Wirklichkeit werben. Deshalb die Konzentration englischer Seemacht im Mittelmeer, die jederzeit auch italienische Gefahren beschwören und die Politik des Völkerbundes stets zu der Englands machen könne. So bleibt für Großbritanniens Politik das Nelson- Wort stets Richtschnur.
Nicht mit dem Völkerbund, sondern nur mit England hat es Italien verdorben, mit einer Macht, die es sich immer gewogen zu halten bestrebt war. Jetzt Aber betont es wiederholt, daß es die englische Dor- Herrschaft im Mittelmeer länger nicht anzuerkennen vermöge. Ganz im Sinne des flammenden Appells, den Italien schon 1930 auf der ersten Londoner Flottenkonferenz zum Schutze seiner Seeinteressen an die dort vertretenen Mächte gerichtet. Grandi, damals italienischer Außenminister, jetzt Botschafter in London, konnte auf dieser Konferenz nicht deutlich genug den Jnfelcharakter seines Landes in den Vordergrund rücken. Stark übervölkert sei es auch und dazu wie arm an natürlichen Hilfsquellen! Durch die engen Pforten Gibraltars und des Suezkanals strömten ihm die wichtigsten „ocean-borne Imports“, Dreiviertel seiner ganzen Einfuhr, zu. Denn bei seinen weltweiten Interessen und Verflechtungen sei auch für Italien das Meer, vor allem aber die Ozeane, die Hauptquelle seines Lebens. Welche Ungunst der Natur, von keinem Ozean bespült zu werden und nur langgestreckte Küsten mit wichtigsten Lebenszentren zu besitzen, die langsam aber sicher der Wirkung übermächtiger Fernblockade in langsamer Erwürgung unterliegen müßten! Lauter Feststellungen, denen nicht zu widersprechen ist und die durch spätere Genfer Analysen Der Frage, welcher Rüstung der Vorrang wohl gebühre, nur noch unterstrichen wurden, wenn Ende Mai 1933 der spanische Historiker und Genfer Abrüstungsexpert Madariaga sich ohne Widerspruch dahin äußern konnte, daß schließlich doch nur Seeherrschaft der wirkungsvollste Friedensstifter sei.
Wer die See hat, hat das Land! Gegen diesen alten Erfahrungssatz rennt auch der vergeblich an, der unter „opfervoller Beschränkung" seiner Seemacht ein letztes Heil in kontinentaler Blockbildung oder in Anlehnung an räumlich große Nachbarn sieht und damit womöglich auch noch glaubt, sich der Wirkung feindlicher Seeherrschaft entziehen zu können und sich eine Wirtschaftskraft zu sichern, die auch die stärksten Stürme heutigen Völkerlebens übersteht.
In keinem Binnenmeer der Welt verursachen die Seemachtsansprüche verschiedener Völker immer wieder so starke Reibungen, wie gerade im Mittelländischen Meere, Es handelt sich dabei nicht nur um Gegensätze zwischen Frankreich und Italien, die für sich allein zu regeln wären. Vorherrschend werden hier stärkste Interessen des Englischen Imperiums immer die Rolle spielen, die gerade der „Freiheit dieses Meeres" vor allem eine englische Prägung gibt. Es mußte daher auch nach dem Weltkrieg Englands stetes Streben fein, in diesem Seegebiet den Zustand zu erreichen, der alle französischen und italienischen Wünsche so begrenzt hielt, daß englische Interessen im vollsten Umfange stets gesichert bleiben. Doch ist das Ziel trotz mancher auf ein Mittelmeerabkommen abzie- lenber Anläufe vergangener Jahre noch nicht erreicht. Der heutige Konflikt wird daher auch diesem reibungsvollen Schwebezustand eine Wendung geben müssen, die ein erträglicheres Nebeneinander berechtigter Volksinteressen schafft.
Durch Italiens Vorgehen gegen Abessinien war in den Augen Englands nicht nur der Zusammenhalt seines Imperiums, sondern auch jede weitere Weltbefriedungsmöglichkeit überhaupt ernstlich gefährdet. Wenn Jmperiumsinteressen im Spiele sind, pflegt England nicht zu zaudern. Im September 1935 wurde die englische Mittelmeerflotte ins östliche Mittelmeer nach Port Said und Alexandrien verlegt. Schiffe und Seeflugzeuge aus heimischen Gewässern, aus dem Fernen Osten und von der südamerikanischen Station traten hinzu. Zu gleichem Zweck gingen Schlachtkreuzer und schwere Kreuzer der Homefleet nach Gibraltar. Auch die Hochseekräfte Australiens unb' Neuseeland wurden ins Mittelmeer gezogen. Anfang Dezember wurde die Indienststellung einer neuen aus sieben Booten bestehenden Zerstörerflotille verfügt. Weitere Ver- tärkungen materieller und personeller Art im Zuge üeser stillen Mobilmachung sind zu erwarten. So tehen wir heute vor der Gefahr eines Krieges, wie ie auch das an Völkerstürme gewohnte Meer der
Bayernmädel begrüßten den Führer.
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Im Olympia-Haus in Garmisch-Partenkirchen begrüßten den Führer Bayernmädel in ihren hübschen Trachten. — (Presse-Jllustration-Hofsmann-M.)
Phönizier in solcher fast grotesk zu nennenden Weise wohl noch nie erlebte. Von „friedlich" scheinender Völkerbundssanktion zur Kriegsblockade ist nur ein kurzer Schritt, namentlich wenn es in nächster Zeit doch noch zu der gefürchteten Oel- fperre kommt. Dabei kommt bei dem heutigen Entwicklungsstand moderner Seekriegsmittel und bei den strategischen Verhältnissen des Mittelmeeres ebenso wenig wie im Weltkriege eine enge, etwa von der Südspitze Griechenlands über Malta bis Toulon sich erstreckende, sondern nur eine weite Fernblockade in Frage. Flugzeug und U-Bovt verbieten die Einnahme enq begrenzter Blockadestellungen, wie die Segelschiffszeit sie kannte. Andererseits muß aber im Interesse wirksamer Blockierung die See vom Blockierenden so gehalten werden, können, daß die Möglichkeit, die Blockade zu durchbrechen oder zu umgehen, auf ein Mindestmaß beschränkt bleibt.
Italiens Machtbereich hat sich im Mittelmeer nach dem Weltkrieg in der Adria, in Nordafrika und im Dodekanes entschieden vergrößert. Damit waren aber noch nicht irgendwelche Eingriffe in die Machtsphären anderer Großmächte verbunden. Das ist aber jetzt der Fall, wenn Italien nicht nur eine Vergrößerung ostafrikanischen Kolonialbesitzes erstrebt, sondern auch die Verbindung mit diesem Gebiete festigen will. Es hat damit Seeherrschaftsansprüche erhoben, die an die Grundlage des englischen Imperiums rühren. Die beste Luftwaffe ändert aber nichts daran, daß man von englischen Mittelmeerstützpunkten nur Malta als ernstlich gefährdet betrachten kann. Gibraltar dagegen hat von diesen Bombern noch nichts zu befürchten, selbst wenn sie von den westlichen Stützpunkten Jta- lichen Stützpunkten Jtaliensstch! ss t ch ckj ch liens, Siziliens und Sardiniens aus operieren. Diese noch über 2500 Kilometer betragende Entfernung ist nur mit erhöhter Brennstofflast zu überbrücken, was aber bedeutende Minderung der Bombenlast und somit der Wirkung am Ziel bedeutet.
Erfolgreicher sieht für Italien der Luftkrieg im Osten des Mittelmeeres aus. Dort können die Stützpunkte Tobruk in Lybien sowie die Insel Leros im Dodekanes für Alexandrien, Port Said und Haifa eine ernstliche Bedrohung im Luftkrieg bedeuten.
Abgesehen von den zirka 350 italienischen Flugzeugen an der abessinischen Front verfügt Italien zur Küstenverteidigung und für weitere Vorstöße an Land- und Seeflugzeugen über zirka 3000 Maschinen. Sicherlich eine achtunggebietende Macht, aber eine Waffe, hinter der neuere Kriegserfahrungen noch keineswegs stehen. Auch ist zu bedenken, daß sich die Verwendung der Luftwaffe über Land von der See nicht unbeträchtlich unterscheidet. Schon das Erkennen der anzugreifenden Objekte, Truppenteile und Bauten an Land, Schiffe verschiedenster Typen auf See, erfordert besondere, getrennte, eingehende Hebung. Die Möglichkeit einer Konzentration der Kraft ist über Land und über Küsten- gewässern weit größer als über der offenen See. Von der Verwendung der Luftwaffe in offener See macht man sich leicht noch falsche Vorstellungen, wenn man annimmt, daß die Sichtweite' vom Flugzug aus mit der Flughöhe wesentlich zunimmt. Auch englische Hebungen haben häufig ergeben, daß die Sichtweite von einem Flugzeug über See keineswegs weiterreicht, als die von Bord eines Schiffes! Unb zwar bei normalen Sichtverhältnissen, nicht etwa nur bei diesigem, dunstigem Wetter. Auch darf man sich nicht etwa vvrstellen, daß ein Flugzeug ein feindliches Schiff nur zu sichten braucht, um es alsbald treffen und vernichten zu können. Ein einzelnes in hoher Fahrt befindliches Schiff bietet dazu immer nur eine recht kleine Zielscheibe und hat auch seinerseits beträchtliche Abwehrmöglichkeiten defensiver und offensiver Art. Bei Beurteilung der Möglichkeiten des Luftkrieges läßt man sich leicht durch hin und wieder erreichte Spitzenleistungen friedlichen Luftverkehrs verleiten, die Kriegsmöglichkeiten dieser Waffe zu überschätzen. Auch im Luftkrieg zur See
behält der Satz Gülttgkeit, der sagt, daß es leichter ist, eine Stecknadel im Heuschober zu finden, als einen Kreuzer in offener See. Fraglos ist die Lust ein neuer Kriegsfaktor, die Grundlage der Seekriegführung haben sich deshalb aber nicht im geringsten verändert. Wohl lasten schreibselige Federn in vielen Ländern die heutige Luftwaffe geradezu Wundertaten vollführen und die größten Schlachl- schiffe den Bomben aus der Luft zu leicht zum Opfer fallen. Fraglos hat die heutige Luftwaffe im Vergleich zu der der letzten Kriegszeit gewaltige Fort- schritte gemacht, doch ist auch ihre Abwehr keines- wegs in der Entwicklung stehen geblieben.
Schon diese gesetzmäßige Relativität läßt auch weit zurückliegende Kriegserfahrungen durchaus ihren Wert erhalten. So bleibt z. B. besonders lehrreich der „Goeden"-Fall vom Januar 1918. Am 20. Januar war der Panzerkreuzer damals nach Rückkehr von einer Hnternehmung ins Aegäische Meer in den Dardanellen auf einer Sandbank bei Nagara fest- gekommen. Fünf Tage blieb das Schiff ooUfomnv n bewegungslos und war für alle Angriffe des Feindes ein leicht zu treffendes Ziel. So mußte das Schiff auch 276 Angriffe aus der Luft über sich ergehen lassen, erhielt aber doch nur drei unwesentliche Treffer, belangloser Materialschäden. Aber die „(Soeben" auf ihrem gefahrvollen Liegeplatz zu vernichten, war dem Feind in den fünf für das ©dyff so kritischen Tagen nicht gelungen, trotz eines für damalige Zeiten recht erheblichen Bombenabwurfs mit einem Gesamtgewicht von zirka 16 Tonnen, und trotz des Fehlens nennenswerter Flugzeugohwehr- mittel auf diesem Schiffe. Auch friedliche Zielschiffsversuche der ersten Nachkriegsjahre haben besonders am „Ostfriesland"-Fall gezeigt, wie wenig auch in dieser Kriegskunst sich von dem ereignet, was man glaubt erwarten zu können.
(Schluß folgt.)
Oie arabische Unruhe.
Von Or. Paul Rohrbach.
In der Krypta der St. Pauls Kathedrale in London wird in diesen Tagen die Büste eines tapferen Engländers enthüllt: „Lawrence von Ara- b i e n". Er war von Geburt Walliser, von Fach ursprünglich Orientalist, und beteiligte sich vor dem Kriege an Ausgrabungen in Mesopotamien. 1916 organisierte er den Aufstand der Araber gegen die Türkei, versprach ihnen — die englische Regierung ließ es stillschweigend zu — ein unabhängiges großarabisches Reich vom Mittelmeer bis zum Indischen Ozean und war ihr Führer in dem zweijährigen englischen Feldzug gegen die türkisch-deutsche Palästinafront. Noch bei Lebzeiten wurde er eine fast sagenhafte Persönlichkeit; er soll in Afghanistan den Sturz des England unbequemen reformeifrigen Emirs Amanullah herbeigeführt, und in China den Marschall Tschiangkaischek dazu bewogen haben, mit den von Moskau geschickten bolschewistischen Ratgebern zu brechen. Im vorigen Jahr kam er durch einen Autounfall ums Leben, als er versuchte, einem Kind auszuweichen, das in seine Maschine laufen wollte. In England wird erzählt, er habe dem König seine Kriegsorden zurückgeschickt, als den Arabern die Zusagen, die er ihnen gemacht hatte, nicht gehalten wurden, ja er soll sich sogar verpflichtet gefühlt haben, in ein"m arabisch-englischen Krieg, falls einmal ein solcher käme, auf Der Seite feiner betrogenen Freunde *u fechten!
Wenn man heute die Nachrichten liest, die ons der syrisch-ägyptischen Wetterecke am Ttittefm- r kommen, könnte man beinahe versucht fein t fragen, ob Lawrence, wenn er noch lebte, nix't bald Hrsache hätte, an sein in der Erbitteruna sprochenes Wort zu denken. Die pan-arabische der er im Weltkrieg die Unterstützung seiner fah haften Fähigkeit sprachlich-psychologischer (Einfühlung in das Arabertum unb suggestiver Behandlung der Wüstensöhne lieh, ist in einer für England sehr unbequemen Weise auf dem Marsch.
Nach dem Ende des Weltkrieges geschah das Gegenteil von dem, was Lawrence den Arabern versprochen hatte. Syrien mit der alten Kalifenhauptstadt Damaskus wurde französisches Mandat. Palästina, iil dem Balfour den Juden eine „öffentlich rechtliche Heimstätte"
WorübermansichinAmenkasreut
Von unserem ständigenE.A.H.-Äerichierstaiier
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Neuyork, Ende Januar 1936.
Eine Eigenschaft, die der Amerikaner an sich und anderen gleich hoch schätzt, ist der Humor. Wer Sinn für Humor hat, der schlägt sich in der neuen Welt zweimal so leicht durch. Mit Humor lassen sich alle Widerwärtigkeiten ertragen, und solange es mit Humor geschieht, lassen sich unsere Mitmenschen wohl auch einmal die Wahrheit sagen. Humor im amerikanischen Sinne ist weniger der glänzende Witz, sondern die Fähigkeit, sich auf ein kleines Postament zu stellen und vor dort aus nicht nur über die anderen, sondern auch über die eigenen kleinen und großen Schwächen zu lachen. Hnd weil er von sich selbst Abstand nehmen kann, lacht der Amerikaner über nichts so gern, als über sich selbst. Es braucht auch nicht etwa ein lautes Lachen zu fein, sondern meist ist es nur ein stilles Schmunzeln, ein herzliches Sich-Freuen, das er noch stundenlang herumträgt. In diesem Sinne er- zählt man sich die folgenden Begebenheiten:
Roosevelts Detektivgeschichte.
Präsident Roosevelt liest am liebsten Detektivromane. Er hat es selbst gestanden. Wenn er sein Tagespensum erledigt hat, sechzehn Stunden oder mehr an ununterbrochenen Konferenzen und anstrengendster Konzentrationsarbeit, dann versucht er, vor dem Einschlafen seine Gedanken durch eine spannende Detekttogesckichte abzulenken. Unb er liest sie nicht nur, er denkt sich sogar selbst neue aus. So schrieb er vor kurzem einem amerikani- schen Zeitungsmann, der unter dem Pseudonym Anthony Abbot viel gelesene „Sherlock-Holmes- Geschichten" veröffentlicht, er habe schon seit Iah- ren über die Lösung folgenden Problems nachge- dacht:
„Ein reicher Mann, der seiner erfolgreichen Laufbahn und seiner schmeichlerischen Freunde über- drüssig ist, will verschwinden, unb zwar so gründlich, daß man ihn tot glaubt — aber er will sein ganzes Geld mitnehmen. Das Problem ist nun: Wie kann er fünf Millionen Dollars baoontragen, bas meiste davon in verkäuflichen Aktien, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen?"
Präsident Roosevelt fügte hinzu, er habe nie eine zufriedenstellende Lösung finden können. In jeder auszudenkenden Methode fei am Ende doch irgendein Haken gewesen.
Besagter Zeitungsmann, der gleichzeitig Herausgeber des Magazins „Liberty“ ist, rief feine fähigsten Mitarbeiter zusammen. Bekannte Schriftsteller wie S. S. Van Dine und Rupert Hughes setzten sich hin, um eine Lösung auszuklügeln. Das „Liberty“-Magazin schrieb schließlich sogar Preise im Werte von 1250 Dollars für die besten Antworten aus. Im ganzen Lande zerbrach man sich daraufhin die Köpfe. Hnd alsbald fand ein schlauer Pankee das Ei des Kolumbus: „Wenn einer mit fünf Millionen Dollars spurlos verschwinden will, warum versteckt er sich nicht — im Bundesamt für Oefsentliche Arbeiten?^
Präsident Roosevelt soll über diese boshafte Antwort am allerherzlichsten gelacht haben.
Will Rogers und der König.
Will Rogers, Amerikas beliebter Humorist, der letztes Jahr mit dem Flieger Wiley Post tödlich verunglückte, erschien eines Tages am Tor des Buckingham-Palastes in London. „Ich bin Will Rogers und bin gekommen, um den König zu besuchen", soll er, beide Hände wie üblich in den Hosentaschen vergraben, dem Offizier, der Wache erzählt haben. „Sagen Sie ihm: als der Prinz von Wales in Amerika war, meinte er zu mir, ich solle seinen Alten mal aufsuchen — also, hier bin ich."
Was der Wachoffizier, der den nachlässig gekleideten Cowboy-Philosophen für einen Landstreicher hielt, nicht verstehen konnte, war, daß Will Rogers nicht nur sofort zur Audienz zugelasien wurde, sondern daß der König ihn sogar noch zum Mittagessen einlud.
Höhere Bildung.
Amerikanische Colleges und Unmerfitäten legen bekanntlich auf gute Fußballmannschaften großen Wert. Eine der führenden Mannschaften zu haben ist nicht nur Ehrensache, sondern bringt auch viel Geld ein. Gute Fußballspieler werden gewissermaßen herangezüchtet, und zwar lassen sich die wohlhabenden Alten Herren die sorgfältige Auswahl des sportlichen Nachwuchses besonders angelegen sein. Das geschieht im aUgemeinen so, daß |ie in den Schulen des ganzen Landes nach aussichtsreichen Jungen Ausschau halten. Haben sie ein solches Exemplar entdeckt, so bieten sie ihm oft freies Studium oder besorgen Dem jungen «Stuben- ten irgendeine Nebenbeschäftigung, die es ihm ermöglicht, die Kosten für sein Studium zu bestreiten. Der junge Fußballspieler ober Athlet erhält dann eine sorgfältige sportliche Ausbildung, worunter die liebe Wissenschaft naturgemäß oft leidet.
Zwei UniDerfitätsprofefforen unterhalte« sich
während eines großen Fußballwettkampfes, Professor A. sagt zu Professor B.: „Ich sehe, der Zilch spielt bei euch dieses Jahr. Der ist doch bei uns zweimal durchs Examen gefallen."
„Was?", sagt Professor B. „Das wundert mich. Bei uns hat er sich, wie Sie sehen, ausgezeichnet gemacht."
„Wie ist das möglich, der Mann hat doch von Chemie keine Ahnung?"
„Wir haben ihn einer Sonderprüfung unter« zogen."
„Ach so," meint Professor A., „Darf ich fragen, wie er die bestanden hat?"
„Aber gewiß", erwiderte B., „zuerst habe ich ihn gefragt: „Welche Farbe hat blaue Ditriolsäure?" Er antwortete: „Violett". Das war natürlich falsch. Dann habe ich ihn gefragt, ob er wisse, wie man Schwefelsäure macht. Er sagte nein: „Nein". Das war richtig, und so gratulierte ich ihm zum bestandenen Examen.
Wo der Spaß aufhört.
Natürlich hat aber alles seine Grenzen. Auch der amerikanische Humor hat seine. Ein solcher Grenzfall trat vor kurzem auf dem Bankett des Verbandes der Insektenpulverfabrikanten ein. Zum besseren Verständnis muß binzugefüqt werden, daß die amerikanischen Großstädte, trotz aller modernen Einrichtungen, mehr oder weniger stark unter Ungeziefer zu leiden haben. Besonders stark verbreitet ist die Wanze. Im allgemeinen klettert sie nicht hoher als bis zum zehnten Stock, aber kaum ein Gebäude bleibt von ihr verschont.
Der Vorsitzende der Insektenpulverfabrikanten hielt also in einem Neuyvrker Hotel vor versammelten Damen und Herren eine schwungvolle Rede, in d-r er die Verdienste seiner Branche pries. S->in Verband, erklärte er, sei vor 22 Jahren gegründet worden und habe seine Mitgliederzahl seither verfünfzehnfacht. Inzwischen sei aber auch das Insektenleben der Vereinigten Staaten um tausend Prozent gewachsen. Er gab dann aufschlußreiches statistisches Material und verstieg sich schließlich zu folgenden Sätzen: „Meine anwesenden Damen der Gesellschaft. Sie und die Bewohner der Mietskasernen haben oft ein gemeinsames Problem — Wanzen und Kakerlaken. Wanzen und Kakerlaken sind auf der „Mayflower" (berühmtes Einwandererschiff am Anfang jedes amerikanischen Stammbaums von Geltung) mit unseren besten Familien herüberge- kommen — und unsere besten Familien Haden sie noch."
An dieser Stelle wurde b^r Redner von einiaen Damen unterbrochen, die fluchtartig den Speisesaal verließen. Er wurde durch Zurufe gelungen.
der Rede eine andere Wendung zu geben, woraus hervorgeht, daß es Dinge gibt, wo eben auch der Amerikaner keinen Spaß mehr verträgt.
Kinderstube.
Drei Kinder. Zwei Jungen, dazwischen ein Mädchen. Vier, fünf und sechs Jahre, so geht die Reihe. Die Stube wird zum Karussell, zur Rutschbahn, zur Rummelbude und aum Schlachtfeld. Klingeln tönen, Kommandoworte springen auf, Angriffstrompeten schmettern, bann wieder Ringkämpferflüche und Siegesjubel. Dazwischen mit ihrem Puppenwagen, ganz kleinmütterchenhaft, das Mädchen. Manchmal wird es in den jungenwilden Strudel mit hineingerissen, muß sogar hier wie dort so etwas wie Krankenschwester spielen; dann wieder gibt es eine aufmerksame Zuschauerin ab. Das dauert nicht lange, manchmal nur einige Wimperschläge lang. Immer wieder steht sie, trotz Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft beim Iungenspiel, mit dem Rücken ganz dicht am Puppenwagen.
Ballt sich nun das Iungenspiel in einer Wolke von Rumoren, Donnern und Blitzen, dann kehrt das kleine Mädchen ganz selig zu seinen Puppenkindern zurück, baut sich, im Handumdrehen, eine fingerhutkleine Mutterwelt zurecht, rückt hier ein Kiffen, herzt dort ein Kind, nimmt es lange küssend in den Arm und spricht ein Wort. Man sieht es an den Lippen, verstehen kann man es nicht, denn der Männer- kampf ist zu heftig. Es kommt sehr oft vor, daß mitten durch den Jungenstreit eine kleine Stimme ein einfältiges Wiegenliedchen singt, immer wieder singt, manchmal lauter wird und (elig sich aussingt. Wie eine Lerche, die selbstvergessen ihre Melodien zwitschert, während unter ihr der Hund den Hasen hetzt. Unb dabei hat das kleine Ding, trotz ihrer Träumerei, viel Leichtsinn, viel Neckerei und Scherz in ihrem ganzen Spiel. Die kann sogar auftrumpfen.
Wenn im Iungenspiel eine schweratmende Paule eingetreten ist, bann fängt sie an zu bitten unb herz, lich zu betteln: „Ach, spielt doch mal mit mir! Mit meinen Kindern!" — Die Jungen tun bann meist schwerhörig. Das Mäbchen wirb bringenber: „Wer will ber Vater von meinen Kindern sein?" Die Jungen lächeln hämisch, so von oben herab, machen eine abwehrende Bewegung und sind schon wieder mit ihren Bleisoldaten in einer neuen Schlachtordnung.
Da, auf einmal, durch Trommeln und Pfeifenton, drängt sich bangend und weinerlich die kleine Mäd- chenstimme- .Ich habe doch solche schönen, lieben Kinder. Und keiner will der Vater fein!"
Max Jungnickel«


