versprochen hatte, nahm England als sogenanntes Mandatsgebiet für sich; ebenso das Ostjordanland, wo es einen eignen Emir unter englischer Oberaufsicht einsetzte. Auch das Irak, ads alte Babylonien und Assyrien mit einem Teil von Mesopotamien, erhielt zunächst Mandatscharakter. 1932 wurde es nominell für selbständig erklärt und sogar in den Völkerbund ausgenommen. Ich war damals in Bagdad und hörte den Salut von 100 Schutz über den Euphrat hindonnern, als König Feisal den Funkspruch aus Genf erhalten hatte, er sei nun Mitglied des Völkerbundes Freilich blieben drei dicke englische Nägel im Körper des neuen Mitgliedsstaates stecken: die Flieger- lager bei Basra, Bagdad und Mossul, von denen jedes einzelne mehr Raum einnimmt, als die Ruinen von Ninive! Sogar das eigentliche Arabien wollten die Engländer zertrennt und unter ihrem Einfluh erhalten: sie gaben aus dem alten türkischen Gebiet den Hedschas an den Groh- scherif Hussein von Mekka und überließen das dem englischen Aden benachbarte fernen dem Imam Iahja.
Dabei hatte man nur nicht mit Ibn Saud, dem Beherrscher des Nedschd (Nordost-Arabien), gerechnet. Ibn Saud machte kurzen Prozeß mit Hussein und seinen Söhnen in Mekka, indem er sie verjagte. Vor kurzem wurde auch der Imam Jahja so energisch von Ibn Saud geschlagen, daß dieser jetzt mit Ausnahme der Südküste und des englischen Schutz-Sultanats Oman Herr von ganz Arabien ist. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit, gehört als Wahabit zur strengsten Richtung des Islam, weiß aber damit gute Verwaltungsmethoden zu verbinden, bis zur Ansiedlung von Beduinenstämmen als Ackerbauer, dazu eine glänzend bewaffnete Armee und den Gebrauch so moderner technischer Hilfsmittel, wie Panzerautos, Flugzeuge und Funkstationen. Seine Hauptlieferanten sollen Sowjetrussen und Japaner sein. Seit dem Tode König Feisals sieht man auch im Irak auf Ibn Saud als die große arabische Hoffnung, und Transjordanien würde sich gleich heute an ihn anschließen, wenn die Engländer den Emir dort nicht stützten.
Augenblicklich glimmt und brennt es an vier Stellen im großarabischen Sprachgebiet: in Aegypten, in Palästina, in Syrien und Transjordanien. Die nationalistische Wafd-Partei benutzt Englands Schwierigkeiten mit Italien, um gewaltsam auf die Anerkennung der ägyptischen Unabhängigkeit zu drängen. Am leidenschaftlichsten gebärden sich dabet die Studenten, ja sogar die Schüler. König Fuad von Aegypten möchte es
bis zu einem gewissen Grade mit den Engländern halten, weil ihm diese die sicherste Gewähr dafür sind, daß er seinen Thron behält, aber die Erregung ist so groß, daß ihm kaum etwas anderes übrigbleiben wird, als sich an Stelle des von ihm gewünschten Koalitionskabinetts mit einem Wafd- Ministerium abzusinden. Das aber würde für England eine Wahl zwischen wirklichen Zugeständnissen an die Selbständigkeit Aegyptens und der Gefahr des Waffengebrauchs in einem höchst kritischen Moment bedeuten Bisher hat es die ägyptische Regierung auf sich genommen, auf die Studenten schießen zu lassen, aber angesichts der stärker werdenden Erregung imi Volk wird sie das schwerlich noch lange fortsetzen können
In Palästina handelt es sich um die von Jahr zu Jahr heftiger werdende Gegnerschaft der arabischen Mehrheit gegen die Einwanderung der Zionisten. England will jetzt dem Mandat die seit lange zugesagte, aber von beiden Teilen, Arabern und Zionisten, bisher abgelehnte Verfassung oktroyieren: den sogenannten gesetzgebenden Rat, der aus elf Mohammedanern, sieben Juden, drei eingeborenen Christen, zwei Vertretern der Wirtschaft (vermutlich ein Engländer und ein Jude) und fünf englischen Beamten bestehen soll. Zufrieden damit sind weder die Araber, noch die Zionisten. Es wird der Mandatsverwaltung vielleicht möglich sein, gefügige Vertreter wählen zu lassen oder zu ernennen, aber damit wäre nichts daran geändert, daß das ganze palästinensische Arabertum mit Leidenschaft pan-arabisch denkt.
In Damaskus fallen schon seit mehreren Tagen die Schüsse zwischen arabischen Nationalisten und Polizeikräften unter französischem Kommando. Die mohammedanische Bevölkerung des Mandats Syrien ist ebenso pan-arabisch, wie ihre Stammes- genossen in Palästina, und die Transjordanier sind mit ihren Sympathien auch so stark auf der Seite der Nationalisten von Damaskus, daß sie zum Beweis ihrer Teilnahme den Generalstreik erklärt, d. h. vor allem die Verkehrsmittel im Lande, Eisenbahnen und Autos, stillgelegt haben. Aegypten, Syrien, Palästina, Transjordanien, das Irak und das Reich Ibn Sauds bilden alle miteinander im Sinne der pan-arabischen Idee eine geistige Einheit. Was an einer Stelle dieses großen Gebiets geschieht, pflanzt seine Wellenbewegungen in alle übrigen Teile fort. Lawrence von Arabien, den man diesen Geist rufen lieh, als es gegen Deutschland ging, ist tot, aber der Pan-Arabismus ist lebendig, viel lebendiger, als den Engländern jetzt bequem ist.
Geschichten aus aller Welt.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Chinesische Anspruchslosigkeit.
J. Bl. Peiping.
Die vielfach zu hörenden Berichte von der Anspruchslosigkeit der Chinesen sind offenbar keine Legende. Während der Ueberschwemmungen der Gebiete um den Gelben Fluß flohen Tausende von Chinesen in eine katholische Mission in Honan. Da die Mittel der Mission gering waren, mußten die geflüchteten Chinesen auf kleinste Rationen gesetzt werden. Tatsächlich gelang es der Mission, Die Chinesen am Leben zu erhalten, ohne pro Kopf und Monat mehr auszugeben als 1,20 Mark. Auf den Tag entfielen für jeden Chinesen also nur vier Pfennig. Das tätliche Essen bestand in zwei Schalen voll Hirsebrei.
Ein Hund als Lebensretter.
(h) Johannesburg.
Am Ufer eines Teiches in Piquetberg spielten zwei Kinder, die plötzlich das Gleichgewicht verloren und beide ins Wasser stürzten. Niemand hatte den Vorfall beobachtet, außer einem mittelgroßen Hund, der herbeieilte, ins Wasser sprang und die beiden Kinder — eins nach dem anderen natürlich — beim Genick faßte und aus dem Wasser zog.
Anwohner des Teiches wurden auf den Vorgang erst aufmerksam, als sie den Hund sahen, der die beiden bewußtlos gewordenen Kinder dadurch wieder zu beleben versuchte, daß er ihnen sehr energisch das Gesicht ableckte.
Der Bürgermeister als Sänger.
B./Co. Neuyork.
Es begab sich, daß in der amerikanischen Stadt Pittsburg gegen eine Gesellschaft wegen des städtischen Wasserwerks ein Prozeß angestrengt werden mußte. Der Bürgermeister setzte seinem Gemeinderat diese Notwendigkeit mit stichhaltigen Gründen auseinander, man stimmte ihm auch grundsätzlich zu, aber woher die Mittel für so einen Prozeß nehmen? Da der Bürgermeister auch nicht diese Frage beantworten konnte, denn im städtischen Haushalt war für solche Zwecke kein Betrag vorhanden, beschloß der Gemeinderat, von einem Prozeß abzusehen.
Damit gab sich jedoch William N. Mac Nair — so hieß der Bürgermeister — nicht zufrieden und fand auch tatsächlich ein, wenn auch recht ungewöhnliches Mittel, um zu Geld für die Prozeßfüh- rung zu kommen. Es hielt sich zu der Zeit eine Wanderoper in Pittsburg auf. Mit dieser schloß das Stadtoberhaupt einen Vertrag, wonach er acht Abende hintereinander in einem zu diesem Zwecke eingelegten Zwischenspiel fingen werde und dafür nach deutschem Geld 3000 Mark erhalten soll. Ueberflüssig zu bemerken, daß diese acht Abende, in denen der Bürgermeister sang, ausverkauft waren.
In der nächsten Gemeinderatssitzung nahm der Gemeinderat aus den Händen des Stadtoberhaup- les den von ihm erfungenen Betrag dankend entgegen.
Berittene Polizei ohne Pferde.
(h. k.) Montreal.
Die Königliche Kanadische Berittene Polizei ist weltberühmt. Zur Zeit gehören ihr 2000 Offiziere und Mannschaften an. Dem Namen nach stellt man sich zweifellos darunter eine Polizeitruppe vor, die auf stolzen Rossen durch die kanadischen Prärien sprengt.
Nun aber erfährt man mit Verwunderung aus einem soeben veröffentlichen Bericht, daß die ganze berittene Polizei genau 225 Pferde besitzt und zum Zweck der Jnstruktionsstunden für die Beamten, die schließlich alle reiten können müssen, Pferde bei den benachbarten Farmern ausgeliehen werden. Dafür aber verstehen sich diese vielgewandten und geschulten Polizeibeamten, die zu dieser nördlichsten Ordnungstruppe der Welt gehören, gleichzeitig auch auf die Bedienung von Autos, Motorrädern, Flugzeugen, Hundeschlitten, Motorbooten und Seglern.
Die königliche Briefmarkensammlung.
B/Li. London.
Alle Briesrnarkenhändler der Welt und alle großen Sammler sind sehr gespannt darauf, was mit der berühmten Briefmarkensammlung des verstorbenen Königs von England geschehen wird. Fast das gesamte Eigentum des britischen Königshauses ist zwar der britischen Nation zu treuen Händen übergeben worden, dazu gehören aber naturgemäß nicht so private Dinge, wie sie eine Briefmarkensammlung darstellt. Es ist damit zu rechnen, daß die Sammlung in der königlichen Familie bleibt.
Die königliche Sammlung, deren Wert außerordentlich hoch ist, ist zwar nicht die größte Sammlung der Welt, wohl aber die vollständigste des britischen Empire. Der König hatte bereits als Junge mit dem Sammeln begonnen und diese Liebhaberei bis in seine letzten Lebensjahre fortgesetzt. Da die Neigung des Prinzen und späteren Königs bald erkannt wurde, sandten die Postverwaltungen der Dominons des Britischen Reiches und anderer Länder dem König häufig Probedrucke, Erstdrucke und Fehldrucke zu. Auch Heer und Flotte machten dem König häufig Briefmarken zum Geschenk, und während des Krieges machten die britischen Soldaten systematisch Jagd auf Kriegsbriefmarken, namentlich solche der von Deutschland besetzten Gebiete, um sie dem König überreichen zu lassen. Der Hauptteil der königlichen Sammlung ist aber genau so entstanden wie alle anderen Briefmarken- jahimlungen auch, nämlich durch Kauf oder Tausch. Der heutige Marktwert der königlichen Sammlung wird auf rund eine Million Mark geschätzt.
Die verhängnisvolle Ohrfeige.
Da. Paris.
Eine Ohrfeige, die vor einigen Tagen in Paris verabfolgt wurde, hatte ganz unvorhergesehene schlimme Folgen. An einer belebten Straßenkreuzung stand ein Herr, der auf jemanden zu warten schien. Ein anderer Herr kam über den Damm, gerade auf den Wartenden zu und pflanzte ihm stillschweigend, aber mit Nachdruck seine rechte Hand auf die linke Wange.
Der Betroffene schreckte zusammen, da er sich eines solchen gewaltsamen Ueberfaös nicht versah, ja, ihm schwanden für einen Augenblick die Sinne, und er kippte vom Bürgersteig in den Rinnstein. Da kam aber gerade ein Radfahrer daheraefahren, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und setzte sich dazu, während das Rad nach hinten ausschlug und sich auf den Bürgersteig legte. Einen Moment später brauste ein Motorrad heran, stoppte und wurde seinerseits von einem schweren Lastwagen angefahren, der dicht dahinter kam und die Bremsen nicht so rasch anziehen konnte. Doch der Chauffeur zeigte sich geistesgegenwärtig, streifte den Motorradfahrer nur leicht, ließ den Geohrfeigten und den Radfahrer unbeschädigt und riß mit aller Gewalt das Steuer herum. Auf der anderen Seite fuhr aber eine Straßenbahn, in die der schwere Lastwagen hineinprallte. Man hörte die Fensterscheiben klirren, und am Triebwagen der Straßenbahn verbog sich allerlei. Der Lastwagen kam ebenfalls nicht ohne Beulen und Schrammen aus dem Zusammenstoß heraus. Doch wurden die beiden Fahrer, sowie die Fahrgäste der Straßenbahn nicht verletzt, nur zwei Damen fielen in sanfte Ohnmacht
Ms man Geohrfeigten, Radfahrer, Motorradfahrer, Lastwagen und Straßenbahn aufgehoben bzw. auseinandergezerrt hatte, stellte es sich heraus, daß die Ohrfeige, die solche verhängnisvolle Folgen hatte, aus Versehen den Falschen getroffen hatte.
Die Wandlung Monte Carlos.
B. Monte Carlo.
Der Weltkrieg hat mit einer kleinen Menschenschicht, deren Lebensaufgabe darin zu bestehen schien, einen unerhörten Luxus zu entfalten und das Geld an den Tischen berühmter Spielbanken zu verlieren, gründlich aufgeräumt Das hat auch Monte Carlo sehr empfindlich zu spüren bekommen. Die mit einem übertriebenen Luxus errichteten Bauten der Spielbank und der Hotels stehen verwaist da. Weder russische Großfürsten, noch amerikanische Millionäre lassen sich dort sehen, aber es
Erzeugungsschlacht in Stavenhagen: Anno 1808-1845.
Vvn Matter Kappes.
In der Geschichte unseres Volkes sind Versuche zur Steigerung des Bodenertrages schon früher einige Male angesetzt worden. Zumeist erschienen sie in Zeiten großer Mißernten und kriegerischer Heimsuchung, hatten aber freilich nie die einheitliche und auch nur annähernd weitgreifende Zielsetzung unserer Erzeugungsschlacht. Als der klimatisch begünstigte und dichter bevölkerte Westen um das 12. Jahrhundert dem Bauern zu eng wurde, zog dieser mit seiner reichen Erfahrung nach dem Osten, über d i e Elbe weiter und erschloß Neuland. Hier fand er den Boden für die Rohstoffe, die dem Westen mangelten. Wie die Geschichte lehrt, blieb die Freiheit dieser Bauern, in die sie zu ziehen glaubten, nicht bestehen. Selbst unter den aufbauenden Agrarbestrebungen des Großen Kurfürsten, die nach den schrecklichen Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges notwendig waren, war der Bauer lediglich ein Mittel, aber kein Freischaffender und nicht das, was Quesnay dann später in dem Satz aussprach: „L’agriculture est la source de toutes les richesses de l’Etat“ (Der Ackerbau ist die Quelle alles Nationalreichtums). Die unermüdlichen Bestrebungen Friedrichs des Großen zur Gründung einer gesunden Landwirtschaft waren wohl die erste „Erzeugungsschlacht" größeren Stils, in der schon der Gedanke der Unabhängigkeit vom Ausland eine bedeutende Rolle spielte. So stieg die Landwirtschaft an Bedeutung, aber der Bauer blieb unfrei trotz der mahnenden Stimme des weitblickenden Freiherrn vom Stein, der die Gründung eines gesunden Bauernstandes forderte. Alle Erzeugungssteigerung blieb, da eine allgemeine und standesbedingte Organisation fehlte, im letzten Grunde auf die Initiative des Einzelnen angewiesen. Die einzige Triebfeder war Frau Sorge, die das durch Jahrhunderte müde gequälte Bauerntum vor sich Vertrieb und zum Leben zwang.
Die „Stavenhagener Erzeuoungsschlacht" ist ein bemerkenswertes Beispiel aus Der Notzeit nach dem verlorenen Kriege von 1806. Kein geringerer als der mecklenburgische Bauerndichter Fritz Reuter schildert uns in einem aufschlußreichen Bericht den landwirtschaftlichen Kampf, Den fein Vater als Bürgermeister Der Stadt Staven- Hagen gegen die einbrechende Not führte. Auf eigene Faust unternahm er großzügige Versuche, um dem Bauernstand seiner Stadt eine breitere Grundlage zu geben und ihn vor allen Dingen existenzfähig zu machen. Als unermüdlich Schaffender war er nach den Worten seines Sohnes: „fast 40 Jahre hindurch Triebfeder und Unruh in der Uhr des städtischen Lebens, und was mehr sagen will, er war auch ihr Pendel und Regulator." Daß nicht alle Versuche gelangen, liegt auf der Hand.
Aber viele Unternehmungen hatten Erfolg und manches, was nachher den Mecklenburger Bauern groß gemacht hat, verdankt er der rührigen und klugen Wegbereitschaft des einstigen Bürgermeisters von Stavenhagen.
Uebrigens war es auch derselbe Bürgermeister Reuter, der als er st er Brauer in Mecklenburg Bier her st eilte und damit die Grundlage eines neuen Gewerbes in Mecklenburg legte. Auch das erfahren wir aus der Feder Fritz Reuters mit der besonderen Bemerkung: ,^Ich rede hier von meinem Vater, und zwar nicht als sein Kind, denn sonst müßte ich wärmer von ihm reden..." Und über des Vaters Leistung als fortschrittlicher Bauer sagt er in „Meine Vaterstadt Stavenhagen": „Als die furchtbar herabgedrückten Kornpreise nicht einmal die Erzeugungskosten deckten und der mecklenburgische Landmann fast dem Untergänge nahe gebracht war, ging er muthig mit gutem Beispiel voran und führte fremde Kulturen ein. Auszer dem Rapps, der hier und da nur höchst sporadisch gebaut wurde, kannte man in Mecklenburg damals noch (eins von den sogenannten Handelsgewächsen. Mein Vater war der erste, der sich in dem Bau derselben versuchte: die Gewürzpflanzen, Kümmel, Koriander und Anis, die Färberpflanzen, Krapp, Waid, Wau, die Futtergewächse, Luzerne, Esparsette und die Runkel- und Steckrübe, dann auch die Weberkarde, mußten der Reihe nach es sich gefallen lassen, mit dem mecklenburgischen Boden und Klima Bekanntschaft zu machen. Was hat nun das alles genützt? Diel, sehr viel! Ich sage nichts davon, daß in den zeiten der Noth mancher Landmann durch den Kümmelbau eine schone Einnahme gehabt hat, nichts davon, daß der Runkelrübenbau seit der Zeit im ganzen Lande im Großen ausgeführt wird, nichts davon, daß schon seit 25 Jahren die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Stallfütterung für Rindvieh (in meines Vaters Wirthschaft 50—60 Haupt) bargetan ist — ich will bloß anführen, daß das Beispiel einer guten Ackerbestellung von den Bürgern meiner Vaterstadt nachgeahmt wurde, daß alle faulen und schwachen Kräfte der Stadt in der Wirthschaft meines Vaters Beschäftigung und Lebensunterhalt fanden, zuweilen bis zu dem täglichen Belauf von 120 Menschen, so daß in jenen gedrückten Zeiten in meiner Vaterstadt feine eigentliche Armut zu finden war." Diese Ueberwinduna der Notzeit ist um so erstaunlicher, als all das durch die zieloewußte Tätigkeit eines einzelnen Bauern erreicht wurde. Es war eine Erzeugungsschlacht im Kleinen, die aber weit über jene Zeit hinaus als anregendes Beispiel wirken konnte.
blühen andere kleinere und bescheidenere Orte an der Riviera auf und werden von einem Publikum aufgesucht, dem es mehr auf die Schönheit der Natur ankommt, und das mit dem Geld sehr haushälterisch umgeht.
Nachdem man in Monte Carlo endlich erkannt hatte, daß der alte Glanz und Prunk einer dahingegangenen Zeit angehörte, entschloß man sich gleich zu einer gründlichen Umstellung. Das schönste Hotel, der Riviera-Palast, von dem man einen märchenhaften Blick auf das Meer und die Küste genießt, wird einfach abgerissen. Und das zu einer Jahreszeit, wo es sonst — vor dem Kriege — dort von Fremden wimmelte Die Zahnradbahn wird verschrottet und manch anderer Bau wird „modernisiert". Mit anderen Worten, man will ein Publikum heranziehen, bas sich in Monte in einfachen Gaststätten mit zeitentsprechenben Preisen wohl fühlen soll. Bei ber Devisenknappheit jeboch, von ber bie meisten Staaten betroffen werben, besteht wenig Aussicht für einen stärkeren Besuch von Auslänbem. Der Besuch von Franzosen aber ist in keinem Fall ausreichenb genug, um bie erheblichen Kosten ber Umstellung zu rechtfertigen.
Bor 10 Jahren.
(ha) Mailanb.
Der Fall spielt ursprünglich in einem kleinen Dorf an ben Karpathen. Dort würbe im Jahre 1926 eine Frau ermorbet aufgefunben. Man verhaftete einen gewissen Philipp Klepetar unb verurteilte ihn zu 15 Jahren Zuchthaus. Jetzt scheint bas Urteil vor einer enbgültigen Revision zu stehen.
Aus Mailanb hat sich nämlich ber Filmfabrikant Gustav Mackaty an bie Prager Behorben geroanbt unb barauf hingewiesen, baß er sich heute plötzlich genau barauf besinnen könne, am Morbtage von zehn Jahren mit Klepetar in Prag zusammengetroffen zu fein. Er fei mit ihm ins Gespräch gekommen, als sie beibe in einem Straßenbahnwagen saßen, ber mit einem Lastauto zusammenstieß. Der Beweis scheint sonnenklar zu sein. Wenn Klepetar wirklich an jenem Tage in Prag war — unb bas kann aus ben Unfallakten ber Straßenbahn im Zusammenhang mit bem Zusammenstoß feftgeftellt werben — bann ist Klepetar wirklich unschulbig an jenem Morb. Man rechnet ernsthaft mit feiner bal- bigen Freilassung
Unverfrorenheit.
D. D. Warschau.
Es ging auf Mitternacht. Bei einem Lanbwirt in einem kleinen polnischen Ort regte es sich Der- bächtig im Schweinestall. Hätte ber Bauer mit seinen Leute nicht in tiefem Schlaf geleaen, wäre er wohl mißtrauisch aus ben Febern gefahren.
Jetzt traten zwei Leute aus bem Stall, hatten ein Schwein in ben Armen unb schleppten es auf ihren Wagen, ber auf ber Chaussee ftanb. Aengst- lich bemühten sie sich, bas Schwein am Quieken zu verhinbern, unb brachten ihr Werk glücklich zu Enbe. Dann schleppten sie noch ein zweites Schwein aus bem Stall, verfrachteten es auf bem Wagen unb gingen ein drittes Mal in den Schweinestall. Das dritte Schwein war aber nicht so leicht zu bewältigen, es wog an die sechs Zentner und ließ sich nicht auf den Wagen haben. Worauf die Einbrecher sich zu einer besonders großen Frechheit entschlossen. Sie klopften ben Bauern kurzerhanb heraus unb stellten sich als Fleischer vor, benen ein Schwein vom Wagen gefallen sei Ob sich ber Bauer ihrer Notlage nicht erbarmen könne?
Der Bauer überlegt nicht lange, zieht sich an, ruft feinen Knecht aus bem Bett unb kommt aus bem Hause. Alle vier spucken in bie Hände, heben das Schwein hoch und bringen es tatsächlich auf ben Wagen. Händebruck, freunblicher Dank von feiten ber „Fleischer", Grüßen unb Winken von selten des Bauern, ber nicht ahnt, daß er soeben
sein eigenes Schwein fortgegeben hat, und mit gutem Gewissen ins Bett geht.
Erst am nächsten Morgen, als er in ben Stall geht, dämmert es ihm, daß er beim Diebstahl seines eigenen Schweines mit Hand angelegt hat. Seine Tiere sah er natürlich nie wieder.
Der Mann, der seinen Wagen „stahl".
(nn.) Stockholm.
Abends gegen 10 Uhr hatte man einem unglücklichen Autobesitzer seinen Wagen entführt. Er meldete den Verlust bei feiner Versicherung und bet ber Polizei an unb pilgerte traurig zu Fuß nach Hause. Als er am nächsten Tage gleichfalls roieber zu Fuß in bie Stabt gehen wollte, entbecfte er plötzlich einsam unb verlassen sein Auto an einem Platz stehen.
Erfreut schwang er sich in ben Wagen hinein unb brauste los. Aber bereits vier Minuten später würbe er von zwei Polizeibeamten aufgehalten und trotz seines Protestes verhaftet. Die Nummer des gestohlenen Wagens war überall hin gemeldet worden. Man konnte schließlich nicht annehmen, daß der Besitzer des Autos selbst als „Dieb" in seinem Wagen saß. Nach drei Stunden war der Irrtum aufgeklärt.
Meyers Taschenbuch der Kriegsflotten.
Soeben erscheint im 3. F. Lehmann- Verlag in München ber Banb 1936 von Weyers T a - schenbuch ber Kriegsflotten. (6.) Das Taschenbuch, bas sich in ber ganzen Welt als bestes seiner Art burchgesetzt hat, tritt damit in feinen 30. Jahrgang. Es rft unter Benutzung amtlicher Quellen wiederum herausgegeben von Leutnant zur See a. D. Alexander Bredt und enthält 815 Schiffsbilder und Skizzen sowie vielfarbige Flaggentafeln. Der neue Band gliedert sich in sieben Teile, von denen der Teil I bie ausführliche Flottenliste bringt, Skizzen, Waffenpläne, Schattenrisse und Bilder der Kriegsschiffe. Der Teil II behandelt die Marineluststreitkräfte Der Großseemächte, ber Teil III ist angesichts ber Londoner Flottenkonferenz besonders wichtig. Er behandelt die Flottenverteilungspläne. Im Teil IV wird die Schiffsartillerie behandelt, und im Teil V die Marinepolitik. Der Teil VI ist der Technik gewidmet. Schiffahrt und Schiffsbau, Statistisches über die Handelsflotten und den Seeverkehr der Welt wird in diesem Teile zusammengefaßt. Teil VII bringt wieder die Rangbezeichnungen und Abzeichen, Kommandoflaggen, Flaggentafeln, Umrechnungstafeln, Entfernungstafeln usw. Er enthält zum ersten Male die neue deuftche Reichskriegs, flagge, die Flagge des Reichskriegsministers und die Standarte des Führers und Reichskanzlers, ferner die neue Lotsenflagge und die neuen Admiralsflaggen. Das Buch enthält ferner von ber deutschen Flotte das neue Admiralstabsschiff Aviso „Grille" unb Abbildungen von weiteren neuen Schiffen, sowie zum ersten Male nach dem Kriege bas Bilb eines beutschen U-Bootes, unb zwar bes „U 8", von neuen Schiffen außerbem bas Bild des Panzerschiffes „Admiral Scheer". Im Teil II wurden die Angaben insbefonbere über bas Flugzeug- material erheblich erweitert. Im Teil V, Marinepolitik, ist bas beutsch-englische Flottenabkommen gebührenb berücksichtigt, worden.___________________
325 V
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NESTLE
KINDER NAHRUNG
Deutsches Erzeugnis


