E u l e r, Kirchstraße 16; Grünberg: wie oben.
Gruppe Friseure. Gießen: Herr T r ä n t n e r, Kirchstraße 16.
Xanbmäbel tretet an znm Reichsbernfswettkamps!
Aus der provinzialhaupisiadi.
Ich weiß, nun denkt Ihr, die Mädel, die eine bäuerliche Werkschule besuchen konnten, sind um ein großes Stück im Können voraus. Nein, in diesem Jahr' gibt es für Mädel, die eine Fachschule besuchen, besondere Ausgaben. Also meldet Euch an als Bauernmädel m i t oder ohne Fachschule.
Es ist dafür gesorgt, daß Ihr nur Aufgaben bekommt, die Eurem Alter entsprechen. Teilnehmen können überhaupt nur Mädels im Alter von 15 bis 21 Jahren. Die Teilnehmerinnen werden nach Altersklassen in Leistungsklassen eingeteilt. Auch auf die Verschiedenheit der ländlichen Arbeitsgebiete wird Rücksicht genommen. Die Mädel aus den Weinbaugebieten melden sich als Winzerinnen und erhalten entsprechende Aufgaben. Mädel, die in einer landwirtschaftlichen Lehre find, nehmen am Reichsberufswettkampf als „Landmädel mit Fachschule" teil, da sie eine gründlichere Ausbildung haben als die Bauernmädel schlechthin.
Landarbeiterin, an dich noch ein besonderes Wort! Melde auch du dich zum Berufswettkampf und reihe dich ein in die Front der anderen Kameradinnen vom Land. Die Aufgaben sind so, daß auch du sie lösen kannst.
Während die Welt um uns in harter Fehde liegt, tritt die deutsche Jugend an zum friedlichen Leistungskampf. Bauernmädel, wollt Ihr da fehlen? Heute noch müßt Ihr den Anmeldeschein bei dem Ortsbauernführer ausfüllen. Letzter Meldetag ist der 15. Januar 1936.
mit 16 Kompanien nach kurzer Zeit, in der anstrengendere Marschleistungen erforderlich waren, zwei Kompanien, d. h. 12 v. H. der Mannschaften, infolge eines Fußleidens ausfielen. Dr. Blänke hat vor zehn Jahren bei zwei Drittel aller Schulanfänger einen Plattfuß feftftellen müssen. Die Ortskrankenkasse München hat 1931 1OOOOO Mark allein für Fußeinlagen ausgeben müssen. Diese Zahlen sprechen eindringlicher als alle Neberlegungen.
Der Plattfuß ist zweifellos eine Folge der Zivilisation. Der Menschenfuß ist nun einmal nicht dazu geschaffen, jahraus, jahrein viele Stunden am Tage auf hartem Stein- ober Betonboden zu gehen oder zu stehen. Man hört im allgemeinen, daß die gefährdetsten Berufe, die am ehesten eine Plattfußneigung fördern, die Industriearbeiter, Bäcker und Kellner seien. Man vergißt aber allzusehr, daß auch alle Hausfrauen, Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute, kurz alle Menschen, die ihr Beruf oder ihre Tätigkeit zu mehrstündigem Stehen zwingt, in gleicher Weise bedroht sind. Der Schuh, der anfänglich eine schützende Hülle, ein Wohltäter der Menschheit fein sollte, ist vielfach umgekehrt ein Quälgeist. Der Fuß ist der Sklave des Schuhes, dessen Form und Aufbau von der Mode bestimmt werden. Durch unzweckmäßige Schuhe verkümmern die Fußmuskeln und das Ergebnis ist jene angeborene Fußschwäche, die Äs ererbte Plattfußanlage heute so häufig in Erscheinung tritt.
Man unterscheidet zwischen einem angeborenen
Vom Schlaf der Elefanten und ihrer Schläue.
Von Paul Eipper.
Jumbo steht Kopf.
Ein alter Zirkusmann hat mir diese Geschichte erzählt: im Stall eines festen, steinernen Zirkusgebäudes standen über Winter vier Elefanten, drei weibliche und ein junger Bulle. Jener durchaus gutmütige Elefant war nicht nur besonders klug, sondern auch von erstaunlicher Lernbegier. Er wurde in diesen Winterwochen „dressiert", das heißt, sein Lehrer zeigte ihm Kunststücke, die innerhalb der körperlichen Fähigkeiten des Elefanten lagen und die nun jeden Morgen in der Manege „exerziert" wurden. Als der Elefantenjüngling schon mancherlei einfache Dinge konnte, versuchte sein Lehrer, ihm das „Kopfstehen" beizubringen. Bei den ersten Proben wollte die Sache nicht gelingen, und weil man junge Tiere keineswegs überanstrengen und nervös machen darf, ließ der Dompteur die Kopfftandübungen in den nächsten Tagen nicht mehr ausführen. Bis die Stallwache meldete, daß Jumbo ganz für sich allein im Keller das „Auf-dem- Kopf-Stehen" übe.
„Keller" ist als Bezeichnung für jenen Stall ein wenig übertrieben; immerhin, er liegt etwas unterhalb der Straßenhöhe; fünf Stufen führen hinab, bzw. eine schräge Knüppelrampe.
Den Kellerstall hat nun Jumbo eines Tages in eine riesengroße Badewanne verwandelt. Mitten in der Nacht stürzte der Wärter aufgeregt in den Schlafraum des Dompteurs und schrie: „Ihre Elefanten stehen bis zur Brust im Wasser, und die afrikanischen Ziegen retten sich nur durch Schwimmen vor dem Ersaufen."
Was war geschehen? An der einen Wand des Elefantenstalles befand sich seit vielen Jahren ein Wasserleitungshahn. Jumbo in feiner Neugier (oder in feinem Eifer, wieder ein Kunststück mehr zu lernen) hat solange mit dem Rüsselfinger an jenem Hahn herumgedreht, bis er aus der Wand herausgeschraubt war und ein dicker Wasserstrahl hemmungslos hervorschoß. Auf der nächsten seiner nachl'stchen Runden sah nun der Wächter die vier Elefanten vergnügt im unvorschriftsmäßigen Bade planschen, durch das ihre Stallgenossen, die Ziegen, in ernsthafte Gefahr gebracht wurden.
Der Elefantendompteur hat natürlich sehr geschimpft, als er, notdürftig bekleidet und recht schlaftrunken, erst den großen Haupthahn suchen und dann den Rest der Nacht hindurch den Elefantenkeller trocken pumpen mußte.
Doch hinterher erzählte er lachend, wie luftig das Bild der vier Elefanten gewesen sei, die sich gegenseitig von der Stirn über den Rücken bis zum Wedel naß spritzten und sich mit den festen Bestandteilen der keineswegs wafferklaren Badebrühe bewarfen.
Am anderen Morgen wurde die Leitung unter Zement gelegt und kein Hahn mehr angebracht. Aber wer beschreibt das Entsetzen des Dompteurs, als er in der kommenden Nacht mit dem gleichen Schreckruf aus feinem Schlaf gerissen wurde!
Jumbo, dieser überdurchschnittlich kluge Elefant, hatte es fertigbekommen, die Wasserleitung — wahrscheinlich mit Hilfe seiner Stoßzähne — aus ihrem Zementbett herauszupolken und das Badespiel von neuem in Gang zu bringen. Sobald er aber nun aus der Ferne die grimmig tobende Stimme feines noch unsichtbaren Lehrmeisters hörte, duckte er sich — nach dem Bericht des Wächters — schlau und geschickt hinter die drei Elefantenkühe, die ihrerseits mit dem Recht vollkommener Unschuld freundlichmild dem oben an der Rampe erscheinenden Dompteur entgegenblinzelten. Und rauschend floß der dicke Wasserstrahl weiter!
Ein Nachterlebnis.
Nicht alle Nächte von Elefanten verlaufen so aufgeregt. Ich erlebte während dieses Sommers die Freude, um Mitternacht das Dickhäuter-Warmhaus des Münchner Tierparks betreten zu dürfen. Heinz Heck hat dort die wohl umfangreichste Elefantenherde Deutschlands untergebracht, einen fast ausgewachsenen Bullen mit herrlich starken, langen Stoßzähnen, sechs oder sieben Elefantenkühe und mehrere Jungtiere.
Damals in der Nacht trat ich auf Zehenspitzen ins Haus, das, von einer kleinen Deckenlampe nur schwach erhellt, mir seine Geheimnisse offenbaren sollte. Ich wußte, daß die Elefanten im Jnnenftall auf vier oder fünf Plattformen verteilt werden; der große Bulle bleibt in der Mitte für sich allein, rechts und links hausen die Mütter und die Jungen.
Aber meine Augen/sahen zunächst keine Tiere; ich hörte nur, hörte die Stille des hohen Raumes, hörte die Lautlosigkeit hurch den schwingenden Atem der Tiere. '
Dann, nach einer ganzen Weile, wurde meine Wahrnehmung erfüllt von würzigem Heuduft, von der Wärme lebendiger Geschöpfe.
Welcher Geschöpfe? — Elefanten! Dort, jenseits des Absperrgrabens müssen sie stehen, kauern, liegen. Aber Elefanten sind bekanntlich von wuchtiger Gestalt, groß, rauh und schwer. Meine Augen sehen nur weißlich-silbergraue Schemen, Körper zwar, doch von einer ganz zarten, silbrig schimmernden Haut überspannt.
Es ist natürlich die vom Tageslicht her wohlbekannte Elefantenherde gewesen, und nach der ersten Viertelstunde des Staunens habe ich mich auch ganz zur Wirklichkeit zurückgefunden. Nur sprechen konnte ich nicht, obwohl ich gern „Cora" oder eine der anderen Elefantinnen angerufen hätte. Denn in dieser Nachtstunde war jedes tatsächliche Ereignis wie ein gar nicht faßbarer Traum.
Dort liegen auf der gelben Strohschütte zwei große Elefantentiere, und über ihre hochgewölbten Körper klettert spielerisch ein rüsselschwenkendes, molliges Kind, macht ganz für sich allein Turnübungen um Mitternacht. Als es schließlich müde wurde, sich hinlegte, stand das eine große Tier auf und deckte das Junge mit lockeren Strohgarben zu.
Nebenan schlief das noch wesentlich kleinere, vor kurzem erst geborene Elefantenkind lange Zeit reglos neben seiner stehenden Mutter. Plötzlich richtete es sich hoch, ging an den Milchquell, trank ein paar Schlucke, bummelte zwei Runden durch den Raum und legte sich wieder. Das gleiche geschah eine Viertelstunde später, vollzog sich auch zum dritten Male.
Zum stärksten Erlebnis wurde mir jedoch jene Elefantin, die (keineswegs die Mutter) auch im Schlaf sorgende Fühlung mit dem dritten Elefantenkind behielt. Dieses Jungtier lag auf der Seite, halb verborgen im Stroh, und schnarchte laut. Hinter ihm stand die Große, nicht pendelnd, wie das für gewöhnlich Elefanten tun, sondern ganz reglos, ließ ihren Rüssel lang hinunterhängen, so daß seine Spitze eben den Körper des Jungen berührte. Aufmerksam sah die (Elefantin aus ihren kleinen Augen zu uns Menschen herüber; aber nach einer Weile fielen die langbewimperten Lider über das Sehkristall; vor Müdigkeit war das alte Tier im Stehen eingeschlafen. Der Rüffelfinger blieb nach wie vor in der behutsam angedeuteten, kaum noch körperlich zu nennenden Fühlung mit dem Kind.
Plattfuß, einem Plattfuß, der durch Unfälle ober Verletzungen entstanden ist, und einem Plattfuß, der durch falsches Gehen und Stehen hervorgerufen wird. Beim Säugling dürfen wir nicht allzusehr erschrecken, wenn die übliche Fußwölbung fehlt. Denn durch das Fettpolster im Fußgewölbe wird ein Plattfuß oft vorgetäuscht, der sich im Laufe der Entwicklung des Kleinkindes als völlig harmlos herausftellt. Die Folgen eines Plattfußes machen sich nicht nur in den Schmerzen bemerkbar, die außer am Fuß ausstrahlen können zum Knie, zur Hüfte, ja bis ins Kreuz hinauf, sondern was viel schwerwiegender ist, der gesamte Aufbau des Beines leidet durch einen Plattfuß. Die Muskulatur wird dauernd überanstrengt. Es treten Mus- kelhärten auf, die Gelenke werden vorzeitig verbraucht, so daß Gehftörungen auftreten. Wird aber die Gehfähigkeit schlecht, so nimmt das Körpergewicht zu. Dies führt wieder zu Stoffwechselstörun- gen, so daß ein unablässiger und verhängnisvoller Kreislauf das Gesamtbefinden des plattfußkranken Menschen schwer beeinträchtigen kann. Es liegt also im Interesse nicht nur des einzelnen, der unter seinem Plattfuß oft schwer seelisch zu leiden beginnt, sondern auch im Interesse des Volksganzen, daß eine Plattfußanlage frühzeitig erkannt und fachärztlich behandelt wird. Denn nur so ist wirkliche Gewähr dafür gegeben, daß aus einer harmlosen Fußsenkung nicht ein Leiden entsteht, das das Leben eines Menschen verbittert, ihn beruflich schwer hemmt und die Allgemeinheit mit vermeidbaren Kosten belastet.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, für Frauen, fröhliche Gymnastik, Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Gloria- Palast, Seltersweg: „Helene", auf der Bühne Antonio Bazzanella. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die selige Exzellenz". — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr, Lichtbilder-Vortrag in der Neuen Aula von Prof. Dr. Maull, Graz. — Ober- hessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz), 11 bis 18 Uhr, Ausstellung des Künstlerbundes „Isar".
Aus parteiamttichenDekanntmachungen
Die Bezirks- und Schulgruppenobleute sowie die Kassenwarte des NSLB. Kreis Gießen treffen sich am kommenden Samstag, 11. Januar, 15.30 Uhr, in der Goethe-Schule zu Gießen zu einer Besprechung.
Oie Mondfinsternis.
Am gestrigen Mittwochabend konnte der interessante Vorgang der Mondfinsternis von Gießen aus sehr genau verfolgt werden. Zwischen 17 und 18 Uhr war der Himmel noch ziemlich bewölkt, es handelte sich jedoch um eine stark gebrochene Wolkendecke, so daß man den Mond immer wieder, wenn auch etwas verschleiert, aus den Wolken her- oortreten sah. Man hatte unter diesen Umständen die Möglichkeit, das allmähliche Fortschreiten der Verfinsterung wahrnehmen zu können. Der Himmel klärte sich dann immer mehr auf und war schließlich gänzlich frei von Wolken. Es war ein außerordentlich fesselndes Schauspiel, das sich nun dem Beschauer darbot. Das verfinsterte Bild der Mondscheibe zeigte eine rötlich-graue Färbung, die sich allmählich so weit ausdehnte, daß schließlich nur am rechten unteren Rand der Mondscheibe ein ganz schmaler Streifen hell verblieb. In diesem Zustand der Verfinsterung sah man den Mond etwa bis 19.25 Uhr, von da ab konnte man feststellen, daß das Licht zusehends wieder wuchs und die beschattete Fläche immer kleiner wurde. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß während der ganzen Dauer der Verfinsterung der Himmel sternklar war, jedoch mit der Verringerung der beschatteten Fläche und dem Freiwerden der Mondscheibe auch wieder Wolkenbildungen auftraten, schließlich der Mond etwa gegen 20 Uhr einen ,Hos" bekam, dem dann im weiteren Verlaufe des Abends ein leicht bedeckter Himmel folgte. Ob und inwieweit diese Erscheinungen Zusammenhänge mit der Mondfinsternis darstellen, kann natürlich nur von fachmännischer Seite gesagt werden. Interessant ist noch, daß man in unmittelbarer Nähe des Mondes eine Anzahl
Kunst und Wissenschaft.
Feuerbachs „Gastmahl des Plato" für die Reichskanzlei.
Das in der Badischen Kunsthalle befindliche Gemälde „Das G a st m a h l des Plato" von Anselm Feuerbckch ist dazu auserwählt worden, an besonders bevorzugter Stelle, nämlich in dem neuerbauten Festsaal der Reichskanzlei in Berlin, der zur Abhaltung repräsentativer Veranstaltungen des Führers und Reichskanzlers bestimmt ist, von der Leistung der deutschen Monumentalmalerei im 19. Jahrhundert Zeugnis abzulegen. Das Bild verbleibt im Eigentum des Landes Baden, seine lieber» lassung erfolgt in Form der Leihgabe. Der Badischen Kunsthalle ist für die Dauer der Abwesenheit des Bildes die Zuweisung hochwertigen Ersatzes zugefichert worden.
Wertvolle
japanische Schenkung an die Universität Bonn.
Das japanische Unterrichtsministerium hat auf Veranlassung von Professor Matsumoto unter den Freunden Deutschlands in Japan eine Sammlung japanischer Werke veranstaltet und diese Bücher als Stiftung dem Orientalischen Seminar der Universität Bonn überwiesen, als Ausdruck der Verbundenheit der Wissenschaft Japans und Deutschlands. Schon im Vorjahre war in ähnlicher Weise eine große Sammlung wertvoller Werke — etwa 200 Bände — dem Orientalischen Seminar überwiesen worden. Die soeben eingetroffene Stiftung enthält 61 Werke in 336 Bänden. Sie ist nach einem einheitlichen Gesichtspunkt ausgewählt und gibt Aufschluß über die Ideenwelt des Buddhismus und die Philosophie des Fernen Ostens.
Greta Garbo ernstlich erkrankt.
Die berühmte schwedische Filmschauspielerin Greta Garbo, die sich seit dem vergangenen Juni in ihrer Villa bei Nyköping aufhält, ist, wie erst jetzt bekannt wird, seit sechs Wochen an einer schweren Halsentzündung erkrankt. Einige Tage lang war ihr Zustand so ernst, daß die Aerzte beinahe die Hoffnung aufgegeben hatten, sie am Leben zu. erhalten. Seitdem ist jedoch eine Wendung zum Bessern efngetreten. Bis auf weiteres kann die Schauspielerin jedoch nicht nach Hollywood zurück- kehren


