Ausgabe 
8.1.1936
 
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OerZahrestag des Abkommens von JRom.

BittereBetrachiungen der italienischen preffe über dieHaltung Krankreichs im Abessinienkonflikt

Fellaufkäufer in Buenos Aires nie­dergelassen habe. Neben seinem Fellhandel habe Herr Minkin jedoch eine ausgedehnte bolschewistische W e r b e t ä t i g k e i entfaltet. Da er damals seine Tätigkeit jedoch nicht unter dem kchutz der diplomatischen Immunität ausüben konnte, sei er aus der argentinischen Hauptstadt aus- gewiesen worden und habe sich darauf i n Montevideo niedergelassen. Mehrere Jahre habe es gedauert, bis Uruguay die Moskauer Regie­rung amtlich anerkannt habe, und Minkin, der inzwischen die südamerikanischen Verhältnisse recht eingehend kennengelernt habe, sei darauf von der Moskauer Regierung zu ihrem diploma- tischen Vertreter vorgeschlagen worden. An seinen Gewohnheiten habe Minkin jedoch nichts ge­ändert, sondern er habe nun unter dem Schutz der diplomatischen Immunität seine Wühlereien in ganz Südamerika fortgesetzt.

Notwehr gegen internationale Friedensstörer.

Die Doppelzüngigkeit der Sowjets.

Genf, 7. Jan. (DNB.) DasJournal de Geneve" schreibt u. a., die Sowjetregierung speku­liere mit ihrer Beschwerde über Uruguay auf die Kindlichkeit der Bürgerlichen. In den IV2 Jahren seit der Verwahrung der Schweiz, Hollands und Portugals gegen die Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund hätten die Ereignisse alle Be­fürchtungen bestätigt. Die Aufstandsoer­suche in Brest und Toulon und der fehlgeschlagene Umsturz in Brasilien hätten schon manchem die Augen geöffnet. Die Doppelzüngigkeit des Sorvjetsystems ergebe sich unmittelbar aus der Vereinigung zweier Gewalten in einer einzigen Hand. Stalin beherrsche d i e Sowjetunion und die Dritte Inter­na t i-o n a l e. Die Sowjetunion gebe Versprechun­gen und die Dritte Internationale verletze sie. Wenn der Betrogene sich m Moskau beschwere, so erhalte er zur Antwort:Meine rechte Hand weiß nicht, was meine linke tut." Das Vorgehen Uruguays sei ein Akt der Notwehr gegen einen Staat, der seine diplomatischen Vorrechte mißbrauche. Genau so habe die Schweiz im Herbst 1918 die nach Bern gekommene sogenannteHandelsmission" ausweisen müssen. Der Bolschewismus schaffe über­all Zellen. Diese seien dort am rührigsten, wo eine diplomatische Mission sie schütze und unterhalte. Moskau beschuldige Uruguay, da­mit die anderen nicht versucht seien, ebenso vorzu­gehen. Der Artikel schließt mit der Mahnung an die Schweizer Regierung, nun erst recht auf eine An­erkennung der Sowjets zu verzichten.

Streikunruhen in Buenos Aires.

Buenos Aires, 8. Jan. (DNB. Funkspr.) Zur Unterstützung des bereits zwei Monate an­dauernden Bergarbeiter st reiks war am Dienstag früh in Buenos Aires ein 24stündi­ger Generalstreik ausgerufen worden. Dieser Streik hat im Laufe des Tages eine Entwicklung genommen, die auf eine Einmischung trüber Elemente schließen läßt. Verschiedentlich kam es zu Schießereien, bei denen drei Poli­zeibeamte und zwei Zivilisten getötet sowie zahlreiche Personen verwundet wurden. Am Rande der Stadt übten die Streikenden eine G e - waltherrschaft aus, so daß die Polizei Ma­schinengewehrposten aufstellte. In anderen Stadt­teilen ruhte jeder Verkehr; die Läden wur­den teilweise gewaltsam geschlossen, in der Stadt Flores u. a. viele jüdische Geschäfte. Zwei Eisen­bahn-Gesellschaften mußten den Perkehr strecken­weise gänzlich einstellen, da das Personal streikte oder die Schienen aufriß, während an anderen Orten Eisenbahnwagen in Brand gesteckt wurden. In den Außenbezirken von Buenos Aires wurden zahlreiche Omnibusse, Straßenbahnwagen und Last­kraftwagen umAestürzt und verbrannt. An einer Stelle wurde auch eine Bombe geworfen. Im Inneren der Stadt herrschte dagegen völlige Ruhe bei starker Verkehrsbeschränkung und teilweisem Geschäftsschluß. So beurlaubten die meisten Banken ihre Angestellten kurz nach Mittag. Gegen Abend nahm der Verkehr in der Innenstadt wieder zu.

Der englische LusNayrtmimster für Aufrüstung

London, 8. Jan. (DNB. Funkspruch.) Luft­fahrtminister Cunliffe-Lister, jetziger Lord Swinton, setzte sich auf der Konferenz der konser­vativen Universitätsoerbände in Cambridge nach­drücklich für eine weitgehende englische Aufrüstung ein. Wenn England stärker ge­wesen wäre, so erklärte er u. a., dann hätte es in den letzten vier Jahren bessere Aussichten gehabt, seine Abrüstungsoorschläge in Genf zurechtzusetzen. Als militärischer Minister wisse er, daß er nicht die geringste Hoffnung auf irgendeine Rüstungsbegrenzung habe, wenn die Länder nicht wüßten, daß man, wenn keine Begrenzung zu­stande käme, zum mindesten stark genug sein müßte,um seine Rolle" zu spielen. Der Minister befürwortete eine enge Zusammen­arbeit der drei militärischen Ministerien, erklärte aber, daß die Einsetzung eines übergeordneten Wehrministeriums undurchführbar sei. Die Aus­hebungen für inp britische Luftflotte seien in die­sem Jahr sehr gut ausgefallen, eine gewaltige An­zahl von Fliegern habe sich gemeldet.

Spaltung

bei den englischen Konservativen.

London, 7. Jan. (DNB.) Der Vorsitzende der Konservativen Parteiorganisation im Wahlkreis Roß und Cromarty und sein Stellvertreter sind von ihren Posten zurückgetreten, da sie im Gegensatz zur Mehrheit der Organisation gewillt sind, die Kandi­datur des Dominionministers Malcolm Mac- d 0 n a l d zu unterstützen. Der Verband hatte vor zwei Tagen beschlossen, Malcolm Macdonald als Kandidaten der nationalen Regierung abzuleh­nen und stattdessen den Sohn Winston Churchills Randolf Churchill, aufzustellen. Der junge Churchill, der zur Zeit in Marokko weilt, hat das Angebot angenommen. Durch den Rücktritt des Vorsitzender der konservativen Wahlkreisorganisa­tion ist die Spaltung innerhalb der konservativen Partei offenkundig geworden. Dem Ausgang der Nachwahl wird daher mit größtem Interesse ent­gegengesehen.

Zwischenfall in Kairo.

Kairo, 7. Jan. (DNB.) Zwei britische Offiziere betraten nachts eine Gaststätte. Als sie das Lokal später wieder verließen, bemerkte ein Offizier, daß sich ein ägyptischer Straßen­feger an dem vor der Tür haltenden Kraft­wagen zu schaffen machte. Nach einer anderen

Mailand, 8. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die norditalienische Presse gedenkt voll Bitterkeit und Enttäuschung des er st en Jahrestages der italienisch-französischen Freund­schaftsabmachungen.Gazzetta del Popolo" erinnert daran, daß Frankreich, das gerade auf kolonialem Gebiet eine weitgehende Zusammenarbeit mit Italien versprochen habe, heute unter den 52 Sanktionsstaaten zu finden sei.Corriere della Sera" erinnert an Versailles, wo die französischen Politiker eifer­süchtig darauf bedacht gewesen seien, Italien von der kolonialen Beute auszuschlie­ßen. Es sei zu befürchten, daß das Abenteuer der Sühnemaßnahmen für alle, einschließlich Frankreich schlecht ausgehen könne. Trotz aller Enttäuschungen halte Italien aber an den Abmachun­gen vom 7. Januar 1 935 f e st, es sei der Ansicht, daß die italienisch-französische Freundschaft eine Notwendigkeit und eine wesentliche Voraus­setzung für den Wiederaufbau Europas sei. Diese Freundschaft, die in Italien niemand bedrohe, werde in Frankreich von denitalienfeindlichen Sekten" ernstlich beeinträchtigt. Um lebensfähig zu fein, dürften die italienisch-französischen Abmachun­gen nicht mit der Erinnerung an eine feierliche Unterschriftsleistung erledigt fein.

Giornale d'Jtalia" sagt, das vor einem Jahr begonnene Werk fei gewaltsam zerschlagen worden Der Kolonialstreit in Ostafrika sei in ge­radezu widersinniger Form auf Europa über­tragen worden. In einem Kampf von Belangen und Grundsätzen, in den der italienische Fall ent­stellt worden und untergangen sei, häuften sich jetzt die Gründe für einen neuen Krieg mit revolutionärem Hintergrund. Bei Abschluß der italienisch-französischen Verständigung seien die italienischen Belange in Nordafrika weitgehend den französischen geopfert worden. Es fei klar, daß für die von Italien gebrachten Opfer eine aktive Gegenleistung vorhanden sein müßte. Der Friede und die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Völkern hätten in der Tat zur Voraussetzung, daß ihre unmittel­bar notwendigen Bedürfnisse zufrie­dengestellt werden. Zusammenarbeit sei nicht möglich, wenn sie auf unerträglichen Vorrechten der Großmächte aufgebaut fei. Die Befriedigung der verbrieften italienischen Interessen in Ostafrika fei vielmehr die Voraussetzung für die Zusammen­arbeit Europas.

Die Regenzeit setzt schon ein.

Addis Abeba, 7. Jan. (DNB.) Die außer­ordentlich starken Regenfälle der letzten Tage haben jede Kampfhandlung an der Nordfront

Lesart soll der Arbeiter den Wagen durch Schmutz­wasser verunreinigt haben. Der Offizier zog seinen Revolver und schoß auf den Straßenfeger, der schwer verletzt zusammenbrach. Rasch sammelte sich eine große Volksmenge an, die eine drohende Haltung gegen den Offizier ein­nahm, der sich die Angreifer mit der Schußwaffe vom Leibe hielt und wieder in das Lokal flüchtete. Einer Aufforderung der ägyptischen Polizei, zur Wache zu kommen, leistete der Offizier keine Folge. Schließlich wurde er durch britische Militärpolizei abgeführt.

Eine kostbare initte'alterliKe Handschrift kommt nach München. Mit Hilfe des Führers für die Bayerische Staatsbibliothek erworben.

München, 7. Jan. (DNB.) Der deutsche Ge­sandte in Wien von Papen überbrachte am Dienstag dem Führer und Reichskanzler die aus dem Stift Kremsmünster in Ober­öfterreich angekaufte berühmte Handschrift des 14. Jahrhunderts des Heinrich van München. Die ausgezeichnet erhaltene Handschrift ist eine Reim­chronik der Weltgeschichte von der Schöpfung bis in die Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern (1314 bis 1347). Sie ist versehen mit höchst wertvollen und einzigartigen Handzeichnungen.

Zum Erwerb dieser kostbaren Handschrift, die nun Eigentum der Bayerischen Staats­bibliothek geworden ist, hat der Führer einen wesentlichen Beitrag gestiftet, den Rest steuerten der bayerische Staat und die Bayerische Staatsbliblio- thek bei. Damit ist ein wertvolles Kulturdokument der großen deutschen Geschichte der näheren For­schung erschlossen worden. Dem Stift Krems- münfter gebührt besonderer Dank, daß es dieses die gemeinsame deutsche Geschichte betreffende Dokument nicht ausländischen Händen übergab, sondern dazu beitrug, die enge Verbun­denheit der deutschen Kulturbeziehungen über die Grenzen hinweg zu bekunden.

Im Anschluß an die Uebergabe der Handschrift besichtigte der Führer unter Führung van Ministerialdirektor Buttmann die Bayerische Staatsbibliothek mit ihrem reichen Schatz wertvollster kulturhistorischer Handschriften, zu denen Geheimrat Dr. Leidinger erläuternde Ausführungen machte. In Begleitung des Führers waren u. a. Gesandter von Papen, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsstatthalter Ritter von Epp, Ministerpräsident Siebert, Gaukiter Wagner und Oberbürgermeister Fi eh l er.

Oie Zuständigkeit in der Wohlfahrtspflege.

Berlin, 7. Jan. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Arbeitsbereich des Reichs­arbeitsministers und des Reichsministers des In­nern neu geregelt. Danach bearbeitet der Reichs­und Preußische A r b e i t 5 m i n i ft e r die Fragen der gehobenen Fürsorge (das ist die Für­sorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter­bliebenen, die Klein- und Sozialrentner), der Reichs- und Preußische Mini st er des In­nern die allgemeinen Fragen der öf­fentlichen Fürsorge. Für die sreieWohl- fahrtspslege ist der Reichsminister des Innern zuständig, für die allgemeinen Fragen der Ar­beitsfürsorge und für alle Sondermaßnah­men zugunsten der minderbemittelten Volksgenossen (z. B. für die Fettverbilligung, die Befreiung von Rundfunkgebühren u. a. m.) der Reichsarbeitsminister. In allen grundsätzlichen An­gelegenheiten haben sich die Minister gegenseitig zu beteiligen

gegenwärtig unmöglich gemacht. Das seit sieben Tagen im abessinischen Hochland herrschende Regen­wetter ist eine Erscheinung, wie sie seit 19 07 nicht mehr vorgekommen ist. Der Beginn der kleinen Regenzeit liegt sonst immer erst Mitte März. Die Italiener benutzen jede regenfreie Stunde, um die Beschießung der abessinischen Ort­schaften an der Nordfront fortzufetzen. Insbesondere werden die Orte W 0 l k a i t und Kafta im Schire-Gebiet südlich des Stetitflusses unter Feuer genommen. Sechs italienische Flugzeuge belegten die Stadt Amba Bircuta mit Bomben, dar­unter auch Giftgasbomben. Bei dem Bombardement des ägyptischen Roten Kreuzes in Dagabur sind ent­gegen den früheren Meldungen 20 Personen ver­wundet worden. Die O g a d e n -P r 0 0 i n z ist von den Italienern vollständig geräumt worden. Die Frontlinie verläuft jetzt von Ual-Ual

über Gorlogubi, Gorahai, Cuban und bann direkt südlich nach Dolo. Südlich von Dolo setzen die Italiener ihre Truppenzusammenziehun- gen fort.

Eine italienische Alpendivision wird verschifft.

Rom, 7. Jan. (DNB.) Die Verschiffung der für die Somalifront bestimmten Schwarzhemden­divisionT e v e r e" ist beendet. Die Zeitungen berichten jetzt über die Ausreise der ersten großen Verbände der nach dem Pustertal benannten AlpendivisionVal Pu st er ia". Dienstag­abend ging bereits der zweite Schub von Neapel in See. Der Generalstab der Division verließ am Mon­tagabend Neapel. Die aus Alpenregimentern gebil­dete Division zählt über 12 000 Mann.

Die lmlilmscheii Abmachungen der Generalstäbe Frankreichs und Englands.

Umgriffene Meldungen über MobilmachungspSäne beider Länder.

P a r i 5 , 7. Jan. (DNB.)New York Herald" be­hauptet, daß ein Plan für die Zusammenarbeit der englischen und französischen Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft vorliege. Beide Regie­rungen betonten, daß dieser Plan nicht ein Militär­bündnis sei, sondern allein die logische Folge des Beistandes nach Artikel 16 Abs. 3 der Völkerbunds­satzungen. Der Plan soll die sofortige Motilmachung. der Streitkräfte in beiden Ländern und die Be­nutzung französischer Läger, Flug­plätze, Flotten st ützpunkte, Arsenale und Docks durch die britischen Streitkräfte vor­sehen. Großbritannien würde den Flottenschutz der französischen Küsten und den Luft­schutz einiger französischer Industrie- Zentren übernehmen und, wenn nötig, sogar englische motorisierte Truppen hinter den Stellungen und Festungen der französi­schen Südost grenze einsetzen.

Reuter berichtet, daß in französischen amtlichen Kreisen die sensationellen Berichte amerikanischer Zeitungen alsp h a n t a st i s ch" bezeichnet werden, besonders die Behauptung, daß der Plan für den Fall eines italienischen Angriffes die Entsen­dung britischer mechanisierter Trup­pen nach Frankreich vorsehe. Alle Einzelheiten der Besprechungen seien streng geheimgehal­ten worden. Die Ergebnisse würden von beiden

Regierungen als befriedigend angesehen. Seit der Rückkehr der beiden Vertreter des Kriebsministeri- ums nach London am 11. Dezember hätten keine weiteren Besprechungen stattgefunden, lieber die technischen Vereinbarungen gegenseitiger Unter­stützung werde nichts mitgeteilt werden, sie feien ein Geheimdokument, das zu veröffentlichen nicht im Interesse der beiden Länder liege. Amtliche Berichte betonen jedoch ausdrücklich, daß die Vereinbarungen für eine gegenseitige Unterstützung lediglich ad hoc getroffen wurden und sich einzig und allein auf die gegenwärtige Krise be­ziehen.

Der französische Generalissimus Gamelin wohnte in Nizza einer Gefechtsübung des 22. Alpenjäger­bataillons bei, die in Gegenwart des Befehlshabers des 15. Armeekorps, General M 0 yrand , und der Generäle des Festungsfektors der Südostgrenze sowie sämtlicher höherer Offiziere der 29. Infanterie­division stattfand. Am Mittwoch wird General Ga­melin mit dem Befehlshaber des Armeekorps eine Befichtiaungsreife in das französisch- italienische Grenzgebiet unternehmen. Anschließend wird er auch die Truppen des Stand­ortes Marseille besuchen, um dann nach Paris zurückzukehren.

Amerikas Kreditpolitik und der Weltkrieg.

Oas Bankhaus Morgan und die Alliierten.

Washington, 7. Jan. (DNB.) Der Ausschuß des Senats zur Rüstungsunterfuchung ist lieber zusammengetreten. Dienstag haben I. P. Mor­gan sowie seine Teilhaber Thomas Lamont und Georges Whitney über die Rolle der Firma Morgan bei dem Eintritt Amerikas in den Welt­krieg Aussagen gemacht. I. P. Morgan sagte aus, daß sein Bankgeschäft den Alliierten im Jahre 1915 Darlehen gewährt habe, nachdem Präsident Wilson seine Einwilligung dazu erteilt hätte. Ob­wohl Morgan behauptet, daß diedeutschen Hand­lungen" und nicht die internationalen Geldgeschäfte Amerika in den Weltkrieg hineingezogen hätten, er­klärte er, daß die Sympathien feiner Firma von Anfang an auf Seiten der Alli­ierten gewesen seien.

Kabeltelegramme aus dem Archiv der Morgan- bank ergaben, daß kaum drei Tage nach Frankreichs Kriegseintritt Frankreich bei Morgan und Kom­pagnon wegen einer Anleihe oder eines Handels­kredits angefragt habe. Aussagen und Schriftwechsel ergaben, daß das Staatsdepartement unter William Bryan dies mißbilligt habe. PräsidentWilson änderte jedoch die Lage, indem er einen weitgehenden Unterschied machte undKredite" ge­stattete, aber ein Anleiheverbot beibehielt. Die Mit­glieder des Ausschusses kamen zu der Ansicht, daß die Wirkung von Anleihen und Krediten für alle praktischen Zwecke dieselbe sei. Morgan erklärte weiter, wenn die Regierung ihre Politik änderte, änderten wir die unsrige.

Aus der Verhandlung ging weiter hervor, daß die Aenderung der Wilsonschen Politik in einem Ge­heimschreiben des damaligen Anwalts des Staats­departements Lansing vom 23. Oktober 1914 dargelegt wurde In diesem heißt es, daß Wilson die Beseitigung derHindernisse" g u t- geheißen habe, auf die Morgan und andere Bankiers bei ihren Geldgeschäften mit den Alliier­

ten gestoßen seien. Lansing erklärte in dem Ge­heimschreiben, daß er bei der Unterhaltung mit dem Präsidenten den Eindruck gewonnen habe, daß, da der Handel mit den K r i e g f ü h r e n d e n gesetzlich erlaubt und angemessen fei, Hindernisse, wie Einmischung in Kreditabkommen ober erleichterte Devisenmethoden beseitigt werden sollten.

Die Verhandlungen ergaben weiter, daß Bryans Gegnerschaft gegen die Gewährung von Krediten in einem Schreiben vom 10. August 1914 an Wil­son zum Ausdruck gekommen sei, in dem Bryan erklärte: Wir sind die einzige große Nation, die in den Krieg nicht verwickelt ist, und unsere Wei­gerung, irgendeinem der Kriegführenden Gel­der zu leihen, würde das Kriegsende beschleunigen.

Ein republikanisches Mitglied des Unter­suchungsausschusses erklärte, daß die frühzeitige Freundschaft Morgans für die Alliierten d i e Neutralitätspolitik Wilf 0 ns ver­letzt habe. Morgan erwiderte hierauf, daß die Neutralitätsfrage Sache der Regierung gewesen sei, m?t der die Bankiers nichts zu tun gehabt hätten.

Der Hauptanwalt des Senatsausfchuffes, Rau- fhenbufh, versuchte nachzuweifen, daß Morgan & Co. nicht alle angeforderten Urkunden ausge­liefert hätten. Demgegenüber erklärte einer der Teilhaber Morgans, Whitney, daß alle ange« forderten Schriftstücke unterbreitet worden wären, wenn man sie hätte finden können. Einige seien jedoch verloren gegangen. Morgan gab die Aktiven seiner Firma am 31. Dezember 1935 mit 537,944 Millionen Dollar an, behauptete aber auf die Frage des Ausschußvorsitzenden, daß er sich der Höhe der Aktiven bei Kriegsanfang 1914 nicht ent­sinnen könne. Er werde darüber später Mitteilung machen.

Die Inbetriebnahme des neuen Opelwerks in Brandenburg.

Brandenburg, 7. Jan. (DNB.) In Branden­burg a. d. Havel wurde durch den Reichsverkehrs- minifter, Freiherrn von Eltz-Rübenach, das neue große Opelwerk in Betrieb gesetzt. In­mitten der großen Arbeitshalle begrüßte der Be- lriebsführer der Adam Opel AG., Dr. R. Flei­scher, umgeben von den 800 Gefolgschaftsmitglie­dern der neuen Fabrik, den Reichsverkehrsminifter, den Führer des deutschen Motorsports, Korpsführer Hühnlein, und viele andere Gäste.

Äeichsverkehrsminister Frhr. von Eltz-Mbenach

führte dann u. a. aus: Wenn ein neues Werk wie dieses entstanden ist und des Augenblickes harrt, in dem die Arbeit beginnen soll, wer wollte da nicht in seinem Herzen wünschen: Gott mit euch! Möge hier Segen wachsen für das ganze deutsche Volk, für feine Wirtschaft und Wehrkraft und für alle die Familien, die aus dieser Arbeit hier das Brot für sich und ihre Kinder erwerben wollen. Der alte Herr Geheimrat von Opel, der wegen Krankheit heute leider nicht hier sein kann und dem wir alle von Herzen gute Besserung wün­

schen, wird sicher seinen Blick nicht ohne Bewegung über die 7 5 Jahre gleiten lassen, die seit dem Tage vergangen sind, an dem sein Vater nach Rüsselsheim kam und dort eine Nähmaschine baute, bis zur Gegenwart, ^nr wenigen Tagen haben Sie erlebt, daß in Ihren Werken der 1 0 0 0 0 0. Wagen der Jahresproduktion 19 3 5 vom Montageband lief. 240 000 Automobile wurden im Jahre 1935 insgesamt in Deutschland gebaut. 100 000, d. s. 40 v.H., tragen also die Marke Opel! Wenn man den Preis dieser 240 000 Fahr­zeuge betrachtet, dann entfällt allerdings auf Opel ein sehr viel kleinerer Anteil. Daraus ergibt sich der Charakter der Werke: Mafsenfabrikation, billige Personen- und Lastkraftwagen.

Massenproduktion! Billige Ware! Waren das nicht Worte, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit einen schlechten Klang hatten? Massenware, Schund, Schleuderkonkurrenz! Daß das nicht mehr so ist, daß diese billige Massenproduktion vorzügliche, schnelle, dauerhafte Wagen hervorbrinA die sich sogar auf schwierigen Geländefahrten glän­zend bewährt haben, das dankt die deutsche Motori­sierung den Opel-Werken. Und auch das dankt sie ihnen: Daß sie den Beweis erbracht haben, daß ein