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Samstag, 8. August 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 184 viertes Blatt

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Es sitzt sich gut im Omnibus.

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Linksoben: Der stattliche Kraftwagenpark der Reichspost in Gießen.

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Obst und Gemüse usw. die Märkte in den

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Links: Der schwere Motor will immer gut versorgt sein. Rechts: Leden Morgen große Wagenwäsche.

Als letztes Glied des motorisierten Postbetriebs sei noch die Paketzustellung in der Stadt mittels Klsinkraftwagen erwähnt. Der gute alte Postwagen- schimmel mit seinem etwas vorsintflutlich anmuten» den kuriosen Paketwagen wird künftighin nur noch in der Erinnerung der älteren Generation er­halten bleiben, dagegen erlebt das junge Geschlecht in zeitgemäßem Lebensstil auch auf diesem Gebiete den Fortschritt der Technik und der Zeit, mit einem Wort dasZeitalter des Motors".

schen zu bemessen sein wird. Dazu kommt weiter die Gepäckbeförderung, schließlich auch der Brief­dienst, soweit er sich auf den Verkehr zwischen dem Gießener Postamt und den Außenstellen bezieht.

Oie Krastpostverkehrszentrale Gießen.

Sieben KrastomnibuSlinien im Dienst des Volkes. Oer motorisierte Land­briefträger. Statt Postpferd der Kleinkrastwagen.

Postbeförderung, und zwar sowohl hinsichtlich des Empfangs, wie auch der Absendung. Eine andere Landkraftpostlinie wird zweimal täglich von Gießen über Lollar, Ruttershausen, Staufenberg, Daubrin- gen, Mainzlar, Treis, Allendorf, Nordeck, Londorf, Odenhausen, Geilshausen, Lumda, Beltershain, Reinhardshain, Göbelnrod, Ganseburg zurück noch Gießen und nachmittags erneut in der umgekehrten Ortsfolge befahren; auch hier hat die Bevölkeiung zweimal täglich die Möglichkeit des Postoerkehrs

Diese Einrichtung desmotorisierten Landbrief- trägers", die anfangs von der Bevölkerung mit einer gewissen Zurückhaltung betrachtet wurde, hat sich schnell die volle Zustimmung aller Volksgenos­sen in den an die Strecke angeschlossenen Orten er­rungen. Die Reichspost erfüllt also auch hier eine wichtige Aufgabe, die in guter Weise gelöst ist

Rechtsoben: Paketpost wird in die gelben Paketwagen verladen. ~ ' 15 u n t e n : Täglich fahren viele Volksgenossen mit

Der Kraftomnibus-Personenverkehr des Gießener Postamtes ist im Verkehrs- und Wirtschaftsleben des Kreises Gießen und unseres preußischen Nach­barkreises Wetzlar zu einem wichtigen Faktor ge­worden. Unsere Landbevölkerung, die anfangs nur mit einem gewissen Zögern, aber gar bald schon in voller Erkenntnis der Annehmlichkeiten dieses Verkehrsmittels die Beziehungen zu diesem Betriebs­zweig der Post aufnahm, möchte jetzt die gute Verbindung sicherlich nicht mehr missen. Man kann wohl sogar sagen, daß ohne diese Verkehrsmittel das ländliche Leben in feinen Beziehungen zur Kreisstadt und auch zu zahlreichen anderen von diesen Linien berührten Orten nicht mehr zu denken ist. An Bequemlichkeit und Sorgfalt, wie auch an Schnelligkeit und Sicherheit lassen die Krastomni- buslinien ja auch nichts zu wünschen übrig. Als Beweis dafür kann man wohl die Tatsache ansehen, daß kaum einmal eine Beschwerde über dieseLand- straßen-v-Züge" der Post laut wird.

Von Gießen aus kann man mit ihnen nach sie­ben verschiedenen Richtungen die Fahrt antreten. Die Fahrpläne der Postkraftomnibusse sind weit­gehend auf die Fahrpläne der Reichsbahn abge­stimmt. so daß der Fahrgast vom Lande ohne allzu

Cin ts unten : Der Omnibusführer übernimmt Briese und Pakete für seineTour". R < den Omnibussen der Reichspost. (Aufnahmen [8|: Neuner,

Diese Männer sind aber nicht etwa brotlos gewor­den, sondern sie fanden dienstliche Verwendung an einer anderen Stelle des Postbetriebes. Ihre Auf­gabe erfüllt nun der Kleinkraftwagen der Landpost, der neben der Beförderung von Briefen, Pa­keten, Drucksachen und allen möglichen weiteren Sendungen auch für ein bis drei Personen Ge­legenheit zur Mitfahrt gegen eine geringe Beför- derungsgebühr bietet. Diesermotorisierte Land­briefträger", der im Bereiche des Gießener Post- bezirks auf der einen Linie vormittags von Gießen aus über Wiefeck, Alten-Bufeck, Trohe, Rödgen, Großen-Buseck, Beuern, Bersrod, Winnerod, Reis­kirchen, Lindenstruth, Saasen, Harbach, Hattenrod, Burkhardsfelden, Oppenrod, Albach, Steinbach und Annerod zurück nach Gießen fährt und nachmittags die Rundfahrt von Gießen aus in umgekehrter Rich­tung ein zweites Mal durchführt, bringt den Land- bewohnern zweimal am Tage die Möglichkeit der

Vieles hat sich also auch im Postbetrieb des letz­ten Jahrzehnts im Dienste des Verkehrs über­raschend schnell verändert, aber alle diese Neuerun­gen sind in glücklicher Weise so gestaltet und orga­nisiert worden, daß sie mit den Erfordernissen der Zeit in guter Weise Schritt halten und jedermann deutlich sichtbar bekunden, daß die Reichspost ihre besondere Verpflichtung darin erblickt, auch m der Benutzung der Kraftwirtschaft auf der Höhe zu [ein und guten Dienst am Kunden zu leisten.

kutsche, der Vergangenheit angehürt, noch jenen pflichtbewußten Männern alle Hochachtung zukom­men lassen. Aber mit der immer mehr und immer rascher fortschreitenden Motorisierung des Verkehrs mußte naturnotwendig auch die von mancherlei Poesie und Romantik umwobene Gestalt des Land­briefträgers das Feld räumen. Der Motor hatte die Postkutsche überflüssig gemacht, und er hat in feinem Siegeszug auch den Brief- und Paketboten der Landpost nicht mehr bestehen lassen können.

So kam es auch vor sechs Jahren in unserem Gießener Bezirk zur Einrichtung der Landkraft­posten und damit zum Ende des Landbriefträgers.

Städten zu erreichen.

Eine außerordentlich bedeutungsvolle Rolle spie­len diese Linien aber auch für den Arbeiteroerkehr, da sie es zahlreichen Volksgenossen in bequemer Weise ermöglichen, ihre Arbeitsplätze in der Stadt unter günstigen Bedingungen zu erreichen und eben­so am Abend wieder nach Hause zurückzukehren; das gleiche trifft auf den Schülerverkehr zu, durch den zahlreiche Buben und Mädels aus den Land­orten der Umgegend das ganze Jahr über während der Schulzeit ansehnliche Vorteile für den Schul­weg genießen.

Wohl keine der beteiligten Amtsstellen oder arbeitenden Personen hätte im Februar 1926 bei der Einrichtung der ersten Kraftomnibuslime der Reichspost von Gießen nach Krofdorf daran gedacht, daß sich aus dem damals sehr bescheidenen Pflanz- lein ein Jahrzehnt später ein kräftig wachsender Baum entwickelt haben würde. Damals lebte man m Gießen noch ganz in der Vorstellungswelt einer Verlängerung der Gießener Straßenbahn nach Krof­dorf, und man war froh und stolz darüber, daß es gelungen war, wenigstens für die Verbindung Gie­ßenKrofdorfFellingshausen denv-Zug der Landstraße" zu schaffen, der in Gestalt zweier schöner großer Kraftomnibusse den täglichen Fahr­dienst versehen sollte. Jedoch es kam hier, wie es oft im Leben geht: anfangs nur mit einer gewissen Be­sorgnis betrachtete Kinder machen sich immer besser heraus, sie werden immer mehr der Stolz der Fa­milie, bekommen ebenso lebensfroh und kräftig wach­sende Geschwister, bis schließlich eine ganze Gemein­schaft krittligen jungen Volks vorhanden ist. Genau so vollzog sich die Entwicklung unserer Kraftpostver­kehrszentrale des Postamtes Gießen. Das zunächst ängstlich behütete ErstlingskindKraftpostlinie Gie­ßen Krofdorf" sah sich bald in der Gesellschaft zahl» reicher Geschwister, die allenthalben ebenso Freude bereiteten, wie ihr Spitzenreiter. Dann kam vor eini­gen Jahren noch ein Kraftverkehrs-Baby" in Ge­stalt desmotorisierten Landbriefträgers" hinzu, d. h. die Verkraftung des Landpostdienstes brachte den Kleinkraftwagen in den Betrieb der Post hinein, hinzu kam das Kleinauto bei der Paketbestellung in der Stadt Gießen, und aus alledem ist nun ein so ansehnlicher Kraftwagenbetrieb des Gießener Post­amtes entstanden, wie wir ihn heute mit neun großen Kraftomnibussen von je 31 bis 42 Sitzplätzen, sechs Kleinkrastwagen für die Paketzustellung in unserer Stadt, zwei Landkraftpostwagen mit drei Sitzen bzw. einem Sitz für Personenbeförderung außer dem Wagenführer, zwei Reservekraftwagen, zwei Stö­rungskraftwagen und einem Bautrupp-Lastkraft­wagen vor uns sehen. Also eine sehr stattliche Fa-

Ein anderer wichtiger Zweig des Postkraftwagen­verkehrs ist dermotorisierte Landbriefträger". Noch vor einigen Jahren konnte man auf den Landstraßen und in den Dörfern den auf Schusters Rappen dahin­ziehenden Briefträger erblicken, der mit Taschen und Beuteln voll Briefen und Drucksachen, mit Paketen und Paketchen hochbeladen war und in Sonne und Sturm, in Regen und Schnee und Eis seinen gar mühevollen Dienst versah. Diesen Männern gebührte zu allen Zeiten für ihre anstrengenden und opfer- vollen Leistungen im öffentlichen Dienst volle An­erkennung und besondere Dankbarkeit der Bevölke­rung, und man muß auch heutzutage, da dieser Bote der Post, ebenso wie der Postillon und die Post-

große Wartezeit im Anschluß an die Eisenbahnzüge weiterfahren kann und es sicherlich angenehm emp- inbet, daß der Weg der Eisenbahnschiene durch liefe Kraftwagen bis zum Heimatort seine Fort- etzuna findet und ihm dadurch der Verkehr nach allen Richtungen hin wesentlich erleichtert wird. So können mit den Kraftomnibuslinien der Gießener Post die Einwohner von Krofdorf, Fellingshausen, Krumbach, Frankenbach und Erda bequem und rasch die Verbindung vom Lande zur Stadt und weiterhin mit der Eisenbahn genießen; von dieser Linie abzweigend können die Volksgenossen in Wißmar und Launsbach die Vorteile des modernen Verkehre benutzen; auf einer anderen Linie fahren die Einwohner von Klein-Linden, Lützellinden, Ho­chelheim, Hörnsheim und Dornholzhausen zur Stadt und zurück; die Einwohner von Watzenborn- Steinberg, Holzheim und Gambach genießen durch ihre Kraftomnibuslinie den gleichen Vorteil; der beliebte Ausflugsort Annerod und fein Nachbardorf Albach haben auf die gleiche Weife eine vortreff­liche Verbindung mit ihrer Kreisstadt und der Bahn; die Volksgenossen in Alten-Buseck haben mit Hilfe der Pendellinie nach und von Wieseck im Anschluß an die Gießener Straßenbahn eine gute Verbindung mit der engeren und weiteren Umge­bung; der Schiffenberg ist mit Hilfe dieses modernen Verkehrsmittels für viele Männer und Frauen, denen der Fußweg zu beschwerlich und je nach dem Lebensalter vielleicht auch zu weit wäre, leicht und bequem erreichbar geworden; und schließlich bietet die Einrichtung der Marktfahrten vorn Kleebach­tal, d. h. von den Orten Hochelheim, Hörnsheim, Dornholzhausen über Butzbach, Bad-Nauheim nach Frankfurt a. M., bzw. vom Kleebachtal nach Sie­zen den Männern und Frauen aus diesen Land­orten mehrere Male in der Woche eine gute Ge­legenheit, mit ihren Körben und Kisten voll Hand-

Bei der tiefen Verwur­zelung dieser modernen Verkehrsmittel im Leben der Gemeinschaft der Städte und der Dörfer ist es denn auch natür­lich, daß die Benutzung der Kraftomnibusse sehr rege ist. Wer diese Kraft­wagen häufiger an ihren Ausgangs- und Endpunk­ten beobachtet, kann die Feststellung machen, daß die Besetzung immer ein sehr erfreuliches Ausmaß aufweist. Man geht wohl nicht fehl in der An­nahme, daß die Wagen auf allen Linien all­monatlich Hunderte von Reisenden in beiden Fahrtrichtungen beför­dern, so daß für jede Linie im Verlaufe eines Jahres eine Verkehrsfre-

heraus kommt, die Männer, die Verantwortung tragen! Die Fahrer der Gießener Omnibusse, nach Tausenden von Men-