Ausgabe 
7.12.1936
 
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eine

Die sowjetrussische Führung der roten spanischen Flotte.

Lm Zeichen der Nichteinmischung...

DasGesetzblatt" der Bolschewisten in Katalo­nien veröffentlicht einen Erlaß des Derteidiaungs- ausschusses, wonach sämtliche im Besitz von Privat­leuten befindlichen Rundfunkgeräte abge- geben werden müßen. Das Abhören des Rund­funks ist in Zukunft verboten, wenn nicht besondere Erlaubnis dafür erteilt wird.

Ileue nationale Erfolge.

Bombenangriffe auf Barcelona und Madrid.

Salamanca, 7. Dez. (Vom Sonderbericht­erstatter des DNB.) Einem Berittst des Rundfunk­senders von San Sebastian zufolge griffen Trup- gen der spanischen Nationalregierung, die verstärkt wurden durch Navarra-Freiwillige, am Sonntag in der Nähe der Ortschaft Mondragon an der B 1 l - b a o - F r o n t die roten Stellungen an. Die Roten ergriffen nach nur geringfügigem Widerstand die Flucht. Die Nationalen eroberten große Mengen Handgranaten und anderes Kriegsmaterial.

Der gleiche Sender meldet, daß nationale Flieger am Sonntag die befestigten Hafenan­lagen von Barcelona mit Bomben belegt hätten. 30 nationale Bombenflugzeuge seien auch über Madrid erschienen und hätten die von den Roten befestigten Gebäude im Stadtviertel Mon- cloa bombardiert. Das Bombardement am Sonntag soll das bisher heftigste gewesen sein.

Die Lage an der Madrider Front.

Front vor Madrid, 7. Dez. (DNB. Funk- spruch vom Sonderberichterstatter des DNB.) Die Ruhe an der Madrider Front wird von den nationalen Truppen dazu benützt, das schwierige Vorstadtgelände von den letztenroten Metzgern" ju säubern und umfangreiche Nachschubbewegungen durchzuführen. Rotmord scheint nach den letzten Rundfunkmeldungen fest entschlossen zu sein, M a - d r i d nach dem Abtransport der kampfuntauglichen Zivilbevölkerung zu einer Festung des inter- nationalen Verbrechertums zu machen. Angesichts dieses ruchlosen Vorgehens würde ein überstürztes Einrücken der nationalen Gruppen in die mit Maschinengewehren gespickte Innenstadt große Verluste herbeiführen. Während die Bolsche­wisten ihre Kräfte in zusammenhanglosen Angriffs­handlungen vergeuden, wobei sie täglich mehrere hundert Tote verlieren, führt die nationale Heeres­leitung unter Schonung ihrer Streitkräfte die ma­terielle Zermürbung des Gegners herbei.

Äon den Nationalen gekapert.

Salamanca, 6. Dez. (DNB.) Der nationale Sender San Sebastian meldet, daß am Samstag im Mittelmeer ein sowjetrussischer Han­delsdampfer, der Kriegsmaterial für die spanischen Bolschewisten an Bord hatte, von einem nationalen Kriegsschiff gekapert und ge­zwungen worden sei, Kurs auf Ceuta zu nehmen.

Der Terror der Bolschewisten.

Paris, 7. Dez. (DNB.) Wie derJour" be­richtet, werden in Katalonien die Gegensätze zwischen den verschiedenen Parteien und Aus­schüssen, die sich in die Macht teilen, immer schär­fer. Während die kommunistische Gewerkschaft eine lebhafte Propaganda zugunsten einer einheitlichen Kommandoführung unternehme, verdoppelten die Anarchosyndikalisten die Hinrichtungen und verübten einen solchen Terror, daß z. B. An­gehörige der Gewerkschaft UGT. freiwillig an die Front gefahren seien, weil sie es vorzogen, im Kampfe zu sterben, anstatt an einer Straßenecke erschossen zu werden. Es ne in Katalonien ein derartiges Chaos, daß

-geordnete Camorera in einer öffentlichen Versammlung erklärt habe, die ganze Provinz sei ein Tollhaus und jedes Dorf eine Hölle.

In Valencia sei die Lage ähnlich. Dort sei sogar ein von Largo Caballero unterzeichneter Personalausweis nur gültig, wenn er von dem Vertreter der Anarchisten, einem 30jährigen Mann namens C o b o , gegengezeichnet sei. Der republi­kanische Abgeordnete Flores sei in seinem Hause in Valencia ermordet worden. Darauf hätten meh­rere Abgeordnete der republikanischen Linken er­regten Protest erhoben und Strafmaßnahmen ge­gen die Mörder und Banditen in den Reihen der roten Miliz gefordert.

? a 8' (DNB. Funkspruch.) Der Ma- m9r'^t Tr'«1 AuMürungen darüber, wie" die Komintern von Tag zu Taa aröfteren ffinfinfe nidji nur auf die Verwaltung in K atalon?e n^ S" HlCfam«te Marine der spä-' nildjen Bolschewisten nimmt Die Ankiin- digung General Francos, sämtliche roten Häfen Spaniens zu blockieren, habe den wahren Chef der roten Streifkrafte tm Mittelmeer, den sowjetrussi- hhntt3 hOntuI'u Atttonow-Owsse- lenro, lebhaft beunruhigt. Diesem lieae um so mehr daran, die Seeverbindungen mit Sowjetruh. land aufrechtzuerhalten, als 1 B

fischen ihm und einer einflußreichen katalani­schen Partei, die Trohkyfche Ideen verfolge, ernste Meinungsverschiedenheiten beständen, weil man ihm sein tyrannisches vorgehen zum Vor­wurf mache.

Um zu beweisen daß seine diktatorischen Maßnah- men im Interesse einer wirksamen Verteidigung Katalomens unumgänglich seien, habe sich Anto» now-Owsseienko an die Moskauer Regie- r u n a gewandt und Maßnahmen gefordert, durch die die Blockade abgewendet werden könne. ?ieranrL < n Moskau eine Besprechung zwischen den Admiralen Haller und Kojanow und General Obisfow stattgefunden.

Ls fei beschlossen worden, hundert sowjetrussi­sche Marineoffiziere und 500 Marlneunteroffi- Ziere nach Spanien zu entsenden, um sie als Stammbesatzung für die in den Händen der Roten befindlichen Kriegsschiffe zu verwenden. Außerdem sollen 200 Marineingenieure und Marineartillerislen nach Spanien entsandt wer­den. Die ersten 300 Offiziere und Ingenieure würden schon bald in Barcelona erwartet. Der Rest würde sich dieser Tage an Bord eines sowjetrussischen Dampfers einschiffen. Sofort nach ihrem Eintreffen sollen die Schiffe der Ro­ten in kriegsfähigen Zustand gesetzt und ihre Bewaffnung vervollständigt bzw. ausgewechfelt werden. Die gesamte rote Flotte werde praktisch von Sowjetrußland befehligt.

Die Landplage der rolen spanischen Emigration

Don unserem nd.-Mitarbeiter.

stens 100 000 Menschen Madrid den Rücken kehren. Denn so stark muß die Anhängerschaft der Links­parteien mindestens beziffert werden. Wohin sollen sich diese Hundertausend wenden? Noch steht der Osten Spaniens offen. Was aber wird geschehen, wen auch Valencia und Malaga erobert werden und die rot-gelb-roten Fahnen Francos bis unter die Mauern Barcelonas Vordringen? Eine neue Welle von Flüchtlingen wird sich nach Frankreich ergießen.

Die katalanischenBehörden" haben neuerdings die Ausreise aus dem roten Territorium ohne eine besondere Erlaubnis der Sowjets von Barcelona untersagt. Diese Maßregel wird ver- n, wenn man die Liste derjenigen Anhänger olsckewisten-Hlerarchie durchlieft, die in den legten Wochen über Katalonien die Aus­reise nach Frankreich angetreten haben. Die in To­ledo erscheinende Carlisten^eitungEl Alcazar" konnte daraus folgende Angaben machen: Am 19. Oktober landete in Toulouse mit einemStaats- Flugzeug d i e Frau des Bolschewlsten- Häuptlings Manuel A^ana, mit ihr war ihre Schwägerin Dona Adela Rivas Cherif, deren Mann Spanien bereits über die Grenze von Perthus verlassen hatte. Auf dem gleichen Flugfeld tarnen zwischen dem 16. und 19. Oktober sechs Nichten und Neffen Azanas an. Die Töchter Largo Caballeros, desspani­schen Lenin", betraten am 25. des gleichen Monats französischen Boden. Zur gleichen Zeit begab sich auch die Familie des roten Funktionärs Jndalecio Prieto dorthin. Der Vorgänger Largo Cabal­leros, der frühere Ministerpräsident Jose Giral, traf ebenso wie der Exminister I r u j o am 26. Ok- tober in Toulouse ein. An weiteren roten Großen vertauschten Spanien mit Frankreich die früheren Minister Fernando de los Rios, Alvaro de Albor- noz, der heute noch ein hohes Amt bekleidet, und Placido Alvarez Buylla. Diese Reihe läßt sich noch lange fortsetzen, Rechtsanwälte, Direktoren der Bank von Spanien, Deputierte,Minister",Staats- sekretäre", ja Leute, die erst die letzten Monate bekanntgemacht haben, wie der Führer der anti­faschistischen Milizen Jaime Mira Vitas, haben zu Hunderten das bolschewistische Spanien verlassen und sich über die Grenzen in Sicherheit gebracht.

Ein großer Teil des aus Madrid nach Frank- reich verschobenen Goldes, des Goldes der Bank von Spanien, steht dort auf den Namen vonMinistern" und anderen den Bolschewisten nahestehenden Leuten. So werden bei der Zweig- stelle der Bank von Frankreich in Toulouse Kon­ten geführt, die auf die Namen Largo Cab al- ler o Alvarez bei Vay o, des roten Vertre­ters in Paris Hraquistain, der gleichzeitig auch Schwager des bolschewistischen Außenfunktionärs

Toledo, Ende November.

Als ich kürzlich wieder einmal in Hendaye an der spanisch-französischen Grenze war und von mei­nem Hotelfenster über die Bucht von Jrun blickte, sah ich nahe des diesseitigen französischen Ufers eine große Anzahl von Küstenfahrzeugen vor An­ker liegen. Es handelte sich dabei um die Fischer- flotte von Jrun und Fuenterrabia, die im Septem­ber nach der Eroberung Jruns durch die Carlisten nach Frankreich hinüberwechselte. Die Besitzer dieser Boote waren zum größten Teil baskische Separa­tisten, die mit Kommunisten und Anarchisten ge- meinfame Sache gemacht hatten. Ein Teil von ihnen hat sich inzwischen in die Heimat zurückge­funden.

Die von der nationalen Regierung eingesetzten Derwaltungskörper sind im allgemeinen großzügig verfahren und haben alle diejenigen, die nachwei­sen konnten, daß sie ihre Heimstätte mehr aus Pa­nik als dem Bewußtsein wirklicher Schuld verlas­sen hatten, die Wiedereinreise gestattet. Alle, die sich aktiv an dem Kampf gegen die nationalen Trup­pen beteiligt haben, sind jedoch bis heute draußen geblieben. Ihre Zahl ist mit ein paar Tausend nicht zu hoch gegriffen. Die Fischer unter ihnen haben sich längs Der französischen Baskenkuste not­dürftig niedergelassen und setzen ihre Fänge heute in St. Jean de Luz und Bayonne ab. Wer nicht Fischer war, ist durch Vermittlung französi­scher Volksfrontorganisationen in das rote Spanien zurückgekehrt und muß notge­drungen in Katalonien bis zum bitteren Ende weiterkämpfen. , t .

Damit ist aber das Problem der spanischen Emi­gration nicht gelöst. Tausende von Frauen und Kindern, die Familien eben dieser Ver­femten, sind heute über gan 3 Süd frank- reich verteilt und fristen in Flüchtlingslagern ein mehr oder weniger kümmerliches Dasein, xlrbeu und dauernde Wohnstätte aber wird Frankreich diesen Flüchtlingen trotz aller Sympathien, die die französische Volksfront für sie hegen mag, nicht geben wollen. Dazu sind die eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten viel zu groß. .

Die spanische Emigration wird also täg­lich zu einem größeren Pröble m. Lin Problem, das sich immer schwieriger gestalten muh, je mehr die Heere Francos und Molas oorrucken und das Land von Der Herrschaft des Bolschewis­mus säubern. In diesen Tagen ^et auf Anord­nung der anarchistischen und bolschewistlschen Ko­mitees die Räumung Madrids durch die Zi­vilbevölkerung statt. Eine Stadt von ast einer MillionEinwohner wird verlassen! Wieweit dies überhaupt durchzuführen ist, wird die nächste Zukunft lehren. Aber auch dann, wenn nur em Keiner Teil der Bevölkerung diesen Anordnungen Folge leistet, kann man damit rechnen, daß mmDe-

Alvarez del Vayo ist, des Herrn Ramos usw. lauten. Auf diese Konten ist der Großteil des trans­ferierten Goldes gutgeschrieben worden, von diesen Konten aus werden Waffenkäufe und andere Trans­aktionen der Bolschewisten vollzogen. Der Zweck dieser noch kaum dagewesenen Vorgänge ist klar. Die bolschewistischen Häuptlinge legen sich hier für alle Zukunft einen Reservefonds an, der für revolutionäre Propaganda von außer­halb verwendet werden kann und schließlich den ge­flohenen Bonzen selbst die Führung eines bequemen und sorgenfreien Lebens im Exil ermöglicht.

Als nach dem Sturz Alfons' XIII. ein großer Teil der spanischen Monarchisten das Land verließ, war das noch nichts Besonderes. Biele dieser Emi­granten verbrachten sowieso einige Monate des Jahres in Frankreich und hatten dort Besitz und Gelder. Heute ist es anders. Von 12 000 Einwoh­nern Jruns sind kaum 4000 zurückgekehrt, von

den 74000 San Sebastians fehlen fast 23 000. Aus Santander und Bilbao langen noch immer Schiffsladungen voll Flüchtlinge in den französischen Biscayahäfen an. Die allerwenigsten verfügen über die Mittel, längere Zeit fern von ihren Wohn- und Arbeitsstätten leben zu können.

So wächst das Problem der spanischen Emigration von Tag zu Tag. Durch den Popanz der inter­nationalen kommunistischen Solidarität wird es nicht gelöst werden. Ein bekannter englischer Schriftsteller, der zur Zeit in Toledo an einem Buch über die Verteidigung des Alkazar arbeitet, faßte diese Frage in die Worte zusammen:Das Problem dieses Augenblicks scheint mir darin zu bestehen: wie kann man die Kämpfe in Spanien beenden, wie das Land in eine Epoche des inneren Friedens überführen, ohne daß zwei Mil­lionen Menschen erschossen werden müssen?"

Oie erste Bühne des Reiches.

15O=3ot>rfeier des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin.

Ministerpräsident Generaloberst Göring

Das Staatliche Schauspielhaus am ©enbarmenmarft in Berlin beging den Tag seines 150jährigen Bestehens mit einer Mor­genfeier, an der neben dem Ministerpräsidenten Generaloberst Göring und Frau Göring, Reichs­erziehungsminister Rust, Minister P o p i tz, alle Künstler, Angestellte und Arbeiter des Schauspiel­hauses und der Staatsoper teilnahmen. Die Staats» tapelle unter Staatskapellmeister Professor Heger eröffnete die Feier mit Beethovens Ouvertüre zu Die Weihe des Hauses." Einen Einblick in die 150jährige Geschichte dieser hervorragenden Pflege- ftätte deutscher Schauspielkunst gab der Präsident der Reichstheaterkammer Ministerialrat Dr. Rainer

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Schlösser: Es war ein weiter Weg bis zu jenem Bekenntnis, welches den Schauspieler als vollgültigen Volksgenossen wertet, zu den Staats­schauspielern, die Ministerpräsident Göring er­nannt, zum Reichstheatergesetz, das der Minister der Reichskulturkammer schuf. Dr. Schlösser würdigte auch die Arbeit der deutschen Dichter und Dramatiker, die lange Zeit Stiefkinder der Nation gewesen seien. Aus der höfischen Möglichkeit, eine Bühne zu erhalten, sei die völkische Notwendigkeit geworden, sie der inneren Erhebung und Erheite­rung der Nation zu überantworten. Erst jetzt sei man wirklich im Begriff, zu einem deutschen Na­tionaltheater zu gelangen.

ging in feiner Festansprache von dem Wort des Führers aus:Die Kunst ist eine erhabene und zum Fanatismus verpflichtende Mission." In den vergangenen 150 Jahren sei von dieser Bühne herab dem deutschen Volk höchste und schönste Kunst vermittelt worden. Als die Bewegung Adolf Hitlers die Macht ergriff, war es eine Selbstver­ständlichkeit für sie, auch auf dem Gebiete des Theaters neue Wege einzuschlagen. Es war eine zwingende Notwendigkeit für die nationalsozialisti­sche Führung, auch der Kun st zu helfen. Es war vielleicht auch für die deutsche Kunst die Ret­tung, daß der Führer von den Musen so reich gesegnet ist, daß er selbst vielleicht Deutschlands größter Künstler ist, daß er Deutschlands Kunst wieder neue Wege zeigen konnte. Die erste Vor­aussetzung, zu einem wirklich nationalsozialistischen Theater zu kommen, war ein starkes Ensemble. Wenn dieses Haus wieder die e r ft e Bühne des Reiches und damit der Welt werden sollte, so mußte es geführt werden von dem Schwung des Fanatismus. Nur ein Schauspieler, der sein per­sönliches großes Können in den Dienst der Sache stellte, war berufen, dieses Haus zu leiten. Aus diesem Gefühl heraus wählte ich den Mann, der heute der Leiter dieses Hauses ist und dessen Name als Schauspieler einen unerhörten Klang hat. Ich möchte dem Intendanten dieses Hauses ebenso wie dem Schauspieler Gründgens danken, daß er alle meine Hoffnungen noch übertroffen hat, und daß er meinen Wunsch, aus diesem Haus das große deutsche Theater zu machen, voll und ganz erfüllt hat.

Ministerpräsident Göring erklärte weiter, daß, obwohl die materiellen Dinge beim Staatstheater nicht ausschlaggebend seien, das Haus doch fast immer schon Tage vorher ausverkauft fei. Das deutsche Volk und das Berliner Publikum be­kennen sich zum preußischen Staatstheater. Herz­liche Worte des Dankes und der Anerkennung fand der Ministerpräsident für alle Angehörigen der preußischen Staatstheater, die durch ihre Zusam­menarbeit einzigartige Leistungen erzielt hätten. Er unterstrich dabei die anerkennenden Worte, die Reichsminister Dr. Goebbels auf der Reichs­kulturkammer den deutschen Künstlern gewidmet hat.

Hat Amerika wieder Hoffnung?

Von Dr. Friedrich Sohn.

Eines der ersten Ziele unserer Entdeckungsfahrt durch Nordamerika ist die Landwirtschaft- l-iche Hochschule des Staates Neuyork. Warum beginnen wir Die Studienreise gerade mit dem Besuch einer wissenschaftlichen Ein­richtung, so wird vielleicht mancher Leser fragen. Wir wollen doch das Leben tenhenlernen, wie es wirklich ist, und uns nicht in akademische Erörte­rungen verlieren! Diese Sorge ist unbegründet, denn die staatlichen landwirtschaftlichen Hochschulen in Nordamerika und Einrichtungen, die in engster Ver­bindung mit Der Praxis arbeiten, sie sind die un­mittelbarsten Träger des Fortschritts in Der Land­wirtschaft. Ihre Arbeit erstreckt sich nicht nur auf Die Forschung und die Ausbildung des akademischen Nachwuchses, sie haben gleichzeitig auch Die Auf­gabe, durch die ihnen unterstellten Bezirksbe - rater, DieCounty-Agents", Die landwirtschaft­liche Praxis zu beeinflussen. Die Regierung bedient sich der Hochschulen, um mit der Praxis in Verbin­dung zu kommen. Diele Aufgaben, die bei uns von der Hauptabteilung II des Reichsnährstandes er­füllt werden, fallen Drüben In Den Arbeitsbereich Der staatlichen Hochschulen. Diese sind mit Land und sonstigen Mitteln reichlich ausge- stattet. Die Bezirksberater, von denen es in Den Vereinigten Staaten einige Tausend gibt, sind Der verlängerte Arm der Hochschule, sie stützen sich in ihrer örtlichen Arbeit auf die landwirtschaftlichen Vereine. Durch diese Verbindung zur Praxis ist nicht nur ein Weg gefunden worden, um Einfluß auf die Farmer und ihre Wirtschaft zu gewinnen, man erreicht gleichzeitig auch, daß sich die For­schung den Bedürfnissen Der Praxis anpaßt.

Es war also nicht unser Wunsch, aus Den Niede­rungen Des Lebens in Die Höhen Der abstrakten Theorie zu flüchten, als unsere in Der Hauptsache aus Bauern und Landwirten bestehende Reise­gesellschaft im 80-Kilometer-Tempo der berühmten Cornell-Universitätin Ithaka zustrebte. Im Staate Neuyork ist die Landwirtschaftliche Hoch­schule ein Teil Der Staatsunioersität, in vielen anderen Staaten Dagegen sind die Hochschulen selb­ständige Einrichtungen, die in kleinen Städten oder unmittelbar auf dem Lande gelegen sind. Ich habe als Studiosus auf früheren Fahrten, die mich In einem alten Essexwagen rund 40 000 Kilometer durch den amerikanischen Kontinent führten, viele dieser Einrichtungen tennengelernt und dabei immer wieder erfahren, was amerikanische Gastfreund­schaft bedeutet. Es ist sogar vorgekommen, daß ich nach tagelangem Fahren und nächtlichem Kampieren im Freien mit einem ziemlichen Bartwuchs an Ort und Stelle eintraf. Nachdem die ölgetränkte Auto­kluft in einer verschwiegenen Ecke mit der guten Montur vertauscht war, ging es in die Waschräume Der Hochschule, um einige Minuten später ohne Bartstoppeln und auch sonst in salonfähigem Zu­stand mit einem Empfehlungsschreiben bewaffnet beim Präsidenten anzutreten. Wenn es mir ver­gönnt war, während meiner Lehr- und Wander­jahre die Agrarprobleme Nordamerikas einiger­maßen gründlich kennenzulernen, so danke ich das nicht zuletzt den Professoren und Studenten Der

landwirtschaftlichen Hochschulen, Die mir in so ziem­lich allen Teilen des Kontinents halfen, auf Die richtige Fährte zu kommen.

Nach diesen Erfahrungen durften wir auch in Cor­nell wertvolle Aufklärungen erwarten. Von verschie­denen Professoren, Die zum Teil deutsch sprachen, wurden wir überaus herzlich empfangen. Unsere Reiseteilnehmer bekamen einen Begriff von dem Wesen und den Aufgaben einer Einrichtung, die in ähnlicher Welse wenn auch nicht in gleicher Größe In jedem Staate der Union zu finden ist. Wir erfuhren hier, daß im Staate Neuyork alle fünf Jahre ein Viertel der Farmen Den Besitzer wechseln. Man kennt nicht die gleiche Seßhaftigkeit, wie wir sie in Europa ge­wöhnt sind. Es ist das Ziel Der Agrarpolitik, Dem Farmer, Der im allgemeinen ohne fremDe Arbeits­kräfte auskommt, ein Einkommen zu verschaffen, Das einigermaßen dem Der stäDtlschen Arbeiter und Angestellten entspricht. Im Staate Neuyork geht feit vielen Jahrzehnten ein Umschichtungsprozeß vor sich, her auch heute noch nicht abgeschlossen ist. In Den Gebirgen geht die Landwirtschaft immer weiter zurück, während auf den besseren Böden die landwirtschaftliche Erzeugung an Bedeutung ge­winnt. Das Schwergewicht der Landwirtschaft ver­lagert sich aus den östlichen Teilen des Staates in die westlichen Landesteile südlich des Erie-Sees. Diese Umschichtung wird vom Staat gefordert, man möchte die Notstandsgebiete so schnell wie möglich beseitigen. Mit dieser Wandlung, die sicherlich noch viele Jahrzehnte anhalten wird, trift eine immer schärfere Abgrenzung zwilchen den eigentlichen Agrargebieten und den unfruchtbaren, aber land­schaftlich schön gelegenen Waldgebieten ein, die sich zu Zentren des Eryolungs- und Wochenendverkehrs und des Sports entwickeln. Die Veränderungen gehen auch in der Richtung einer Ausschaltung Der allzu kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Der Einzelne soll unter Anwendung aller verfügbaren technischen Hilfsmittel möglichst viel Land bestellen, um eine große Erzeugungs­menge je Mann hervorzubringen. Bei dem großen Landreichtum Nordamerikas ist es nicht notwendig, von der Fläche den höchstmöglichen Ertrag zu errei­chen. Bisher war der Konkurrenzkampf der Far­mer so scharf, daß in vielen Fällen nicht einmal die notwendigen Aufwendungen gemacht werden konnten, um die Fruchtbarkeit des Bodens auf glei­cher Höhe zu halten. Alle Kräfte sind Darauf konzen­triert. fo billig wie möglich zu erzeugen. Die Aufklärung, Die von den Hochschulen ins Land getragen wird, ist eines Der wichtigsten Mittel, um trotz Der Konkurrenz Dem Farmer em auskömm­liches Dasein zu ermöglichen.

Zu Den Hochschulen kommen im Laufe Des Jah­res viele Farmer, die hier in kurzen Kursen und Vorträgen über praktische Fragen belehrt werden. Unsere Reisegesellschaft bildet nur insofern eine Ausnahme, als es sich um Landwirte von der an­deren Seite des Atlantik handelt, denen die in eng­lischer Sprache gegebene Aufklärung verdolmetscht werden muß. Die landwirtschaftlichen Hochschulen sind auch die Zentralen für Die Arbeit an der