ImKampfum dieFreiheit derWissenschast
Das Schulungslager des NSOStB. auf der Burg Gleiberg abgeschloffen.
§ 7 Absatz 3 UmStG. 1934 vorliegen, wird der ermäßigte Steuersatz von 0,5 v. Sy angewendet. Die Inventarstücke sind immer mit 2 v. Sy zu versteuern.
Eportamt „Kraft durch Freude".
Achtung! Verlegung von Sportkursen!
Folgende Kurse müssen in dieser Woche aus dem Lyzeum verlegt werden:
Mittwoch: Allgern Körperschule, Frauen und Mälzer, von 20.30 bis 21.45 Uhr. Schillerschule, Schillerstraße.
Donnerstag: Fröhl. Gymnastik, Frauen, von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Schlller- schule, Schillerstraße.
heute folgender Kursus:
Allgem. Körperschule, Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße. ♦
Für die in der kommenden Woche beginnenden Kurse für Reiten, Fechten, Schach, Rollschuhlaufen, Kindergymnastik, können noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, abegegeben werden.
„Pfunds-Angaben nicht mehr zulässig.
NSG. Die Schulungsbeauftragten und Kulturstellenleiter der Hoch- und Fachschulgruppen des NSDStB im Gau Hessen-Nassau wurden, da sie in den Ferien mit ganzer Kraft dem Wahlkampf zur Verfügung stehen sollten, diesmal erst zu Beginn des Semesters in ein Lager einberusen. Die Lagerdauer mußte deshalb, um die Amtsträger nicht unnötig in ihrer Studienzeit zu belasten, auf eine möglichst kllrze Zeit beschränkt werden.
Der Gauschulungsbeauftragte des NSDStB B a l o n, der wieder die Lagerleitung übernommen hatte, und mit ihm Gaukulturstellenleiter B i n - g e l erarbeiteten die wesentlichen Richtlinien für das Sommersemester und erprobten die Methode der studentischen Schulungs- und Kulturarbeit an praktischen Beispielen.
Am 6. April konnten die Lagerteilnehmer den Gleiberg, die alte Schulungsburg des NSD.
Studentenbundes, mit erneuter Zielsicherheit verlassen. Sie werden ihren Kameraden mit vollem Verantwortungsbewußtsein gegenübertreten, fähig und bereit, an dem besonderen Abschnitt der großen Kampffront für die innerste Freiheit des deutschen Volkes, für die Freiheit der Wissenschaft und die Reinheit der deutschen Kultur einzutreten. Wer die Schulungsbeauftragten und die Kulturstellenleiter in der ernsten Arbeit und m den kameradschaftlich frohen Stunden des Lagers beobachten konnte, mußte die Ueberzeugung gewinnen, daß die weltanschaulich-politische Revolutionierung der Studenten unseres Gaues wieder einen zuverlässigen Stroßtrupp gesunden hat. Das heißt aber nichts anderes, als daß der wirkliche nationalsozialistische Neubau der Hoch- und Fachschulen in seinen Grundmauern begonnen ist und für die Zukunft gesichert erscheint.
SieZ-Reichsnährstandsausstellllngwirdausgebaut
Die Industrie- und Handelskammer Gießen, sowie die Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel machen darauf aufmerksam, daß es auf Grund des § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes ab 1. April 1936 nicht mehr zulässig ist, die Bezeichnung „Pfund" zu benutzen. In den Durchführungsbestimmungen zu dem genannten Gesetz ist jedoch für Drucksachen, Plakats Blechdosen usw., die noch die Bezeichnung „Pfund", „V2 Pfund" usw. tragen, eine Aufbrauchsfrist bis zum 31. Dezember 1937 vorgesehen. Bei Neuanfertigung von Drucksachen, Plakaten usw. dürfen dagegen nur die nach § 8 des Maß- und Gewichtsgesetzes zulässigen Bezeichnungen. also Kilogramm und Gramm, verwandt werden.
Polizeibericht.
Wer ist Eigentümer des nachverzeichneten Herrenfahrrades?
Die Kriminalpolizeistelle der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:
In Altona wurde am 1. April 1936 ein Polizeibeamter von einem Einbrecher erschossen. In der Nähe des Tatortes wurde das nachbezeichnete Fahrrad gefunden, das der Täter zweifellos vor der Tat benutzt und vorher irgendwo entwendet hatte.
Es handelt sich um ein Herrenfahrrad Marke „Hawe", Fa Wehmeyer, Bielefeld, Nr. 208126, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, Felgen und Rahmen sind mit blauen und weißen Streifen abgesetzt, auf dem hinteren Schutzblech Firmenzeichen „Wehmeyer, Biekefeld", Rückstrahler. Das vordere Schutzblech überragt vorn die Gabel, hinten am Rad Gepäckträger aus Blechrohr, Freilauf, Marke „Komet", mit kleiner Uebersetzung, Ballonbereifung, Marke „Engbert", Cordballon 26X2, vernickelte Speichen, am unteren vorderen Teil des Fahrgestells vernickelte Handluftpumpe mit Holzgriff, Klotzpedale aus Gummi, dreieckige braune Lederwerktasche, auf der einen Seite eine Weintraube, auf der anderen eine Blüte eingepreßt. Am Verschluß läßt sich die Werkzeugtasche bis zur Hälfte herunterklappen. Sie enthält: 1 Fahrradschlüssel mit 10 Löchern, 1 Oelkanne mit verschließbarer Oeff- nung, 1 Taschentuch mit dem Buchstaben D, das als Putzlappen benutzt worden ist, 1 kleine gelbe Blechdose mit der Aufschrift: „Reparaturdose für Pneumatik", enthaltend Ventile aus Gummi und Gummilappen, 1 brauner Sattel mit Bezeichnung „DRGMW., DRPa“, darunter E. G„ darunter „extra". Die Firma Wehmeyer in Bielefeld kann nicht mitteilen, wohin das obenbezeichnete Fahrrad geliefert wurde. In Hamburg und Altona ist das Fahrrad nicht als gestohlen gemeldet.
Der Eigentümer wird im Interesse der Aufklärung dringend ersucht, der Kriminalpolizeistelle Gießen oder der nächsten Polizei- oder Gendarmeriedienststelle Nachricht zu geben.
Achtung! Aquarium vesiher.
Sonderfälle geben uns Veranlassung, die Züchter und Halter von Warmwasserfischen darauf hinzuweisen, wegen der Explosionsgefahr ihre Aquarien nicht mit Petroleumlampen zu heizen. Wir empfehlen den Fischzüchtern und -Haltern, ihre Aquarien elektrisch zu heizen, da sie sonst Gefahr laufen, sich wegen fahrlässiger Brandstiftung strafbar zu machen.
Iteflc Tätigkeit auf dem Festhallengelände in Frankfurt a M.
Das Bild teigt den Bauernhof, der auf dem Festhallengelände vollkommen naturaetreu errichtet wird. — (Bild: Reichsnährstand.)
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Mit allen Kräften wird an der Herrichtung der Frankfurter Festhalle zu der großen Reichs- nährstands- Ausstellung vom 17. bis 2 4. Mai gearbeitet. Diese Ausstellung wird die größte sein, die Frankfurt a. M. je gesehen hat und wohl auch für die nächsten Jahre beherbergen wird. Das gesamte Gelände um die Festhalle, das auch sonst zu Ausstellungszwecken diente, wird belegt, zu den stehenden Gebäuden werden weitere Hallen errichtet. Darüber hinaus nimmt die Reichsnährstands-Ausstellung ein Freigelände von 17 Hektar in Anspruch, das sich zwischen Bismarckallee, Kuh- waldsiedlunq und Main-Weser-Bahn befindet und von dem Festhallengelände aus durch den Ausgang an der Emser Straße mühelos erreicht wird.
Die Festhalle selbst wird als „Reichsnähr - standshaus" den Hauptanziehungspunkt für die Besucher bieten. Dort gelangt die Entwicklung des deutschen Bauerntums zur Darstellung samt allen damit verbundenen Fragen von Brauchtum, Sitte und Bodenrecht. Der Innenraum soll diesmal ein vollkommen neues Aussehen bekommen, da die Kuppel für die Besucher nicht sichtbar sein wird. Eine Zwischendecke in Höhe der zweiten Empore wird ein ganz ungewohntes Raumbild vermitteln.
Neben dem „Reichspährstandshaus" wird „D e r Bauernhof in der Erzeugungsschlacht" Fachleute und Laien interessieren. Indem an die Stelle toten Wissens lebensnahe Wirklichkeit tritt und der Arbeitsablauf in der bäuerlichen Wirtschaft praktisch gezeigt wird, versucht die Reichsnährstands- Ausstellung die Grundgedanken der Erzeugungsschlacht und alle Derbesserungsmöglichkeiten zur Leistungssteigerung aufzuzeigen. An den Gebäuden der Hofreite wird seit Wochen gearbeitet, sie gehen
bereits ihrer Vollendung entgegen. Es fehlt auch nicht der Bauerngarten und der Bauernwald.
Allenthalben auf dem Gelände zeichnen sich die entstehenden Hallen bereits im Grundriß ab. In den nächsten Wochen wird sich eine rege Bautätigkeit bemerkbar machen. Schon jetzt ist der Arbeitsdienst in Stärke von etwa 50 Mann mit den Erdarbeiten beschäftigt. Im einzelnen wird ein Haus der Milch, ein Haus der Pflanzenzucht, ein Haus der Düngerindustrie und eine Schau „Von der Rebe bis zum Glase" zu sehen sein. Da Frankfurt am Main in unmittelbarer Nähe der wichtigsten deutschen Weinbaugebiete liegt, ist mit einer starken Beschickung gerade der Weinausstellung zu rechnen. Hier ist den Besuchern auch Gelegenheit gegeben, sich durch Kostproben von der Güte deutscher Weine zu überzeugen
Eine große Anzahl Sonderzüge wird Hunderttausende aus allen Teilen des Reiches nach Frankfurt a. M. bringen. Aus dem Gebiet der Landesbauernschaft Hessen-Nassau allein sind heute schon 53 Sonderzüge gesichert, von denen jeder etwa 1000 Personen faßt. Nicht nur Bauer, Landwirt und Landarbeiter, sondern auch die in großer Zahl zusammenströmenden Verbraucher werden ein umfassendes Bild von Umfang und Bedeutung der deutschen Landwirtschaft erhalten.
Gießen
Man berichtet uns: Wieder einmal hatte sich der Zweigverein Gießen vom VHC. für seine Wanderung am vergangenen Sonntag einen sonnigen Frühlingstag bestellt. Obgleich nach den Witterungs
verhältnissen des Vortags nicht viel gutes erwartet werden konnte, fanden sich am Vormittag 44 Teil» nehmer am Biebertalbahnhof ein Eine frische Nord- ostbrise hatte sich erhoben und über Nacht die Wolkendecke aufgerissen. Am linken Lahnufer aufwärts, durch wohlgepflegte Schrebergärten Hindurch, konnten wir das Weichbild unserer Stadt bald hinter uns lassen. Ungehindert schweifte der Blick in die Weite. In majestätischer Größe grüßten die uns so lieb gewordenen Wahrzeichen des Gießener Lahnbeckens' Gleiberg —Vetzberg —Dünsberg und im Westen der Turm des Stoppelbergs herüber. Jeder war darüber erbaut, daß er heute nicht zu Hause geblieben war. Wir folgten den zahlreichen Windungen der Lahn. Salweiden, Schwarzdorn und andere, die Ufer der Lahn belebenden Frühblüher, prangten im schönsten Frühlingsschmuck und sind im Sommer für unsere gefieberten Lieblinge ein wahres Paradies. Ein Schof Wildenten verläßt schleunigst, sich nach Norden wendend, die Niederung und auch Freund Adebar ist über unsere Störung bei feinem Morgenimbiß nicht sonderlich erfreut.
Nach anderthalbstündiger Wanderung wurde die Badenburg erreicht, die,' wie in früheren Jahren, wieder ein idyllischer Ausflugsort zu werden verspricht. Fern dem flutenden Verkehr der Hauptstraße folgten wir blauen Wegezeichen, überschritten saftige Wiesengründe und erreichten, am Hangelsteiner Bruch vorbei, Daubringen. Biedere Volksgenossen grüßten uns und bekundeten Verständnis für das, was uns Stadtbewohner nottut.
Nach entsprechender Atzung traten wir erneut in Kiefernhochwald ein. Zahlreich umherliegende Basaltblöcke fesselten unsere Aufmerksamkeit und ließen uns in Gedanken Rückschau halten auf das gewaltige Geschehen der Erdwerdung. Ein kleines Felsenmeer inmitten dieser Waldeinsamkeit. Ueberraschend gab uns eine Waldwiese den Blick frei auf die Berge des Hinterlandes und später auf das Lumdatal mit feinem als Wächter erscheinenden Totenberg im Hintergrund. Wie schön ist doch unsere Heimat, man muß sie nur mit offenen Augen zu durchwandern verstehen.
Das Endziel der Wanderung Großen-Buseck, das besonders für die mitwandernde Jugend von Bedeutung war, wurde nach insgesamt fünfstündigem Marsch erreicht. Im Gasthaus wurde Schlußrast gehalten. Nach einem Appell des Wandermeisters, nicht nachzulassen in der Freude an unserer schönen Gottesnatur, wurden die fleißigsten unter den Iung- manberern durch Ehrennadeln und Erinnerungsstücke ausgezeichnet. Gesang und Mundart-Vorträge verschönten die Feier, bis bei Sonnenuntergang der Weg heimwärts angetreten werden mußte.
BdM. sammelt Ostere»er.
Zum Abschluß des Winterhilfswerkes haben die Mädel und Jungmädel des BDM.-Obergaues Hessen-Nassau von der NSV. die Aufgabe bekommen, O st e r e i e r z u sammeln. Die Mädel ziehen mit schön geschmückten Körbchen von Haus zu Haus und haben, wie schon verschiedene Städte und Dörfer melden, vollen Erfolg mit ihrer Sammlung. So konnten die Jungmädel eines kleinen oberhessischen Dorfes an einem Morgen allein über 250 Eier an die NSV. abliefern. Der Abschluß dieser Sammlung ist in allen Dörfern und Städten ein Frühlingsfest oder Eierfest, an dem die gesamte Bevölkerung teilnehmen wird.
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** 90 Iahre alt. Am morgigen 9. April vollendet unsere Mitbürgerin Fräulein Anna Gut - fleisch in selten geistiger und körperlicher Frische ihr 90. Lebensjahr. Sie ist eine Schwester des ihr schon vor mehr als 20 Jahren im Tode vorausge- gangenen hiesigen Rechtsanwalts Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch, des der älteren Generation nach wohlbekannten bedeutenden Juristen und Politikers, unseres um die Stadt hochverdienten Ehrenbürgers. Am 29. v. M. hat sie noch ihre Wahlpflicht erfüllt. Möge ihr auch weiterhin ein schöner Lebensabend beschieden sein! Frl. G u t f l e i s ch ist seit ihrem Rezept bei Erkältung, Grippe!
Man rühre ie einen Eßlöffel voll „Klosterfrau- Melissengeist" und Zucker in einer Kaffeetasse gut um. Dann gieße man kochendes Wasser hinzu und trinke möglichst heiß. Zwei Taffen dieses wohl- schmeckendeii Gesundheits-Grogs (Kinder die Hälfte) vor dem Schlafengehen einnehmen. Darauf schläft man wunderbar, wacht wie neugeboren auf und freut sich: Erkältung und Grivve verschwinden rasch. Holen Sie deshalb sofort bei Ihrem Avo- tefer oder Drogisten den echten „Klosterfrau- Melissengeist". Große Flasche 2.95 RM., mittlere Flasche 1.75 RM., kleine Flasche 0.95 RM. l1969V (Bitte ausschneiden!)
Oie Tippgräfin.
Vornan von Klothilde v (Stegmann
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.
33 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Männeraugen tauchten ineinander, sahen sich lange fragend an. Dann ließ Bonaglia Jlaro los, trat noch näher auf den Herzog zu, streckte ihm die rechte Hand entgegen.
„Enrico?"
„Giovanni!" schrie der Herzog auf.
Zwei Männer lagen sich in den Armen und schämten sich ihrer Tränen nicht. Die Umstehenden aber wandten sich ab, unter ihnen manch wetterfester, kampferprobter Bursche, der sich gleichfalls das Naß aus den Augen rieb.
Zehn Minuten später bildete Jlaro den Mittelpunkt aller auf der „Insel der Erwartung" befindlichen Personen. Sie wurde angestaunt, von Glückwünschen überschüttet und mit Fragen bestürmt, die sie alle freundlich der Reihe nach beantwortete. Sie glaubte zu träumen, daß sie nun von lauter Menschen umgeben war, die ausschauten wie ihr geliebter Pflegevater Prinz Bonaglia und sie. Mit Schaudern dachte sie an die Zwergjäger zurück, unter denen sie gelebt. Sie konnte es plötzlich nicht mehr begreifen, daß sie dort hatte lachen und fröhlich sein können. Aber all diese neuen Eindrücke waren zuviel für sie. Bleich und erschöpft lehnte sie mit geschlossenen Augen in dem Sessel, den man eilig herausgebracht hatte.
Besorgt sah Bonaglia auf fein Pflegetöchterchen.
„Wo bringen wir sie hin", fragte er Heßling, „damit sie zur Ruhe kommt?"
Da meldete sich Pepito Erlesis englischer Freund Ronald Errel.
Er hatte bereits Pepito Arlesi ausgenommen. Der hatte Pech gehabt. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug war er so unglücklich über eine Baum- wurzel gestürzt, daß er einen doppelten Beinbruch davontrug Der Gedanke, in Tanga im englischen Hospital zu liegen, entlockte ihm wütende Schimpfworte. So lud ihn der junge englische Pflanzer, nachdem die Aerzte Pepttos Bein gegipst hatten,
kurz entschlossen auf und brachte ihn nach seiner Farm
Täglich kam em Arzt, um nach dem Pattenten zu sehen, dessen Laune sich in demselben Maße verschlechterte, wie seine körperliche Heilung oorschritt. Untätigkeit hatte Pepito von jeher gehaßt, aber gerade jetzt hier an den Liegestiehl gefesselt sein zu müssen, war für ihn nur zu schwer zu ertragen. Als aber auch Jlaro auf die Bitte des jungen Farmers hin Gast auf der Farm wurde, sah Pepito das Leben schon wieder ein wenig fröhlicher an.
Bonaglia nahm die Gastfreundschaft des jungen Engländers für fein Pflegetöchterchen gern an. Hier gab es eine weiße Köchin, die sich Ikaros sofort mütterlich annahm. Nun die „Rose des Urwaldes" zum ersten Male feit ihrer frühesten Kindheit wieder in einem richtigen Bett schlief, saßen die Männer noch lange beisammen und besprachen Vergangenes und Zukünftiges miteinander.
„Wie lange ist es her. daß wir zuletzt etwas aus Europa hörten?"
Heßling fragte es nachdenklich. Die Rückkehr des Herzogs nach Rom war natürlich jetzt noch hinausgeschoben worden, sehr zu Walters Unwillen, der lieber heute als morgen wieder Heimatboden unter den Füßen gehabt hätte.
Er sorgte sich um Mariella. Wie mochte es ihr gehen? Was war aus ihr geworden? Zum Greifen deutlich stand sie in ihrer bezaubernden Lieblichkeit vor ihm, in dem blaßblauen Batistkleidchen, in dem er sie zum letzten Male gesehen. Sie hatten über ihren Vater gesprochen und über Annina von Gellern.
Doktor Heßling, der als Anwalt besonders scharfe Augen besaß, ahnte schon lange von den Unstimmigkeiten zwischen Mariella und der kalten, berechnenden Annina. Nach jetzt klangen ihm Mariellas letzte Worte ins Ohr, die sie mit ihm gewechselt hatte, ehe sie sein Büro verließ:
„Tante Annina ist manchmal nicht ganz freundlich gegen mich. Aber trotzdem glaube ich an sie und bin ihr zu großem Dank verpflichtet. Denken Sie an die Erziehung, die sie mir zuteil werden ließ, weil ich die Tochter ihres Jugendfreundes bin. Sie find voreingenommen, und das dürften gerade Sie nicht fein ..."
Heßling seufzte in der Erinnerung an dieses Gespräch auf Wie recht hatte er mit feiner Beurteilung Anninas gehabt! Denn da war ja die Sache
mit dem Totenschein aus Timbuktu, der den ersten Zweifel gegen Annina von Geiferns Wahrheitsliebe in ihm geweckt. Doch durfte er dies Geheimnis noch nicht verraten. Wozu Mariellas Vater in Unruhe stürzen? Der Prinz glaubte fein Kind in Anninas Händen gut behütet.
Ehe er in Deutschland war, hatte es keinen Sinn, ihm das Herz noch schwerer zu machen. Aber Heßlings Unruhe in bezug auf Mariella wurde immer fieberhafter. Vor allen Dingen quälte ihn der Gedanke: War aus der kleinen Mariella inzwischen die Frau dieses verhaßten Erhard von Hagen geworden?
Am selben Abend kam es zwischen Heßling und Giovanni di Bonaglia noch zu einer Aussprache unter vier Augen. Als sie beide, ein wenig abgesondert von den anderen, der Motorjacht entgegengingen, auf der sie alle wohnten, nahm plötzlich Bonaglia mit einem warmen Druck die Hände des jungen Anwalts
„Sie kennen meinen Liebling, meine Mariella", sagte er ernst. „Enrico hat mir verraten, aus welchem Grunde Sie mich, den Ihnen völlig Fremden, retteten. Mein Kind muß gut fein, daß Sie es so lieben ..."
„Hoheit . ."
„Lassen Sie das! Ich heiße Bonaglia."
Walter verneigte sich tief:
„Die Prinzessin ist ebenso gut, wie sie schön ist — und ich liebe sie unendlich."
Es waren nur ganz einfache Worte, die er sprach. Aber der Prinz spürte in ihnen die tiefe Liebe eines echten Mannes.
„Mariella wird es Ihnen danken, daß sie den Vater wieder in die Arme schließen darf", entgegnete Bonaglia gerührt „Sie sind mir als Sohn hochwillkommen!"
Ohne eine Gegenäußerung Walters abzuwarten, schloß er den jungen Mann in seine Arme.
„Der Segen des Himmels fei mit Ihnen, mein Sohn!" sagte er, ehe er ihn freiließ.
„Vater!" Tief erschüttert gab Heßling dem verehrten Mann diesen Namen. „Wenn du wüßtest, wie hoffnungslos meine Liebe ist! Mariella wird mir nie gehören. Als ich abreifte, war sie bereits gebunden. Sie stand vor ihrer Hochzeit mit einem Grafen Hagen."
Er wandte sich ab.
Der Prinz schwieg gleichfalls. Auch ihm tat das Herz weh. Wie gern hätte er feine Tochter diesem prachtvollen jungen Menschen gegönnt, der das Leben eines Mannes rettete, dessen Tochter ihm nicht angehören wollte.
Heßling bezwang sich gewaltsam. Wieder durfte er nicht an sich denken, sondern nur an Mariella.
„Vater", sagte er, „darf ich dich etwas anderes fragen?"
„Was ist es, was dich noch beschwert, mein Sohn?" fragte Prinz Bonaglia.
Heßling schwieg einen Augenblick. Stumm ging er neben Mariellas Vater her. Es war ein zauberhafter Abend. Er schien viel mehr geschaffen zu glücklichen Gedanken und Gesprächen als zu sorgenvollen Ueberlegunqen. Heller Mondschein lag über der Insel. Der Uelle, dessen sanftes Rauschen zu den Männern herüberdrang, glitzerte wie ein silbernes Band. Glühwürmchen, die hier die Größe von Bienen erreichten, schwirrten umher und sahen aus wie kleine Laternen. Eine Nacht, wie geschaffen zum Glück. Schwer seufzte Walter Heßling auf. Es wußte endlich einmal zur Klarheit kommen über Annina von Gellern:
„Vater, meine Frage gilt Annina, der Pflegemutter Mariellas."
Die Stimme des Prinzen belebte sich:
„2h, Annina? Ist sie nicht eine hervorragende Frau? Sie muß auch an Irene, wie Jlaro eigentlich heißt, Mutterstelle vertreten, wenn wir' erst daheim sind."
„Um Gottes willen, lieber sollte dies entzückende Geschöpfchen in den Händen der Schwarzen geblieben sein, als in die Anninas kommen."
Heßling hatte es unbeherrscht gesagt. Jetzt bereute er es. Denn Bonaglia blieb stehen, faßte ihn an den Schultern und sagte mit angstvoller Stimme:
„Was willst du damit sagen? Bei allen Heiligen, was meinst du?"
„Vater", antwortete Heßling erschüttert, „ich muß Klarheit über diese Annina haben. Und wenn ich selbst ein Berufsgeheimnis brechen müßte. Ich habe das tiefste Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit und Güte Anninas. Sie zeigte mir einen Totenschein von dir, und dieser Totenschein — —N Er zögerte einen Augenblick.
„Sprich weiter!" sagte Bonaglia heiser.
„Und dieser Totenschein war gefälscht."
(Fortsetzung folgt!)


