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Oberheffen.

95 Jahre alt.

A Utphe, 7. April. Dieser Tage konnte der alte st e Einwohner unseres Ortes und auch der ganzen Umgegend, der Landwirt und Drechsler Friedrich Beltzer, seinen 9 5. Geburts- t a g feiern. Der Greis erfreut sich noch einer aus- oezeichneten körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische, so daß seine Familie der Ansicht ist, daß erdie honnert herabmächt". Trotzdem gilt von seinem langen Leben das Bibelwort, daß es Mühe und Arbeit gewesen ist, und auch von Schicksals­schlägen mancher Art ist er nicht verschont ge­blieben. Außer seiner Ehefrau hat er schon Kinder und sogar Enkel vor sich ins Grab sinken sehen. Bis in seine achtziger Jahre war er der eifrigste Leser der hiesigen Volksbücherei. Im Krieg und in den Nachkriegsjahren, als in Verbindung mit der eigenen Schafhaltung das Spinnrad wieder zu Ehren gekommen war, ist der damals schon Hoch­betagte in der weiteren Umgebung bekannt ge­worden alsder alte Dreher", war er doch auf weit und breit der einzige, der die Wiederingangsetzung und Ergänzung alter Spinnräder verstand.

OerKreppeisonntag" in Lang-Göns.

X Lang-Göns, V. April. Aus früheren Zei­ten hat sich hier noch ein Stück Brauchtum er­halten, das unseres Wissens wohl kaum in der engeren Heimat anzutreffen ist. Am Palmsonn­tag, der im Volksmunde hierorts allgemein als Kreppelsonntag" bezeichnet wird, zieht der Ge­sellschaftsschäfer mit seiner Herde durchs Dorf, um von den Schäfereigenossen eine besondere Gabe in Gestalt von einigen Kreppeln in Empfang zu nehmen. Vor Jahren wurde das Herde­treiben mit fchrillem Pfiff durch die Finger der linken Hand angekündigt, und schon standen vor­nehmlich die Buben am Tor, um die bereitgelegten Kreppel auszuhändigen, die dann in einem weißen, umgehängten Säetuch verstaut wurden. Natürlich wurde besonders großes und leckeres Backwek ausgesucht. Heuer nimmt der Dorfschäfer die Krep­pel in einem Henkelkorb in Empfang. Vor dem

Weltkrieg wurden in gleicher Weise auch die Dorf­rasierer am Palmsonntag mit Kreppeln bedacht. Sie suchten ihre Kundschaft Mittwochs, Samstags bzw. Sonntags in ihren Wohnungen auf, um sie dort zu bedienen. Die Kreppelgabe der Rasierer ist seit etwa 20 Jahren nicht mehr gebräuchlich.

Landkreis Gießen

# Tr o h e, 7. April. Die Wassergeldsätze in unserer Gemeinde bleiben in der Höhe des Vor­jahres bestehen. Für den Haushalt werden 8 Mark, für Gewerbebetriebe 15 Mark, für Badeanschluß 15 Mark, für den Garten 7,50 Mark, für Großvieh (Pferde und Kühe) je 2 Mark, für Kleinvieh (Rinder, Schweine, Ziegen und Kälber) je 0,70 Mark jährlich erhoben. Um die Ausschlagssätze auf Viehhaltungen feststellen zu können, war eine Viehzählung durchgeführt worden. Die Zählung hatte folgendes Ergebnis: 8 Pferde, 66 Stück Rindvieh, 53 Liegen und 93 Schweine.

$ Alten - Buseck, 7. April. Gestern abend er­öffnete der Ortsgruppenführer des Reichsluftschutz­bundes Dr. Ludwig Haas den Sanitätskur­sus vom Roten Kreuz. Es nehmen etwa 30 Frauen und Männer daran teil. Dr. Haas begrüßte die Teilnehmer und wies in kurzen Wor­ten auf die Bedeutung des Roten Kreuzes in Kriegs- und Friedenszeiten hin. In seinen Aus­führungen sprach der Führer der S a n i t ä t s - kolonne Gießen, Herr Kratz, über die Auf­gaben des Roten Kreuzes im allgemeinen und des­sen besondere Bedeutung im Dritten Reich. Wie hoch der Wert des Roten Kreuzes einzuschätzen sei, beweise die Tatsache, daß unser Führer die Schirm­herrschaft über das Rote Kreuz übernommen habe. Die Ausbildung verfolgt den Zweck, Laienhelfer für den Luftschutz zu gewinnen. Die Ausbildung der Teilnehmer liegt in der Hand von Dr. L. Schmidt, Wieseck. Nach kurzen einleitenden Wor­ten begann er mit den Sanitätsbelehrungen. Zum Schlüsse sprach die Kreisführerin der Frauenabtei­lung vom Roten Kreuz, Baronesse von Ra­benau, und forderte die Mädchen und Frauen auf, nach beendigtem Lehrgang sich dem Roten

Kreuz und dem Luftschutz als Laienhelferin aktiv zur Verfügung zu stellen.

<£ Reiskirchen, 7. April. Heute abend er­eignete sich auf dem Bahnhof Reißkirchen ein kleiner Zwischenfall. Ein Wagen des Gü­terzuges, der um 20 Uhr die Strecke passiert, war beim Rangieren aus den Gleisen geraten. Der Wagen wurde abgehängt. Der Güterzug setzte dann die Fahrt fort. Ein Hilfszug aus Gießen stellte die Ordnung schnell wieder her. Schaden entstand nicht. Lediglich der Personenzug, der um 20.30 Uhr den Bahnhof passieren sollte, erfuhr einen zwangsläufi­gen Aufenthalt von einer halben Stunde. Zur Bekämpfung der Rabenplage wurden in der Gemarkung G i f t e i e r ausgelegt. Die Eltern wurden durch Bekanntmachung darauf hingewiesen, 'ihre Kinder vor dem Aufheben der Eier oder der toten Raben zu warnen.

W Daubringen, 7. April. In der Wirtschaft Weimer fand die Generalversammlung des hie­sigen Spar- und Vorschußoereins statt. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwähnen: Der Um­satz betrug etwa 343 000 Mark gegenüber 306 400 Mark im Vorjahr. Die Kleinspareinlage betrug 8672 Mark, der Stand der Spareinlage 158 560 Mark, der Reingewinn 1164 Mark. Vom Rein­gewinn wurden 500 Mark dem Reservefonds, 50 Mark dem Verein Kleinkinderfreund und Kran­kenpflege, 20 Mark der Schule, 6 v. H. für Ver­gütung des Geschäftsanteiles und der Rest der Be­triebsrücklage überwiesen. Die ausgeschiedenen Vor­standsmitglieder wurden wieder gewählt.

* Mainzlar, 7. April. Die am Sonntag durch­geführte SammlungM utter und Kind" ergab hier insgesamt 35 Mark. Bei der am Sams­tag durchgeführten Büchsensammlung wurden die zugewiesenen 400 Schmetterlinge in der Orts­gruppe (Mainzlar, Staufenberg und Daubringen) restlos abgesetzt.

> Leihgestern , 7. April. Im Rathaussaale fand die Generalversammlung des hiesigen Spar­und Vorschußvereins statt. Der Vorsitzende Haas gab den Geschäftsbericht bekannt. Der Geschäftsgang war gut Vier Mitglieder traten neu ein, 10 Mitglieder schieden aus. Vier Mitglieder wurden dem Verein durch den Tod entrissen. Die Bilanz wurde durch den Rechner Häuser vorge­

tragen. Die Verteilung des Reingewinns wurde in der vorgeschlagenen Form gutgeheißen, ebenso die Erhöhung der Kreditgrenze. Das Eintrittsgeld wurde für neu eintretende Mitglieder von eine Mark auf fünf Mark erhöht. An die Mitglieder ge­langt eine 4proz. Dividende zur Verteilung. Im laufenden Jahre wurden 39 Sparbücher neu aus­gestellt. Der Jahresabschluß fand die Genehmigung der Versammlung. Dem Vorstand und dem Auf­sichtsrat wurde Entlastung erteilt. Der Revisions­bericht des Verbandes wurde zur Kenntnis gebracht. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsrats­mitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Das Aufsichtsratsmitglied Johannes Mattern erhielt für seine 31jährige Tätigkeit im Aufsichtsrat ein Ehrendiplom überreicht. Aufsichtsratsmitglied H. Schäfer gab an Hand von Aufzeichnungen einen Rückblick auf die 45jährige Geschichte des Vereins, aus dem hervorging, daß der Verein in den Jahren seines Bestehens immer segensreich gewirkt hat.

"Y Watzenborn - Steinberg, 7. April. Bei der letzten Sammlung hatte unsere Ortsgruppe der NSV. einen guten Erfolg zu verzeichnen. Durch den Verkauf von nahezu 500 Schmetterlingsabzeichen einschließlich der Listensammlung wurden 106,65 Mk. erbracht.

cxd Eberstadt, 7. Avril. Die Eiersamm - l u n g f ü r d i e N S V., die in unserem Dorfe durch den BDM. durchgeführt wurde, ergab die beacht­liche Anzahl von 310 Stück. Der Verkauf der Schmetterlingsabzeichen erbrachte den Betrag von 14 Mark.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort- lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. III. 36: 10 270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.

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Wieseck, den 7. April 1936.

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