Ausgabe 
8.10.1936
 
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nanzamt darf auch, wenn die Feststellung der Um terlagen für die Steuerfestsetzung mit Unverhältnis-. matzlgen Schwierigkeiten verbunden ist die Berech- nuna und Abführung der Steuer im Weae der Pauschalierung zulassen.

Besonderheiten im grenzüberschreitenden und zwischenstaatlichen Fernverkehr.

Im grenzüberschreitenden (vom Reichsgebiet ins Ausland oder umgekehrt) Fernverkehr gelten fol- tzende Besonderheiten: 1

1. Für die Berechnung des 50°Kilometer-Umkrei- fes rechnet die Beförderungsstrecke im Ausland nicht mit. Für die Erhebung der Steuer ist die für den Grenzubergang örtlich-zuständige Zollstelle als Hilfsamt des Finanzamts zuständig.

2. Die Berechnung der Steuer erfolgt nur für die Beforderungsstrecke im R e i ch s g e b i e t und zwar nach der Eisenbahntarifentfernung zwischen Len beiden der Grenzzollstelle und dem inländi chen Bestimmungs- bzw. Absendungsort am nächsten lie- genden Tarifbahnhöfen. Bei besonderen örtlichen Verhältnissen kann seitens des Landesfinanzamts die Zugrundelegung der Straßenentfernunq zwischen der Grenzübergangsstelle und dem inländischen Be- stimmungs- bzw. Absendungsort angeordnet werden. Neben dem Unternehmer haften für die Steuer dinglich auch die beförderten Güter, ohne Rücksicht auf die Rechte Dritter, und dürfen auch bis zur Steuerentrichtung mit Beschlag belegt werden.

3. Der Unternehmer hat die Steuer für jede einzelne Beförderung auf Grund einer von ihm in drei Stücken vorzulegenden Nachwei° sung über jede auf eine Frachturkunde abgefer­tigte Sendung bei der Grenzkontroll- st e l l e z u e n t r i ch t e n. Die Nachweisung hat hier weitere Angaben über Firma und Sitz des Auf­traggebers, sowie Art usw. der Warenumschließun- gen und den Steuerbetrag zu enthalten. Die Grenz­zollstelle prüft die Uebereinstimmung mit den Be­gleitpapieren. Der Unternehmer muß das nach Steuerfestsetzung zurückgehaltene Zweitstück der Nachweisung während der Fahrt im Reichsgebiet jederzeit zur Einsicht bereithalten.

Im zwischenstaatlichen Fernverkehr (vom Aus­land durch das Reichsgebiet, ins Ausland oder vom Reichsgebiet durch das Ausland ins Reichsgebiet) ist sowohl für die Berechnung des 50-Kilorneter- Umkreises (von der ersten Grenzübergangsstelle aus), wie auch für die Steuerberechnung nur die Besörderungsstrecke im Reichsgebiet, nicht im Auslande maßgebend. Als Länge der inländischen Beförderungsstrecke gelten beim Verkehr vom Reichsgebiet durch das Ausland ins Reichsgebiet die zusammengerechneten Eisenbahntarifentfernungen der beiden inländischen Teilstrecken. Die Steuer ist bei der für den ersten Grenzübergang örtlich-zuständigen Zollstelle zu entrichten und bei der für den zweiten Grenzübergang zuständigen Zollstelle nachzuweisen.

Oberheffen.

Bezirkssparkaffe Schotten.

^Schotten, 7. DEL Die Bezirksspar­kasse Schotten hielt heute im Rathaussaal ihre diesjährige Jahresversammlung ab. Als Gäste wa­ren Kreisleiter Kromm, der Verbandsvorsitzende des Hess. Sparkassenverbandes Oberbürgermeister a. D. Rahn, und Direktor Seipp (Darmstadt) von der Landeskommunalbank-Girozentrale, sowie Verwaltungsinspektor Müller vom Kreisamt Schotten erschienen.

Der Direktor der Sparkasse, Bürgermeister M e n - g e l (Schotten), begrüßte die Erschienenen und führte die neu ernannten © e m e i n b e d e r t r e t e r mit ermahnenden Worten und der Bitte um Mit­arbeit in ihr Amt ein. Die I a h r e s r e ch n u n g , die von den Verbandsrevisoren eingehend vorgepruft und von der Landesregierung genehmigt war, wurde vorgetragen. Alsdann nahm die Versammlung den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr entgegen. Daraus geht eine allgemeine Besserung der Kapitalbildung hervor. Die Spareinlagen und Einlagen auf den Girokonten haben sich auf über zwei Millionen erhöht (um etwa 135 000 RM. gegen das Vorjahr). Die Bankschulden haben sich wesentlich vermindert und belaufen sich noch auf 150 000 RM. Etwa 54 v. H. des Einlagekapitals ist in Hypotheken angelegt, etwa 600 000 RM. in Personalkrediten, an Gemeindedarlehen sind 187 000 Reichsmark ausgegeben. Die Kasse hat einen eigenen Wertpapierbestand von etwa 500 000 RM. Die Rück­stellungen und Rücklagen der Kasse betragen etwa 133 300 RM. Die Zinssätze sind die gleichen, wie sie bei den übrigen Sparkassen gehoben werden, so z. B. Hypotheken 5 v. H., Kontokorrentkredite, Bürg» schaftsdarlehen 6 v. H. In den Schulsparkassen ist eine Summe von 40 600 RM. angesammelt worden, die Heimsparbüchsen erbrachten 10 300 RM. Um die Zinsrückstände hereinzubekommen, hat die Kasse das Abholverfahren durch einen besonderen Aoheber eingeführt. Neuausleihungen fanden im vergange­nen Jahr in Höhe von rund 87 000 RM. statt, wo­bei die Brandoersicherungskammer für Bauzwecke und Verbesserungen des Brandschutzes eine größere Summe zur Verfügung gestellt hatte.

Nach Erstattung des Geschäftsberichts richtete der Verbandsvorsitzende, Dberbürgermeifter a.D. Rahn, mahnende Worte an die Gemeindevertreter und wies sie auf ihre Aufgaben hin. Die hie und da noch fehlende Zahlungsmoral müsse gebessert und ge­hoben werden. Niemand solle etwa auf eine Strei­chung ober Kürzung von Schulden und Zinsen hoffen. Ehrensache jedes Staatsbürgers sei es, seinen Verpflichtungen gegenüber dem Kreditinstitut, das ihm Geld gegeben und geholfen habe, nachzukom­men.

Dann sprach Direktor Seipp noch über die ak- tuellen und wichtigen Fragen der Abwertung in mehreren Ländern und über deren Gründe und wirtschaftliche Auswirkungen. Die deutsche Reichs­mark sei und bleibe fest und unerschütterlich, wie der

Führer und auch Reichsbankpräsident Schacht kürz­lich wieder betont hätten. Deutschland werte nicht ab. Die Versammlung folgte mit lebhaftem Interesse den Ausführungen.

Von einer verordneten Satzungsänderung, die mit der Devisenbewirtschaftung im Zusammenhang steht, wurde Kenntnis gegeben.

In den Verwaltungsrat der Kasse wurden gewählt die Bürgermeister C h r i st (Eschenrod), Balser (Burkhards), Dambmann (Michelbach), Fabrikant Fritz Rühl (Schotten), Drtsgruppenleiter Döll (Ulfa), Bürgermeister Hartmann (Ru­dingshain). Den ausscheidenden Mitgliedern Alt­bürgermeister Weber (Eschenrod) und Deubel (Rudingshain) wurde für ihre treue Mitarbeit der Dank der Kasse ausgesprochen.

Bei dem anschließenden einfachen gemeinschaft­lichen Essen brachte Kreisleiter Kromm ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Sieg-Heil auf den Führer aus.

Eiserne Hochzeit in Ulfa.

(D Ulfa, (Kr. Schotten), 6. DEL Der heutige Tag der Eisernen Hochzeit des Altveteranen Georg Schmidt und Ehefrau Elisadethe, geb. Döpfer, war ein besonderer Ehren- und Festtag nicht nur für das ehrwürdige, noch sehr rüstige Jubelpaar, sondern auch für die ganze Gemeinde, die allseitigen Anteil nahm an dem so seltenen Ereignis. Am Vor­mittag erschienen in der Wohnung des Jubelpaares der Bürgermeister, ein Vertreter des Kreisamts und ein Vertreter der Kreisleitung der NSDAP, und überbrachten ihre Glückwünsche nebst Gesehen? Een. Der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, hatte auch ein herzliches Glückwunsch­schreiben nebst einer Ehrengabe gesandt. Am Nach­mittag fand in der Kirche ein feierlicher Gottesdienst statt, an welchem das Jubelpaar mit seinen Fa­milienangehörigen, sowie die zahlreich erschienene Gemeinde teilnahm; das Gotteshaus war festlich geschmückt; der evangelische Mädchenchor verschönte die Feier durch Vortrag mehrerer Gesänge. Der Drtsgeistliche, Pfarrverwalter Lic. Flechsen- haar, hielt eine tiefempfundene, die Bedeutung des Tages würdigende Ansprache und segnete hier­auf das Jubelpaar nochmals ein. Sodann über­brachte DeEan Widmann (Schotten) die Glück­wünsche der Kirchenregierung, der Propstei Ober» Hessen und des DeEanats Schotten und überreichte dann noch in der Wohnung eine Ehrengabe des DeEanats. In sichtlicher Ergriffenheit nahmen die Jubilare, sowie die ganze Gemeinde an der Feier teil.

Landkreis Gießen

# Mainzlar, 7. DEL Der Reichsmütterdienst führt gegenwärtig in der hiesigen Schule einen MütterschulungsEursus durch. Etwa 30 Mädchen und Frauen nehmen an dem Kursus teil. Die Leitung des Kursus hat Schwester Friedel Lüders.

# Dau bringen, 7. DEL Auf Veranlassung der Straßenbauverwaltung wird Die Lumda- brücke in unserem Drte verbreitert, nach­dem die Lumdabrücke in Mainzlar fertiggestellt ist. Damit die restliche Ernte ungehemmt einaebracht werden Eann, läßt die Gemeinde für den Drtsver- kehr eine Notbrücke errichten. Der Verkehr in Richtung Staufenberg ist gesperrt.

* ReisEirchen, 7. DEL Auf der Landstraße ReisEirchenGießen, in der Nähe des Straßenab­zweigs nach Großen-Buseck, ereignete sich heute nach­mittag ein V e r E e h r s u n f a l l, der zum Glück noch glimpflich verlief. An jener Stelle wollte ein Fuhrmann mit seinem Pferdegespann, von hier Eommend, nach linEs in einen Feldweg einbiegen. Kurz zuvor wurde das FuhrwerE von einem Last­zug überholt. Als dieser vorbeigefahren war und das FuhrwerE gerade nach linEs in der Richtung des Feldwegs einbog, Eam von Gießen her ein Personenkraftwagen gefahren, der mit dem FuhrwerE zusammen st ieß. Glück­licherweise erlitt nur der 12 Jahre alte EnEel des FuhrwerEsbesitzers einige leichte Schnittwunden durch Glassplitter, im übrigen verblieb es bei Sach­schaden.

s Lang-Göns, 7. DEL In diesen Tagen sam­melten unsere Jungmädel unter Führung der NS.-Frauenschaft D b ft für d i e NSV. Mit kleinen Wägelchen durchfuhren sie das Dorf und er­hielten überall reichliche Gaben. Aus den Birnen und Zwetschen soll Honig gekocht werden, der bann bedürftigen Volksgenossen gespendet wird.

Vergehen gegen das Reichsflaggengeseh

LPD. Frankfurt a. M., 6. DEL Die Große Strafkammer verhandelte gegen den Eatholischen Pfarrer der St. BernhavdusEirche, Alois Eckert, wegen Vergehens gegen das Reichs­flaggengesetz und den Erlaß über Kirchen­beflaggung vom 4. DEtober 1935. Der Ange- Elagte war im Juni d. I. vom Schöffengreicht zu 3 Monaten Gefängnis und 1000 MarE Geldstrafe verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort in Haft genommen worden, Eam aber nach 18 Tagen wieder auf freien Fuß, da das Dber- landesgericht die gegen die Inhaftierung eingelegte Beschwerde als zu Recht anerfannte. Die Ver­urteilung des Angeklagten erfolgte, weil er am 9. November 1935 die Kirche trotz behördlicher An­ordnung, die öffentlichen Gebäude und Kirchen zu beflaggen, nicht beflaggte. Der AngeElagte hatte in der Verhandlung zugegeben, absichtlich nicht ge­flaggt zu haben.

Gegen das Urteil legte der AngeElagte Berufung ein, die sich nicht auf das Strafmaß beschränEte. Er betonte, wie schon in erster Instanz, daß er nicht staatsfeindlich eingestellt sei und die Beflaggung an diesem Tage aus sittlichen und christlichen Gewissens­gründen unterlassen habe. Die Flagge sei für ihn ein Symbol, und er Eönne sie nicht benutzen, wenn er innerlich nicht vertreten Eönne, was sie zeigen solle. Zum Beweise seiner guten Beziehungen 311m Nationalsozialismus verwies der AngeElagte auf fein freundschaftliches Verhältnis zu dem verstor­benen Gauleiter Gemeinde r. Der Staatsan­walt verwies aber darauf, daß diesem Manne das Eirchliche Begräbnis verweigert wurde, und daß es Gewissenspflicht des AngeElagten als Pfarrer Ge- meinders gewesen sei, für ein Eirchliches Begräbnis zu sorgen. Hier machte der AngeElagte geltend, daß eine Anordnung eines anderen Bistums vorlag, gegen die er nicht habe angehen Eönnen. Staatsan­walt: Aber Sie tonnten die Anordnung des Staates, zu flaggen, nicht befolgen? Der AngeElagte ver­wahrte sich gegen den Vorwurf des Jefuitismus.

Der Vorsitzende verwies hier auf ein Verfahren gegen den AngeElagten wegen Vergehens gegen den Kanzelparagraphen, das eingestellt wurde. Aus den AEtien stelle er fest, daß die Predigt des Ange­Elagten von einer Reihe von Personen zum minde­sten als eine versteckte Hetze aufgefaßt wurde.

Der AngeElagte führte weiter an, daß er im Saar­gebiet gegen die Status quo - Front anEämpfte. Ihm wurde erwidert, daß man dies von jedem anständi­gen Deutschen erwarten konnte. Der Vorsitzende ver­las Stellen aus einer Predigt des Angeklagten und entnahm daraus, daß die Einstellung des Ange­klagten zum heutigen Staat keine positive fei.

Auf weiteres Befragen erklärte der Angeklagte, daß die Flaggenvervrdnung für ihn nicht maßgebend fei, weil er sie als im Widerspruch mit dem Kon­kordat stehend, für nicht gültig erachte. Der Vor­

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sitzende betonte, daß die heutige Staatsauffassung es nicht mehr zulasse, daß einzelne Versonen ein Gesetz als ungültig bezeichnen wollen. Alle erlassenen Gesetze seien Befehle des Führers, die nicht durch Entscheidungen eines Gerichts aufgehoben werden könnten.Wenn Sie anderer Auffassung sind, so zeigt mir dies, daß Sie tatsächlich nicht mit uns leben", meinte der Verhandlungsleiter.

Der Verteidiger ersuchte in seinem Plädoyer das Gericht, zu prüfen, ob nicht die Amnestie Platz greifen, oder eine mildere Bestrafung eintreten könne. Der Staatsanwalt beantragte Verwer­fung der Berufung. Es sei bitter für einen Staats­anwalt sagen zu müssen, daß sich ein Pfarrer staats­feindlich betätigt habe. Der Angeklagte, der gesehen hat, wie die Kirche durch den Staat geschützt wurde, wisse, daß der Staat nur zum Siege komme, wenn das deutsche Volk einig sei und zu seiner Fahne stehe. Um so schmerzlicher sei es, wenn der Ge­burtstag des Staates sabotiert werde. Die Einstel­lung des Angeklagten ergebe sich daraus, daß er erkläre, nicht zu wissen, ob er am kommenden 9. November flagge.

Das Gericht erkannte auf Verwerfung der Berufung des Angeklagten, rechnete ihm aber die Untersuchungshaft mit achtzehn Tagen auf die Strafe als verbüßt an. Das Gericht prüfte die Frage, ob das Konkordat mit dem Flaggen­erlaß etwas zu tun habe, und kam zur Verneinung. Nach der Ueberzeugung des Gerichts habe sich der Angeklagte nicht in einem Gewissenskonflikt befun­den. Die Tatsache allein, daß der Angeklagte am 9. November, dem Tage, an dem sich in München Erhebliches zutrug, nicht flaggen will, beweist, daß er mit dem heutigen Staat nicht restlos einver­standen ist. Der Angeklagte berief sich auf seine Tätigkeit im Saargebiet, aber das beweise nichts; das saarländische Zentrum gehörte der Deutschen Front an. Wenn der Angeklagte auf sein Verhält­nis zu Gemeinder verwies, so werde da nur be­wiesen, daß Gemeinder ein gläubiger Katholik war. Wenn der Angeklagte das gewesen wäre, was er hätte sein wollen, so hätte er den Mut aufbringen müssen, den er dem heutigen Staat gegenüber auf­bringt. Wollte man Gemeinder in Darmstadt nicht kirchlich beerdigen, dann hätte er sagen müssen, dann beerdige er ihn in Frankfurt.

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Vornan von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68

18. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

9. K a p i t e I.

Sehen Sie, Hanna, das Laub fängt da und dort schon an, die tiefgrüne Farbe zu verlieren, es wird frühzeitig Herbst werden."

Hanna Brandes macht die Augen auf und schaut in die Bäume. Es ist ein stiller, sonniger Mittag, die Grillen zirpen so laut, daß man sie hort, im Gras sitzt die Angorakatze mit unwahrscheinlich blauen Augen und läßt sich ihr schneeweißes Fell bescheinen. Den langen, buschigen Schwanz hat sie wie eine Schleppe graziös um sich herurngelegt. Nun dreht sie sich um und geht mit eleganten Schritten zu ihrer Herrin. Mit einem Satz springt fle ii>r auf ben Schoß, krallt sich schnurrend fest und rollt sich dann zusammen.

Hast du das gehört, mein Schne ert? Herds t Wir haben den Sommer noch nicht richtig ge- "°Da"'Mädchen fährt mit zärtlich-n Fingern uber das knisternde Fell des Deres und ist stch bewußt, daß ihr John Herbing dabeizusteht. Wie sie, hat er sich nach einem ausgezeichneten Mittagessen, zu dem ihn der Anwalt eingeladen hatte, m einen ler bequemen Liegestühle A'

meßt beides: den Mittag und den Anblick des ma^dnA5nirhf aenua genossen! Dabei hat es an

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''Äf« «-"«' seine Art auch selbstsicheren Typ der kleinen Ful

ler. Ich fand übrigens, daß Sie sich um Fräulein Morholt gar nicht gekümmert haben?"

Daxu hatten Sie und mein Vater doch hin­reichend Gelegenheit, und ich glaube, daß der Sän­gerin das doch viel lieber war."

Und ich glaube, daß Sie sich irren. Sie hat mehr als einmal Ihre Nähe gesucht, Hanna. Was haben Sie gegen die Frau?" Herbing hat sich auf- gerichtet und beugt sich vor. Sein lebhaftes Gesicht ist von der Sonne gerötet, er lächelt liebenswürdig zum anderen Stuhl hinüber.

Warum stellen Sie sich so unwissend, Herbing?" Hanna Brandes wird abweisend, wie immer, wenn Melanie Morholt erwähnt wird. Sie hat sich da­mals, nachdem ihr Vater nach der Reise die Gar­tengesellschaft gewünscht hat, nicht mehr widersetzt; sie hat die Künstlerin begrüßt, wie jeden anderen Gast auch, und hat sich dann nicht wieder um sie gekümmert. Es ist allen aufgefallen. Ader je mehr die Gäste sich von der Frau bezaubern ließen, um so mehr wuchs Hannas Widerstand. Herbing hatte mit ihr nicht davon gesprochen, warum kam er erst jetzt damit?

Sie sollten es Ihrem Vater nicht so schwer machen, Hanna. Sein arbeitsreiches Leben kennt doch nicht sonderlich viel Annehmlichkeiten."

Mein Vater kann tun und lassen, was er will. Aber ich verlasse das Haus, ehe Melanie Morholt es als Frau meines Vaters betritt. Wollen wir nicht das Thema wechseln? Es verdirbt mir wirk­lich sonst den schönen Tag, Herbing."

Der Mann stellt sich sofort um, er weiß, daß es hier einen Widerstand gibt, der nur mit anderen Mitteln zu brechen ist. Er glaubt sie zu kennen...

Ich staune, was Ihr Vater so alles in einer Woche leistet, vorgestern war er in Dresden, heute abend fährt er nach Hamburg, zwischendurch hat er in Berlin seine Prozesse es stimmt schon, was mir vor ein paar Tagen ein Jurist sagte: daß der Rechtsanwalt Brandes nicht nur einer der fähigsten Köpfe, sondern auch ein Schwerarbeiter sei, für den der Tag zwölf Stunden zu wenig hat."

Es freut mich, daß man ihn so anerkennt." Es liegt Stolz in Hannas Antwort, und wieder be­dauert sie, daß es zwischen ihr und dem Vater zu keinem wärmeren Verhältnis kommen kann. Schneferl hat sich auf einmal aufgerichtet, gähnt herzhaft, zeigt dabei ein kleines scharfes Raubtier­

gebiß und springt von ihrer weichen Lagerstatt mit einem eleganten Sprung ins Gras. Dort hat sie eine spielerische Auseinandersetzung mit einem dicken Brummer, und als der frech wird, schnappt sie zu.

Wünsch guten Appetit, mein Fräulein!", lacht Herbing, der jeder Bewegung des schönen Tieres aufmerksam gefolgt ist. Hanna strahlt, sie ist immer dankbar dafür, wenn sich jemand mit ihrem laut­losen, kleinen Kameraden beschäftigt, obgleich Schneferl das gar nicht wünscht. Sie liebt vor­nehme Zurückgezogenheit und in Ruhegelassen- werden.

Wie wärs noch mit einem Kaffee, Herbing?" Hanna tastet nach dem Klingelknopf auf dem Tisch, aber der Mann wehrt ab, er steht auf.

Vielen Dank, aber ich muß jetzt weg, ich habe noch eine kurze, aber wichtige Besprechung mit Leander. Kennen Sie den? Einflußreich bei Köhler & Co., und don hat man immer Bedarf an guten Ideen."

Bei Teppich-Köhler?", lacht Hanna auf.Sie sind wirklich universell, mal Kopfwasser, mal Tep­piche, mal Buchdeckel, mal Schreibmaschinen, und alles versuchen Sie mit erschütternder Ueberzeu­gung den Leuten einzureden. Aber an Ihrem schönen Wagen sieht man den Erfolg, ich gratu­liere, Herbing, und freue mich für Sie."

Sie gehen tiefer in dön Garten hinein, und an einer Stelle, die man vom Haus nicht übersehen kann, bleibt Herbing stehen. Er sieht Hanna an, schweigt. Langsam steigt dem Mädchen das Blut ins Gesicht, aber sie hält diesem faszinierenden Blick stand.

Ich will morgen und Sonntag in den Spree­wald fahren, Hanna. Es ist eine der stillsten, wohl­tuendsten Gegenden, die ich kenne. Ich bitte Sie, mitzukommen. Ich warte um zehn Uhr an der U.-Bahn Breitenbachplatz."

Mehr sagt er nicht, aber für Hanna ist es etwas kaum Faßbares. Sie sieht in das braune, nun fast heitere Gesicht, sie sucht darin nach einem Ausdruck, der ihre Abwehr herausfordert, aber sie findet ihn nicht. Ihr Herz fängt an zu klopfen, und als sie das spürt, sagt sie:

Es tut mir leid, Herbing, aber ich kann nicht mitkommen. Sie hätten es überhaupt nicht sagen sollen."

Der Mann lächelt kaum merklich. Er legt beide Hände auf ihre schmalen Schultern und sieht sie noch immer an.

Ich warte aber doch am Breitenbachplatz. Es hängt soviel von Ihrem Kommen ab. Ich wünsche es sehr, Hanna."

Dann verabschiedet er sich, tut das auch noch beim Hausherrn, der sich mit seinen Hamburger Akten beschäftigt hat. Ihm sagt er kein Wort vom Spreewaid.

Hanna ist tief erregt. Sie verbringt den größten Teil des Tages auf ihrem Zimmer, liegt auf dem Bett und starrt vor sich hin. Sie wehrt sich gegen ein sonderbares, unbekanntes Gefühl, sie ver­sucht an etwas anderes zu denken, als immer nur an das Gesicht des Mannes, der Wünsche aus­spricht, denen sie entgehen will und doch nicht kann. Aber sie weiß mit einer beseligenden Ge­wißheit, daß sie John Herbing liebt. Und da Hanna Brandes ein Mensch ist, der sich nie in kleinen Gefühlchen verzettelt hat, versinkt sie in das Bewußtsein ihrer ersten Liebe nicht wie in einen Rausch, sondern mit klarer Erkenntnis in ihr Schicksal. Sie bäumt sich nicht auf dagegen, sie überläßt sich diesem mitreißenden Gefühl, sie ver­bringt den Tag und den Abend wie im Fieber und atmet auf, als ihr Vater endlich abfährt. Dann kommt die Reaktion. Sie verliert die Herrschaft über ihren Körper, sinkt in sich zusammen und weint. Ich darf doch nicht mitfahren ich darf einfach nicht!" ruft sie sich selber unter Tränen zu.

Um sechs Uhr steht sie auf. Sie packt ein klei­nes Köfferchen mit deN notwendigsten Utensilien für eine Uebernachtung, holt sich aus der Küche Dbst und wird dabei von der Köchin überrascht.

Was machst du denn da, Hanna?", fragt sie erstaunt. Kritisch fahren ihre Blicke über Hannas hellblaues, seidenes Sportkleid. Sie hat auch schon eine weiße Flauschjacke an und die Mütze auf. Du bist ja ordentlich in Wichs und noch dazu am Samstag?" , . .

Ida! Wie kann man nur Ida vergessen bet Dem, was man vor hat! Ida hat ihre Augen überall, außerdem hat sie unlängst gesagt, daß dieser Mann mit den sonderbaren Augen ihr gar nicht gefuH^ Sie hat das deutlich an Hannas Adresse gerietet und für sie ist die alte Köchin, die noch die Mutteik gekannt, eine Respektsperson. (Forts, folgt.)