Ausgabe 
8.12.1936
 
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M. 287 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, 8. Dezember 1936

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^on unserem ständigen K.C.-Serichterstasten

Machdruck verboten, auch mit Quellenangabe.)

Der Führer foenbef für das Winterhilfswerk

bungen, Aufmärschen und Feiern der Bewegung vielfach Krampf und üble Schaustellerei. Nur wenige sehen wir schon in den ersten Tagen das Bemühen derVeranstalter" trugen in sich die Voraussetzung

einer gültigen Neuschöpfung, lieber ihrer häßlichen Betriebsamkeit vergaßen sie meist, daß Feier nur

weitere Arbeit in der Feiergestaltung.

Alles Nachahmen in unseren Tagen blieb leider

NSG. Mit dem Heraufkommen eines neuen Ge­meinschaftsbewußtseins erfuhren die bisher üblichen Formen unserer Feste und Feiern auch eine Veränderung. In den Zusammenkünften, Kundge-

disziplinierten Formationen schufen schon früh gütige Formen der Feiern und gaben Beispiel für alle

ganz schmucklos erklärt, dieses Abkommen liefe britischen Interessen zuwider, denn es entlaste Japan an seiner Westgrenze Rußland ge­genüber und gebe ihm freieren Spielraum im Osten. Das aber würde England in Singapore und Hongkong spüren müssen. Damit ist die Katze aus dem Sack. Das sind die Besorgnisse um den europäischen Frieden. England fürchtet, daß jedes Nachlassen des russischen Druckes auf die japani­schen Grenzen dessen Expansionsdrang zugute komme, nicht zuletzt in China. Das ist auch der Hauptgrund für die englische Politik Rußland ge­genüber, und ähnliche Erwägungen veranlassen die englische Presse auch heute noch, von derrecht­mäßigen Madrider Regierung" gegenüber denRe­bellen" zu sprechen. Während man nämlich auf der einen Seite Franco ohne weiteres zutraut, spa­nisches Gebiet an Italien abtreten zu wollen, fürch­tet man auf der anderen Seite doch, daß ein na­tionalistisches Spanien Gibraltar als Dorn im Fleisch empfinden könnte.

Das Wort und die Sprache sind mit die wert­vollsten Gaben des Menschen, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Gedanken gut verbergen. Aber meist auch nicht für immer...

um eine Neugestaltung, eine Erweiterung und Erneuerung. Die innerlich starken und äußerlich

Die Gründe für Englands Nein

Fernöstliche Gorgen.

Aber darum geht es für London gar nicht. Wenn man an der Themse von dem Bestreben spricht, sich aus einer Blockbildung herauszuhalten, sie ver- Yindern zu wollen im hohen Dienst des Weltfrie­dens, dann meint man damit etwas ganz a n = oeres Dann heißt es, in verständliche Sprache übersetzt, daß man zwar eine Blockbildung verhin­dern will, aber doch nur eine solche, die sich irgend- wle gegen englische oder Empire-Inter- essen wenden könnte. Dient sie ihnen, dann unter- stutzt man sie aber mit allen Kräften, auch auf die Gefahr hin, daß Europa dadurch in seiner Frie­denspolitik beeinträchtigt werden könnte. Und so ist es auch bei dem deutsch-japanischen Abkommen.

~te einzige englische Zeitung, die den Mut ge­habt hat, das anzudeuten wahrscheinlich war es gar kein Mut, sondern peinliches Versehen der Re­daktion, war dieTime s". Sie hat nämlich

London, Anfang Dezember, he^b e J roi°nbI daß die Veröffentlichung des deutsch -1apanischen A b k o m m e n s in London einen Sturm im Wasserglas hervorgerufen hat Die Zeitungen überboten sich geradezu in Be­teuerungen, daß England sich nie an dem Abkom­men beteiligen wurde. Die einheitliche Stelluna- nahme aller Blätter, gleichgültig, ob unter der Re- nifhto^ber'nidi? r °b an fid> «ntikommu- hnF, n d)u'r?e& dabei wohl den Rückschluß zu, daß diese einhellige Beurteilung nicht ganz ohne Einfluß von oben gewesen ist. Und der Hauptgrund dieser elnstiminlgen Ablehnung eines Vorschlages zweier Staaten die Welt solle sich gegen eTn ® i H g e m ein s a IN immunisieren das all­gemein als höchst schädlich anerkannt wird und das g^.^de letzt in Spanien seine Wirkungen jedem zeigt. Die eingeflüsterte Ansicht der englischen Presse ging und geh auch noch dahin, daß das Abkomm n dazu, dienen soll, die Welt in Zwei feindliche L^aer Zu teilen. Es soll nicht bestritten werden/'daß die ohne $rfn?n 6hnr° lh-f Manchen Fällen nicht ohne Erfolg dafür eingesetzt hat, ein Aufeinondpn- platzen weltanschaulicher Gegensätze in der aroßen Politik zu ?^dlndern. Man braucht dabei nur an ousgleichende Rolle im Nichteinmischungsaus- schuß zu erinnern. Dieses Argument aber in diesem ILin fnrMi*bFn moUtn' ift doch reichlich verfehlt, kann man dem einfach entgegenhalten, daß trotz aller Veranlassung der Vertrau Zwischen Deut chland und Japan" de^n Kreml ^ L nfp/Sr hn?xri\.nsUr £en Kommunismus; und Bartef n i Kreml mit der Kommunistischen

in 3rJUIL ^ber ba5 alles weiß man

in ßonöon natürlich, genau so gut wie überall.

Wenn wir einmal nur etwas zurückdenken, so finden wir sehr viele Beispiele, wo demokra- IrnL? Li.u-L0 Q M \ V^trage untereinander mit einer deutlichen Spitze gegen andere geschlossen haben ohne daß London in tiefsten Pessimismus über die Erhaltung des Weltfriedens versunken ^ure. Wo war etwa die vorausschauende englische Politik, als der f r a n z ö s, s ch - r u s s i s ch e V e r- r ra g geschlossen wurde; wo blieb in der ganzen Nachkriegszeit die englische Sorge um den Welt- frieben, als es die Bildung des Blocks der B e- sltzenden gegen diehave-nots nicht nur zu- hefe, sondern sogar forderte. Aber es ist ja in dem Europa von heute natürlich ein Unterschied, ob Deutschland etwas tut ober einedemokratische" Macht, deren Außenpolitik bekanntlich niemals imperialistischen" Zielen dienen kann, während alles, was Deutschland tut, eo ipso mit einem derartigen Vorzeichen versehen wird. Was hätte man in London wohl gesagt, wenn Deutschland etwa bei dem Währungsabkommen zwi­schen dendemokratischen Mächten", wie sie bei der Veröffentlichung sich bezeichneten, von einem finanziellen Schachzug gegen die faschistischen Staaten gesprochen hätte? Eine derartige Behaup­tung wäre ebenso absurd gewesen wie die heutige von einer beabsichtigten Blockbildung durch Deutsch­land. Das Abkommen steht jedem offen, der seine Bedeutung anerkennt, also auch England. Sobald es sich beteiligt, kann es ja seinen demo­kratischen Daumen zwischen die streitenden Mächte halten und dafür sorgen, daß sie nicht aufeinander­platzen und der Vertrag so gehalten wird, wie sein Wortlaut besagt. Aber einmal ganz im Ernst ge­sprochen: Heißt es nicht geradezu eine Blockbildung erzwingen, wenn man bei allem, was Deutschland oder ein anderer autorität geführter Staat vor­schlägt, Blockbildung oder Imperialismus wittert und seine Mitarbeit ablehnt?

Im Anschluß an die Strahensammlung desTages der nationalen Solidarität" fand sich eine Anzahl von Künstlern und Künstlerinnen von Bühne und Film beim Führer in der Reichs­kanzlei ein. Der Führer gab jedem Sammler einen größeren Betrag in die Sammelbüchse. Unser Bild zeigt den Führer mit Karin Hardt, Frau von Platen und Eugen

Klöpfer. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

Der Volksgemeinschastsabend.

Fest und $eicr in der HZ. Um neue Form und neuen Sinngehalt.

Glückwunsch für Mackensen.

Generalfeldmarschall von Mackensen, der am Sonntag 87 Jahre alt wurde, wird in Falkenwalde bei Stettin von Dorfkindern beglückwünscht. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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da fein kann, wo eine Gemeinschaft ist, die durch gleiches Erleben, durch gleiches Wollen und Hoffen verbunden ist. Die neue Feier setzt ein allge­mein verbindliches Lebensgefühl vor­aus, und alles Mühen ist sinnlos, wenn Feste und Feiern nicht von einer Gemeinschaft gleichen Glau­bens getragen und gestaltet werden. Auch der Stil unserer Feiern wächst nur aus einem neuen religiösen Lebensgefühl, das Geltung hat für alle zur Gemeinschaftsfeier Gerufenen.

Mit der Zurückweisung des lauten und allzu öffentlichen Getues wird aber nicht verzichtet auf die modernen Mittel der Gemeinschaftsformung. Die Hitlerjugend versucht nun in richtiger Erkenntnis der Notlage und angesichts der ihr aufgetragenen ernsten Verpflichtung auf ihre Weise erneut zur Gemeinschaftsbildung beizutragen. Mit dem Begriff des Volksgemeinschaftsabends ändern sich die bisherigen Auffassungen von den Gestal- tungs- und Erziehungsmitteln der Gemeinschaft. Sie sind so angelegt, daß jeder Volksgenosse sich gern in ihre Führung stellt. Das Lied, das Wort und das Spiel erhalten eine neue Funktion. Durch sie werden die Besucher, dasPublikum" auf be­sondere Weise zur Gemeinschaft geführt.

*

Das Lied als bedeutendster Faktor innerhalb einer neuen Gemeinschaftsbildung und Erziehung wird in erster Linie wieder die Volks­weise in den Vordergrund rücken; aufDarbietun­gen" wird verzichtet, um allen Volksgenossen Ge­legenheit zu geben, m i t z u w i r k e n.' Denn nur dann erwächst hieraus eine lebendige Gemeinschaft. Neben den alten Volksweisen werden lustige und fröhliche aus alter und neuer Zeit sowie der Wech­selgesang gesungen. Dabei wird auch das Instru­ment: die Klampfe, das Schifferklavier und selbst die Mundharmonika wieder zu Ehren kommen.

Auf den Sprechchor wird verzichtet, hingegen wird das Wort des einzelnen im Gedicht, der Vor-

Andersens Märchenstadt.

Von Olaf Gölniund.

An keiner Stelle ist das Idyll der dänischen Land­schaft vollkommener als auf der Insel Fünen, die inmitten des meergeteilten Reiches liegt und einem einzigen, fruchtbaren, wohlgepflegten und duftenden Garten gleicht, die die Dichter mit Recht den Garten Dänemarks genannt haben. Eine üppige, kraftvolle Insel mit großen Buchenwäldern und alten Herren­sitzen, mit unzähligen Hainen und meilenlangen Hecken, die im Sommer von Flieder, Weißdorn und Hollunder duften. Ein friedevoller, idyllischer Fleck, wo die Bevölkerung Blumen und Farben liebt. Hier ist auch der Boden, aus dem das dänische Märchen heroorsproß.

Mitten durch die Insel läuft von Norden nach Süden eine Au und eine halbe Meile, bevor diese Au ins Meer hinausgleitet, liegt eine alte Stadt. Niemand vermag zu sagen, wie alt sie ist. Vielleicht ist es die älteste Stadt Dänemarks. Ihre Entstehung reicht zurück bis in jene Zeiten, da die Geschichte dieses Landes sich in Sagen und Mythen verliert. Auf einem Höhenzug zwischen der Au und den schon längst trockengelegten Buchten, die von Norden ins Land hineinschnitten, hat sich die Bevölkerung ihre Heimstatt erbaut und ein Heiligtum für den obersten der Götter errichtet. Odin war der erste unter den Asagöttern, und nach ihm erhielt die Stätte ihren Namen Odense:Heiligtum Odins".

Ms dann das Christentum nach Fünen kam, wurde Oden e Sammelpunkt der Stämme und ward bann bald auch Mittelpunkt des kirchlichen Lebens. Es wurde Sitz eines Bischofs und mit verschiedenen Vorrechten ausgestattet. Kirchen und Kloster ent­standen und zogen eine zahlreiche Priesterschaft her­an. Diese gewährten auch dem König Knud im Jahre 1086 Zuflucht, als sich die Bauern gegen ihn empört hatten wegen der drückenden Steuern und Kirchenzehnten, die ihnen auferlegt wurden. Und die Bauern waren stark: Es war am 1. Juli 1086, da sie die St.-Albans-Kirche erstürmten, darinnen der König Zuflucht gesucht hatte, und ihn vor dem Hochaltar erschlugen.

Diese Tat wurde zu einem bedeutsamen Abschnitt in der Geschichte von Odense. Die Kirche erhob den getöteten König zum Rang eines Heiligen, und so ging er unter hem NamenKnud der Heuige m oie Geschichte Dänemarks ein. Zu seiner Ehre er­baute man ein Kloster, das seine Gebeine aufnahm, und man verstand es, diesen Ort zu einem Wall­fahrtsorte zu erheben, wohin Pilger dann von weit und breit herbeiströmten. Und als spater die Kloster­kirche abbrannte, vermochten die Priester, aus ihrem Reichtum schöpfend, eine neue, herrliche Dom­

kirche, die St.-Knuds-Kirche, zu erbauen, die nun, seit mehr als sechshundert Jahren, der Stolz der Stadt ist. In ihrer Krypta befinden sich die Ge­beine Knuds des Heiligen.

Eine ansehnliche Stadt war Odense, da Roms Priesterschaft noch machtvoll herrschte. Sechs Kirchen und sieben Klöster beherbergten seine Mauern, und selbst als die Reformation die Macht der römi­schen Geistlichkeit gebrochen hatte, blieb Odense eine der bedeutendsten Städte des Landes. Inmitten der fruchtbaren Insel waren die Bedingungen zu einer Handelsstadt gegeben, und die rührigen Bürger wußten dies wohl zu nutzen. Unter ihnen war Oluf Bager im 16. Jahrhundert der berühmteste. Herr über große Ländereien, besaß er auch in der Stadt siebzehn große Besitzungen und vermochte, wenn der König zu Besuch weilte, ein freigebiger Wirt zu fein. Heute noch sieht man diese Höfe in der Stadt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte die Stadt nur noch gegen 6000 bis 7000 Einwohner, und es mochte scheinen, als lebte die Stadt nur noch in Träumen von ihrer einstigen Gröhe. In der alten Mühle der St.-Knuds-Mönche an der Au klapperten wie ehedem die Räder, und der Turm der Kirche reckte seine Spitze nach wie vor gen Himmel, doch von neuem Leben war wenig zu spüren.

In dieser Zeit wurde in einer unansehnlichen Gasse ein Knabe geboren, dessen Namen der alten Stadt wieder zu Ehren und Ansehen verhelfen sollte: Hans Christian Andersen.

Von seinem Vater", so erzählt Nordahl P e - ter en,erbte er den träumerischen Sinn, und die stillstehende Provinatmosphäre, die das Leben der Stadt in seiner Kindheit kennzeichnete, gab seinen Träumen Nahrung. Die Genzen der Stadt waren eng, und zu dem, was da draußen lag, mußte man sich träumen. Am Ende der Straße, in der er den größten Teil seiner Kindheit verlebte, lag die alte Mönchsmühle an der Odenser Au. Am Ufer der Au wusch seine Mutter die Wäsche für bessergestellte Familien, und hier saß der Knabe tagaus, tagein und lauschte dem Brausen des Wassers über die Mühlräder und dem Rat­tern der Mahlgänge in der Mühle. Und wenn die eintönigen Laute gleichsam einen Schleier über sein Bewußtsein gebreitet hatten, dann glitt er hinein ins Reich der Träume. Dann sah er Däumlinchen die Au hinabgesegelt kommen, dann hörte er Klänge aus dem Glockentief. Da wurde in seiner Kinderfeste die Sehnsucht geboren, die feiner Poesie Tiefe und feinen Träumen Schwingen verleihen ^Und wenn er am jenseitigen Ufer, der Mühle gegenüber an der Au entlangging, dann begegnete feinem Blicke der große Ampferwald drüben in

dem großen Maare. Was verbarg sich nicht alles hier hinter den gewaltigen Blättern? Märchen über Märchen. Und ob es denn selbst zu Hause in dem kleinen Hose war, wo ein einziger Stachel­beerstrauch stand, so begegnete ihm auch hier das Märchen, wenn die Knospen sich öffneten und zu grünen Blättern wurden, und wenn die Raupen sich verpuppten und später zu hübschen Schmetter­lingen wurden."

So bildeten sich die Träume Andersens und so erhielten sie Nahrung. Und wenn seine Kameraden ihn neckten, weil ersonderlich und wunderlich" war, oder wenn boshafte Menschen von seiner Mutter sagten, daß sienichts tauge", dann zog er sich in seine Träumereien zurück. Und als er groß wurde und Macht über seine Gedanken bekam, da sprangen diese Träume in die schönsten Märchen, die die Welt je gehört hat.

Seiner Kindheit Stadt ähnelte wohl einem En­tenhof, und ihn selber nannten die Leute einen Grimrian". Aber was tat's, daß man in einem Entenhof geboren ist, wenn man in einem Schwa­nenei gelegen hat, wie er selbst in seinem Märchen vom garstigen Entlein erzählt. Und ob auch Ander­sen sein ganzes Leben lang fast immer auf Reisen war und ganz Europa durchzog, so waren doch Stadt und Insel seiner Kindheit der Erdboden, aus dem seine Dichtung emporsproß. Es war Odense, von wo die Märchen kamen.

Nun hat Odense die Grenzen des Märchenhofes gesprengt. Das Mönchsmaar ist zu einer stillen, vornehmen Anlage geworden inmitten einer Stadt, deren Einwohnerzahl mehr als zehnmal so groß ift wie während des Dichters Kindheit, und an Stelle der alten Mönchsmühle steht nun ein großes Kraftwerk.

Odense ift eine andere, größere Stadt geworden. Aber noch hat sie in sich viel von der Poesie, aus der die Knabenseele des Schustersohnes ihre Nah­rung zog.

Atter Meister für ein paar Pfund

Vor kurzem erwarb ein Londoner Möbelhändler ein altes Bild für ein paar Pfund, das einen Hei­ligen im Gebet darstellte. Mit einem geringen Nutzen verkaufte er es dann an einen anderen Händler, der eine bessere Witterung hatte und da­mit zu der berühmten Auktionsfirma Christie ging. Hier erkannte man, daß das Werk deutlich den Stil des Paduaner Meisters Andrea M a n t e g n a zeigte und das es augenscheinlich den hl. Hieronymus in der Wüste darstellte. Das 48:35 Zentimeter mes­sende Bild wurde also als Mantegna in den Kata­log ausgenommen und kommt dieser Tage zur Ver­steigerung. i

Lichtspielhaus:Onkel Bräsig".

Von der vielfältigen Problematik des verfilmten Romans ist oft genug die Rede gewesen. Hier scheint uns ein Sonderfall vorzuliegen. Natürlich wird billigerweife niemand erwarten können, ein Epos vom äußeren Umfang und inneren Gewicht des Reuterschen Hauptwerkes11t mine Stromtid" in einen abendfüllenden Spielfilm verwandelt zu sehen. Es ift übrigens auch nur davon die Rede, daß das Drehbuch von N e a n d e r und Rolf Meyernach Motiven" des Buches gearbeitet sei. Da sich aber das Buch, das als Roman und als Kulturbild feinen bleibenden Wert in sich trägt, we­niger seiner epischen Breite als der Mundart wegen nur einem verhältnismäßig begrenzten Leserkreis erschließt, ift es zu begrüßen, daß der Film, so wenig er den Romanersetzen" kann und will, nicht nur den Landsleuten Fritz Reuters, sondern jeder- mann einen Einblick in die Welt und in die Probleme derStromtid" vermittelt und vielleicht sogar dem einen oder andern Lust macht, Reuter zu lesen. (Es ist nicht einmal so schwierig, wie es auf den ersten Seiten scheint.) Die Drehbuchverfasser und der ge­schickte und erfahrene Spielleiter Erich Wasch- n e cf haben mit Bedacht die heiteren Elemente, an denen das Werk ja nicht arm ist, gebührend hervor- gekehrt, aber auch an der ernsten Hauptsache nicht vorbeigesehen. Bräsig ist ohne Zweifel die popu­lärste Gestalt des Buches, und Otto Wernicke hat nicht bloß die lustige Person in ihm gesehen, sondern mit Gemüt und Humor eine Charakter- figur herausgestellt, mit der Reuter selbst vermut­lich nicht unzufrieden gewesen wäre, wenn er's hätte erleben können. Es wird hier allenthalben hoch­deutsch gesprochen, aber bei Wernicke weist doch im­mer ein leichter Anklang an die Mundart auf die mecklenburgische Herkunft und Umwelt hin. Auch sonst Bräsig ist ja bei Reuter nicht gerade d i e Hauptperson heben sich aus dem zahlreichen Ensemble eine ganze Reihe charakteristisch erfaßter Gestalten heraus: Schroths prächtig ehrenwerter, alter Hawermann; Hoopts als Jochen Nüßler: keine überragende Rolle, aber als Typ unübertreff­lich; Harry Hardt gibt mit scharfem, kantigem Umriß den Axel von Rambow; Tiedtke und R a s p als Pomuchelskopp und Slusohr: zwei dunkle Ehrenmänner ganz verschiedenen Tempera­ments, wie sie im Buche stehn; Hans Richter, Carsta Löck, Brausewetter, Erich Fied­ler, Elga Brink und Suse Graf seien noch genannt. Gute Aufnahmen von G. Bruck- bauer. (Tobis-Rota.) Im Beiprogramm sieht man einen lehrreichen Kulturfilm und einen Vor­spannDahinten in der Heide".

Dr. Hans Thyriot.