Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen.
Wanderfahrten
M paddeln durch Finnland
aefküaeltes l zurücklegen. Die einzelnen Seen bilden ganze zu- nicht aus sammenhängende Reihen von Wasserzugen, die wie
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Das Welter tonn ja nun leider kein Bnsi^üro
Land und Leute im Spessart
Don Hermann Lorenz.
hat der Bezirk Lohr diese Spessartstraße erbaut. Auf der alten schönen Spessartstrahe Würzburg- Aschaffenburg kommen wir an dem sehenswerten Naturschutz, und Wildpark Rohrbrunn und an dem zauberhaften Märckeuschloß Mespelbrunn vorbei, das inmitten eines herrlichen Sees liegt.
Wer wirklich ein Naturfreund ist, auf den macht der Spessart schon bei der ersten Durchreise einen entzückenden, nie zu vergessenden Eindruck für sein ganzes Leben. Keine Seltenheit ist es, daß Spessart- besuchet dieses schöne Gebirge mit seiner emzig. artigen Landschaft und seiner entgegenkommenden, gastfreundlichen Bevölkerung jährlich einen kürzeren oder längeren Besuch abstatten und dort in einem Kurort zu Gast sind, was gewiß den besten Beweis einer vollen Zufriedenheit darstellt. Aber nicht nur sich allein bereitet der Erholungssuchende durch eine derartige Ferien- und Erholungsreise eine Freude, sondern er verhilft auch der dortigen notleidenden Wirtschaft zum Wiederaufstieg.
und die genußreiche Pracht der herrlichen Land, schäften zu schauen.
Erst nach dem Bau einer vollspurigen Eisenbahn im Jahre 1854 (Teilstrecke Aschaffenburg—Würz, bürg) entwickelte sich langsam der Fremdenverkehr. Es entstanden Gast, und Erholungsstätten, Sommerfrischen und Kurhäuser, die fkö bald eine gute Anziehungskraft gesickert hatten. Auch die Erbau- ung einer 8 Meter breiten Autoverkehrsstaße (die sog. Lohrer Straße zwischen Heigenbrücken und Lohr), die in einem verhältnismäßig kurzen Zeit- raum von Oktober 1933 bis Juni 1934 durch den Freiwilligen Arbeitsdienst in ca. 15 Kilometer Länge fertiggestellt wurde, trug nickt unerheblich zu weiterem verstärktem Fremdenverkehr und zur Wirt, schaftsbelebung bei. So stehen auf einem von der Straße durchbrochenen über 100 Meter langem und 20—30 Meter hohen Buntsandsteinfelsen an einer Stelle deutlich die Worte eingemeißelt: „In den Jahren der nationalsozialistischen Erhebung 1933/34
ein riesiger Strom zu betrachten sind, der sich je« weils seenartig in unzähligen Buchten und Flachen ausbreitet. So teilt man diese Seenplatte auch in drei große solcher Wasserzüge ein. Alle diese Seen sind von einer unzähligen Menge von Inseln und Inselchen erfüllt, nur an einigen Stellen gibt es weite, große, offene Wasserflächen.
An Hand dieser Tatsache kann man sich leicht vorstellen, was für ein ideales Sportgebiet diese Seen- platte für den Paddler sein muß. Immer und überall hat er die Möglichkeit, ruhige, windgeschutzte Gewässer, Flußläufe, Kanäle und Uferstrecken zu finden, falls er die offenen und Winden und Wellen ausgesetzten Seenflächen meiden will. Heber die landschaftliche Schönheit dieser Seengebiete gibt es unzählige begeisterte Schilderungen von Touristen und Paddlern. Die ersteren haben sie freilich nur vom Deck der Dampfer und den zugänglichen Uferstellen aus kennengelernt. Zahlreiche Paddler, unter den Ausländern besonders Deutsche, haben aber das Freiluftdasein in den Wäldern und auf den Seen Finnlands erlebt, wovon sie unvergeßliche Erinnerungen und Eindrücke mit nach Hause genommen haben. Eine Unterkunft in bescheidenen Gasthäusern ist in den meisten Fällen erreichbar, im Notfall in Bauernhöfen, wo man auch einfachere Lebensmittel wie Butter, Milch, Eier und Brot erhält. Am schönsten ist aber für den richtigen Paddler die völlige Unabhängigkeit von den gewöhnlichen Hilfsmitteln der Zivilisation. Ist er vor- sorglich gewesen und hat sich mit einem Zelt versehen, so kann er, wo es ihm am besten gefällt, an Land gehen und in paradiesischer Einsamkeit sein Nachtlager aufschlagen. Kein schwerumgurteter Hüter wird ihn vertreiben, denn nichts ist hier leichter, als so völlig abgelegene Uferstrecken zu finden, daß sie einer fast unzugänglichen Wildnis gleichen. Eine solche Fahrt läßt sich wochenlang ausdehnen. Geht der Proviant zur Neige, so orientiert man sich auf der Karte und sucht sich ein Städtchen, einen Marktflecken oder ein Dorf und versieht sich mit Lebensmitteln, Tabak und Brennstoff, falls
„Das Land der tausend Seen" ist ein (, . _ Wort, das mancher, der Finnland noch nicht aus eigener Erfahrung kennt, für eine poetische Heber- treibung hält. Käme er selber ins Land, so wurde er bald eines Besseren belehrt werden, er wurde sich dann nicht mehr wundern, wenn er erfahrt, daß die tausend Seen nur ein Bruchteil der wirklichen Anzahl sind. Denn tatsächlich sind es gegen 60 000 Seen, wenn man nach der finnischen Gene- ralkarte rechnet. Bon den 388 279 Quadratkilometer Finnlands sind 44 852 Quadratkilometer oder 11,55 Prozent Gewässer. Kein Land in der ganzen Welt besitzt einen solchen Reichtum an Seen. Darunter sind 48 größer als 100 Quadratkilometer, 10 Seen übertreffen an Flächeninhalt den Bodensee. Der größte ist der Ladogasee mit seinen 18 000 Quadratkilometer-, von ihm gehören aber nur gegen 8100 Quadratkilometer zu Finnland.
Die hauptsächlichste Entstehungsursache dieser ungeheuren Menge von Seenbecken ist die eiszeitliche Vergletscherung des Landes, wie ja bekanntlich alle Länder, die in der Diluvialzeit vom Eise geformt wurden, sehr reich an Seen sind. Die finnischen Seen sind aber z. B. zum Hnterschied von denen in der Schweiz nicht so sehr durch glaziale Aus- waschung der Erdoberfläche als vielmehr durch Aufstauung der eiszeitlichen Ablagerungen entstanden. Sie sind auch nicht gleichmäßig über das ganze Land verteilt, sondern drängen sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl im Binnenlande zwischen dem 61. und 64. Breitengrade zusammen. Dieses Gebiet nennt man die große Seenplatte Finnlands.
In Nordfinnland und Lappland gibt es verhalt- nismäßig wenig Seen, nur etwa 5 Prozent der Oberfläche sind Gewässer, wenn man den ge- madigen Jnarisee (1400 Quadratkilometer) mitzahlt. Ebenso sind im österbottnischen Küstenflachland, m Südwest- und Südfinnland höchstens 5 bis 7 Prozent der Gesamtfläche Wasser. Auf dem Gebiet der Seenplatte dagegen, die etwa 130 000 Quadrat- : kilometer umfaßt, sind 20 Prozent Wasser in den Provinzen Mikkeli und Düpuri sogar je 28'/- Vro- zent. In ununterbrochener Fahrt kann man mit Dem Dampfer 400 Kilometer von Süden nach Norden
Lande der Dörfer, Bauernhöfe, Gutsbezirke eine dem Städter fremde Tätigkeit ausüben, in die hineinzublicken der Volksverbundenheit zugute kommt. Reifen bildet nicht nur, Reifen ist. heute auch ein nicht zu unterschätzendes nationalokono- misches Problem, denn ganze Landschaften, ja ganze Länder leben von den Millionen Zugvögeln, die zur Reisezeit in die Ferne streben.
Aber wenn alle Vorbereitungen zur Reife getroffen sind, alle Sinne und Wünsche dem Ort, der Landschaft zugewendet, von der wir Beglückung erwarten, überfällt all die Hnzähligen Die hange Frage, ob der Wettergott, der seine Gaben hochjt ungleich und nicht immer gerecht oerterlt, Dem großen Vorhaben gnädig gegenüberstehen tmrD. Alles von der Abjahrtminute bis Aum letzten Kragenknopf läßt sich überblicken, Dorbereiten or- ganifieren, aber Die große Unbekannte in ber fRed)« nung bleibt Das Wetter, und doch hangen Erfolg und Mißerfolg der ganzen Reife von dieser unbestimmbaren Größe ab. Es gibt zwar Aute, die behaupten, es gäbe fein gutes und schlechtes ©etter, sondern nur gute und schlechte (will sagen zweckmäßige und unzweckmäßige) Kleibung und sicher ist, daß man, wenn man für jedes Wetter gerüstet ist, auch bösen Tagen manche Freude ab- genrinnen kann, aber auf Die J
in Der herrlichsten Umgebung grauer Himmel und Schnürlregen unerträglich. Man hat den Eindrmck^ sein Geld fortgeworfen zu haben, und in Der lat mirD Die Tonne Regenwasser in zu hoch bezahlt, man kann sie daheim billiger bekommen. Auch Der findigste Kur-Dire or vn beste Hotelkoch kann uns keinen «onnenschein er setzen, und Die Instrumente Der ^kapelle lasjen uns kalt, wenn sich jenes unscheinbare Instrument nicht zu unserer Zufriedenheit emspiett, das wir Barometer nennen.
man es nicht vorzieht, sich sein Essen auf Holzfeuer zu kochen. Wo in Europa gibt es noch eine Möglichkeit zu solch romantischer Erholung, Ausspannung von Der Hetze der modernen Zivilisatton!
Ein wichtiger Punkt ist jedoch nicht außer acht zu lassen, nämlich Die sorgfältige Vorbereitung einer olchen Fahrt. Dazu gehört in erster Lime em ge- naues Studium der Landschaft, d. h. der Karten und Der verschieDenen Reiserouten. Diese weichen nicht nur in bezug auf Länge und Bequemlichkeit voneinander ab, sondern vor allem auch hinsichtlich der mit ihnen verbundenen Schwierigkeiten und der Anforderungen an die Geschicklichkeit und Hebung des Paddlers. Finnland ist nämlich nicht nur das Land der 60 000 Seen, sondern auch das Land der 1442 Stromschnellen. Die Stromschnellen des großen Seenplateaus sind fast alle befahrbar oder . durch Schleusen zu umgehen. Lediglich in den großen Abflüssen steigern sich die Schwierigkeiten und erfordern teilweise Mut und Erfahrung mit Wild- wasser. Die Flüsse Lapplands, die alle groß und reich an Stromschnellen und Wasserfällen sind, erfordern auf jeden Fall eine gewisse Erfahrung, doch sind die Schwierigkeiten leicht zu überwinden, wenn man bedenkt, daß diese Ströme alte Der- kehrsltraßen darstellen. Allerdings sind diese Flusse, die zum Teil ins Nördliche Eismeer, zum Teil m den Bottnischen Meerbusen münden, in ihren Oberläufen gewöhnlich für den Wassertouristen nicht erregbar, da sie tief drinnen in gewaltigen Waldern verborgen sind und der Zugang außergewöhnliche Transportmittel benötigen würde und sehr zeitraubend wäre. Bei Fahrten an den finnischen Meeres- küsten bieten Felseninseln der Schären nicht nur eine Bereicherung der landschaftlichen Schönheit, sondern auch guten Schutz bei widrigen Winden. Der Schärengürtel von Helsingfors nach Den Alandsinseln zu (etwa 300 Kilometer) ist Das Do- raDo Der Paddler. Hohe, steile Inseln wechseln mit flachen, sturmüberspülten Klippen, mit flachen Sand- Holmen und waldbewachsenen großen Schären ab.
So findet jeder Paddler in Finnland sein Stecken- ' pferd: das Meer — Die Seen — Die Flüsse — Die i Stromschnellen. Aber Darüber hinaus lernt er em ! Land und ein Volk kennen, wohin es ihn unroiDer- , stehlich immer wieder zieht, wenn er einmal hier . zu Gaste war. Die weithin unberührte Natur mit ihren unendlichen Wäldern, Die wunDervollen „Hel- len Nächte", Das zauberhafte Licht Der Mitternachts- sonne und die ursprüngliche, natürliche und einfache Art des Finnländers sind für jeden ein unvergeß- liches, tiefes Erlebnis. —üe—
Reise und Wetter.
Ein Kapitel für die Sommerfrische von Bruno H. Bürgel.
Das Reisen, sagen die grämlichen Leute^ist eine Modetorheit geworden. Ohne Sommerfrische fühlen sich die Menschen von heute nicht mehr moW, a^r unsere Vorväter haben keine Sommerreisen ge macht und waren dennoch frisch und orbestsfreudlg. Nun, das ist wohl ein recht veralteter Standpunkt, denn untere Vorväter, selbst in den großen Städten lebten, an heutigen Verhäwnssen 9=mefien, in stiller Beschaulichkeit, Ein Berliner Burger van 1860, in die heutige WOtstadt Zurückversetzt wurde wahrscheinlich nach einer Stunde -men Nerven- zusEmenbruch erleiden. Der M°t°renlarm die Hast der Zeit, ihr Gedränge, ihr Arbeitstempo im Kamps ums Dasein bedingen e.'"®n,^5Denh°" brauch, den die gute alte Seit "'Ht kannte, denn bas Leben war noch kein Schlachtfeld, zum mm besten keines, auf dem 1° to°rf 9eto°^n mie in unseren Tagen. Eine Ausspannung ist dem arbeitenden Menschen in den groß™ S‘“t Industriezentren nicht nur zu gönnen, fie 1t eine Notwendigkeit, und es wäre nur zu wünschen, daß sie denen am meisten dre arn
mriften und unter den ungunfhgften Derhaltmsten arbeiten müssen, was leider nochder Fall .st
Daß Leute ins Bad reifen, weil s Mode ist, soll nickt bestatten werden, aber sie verschwinden in ber ungeheuren Zahl der Menschen die das ganze Jahr schars arbeiten müssen, ost 9-nze Jahr sparsam leben, sparen, um sich diese große ^reude, Erholung, Anregung zu »»idjafienJ»« Sommer- reife soll ja nicht nur den Körper, sie soll den G^ist entspannen, soll den Stadtmenschen der Natur wie der nahebringen, anderen Landern oder Lmdes- teilen, andern Menschen, die tn den Bergen, an der See, in weiten Waldgebieten, auf dem stachen
Marburg — Dreyersquelle — Runder Baum — Dammühle — Gladenbach.
Mit Sonntagskarte fahren wir nach Marburg und wandern von hier schwarzen Punkten nach am städtischen Friedhof vorbei durch Ockershausen hinauf zum Wald, wo sich ein prächtiger Rückblick auf die alte Musenstadt und Spiegelslust bietet. In wenigen Minuten erreichen wir die Dreyersquelle mit hübschem Durchblick nach dem Schloß. Rote Punkte fuhren uns jetzt, mit unterwegs schönen Ausblicken nach der Stadt und ins Lahntal zum Runden Baum, einem idyllischen Waldplatz mit drei mächtigen Buchen und einer Schutzhütte. Von hier leiten uns zunächst gelbe Punkte, später rote Striche über eine aussichtsreiche Höhe an Den Neuhöfen vorüber zur reizvoll im Lummersbachtal gelegenen gastlichen Dammühle. Nunmehr zeigen uns blaue Kreuze Den Weg nach Hermershausen unD von Da rote Striche über Die schmucken Dörfchen Allna unD Ruchenbach hinauf zum Kirchberg, von besten Adolf-Hitter-Turm man eine entzückende RunDschau genießt. Der Abstieg nach unserem EnDziel, Dem anmutig gelegenen Städtchen GlaDenbach, erfolgt roten Kreuzen nach.
«nur wenige kennen Den Spessart, Deutschlands I größten aber auch weitaus schönsten WalD. Im I Nainviereck zwischen Hanau, Miltenbera, Wertheim, i Lohr Oemünben breitet sich biefes große, kaum ge- ’ lichtete ©albgebiet von 1800 Quabratfilometer aus. i Die schönsten Laubwalbungen, uralte Eichen unb 1 Bucken, aber auch große Tannenwalbungen, fin- ben sich im Spessart. Die Walbungen, befonbers im Hoch pessart, sind großartige Lufterholungsstätten für Den WanDerer unD ErholungssuchenDen. Herr- liche Höhenluft weht allerwärts unD Die grünen WiesengrünDe bieten reiche Naturgenuste.
Der Name Spessart hat von Den SchriftkunDigen eine ziemlich melfältige Ausbeutung erfahren. Man wirb aber nicht fehlgehen, wenn man den Stamm des Wortes Spessart in Spechtshart sucht, denn der gefiederte Schreiner des Waldes, der Specht, ist wirklich im Spessart zu Hause Wer die weiten grünen Hallen dieses schönen Waldes stundenlang oft, ohne irgendeinem Menschen zu begegnen, durchwandert, der hört aus der grünen Einsamkeit immer wieder Das fleißige Klopfen Des Spechtes, Der Die Stämme Der WalDriesen eifrig nach Nahrung ab« sucht Das häufige Vorkommen Des Spechtes in Den herrlichen WälDern Des Spessarts hat Dem Spessart zu seinem Namen verhalfen.
JeDoch ist Die Not Des Spessarts sprichwörtlich ge- worDen, nicht ohne GrunD ist vor über Drei Jahren Der Spessart zum NotstanDsgebiet erklärt worDen. NichtsDestoweniger begegnet man in Diesem Waldgebiete vorwiegend schlanken und wohlgestalteten Menschen. So schön dieses Waldland ist, fo romantisch sich Die grün beroalDeten Berge vor uns auf- türmen unb zum Wanbern einlaben, so karg ist ber Boben, welcher Der Bevölkerung Den Hnterhalt zum Leben bieten soll. Wer Durch Die Spessartdorier wandert, der macht bald Die Feststellung, Daß Die kleinen Landwirte nicht überreichlich mit Gütern dieser Erde gesegnet sind. Die Viehhaltung ist durch die schmalen Wiesentäler, die nur wenig Heu unb Grummet liefern, sehr beschränkt. Erst in ben letzten Jahren ist manch segensreiche Arbeit zur wirtschaftlichen Hebung bes Spessarts geleistet worden. Durch bie Arbeiten bes Kulturbauamtes würben Entwässerungsanlagen in ben Spessarttälern geschaffen, burch bie nicht nur’ bie Ernte ber Futtermittel gehoben, fonbern auch bie Hochwassergefahr in ben Talern bes Spessarts ganz wesentlich eingebämmt würbe. Auch burch die Regulierung verschiebener Bäche, bie sich bei Gewitterregen bes öfteren in reißende Gieß- bäche verwanbelten und weite Wiesenflächen unb Getreibefelber in kurzer Zeit unter Wasser setzten, ist vieles im Spessart besser geworben.
Schon vor 300 Jahren mußten bie Bewohner bes Spessarts schwere Zeiten über sich ergehen lassen, gibt doch die Ehronik Kunde davon, daß nach dem 30jährigen Kriege der ganze Spessart nur noch 162 Einwohner hatte. Damals arbeitete ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung in Glashütten unb Eisenhämmern. Diese Spessartinbustrie ist heute so gut wie verschwunben. Dagegen blüht bie frühere Bunt- sandsteininbustrie burch bie Neubautätigkeit in den letzten Jahren von neuem roieber langsam auf. Den einzigen Reichtum bes Spessarts stellt das Holz bar. Sehr große Lagerplätze an verschiedenen Bahnhöfen unb"am Ufer bes Mains zeugen von einem lebhaften Holzhanbel. . ri
Die Geschichte bes Spessarts ist auf bas innigste oerbunben mit ber beutschen Jagbgeschichte. Die Voraussetzungen für eine frohe Jagb sinb im Spessart im reichsten Maße vorhanben, benn mit dem Walb- und Wilbbestanb kann sich kaum ein anderes deutsches Mittelgebirge messen Man trifft Rot-, Reh- und Schwarzwild. Edelhirsch unb Wild- schwein halten sich mehr in ben Dickichten bes Hoch- pessarts auf, währenb bas Reh mehr »n den Dor- roalbungen anzutreffen ist. Auch ber Fischreich um in ben verschiebenen Gebirgsbächen, so msbeson- bere von Forellen, ist erwähnenswert.
Ein weitverzweigtes Netz mustergültiger Spaziergänge bietet Dem Naturfreunb unb erholungssuchen- ben Gast vielfache Möglichkeit, ben Spessart msbe- fonbere ben Hochspessart kennen unb schätzen zu lernen, zumal gerabe dieses Gebirge noch zu den wenigen deutschen Mittelgebirgen zahlt, bie fast noch ganz Dem Fußgänger gehören. Promenaden- wege inmitten harzbustenber Waldungen fuhren zu romantisch schönen, reizvollen Rundblicken ms Herr- liehe Maintal. Wer einmal auf dem Pollasch bei Heigenbrücken oberhalb bes Schwarzkopftunnels ge- ftanben hat, ber wirb ben gewaltigen Eindruck nicht vergessen, ber sich ihm bei Anblick ber langgestreckten Täler dis hinunter nach Aschaffenburg bietet. Zahlreiche Bänke geben Gelegenheit,^auszuruhen
lichtesten, bie Wetteraussichten unserer Sommer- reise zu verbessern. Umfangreiche Wetter-Statistiken, gesammelt in vielen Jahrzehnten burch hie Aufzeichnungen von Tausenden von Wetterstationen, beweisen nämlich, baß in ben verschiebenen Gegenden, bie wir bei Erholungsreisen zu bevorzugen pflegen, in verschiedenen Monaten eine sehr verschiedene Wetterlage anzutreffen ist. Asto: Wahrend es in einem bestimmten Gebiet im Ium ober Juli häufig regnet, regnet es zur selben Zeit in einem anberen Gebiet selten. Wer seine Reisezeit nicht wählen kann, sondern, wie es in großen Be- trieben wohl immer ber Fall sein wird, sich sHon im Frühling entscheiden muß, wann er seinen Sommerurlaub nimmt, muß bann eben bie Gegend wählen, in der er zu dieser Zeit am meinen Aus- sicht hat, günstiges Wetter zu treffen. Wer aber frei verfügen kann und gern eine bestimmte Landschaft als Reiseziel wählt, muß zu einer Zeit oer- reifen, in der eben gerade diese Landschaft vom Wettergott begünstigt wird.
Der Observator Dr. Wussow vom Berliner Meteorologischen Institut hat sich einmal die Muhe ge- macht, auf Grund eines riesigen wetterstatistiichen Materials Wetterkurven für einige Der wichtigsten Reisegebiete zusammenzustellen. Aus ihnen ersieht man z. B., Daß im Juni unD Juli in Den Doralven oiel Regen zu erwarten ist, während zur gleichen Zeit an der Ostsee und Nordsee wenig Niederschläge zu verzeichnen sind. Hmgekehrt beweisen diese Kurven, zu Deren Ausarbeitung Dr. Wussow nicht weniger als 226 000 Regentage benutzte, daß man im August und September an ber Nowsee mit mehr Regentagen zu rechnen hat als tm Ium unb Juli, während um biefe Zeit bie Doralpen unb der Schwarzwald günstige Wetterlagen bieten. Ganz allgemein gesprochen sind an ber See weniger Regentage zu verzeichnen als im Gebirge, und roieber ganz allgemein ausgedrückt ist im Gebirge das schönste, beständigste Wetter im September und
Die gelöste Sonntagskarte berechtigt zur Heimsahrt von Gladenbach. Wanderzeit 4% Stunden.
Stockhausen — Braunfels — Weilburg.
Wir fahren mit Sonntagskarte Weilburg nach Stockhausen. Rote Kreuze leiten uns vorerst durch Feld, später durch schönen Hochwald einem lieblichen Tälchen aufwärts über Tiefenbach nach Braunfels, dessen herrliches Schloß wir gebührend besichtigen. Bei der Brauerei Wahl überschreiten wir die Landstraße und folgen jetzt dem L des Lahnhöhenwegs, das uns durch hübschen Waldbestand nach dem anmutig liegenden Hirschhausen mit interessanter Dorfkirche bringt. Unfer Zeichen führt uns weiter über einen Höhenrücken mit prächtiger Aussicht nach ben jenseits ber Lahn gelegenen Westerwaldbergen, wobei namentlich ber Blick auf Burg Greifenstein fesselt, am Winbhof vorbei zur Perle bes Lahntals, bem reizvoll gelegenen Weilburg, besten hochragendes Schloß uns schon von weitem entgegengrüßt. Auch hier unterziehen mir vor ber Heimfahrt bie Schönheiten ber Stabt einer lohnenben Besichtigung. Wan- berzeit fünf Stunben.
Das schöne Reiseandenken.
Don Anton Schnack.
Der rechte Reisende wird auch das rechte Reise- anbenten für sich und für seine Freunde finden. Das rechte Reiseandenken ist bas echte. Das echte An- Deuten ist in der LanDschast gewachsen, entftanDen und gemacht. Der rechte Reisende bringt mit dem eckten Andenken einen dauernden und unverlierbaren Schmuck und Schatz mit nach Hause der ihm von Bergen, von Flüssen und Seen, von Mee- ren und Hügeln, von stillen oder lauten Gasten, von Kunstdenkmälern unb sonstigen landschaftlichen Besonderheiten mit bem wahren Schein unb Glanz erzählt, ben nur es wiberfpiegeln unb bewahren ^Sßer ist ein rechter Reisenber? Ein rechter Rei- senber ist ein Mensch, ber in eine Lanbschaft als Entbecker unb als Genießer kommt, ber nicht nur mit ben äußerlichen Kenntnissen von Land und Leuten ausgestattet ist, sondern auch in ihr ureigenstes Wesen vorzudringen vermag und sich dort glücklich unb heimisch fühlt. Es ist schön unb wichtig zu wissen, wie hoch ein Berg und wie tief ein See ist, es ist auch wichtig, Bescheid über Reiseverbindung, Pensionspreise unb Ausflugsmöglichkeiten zu wissen, aber barüber hinaus gibt es noch ein Besonderes, ein Geheimes, ein Eigentümliches, das oft in Kleinigkeiten ruht, In Dingen des abseitigen Lebens, in farbigen Besonderheiten, eben in einem Anderssein als man von zu Hanse her gewohnt ist.
Ein Fingerzeig für diese unwägbaren Dinge und Farben kann ein Reiseandenken fein unb werben. Wenn ich von ber Samlanbküste ein Stück rohen ober verarbeiteten Bernsteins mit mir nach Hause bringe, nehme ich gleichsam rpie in einer kleinen Kapsel Meerrauschen, Winbgesang, Einsamkeitsweite und Dünenschwermut mit.
Ich hielte es für gut, wenn einmal ein kleiner Führer geschrieben würde, in dem die schönsten und bodenstänbigsten Reiseandenken an deutsche Landschaften und an deutsche Orte aufgezeichnet wären. Es würde manches Wundersame und Reiz-
Es ist zu bedauern, daß die Ferienzeit nicht mehr auseinandergezogen wirb, sowohl mit Rücksicht auf diese Wetterlage als hinsichtlich der Verteilung der Besucher überhaupt. Während sick zur Hauptreisezeit, bei oft ungünstigem Wetter, der Besucherstrom in den Sommerfrischen zusammendrängt, so daß häufig der einzelne Gast nicht zu seinem vollen Recht kommen kann, weil alles überfüllt ist, veröden im Nachsommer, bei oft herrlichstem Wetter, bie großen Wanber- unb Kurgebiete. Freilich, es wirb um biefe Jahreszeit schon früher bunkel, aber man kann burch Frühaufstehen unb zeitiges Schlafengehen einen Ausgleich schaffen, und wer bie klarere, reinere Luft bes Nachsommers, die beginnende leise Verfärbung der Laubwälder liebt, wirb grabe um diese Jahreszeit köstliche Tage verleben.
Grade ber Juni, einer ber Hauptreisemonate, wirb häufig mit dem Groll bes Wettergottes bedacht. Der Meteorologe Marten hat bei Bearbeitung eines hundertjährigen wetterstatistischen Materials aus über vierzig Orten Europas festgestellt, daß Kälterückfälle um die Mitte unb im zweiten Drittel des Juni viel stärker hervortreten als im Mai. Der Hnterschied zwischen Kontinental- und Seeklima um diese Jahreszeit wirkt sich hier aus. Der Nordatlantik ist noch kalt, bie Landmassen namentlich Südosteuropas sind schon stark erwärmt; Luftströmungen, bie ben Ausgleich zwischen beiden Gebieten schaffen, bringen uns unbeständiges, oft kühles unb stürmisches Wetter.
Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß kaum eine Wissenschaft mit so viel Schwierigkeiten und undurchsichtigen, ost unberechenbaren Faktoren zu kämpfen hat wie die Meteorologie. Es ist leicht, über bie noch immer häufigen Versager Der „Wetterfrösche" Witze zu machen, daß bie Prognosen aber in ber Lanbwirtschaft, Seefahrt, Luftschifffahrt Milliardenwerte retten, sollte Nie übersehen werden.


