Ausgabe 
7.12.1936
 
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Kammermehrheii für Blums Politik.

Oie Krise der Volksfrontregierung hält aber an. -LtnmißverständUches Mißtrauensvotum" der Kommunisten. - Erklärung Blums an die preffe.

er durch die Arbeitsschlacht und die Dehrhafl- machung dem deutschen Volke ein hoffnungs­frohes Weihnachtsfest beschert hat.

In der Reichshauptstadt sammelten fast alle Männer der Reichsreaierung und der Reichsleitung der NSDAP.; hier sammelten auch die bekannte- sten Männer und Frauen des Sports, von Buhne und Film. Auf dem Hermannplatz in Neukölln, wo der Stellvertreter des Führers zunächst sam­melte, herrschte schon vor der angesetzten Zeit riesiger Verkehr. Ehe Rudolf Heß sich einen Standort aussuchen konnte, war er umringt und man sah nichts als ein wogendes Meer hochgereckter Hände der zahllosen Spender. SA. mußte schließ­lich eine Gasse freimachen, durch die die Volks­genossen an ihm vorbeigeleitet wurden. Bald waren die erste, eine zweite und mehr Büchsen gefüllt. Anschließend begab sich Rudolf Heß zumBeussel- kietz^in Moabit, einem von der Bewegung einst besonders hart umkämpften Gebiet. Auch hier wurde der Stellvertreter des Führers von herzlicher Be­geisterung und Freigebigkeit der Volksgenossen empfangen.

Ministerpräsident Hermann Göring sammelte am Eingang zur Passage Unter den Lin­den. Zu Tausenden stand die Menge, um ihm ihr Scherflein in die Büchse zu tun, die diesmal wieder aus einer großen Holztruhe bestand. Der Ministerpräsident, den sein Adjutant Oberst B o - den schätz begleitete, tonnte einereiche Ernte" einhetmsen. Während zweier Stunden äogen alt und jung aus allen Schichten der Bevölkerung an ihm vorüber, ihre kleinen und großen Gaben spendend. Herzliches Händeschütteln gab es, als der italienische Botschafter mit seiner Gattin an die Sammelbüchse herantrat. Gegen 18 Uhr begab sich der Ministerpräsident nach dem A l e x - anderplatz und weiter zum Wedding, wo er schon von Tausenden erwartet wurde. Gegen 19 Uhr fuhr der Ministerpräsident unter den stür­mischen Heilrufen der Wartenden, die ihr Scherf­lein nicht mehr losgeworden waren, in das Stadt­innere zurück, um die großen Berliner Hotels mit seiner Sammelbüchse aufzusuchen.

Für den vorauszusehenden Massenandrang an der Sammelstelle des Reichsministers Dr. Goeb­bels, der auch diesmal wieder am Hotel A d - l o n Unter den Linden die Spenden entgegennahm, hatte man wieder die bewährte Verkehrsregelung des Vorjahres eingerichtet. Die Spender kamen nur vom Brandenburger Tor her durch einen von SS.» Männern freigehaltenen Engpaß an denDoktor" heran. Schon um 15 Uhr hatte sich auf dem Pa­riser Platz eine größer und größer werdende Menge von Gebefreudigen versammelt. Unaufhör­lich zog Stunde um Stunde der Strom hilfsbereiter Volksgenossen an Dr. Goebbels vorüber.

Alt und jung, Väter und Mütter, IHänner der Parteigliederungen und der Wehrmacht, Kriegs­beschädigte, Beamte in Uniformen, Ausland­deutsche und auch sehr viele Ausländer eine einzige nicht abreißende Kelte von Menschen, die ohne Ausnahme gerne und freudig ihr Opfer darbrachten.

Gegen 19 Uhr erschien auch das kleine Töchterchen Helga des Ministers und nahm selbst die Sammel- büchse in die Hand.

Frau Magda Goebbels sammelte auf dem Potsdamer Platz. Zu ihr konnte man erst durch ein doppeltes Spalier von breitschultrigen SA.- Männern gelangen. Auf dem Alexanderplatz wal­tete Frau Emmy Göring ihres Amtes, und auch zu ihr gelangten die Spender erst durch ein Polizei» spalier.

Hitler führt die deutsche Üation zu neuem Leben."

Das sagt ein südamerikanischer Staatsmann

Pretoria, 5. Dez. (DNB.) General Hertzog hat in einem Aufruf alle Afrikaner aufgeforoert, zurückzukehren zu den alten Idealen. Wenn eine Nation moralische Qualitäten verliere, dann könne sie in der Geschichte nichts mehr er­reichen. Die letzten Jahre zeigten eine Zersetzung der wirtschaftlichen, moralischen und politischen Sphäre. Weiter fordert Hertzog dazu auf, auf den Grundlagen der Vergangenheit auf» zubauen, die Familie und das Elternhaus zu achten. Mussolini und Hitler hätten ihren Völkern einen neuen Glauben geschenkt.Hitler", so heißt es dann wörtlich,führte die entwurzelte deutsche Nation noch einmal zu neuem Leben. Er knüpfte an die Traditionen der Ver­gangenheit an. Die deutsche Nation nimmt wieder heute eine Stellung ein, die sie in den Augen der Welt Achtung genießen läßt."

Paris, 8. Dez. (DNB.) Die außenpolitische Aussprache in der Kammer wurde am Sams­tag fortgesetzt. Der rechtsstehende Abg. Grat er­klärte, Frankreich habe England weder feindlich noch freundlich gegenüberzuftehen, sondern eine na­tionale und sogar imperialistische Politik zu treiben; denn die Grenzen Frankreichs hörten nicht am Mittelmeer auf. Die Beziehungen zu Italien müßten verbessert werden. Es sei zwecklos, die An­erkennung des italienischen Kaiserreichs Abessinien zu verweigern. Das gleiche gelte für die Beziehun­gen zur spanischen Nationalregierung, zu der England offiziöse Beziehungen unterhalte, um seine Interessen zu wahren. Frankreich müsse das Gleiche tun.

Der bekannte Außenpolitiker desEcho de Paris", Abg. de Kerillis, kritisierte zwar das Eingrei- en Sowjetrußlands in Spanien, das ohne Frank­reich, ja trotz Frankreich erfolge und sogar gegen Frankreich gerichtet sei. Aber trotzdem trat er für das Bündnis mit Sowjetrußland ein. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte er als bedauerlich, daß Frankreich nicht verstanden habe, sich die Freund- chast des General Franco zu erhalten. Deutschland und Italien hätten die Gelegenheit ergriffen, um bei General Franco den Platz einzunehmen, der Frankreich zugekommen wär«. Die Grenzen zum nationalen Spanien habe Frankreich geschlossen, aber 12 000 Freiwillige nach Madrid geschickt.

Außenminister D e l b o s unterbrach hier den Abgeordneten und machte ihn darauf aufmerksam, daß er nicht nur vor der französischen Kammer, sondern vor der ganzen Welt spreche. Die Ziffern, die er angebe, seien zum mindesten tendenziös.

De Kerillis erwiderte, daß ausländische Jour­nalisten, die auch in Frankreich als ehrlich ange­sehen würden, täglich Ziffern über französische Frei­willigentransporte veröffentlichen.

Die französische Sprache sei in den Tages­befehlen der spanischen Bolschewisten zur amt­lichen Sprache geworden, da das französische Element vorwiege.

Zum Schluß erging sich de Kerillis in den aus­schweifendsten Verdächtigungen Deutschlands.

Der rechtsstehende Abg. Hbarnögaray wies ebenfalls auf den Ernst der Stunde hin. Bezüglich der Ereignisse in Spanien erklärte der Redner u. a., man fordere heute von Frankreich, einzugrei­fen. Man müsse sich jedoch fragen, nach welchem Prinzip und zugunsten welcher Demokratie? Etwa jener Barbarei von Barcelona? Frankreich werde nur mobilisieren, wenn seine eigenen Grenzen be­droht seien. Der Völkerbund sei ein Hirngespinst. Nur das französische Heer sei eine Bürgschaft. Der Redner trat bann u. a. für eine Besserung des Verhältnisses zu Italien ein.

Kammerpräsident Herriot verlas dann den einzigen Entschließungsantrag, der von der Radikal- sozialistischen Partei und der Sozialistischen Partei gemeinsam ausgearbeitet rootben ist. Er lautet:

Die Kammer stimmt der von der Regierung betriebenen Politik für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens zu. Sie spricht der Regierung das Vertrauen aus und erwartet, daß sie fortfahren wird, die Belange und die Sicherheit Frankreichs zu vertreten. Sie lehnt jeden Zusatzantrag ab und geht zur Tagesord­nung über."

Abg. Gr umbach von der Sozialistischen Par­tei setzte sich für eine Erweiterung des französisch- sowjetrussiscyen Bündnisses ein und sprach sich dann gegen eine Einmischung Frankreichs in spanische Angelegenheiten aus, weil diese notgedrungen eine Entfremdung von England zur Folge haben würde, was Frankreich sich nicht leisten könne.

Der rechtsstehende Abg. Taittinger forderte die Regierung auf, die gleichen Beistandsver» p s l i ch t u n g e n, die sie gegenüber England ein- gegangen sei, auch auf Belgien auszudehnen, dem stimmte Außenminister D e l b o s durch Kopf­nicken zu.

Taittinger begrüßte die Neutralitätspolitik Frankreichs, bedauerte aber die Anwerbung französischer Freiwilliger für die spanischen Roten und äußerte den Wunsch, daß die fran­zösische Regierung dies durch geeignete Maß­nahmen verhindern möge. Nach seinen Infor­mationen befinden sich in Spanien 29 000 Soro- setrussen und 25 000 französische Freiwillige.

Zu den französisch-sowjetrussischen Beziehungen übergehend erklärte er, daß er seine Verantwor­tung nicht leugnen wolle, da er den franzüsisch- sowjekrussischen Pakt selbst ratifiziert habe. Dieser Pakt sei aber sehr wohl vereinbar mit einer energischen Propaganda gegen die Dritte Internationale. Man müsse den Umtrieben der Dritten Internationale in Frankreich ein Ende bereiten. Sie seien auch für die Freundschaft mit Frankreich schädlich, da diese Freunde ein freies Frankreich wünschten.

Flandin stellte bann der in Deutschland verwirk­lichten Volksgemeinschaft die in Frankreich herr- chende Zersplitterung gegenüber, die aber feiner Meinung nach mehr scheinbar als tatsächlich sei. Für die kommenden zwei Jahre glaubte der Red­ner, ernste Gefahren für den Frieden zu erblicken. Obwohl es naheliegendere Gefahrenpunkte gegeben hätte, glaubte Flandin in diesem Zusammenhang auch das deutsch-japanische Abkommen nennen zu müssen, dessen tatsächlicher Charakter ihm vollstän­dig entgangen zu sein scheint.

Oer Kommunist Thorez

forderte das Eingreifen Frankreichs zugunsten der panischen Bolschewisten und hielt im übrigen eine wüste Hetz- und Schimpfkanonade gegen Deutsch­land, Italien und die spanische Nationalreaierung. Als einzige bemerkenswerte Stelle dieser Ausfüh­rungen sei heroorgehoben, baß der Redner einige Stellen aus dem Werk des Führers verlas. Zu der Stelle, die dieVerniggeruna" Frankreichs behan­delt, erklärt« er, Frankreich fei stolz, aus d e n Negern französische (Staatsbür­ger gemacht zu haben. Diese Ausführungen riefen lebhaften Beifall auf zahlreichen Bänken her­vor, und auch Ministerpräsident Blum und Außenminister Selbes konnten sich nicht enthal­ten, Beifall zu spenden. Ein rechtsstehender Abge­ordneter unterbrach Thorez und erklärte, daß die Franzosen, die auf der Seite der Madrider Bolschewisten kämpfen wollten, nur recht zahlreich nach Spanien gehen und recht wenig zurü-kehren mögen. Auf den Bänken der Kommunisten erhoben sich wilde Protestrufe, und der Kammerpräsident hatte alle Mühe, die Ruhe wieder herzustellen.

Ministerpräsident Lßon Vlnm

erklärte, daß er die Tagesordnung, die der Regie­rung das Vertrauen ausspricht, in der vorliegenden Fassung annehme. Zur spanischen Frage übergehend, betonte der Ministerpräsident, daß Frankreich daran interessiert sei, daß in Spanien eineunabhängige Regierung" herrsche. In der Bildung der Nationalregierung glaubte Leon Blum eine Gefahr für die französische Sicherheit erblicken zu müssen, wobei chn anscheinend der Alptraum einer freundschaftlichen Verbindung mit Deutschland bedrückte. Der Ministerpräsident verteidigte bann die Nichteinmischungspolitik gegen die Angriffe der Kommunisten und erklärte,

Paris, 6. Dez. (DNB.) Nach der Kammer­sitzung hat Ministerpräsident Löon Blum durch den Innenminister der Presse folgende Erklä­rung abgeben lassen:

Obwohl die Kommunistische Partei nicht gegen die Vertrauenstagesordnung gestimmt hat, bleibt die Frage für meine Kollegen und für mich offen, ob der absichtlich aggressiv gehaltene Wortlaut, in dem der kommunistische Sprecher D u c l o s die Stimm­enthaltung seiner Freunde begründete, es uns un­möglich machen würde, unsere Aufgabe fortzusetzen. Wir haben einmütig beschlossen, in der Regie­rung zu bleiben. Was uns bestimmt hat, ist die Tatsache, daß eine unter solchen Umständen und in einem so ernsten Augenblick ausbrechende Krise weder in Frankreich noch im Auslande verstanden

daß es nicht genügen würde, die Freiheit des Handels mit Kriegsmaterial wiederherzustellen, sondern daß die Regierung durch Nutzbar­machung der französischen heeresbestände zu­gunsten der spanischen Marxisten eingrcifen müßte, wenn sie den Wünschen der Kommu­nisten in wirksamer Weife Rechnung tragen wollte.

Dies würde die Gefahren weiter vergrößern, wäh­rend die Nichteinmischungspolitik zweifellos die Ge­fahren vermindere. Sie müsse daher an einer Festi­gung des Londoner Abkommens arbeiten und die Wirksamkeit der Kontrolle verstärken.

Der Ministerpräsident wies dann darauf hin, daß Frankreich möglicherweise einmal zumAeußer- ften" schreiten müsse. Dies werde aber nur bann geschehen, wenn es sich um die Verteidigung der Unantastbarkeit seines Gebietes handele. Um die Abwendung dieser Möglichkeit kämpfe die franzö­sische Regierung, und er wolle niemals die Hoff­nung aufgeben, daß Europa vor einer derartigen Katastrophe bewahrt bleiben möge.

Löon Blum streifte dann die Beziehungen Frank- reiche zur Kleinen Entente, zu Belgien, England, Polen und Amerika und berührte auch den franzö­sisch-sowjetrussischen Pakt. Er wiederholte die Ver­sicherung Delbos, daß

Frankreich bereit sei, England im Falle eines nicht herausgeforderten Angriffes zu unter- stützen.

Auch gegenüber Deutschland und Italien sei Frank­reich nicht untätig geblieben. Die französische Re­gierung strebe ein Abkommen über die Organi­sierung des Friedens in Europa an.

Nach der Rede des Ministerpräsidenten, die auf allen Bänken des Hauses, mit Ausnahme des äußer­sten rechten und linken Flügels, mit lebhaftem Bei­fall ausgenommen wurde, ergriffen die verschiede­nen Fraktionsvorsitzenden das Wort, um die Hal­tung ihrer Gruppen darzulegen, wobei sich sämt­liche linksgerichteten Gruppen, mit Ausnahme der Kommunisten, für die Vertrauenserklärung aus­sprachen. Für die Kommunisten wandte sich D u c l o s in einer längeren Erklärung gegen die Regierunaspolitik, wobei er vor allem die Hal­tung des Kabinetts in der spanischen Frage angriff, die nicht den Grundsätzen der Volksfront entspreche.

Die Kammer hat dann mit 350 gegen 171 Stim­men die Vertrauens-Tagesordnung für die Re­gierung Blum angenommen.

Jrn Anschluß daran fand eine Ministerbe­sprechung statt, über deren Ergebnis L 6 on Blum der Presse eine Erklärung abgab. In dieser Erklärung führte der Ministervräsibent aus, daß er und seine Kollegen angesichts des aggref» s i v e n T o n e s, den der kommunistische Fraktions­führer D u c l o s angeschlagen habe, erwogen haben, ob ein Weiterarbeiten der Volksfront noch möglich sei. Die Minister hätten jedoch einmütig beschlossen, im Amt zu bleiben. Doch werde die Frag« in nächster Zeit geklärt werden müssen.

werden würde und daß sich die öffentliche Meinung beunruhigen müßte. Diese Krise würde in die Volksfront Unruhe tragen und die Möglichkeit mit sich bringen, daß das Land geschwächt und die so­zialen Reformen, die in der Durchführung begriffen sind ober vorbereitet werden, gefährdet werden.

Ich lege Wert darauf, an das zu erinnern, was ich von der Kammertribüne aus der Kommu­nistischen Partei zugerufen habe: Es handelt sich nicht nur darum, eine augenblickliche Schwierig­keit zu überwinden, sondern darum, sie derart zu lösen, daß schließlich das gemeinsam« Han­deln unter vertrauensvollen, loyalen Bedingung en fortgesetzt werben kann. Diese Frage bleibt aufgeworfen. Die nächste Zukunst wird zeigen, wie die Kommunistische Partei diese Frage zu lösen gedenkt."

Aoch keine Klärung der Lage.

Ernste Warnung dlums an die Kommunisten.

Äer frühere Stellvertreter Gustloffs gestorben.

Berlin, 6. Dez. (DNB.) Der Ortsgruppenleiter Daoos der Auslandsorganisation der NSDAP. Franz Jansen ist in der Nacht zum Sonntag nach kurzem Krankenlager an Lungentzündung g e ft o r b e n.

Öazien war vor dem Verbot der Landesgruppen­leitung in der Schweiz der Stellvertreter des er­mordeten Landesgruppenleiters Wilhelm Gustlof zu dessen engstem Freundeskreis er zählte. Dor eini­gen Wochen war er zum deutschen Konsul in Davos ernannt worden. Seit Kriegsende lebte er in der Schweiz, zunächst in St. Gallen und spä­ter in Davos, nachdem er sich ein Lungenleiden als Soldat im Felde zugezogen hatte. Sein Tod muß um so schmerzlicher empfunden werden, als er einige Tage vor dem Prozeß gegen den jüdischen Mörder Gustloffs, David Frankfurter, erfolgte. Denn gerade Jansen hätte sein Zeugnis für bas gesetzestreue Verhalten Wilhelm Gustloffs ablegen können. Noch vor zwei Wochen weilte er in Chur, um in feiner Eigenschaft als Konsul durch seine Mitwirkung die Vertretung deutscher Interessen in dem Prozeß zu sichern. Eine Lungenentzündung, die ihn im Anschluß an diese Reise aufs Krankenbett warf, hatte seinen Tob zur Folge. Jansen hinterläßt Frau und zwei Kinder.

Der Stellvertreter des Führers hat ein Beileidstelegramm an die Witwe des verstor­benen Ortsgruppenleiters Davos der Auslands- organisation der NSDAP., Jansen, gesandt.

Der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP. Gauleiter Bohle sandte an Frau Jansen fol­gendes Telegramm:Tief erschüttert über bas plötzliche Ableben unseres guten Kameraden und treuen Gefolgsmannes feines Führers übermittle ich Ihnen, liebe Frau Jansen, das tiefst empfun­dene Mitgefühl der ganzen Auslandsorganisation. Ihr Ernst Bohl e."

Di« Beisetzung Jansens findet am Dienstagmittag in Davos statt.

(Bei dieser aufsehenerrregenben Feststellung warf der Außenminister ein, baß es besonders vom in­ternationalen Stanbpunkt aus nicht ungefährlich fei, derartige unkontrollierbaren Zahlen zu nennen.) Wenn der Außenminister behauptet habe, es gebe in Spanien nur eine rechtmäßige Regierung, und zwar die von Valencia, so stehe er auf dem Stand­punkt, baß man gegenüber einer berartig vom Anarchismus durchsetzten Regierung keine festum­schriebene Politik machen dürfe, die vielleicht später einmal unübersehbare Auswirkungen haben könnte. Er persönlich stehe General Franco sympathisch gegenüber, weil Franco kein Feind Frankreichs sei, was er auch in Spanisch-Marokko bewiesen habe. Der Redner bedauerte bann bie gespannten Beziehungen zu Italien, wo Frankreich nicht einmal biplomatisch vertreten sei. Wenn auch bie englische Unterstützung anerkennenswert und nicht zu unterschätzen sei, genüge sie für bie französische Sicherheit im Mittelmeer nicht; denn für die fran­zösischen Seeverbindungen mit den Kolonien sei so­wohl die Zustimmung Englands, als auch bie Ita­liens notwendig. Es liege baher im Interesse Frank­reichs, eine Annäherung an Italien zu suchen.

Oer ehemalige Außenminister Flanoin stimmte der Rede des Außenministers vorbehaltlos au, obwohl er sich in Opposition befinde. Die Lage sei sicherlich sehr ernst. Flandin sprach von einer Erschütterung des Friedens, deren Ursache nach Meinung des Redners z. T. darin liege, baß bas europäische Statut, das in Versailles geschaffen worden sei, täglich mehr an Ansehen und Kraft verliere. Der zweite Grund für die Erschütterung des Friedens liege darin, daß man heute an dem Punkt der gebietsmäßigen Revision der Verträge angelangt sei. Der Völkerbund habe sich als un­fruchtbar erwiesen. Da alle französischen Abkom­men im Rahmen dieses Völkerbundes abgeschlossen seien, müsse man sich fragen, was sie wert seien, wenn der Hauptakt, nämlich der Dölkerbundspakt, nichts mehr tauge. Auch Flandin wies auf die Not­wendigkeit hin, normale Beziehungen zu Italien wieder herzustellen.

Paris, 7. Der (DNB. Funkspruch.) Der Sonn-' tag hat keine Klärung der innerpoliti­schen Lage gebracht. Die Sozialisten haben bis­her keinerlei Besprechungen ihrer führenden Orga­nisationen angesetzt. Die Verhandlungen werden vielmehr hinter den Kulissen geführt. Auf kommunistischer Seite scheint man vorläufig die gleiche Taktik zu verfolgen. Es scheint jedoch nicht ausgeschlossen, daß der heutige Montag eine Orien­tierung der Krise nach der einen ober aoberen Rich­tung hin mit sich bringt, denn ber Landesaus- schuß ber marxistischen Gewerkschaf- t e n tritt unter dem Vorsitz Iouhaux' zusam­men, um sich offiziell mit ber obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit zu beschäftigen. Angesichts der Ereignisse vom Samstag hält man es aber in parlamentarischen und politischen Kreisen für sehr wahrscheinlich, daß man sich auch mit der augenblicklichen Lage befassen wird.

Für die Regierung Blum wird es sich darum handeln, zu prüfen, ob eine weitere Arbeit der Volksfront unter ihrer Leitung möglich ist. In sonst gut unterrichteten Kreisen erklärt man, daß in aller Kürze ein K a b t n e t t s r a t zu­sammentreten werde, um sich eingehend mit dieser Frage zu beschäftigen.

DerP o p u I a i r e", das Organ des französi­schen Ministerpräsidenten, veröffentlicht am Mon­tag zwei bezeichnende Artikel, von denen der eine aus ber Feber bes stellvertretenden Generalsekre­tärs der Sozialistischen Partei S e v e r a c stammt, ber andere von dem Nachfolger Blums als Leit­artikler des Blattes Bracke. S e v e r a c ist ber Ansicht, daß trotz des schweren Schlages, den die Regierung durch die Stimmenthaltung ber Kom­munisten erhalten fjabe, jede Hoffnung auf eine weitere Zusammenarbeit nicht aufgegeben werden dürfe.

Bracke erklärt, man verlange von der Volks­front-Regierung die Durchführung des Volksfront- Programms. Sie habe niemals etwas anderes ge­tan und werde auch in Zukunft nichts anderes tun, d. h. in enger Zusammenarbeit mit ber Volksmasse

und den politischen und gewerkschaftlichen Organen Punkt für Punkt ber einzelnen Artikel dieses Pro­gramms zu verwirklichen.

Einige Abgeordnete und Senatoren äußern sich imI o u r" über bie Lage, wie sie burch bie Stimmenthaltung der Kommunisten geschaffen wor­ben ist. Der unabhängige radikale Abg. Mon­ti g n y ist ber Ansicht, baß sich in den Reihen ber Volksfront zu minoeft eine moralische Spal­tung ergeben habe, die ihr die Dynamik nehme. Er glaube aber nichtsdestoweniger an einen Fort­bestand ber Volksfront bis zu dem Augenblick, wo bie Kommunistische Partei ihre Stunde für gekom­men halte.

Die Frage sei nur, ob sie an diesem Tage ihr

Werk der revolutionären Organisierung nicht bereits vollendet habe.

Der bekannte rechtsgerichtete Senator L a rn e r y hält die Lage vor allem für die Radikalsozialisten für unhaltbar, und Arnar deshalb, weil die Regie­rung Blum ihre Arbeit in Zukunft nur fortseßen könne, wenn sie den Kommunisten gehorche.

Auch ber rechtsgerichtete Senator Haschette hält ein Auseinanderfallen der Volksfront für un­vermeidlich. Es handle sich nur noch um ein« Frage von Tagen.

Der radikalsozialistische Abg. Archimbaud, bellen Sympathien für bie Kommunisten kein Ge­heimnis sind, meint jeboch, es bestehe keine Veran­lassung, daß die Regierung zurücktrete.

Englisch-italienische Mittelmeer-Besprechungen.

London, 6. Dez. (DNB.) Wie Reuter aus Rom berichtet, hatte der britische Botschafter Sir Eric Drummond mit Außenminister Graf C i a n o am Samstaanachmittag eine einftÜnbige Besprechung. Diese habe sich dem Vernehmen nach auf den italienischen Wunsch nach einer Verstän­digung im Mittelmeer bezogen. Die Be­sprechungen seien seit der letzten Rede Edens in dis» fer Angelegenheit ununterbrochen fortgesetzt morde«.