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Br. 287 Drittes Blatt
Dienstag, 8. Dezember 1936
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
ihrem
Gebundene Kohlsuppe mit Speck- und Kartoffel-
Heute werden sie — wie dieses Bild zeigt — nur
arbeitet werden, da der Bauer in der damaligen noch zum Ausdreschen von Raps und Kleesamen Zeit nichts zu verschenken hatte. Unterbrechungen benutzt. In den meisten bäuerlichen Betrieben kennt gab es nur bei den Mahlzeiten. Abends wurden I man sie überhaupt nicht mehr.
dieser Eintopfgerichte gilt nur
Uckelei!
auf
Die Festlegung für Gaststätten.
2.
3.
4.
Hammelfleisch dämpft.
für
1.
Mitglied ernannt.
Der Gaststätten-Speisezettel für den Eintopfsonntag.
Wenn man umzieht, soll man sich die neue Adresse merken. Das ist die Moral der wahren Geschichte von Frau de Angeles und ihren vier Kindern.
on- den der
Dort fühlt sich der Mensch der Ecdenschwere ledig, den Göttern gleich. Prickelnder Schaumwein befördert Sie dorthin im Fluge!
SCHAUMWEIN
der Tag graute hatte man schon ein gutes Stück Arbeit geschafft. Nun gab es ein kräftiges Frühstück; denn — das wußten auch schon unsere Altvorderen zu schätzen — „ gut gefrühstückt spürt man den ganzen Tag". Dann ging es weiter bis zum Einbruch der Dämmerung. Es mußte tüchtig ge-
vorausgefetzt allerdings, daß der launische Wind nicht plötzlich kehrtmacht. Der hat es jetzt besonders gern mit dem Fabrikschlot und seinen Rauchsignalen zu tun. Nachdem kein Blatt mehr im Geäst der Allee zu seinen tollen Spielereien hängen blieb und dem schon verwesenden Laub auf den Gartenwegen kein Leben mehr einzublasen, geschweige denn Flugkraft zu wilden Lusttänzen beizubringen ist, begnügt er sich, mit dem Rauch seine Possen treiben zu können. Bald klumpt er ihn zu Wolken zusammen und bläst sie vor sich her, bald zerfranst er chn wie eine flatternde Mähne, bald wickelt er ihn wie Haarsträhnen zu Kringeln um seine unsichtbare Faust. Manchmal läßt er ihn wie eine lange ge- chmeidige Katze über die kahlen Wipfel der Allee chleichen oder knetet andere seltsame Tierleiber zurecht, oft gespensterhafte Fabelwesen mit langen Greifarmen, die wie Nebelgeister zerfließen, ehe man noch ihre Formen völlig erfaßt.
Aber vielleicht hilft da dem Winde schon immer etwas die Phantasie mit.
fange ging alles glatt. Der Mann begleitete Möbelwagen, Frau und Kinder fuhren mit Untergrundbahn.
In der neuen Wohnung wartete Angeles feine fünfköpfige Familie. Aber sie kam nicht.
gab, mußte die gesamte Ernte mit dem Flegel ausgedroschen werden. Diese Arbeit nahm Wochen, in größeren Betrieben sogar Monate in Anspruch. Hatte der Kleinbauer seine eigene Frucht gedroschen, dann ging er auf Tagelohn in die größeren Dörfer. Um vier, spätestens um fünf Uhr wurde mit der Arbeit begonnen. Zum Kaffee gab es trockenes Schwarzbrot. Da es um diese Tageszeit noch dunkel in der Scheune war, mußte Licht gebrannt werden. Damit die Strohbündel kein Feuer fingen, wurde die „Leuchte" in einen hölzernen „Leuchtkasten" gestellt, der an dem Scheunentor befestigt und nur an der Vorderseite geöffnet war. Wenn
Als einige Stunden vergangen waren, wurde er unruhig. Vielleicht hatte die Frau aus Anhänglichkeit die alte Wohnung wieder aufgesucht? Er begab sich nach der Volta Street, Niemand war anwesend.
Louis de Angeles, ein Meister des Wartens, lauerte in der Volta Street abermals ein paar Stunden auf das Erscheinen seiner Familie. Keine Seele zeigte sich. Da wurde er noch unruhiger.
Die Frau mit den vier Kindern war, wie ausgemacht, bis zur Fletbush Avenue Station gefahren, und eigentlich hätte sie von dort zu Fuß zur neuen Wohnung gehen sollen. Aber sie konnte es nicht. Ihr war die Adresse entfallen. Und so wartete sie denn in der Untergrundbahn auf Louis, den Retter.
Louis, der Retter, kam nicht. Was Wunder, daß die arme Frau unruhig wurde. Sie ging zur Polizei und bat, ihren Mann zu suchen.
Die Polizei bemühte sich stundenlang, konnte jedoch den Mann nicht ausfindig machen. Da wurde Frau de Angeles noch unruhiger.
Louis war mittlerweile zur Untergrundbahn an der Fletbush Avenue gerast. Ergebnislos. Ist es merkwürdig, daß er später mit Nachdruck betonte: nun sei er wirklich unruhig geworden?
Die Polizei übergab die Frau mit den Kindern der Heilsarmee und als Louis de Angeles endlich auf den Gedanken kam, sich an die Ordnunasbe- hörde zu wenden, wurde ihm eine erfreuliche Auskunft.
Schlag Mitternacht, genau dreizehn Stunden nach dem gemeinsamen Aufbruch am Vormittag, landete die wiedervereinte Familie in der neuen Wohnung, Pacific Street Nr. 584. „Merk dir die Adresss, für vorkommende Fälle", sagte Louis de Angeles zu seiner Frau.
Sie nahm es krumm und behauptete, ein gutes Gedächtnis zu haben.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stabttheater: 20 bis 22 Uhr ,Hänsel unb (Bretel". . Gloria-Palast, Seltersweg: „Die un-erhorte Frau .
Aus der provinzialhaupistadt.
Deutsche perlen.
Schon legen die Schaufenster in unseren Geschäftsstraßen ihr weihnachtliches Festkleid an. Es kommen ine Tage der Vorfreude und Spannung, die Wochen, in denen uns große und kleine geschriebene, gesprochene oder zart angedeutete Wünsche erreichen. Mlllionen Menschen sind auf den Beinen um diese gegenseitigen Wünsche zu erfüllen, um Freude zu spenden.
Perlen! — Irgendwo locken in den Auslagen auch die kleinen oder größeren zu Ketten aufgereihten, zu Gehangen verarbeiteten Kügelchen: die „künstlichen Perlen". Wir wollen hier nicht von jenen sprechen, die aus der Tiefe des Meeres, aus der Schale der Auster, ihren weiten Weg zu uns finden; sondern wir wollen unserer schlichten „deutschen" Perle ein paar Worte widmen, ihr, die sich zwar mit ihrer erhabenen Schwester wertmäßig nicht vergleichen kann und will, die aber wie diese das gleiche erstrebt, jedem, der sie liebt, ein schmeichelnder Schmuck zu sein.
Wir haben in Deutschland eine Perlenindustrie. „Industrie", weil die künstlichen Perlen durch Menschenhand hergestellt werden. Früher wurden sie überwiegend eingeführt. Heute aber decken unsere Perlenbetriebe nicht nur den Inlandsbedarf vollständig, sondern führen ihre Erzeugnisse auch noch aus. Die Qualität hat einen Grad erreicht, wie er einstmals nur in Frankreich in gleicher Vollendung erzielt worden ist.
Wie und woraus werden die künstlichen Berken, die häufig nicht viel größer als ein Stecknaoelkopf sind, nun hergestellt? Im Stettiner Haff (und hauptsächlich dort) kommt der Uckelei, ein Raubfisch, vor. Er selbst wird meist zu Futterzwecken verwendet, aber seine Schuppen liefern den Rohstoff zur Herstellung der künstlichen Perlen, das sogenannte „Fischsüber", das in seiner chemischen Zusammensetzung ein Gu'anin-Stoff ist. Da gerade in den Schuppen des Uckelei die Stoffe enthalten sind, die auch die Auster zur Bildung ihrer Perle benötigt, so wird ihm unter den übrigen Fischen ein besonderer Vorzug gegeben. Die dem Uckelei abgeschabten Schuppen werden — um den auf ihnen befindlichen Silberglanz in möglichster Reinheit zu gewinnen — einer chemischen Behandlung unterzogen. Die
Louis de Angeles, Angestellter einer Benzin- pumpstation, zog von der Volta Street, Neuyork, in das Haus Nr. 584 der Pacific Street, und
DNB. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den dritten Eintopfsonntag am 13. Dezember folgende vier Eintopfgerichte die Gaststätten vorgeschrieben sind:
Konzertgemeinschaft Deutscher blinder Künstler (Hessen).
Die Konzertgemeinschaft Deutscher blinder Künstler veranstaltet am morgigen Mittwoch, 9. Dezember^ in der Neuen Aula ein Blindenkonzert. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.
Landschastsbund Volkstum und Heimat
Ortsring Gießen.
Der für Mittwoch, 9. Dezember, vorgesehene Vortrag von Lic. von der A u über „Heimisches Brauchtum im Lebenslauf des Menschen" ist auf Mittwoch, 16. Dezember, verlegt.
Hitler-Zugend Dann 116 Gießen.
Belr.: Die Rede des Reichsjugendführers am Mittwoch.
Zu der Rede Baldur von Schirachs am Mittwoch, 9. Dezember, fetzen die Gefolgschaften des Bannes 116 standortweite Gemeinschaftsempfang fest, zu dem auch die Eltern eingeladen werden.
Für die Gießener Gefolgschaften gilt diese Anord-
Freiwild gr
der Flieger- und Lustnachrichtentruppe.
Das Luftkreiskommando IV Münster gibt bekannt:
In Ergänzung der durch das Reichsluftfahrtministerium wiederholt in Presse und Rundfunk gegebenen Aufrufe wird veröffentlicht, daß infolge regen Zustromes an Freiwilligen die Einstellung
einlage,
Wirsingkohl mit Rindfleisch,
Fischgericht nach eigener Wahl, mit Gemüse und Weißkohl ge-
Die Handdreschmaschine
Eine Erinnerung.
gewöhnlich die Arbeiten für den nächsten Tag vorgerichtet. Das Nachtessen bestand vorwiegend aus „Quellkartoffeln und Schmierkäs". Auswärtige Drescher hatten ihr Nachtlager im Viehstall auf einem Bund Stroh. Betten stellte man ihnen in : den seltensten Fällen zur Verfügung. Und dabei waren diese Leute noch froh, wenn sie als Tagelohn 20 oder 22 Kreuzer erhielten. In Ausnahmefällen wurden auch einmal 24 Kreuzer bezahlt, aber dieser Betrag galt schon als Rekordlohn. Nach Neujahr anken die Löhne, da um diese Zeit die meisten Bauern ihre Frucht gedroschen hatten und die Nachfrage nach Arbeit größer war als seither. Ganz chlaue Landwirte hoben sich deshalb den Ausdrusch bis zum Januar auf, da sie dann billiger durchkamen. Jedenfalls war das Dreschen mit dem Flegel eine mühsame und langwierige Arbeit. Mancher Drescher zog sich auf seinen Wanderfahrten — sei es bei der Arbeit in zugigen Scheunen, oder beim Uebernachten in dumpfen Viehställen — ein Leiden zu und sank früh ins Grab.
Allmählich kamen die Handdreschmaschinen auf, die einen ungeheuren Fortschritt bedeuteten, denn das Dreschen ging nun viel schneller vonstatten. Allerdings konnte sich nicht jeder Bauer eine solche Maschine leisten, da diese viel zu teuer war. In erster Linie kam die Anschaffung für die wohlhabenden Bauern in Betracht. Die Kleinbauern mußten sich nach wie vor mit dem Flegel behelfen. Die Maschine hatte auf jeder Seite eine Leier. Sie wurde gewöhnlich von drei oder vier starken Männern bedient. Für zwei war die Arbeit zu schwer und auf die Dauer nicht durchzuführen. Außer diesen Arbeitskräften waren vier weitere nötig: eine legte ein, die andere nahm das Stroh mit dem Rechen ober der hölzernen Gabel („Zifsel- goawel") ab, die dritte kämmte das Stroh, damit es besser eingebunden werden konnte, und die vierte band ein. Je mehr Leute mithalfen, desto besser klappte der Drusch. Allerdings spielte auch die Länge der Frucht eine Rolle. Waren die Halme kurz, dann rutschten sie viel leichter durch den Mechanismus. Weiterhin kam es auf den Einleger an. Legte er viel und unregelmäßig ein, dann mußten sich natürlich die Männer an der Leier kräftig ins Zeuge legen. Zum Ausdreschen des Korns eignete sich die Maschine weniger. Es wurde deshalb, wie früher, mit dem Flegel gedroschen. Als die Dreschmaschine mit Dampfantrieb aufkam, verloren die Handdreschmaschinen ihre Bedeutung. Sie wurden zwar weiter benptzt, aber zu Neuanschaffungen kam es nun nicht mehr.
hieraus gewonnene Masse ist das Fischsilber".
Nun geht die Herstellung der künstlichen Perle in ähnlicher Weise wie der echten Perle vor sich. Bekanntlich wird die echte Perle durch Eindringen eines Fremdkörpers in die „Wohnung", in die Muschel der Auster, hervorgerufen. In jahrelanger Arbeit legt die Auster Perlschicht um Perlschicht um den Fremdkörper, bis sie eines Tages von Fischern ober Tauchern ihrem nassen Element entrissen wirb. Auch die künstlichen Perlen besitzen einen Kern. Er ist zwar kein eingedrungener Fremdkörper, sondern wird aus Alabaster-Glas hergestellt, das in längeren Stangen auf einem routierenben Draht aufgeflammt wirb. Die Alabaster-Kerne werben nun währenb ihrer routierenben Bewegung in bas Fischsilber getaucht unb von einer Perlschicht umgeben. Die Schicht benötigt etwa einen Tag zum Trocknen. Dann wirb ber Vorgang wieberholt. Je öfter bie Perle in ben Silberglanz getaucht wirb, je bitter wirb bie Perlschicht unb je schöner ber Glanz. Nach ber letzten Trocknung werben bie Perlen von bem Draht, ber gleichzeitig bie Durchlochung erwirkt hat, abgezogen unb zum Sortieren gebracht.
Nunmehr kann bie Verarbeitung, bas Aufreihen auf Ketten, bie Herstellung von Gehängen unb von allem, was bie Mobe gerabe verlangt, beginnen Was sie im Augenblick begehrt, bas zu schilbern fall nicht unsere Aufgabe sein. Dem Schenkenden werben es bie Weihnachtswünsche halb verraten. Wir aber wissen jetzt, baß bie künstliche Perle genau wie ihre echte Schwester ihren schimmernben Glanz den Tieren bes Meeres verbankt. Hie Auster, hie
H. 13.
Kleine Geschichten ans Amerika.
Von Waldemar Keller
Herr X. tn Montreal — bie Zeitungen brüben verschweigen taktvoll seinen Namen — war Eigentümer eines Achtfamilienhauses, aber bas ganze Haus stanb leer. Warum es leer stanb, erfahrt man nickt Die Ereignisse rechtfertigen ledoch die Annahme, baß zwischen der persönlichen Eigenart des Herrn X. unb ber Abneigung ber Montrealer, bei ihm zu wohnen, ein gewisser Kausalzusammenhang D°$errbin fuh^mit seiner Frau aufs Laub. Bevor er reiste, beauftragte er bie Polizei, bas leer- stehenbe Achtfamilienhaus zu bewachen. Sorglosigkeit sieht anbers aus. Unb ist einer nicht sorglos, bann hat bas immer Gründe.
Die Polizei rückte mit einem Doppelposten an, her sich Tag und Nacht ablöste.
Zum Erstaunen der Wachehabenden erschien platz, llch eine Schar °°n dreihundert Mannern nut allen Anreichen bes Arbeitseifers. Sie trugen Schaukeln und Spitzhacken und begannen das Haus lystema-
es merkwürdig, datz Herr X. davon kein Wart gesagt hatte. Immerhin - er mit feinem Hause machen, was er wollte, und die Arbettswut von dreihundert Menschen soll man nicht stör-n. Brav bewachten die Polizisten die Abbruchsarbeiten.
Die Feldarbeiten sind soweit beendet. Für unsere Landwirte kommt nun eine ruhigere Zeit, bie ihnen in biesem Jahre besonbers zu gönnen ist. Zwar gibt es in Haus, Hof unb Stallungen ben ganzen Winter über zu tun, aber biefe Arbeiten sinb boch nicht mehr so anftrengenb unb brängenb, wie im Sommer unb Herbst.
Ganz anbers war es in bieser Jahreszeit vor etwa 60 Jahren. Da galt es, noch eine Hauptarbeit zu erlebigen, bie man sich absichtlich für biefe Wochen aufgehoben hatte, nämlich bas Dreschen ber Frucht. Da es noch keine Dreschmaschinen
Als Herr 3E. von ber Erholungsreise zurückkehrte, war an Stelle seines Hauses eine öbe Kuhle im Erbboben. Alles Material — Dachziegel, Backsteine, Holz, Metallteile usw. — hatten die Männer fort- geschafst. Herr T. erlitt einen leichten Schlaganfall.
Denn er hatte keinerlei Anweisung gegeben, das Haus abzubrechen. Die dreihundert Männer waren ehemalige Mieter des — nunmehr — ehemaligen Hausbesitzers.
Herr I. hat drei Verdächtige festnehmen lassen und eine Klage gegen die Polizei angestrengt. Ganz Montreal freut sich auf den Prozeß.
*
Am 1. Oktober 1881 hat es in Albany geregnet. Das steht ein für allemal fest, nachdem die Geschichte von der Eisenbahnfahrkarte des Friedensrichters Frank Titchener, bortfelbft, ans Licht gekommen ist.
Am Vorabend jenes Tages loste sich Herr Titchener eine Karte, um zu dem Line-County-Jahrmarkt zu fahren. Aber es regnete, wie gesagt, und der Friedensrichter verzichtete auf bie Reife.
Eine Woche dauert ber Jahrmarkt. Während dieser Woche hatte Herr Titchener keine Zeit So kam er also im Jahre 1881 überhaupt nicht dazu, sich das Vergnügen eines Bummels zu machen.
Ob es im nächsten Jahr wieder geregnet hat, bleibe dahingestellt. Jedenfalls fuhr Herr Titchener nicht, und er ist auch später nicht gefahren, wenngleich ihn dauernd der Wille beseelte, dem Line- County-Jahrmarkt einen Besuch abzustatten
Fünfundfünfzig Jahre hat der Friedensrichter Frank Titchener auf die Gelegenheit gewartet, seine Eisenbahnfahrkarte zu benutzen. Nun hat er es auf- gegeben.
Er sandte dieser Tage das Billett an die Bahnverwaltung und bat um Rückerstattung bes Fahrgelbes.
Daß Herr Titchener bas Gelb wieberbekommt, ist unwahrscheinlich. Aber sein Bild prangt tn allen amerikanischen Zeitungen. Auch mit Hilfe einer unbenutzten Bahnkarte kann man sich das verschaffen, was der Amerikaner „Publicity“ nennt.
Nachdem der Friedensrichter Titchener auf dieses Bekanntwerden in weitesten Kreisen ebensolange gewartet hatte wie auf die Erfüllung seiner Jahrmarktswünsche, kam ihm der gute Gedanke. Wenigstens für vierunzwcmzig Stunden wurde er in der Öffentlichkeit genannt, und zwar deshalb, weil es am 1. Oktober 1881 in Albany geregnet hat.
Der FabnWol.
23 on Peter Bauer.
Vor Jahren noch glich er einer einsamen Säule, ; bem letzten Ueberbleibsel eines stolzen verschütteten Baus. Ich empfanb ihn oft störenb m bem Lanb- schaftsaus chnitt, ber sich bem Rahmen meines Fensters wie ein Bilb einfügt. Er überragte bie vor.ym lieqenben Gärten unb Gewächshäuser mit ihren schimmernben Glasbächern sowie ein ö urf Allee wie ein wuchtiger Riese. Ein starres Ungetüm, bas mit fteinerner Teilnahmslosigkeit Fruhlmge unb Sommer um sich aufgrunen unb blühen sah unb nur in nebeligen He?bst- unb Wintertagen zuweilen seine erbgebunbene Schwere verloren zu haben unb ast am grauen Horizont zu entschweben fd^n. ' Eines Tages aber entquollen ihm dicke Rauchschwaben wie bem Krater eines seither stillen Vulkans Sie stiegen steil unb kerzengrab empor in den blauen Himmel, wie wenn ein mächtiger Baum mit einem Mal um einen neuen kraftvollen Trieb Men schlanken Wuchs ein ansehnliches Stuck ver- ängert Der schlafende Riefe war erwacht und wetteifer e nun auf seine auch im Lebendig- und Tatig- fe n auffallende Weise mit den verhalten und ge- LniÄott wirkenden Krusten der Natur. Es wurde eine ftreube seinen Eifer zu beobachten.
An schönen Tagen, wenn der sonnige l der Erde entrückter als sonst, ,eden »ick, i-d LWMWUM aber trübes Gewölk an und engt den Horizont ein, dann erinnert der Schlot an einen ‘ iW
nenmast, an dem weit entrollt d'e I-hwarze oder graue Fahne der Arbeit wogt und weht ne^n®SÄ
bereitet. Ich weiß: flattert die^schwarze Fahne^n°q SÄ A-S'L aÄ'frÄ' lieber, auch auf bie Gefahr hm, naß zu werd , das leidige Ding zu Hause. t)er Staber bie Rauchfahne in gleicher Wes m gegengefetzten Seite, bann heißt das. e
— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Onkel Bräsig". — Weihnachts-Ausstellung ber oberhessischen Künstler: ab 17 Uhr im Turmhaus am Branb.
Sladtthealer Gießen.
Heute abenb finbet bie Aufführung ber Märchenoper „Hänsel unb Gretel" von E. Humperbinck statt. Die musikalische Leitung hat Hans H. Hampel. Die Spielleitung führt Paul W r e b e. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr, Enbe 22 Uhr. Dienstag-Miete. 12. Vorstellung.
Das Stabttheater bereitet für bie Weihnachtsfeiertage bie Erstaufführung ber Ausstattungs-Operette „Prinzessin Nofretete" vom Nico Dostal vor. „Prinzessin Nofretete" ist vor kurzer Zeit mit großem Erfolg in Köln uraufgesührt worben. Auch in. Freiburg im Breisgau konnte biefe Operette ben gleichen großen Erfolg erzielen. Das Stabttheater Gießen schließt sich als drittes Theater ber Aufführung ber „Prinzessin Nofretete" an. Die Spiel- I leitung ber Operette hat Paul W r e b e.
nung nicht, für biefe kommen noch nähere Anwei- jungen heraus.
Bett.: Dienst vom 7. bis 12. Dezember 1936.
Der Dienstbetrieb in ben Fähnlein 1, 2, 3, 4, 5, 21 wirb sofort roieber in vollem Umfange ausgenommen.
Bett.: Schneeschuhlauf.
Der Stamm Chatten (Gießen) veranstaltet in ben Weihnachtsferien ein Schneeschuhlager im Schwarz- walb. Sämtliche Junggenossen, bie teilnehmen wollen, melben sich bis 12. Dezember 1936 beim Stammführer.
Bett. Sportabenb.
Die Führerschaft bes Fähnlein 2 unb 4 treten heute um 20 Uhr in ber Turnhalle bes Gymnasiums zum Sportabenb an.
Eilbefehl des Untergaues 116 Gießen.
Mittwoch, 9. Dezember, von 20.15 bis 20.45 Uhr, spricht unser Reichsjugendführer Balbur v. Schirach über alle beutschen Senber zu ben beutschen Eltern zum Gesetz über bie Hitler-Jugend.
Alle Mädel und die IM.-Führerinnen hören die Rede, möglichst als Gemeinschaftsempfang.
Die Führerin des Untergaues 116: gez. Käthe Pfeffer.
Von der Universität.
Von ber Pressestelle ber Universität Gießen wirb uns mitgeteilt:
Der Führer unb Reichskanzler hat am 12. November 1936 ben Regierungsrat im Reichsgesund- heitsamt Dr. Karl Beller in Berlin zum orbent= lichen Professor in ber Veterinärmedizinischen Fakultät und zum Direktor des Veterinärhygienischen unb Tierseuchen-Jnstituts ber Universität Gießen ernannt.
Die Kaiserlich - Leopolb. - Carolin. Deutsche Akademie ber Naturforscher in Halle hat Professor Dr. med. vet. h. c. Dr. sc. nat. Wilhelm Zwick in Anerkennung feiner hervorragenben Forschungen zu


