Ausgabe 
8.2.1936
 
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erreicht. Das bedeutet die Förderung von 47 287 Mietwohnungen und 26 7 18 Einfamilienhäusern mit insgesamt 30390 Wohnungen. Der Gesamtbauwert ohne Grund und Boden beträgt rund 615 Millionen RM. Da ständig neue Anträge eingehen, ist mit einer weite­ren erfolgreichen Wirksamkeit der Reichsbürgschafts- mahnahmen zu rechnen.

©er Mord von ©avos

Der Sarg Gustloffs in der Davoser Kirche aufgebahrt.

Davos, 7. Febr. (DNB.) Der Sarg, der die sterbliche Hülle des ermordeten Landesgruppen­leiters Wilhelm Gustl off birgt, ist in die Davoser Kirche verbracht worden. Tag und Nacht halten die Politischen Leiter der Landes­gruppe und Angehörige der HI. die Totenwache. Ununterbrochen treffen Trauergäste in Davos ein. Der deutsche Gesandte in der Schweiz, Freiherr von Weizsäcker, der Amtsleiter der Aus­landsorganisation der NSDAP., Dr. K o d e r l e , sowie viele Vertreter der Schweizer Ortsgruppen sind schon anwesend, während Gauleiter Bohle Freitagabend erwartet wird. Die Trauerfeier findet am Samstag um 20.30 Uhr statt.

Während der sterbliche Leib des in treuer Pflicht­erfüllung auf vorgeschobenem Posten gefallenen Landesgruppenleiters in der Kirche der Trauer­feier und der Ueberführung in die deutsche Heimat harrt, laufen bei der Witwe des Ermor­deten und beiParteigenosfen, die Gust- lost nahestanden, zahlreiche Drohbriefe aus der Schweiz ein. In einem dieser Machwerke wird der jüdische Mörder sogar alsjugoslawischer Wil­helm Teil" gefeiert. Durch diefe schamlosen Be­drohungen verstärkt sich der Verdacht, daß Frank­furter Helfershelfer und Gesinnungs­genossen in der Schweiz hat und daß die Frage der Hintergründe der Tat noch sehr der Aufklärung bedarf. Uebrigens ist auch Gustloff selbst zu Leb­zeiten schon durch anonyme briefliche und telepho­nische Drohungen behelligt worden, aber er glaubte, über derartige Dinge hinwegsehen und sich in seiner Pflichterfüllung nicht beeinträchtigen lassen zu müssen.

Oie Strafanträge im Oevisenprozeß gegen die CanisiuS-Schwestern.

Berlin, 7. Febr. (DNB.) Vor dem Berliner Sondergericht stellte der Staatsanwalt in dem De­visenstrafverfahren gegen die Schwestern des Ca- nisius-Ordens aus Konstanz und Mainz und ihre Mitangeklagten, die mit dem ausländischen Mutter­haus dieses Ordens in Freiburg in der Schweiz in finanzieller Verbindung gestanden haben, die Straf­anträge. Sie lauteten gegen die Oberin Maria Breitner auf 5 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehr­verlust, 65 000 Mark Geldstrafe und 60 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen die Ordensschwester Fran­ziska S ch u tz b i e r auf 4 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrverlust, 80 000 Mark Geldstrafe und 130 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen Oberin Helene Deutsch auf 3 Jahre 2 Wochen Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 31000 Mark Geldstrafe und 35 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen die Ordens­schwester Elisabeth Gut auf 2 Jahre 2 Wochen Gefängnis, 20 500 Mark Geldstrafe und 25 000 Mark Ersatzeinziehung, gegen den Pilgerführer Jo­sef Romer auf 2V- Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 3600 Mark Geldstrafe und Ersatzein­ziehung in gleicher Höhe, sowie gegen den Baltha­sar Strobel auf 2 Jahre Zuchthaus, 2 Jahre Ehrverlust, 10 000 Mark Geldstrafe und 10 000 Mark Ersatzeinziehung. Gegen die übrigen fünf An­geklagten wurden Gefängnisstrafen bis zu 9 Mo­naten und in einem Falle eine Geldstrafe von 2000 Mark beantragt.

Kleine politische Nachrichten.

Der KreuzerKarlsruhe" ist auf seiner Welt­reise am Freitaamorgen in Hongkong eingelou- fen. Nach dem Salutaustausch stattete der Komman­dant die üblichen Besuche ab. Es sind zahlreiche Empfänge bei den englischen und deutschen Behörden vorgesehen. Die deutsche Kolonie und die Partei­stellen werden der Besatzung herzliche Gastgeber sein.

Das Artillerie - SchulschiffBrum- m e r" ist am Samstag um 8 Uhr mit einer feier­lichen Flaggenparade in Dienst gestellt wor­den. Kommandant desBrummer" ist Korvettenka­pitän vonBredow. *

Der polnische Ministerrat stimmte einem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Re­gierung für das Jahr 1936 zu, das einen Aufwand von 223 Millionen Zloty vorsieht.

Zehn Todesopfer haben Unruhen in Sy­rien verursacht. In Homs kamen drei Personen ums Leben, und mehrere Polizisten wurden verletzt. Auch in Damaskus fanden große Kundgebun­gen statt. Die Demonstranten wurden jedoch von der Polizei zerstreut, und der angebliche Rädels­führer, ein Dr. T s ch u t s ch a k o, wurde verhaftet.

Kunst und Wissenschaft.

Reichsfestspiele in Heidelberg.

Die Reichsfe st spiele in Heidelberg werden 1936 wiederum unter der Schirmherrschaft des Reichsminister für Dolksaufklärung und Pro- paganda, Dr. Goebbels durchgeführt. Sie bil­den einen Teil des großen olympischen Festspiel- Programms; bedeutende Bühnenkünstler werden mitwirken. Die Reichsfestspiele werden vom 11. Juli bis 31. August dauern. Zur Aufführung gelangen wiederumGötz von Berlichingen", fernerAgnes Bernauer" und ShakespearesKomödie der Ir­rungen".

Die Preußenhaus-Vibliothek jehl im Reichslags- Gebäude.

Die Bibliothek derStiftung Preu­ße n h a u s" in Berlin ist jetzt nach vollzogener Umsiedlung in das Reichstagsgebäude für die Oeffentlichkeit wieder zugänglich. Sieben Räume sind hier für die Bibliothek neu eingerichtet worden; zwei große Lesesäle bieten die Möglichkeit ZU vertief­tem Studium. Den Hauptbestandteil der Bücherei bilden Werke der Rechtslehre, der Staatswissenschaf­ten und der Geschichte. Außerdem enthält sie die vollständigen Parlamentsberichte Preußens und des Reiches, beginnend mit dem Bundestag des alten Reichstages und dem Preußischen Landtag von 1847. Die Leitung der Bibliothek liegt in den Händen von Direktor Dr. M e i tz e l. Mit der Er­öffnung der Bibliothek ist jetzt auch das Relchstags- gebäude zum Teil wieder für die Oeffentlichkeit zu­gänglich gemacht worden.

Der Prozeß gegen die Königsmörder von Marseille.

Oie Augenzeugen des Anschlags berichten. Oer jugoslawische Sicherheits­kommissar über die Arbeit der kroatischen Verschwörer.

Paris, 7. Febr. (DNB.) Im Prozeß gegen die Helfershelfer des Königsmörders begann das Schwurgericht in Aix mit der Zeugenvernehmung. General Georges, der damals mit König Alexander und Außenminister Barthou in dem- elben Wagen Platz genommen hatte und selbst chwer verwundet worden war, schilderte die Ein­zelheiten des Anschlages. Er selbst habe, als er sich auf den Mörder habe stürzen wollen, mehrere Re- volverkugeln in die Brust und die Hüfte erhalten. Nachdem er schon zusammengebrochen gewesen sei, habe der Mörder noch weiter auf ihn ge- ch o s s e n und ihn am Arm verletzt. Dann habe er die Besinnung verloren.

Oberstleutnant Priollet, der neben dem kö­niglichen Auto ritt und der mit seinem Säbel den Mörder tötete, erklärte, daß er, als er den Mör­der auf das Trittbrett des Wagens springen sah, zunächst geglaubt habe, es handele sich um einen Photographen. Als er jedoch die Revolverschüsse hörte und sah, wie der König zusammenbrach, habe er sich sofort herumgedreht und mit seinem alten Kavalleriesäbel, einem schweren Vorkriegsmodell, dem Mörder eine tiefe Wunde an der Stirn ge- chlagen. Der Kroate sei zusammengebrochen, nach­dem er noch einen letzten Schuß abgegeben habe, der jedoch den Wagen nur gestreift hätte.

Der Lenker des Kraftwagens sagte aus, er fei völlig überrascht gewesen, als er den Täter mit dem Revolver in der Hand auf den Wagen habe zulaufen sehen. Ein Versuch, ihn am Schießen zu hindern, sei mißglückt. Der Angeklagte P o s p i - schil warf ein:Alles dies betrifft mich gar nicht. Aber ich muß feststellen, daß der Wagenlenker nicht seine Pflicht getan hat. Ihm fehlte es an Kaltblütigkeit. Er hätte nur Gas zu geben brauchen, um den Anschlag zu verhindern."

Der Zeuge Simonowitsch, der oberste Leiter der jugoslawischen Sicherheitspolizei,

berichtet über den Eisenbahnanschlag im Jahre 1930 zwischen Agrom und Belgrad. Nach dem 5. Januar 1931 hätten die kroatischen Terroristen zahl­reiche Anschläge gegen öffentliche Ge­

bäude und Kasernen sowie gegen inter­nationale Züge verübt, die Jugoslawien durch­fuhren. Bei allen diesen Anschlägen seien zahlreiche Menschen, darunter Frauen und Kinder, ums Leben gekommen; auch mehrere Polizeibeamte seien ge­tötet oder verletzt worden. Die Le i t u n g aller dieser Anschläge hätten stets Pawelitsch und Per­zew i t s ch gehabt. Seit Beginn des Jahres 1933, so fuhr der Zeuge Simonowitsch fort, habe man mit den Anschlägen gegen den König, der die Einheit des serbisch-kroatischen Reiches geschaffen habe, begonnen. Man habe einen ersten Täter in Agram namens Peter Oreb bestimmt. Dieser Mord- anschlag sei mißglückt, da man Oreb rechtzeitig verhaften konnte.

Die Anstifter des Anschlages von Mar- seille seien Pawelitsch und Perzewitsch. Um nicht denselben Fehler zu begehen wie in Agram, seien zu diesem Anschlag ganz be­sonders erfahrene, mutige und kaltblütige Terroristen ausge- wählt worden. kalemen fei ein Ver­brecher, der schon mehrere Opfer in Bulgarien auf dem Gewisfen habe. Er sei sozusagen der Henker der llsta- f ch i. Pospischi sei ebenfalls ein Mann von großer Kaltblütigkeit, der gleichfalls mehrere Morde begangen habe, dar­unter an zwei Polizeibeamten in Agram. Er fei es auch, der alle Bomben zu Anschlägen gegen internationale Züge hergestellt habe. Kralj sei der Helfershelfer von Pospischil.

Der Angeklagte Posposchil erklärte darauf mit verkrampften Händen erbittert:Der Zeuge hat viele Dinge erzählt, die mir völlig unbe­kannt sind. In dem Lager in Janka Pußta haben wir uns nur mit landwirtschaftlichen Dingen be­schäftigt. Es sei allein die Angst, die die Serben verwirre und sie Schaufeln für Waffen ansehen lasse. Der zweite Angeklagte, Raitsch, sagte, daß für die gegen ihn erhobenen Anklagen jeglicher Be­weis fehle.

Aus aller Welt.

Gchuhmacherhandtverk und Volksgesundheit/'

Im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin wurde die AusstellungS ch u h m a ch e r h a n d- werk und Volksgesunohei t", die ein an­schauliches Bild von dem hohen Leistungsstand des deutschen orthopädischen und Maßschuhmacherhand­werks gibt, eröffnet. Unter den Gästen sah man Vertreter der Wehrmacht, der Versorgungsstellen, der Reichsbahn und der Reichspost, der SA., der SS., der NSV. und des Arbeitsdienstes, der Ver­sicherungsträger und der orthopädischen Wissen­schaft. Reichsinnungsmeister Heß wies auf die Aufgabe der Ausstellung hin, dem deutschen Volk die Bedeutung einer zweckentsprechenden Fußbeklei­dung vor Augen zu führen. Reichshandwerksmei­ster Schmidt beglückwünschte das Schuhmacher­handwerk zu der wohlgelungenen und lehrreichen Ausstellung und gab der Hofnung Ausdruck, daß Ausstellung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie bei der Verbraucherschaft insbesondere auch bei oas nötige Verständnis stoßen möge. Für das ortho­pädische Schuhmacherhandwerk kündigte er einen verschärften auf dem Grundsatz der Leistung be­ruhenden Befähigungsnachweis an. Auch Ministe­rialdirektor Dr. W i e n b e cf begrüßte die Ausstel­lung, die von dem Wollen des deutschen Schuh­macherhandwerks Zeugnis ablege. Im wohlverstan­denen Interesse des Volksganzen gelte es, dieses Handwerk zu fördern, das lange Zeit geradezu un­verantwortlich behandelt und übergangen worden fei. Durch eine Reihe von Fachvorträgen nam­hafter Orthopäden aus Wissenschaft und Praxis wurde die Bedeutung einer richtigen Fußbekleidung für die Volksgesundheit in eindringlicher Weise dargetan.

Seefeld leugnet noch immer.

Im Mordprozeß Seefeld wurde der Mord an dem 12jährigen Schüler Hans Neu­mann erörtert. Der Junge war mit Einwilligung der Eltern am 16. Februar im Auto mit einem Bekannten von Wismar nach Schwerin gefahren, um hier Verwandte zu besuchen. Mittags sollte er wieder auf dem Marktplatz sein, um die Rückfahrt anzutreten. Der Bekannte wartete aber vergeblich auf den Jungen; Hans Neumann blieb seit dieser Zeit verschwunden. Erst mehrere Monate später wurde die Leiche des Kindes von Such­hunden des Polizeipräsidiums Berlin in einer Kie­fernschonung aufgefunden. Diese Schonung ist von derjenigen, in der der eine Woche später ver­schwundene Heinz Zimmermann aufgefunden wurde, nur durch eine Schneise getrennt. Die Leiche des kleinen Neumann war ungefähr 40 Zentimeter tief in den Boden eingescharrt; auch sie lag in typi­scher Schlafstellung auf der linken Seite. Kampf­spuren konnten auch in diesem Falle am Tatort nicht festgestellt werden.

Der Vater des ermordeten Knaben wurde als erster Zeuge vernommen. Seefeld wurde bei den weiteren belastenden Zeugenaussagen sichtlich nervös. Er §and keine andere Antwort als feine ständige Redensart:Meine Person kommt nicht in Frage."

Vorsitzender: Seefeld, ich warne Sie. Nach meiner Ueberzeugung wird Ihnen Ihr Leugnen das Genick brechen. Der Zeuge kennt Sie doch feit vielen Jahren und hat Sie bestimmt wiedererkannt. Warum leugnen Sie denn jetzt? Der Zeuge wird es auf feinen Eid nehmen, daß er Sie gesehen hat. Ihre Derteidigungstaktik ist reiner Selbst­mord, Angeklagter."

Dann wurden die Vorgänge bei der Ver­haftung des Angeklagten erörtert. Es kommt dabei wieder die Rede auf das mit Menschen- b I u t durchtränkte Tuch, das sich im Ruck­sack des Angeklagten befand. Während Seefeld in der Voruntersuchung zugegeben hatte, daß er das Tuch als Unterlage bei feinen Reparaturarbeiten benutzte, widerrief er dies vor einigen Tagen in der Hauptverhandlung. Er erklärte, er kenne es überhaupt nicht und hatte niemals ein Tuch als

Unterlage benutzt. Er behauptet, daß ihm die Schwarze Hand" dieses Tuch in den Rucksack ge­steckt hätte.

Sodann schildert der Sachverständige Dr. Pfreimbter - Schwerin das Ergebnis des Ob­duktionsbefundes der Leichen Zimmer­manns und Neumanns. Zufammenfafsend er­klärt Dr. Pfreimbter, daß keine Anzeichen grober Gewaltanwendung feftgeftellt werden konnte. Eine Todesursache konnte nicht festgestellt werden.

Ein vannführer der HF. tödlich verunglückt.

Ein schweres Autounglück, dem ein blühen­des Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich unweit von Kottbus zwischen Molkwitz und Glin- zig. Ein Wagen aus Kriesch (Kreis Kottbus) fuhr aus bisher noch nicht geklärter Ursache mit voller Wucht gegen einen Chaufseebaum. Von den drei Insassen wurde der Bannführer des Ban­nes 52 der Kottbuser Hitlerjugend Horst W i l l e r t tödlich verletzt. Die beiden anderen Verunglück­ten, Siegfried D ö h n aus Krieschow und Joseph Raberger aus Frankfurt (Oder), die Gehirn­erschütterungen, Schädelbrüche und Knochenverletzun­gen erlitten hatten, wurden dem Kottbuser Kran­kenhaus zugeführt.

Schweres Brandunglück in Ostoberschlesien.

Ein schweres Brandunglück ereignete sich in einer der letzten Nächte in Ostoberschlesien. In einer Feldscheune zwischen Domb und Königshütte hatten mehrere Obdachlose für die Nacht Schutz gesucht. Durch unvorsichtiges Umgehen mit Streich­hölzern fingen die großen Strohvorräte Feuer und im nächsten Augenblick stand das Gebäude in Hellen Flammen. Die Königshütter Feuerwehr konnte nach schwerer Arbeit sechs Obdachlose aus ihrer entsetz­lichen Lage befreien. Vier von ihnen mußten mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus ge­schafft werden. Unter den Trümmern wurde die verkohlte Leiche eines weiteren Obdachlosen ge­funden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man bei den Aufräumungsarbeiten noch auf weitere Tote stößt.

wegen Mordes zum Tode verurteilt.

Das Schwurgericht in Nordhausen verurteilte den 21jährigen Werner Schuhmann aus Wettelrode wegen vorsätzlichen Mordes zum Tode. Der Angeklagte hatte am 31. Dezember 1935 den 60- jährigen Nachtwächter der Sangerhäuser Maschi­nenfabrik, Richard Helmbold, mit einem Beil erschlagen. Nach feinem Eingeständnis hatte sich Schußmann vorgenommen, einem Pförtner, mit dem er verfeindet war, und von dem er glaubte, daß er in der Silvesternacht Dienst hatte,eins ausmwischen". Gleichzeitig wollte er sich dann Geld verfchaffen, um Silvester feiern zu können. Der be­treffende Pförtner hatte aber gar keinen Dienst, sondern ließ sich durch Helmbold vertreten. Trotzdem griff Schußmann Helmbold an und tötete ihn durch mehrere Schläge mit einem Beil auf den Kopf.

Dreijähriges Kind tödlich verbrüht.

Ein tödlicher Unfall ereignete sich in Hennef- ©eiftingen bei Siegburg. Dort stürzte ein dreijäh­riger Junge in ein mit heißem Wasser gefülltes Ge­fäß und trug so schwere Verletzungen davon, daß er an anderen Tage starb.

Sechs Todesopfer eines nächtlichen Brandunglücks in Amsterdam.

Bei einem schweren Brande im ältesten Stadt­teil Amsterdams, am Dube Zyds Achterburgwall, kamen in der vergangenen Nacht sechs Personen, darunter vier Kinder, ums Leben. Vier weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Das Feuer war im ersten Stockwerk zweier inein­andergehender mittelalterlicher Gebäude ausgebro­chen und hatte die Treppen ergriffen. Die unglück­lichen Opfer des Brandes haben versucht, über den Dachboden zu entfommen. Das gelang ihnen jedoch nicht, und sie verbrannten bis zur Unkennt­lichkeit. Bisher war es noch nicht möglich, die Per­sönlichkeiten der Verunglückten festzustellen. Man muß annehmen, daß es sich um Angehörige einer Familie Vater, Mutter und vier Kinder han­

delt. Die Verletzten haben sich zum größten Teil ihre Verletzungen durch das Springen aus den oberen Stockwerken zugezogen.

Elternmord.

In Meolo (Venetien) hat sich ein blutiger Vor­fall zugetragen. Ein 32jähriger Bauernsohn hatte vergeblich versucht, seinen Vater zur Uebergabe des Häuschens, das dieser bewohnte, zu ver­anlassen. Nach einer heftigen Auseinandersetzung stürzte sich der Sohn auf feinen auf dem Felde ar­beitenden Vater, brachte ihm tödliche Kopfwun­den bei und erschlug dann feine Mutter mit der Axt. Auf die Hilferufe der bedrohten alten Leute war eine Ver w a ndte herbeigeeilt. Auch ie wurde durch einige Axthiebe getötet. Der Mörder zündete nun den H o f der Verwandten an, lief zum Hause seiner Schwiegereltern, stieß wilde Rufe aus, daß er auch diese umbringen wollte, fand sie aber nicht vor und setzte darauf einen Strohschuppen in Brand. Jetzt kehrte er in das Haus feiner Eltern zurück und überfiel dort feine Schwäge­rin, der es aber gelang, den Rasenden daran zu hindern, auch ihr den Todesstoß zu versetzen. Sie trug nur eine Wunde am Arm davon. In diesem Augenblick kamen ihr die Verfolger des Mörders zu Hilfe, so daß er überwältigt werden konnte. Der Vater starb noch auf dem Wege ins Kranken­haus. Schon vor Jahren war der Mörder von seinen Eltern wegen Gewalttätigkeiten und Bedro­hungen angezeigt worden.

Folgenschwere Explosion in einem spanischen Filmatelier.

In dem Filmatelier Orseo in Barcelona, wo zur Zeit der spanische FilmMaria de la Hoz" gedreht wird, ereignete sich eine schwere Explosion. Zwei Personen wurden getötet, eine andere lebensgefährlich verletzt. Das Filmatelier ist vollständig zerstört. Der Sachschaden soll sehr be­deutend sein.

Drei spanische Kinder von einem Lastkraftwagen überfahren.

In Palencia, nördlich von Valladolid in Spa­nien, fuhr ein Lastkraftwagen in eine Gruppe spie­lender Kinder. Drei Kinder wurden auf der Stelle getötet. Die Fußgänger gerieten darüber so in Erregung, daß sie den Fahrer lynchen wollten. Er wurde nur durch das rechtzeitige Eingreifen der Polizei vor dem Tode bewahrt.

Lrdverschiebungen

bei Grenoble zerstören ein ganzes Dorf.

Die Erdverschiebungen, die seit einigen Tagen in der Nähe von Dilliers bei Grenoble un­unterbrochen andauern, haben jetzt das Dorf Ba- ties des Fonts fast völlig vernichtet. Millionen Kubikmeter Erde wälzen sich langsam den Ufern des kleinen Flusses jju, der in unmittelbarer Nähe verläuft, und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Don 15 Häusern stehen nur noch zwei, die aber auch bereits schwer in Mitleidenschaft ge­zogen sind. Das ganze Dorf mußte von den Bewoh­nern verlassen werden. Die Bergung von fünf Fa­milien gestaltet sich außerordentlich schwierig, da die einzige Zufahrtsstraße durch Erdmassen verschüt- tet ist. Das Leben dieser Personen ist jedoch nicht gefährdet.

Ausbau des Wolfram-von-Eschenbach-Bundes.

Dieser Tage fand in Amorbach eine Sitzung des Wolfram-von-Efchenbach-Bundes statt, an der auch Regierungspräsident Gauleiter Dr. Hellmuth teilnahm. Als dringlichste Aufgabe bezeichnete Dr. Hellmuth, der Präsident des Bundes, die Werbung von Mitgliedern und Grün­dung von Ortsgruppen in allen größeren Städten. Als erstes Jahresprogramm der Tätigkeit des Bundes ist der Ausbau des Bergfriedes der Wil­de n b u r g bei Amorbach vorgesehen, der durch eine Treppenanlage befteigbar gemacht werden soll. Weiterhin ist die Abhaltung von Burgfeierstunden vorgesehen, mit deren Durchführung der Gauleiter die NS.-Kulturgemeinde beauftragt hat. Der Gau­leiter gedachte im besonderen des Fürsten Emich zu Leiningen als verdienten Mitarbeiters und Be­sitzers der Burg und überreichte ihm eine Urkunde, durch die der Fürst zum Ehrenpräsidenten des Bundes ernannt wird. Prof. Dr. Schenk verlas den Ent­wurf der Satzung. Ortsgruppen sind neben Amor­bach bereits in Würzburg und Frankfurt a. M. im Entstehen begriffen. Der Gauleiter sprach die Er­wartung aus, daß der Bund in Kürze auf einer breiten Basis stehe.

Wetterbenchi

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt

Infolge der vom Ostatlantik über Skandinavien hinwegführenden lebhaften Wirbeltätigkeit hat sich das Hochdruckgebiet abgeschwächt und feinen Kern von Nordskandinavien auf das Festland verlagert. Unter seinem Einfluß haben sich in Deutschland die Froste verschärft. Die über dem Baltikum ein­strömende Meeresluft wird durch die herrschende Nordostströmung auch zu uns verfrachtet und bringt Bewölkungszunahme und auch stärkere Fröste.

Aussichten für Sonntag: Dunstig und nebelig, starker Frost, in den Niederungen leich­ter Schneefall, leicht bewölkt, lebhafte nördliche Winde.

Aussichten für Montag: Frostzunahme.

Lufttemperaturen am 7. Februar: mittags0,2 Grad Celsius, abends2 Grad; am 8. Februar: morgens3,4 Grad. Maximum 0,7 Grad, Mini­mum heute nacht4,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Februar: abends 0,5 Grad; am 8 Februar: morgens 0,3 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 5,2 Stunden.

Wintersport-Wetternachrichten.

Vogelsberg Hoherodskopf: Heiter,11 Grad Celsius, 12 cm Gesamtschneehöhe, 1 cm Neu­schnee, Pulverschnee, Ski möglich, Rodel gut.

Rhön. Wasserkuppe: Heiter,9 Grad, 11 cm Gesamtschneehöhe, 1 cm Neuschnee, verweht, Ski und Rodel gut.

Sauerland. Winterberg: Bewölkt, 0 Grad, 20 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, Pulver­schnee, Ski mäßig, Rodel gut.

Schwarzwald. Feldverg: Heiter13 Grad, 82 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulver­schnee, Ski und Rodel sehr gut.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. 2). 21.1. 36: 11000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig