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Nr.33 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 8. Februar 1936

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EnglandSchweden 1:0.

Bei ausgezeichnetem Besuch standen sich im zwei­ten Spiel im Eisstadion die Mannschaften von England und Schweden (Gruppe D) gegenüber. Die Engländer kamen zu einem überaus glücklichen 1:0 (0:0, 0:0)-Sieg. Das erste Drittel eröffneten die Engländer überraschend mit einem in der vier­ten Minute erzielten Treffer. Bei gleichwertigen Leistungen gab es in der Folge keine weiteren

Tore. Zu Beginn des zweiten Drittels legten die Engländer ein außerordentlich scharfes Tempo vor, um die l:0-Führung zu vergrößern. Eine Reihe ausgezeichneter Angriffe blieb aber an der starken schwedischen Verteidigung hängen. Das letzte Drit­tel des Spieles war das aufregendste. Die Schwe­den, von zahlreichen Landsleuten angefeuert, drück­ten unerhört auf das Tempo. Jede Sekunde konnte der Ausgleich fallen. Aber Foster im England- Tor vollbrachte eine Glanzleistung nach der anderen.

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Uebersicht über das Ski-Stadion von Garmisch-Partenkirchen während des Olympischen Eides. Die Fahnenträger der Nationen hatten dabei die Kanzel, von der aus der Deutsche Meister Willy Bogner den Eid vorsprach, malerisch umgeben. (Scherl-Bilderoienst-M.)

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Harle, schnelle Lishockeykämpse.

Deutscher Sieg gegen Italien.

Deutschland schlägt Italien 3:0.

Zwei silberne und zwei bronzene Medaillen für Deutschland. Oie Konkurrenz der Männer.

Nicht weniger als 8000 Zuschauer erlebten am Freitagabend im Olympia-Kunsteisstadion beim Eis­hockey-Vorrundentreffen zwischen den Mannschaften von Deutschland und Italien einen pracht­vollen Kampf Wohl stritten beide Mannschaften mit äußerstem Einsatz, aber kaum einmal wurde dabei von unerlaubten Mitteln Gebrauch gemacht. Völlig verdient siegte die deutsche Mannschaft mit 3:0 (1:0, 1:0, 1:0). <vie hat sich damit die Anwartschaft auf den zweiten Platz und damit die Aussichten erhalten, mit USA. in die Zwischenrunde zu kommen. Schi- bukat, Jaenecke und Ball erzielten die Tref­fer für Deutschland.

Das Spiel beginnt mit blitzschnellen Angriffen der Deutschen, die jedoch an der sicheren italienischen Ver­teidigung zerschellen. Ein feiner Durchbruch von Iae- necke mit abschließendem Schuß bleibt ergebnislos, da die Scheibe am Tor vorbeiflitzt. Deutschlands Mannschaft schafft sich allmählich eine leichte Ueber- lcgenheit gegen die flinken Italiener heraus, doch deren Verteidigung arbeitet hervorragend Ausge­zeichnete Leistungen vollbringt besonders der italie­nische Tormann Gerosa. Ein schönes Zusammenspiel des gesamten deutschen zweiten Sturmes schließt Schlbukat erfolgreich ab

Das zweite Drittel eröffnen die Italiener mit einem unheimlich scharfen Angriff, der jedoch vor der eisern stehenden deutschen Verteidigung großartig abgewehrt wird. Der Kampf um die Scheibe wird immer erbitterter Einige schöne Dreier­kombinationen der zweiten deutschen Angriffsreihe, die systematisch vorgetragen werden, folgen. Ein Alleingang von Jaenecke wird abgewehrt, doch schon kurz darauf bringt I a e n e ck e von der Mitte aus einen Weitschuß an, den Gerosa im italienischen Tor pass>ren lassen muß. Deutschland führt 2:0!

Das letzte Drittel beginnt mit einem Weit­schuß von Wiedemann, der jedoch sein Ziel verfehlt. Angriff auf Angriff werden vor das italienische Tor getragen, in dem Gerosa eine Meisterleistung voll­bringt. Kurz vor dem Seitenwechsel fällt das dritte Tor für Deutschland durch Rudi Ball. Die Ueber- legenheit der Deutschen wird immer klarer und deut­licher. Gerosa im italienischen Tor leistet übermensch­liche Arbeit Bis zum Schluß besteht keinerlei Gefahr für den deutschen Sieg.

Als kurz nach dem Abpfiff der 3:0-Erfolg für Deutschland verkündet wird, jubeln die Zuschauer den Siegern zu, rasen vor Begeisterung!

Kanada fdiläaf Lettland mit 11:0.

Im Kunsteisstadion traten sich zuerst die Mann­schaften von Kanada und Lettland gegenüber. Kanada präsentierte sich in Hochform und schlug die Letten ohne Mühe mit 11:0 (2:0, 3:0, 6:0) Fach­leute halten die Kanadier in ihrer augenblicklichen Form schlechterdings für unschlagbar Die Letten hatten den Kanadiern nur ihr-n Mut und ihren Eifer entgegenzufetzen, an Technik waren sie mit ihren Gegnern nicht zu vergleichen Der Kampf spielte sich meist vor dem lettischen Tor ab nur gelegentlich wurde auch der kanadische Torhüter in seiner Ruhe gestört. Das Ergebnis von 11:0 fiel noch viel zu niedrig aus.

USA -Scbwei, 3 0.

3m Anschluß an Kanada Lettland spielten im Eiskunststadion die Eishockey - Mannschaften von USA. und der Schweiz. Die Menge bekam auch einen überaus spannenden Kampf zu sehen, den die Amerikaner verdient mit 3:0 (0:0, 3:0, 0:0) für sich entscheiden konnten. Die Leute aus USA wiesen die bessere Zusammenarbeit in der Mannschaft auf und verstanden es vor allem, taktisch klug zu fpy^en- Sie fuhren im ersten Drittel energisch m die Kom­

binationen der Schweizer dazwischen und erreich­ten damit, daß die Schweizer Vertretung den Zu- sammenhang»oerlor. Der beste Mann der Ameri­kaner war der Stürmer Garrison. Im ersten Drit­tel gab es einen wilden Kampf mit einer leichten Ueberlegenheit der Amerikaner. Die Schweiz ver­teidigte sich tapfer und erfolgreich. Im zweiten Drittel erzwangen die Amerikaner dann die Ent­scheidung. Der letzte Abschnitt brachte große An­strengungen der Schweizer, das Ergebnis zu ver­bessern. Die Eidgenossen konnten aber das Boll­werk der wieder überragend kämpfenden amerika­nischen Verteidigung nicht überwinden. Es blieb beim verdienten 3:0 für USA.

TschechoslowakeiBelgien 5:0.

Im zweiten Spiel der Gruppe' C trafen auf dem Rießer See die Tschechoslowaken und die Belgier aufeinander. Die Tschechoslowaken errangen einen wenig rühmlichen 5:0-(0:0-, 4:0-, l:0-)Sieg, da sie auf Grund ihres bedeutend größeren technischen Könnens unbedingt klarer hätten gewinnen müssen. Die Belgier hielten sich besonders im ersten und im letzten Schluß-Drittel ganz ausgezeichnet. Es mangelt ihnen zwar an Stocksicherheit und techni­scher Durchbildung, dafür kämpfen sie aber unver­zagt und mit großer Begeisterung. Sie hatten in Brohee einen neuen Hüter im Tor, der hervor­ragend hielt und viele Chancen der Tschechoslowaken zunichte machte. Auf dem sehr glatten Eis gab es einen sehr spannenden Kampf mit etwas ver- haltenen Angriffen der Tschechoslowaken und ge­fährlichen Weitschüssen der Belgier.

OesterreichPolen 2:1

Auf dem Kunsteisstadion entwickelte sich am Nach­mittag ein ungemein spannendes und hartes Spiel zwischen Oesterreich und Polen, das die glücklichere Mannschaft gewann. Die beiden ersten Spieldrit­tel verliefen bei ausgeglichenen Leistungen und zum Teil hervorragenden Angriffen beider Mannschaf- frn torlos °<m dritten Drittel, als die Entscheidung immer näherrückte, nahm der Kampf teilweise recht harte Formen an, so daß verschiedentlich Spie­ler beider Mannschaften herausgestellt wurden. In diesem Spielabschnitt fielen in ziemlich rascher Reihenfolge drei Tore: Oesterreich gewann den Kampf knapp und glücklich mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1).

Ungarn Frankreich 3:0.

Die Tribünen am Rießer See waren am Freitag­nachmittag gut besucht, als Ungarn und Frankreich ihr zur Gruppe C zählendes Spiel begannen. Nach teilweise übermäßig hartem Kampf siegten die tech­nisch besieren Ungarn über die schnelle französische Mannschaft verdient mit 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) Toren. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, in dem die Un­garn leicht überlegen waren. Allmählich wurde die Bewegung in einer immer schärferen Gangart durch­geführt, und es hagelte Herausstellungen.

Zum 2. Drittel wurde der Kampf noch härter. Bei den Ungarn arbeitete besonders die Deckung vorzüglich. Nach 10 Minuten fiel durch Miklos der erste Treffer für Ungarn.

Auch im Schlußdrittel waren die Regelwidrigkei­ten so zahlreich, daß unter den notwendigen Pfiffen der Schiedsrichter die Flüssigkeit des Kampfes litt. Die Franzosen stürmten fast ohne Unterbrechung ge­gen das Tor der Ungarn, wo aber eine sichere Ver­teidigung jeden Erfolg verhindern konnte. Zeitweise war die ganze ungarische Mannschaft vor dem eige­nen Tor versammelt. In einer Drangperiode der Franzosen fiel überraschend der zweite ungarische Treffer. Wenige Sekunden später stellte Magyar das Endergebnis her.

Kurze Zeit, nachdem die Letzte der Frauen durchs Ziel gegangen war, wurde auf dem Kreuzeck der Erste der Männer über die sehr schnell gewordene Strecke auf den Weg geschickt. Der Start befand sich in 1719 Meter Höhe, das Ziel in 760 Meter L a n t s ch n e r hatte die Aufgabe, den Spurläufer zu machen und erzielte in 4:58,2 eine ausgezeich­nete Zeit. Nach ihm ging der Favorit Frankreichs A l l a i s über den Kurs, er blieb nur um sechs Zehntelsekunden schlechter. An dritter Stelle startete der Norweger Birger Ruud. Als er in voller. Schußfahrt durch das Ziel jagte, fabelhaft aus­schwang und aus dem Lautsprecher die Zeit 4:47,4 Minuten verkündet wurde, da wußte alles, daß die Entscheidung gefallen war. Anschließend startete der Engländer Riddell, der aber ausfiel. So kam als Vierter unser Meister Franz P f n ü r, der in 4:51,8 Minuten die zweitschnellste Zeit erreichte.

Ergebnis.

1. Birger Ruud (Norwegen), 4:47,4 Minuten, Note: 100; 2. Franz Pfnür (Deutschland), 4:51,8 Min., Note 98,49; 3. Gustav Lantschner (Deutsch­land) 4:58,2 Min., Note 96,38; 4. Emilie Allais (Frankreich), 4:58,8 Min., Note 96,18; 5. Alf Kon- ningen (Norwegen). 5:00,4 Min., Note 95,67; 6. Roman Wörndle (Deutschland), 5:01,2 Min., Note 95,42; 7. Per Fossum (Norwegen), 5:03,2 Min., Note 94,79; 8. Rudi Cranz (Deutschland), 5:04,0 Min., Note 94,54; 9. Giacinto Sertorelli (Italien), 5:05,0 Min., Note 94,23; 10. Sigmund Ruud (Nor­wegen), 5:11,6 Min., Note 92,23; 11. Richard Dur- rance (USA), 5:16,2 Min., Note 90,89; 12. Vittorio Chierronni (Italien), 5:20,0 Min., Note 89,81

Birger Ruud Sieger im Abfahrtslauf. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Oer Lauf der Krauen.

Der Abfahrtslauf für Frauen leitete die Reihe der skisportlichen Ereignisse bei den Olympischen Winterspielen ein. Die ausgedehnte Neuner-Abfahrt mit ihren vielen hochinteressanten Punkten war an den markantesten Stellen von dichten Menschen­mauern umsäumt. Die Strecke führt von dem 1719 Meter hohen Kreuzeck-Joch, dem Startpunkt zur Männer-Abfahrt, durch licht bestandenen Wald über einen Steilhang zum PunktSeele", wo sich der Start zur Frauen-Abfahrt befindet. Dieser Punkt liegt in 1580 Meter Höhe. Von hier aus geht es ungefähr parallel der Drahtseilbahn zum Ziel, das sich bei der Talstation befindet.

Pünktlich um 11 Uhr zeigte ein Kanonenschuß den Start zum Frauenwettbewerb an. Die Läufe­rinnen machten sich in Minuten-Abständen auf den Weg. Als erste kam die Engländerin Evelyn Pin-

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Die junge Norwegerin Schou Nilsen, Siegerin im Abfahrtslauf der Frauen, (Scherl-Dilderdienst-M.)

Links: Käthe Gras egger, die den dritten, und rechts: Lisa Resch, die den zweiten Platz im Ab­fahrtslauf der Frauen belegten. (Scherl-M.)

ching in 5:27,1 Minuten ans Ziel. Paula Wie­st n g e r Italien benötigte 5:55 Min., die Hollän­derin Baronin Schimmelpenninck 6:09,9 Min. Mit großem Beifall wurde Käthe Graseg­ger begrüßt, die als erste Deutsche die schwere Strecke hinter sich gebracht und bis dahin die beste Zeit mit 5:10,6 Min. aufgestellt hatte. Diese Glanz­leistung unterbot noch Lisa Resch mit 5:08,4 Min., die wenig später einkam und ebenfalls überaus herzlich begrüßt wurde. Ein schwerer Schlag traf die deutschen Zuschauer, als Christel Cranz durch das Ziel gekommen war und ihre Zeit mit 5:23,3 Min. bekannt gegeben wurde.

Christ! war unterwegs gestürzt und muhte noch einen Hang emporktettern, um ein Zwangs- for zu pastieren. Die dabei verlorene Zeit konnte sie nicht wieder gut machen.

Die Bestzeit der ersten 16 Läuferinnen erreichte die Norwegerin Laila S ch o u - N i l s e n mit 5:04,0 Min. Sie zeigte eine prächtige Fahrt und kam mit einem famosen Ausschwung am Ziel an. Als ihre Zeit bekannt gegeben wurde, gab es großen Bei­fall.

Ergebnis.

1. Laila Schou-Nielfen (Norwegen) 5:04,4 Min. (Note 100); 2. Lisa Resch (Deutschland) 5:08,4 (98,70); 3. Käte Grasegger (Deutschland) 5:11,0 (97,88); 4. Erna Steuri (Schweiz) 5:20,4 (95,01); 5. Hadi Pfeiffer (Deutschland) 5:21,6 (94,65); 6. Christ! Cranz (Deutschland) 5:23,4 (94,12); 7. Evelyn Pinching (England) 5:27,2 (93,03); 8. Jo­hanne Dybwad (Norwegen) 5:32,0 (91,69); 9. Mar- celle Bühler (Schweiz) 5:51,6 (86,58); 10. Paula Wiesinger (Italien) 5:55,2 (85,70); 11. Nora Ström­stadt (Norwegen) 5:57,4 (85,17); 12. Jeannette Keßler (England) 6:05,4 Min. (Note 83,31).

Auf Beobachtungsposten am schweren Steilhang.

Die olympische Neuner-Abfahrt vom Kreuzeckjoch zur Talstation hatte esin sich", darüber gab es in Fachkreisen nicht den leisesten Zweifel. Bei 15 Grad Kälte und leichtem Schneetreiben war der Neuschnee von bester pulvriger Beschaffenheit. Der Start der Frauen befand sich ein gutes Stück unter­halb des Männerstarts; die Männer hatten gleich nach dem Ablauf einen schweren Steilhang zu be­wältigen. Der Steilhang der Frauenabfahrt lag tiefer.

Die Fahrt führte auf diesem Teil der Strecke quer zum Hang. In der Mitte des Hanges befand sich ein Pflichttor, das jedoch die Fahrt nicht allzu­sehr hemmte. Käte Grasegger fuhr sehr sauber, schwang vor dem Tor kurz ab und ging im Schuß weiter. In tollkühner Fahrt meisterte Lisa Resch dieses Steilstück. Christi Cranz kam beherrscht und ruhig, aber trotzdem in unheimlichem Tempo bis zum Tor, stemmte ab und passierte das Tor her­vorragend. Nachdem Christi Cranz den Steilhang glücklich gemeistert hatte, stürzte sie unterhalb des Steilhanges und verlor eine halbe Minute Zeit. Das brachte sie um den Sieg.

Einen ganz anderen Stil als die alpinen Läufe­rinnen Mitteleuropas zeigte die Norwegerin Laila Schou-Nielfen. Breitspurig, in tiefer Hocke und ohne zu schwingen brauste sie den Hang hin­unter. Die Italienerin G r i s e l l i stürzte am Steil­hang zweimal und raste anschließend in die Zu­schauermenge hinein. Unerhört sicher und schmal­spurig kam die Schweizerin Erna Steuri.

Nachdem die Frauen die Strecke hinter sich ge­bracht hatten, starteten die Männer nach einem Abstand von zehn Minuten. Ganz ausgezeichnet meisterte Guzzi Lantschner den Steilhang, den er ohne einmal abzuschwingen nahm. Birger Ruud, der spätere Sieger, stand ihm auf diesem Teilgebiet kaum nach. Vorsichtig auf Sicherheit gehend und mit einigen Schwüngen kam Franz Pfnür über die Eisstellen, breitspurig der Nor­weger Per Fossum. Der Engländer Ridell stürzte und mußte abtransportiert werden.