Denkmal der deutschen Selbstverwal. tung, das im Chrenraum Aufstellung gefunden hat, ein preisgekröntes Werk des Berliner Bild- d?uers Max Lerch, das als Wahrzeichen der Städte den deutschen Roland und die ihm hul- digende Bürgerschaft zeigt. Mit stürmischem Jubel empfangen, nahm Reichsminister Dr. F r i ck darauf seiner Eröffnungsansprache.
Mit dem Sieg-Heil auf den Führer und den nationalen Liedern schloß die eindrucksvolle Feier- ftunXc u
3n dem hohen Rund der Ehrenhalle leuchten die Wappenbanner von 160 deutschen Städten. Weitläufige Räume nehmen anschließend die Lehr- schau auf in der die tausendjährige Geschichte deutscher Städte einen breiten Raum einnimmt.
Statistische Bilder geben einen aufschlußreichen Ueberblick über die größten Gruppen der verschiedenen deutschen Gemeinden. Jrn Kapitel „G e - meindliche Finanzen" wird anschaulich Auskunft gegeben, welch' ungeheuren Ansprüchen und Belastungen der Geldsäckel der kommunalen Verwaltungen ausgesetzt ist. In einem großen Raum ist die Versorgungswirtschaft untergebracht, daneben die Verkehrwirtschast. Man erfährt, daß allein die Gesamtstreckenlänge des deutschen Straßenbahnnetzes rund 5900 Kilometer beträgt. Ein Wagenpark von 25 000 Triebwagen und Beiwagen rollt heute über die Straßenbayn- schienen der deutschen Gemeinden. Weitere Abteilungen unterrichten über SiedliungundWoh- n u n g sowie über Kunst und Kulturpflege.
Eden über die Sicherung des Friedens in Westeuropa.
London, 7. Juni. (DRB.) Außenminister Eden hielt in seinem Wahlkreis eine Rede, in der er der Entschlossenheit Großbritanniens Ausdruck gab, den Völkerbund zu erhalten und Aenderung/n seiner Satzungen so zu gestalten, daß dieser ein möglichst wirksames Werkzeug für die Erhaltung des Friedens werde. Es sei nicht zu leugnen, daß der Völkerbund einen Rückschlag erlitten habe. Das verpflichte alle seine Mitglieder, die Schwachen zu heilen, die durch die Ereignisse bloßgelegt worden seien. Die britische Regierung werde ihr Bestes dazu tun, daß die Erfahrungen der letzen Monate nützlich verwandt würden. Der Erfolg, eine neue Ordnung in der Welt zu schaffen, werde davon abhängen, in welchem Umfange die Völker bereit feien, den meist aggressiven Rationalismus aufzugeben und aus vollem Herzen an der friedlichen Regelung der Streitigkeiten mitzuarbeiten. Es fei wichtig, daß keine sich bietende Gelegenheit versäumt werde, um ein internationales Uebereinkommen übr die Begrenzung und Verminderung der RÜ st ungen herbeizuführen. Großbritannien müsse die britischen Inseln und Verkehrswege des Britischen Reiches verteidigen. Angesichts dessen sei es unmöglich, das Ausmaß der Aufrüstung in anderen Ländern zu übersehen. Diese Wiederaufrüstung habe überall einen ungeheuren Umfang angenommen. Die Steigerung der Steuern, die eine vermehrte Rüstung mit sich brächte, sei daher unvermeidlich, da Großbritannien nicht länger in einem Zustand verhältnismäßiger Schwäche verbleiben dürfe.
Ein Gebiet, in dem die britischen Lebensinteressen direkt durch eine Störung des Friedens bedroht würden, liege in W e st e u r o p a. Aus diesem Grund habe die Regierung seit der Wiederbesetzung des Rheinlandes in der gefährlichen Lage, die durch diese geschaffen worden sei, nach einer Gelegenheit gesucht, um die internationale Sicherheit wiederherzustellen und das internationale Vertrauen zwischen den Völkern Westeuropas im Rahmen des Völkerbundes neu
zu schaffen. Die britische Regierung bedauere die Methode der Wiederbesetzung des Rheinlandes. Aber das befreie sie nicht von der Verpflichtung, eine Lösung zu finden. Sie sei an die deutsche Regierung herangetreten, um eine Neuregelung in Europa auf der Grundlage eines Verschwindens der entmilitarisierten Zone im Rheinland zu suchen. Die britische Regierung habe aber klargestellt, daß ihre Verpflichtungen gegenüber Belgien und Frankreich aus dem Locarnooertrag gültig geblieben seien. Um das Vertrauen dieser Länder wiederherzustellen, habe sie Besprechungen zwischen den General st äben zugestimmt. England könne es nicht dulden, daß Zweifel in die Erfüllung dieser Verpflichtungen gesetzt würden, weil diese die Unabhängigkeit und Unversehrtheit von Ländern berührten, die Großbritannien als lebenswichtig für das Britische Reich ansehe.
Die britische Regierung sei bereit, Verhandlungen über einen Nichtangriffs- und Bei - standspakt in Westeuropa aufzunehmen. Ein solches Abkommen würde um so mehr in England willkommen geheißen werden, wenn in ihm ein Luftpakt eingefügt werde, wie er letztes Jahr vorgeschlagen worden sei, und wenn er von einem Uebereinkommen über die Begrenzung der Streitkräfte begleitet sei. Die britische Regierung habe die deutsche Regierung eingeladen, gewisse Aufklärungen zu geben. Sie habe es für wesentlich gehalten, sich dessen zu versichern, ob die deutsche Regierung von jetzt an in der Lage sei, bindende Verträge zu schließen und in der es den gegebenen politischen und territorialen Status Europas zu respektieren beabsichtige, soweit dieser nicht in der Folge durch freie Verhandlungen und Uebereinkommen abgeändert werden sollte. Die englische Regierung hoffe, daß die deutsche Antwort kein Hindernis für die Eröffnung der Verhandlungen übrig lasse.
Vertrauensvotum der Kammer für das Kabinett Blum.
Paris, 6. Juni. (DNB.) Die Regierungserklärung des neuen französischen Kabinetts wurde am Samstag von Ministerpräsident Leon Blum in der Kammer und von dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Minister für Landesverteidigung und Krieg, D a l a d i e r, im Senat verlesen. Zu Beginn der nächen Woche, so erklärte L6on Blum, werden wir in der Kammer eine Gesamtheit von Gesetzen einbringen. Diese Gesetze werden betreffen: die Amnestie, die 40-Stunden- woche, die Kollektivverträge, die bezahlten Urlaube, einen Plan für große öffentliche A r - beiten zur wirtschaftlichen, sanitären, wissenschaftlichen Ausrüstung, für den Sport und den Fremdenverkehr, die Verstaatlichung der K r i e g s- waffenherstellung, die Schaffung eines Getreideamtes, als Beispiel für die Aufwertung anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse, wie des Weines, des Fleisches und der Milch, die Verlängerung der Schulzeit, eine Reform der Satzungen der Bank von Frankreich, die das Vorherrschen nationaler Interessen in der Verwaltung der Bank garantiert.
Nach Verabschiedung dieser Maßnahmen werde eine zweite Reihe von Vorlagen eingebracht werden, die vor allem die Schaffung eines nationalen Arbeitslosenfonds, die Versicherung gegen Landwirtschaftsschäden, die Regelung der landwirtschaftlichen Schulden und eine Alterversicherung für hie Arbeiter betreffen. Weiter fei an eine umfassende Steuerreform gedacht, die die Erzeugungswirtschaft und den Handel entlasten und neue Mittel durch die
Heranziehung des tatsächlichen Reichtums beschaffen solle.
Die Regierung werde alle Verwaltungszweige und alle öffentliche Dienste mit republikanischem Geist erfüllen. Frankreich will den ungeteilten Frieden mit allen Nationen. Es itenti- fiziert den Frieden mit der Achtung der internationalen Verträge, mit der Treue zu den übernommenen Verpflichtungen und zu dem gegebenen Wort. Die Regierung wünscht aufrichtig,' daß die Organisierung der kollektiven Sicherheit es gestatten möge, den hemmungslosen Rüstungswettlauf anzuhalten, in den ganz Europa sich hineingezogen sieht, und daß die Organisierung der kollektiven Sicherheit zu einer internationalen Einigung über die Veröffentlichung, allmähliche Verminoerung und tatsächliche Kontrolle der internationalen Rüstungen führen möge.
Die Kammer sprach der Regierung Blum im Anschluß an eine ausgedehnte Aussprache über die allgemeine Politik mit 3 8 4 gegen 210 Stimmen das Vertrauen aus. Die 384 Stimmen der Regierungsmehrheit umfassen 72 Kommunisten, 146 Sozialisten und 110 Radikalsozialisten. Die übrigen 56 Stimmen verteilen sich auf die Sozialrepublikanische Vereinigung, die Unabhängige Linke und einige parteilose Abgeordnete. — Die 210 Abgeordneten, die gegen die Regierung stimmten, sind die Mitglieder der Demokratisch-Radikalen Linken, der Linksrepublikaner, der Unabhängigen Radikalen, der Unabhängigen Republikaner, der katholischen Volksdemokraten und der Republikanischen Vereinigung.
Beilegung des Streiks in Frankreich.
Oie Regierung vermittelt ein Abkommen zwischen Arbeitgebern und Gewer kschasten
Jubel der sozialistischen presse.
In den sozialistischen Blättern ist die Freude über die grundsätzliche Einigung mit den Arbeitgebern sehr groß. „Sieg der Arbeiterklasse, die Arbeitgeber haben kapituliert", jubelt der sozialistische „Populaire" und erklärt, die Arbeiter könnten nun, nachdem sie Sieger geblieben seien, die Arbeit wieder aufnehmen. Sie würden jedoch wachsam sein, sie würden ihre Organisationen verstärken, und sie würden noch mehr als bisher d i e Regierung der Volksfront, die Regierung ihrer Klasse, unter st ützen. Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" verkündet in gewaltigen Lettern, „D a s Elend ist besiegt, acht Millionen Arbeiter haben Genugtuung erhalten". Zum erstenmal in der Geschichte Frankreichs, so schreibt mit tiefer Befriedigung der Generalsekretär des marxistischen Gewerkschaitsverbandes I o u- haux, sei ein Abkommen zwischen dem Gewerk- schaftsoerband und dem Arbeitgeberverband unterzeichnet worden. Das sei eine wichtige Tatsache, die noch gewaltige Rückwirkungen haben werde. Das Recht der Gewerkschaften sei anerkannt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten künftig frei über ihre Interessen verhandeln. Die Arbeiterklasse habe den größten Sieg in der Geschichte erzielt.
Die r a d i k a l s o z i a l i st i s ch e n Blätter verzeichnen das abgeschlossene Abkommen mit Genugtuung. Die Rechtsblätter sind im ganzen ebenfalls befriedigt, daß der Streikbewegung ein Ende gesetzt wird. Sie befürchten jedoch, wie z. B. das „Echo de Paris", daß die Arbeiter der Parole zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht überall folgen werden. Das ernsteste Problem sei die Lage in den nordfranzösischen Bergwerken, die sich seit 48 Stunden revolutionär entwickle. Es sei zu hoffen, daß die Parolen für die allgemeinen Streiks sofort widerrufen werden, andernfalls wäre der Beweis erbracht, daß die Gewerkschaftsführer von ihren Anhängern einfach überrannt würden. Mit Genugtuung hebt die Rechtspresse jedoch aus einer Rede des Ministerpräsidenten Blum am Sonntagabend die Bemerkung hervor, daß der Ministerpräsident im Laufe der Verhandlungen auf feiten der Arbeitgeber einen versöhnlichen Geist und einer klaren Erkenntnis der Lage begegnet fei, der er feine Anerkennung zolle.
Mm aus einer marxistischen Mssenversammlum.
Paris, 8. Juni. (DNB. Funkspruch.) In einer Massenversammlung haben sich am Sonntagabend die sozialistischen Minister ihren sozialistischen Anhängern in Paris vorgestellt. Unter dem Jubel der Versammlung marschierte die sozialistische „Junge Garde" in Uniform mit ihren roten Standarten in den Saal und nahm im Mittelgang und an den Tribünen Aufstellung. Die sozialistischen Minister hielten zwischen einer Doppelreihe roter Fahnen ihren Einzug. Ein Sprechchor eröffnete die Veranstaltung. Der soziaistische Kolonialminister trat für die Gleichheit der Menschen und für die Gleichheit der Rassen ein. Ein radikalsozialistischer Redner feierte den gemeinsamen Kampf rot gegen weiß.
Der Kommuni st Thorez begrüßte die ersten Maßnahmen, die der „Kamerad" Leon Blum in der Kammer angekündigt hat und bekräftigte von neuem den Willen der Kommunisten, um jeden Preis den Erfolg des gemeinsamen Unternehmens zu sichern. Als Thorez die Tribüne verließ, wurde er von Blum umarmt, während die Menge die Internationale sang. — Läon Blum bezeichnete es als geschichtliches Ereignis, daß die Kommunisten zum erstenmal durch den Stimmzettel einer Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen hätten. Die Regierung könne nicht stürzen, ohne daß die Arbeiterklasse schwerste Erschütterungen erleiden würde. Ohne die notwendige Einigung des Volkes werde die Aufgabe der Regierung nicht durchzuführen sein. Die Kleine Entente in Märest.
Bukarest, 6. Juni. (DNB.) Im Königlichen Palast gab am Samstag abend König Carol ein Frühstück zu Ehren der Staatsoberhäupter der Kleinen Entente, des Prinzregenten Paul und des Präsidenten B e n e s ch. König Carol unterstrich den unauflöslichen Zusammenhalt der Kleinen Entente, die in enger Zusammenarbeit mit der Balkanentente eine Politik der Aufrechterhaltung des Friedens und der Wahrung ihrer eigenen Interessen betriebe. Als erste dieser Interessen habe die Achtung vor den gegenwärtigen Grenzen, die für immer unantastbar seien und vor den Friedenverträgen zu gelten. Zweck der Zusammenkunft sei es, das von neuem mit aller Kraft zu proklamieren.
Die Beratungen begannen am Samstag abend. König Karol, Prinzregent Paul und Dr. Bene f ch arbeiteten zusammen mit dem Ministerpräsidenten Tatarescu und den Außenministern T i t u [ e s c u und Krafta. lieber die Besprechungen ist eine Verlautbarung ausgegeben worden, in der es heißt, man habe festgestellt, daß über alle Fragen die gleichen Ansichten bestünden. Aus dieser Gleichheit der Ansichten, habe sich auch eine Gemeinsamkeit des Handelns ergeben.
Neue Unruhen in Palästina.
wurde, wenn der derzeitige Stadtrat den Streik nicht sofort einstellen sollte. In Jerusalem haben arabische Kaufleute eine Zentraloerkaufsstelle für die wichtigsten Nahrungsmittel errichtet. Aus Aegypten ist ein weiteres Infanterie-Bataillon eingetroffen.
Zwang-Wahlen in Litauen.
Wenn ein Staat Jahr um Jahr unter willkürlicher Ausschaltung der gesetzmäßigen Volksvertretung regiert, wird die Rückkehr zu legalen Zuständen um so schwieriger, je radikaler die Willkürherrschaft ge- wesen ist. In einem nicht autoritär regierten Staat wird dann bas herrschende System zu diesen und jenen Zwangsmitteln greifen müssen, wenn es nicht durch die Entscheidung der Wählerschaft fortgefegt werden will.
In Litauen, einem Staat von 55 600 qkm und noch nicht einmal 2Vr Millionen Einwohnern, regierte man auf jene verfassungswidrige Art bereits seit dem 12. April 1927, wo der Seimas, das Parlament, aufgelöst worden war. Es ist unerläßlich zur Beurteilung der inneren Entwicklung Litauens in diesen neun Jahren, zu wissen, daß in dem damals aufgelösten Parlament die heutige sozusagen Regierungspartei, die Tautininkei, nur drei Vertreter bei insgesamt 85 Parlamentssitzen hatte! Wenn also am 27. Mai dieses Jahres die Führer der beiden im November verbotenen Oppositionsparteien, der sogenannten Volkssozialisten und des Christlich-demokratischen Blocks, die beiden früheren Staatspräsidenten S t u l g i n - s k i und Dr. G r i n i u s den jetzigen Staatspräsidenten Smetona in einer Denkschrift auf die Ungesetzlichkeit der bevorstehenden Wahlen des 9. und 10. Juni hinwiesen, so konnten sie nicht nur darauf verweisen, daß die gegenwärtige Regierungspartei keinerlei legale Basis hat, sondern auch darauf, daß die kommenden Wahlen in keiner Weise den wahren Volkswillen in Litauen widerspiegeln können. Die Tautininkei hat nämlich das ad hoc geschaffene Wahlgesetz mit der Ausschaltung sämtlicher politischer Parteien und der Benachteiligung der Minderheit, vor allem deshalb herausgebracht, weil sie sämtliche Selbstverwaltungs- förper mit ihren Leuten besetzt hat und diese Selbstverwaltungen, Kreisräte und Stadtoerordneten-Ver- sammlungen, bekanntlich das alleinige Recht der Kandidatenaufstellung haben. Damit ist also von vornherein keine Rede mehr von einer freien, gleichen, direkten Wahl, es handelt sich vielmehr um Scheinwahlen, bei denen der Wahlkreisberechtigte sich nur zwischen ihm vorgeschriebenen Kandidaten oder Wahlverzicht entscheiden kann. Von dieser Sorte des „Wählens" ist in dem maßgeblichen Staatsdokument, der Verfassung vom 25. Mai 1928, keine Rede. Naturgemäß kann sich Litauen bei der Ausschaltung der politischen Parteien auch nicht etwa auf den Präzedenzfall Polen berufen, da es sich ja dort um einen autoritär regierten Staat von völlig anderen innerpolitischen Grundlagen und Entwicklungen handelt. Nimmt man hinzu, daß die Geschichte des litauischen Staates trotz seiner Jugend bekanntermaßen überaus drastische Kapitel zum Thema der Wahlverfälschung enthält (Memel- gebietl), so kann man sich ungefähr vorstellen, was man in Litauen heute von den bevorstehenden Wahlen zu erwarten hat, bei denen übrigens nicht mehr 85, sondern nur noch 50 Mandate zu besetzen sein werden.
Die litauischen Wahlen gehen also in einer Form vor sich, die dem Wähler von einer dazu nicht autorisierten Regierung aufgezwungen wird. Es handelt sich aber auch noch in einem völlig anderen Sinne um Zwangswahlen insofern, als die gegenwärtige litauische Regierung teils durch die außenpolitische, mehr aber noch durch die innerpolitische Entwicklung sich schließlich zur Ausschreibung von Wahlen genötigt sah. Außenpolitifch haben sich als am stärksten belastend erwiesen das ungeklärte Verhältnis zu Polen (Wilnakonflikt), das Verhältnis zu Deutschland durch die nunmehr 13jährige litauische Terrorpolitik im Memel- land, die besonders militärpolitisch bekundete starke Annäherung an das bolschewisti- sche Rußland. Jnnerpolitisch erscheint infolge einer fast katastrophalen Wirtschaftslage die unaufhaltsam fortschreitende Verarmung und Proletarisierung des auf tiefer Kulturstufe stehenden Bau- e r n st a n d e s als schlechthin ständige Gefahr. Wir erinnern nur an die schweren Bauernrevolten vom September vergangenen Jahres, bei denen bekanntlich das litauische Militär, aus dem Bauernstände rekrutiert, den Gehorsam verweigerte. Eine einzige Zahl für viele zur Kennzeichnung der Verelendung der Bauern, die das Gros der litauischen Bevölkerung stellen: ein Kalb wird mit 2 Lit, also noch nicht einmal 85 Pfennigen bezahlt! Dementsprechend sind die Steuereingänge und die st a a t - liche Verschuldung. Um so unbegreiflicher ist es der breiten Masse des litauischen Volkes, dessen teilweise Elendsquartiere noch aus Anlaß der letzten Memelwahlen Gegenstand ausführlicher Schilderungen ausländischer Korrespondenten waren, wenn die Regierung dieses Staates auch heute noch ein guter Kunde der internationalen Rüstungsindustrie ist und für die Aufrüstung schon im vergangenen Jahr 69 Millionen Lit oder 2 4 v. H. des Gesamthaushaltes ausgab!
Kein Wunder, wenn unter solchen Umständen
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waltung einen neuen Stadtrat ernennen derholt offenbar, so bei den in den letzten zwei
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Vereitelter Eisenbahnanschlag.
London, 8. Juni. (DNB. Funkspr.) In Palästina versuchten gestern Aufständische eine Eisenbahnbrücke in der Nähe oonJerusalem in dem Augenblick in die Luft zu sprengen, als sich ihr ein Personenzug näherte. Durch einen Zufall wurde der Anschlag vereitelt; der Lokomotivführer war argwöhnisch geworden, hielt den Zug kurz vor der Brücke an und veranlaßte einen mitfahrenden Polizisten die Brücke zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, daß drei große Löcher in das Mauerwerk gebohrt worden waren, in denen sich Dynamitladungen befanden.
von einsichtigen Kreisen nicht nur wiederholt eine durchgreifende Entlastung der inneren und äußeren Politik Litauens gefordert wurde, von der ja kürzlich noch Außenminister Lozoraitis in freilich nur unverbindlicher Form sprach. Kein Wunder, wenn eine solche Politik so unpopulär wird, daß es im vergangenen Jahr bei der Feier des Staats- gründungstages peinlich turbulente Szenen in Gegenwart der Regierung gab, sv daß die Rundfunkübertragung abgebrochen werden mußte. Kein Wunder schließlich, wenn eine Politik auch außerhalb Litauens Bedenken erregt, die durch den Mund des Innenministers ausdrücklich erklären läßt, man lege Wert auf die Vertretung der Juden im Parlament, während man gleichzeitig beispielsweise die Memeldeutschen mit einem ausgeklügelten System der politischen Schikanen umgibt. Es stand auf französischem Zeitungspapier, nämlich in der weiß Gott litauenfrommen „Information" zu lesen: „Litauen treibt infolge seiner fehlerhaften Staatsführung geradezu dem Kommunismus in die Arme ... Die litauische Währung ist schwer er-
schlittert ... Zu gleicher Zeit besteht eine latente Kabinettskrise ..." Diese Kabinettskrise wurde wie-
Streikenden, , . ....
Aufforderung der Arbeiterabordnungen zur so fortigen Aufnahme der Arbei t in den bestreikten Betrieben, sobald die Arbeitgeber das grundsätzliche Abkommen angenommen und ^er-
Paris, 8. Juni. (DNB. Funkspruch.) lieber die Beendigung des Streiks in Frankreich, der im Norden allein 300 000 und in Paris 250 000 Arbeiter erfaßt hat, ist in der Nacht zum Montag in einem Abkommen zwischen dem Arbeitgeberverband den Gewerkschaften unter dem persönlichen Einfluß des Ministerpräsidenten Blum eine grundsätzliche Einigung erzielt worden Das abgeschlossene Abkommen sieht vor:
1. Die Einfüh-^ng von k o l l e k t i o e n A r b e 11 s-
handlungen über dessen Durchführung angesetzt sein werden.
Weiter haben die Arbeitgeber in den Verhandlungen im Ministerpräsidium bereits anerkannt, d i e Gesetze durchführen zu wollen, die demnächst der Kammer vorgelegt werden und die besonders die kollektiven A r b e i t s d e r t r ä g e, bezahlten Urlaub und die 4 0 - Stunden- woche betreffen. Diese Anerkennung ließ sich jedoch erst durch ein Eingreifen der Regierung erreichen. Die Arbeitgeber haben aber alle Vorbehalte über die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Gesetze gemacht. Am Montag wird die B e l i e f e r u n g der Tankstellen wieder ausgenommen. Da auch in den Z e n t r a l m a r k t h a l l e n alle Streiks überwunden sind, und die Lastkraftwagen, die die Waren über Paris und die Vororte verteilen, wieder Benzin bekommen können, ist die Lebensmittelversorgung in Paris am Montag wieder normal, hingegen ist noch nicht bekannt, ob unter dem Eindruck der erzielten grundsätzlichen Verständigung der allgemeine Ausstand im Pariser Baugewerbe und in sämtlichen Bergwerken Nordfrankreichs, wie vorgesehen, ausbrechen wird.__________________________
vertrügen,
2. Gewerckschaftsfreiheit der Arbeiter, Erhöhung der Lohne um 7 o.H. für die höheren, bis zu 15 v. H. für die niedrigsten Lohne, jedoch derart, daß die gesamte Neube- lastunq des Betriebes durch die Lohnerhöhungen nicht mehr als 12 v. H. betragen barf, Einführung von 21 rb e ite rra te n in allen Betrieben mit mehr als 10 Arbeitern, keine Strafmaßnahmen gegen Die
Abends als Letztes Chlorodont dann erst zu Bett!
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Im ganzen Lande war am Sonntag ein v erst ä r k t e s Aufflackern der Unruhen festzustellen. Es kam zu Bombenanschlägen in Haifa, Jaffa, Nazareth und Beisan und zu mehrfachen Zerstörungen der Eisenbahnstrecken an der ägyptischen Grenze. Sieben arabische Streikführer wurden verhaftet und in ein Konzentrationslager nahe der ägyptischen Grenze gebracht. Der Bürgermeister von Jaffa wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Mandatsoer-


