Ausgabe 
8.4.1936
 
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ImKampfum dieFreiheit derWissenschast

Das Schulungslager des NSOStB. auf der Burg Gleiberg abgeschloffen.

§ 7 Absatz 3 UmStG. 1934 vorliegen, wird der er­mäßigte Steuersatz von 0,5 v. Sy angewendet. Die Inventarstücke sind immer mit 2 v. Sy zu versteuern.

EportamtKraft durch Freude".

Achtung! Verlegung von Sportkursen!

Folgende Kurse müssen in dieser Woche aus dem Lyzeum verlegt werden:

Mittwoch: Allgern Körperschule, Frauen und Mälzer, von 20.30 bis 21.45 Uhr. Schillerschule, Schillerstraße.

Donnerstag: Fröhl. Gymnastik, Frauen, von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Schlller- schule, Schillerstraße.

heute folgender Kursus:

Allgem. Körperschule, Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Schiller­schule, Schillerstraße.

Für die in der kommenden Woche beginnenden Kurse für Reiten, Fechten, Schach, Rollschuhlaufen, Kindergymnastik, können noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, abegegeben werden.

Pfunds-Angaben nicht mehr zulässig.

NSG. Die Schulungsbeauftragten und Kultur­stellenleiter der Hoch- und Fachschulgruppen des NSDStB im Gau Hessen-Nassau wurden, da sie in den Ferien mit ganzer Kraft dem Wahl­kampf zur Verfügung stehen sollten, diesmal erst zu Beginn des Semesters in ein Lager einberusen. Die Lagerdauer mußte deshalb, um die Amtsträger nicht unnötig in ihrer Studienzeit zu belasten, auf eine möglichst kllrze Zeit beschränkt werden.

Der Gauschulungsbeauftragte des NSDStB B a l o n, der wieder die Lagerleitung übernommen hatte, und mit ihm Gaukulturstellenleiter B i n - g e l erarbeiteten die wesentlichen Richtlinien für das Sommersemester und erprobten die Methode der studentischen Schulungs- und Kulturarbeit an praktischen Beispielen.

Am 6. April konnten die Lagerteilnehmer den Gleiberg, die alte Schulungsburg des NSD.

Studentenbundes, mit erneuter Zielsicherheit ver­lassen. Sie werden ihren Kameraden mit vollem Verantwortungsbewußtsein gegenübertreten, fähig und bereit, an dem besonderen Abschnitt der gro­ßen Kampffront für die innerste Freiheit des deut­schen Volkes, für die Freiheit der Wissenschaft und die Reinheit der deutschen Kultur einzutreten. Wer die Schulungsbeauftragten und die Kulturstellen­leiter in der ernsten Arbeit und m den kamerad­schaftlich frohen Stunden des Lagers beobachten konnte, mußte die Ueberzeugung gewinnen, daß die weltanschaulich-politische Revolutionierung der Stu­denten unseres Gaues wieder einen zuverlässigen Stroßtrupp gesunden hat. Das heißt aber nichts anderes, als daß der wirkliche nationalsozialistische Neubau der Hoch- und Fachschulen in seinen Grund­mauern begonnen ist und für die Zukunft gesichert erscheint.

SieZ-Reichsnährstandsausstellllngwirdausgebaut

Die Industrie- und Handelskammer Gießen, sowie die Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Ein­zelhandel machen darauf aufmerksam, daß es auf Grund des § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes ab 1. April 1936 nicht mehr zulässig ist, die Bezeich­nungPfund" zu benutzen. In den Durchführungs­bestimmungen zu dem genannten Gesetz ist jedoch für Drucksachen, Plakats Blechdosen usw., die noch die BezeichnungPfund",V2 Pfund" usw. tragen, eine Aufbrauchsfrist bis zum 31. Dezember 1937 vorgesehen. Bei Neuanfertigung von Drucksachen, Plakaten usw. dürfen dagegen nur die nach § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes zulässigen Bezeich­nungen. also Kilogramm und Gramm, verwandt werden.

Polizeibericht.

Wer ist Eigentümer des nachverzeichneten Herren­fahrrades?

Die Kriminalpolizeistelle der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:

In Altona wurde am 1. April 1936 ein Polizei­beamter von einem Einbrecher erschossen. In der Nähe des Tatortes wurde das nachbezeichnete Fahr­rad gefunden, das der Täter zweifellos vor der Tat benutzt und vorher irgendwo entwendet hatte.

Es handelt sich um ein Herrenfahrrad Marke Hawe", Fa Wehmeyer, Bielefeld, Nr. 208126, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, Felgen und Rahmen sind mit blauen und weißen Streifen ab­gesetzt, auf dem hinteren Schutzblech Firmenzeichen Wehmeyer, Biekefeld", Rückstrahler. Das vordere Schutzblech überragt vorn die Gabel, hinten am Rad Gepäckträger aus Blechrohr, Freilauf, Marke Komet", mit kleiner Uebersetzung, Ballonbereifung, MarkeEngbert", Cordballon 26X2, vernickelte Speichen, am unteren vorderen Teil des Fahr­gestells vernickelte Handluftpumpe mit Holzgriff, Klotzpedale aus Gummi, dreieckige braune Leder­werktasche, auf der einen Seite eine Weintraube, auf der anderen eine Blüte eingepreßt. Am Ver­schluß läßt sich die Werkzeugtasche bis zur Hälfte herunterklappen. Sie enthält: 1 Fahrradschlüssel mit 10 Löchern, 1 Oelkanne mit verschließbarer Oeff- nung, 1 Taschentuch mit dem Buchstaben D, das als Putzlappen benutzt worden ist, 1 kleine gelbe Blechdose mit der Aufschrift:Reparaturdose für Pneumatik", enthaltend Ventile aus Gummi und Gummilappen, 1 brauner Sattel mit Bezeichnung DRGMW., DRPa, darunter E. G darunter extra". Die Firma Wehmeyer in Bielefeld kann nicht mitteilen, wohin das obenbezeichnete Fahrrad geliefert wurde. In Hamburg und Altona ist das Fahrrad nicht als gestohlen gemeldet.

Der Eigentümer wird im Interesse der Auf­klärung dringend ersucht, der Kriminalpolizeistelle Gießen oder der nächsten Polizei- oder Gendar­meriedienststelle Nachricht zu geben.

Achtung! Aquarium vesiher.

Sonderfälle geben uns Veranlassung, die Züch­ter und Halter von Warmwasserfischen darauf hin­zuweisen, wegen der Explosionsgefahr ihre Aquarien nicht mit Petroleumlampen zu heizen. Wir emp­fehlen den Fischzüchtern und -Haltern, ihre Aquarien elektrisch zu heizen, da sie sonst Gefahr laufen, sich wegen fahrlässiger Brandstiftung strafbar zu machen.

Iteflc Tätigkeit auf dem Festhallengelände in Frankfurt a M.

Das Bild teigt den Bauernhof, der auf dem Festhallengelände vollkommen naturaetreu errichtet wird. (Bild: Reichsnährstand.)

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Mit allen Kräften wird an der Herrichtung der Frankfurter Festhalle zu der großen Reichs- nährstands- Ausstellung vom 17. bis 2 4. Mai gearbeitet. Diese Ausstellung wird die größte sein, die Frankfurt a. M. je gesehen hat und wohl auch für die nächsten Jahre beherbergen wird. Das gesamte Gelände um die Festhalle, das auch sonst zu Ausstellungszwecken diente, wird belegt, zu den stehenden Gebäuden werden weitere Hallen errichtet. Darüber hinaus nimmt die Reichsnähr­stands-Ausstellung ein Freigelände von 17 Hektar in Anspruch, das sich zwischen Bismarckallee, Kuh- waldsiedlunq und Main-Weser-Bahn befindet und von dem Festhallengelände aus durch den Aus­gang an der Emser Straße mühelos erreicht wird.

Die Festhalle selbst wird alsReichsnähr - standshaus" den Hauptanziehungspunkt für die Besucher bieten. Dort gelangt die Entwicklung des deutschen Bauerntums zur Darstellung samt allen damit verbundenen Fragen von Brauchtum, Sitte und Bodenrecht. Der Innenraum soll diesmal ein vollkommen neues Aussehen bekommen, da die Kuppel für die Besucher nicht sichtbar sein wird. Eine Zwischendecke in Höhe der zweiten Empore wird ein ganz ungewohntes Raumbild vermitteln.

Neben demReichspährstandshaus" wirdD e r Bauernhof in der Erzeugungsschlacht" Fachleute und Laien interessieren. Indem an die Stelle toten Wissens lebensnahe Wirklichkeit tritt und der Arbeitsablauf in der bäuerlichen Wirtschaft praktisch gezeigt wird, versucht die Reichsnährstands- Ausstellung die Grundgedanken der Erzeugungs­schlacht und alle Derbesserungsmöglichkeiten zur Leistungssteigerung aufzuzeigen. An den Gebäuden der Hofreite wird seit Wochen gearbeitet, sie gehen

bereits ihrer Vollendung entgegen. Es fehlt auch nicht der Bauerngarten und der Bauernwald.

Allenthalben auf dem Gelände zeichnen sich die entstehenden Hallen bereits im Grundriß ab. In den nächsten Wochen wird sich eine rege Bautätig­keit bemerkbar machen. Schon jetzt ist der Arbeits­dienst in Stärke von etwa 50 Mann mit den Erd­arbeiten beschäftigt. Im einzelnen wird ein Haus der Milch, ein Haus der Pflanzenzucht, ein Haus der Düngerindustrie und eine SchauVon der Rebe bis zum Glase" zu sehen sein. Da Frankfurt am Main in unmittelbarer Nähe der wichtigsten deutschen Weinbaugebiete liegt, ist mit einer starken Beschickung gerade der Weinausstellung zu rechnen. Hier ist den Besuchern auch Gelegenheit gegeben, sich durch Kostproben von der Güte deutscher Weine zu überzeugen

Eine große Anzahl Sonderzüge wird Hundert­tausende aus allen Teilen des Reiches nach Frank­furt a. M. bringen. Aus dem Gebiet der Landes­bauernschaft Hessen-Nassau allein sind heute schon 53 Sonderzüge gesichert, von denen jeder etwa 1000 Personen faßt. Nicht nur Bauer, Landwirt und Landarbeiter, sondern auch die in großer Zahl zusammenströmenden Verbraucher werden ein umfassendes Bild von Umfang und Bedeutung der deutschen Landwirtschaft erhalten.

Gießen

Man berichtet uns: Wieder einmal hatte sich der Zweigverein Gießen vom VHC. für seine Wande­rung am vergangenen Sonntag einen sonnigen Frühlingstag bestellt. Obgleich nach den Witterungs­

verhältnissen des Vortags nicht viel gutes erwartet werden konnte, fanden sich am Vormittag 44 Teil» nehmer am Biebertalbahnhof ein Eine frische Nord- ostbrise hatte sich erhoben und über Nacht die Wolkendecke aufgerissen. Am linken Lahnufer auf­wärts, durch wohlgepflegte Schrebergärten Hindurch, konnten wir das Weichbild unserer Stadt bald hinter uns lassen. Ungehindert schweifte der Blick in die Weite. In majestätischer Größe grüßten die uns so lieb gewordenen Wahrzeichen des Gießener Lahn­beckens' GleibergVetzbergDünsberg und im Westen der Turm des Stoppelbergs herüber. Jeder war darüber erbaut, daß er heute nicht zu Hause geblieben war. Wir folgten den zahlreichen Windun­gen der Lahn. Salweiden, Schwarzdorn und andere, die Ufer der Lahn belebenden Frühblüher, prangten im schönsten Frühlingsschmuck und sind im Sommer für unsere gefieberten Lieblinge ein wahres Para­dies. Ein Schof Wildenten verläßt schleunigst, sich nach Norden wendend, die Niederung und auch Freund Adebar ist über unsere Störung bei feinem Morgenimbiß nicht sonderlich erfreut.

Nach anderthalbstündiger Wanderung wurde die Badenburg erreicht, die,' wie in früheren Jahren, wieder ein idyllischer Ausflugsort zu werden ver­spricht. Fern dem flutenden Verkehr der Hauptstraße folgten wir blauen Wegezeichen, überschritten saftige Wiesengründe und erreichten, am Hangelsteiner Bruch vorbei, Daubringen. Biedere Volksgenossen grüßten uns und bekundeten Verständnis für das, was uns Stadtbewohner nottut.

Nach entsprechender Atzung traten wir erneut in Kiefernhochwald ein. Zahlreich umherliegende Ba­saltblöcke fesselten unsere Aufmerksamkeit und ließen uns in Gedanken Rückschau halten auf das gewal­tige Geschehen der Erdwerdung. Ein kleines Felsen­meer inmitten dieser Waldeinsamkeit. Ueberraschend gab uns eine Waldwiese den Blick frei auf die Berge des Hinterlandes und später auf das Lumdatal mit feinem als Wächter erscheinenden Totenberg im Hin­tergrund. Wie schön ist doch unsere Heimat, man muß sie nur mit offenen Augen zu durchwandern verstehen.

Das Endziel der Wanderung Großen-Buseck, das besonders für die mitwandernde Jugend von Bedeu­tung war, wurde nach insgesamt fünfstündigem Marsch erreicht. Im Gasthaus wurde Schlußrast ge­halten. Nach einem Appell des Wandermeisters, nicht nachzulassen in der Freude an unserer schönen Gottesnatur, wurden die fleißigsten unter den Iung- manberern durch Ehrennadeln und Erinnerungsstücke ausgezeichnet. Gesang und Mundart-Vorträge ver­schönten die Feier, bis bei Sonnenuntergang der Weg heimwärts angetreten werden mußte.

BdM. sammelt Ostere»er.

Zum Abschluß des Winterhilfswerkes haben die Mädel und Jungmädel des BDM.-Obergaues Hes­sen-Nassau von der NSV. die Aufgabe bekommen, O st e r e i e r z u sammeln. Die Mädel ziehen mit schön geschmückten Körbchen von Haus zu Haus und haben, wie schon verschiedene Städte und Dör­fer melden, vollen Erfolg mit ihrer Sammlung. So konnten die Jungmädel eines kleinen oberhessischen Dorfes an einem Morgen allein über 250 Eier an die NSV. abliefern. Der Abschluß dieser Samm­lung ist in allen Dörfern und Städten ein Früh­lingsfest oder Eierfest, an dem die gesamte Bevöl­kerung teilnehmen wird.

*

** 90 Iahre alt. Am morgigen 9. April voll­endet unsere Mitbürgerin Fräulein Anna Gut - fleisch in selten geistiger und körperlicher Frische ihr 90. Lebensjahr. Sie ist eine Schwester des ihr schon vor mehr als 20 Jahren im Tode vorausge- gangenen hiesigen Rechtsanwalts Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, des der älteren Generation nach wohlbekannten bedeutenden Juristen und Politikers, unseres um die Stadt hochverdienten Ehrenbürgers. Am 29. v. M. hat sie noch ihre Wahlpflicht erfüllt. Möge ihr auch weiterhin ein schöner Lebensabend beschieden sein! Frl. G u t f l e i s ch ist seit ihrem Rezept bei Erkältung, Grippe!

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Oie Tippgräfin.

Vornan von Klothilde v (Stegmann

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

33 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Männeraugen tauchten ineinander, sahen sich lange fragend an. Dann ließ Bonaglia Jlaro los, trat noch näher auf den Herzog zu, streckte ihm die rechte Hand entgegen.

Enrico?"

Giovanni!" schrie der Herzog auf.

Zwei Männer lagen sich in den Armen und schämten sich ihrer Tränen nicht. Die Umstehenden aber wandten sich ab, unter ihnen manch wetter­fester, kampferprobter Bursche, der sich gleichfalls das Naß aus den Augen rieb.

Zehn Minuten später bildete Jlaro den Mittel­punkt aller auf derInsel der Erwartung" be­findlichen Personen. Sie wurde angestaunt, von Glückwünschen überschüttet und mit Fragen be­stürmt, die sie alle freundlich der Reihe nach be­antwortete. Sie glaubte zu träumen, daß sie nun von lauter Menschen umgeben war, die ausschauten wie ihr geliebter Pflegevater Prinz Bonaglia und sie. Mit Schaudern dachte sie an die Zwergjäger zurück, unter denen sie gelebt. Sie konnte es plötz­lich nicht mehr begreifen, daß sie dort hatte lachen und fröhlich sein können. Aber all diese neuen Ein­drücke waren zuviel für sie. Bleich und erschöpft lehnte sie mit geschlossenen Augen in dem Sessel, den man eilig herausgebracht hatte.

Besorgt sah Bonaglia auf fein Pflegetöchterchen.

Wo bringen wir sie hin", fragte er Heßling, damit sie zur Ruhe kommt?"

Da meldete sich Pepito Erlesis englischer Freund Ronald Errel.

Er hatte bereits Pepito Arlesi ausgenommen. Der hatte Pech gehabt. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug war er so unglücklich über eine Baum- wurzel gestürzt, daß er einen doppelten Beinbruch davontrug Der Gedanke, in Tanga im englischen Hospital zu liegen, entlockte ihm wütende Schimpf­worte. So lud ihn der junge englische Pflanzer, nachdem die Aerzte Pepttos Bein gegipst hatten,

kurz entschlossen auf und brachte ihn nach seiner Farm

Täglich kam em Arzt, um nach dem Pattenten zu sehen, dessen Laune sich in demselben Maße ver­schlechterte, wie seine körperliche Heilung oorschritt. Untätigkeit hatte Pepito von jeher gehaßt, aber gerade jetzt hier an den Liegestiehl gefesselt sein zu müssen, war für ihn nur zu schwer zu ertragen. Als aber auch Jlaro auf die Bitte des jungen Far­mers hin Gast auf der Farm wurde, sah Pepito das Leben schon wieder ein wenig fröhlicher an.

Bonaglia nahm die Gastfreundschaft des jungen Engländers für fein Pflegetöchterchen gern an. Hier gab es eine weiße Köchin, die sich Ikaros so­fort mütterlich annahm. Nun dieRose des Ur­waldes" zum ersten Male feit ihrer frühesten Kind­heit wieder in einem richtigen Bett schlief, saßen die Männer noch lange beisammen und besprachen Vergangenes und Zukünftiges miteinander.

Wie lange ist es her. daß wir zuletzt etwas aus Europa hörten?"

Heßling fragte es nachdenklich. Die Rückkehr des Herzogs nach Rom war natürlich jetzt noch hinaus­geschoben worden, sehr zu Walters Unwillen, der lieber heute als morgen wieder Heimatboden unter den Füßen gehabt hätte.

Er sorgte sich um Mariella. Wie mochte es ihr gehen? Was war aus ihr geworden? Zum Greifen deutlich stand sie in ihrer bezaubernden Lieblichkeit vor ihm, in dem blaßblauen Batistkleidchen, in dem er sie zum letzten Male gesehen. Sie hatten über ihren Vater gesprochen und über Annina von Gel­lern.

Doktor Heßling, der als Anwalt besonders scharfe Augen besaß, ahnte schon lange von den Unstim­migkeiten zwischen Mariella und der kalten, berech­nenden Annina. Nach jetzt klangen ihm Mariellas letzte Worte ins Ohr, die sie mit ihm gewechselt hatte, ehe sie sein Büro verließ:

Tante Annina ist manchmal nicht ganz freund­lich gegen mich. Aber trotzdem glaube ich an sie und bin ihr zu großem Dank verpflichtet. Denken Sie an die Erziehung, die sie mir zuteil werden ließ, weil ich die Tochter ihres Jugendfreundes bin. Sie find voreingenommen, und das dürften gerade Sie nicht fein ..."

Heßling seufzte in der Erinnerung an dieses Ge­spräch auf Wie recht hatte er mit feiner Beurtei­lung Anninas gehabt! Denn da war ja die Sache

mit dem Totenschein aus Timbuktu, der den ersten Zweifel gegen Annina von Geiferns Wahrheits­liebe in ihm geweckt. Doch durfte er dies Geheim­nis noch nicht verraten. Wozu Mariellas Vater in Unruhe stürzen? Der Prinz glaubte fein Kind in Anninas Händen gut behütet.

Ehe er in Deutschland war, hatte es keinen Sinn, ihm das Herz noch schwerer zu machen. Aber Heß­lings Unruhe in bezug auf Mariella wurde immer fieberhafter. Vor allen Dingen quälte ihn der Ge­danke: War aus der kleinen Mariella inzwischen die Frau dieses verhaßten Erhard von Hagen ge­worden?

Am selben Abend kam es zwischen Heßling und Giovanni di Bonaglia noch zu einer Aussprache unter vier Augen. Als sie beide, ein wenig abge­sondert von den anderen, der Motorjacht entgegen­gingen, auf der sie alle wohnten, nahm plötzlich Bonaglia mit einem warmen Druck die Hände des jungen Anwalts

Sie kennen meinen Liebling, meine Mariella", sagte er ernst.Enrico hat mir verraten, aus wel­chem Grunde Sie mich, den Ihnen völlig Frem­den, retteten. Mein Kind muß gut fein, daß Sie es so lieben ..."

Hoheit . ."

Lassen Sie das! Ich heiße Bonaglia."

Walter verneigte sich tief:

Die Prinzessin ist ebenso gut, wie sie schön ist und ich liebe sie unendlich."

Es waren nur ganz einfache Worte, die er sprach. Aber der Prinz spürte in ihnen die tiefe Liebe eines echten Mannes.

Mariella wird es Ihnen danken, daß sie den Vater wieder in die Arme schließen darf", entgeg­nete Bonaglia gerührtSie sind mir als Sohn hochwillkommen!"

Ohne eine Gegenäußerung Walters abzuwarten, schloß er den jungen Mann in seine Arme.

Der Segen des Himmels fei mit Ihnen, mein Sohn!" sagte er, ehe er ihn freiließ.

Vater!" Tief erschüttert gab Heßling dem ver­ehrten Mann diesen Namen.Wenn du wüßtest, wie hoffnungslos meine Liebe ist! Mariella wird mir nie gehören. Als ich abreifte, war sie bereits gebunden. Sie stand vor ihrer Hochzeit mit einem Grafen Hagen."

Er wandte sich ab.

Der Prinz schwieg gleichfalls. Auch ihm tat das Herz weh. Wie gern hätte er feine Tochter diesem prachtvollen jungen Menschen gegönnt, der das Leben eines Mannes rettete, dessen Tochter ihm nicht angehören wollte.

Heßling bezwang sich gewaltsam. Wieder durfte er nicht an sich denken, sondern nur an Mariella.

Vater", sagte er,darf ich dich etwas anderes fragen?"

Was ist es, was dich noch beschwert, mein Sohn?" fragte Prinz Bonaglia.

Heßling schwieg einen Augenblick. Stumm ging er neben Mariellas Vater her. Es war ein zauber­hafter Abend. Er schien viel mehr geschaffen zu glücklichen Gedanken und Gesprächen als zu sorgen­vollen Ueberlegunqen. Heller Mondschein lag über der Insel. Der Uelle, dessen sanftes Rauschen zu den Männern herüberdrang, glitzerte wie ein silbernes Band. Glühwürmchen, die hier die Größe von Bienen erreichten, schwirrten umher und sahen aus wie kleine Laternen. Eine Nacht, wie geschaffen zum Glück. Schwer seufzte Walter Heßling auf. Es wußte endlich einmal zur Klarheit kommen über Annina von Gellern:

Vater, meine Frage gilt Annina, der Pflege­mutter Mariellas."

Die Stimme des Prinzen belebte sich:

2h, Annina? Ist sie nicht eine hervorragende Frau? Sie muß auch an Irene, wie Jlaro eigent­lich heißt, Mutterstelle vertreten, wenn wir' erst daheim sind."

Um Gottes willen, lieber sollte dies entzückende Geschöpfchen in den Händen der Schwarzen ge­blieben sein, als in die Anninas kommen."

Heßling hatte es unbeherrscht gesagt. Jetzt be­reute er es. Denn Bonaglia blieb stehen, faßte ihn an den Schultern und sagte mit angstvoller Stimme:

Was willst du damit sagen? Bei allen Heiligen, was meinst du?"

Vater", antwortete Heßling erschüttert,ich muß Klarheit über diese Annina haben. Und wenn ich selbst ein Berufsgeheimnis brechen müßte. Ich habe das tiefste Mißtrauen gegen die Aufrichtig­keit und Güte Anninas. Sie zeigte mir einen To­tenschein von dir, und dieser TotenscheinN Er zögerte einen Augenblick.

Sprich weiter!" sagte Bonaglia heiser.

Und dieser Totenschein war gefälscht."

(Fortsetzung folgt!)