OerZahrestag des Abkommens von JRom.
BittereBetrachiungen der italienischen preffe über dieHaltung Krankreichs im Abessinienkonflikt
Fellaufkäufer in Buenos Aires niedergelassen habe. Neben seinem Fellhandel habe Herr Minkin jedoch eine ausgedehnte bolschewistische W e r b e t ä t i g k e i entfaltet. Da er damals seine Tätigkeit jedoch nicht unter dem kchutz der diplomatischen Immunität ausüben konnte, sei er aus der argentinischen Hauptstadt aus- gewiesen worden und habe sich darauf i n Montevideo niedergelassen. Mehrere Jahre habe es gedauert, bis Uruguay die Moskauer Regierung amtlich anerkannt habe, und Minkin, der inzwischen die südamerikanischen Verhältnisse recht eingehend kennengelernt habe, sei darauf von der Moskauer Regierung zu ihrem diploma- tischen Vertreter vorgeschlagen worden. An seinen Gewohnheiten habe Minkin jedoch nichts geändert, sondern er habe nun unter dem Schutz der diplomatischen Immunität seine Wühlereien in ganz Südamerika fortgesetzt.
Notwehr gegen internationale Friedensstörer.
Die Doppelzüngigkeit der Sowjets.
Genf, 7. Jan. (DNB.) Das „Journal de Geneve" schreibt u. a., die Sowjetregierung spekuliere mit ihrer Beschwerde über Uruguay auf die Kindlichkeit der Bürgerlichen. In den IV2 Jahren seit der Verwahrung der Schweiz, Hollands und Portugals gegen die Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund hätten die Ereignisse alle Befürchtungen bestätigt. Die Aufstandsoersuche in Brest und Toulon und der fehlgeschlagene Umsturz in Brasilien hätten schon manchem die Augen geöffnet. Die Doppelzüngigkeit des Sorvjetsystems ergebe sich unmittelbar aus der Vereinigung zweier Gewalten in einer einzigen Hand. Stalin beherrsche d i e Sowjetunion und die Dritte Interna t i-o n a l e. Die Sowjetunion gebe Versprechungen und die Dritte Internationale verletze sie. Wenn der Betrogene sich m Moskau beschwere, so erhalte er zur Antwort: „Meine rechte Hand weiß nicht, was meine linke tut." Das Vorgehen Uruguays sei ein Akt der Notwehr gegen einen Staat, der seine diplomatischen Vorrechte mißbrauche. Genau so habe die Schweiz im Herbst 1918 die nach Bern gekommene sogenannte „Handelsmission" ausweisen müssen. Der Bolschewismus schaffe überall Zellen. Diese seien dort am rührigsten, wo eine diplomatische Mission sie schütze und unterhalte. Moskau beschuldige Uruguay, damit die anderen nicht versucht seien, ebenso vorzugehen. Der Artikel schließt mit der Mahnung an die Schweizer Regierung, nun erst recht auf eine Anerkennung der Sowjets zu verzichten.
Streikunruhen in Buenos Aires.
Buenos Aires, 8. Jan. (DNB. Funkspr.) Zur Unterstützung des bereits zwei Monate andauernden Bergarbeiter st reiks war am Dienstag früh in Buenos Aires ein 24stündiger Generalstreik ausgerufen worden. Dieser Streik hat im Laufe des Tages eine Entwicklung genommen, die auf eine Einmischung trüber Elemente schließen läßt. Verschiedentlich kam es zu Schießereien, bei denen drei Polizeibeamte und zwei Zivilisten getötet sowie zahlreiche Personen verwundet wurden. Am Rande der Stadt übten die Streikenden eine G e - waltherrschaft aus, so daß die Polizei Maschinengewehrposten aufstellte. In anderen Stadtteilen ruhte jeder Verkehr; die Läden wurden teilweise gewaltsam geschlossen, in der Stadt Flores u. a. viele jüdische Geschäfte. Zwei Eisenbahn-Gesellschaften mußten den Perkehr streckenweise gänzlich einstellen, da das Personal streikte oder die Schienen aufriß, während an anderen Orten Eisenbahnwagen in Brand gesteckt wurden. In den Außenbezirken von Buenos Aires wurden zahlreiche Omnibusse, Straßenbahnwagen und Lastkraftwagen umAestürzt und verbrannt. An einer Stelle wurde auch eine Bombe geworfen. Im Inneren der Stadt herrschte dagegen völlige Ruhe bei starker Verkehrsbeschränkung und teilweisem Geschäftsschluß. So beurlaubten die meisten Banken ihre Angestellten kurz nach Mittag. Gegen Abend nahm der Verkehr in der Innenstadt wieder zu.
Der englische LusNayrtmimster für Aufrüstung
London, 8. Jan. (DNB. Funkspruch.) Luftfahrtminister Cunliffe-Lister, jetziger Lord Swinton, setzte sich auf der Konferenz der konservativen Universitätsoerbände in Cambridge nachdrücklich für eine weitgehende englische Aufrüstung ein. Wenn England stärker gewesen wäre, so erklärte er u. a., dann hätte es in den letzten vier Jahren bessere Aussichten gehabt, seine Abrüstungsoorschläge in Genf zurechtzusetzen. Als militärischer Minister wisse er, daß er nicht die geringste Hoffnung auf irgendeine Rüstungsbegrenzung habe, wenn die Länder nicht wüßten, daß man, wenn keine Begrenzung zustande käme, zum mindesten stark genug sein müßte, „um seine Rolle" zu spielen. Der Minister befürwortete eine enge Zusammenarbeit der drei militärischen Ministerien, erklärte aber, daß die Einsetzung eines übergeordneten Wehrministeriums undurchführbar sei. Die Aushebungen für inp britische Luftflotte seien in diesem Jahr sehr gut ausgefallen, eine gewaltige Anzahl von Fliegern habe sich gemeldet.
Spaltung
bei den englischen Konservativen.
London, 7. Jan. (DNB.) Der Vorsitzende der Konservativen Parteiorganisation im Wahlkreis Roß und Cromarty und sein Stellvertreter sind von ihren Posten zurückgetreten, da sie im Gegensatz zur Mehrheit der Organisation gewillt sind, die Kandidatur des Dominionministers Malcolm Mac- d 0 n a l d zu unterstützen. Der Verband hatte vor zwei Tagen beschlossen, Malcolm Macdonald als Kandidaten der nationalen Regierung abzulehnen und stattdessen den Sohn Winston Churchills Randolf Churchill, aufzustellen. Der junge Churchill, der zur Zeit in Marokko weilt, hat das Angebot angenommen. Durch den Rücktritt des Vorsitzender der konservativen Wahlkreisorganisation ist die Spaltung innerhalb der konservativen Partei offenkundig geworden. Dem Ausgang der Nachwahl wird daher mit größtem Interesse entgegengesehen.
Zwischenfall in Kairo.
Kairo, 7. Jan. (DNB.) Zwei britische Offiziere betraten nachts eine Gaststätte. Als sie das Lokal später wieder verließen, bemerkte ein Offizier, daß sich ein ägyptischer Straßenfeger an dem vor der Tür haltenden Kraftwagen zu schaffen machte. Nach einer anderen
Mailand, 8. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die norditalienische Presse gedenkt voll Bitterkeit und Enttäuschung des er st en Jahrestages der italienisch-französischen Freundschaftsabmachungen. „Gazzetta del Popolo" erinnert daran, daß Frankreich, das gerade auf kolonialem Gebiet eine weitgehende Zusammenarbeit mit Italien versprochen habe, heute unter den 52 Sanktionsstaaten zu finden sei. „Corriere della Sera" erinnert an Versailles, wo die französischen Politiker eifersüchtig darauf bedacht gewesen seien, Italien von der kolonialen Beute auszuschließen. Es sei zu befürchten, daß das Abenteuer der Sühnemaßnahmen für alle, einschließlich Frankreich schlecht ausgehen könne. Trotz aller Enttäuschungen halte Italien aber an den Abmachungen vom 7. Januar 1 935 f e st, es sei der Ansicht, daß die italienisch-französische Freundschaft eine Notwendigkeit und eine wesentliche Voraussetzung für den Wiederaufbau Europas sei. Diese Freundschaft, die in Italien niemand bedrohe, werde in Frankreich von den „italienfeindlichen Sekten" ernstlich beeinträchtigt. Um lebensfähig zu fein, dürften die italienisch-französischen Abmachungen nicht mit der Erinnerung an eine feierliche Unterschriftsleistung erledigt fein.
„Giornale d'Jtalia" sagt, das vor einem Jahr begonnene Werk fei gewaltsam zerschlagen worden Der Kolonialstreit in Ostafrika sei in geradezu widersinniger Form auf Europa übertragen worden. In einem Kampf von Belangen und Grundsätzen, in den der italienische Fall entstellt worden und untergangen sei, häuften sich jetzt die Gründe für einen neuen Krieg mit revolutionärem Hintergrund. Bei Abschluß der italienisch-französischen Verständigung seien die italienischen Belange in Nordafrika weitgehend den französischen geopfert worden. Es fei klar, daß für die von Italien gebrachten Opfer eine aktive Gegenleistung vorhanden sein müßte. Der Friede und die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Völkern hätten in der Tat zur Voraussetzung, daß ihre unmittelbar notwendigen Bedürfnisse zufriedengestellt werden. Zusammenarbeit sei nicht möglich, wenn sie auf unerträglichen Vorrechten der Großmächte aufgebaut fei. Die Befriedigung der verbrieften italienischen Interessen in Ostafrika fei vielmehr die Voraussetzung für die Zusammenarbeit Europas.
Die Regenzeit setzt schon ein.
Addis Abeba, 7. Jan. (DNB.) Die außerordentlich starken Regenfälle der letzten Tage haben jede Kampfhandlung an der Nordfront
Lesart soll der Arbeiter den Wagen durch Schmutzwasser verunreinigt haben. Der Offizier zog seinen Revolver und schoß auf den Straßenfeger, der schwer verletzt zusammenbrach. Rasch sammelte sich eine große Volksmenge an, die eine drohende Haltung gegen den Offizier einnahm, der sich die Angreifer mit der Schußwaffe vom Leibe hielt und wieder in das Lokal flüchtete. Einer Aufforderung der ägyptischen Polizei, zur Wache zu kommen, leistete der Offizier keine Folge. Schließlich wurde er durch britische Militärpolizei abgeführt.
Eine kostbare initte'alterliKe Handschrift kommt nach München. Mit Hilfe des Führers für die Bayerische Staatsbibliothek erworben.
München, 7. Jan. (DNB.) Der deutsche Gesandte in Wien von Papen überbrachte am Dienstag dem Führer und Reichskanzler die aus dem Stift Kremsmünster in Oberöfterreich angekaufte berühmte Handschrift des 14. Jahrhunderts des Heinrich van München. Die ausgezeichnet erhaltene Handschrift ist eine Reimchronik der Weltgeschichte von der Schöpfung bis in die Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern (1314 bis 1347). Sie ist versehen mit höchst wertvollen und einzigartigen Handzeichnungen.
Zum Erwerb dieser kostbaren Handschrift, die nun Eigentum der Bayerischen Staatsbibliothek geworden ist, hat der Führer einen wesentlichen Beitrag gestiftet, den Rest steuerten der bayerische Staat und die Bayerische Staatsbliblio- thek bei. Damit ist ein wertvolles Kulturdokument der großen deutschen Geschichte der näheren Forschung erschlossen worden. Dem Stift Krems- münfter gebührt besonderer Dank, daß es dieses die gemeinsame deutsche Geschichte betreffende Dokument nicht ausländischen Händen übergab, sondern dazu beitrug, die enge Verbundenheit der deutschen Kulturbeziehungen über die Grenzen hinweg zu bekunden.
Im Anschluß an die Uebergabe der Handschrift besichtigte der Führer unter Führung van Ministerialdirektor Buttmann die Bayerische Staatsbibliothek mit ihrem reichen Schatz wertvollster kulturhistorischer Handschriften, zu denen Geheimrat Dr. Leidinger erläuternde Ausführungen machte. In Begleitung des Führers waren u. a. Gesandter von Papen, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsstatthalter Ritter von Epp, Ministerpräsident Siebert, Gaukiter Wagner und Oberbürgermeister Fi eh l er.
Oie Zuständigkeit in der Wohlfahrtspflege.
Berlin, 7. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Arbeitsbereich des Reichsarbeitsministers und des Reichsministers des Innern neu geregelt. Danach bearbeitet der Reichsund Preußische A r b e i t 5 m i n i ft e r die Fragen der gehobenen Fürsorge (das ist die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, die Klein- und Sozialrentner), der Reichs- und Preußische Mini st er des Innern die allgemeinen Fragen der öffentlichen Fürsorge. Für die sreieWohl- fahrtspslege ist der Reichsminister des Innern zuständig, für die allgemeinen Fragen der Arbeitsfürsorge und für alle Sondermaßnahmen zugunsten der minderbemittelten Volksgenossen (z. B. für die Fettverbilligung, die Befreiung von Rundfunkgebühren u. a. m.) der Reichsarbeitsminister. In allen grundsätzlichen Angelegenheiten haben sich die Minister gegenseitig zu beteiligen
gegenwärtig unmöglich gemacht. Das seit sieben Tagen im abessinischen Hochland herrschende Regenwetter ist eine Erscheinung, wie sie seit 19 07 nicht mehr vorgekommen ist. Der Beginn der kleinen Regenzeit liegt sonst immer erst Mitte März. Die Italiener benutzen jede regenfreie Stunde, um die Beschießung der abessinischen Ortschaften an der Nordfront fortzufetzen. Insbesondere werden die Orte W 0 l k a i t und Kafta im Schire-Gebiet südlich des Stetitflusses unter Feuer genommen. Sechs italienische Flugzeuge belegten die Stadt Amba Bircuta mit Bomben, darunter auch Giftgasbomben. Bei dem Bombardement des ägyptischen Roten Kreuzes in Dagabur sind entgegen den früheren Meldungen 20 Personen verwundet worden. Die O g a d e n -P r 0 0 i n z ist von den Italienern vollständig geräumt worden. Die Frontlinie verläuft jetzt von Ual-Ual
über Gorlogubi, Gorahai, Cuban und bann direkt südlich nach Dolo. Südlich von Dolo setzen die Italiener ihre Truppenzusammenziehun- gen fort.
Eine italienische Alpendivision wird verschifft.
Rom, 7. Jan. (DNB.) Die Verschiffung der für die Somalifront bestimmten Schwarzhemdendivision „T e v e r e" ist beendet. Die Zeitungen berichten jetzt über die Ausreise der ersten großen Verbände der nach dem Pustertal benannten Alpendivision „Val Pu st er ia". Dienstagabend ging bereits der zweite Schub von Neapel in See. Der Generalstab der Division verließ am Montagabend Neapel. Die aus Alpenregimentern gebildete Division zählt über 12 000 Mann.
Die lmlilmscheii Abmachungen der Generalstäbe Frankreichs und Englands.
Umgriffene Meldungen über MobilmachungspSäne beider Länder.
P a r i 5 , 7. Jan. (DNB.) „New York Herald" behauptet, daß ein Plan für die Zusammenarbeit der englischen und französischen Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft vorliege. Beide Regierungen betonten, daß dieser Plan nicht ein Militärbündnis sei, sondern allein die logische Folge des Beistandes nach Artikel 16 Abs. 3 der Völkerbundssatzungen. Der Plan soll die sofortige Motilmachung. der Streitkräfte in beiden Ländern und die Benutzung französischer Läger, Flugplätze, Flotten st ützpunkte, Arsenale und Docks durch die britischen Streitkräfte vorsehen. Großbritannien würde den Flottenschutz der französischen Küsten und den Luftschutz einiger französischer Industrie- Zentren übernehmen und, wenn nötig, sogar englische motorisierte Truppen hinter den Stellungen und Festungen der französischen Südost grenze einsetzen.
Reuter berichtet, daß in französischen amtlichen Kreisen die sensationellen Berichte amerikanischer Zeitungen als „p h a n t a st i s ch" bezeichnet werden, besonders die Behauptung, daß der Plan für den Fall eines italienischen Angriffes die Entsendung britischer mechanisierter Truppen nach Frankreich vorsehe. Alle Einzelheiten der Besprechungen seien streng geheimgehalten worden. Die Ergebnisse würden von beiden
Regierungen als befriedigend angesehen. Seit der Rückkehr der beiden Vertreter des Kriebsministeri- ums nach London am 11. Dezember hätten keine weiteren Besprechungen stattgefunden, lieber die technischen Vereinbarungen gegenseitiger Unterstützung werde nichts mitgeteilt werden, sie feien ein Geheimdokument, das zu veröffentlichen nicht im Interesse der beiden Länder liege. Amtliche Berichte betonen jedoch ausdrücklich, daß die Vereinbarungen für eine gegenseitige Unterstützung lediglich ad hoc getroffen wurden und sich einzig und allein auf die gegenwärtige Krise beziehen.
Der französische Generalissimus Gamelin wohnte in Nizza einer Gefechtsübung des 22. Alpenjägerbataillons bei, die in Gegenwart des Befehlshabers des 15. Armeekorps, General M 0 yrand , und der Generäle des Festungsfektors der Südostgrenze sowie sämtlicher höherer Offiziere der 29. Infanteriedivision stattfand. Am Mittwoch wird General Gamelin mit dem Befehlshaber des Armeekorps eine Befichtiaungsreife in das französisch- italienische Grenzgebiet unternehmen. Anschließend wird er auch die Truppen des Standortes Marseille besuchen, um dann nach Paris zurückzukehren.
Amerikas Kreditpolitik und der Weltkrieg.
Oas Bankhaus Morgan und die Alliierten.
Washington, 7. Jan. (DNB.) Der Ausschuß des Senats zur Rüstungsunterfuchung ist lieber zusammengetreten. Dienstag haben I. P. Morgan sowie seine Teilhaber Thomas Lamont und Georges Whitney über die Rolle der Firma Morgan bei dem Eintritt Amerikas in den Weltkrieg Aussagen gemacht. I. P. Morgan sagte aus, daß sein Bankgeschäft den Alliierten im Jahre 1915 Darlehen gewährt habe, nachdem Präsident Wilson seine Einwilligung dazu erteilt hätte. Obwohl Morgan behauptet, daß die „deutschen Handlungen" und nicht die internationalen Geldgeschäfte Amerika in den Weltkrieg hineingezogen hätten, erklärte er, daß die Sympathien feiner Firma von Anfang an auf Seiten der Alliierten gewesen seien.
Kabeltelegramme aus dem Archiv der Morgan- bank ergaben, daß kaum drei Tage nach Frankreichs Kriegseintritt Frankreich bei Morgan und Kompagnon wegen einer Anleihe oder eines Handelskredits angefragt habe. Aussagen und Schriftwechsel ergaben, daß das Staatsdepartement unter William Bryan dies mißbilligt habe. PräsidentWilson änderte jedoch die Lage, indem er einen weitgehenden Unterschied machte und „Kredite" gestattete, aber ein Anleiheverbot beibehielt. Die Mitglieder des Ausschusses kamen zu der Ansicht, daß die Wirkung von Anleihen und Krediten für alle praktischen Zwecke dieselbe sei. Morgan erklärte weiter, wenn die Regierung ihre Politik änderte, änderten wir die unsrige.
Aus der Verhandlung ging weiter hervor, daß die Aenderung der Wilsonschen Politik in einem Geheimschreiben des damaligen Anwalts des Staatsdepartements Lansing vom 23. Oktober 1914 dargelegt wurde In diesem heißt es, daß Wilson die Beseitigung der „Hindernisse" g u t- geheißen habe, auf die Morgan und andere Bankiers bei ihren Geldgeschäften mit den Alliier
ten gestoßen seien. Lansing erklärte in dem Geheimschreiben, daß er bei der Unterhaltung mit dem Präsidenten den Eindruck gewonnen habe, daß, da der Handel mit den K r i e g f ü h r e n d e n gesetzlich erlaubt und angemessen fei, Hindernisse, wie Einmischung in Kreditabkommen ober erleichterte Devisenmethoden beseitigt werden sollten.
Die Verhandlungen ergaben weiter, daß Bryans Gegnerschaft gegen die Gewährung von Krediten in einem Schreiben vom 10. August 1914 an Wilson zum Ausdruck gekommen sei, in dem Bryan erklärte: Wir sind die einzige große Nation, die in den Krieg nicht verwickelt ist, und unsere Weigerung, irgendeinem der Kriegführenden Gelder zu leihen, würde das Kriegsende beschleunigen.
Ein republikanisches Mitglied des Untersuchungsausschusses erklärte, daß die frühzeitige Freundschaft Morgans für die Alliierten d i e Neutralitätspolitik Wilf 0 ns verletzt habe. Morgan erwiderte hierauf, daß die Neutralitätsfrage Sache der Regierung gewesen sei, m?t der die Bankiers nichts zu tun gehabt hätten.
Der Hauptanwalt des Senatsausfchuffes, Rau- fhenbufh, versuchte nachzuweifen, daß Morgan & Co. nicht alle angeforderten Urkunden ausgeliefert hätten. Demgegenüber erklärte einer der Teilhaber Morgans, Whitney, daß alle ange« forderten Schriftstücke unterbreitet worden wären, wenn man sie hätte finden können. Einige seien jedoch verloren gegangen. Morgan gab die Aktiven seiner Firma am 31. Dezember 1935 mit 537,944 Millionen Dollar an, behauptete aber auf die Frage des Ausschußvorsitzenden, daß er sich der Höhe der Aktiven bei Kriegsanfang 1914 nicht entsinnen könne. Er werde darüber später Mitteilung machen.
Die Inbetriebnahme des neuen Opelwerks in Brandenburg.
Brandenburg, 7. Jan. (DNB.) In Brandenburg a. d. Havel wurde durch den Reichsverkehrs- minifter, Freiherrn von Eltz-Rübenach, das neue große Opelwerk in Betrieb gesetzt. Inmitten der großen Arbeitshalle begrüßte der Be- lriebsführer der Adam Opel AG., Dr. R. Fleischer, umgeben von den 800 Gefolgschaftsmitgliedern der neuen Fabrik, den Reichsverkehrsminifter, den Führer des deutschen Motorsports, Korpsführer Hühnlein, und viele andere Gäste.
Äeichsverkehrsminister Frhr. von Eltz-Mbenach
führte dann u. a. aus: Wenn ein neues Werk wie dieses entstanden ist und des Augenblickes harrt, in dem die Arbeit beginnen soll, wer wollte da nicht in seinem Herzen wünschen: Gott mit euch! Möge hier Segen wachsen für das ganze deutsche Volk, für feine Wirtschaft und Wehrkraft und für alle die Familien, die aus dieser Arbeit hier das Brot für sich und ihre Kinder erwerben wollen. Der alte Herr Geheimrat von Opel, der wegen Krankheit heute leider nicht hier sein kann und dem wir alle von Herzen gute Besserung wün
schen, wird sicher seinen Blick nicht ohne Bewegung über die 7 5 Jahre gleiten lassen, die seit dem Tage vergangen sind, an dem sein Vater nach Rüsselsheim kam und dort eine Nähmaschine baute, bis zur Gegenwart, ^nr wenigen Tagen haben Sie erlebt, daß in Ihren Werken der 1 0 0 0 0 0. Wagen der Jahresproduktion 19 3 5 vom Montageband lief. 240 000 Automobile wurden im Jahre 1935 insgesamt in Deutschland gebaut. 100 000, d. s. 40 v.H., tragen also die Marke Opel! Wenn man den Preis dieser 240 000 Fahrzeuge betrachtet, dann entfällt allerdings auf Opel ein sehr viel kleinerer Anteil. Daraus ergibt sich der Charakter der Werke: Mafsenfabrikation, billige Personen- und Lastkraftwagen.
Massenproduktion! Billige Ware! Waren das nicht Worte, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit einen schlechten Klang hatten? Massenware, Schund, Schleuderkonkurrenz! Daß das nicht mehr so ist, daß diese billige Massenproduktion vorzügliche, schnelle, dauerhafte Wagen hervorbrinA die sich sogar auf schwierigen Geländefahrten glänzend bewährt haben, das dankt die deutsche Motorisierung den Opel-Werken. Und auch das dankt sie ihnen: Daß sie den Beweis erbracht haben, daß ein


