Sur den Büchertisch.
Gesetz mb Größe britischer Macht
Tragödie emes großen Geschlechts
Aristokratie.
—e.
und eine
Zoses Weinhebers „Späte Krone"
Die Landratten erhalten einen niemals langweilig werdenden Einblick in die Fragen der Segeltechnik und in die verwirrende Namensgebung der Besegelung. Besonders spannend wird der große und erbitterte Endkampf zwischen dem Segelschiff und dem Dampfschiff dargestellt. Ueber all diesen Einzelheiten ist das Buch aber vornehmlich eine Geschichte menschlicher Kühnheit und Zähigkeit. Keine Entbehrung, kein Leid, nichts war abschreckend genug, jene kühnen Seefahrer davon abzuhalten, in die unendliche Wasserwüste vorzustoßen oder auf den primitiven Kampfflotten der vergangenen Jahrhunderte für die Größe und Ehre ihrer Heimat zu kämpfen. Das beigegebene Bildermaterial macht durch jeweils zeitgenössische Darstellungen deutlich, was sieben Jahrtausende im Schiffbau geleistet haben.
— Fahnenjunker Bolkenborn. Roman von Georg Grabenhorst. (Koehler & Amelang-Ver- lag, Leipzig. Geb. 2,85 Mark). — 296 — Der Leser hat es in Grabenhorsts „Fahnenjunker Bolkenborn" mit einem der besten der deutschen Kriegserlebnisse zu tun. Mit packender dichterischer Kraft, mit feinem Einfühlen in das Seelenleben der damaligen jüng- ten Kriegsmannschaften und mit hinreißender Schillerung des gewaltigen Fronterlebnisses in allen einen vielseitigen Erscheinungen hat Grabenhorst der ganzen jungen Frontgeneratton in diesem Buche ein schönes Denkmal von bleibendem Wert geschaffen. Rückhaltlos kann man dem Dichter Walter von Molo zustimmen, der an den Verfasser schrieb: „Ein reelles, gutgearbeitetes und gekonntes Buch, das vollkommen objektiv die Dinge gestaltet und daher desto erschütternder ist. Es werden viele aus der Kriegsgeneration auf der Strecke bleiben. Ihre Kraft und innere Wahrhaftigkeit haben Sie gerettet." Wir möchten als alte Feldsoldaten diesem prächtigen Buche unsere beste Empfehlung mit auf den Weg geben, es insbesondere in die Hände unserer heutigen jungen Mannschaft wünschen. B.
— Klara Hofer: Das letzte Jahr. Ein Roman um Theodor Körner. Verlag Ullstein. Berlin. Preis Ganzleinen 4 Mark. — (384) — Theodor Körner — das ist der zu allen Zeiten wiederkehrende deutsche Jüngling, der strahlende Junge mit dem großen, etwas romantischen Herzen. Hier begegnet er uns im Rahmen des Empire und der napoleonischen Invasion. Die Gefühlsseligkeit der damaligen Zeit ist der Hintergrund des talentierten 21jährigen Theater-Dichters, dem man eine glänzende Zukunft prophezeit. Mit von Gluck geschwellten Segeln trifft er Vorbereitungen zu sei« ner Hochzeit mit Tom Adomberger, der gefeierten Wiener Schauspielerin. Freundschaftliche Beziehungen verbinden ihn mit Großen seiner Zett, mit Humboldt und Grillparzer. Die Kriegsfanfare zeri stört seine Hoffnungen. Er lernt das Grauen des Krieges kennen, Todesahnen erfüllt ihn, aber zu immer größerer Begeisterung schwinat er sich auf. In solchen Stimmungen schreibt er seine schönsten Gedichte. Mele Züge unserer Jugend finden wly tu der Dkld Körners wieder,
Manner und Meere.
. Männer d e s Nordens, Wikinger-Leben, Fahrten und Kämpfe. Nach altnordischen Taten von Gerhard Ramlow, mit Zeichnungen von Karl Busse und einer Karte der Wikingerzuge. (Verlag von Rich. Bong, Berlin. Gbd. 3,80 M.) — (316) — Der Autor läßt in diesem fesjelnden Buche die ferne Zeit der Wikinger mit ihren herben Männern und Frauen vor den Augen der Leser wiedererstehen. Es ist em Buch, in dem ber Inhalt alter Ueberlieferungen mit liebevoller Ge- sta'tungskunst besonders packend hervortritt. Immer wieder lockt die Männer des Nordens das ewige, herrliche Meer zu wagemutigen Fahrten und kühnsten Taten. Einer der gewaltigsten Wikinger, Harald der Harte, durchguert mit seinen Schissen sogar Rußland, dringt bis Byzanz vor und beherrscht das Mittelmeer. An den Küsten Pommerns entsteyen Burgen, wie die Iomsburg, in der den Jomswikingern ihr ehernes Gesetz gegeben wirb. Ein arbeitsoolles Leben waltet auf den Hofen Islands, und groß ist der Reichtum auf den dänischen Inseln. Die herrschenden Gesetze und Anschauungen beruhen auf Ehre und Sittlichkeit. Das Gebot der Blutrache steht über den Mannern, mag selbst ein ganzes Geschlecht an ihr zugrunde gehen. Aus dem Buche klingt immer wieder der altnordische Gedanke wieder, daß niemand dem Lose entgehen kann, das die Nomen über ihn verhängt haben — daß er es aber mannhaft auf sich nehmen muß, um den Nachkommen ein Vorbild zu sein. Dieses Buch hat dem Menschen unserer Zett viel zu sagen, besonders uns Deutschen. Wer sich mit ganzem Empfinden in dieses Buch üertieft, roirb von ihm reichen Gewinn haben. Es ist ein Werk, dem man aufmerksame Leser in jedem geistig interessierten deutschen Hause wünscht.
- $). SEB. van ßoon: „M an ne rund Meere". Siebentausend Jahre Seefahrt Mit 107 Abbildungen nach Zeichnungen des Verfassers und 28 zum Teil farbigen Tafeln. Preis Ganz -men 7,50 Mark. Bering Ullstein, Berlm. — (311) — Nach feinem Buch „Du und die Erde , eine mo- berne Geographie für jedermann, beschreibt jetzt van ßoon bas weite Gebiet bev Seefahrt unb legt seinen vielen Lesern eine unterhaltsame Entwicklungsgeschichte bes Schiffes vor. Zu Beginn wirft ber primitive Mensch einen Baumstamm ms Wasser unb am Schluß setzt der Verfasser das große Fragezeichen hinter die Ozeanriefen unserer Gegenwart und hinter die Großkampfschiffe, deren
— Reinhold Schneider: Das Insel- reich, Gesetz unb Größe ber Britischen Macht. Im Insel-Verlag zu Leipzig, Preis in Leinen geb. 8,50 Mark. — (320) — Das Buch will nicht als eine Geschichte Englanbs mißverstanben werben, es will vielmehr burch das Medium der Schicksale, durch die Darstellung dreier wefentlicher Entscheidungen der englischen Geschichte die innere Gestalt sichtbar machen unb zugleich auf das Gesetz verweisen, das über aller Geschichte waltet. Dieses Gesetz lautet für Reinhold Schneider: „Schuld ist die Bewegerin aller Geschichte und alle Schuld wird gerichtet." Es ist gut und notwendig, den christlichkatholischen Standpunkt des Verfassers zu wissen. Im Zwiespalt zwischen Glaube und Macht löst England sich von Rom und wird nun erst das ,^Inselreich", aber auch das weltumspannende (Empire. Die Errichtung des Kreuzes auf den Inseln, Die Entscheidung Heinrichs VIII. und die Ungebrochenheit englischen Willens und englischer Seele im großen Pitt nach dem Abfall Amerikas sind Höhepunkte in diesem Kampf zwischen Glaube und Macht. In der wunderbar gefeilten, leuchtenden Sprache des Dichters werden in bezeichnenden Episoden die großen Gestalten deuttich, die den Gang der Entwicklung bestimmten. Von Irland aus zieht der Heilige Columba zur Bekehrung Schottlands aus, Gregor der Große gründet die englische Kirche. In der Not der Dänenzeit wird A l - f r e b ber Große ber vollkommene christliche König. Die normannische Eroberung sehen wir in ben Gestalten Wilhelms unb Harolds, beide in Schuld verstrickt. Die großen Kathedralen, die Got- tesburgen der Normannen, sind Ausdruck des seelischen Zwiespalts dieser Zeit. Die Normannen, die das Land mit List und Gewalt geraubt haben, machen es sich noch einmal zu eigen in einem inneren Sinne als Gestalter und Bringer einer Form, der Idee des großen Raumes, damit den früheren Eroberern, ben Römern gleich. Die bich-
— Josef Weinheber: Späte Krone. Gebichte. 136 Seiten. Seinen 4,50 Mk. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1936. — (401) — Wer Weinhebers Vorlesung in Gießen zu Beginn ber Woche bes beutschen Buches gehört hat, muh empfunden haben, baß hier ein Dichter von außer- orbentlichem Range seine Stimme erhob. Mit Staunen unb leiser Erschütterung begreift man, wie hier burch lange Jahre hoffnungsloser Einsamkeit, unbeachtet unb ungehört, ein lyrisches Werk sich sammelte unb reifte, dessen Reichtum unb Abel, dessen formale Fülle unb inneres Gewicht seinen Schöpfer über unzählige, auch schreibende Zeitgenossen innerhalb unb außerhalb ber österreichischen Grenzen hinaushebt. Wenn man bas letzte von Weinhebers Büchern, biese „Späte Krone", gelesen hat, empsinbet man erst ganz, was für einen langen, bitteren Weg bieser bis vor kurzem völlig Unbekannte aus Wien zurücklegen mußte, ehe ihm die Universität München den Mozartpreis der Goethe- stiftung zusprach, „weil seine Werke den elementaren Durchbruch einer großen lyrischen Begabung von ungewöhnlichem Ernst verraten und durch außerordentliche Formenstrenge ausgezeichnet sind". Wer dieses letzte Buch in sich aufnimmt, das „den Manen Michelangelos" gewidmet ist, wird betroffen sein zunächst von dem Reichtum lyrischer Formen und
— Eva Scott: Sie Stuarts. Mit 19 Abbildungen, acht zeitgenössischen Dokumenten und einer Stammtafel. Preis geh. 8,50 Mk., in Seinen geb. 10 Mark. Verlag Georg D. W. Callwey in München. — (373) — Die Frühzeit schotttscher Geschichte tritt uns in ben schönsten Ballaben Theodor Fontanes entgegen. Unb ballabenhast bleibt auch bas Schicksal der Stuarts, nachdem sie ben Kreis der Großen Politik betreten haben. Wie Schottland dazu verdammt war, der Prellbock oder der Spielball zwischen seinem stärkeren englischen Nachbarn und Frankreich zu sein, so blieben die Stuarts in dem niemals gelösten Konflikt zwischen ihrem eigenen Glauben unb dem Bekenntnis ihrer Völker selbst nach ihrer Uebersiedlung in das anglikanische England. Es ist kein Zweifel, und dieses Buch erhärtet es von neuem, baß die starre Unbelehrbarkeit ihres Charakters, dem aber auch, aus gleicher Wurzel entspringend, Treue, Mut und Glaubenseifer nachgerühmt werden müssen, die Stuarts hinderte, die politische Wirklichkeit zu sehen. Wie in ihrem persönlichen Seben die Siebe zur Kunst aber auch der Hang zu leichteren Genüssen dominierte, so blieb auch ihrer Politik ein romantischer Zug eigen, der wenig paßte in die Härte der vier Jahrhunderte, die Aufstieg unb Zusammenbruch ihres Geschlechts sahen. Das Buch beginnt mit Jakob V., dem Vater der Maria Stuart, ber als Neffe Heinrichs VIII. schon verstrickt wirb in bie Politik bes englischen Nachbarreichs, die seinem ganzen Hause soviel Glanz, aber auch unsagbares Elend bringen soll. Seiner Tochter Maria Por- trät trägt schon alle die Züge, die das typische Stuart- Schicksal unausbleiblich machen: bestrickender Charme, persönlicher Mut, Treue im Glauben und Treue zu Freunden, aber auch Seichtsinn, Ehrgeiz und Genußsucht. Die Gerechtigkeit gebietet, festzuhalten, daß iyr die skrupellose Polittk Englands und Frankreichs, in bie sie sich verstrickt sah, gleichermaßen verhängnisvoll wurde wie ihr Charakter. Aber auch ihr so anders gearteter Sohn Jakob I., der von allen Stuarts vielleicht am wenigsten Stuartzuge zeigte, obwohl auch sein Vater Darnley ein Stuartsproß gewesen war, hatte kaum eine
Historische Romane.
— Sili von Baumgarten: Die Genera l s ch e. Ein Frauenleben aus dem Rußland der Vorkriegszeit. Preis geb. 3,80 Mk. Verlagsbuchhandlung I. I. Weber, Seipzig. — (277) — Dieses kulturgeschichtlich hochinteressante Buch gibt einen tiefen Einblick in die gesellschaftliche Struktur und die geistige Atmosphäre im Rußland der letzten beiden Zaren. Es liegt schon lange so etwas von Untergangsstimmung in ber Suft, bevor die furchtbare Niederlage im Kriege gegen Japan bie Revolution entfesselte unb bie zersetzenden Kräfte freimachte, die auch nach Niederwerfung der Revolution unter der Decke das Feuer wachhielten, bis die erneute Niederlage der russischen Waffen im Weltkrieg ihnen Erfüllung brachte. Das Buch schildert zwar nur das Alltagsleben einer kleinen gesellschaftlichen Oberschicht, aber so bar an äußeren Sorgen es auch sein mag in der grandiosen Breite östlichen Sebenszuschnitts, so sehen wir doch auch hier schon eine Dekadenz, die die jüngere Generation einfach am Seben zerbrechen läßt, weil es ihnen keine Aufgaben stellt, die Energien wecken könnten. Ja, diese jungen Männer und Frauen aus ben ersten Häusern Rußlanbs werden selbst vom Gift des Nihilismus infiziert, weil sie zwar dumpf ahnen, daß der Tanz auf dem Vulkan zu einer furchtbaren Katastrophe führen muß, wenn nichts geschieht, selbst aber nicht die Kraft haben, in dieser Auseinandersetzung über eine neue, dem russischen Volk gemäße Sebensform Führer ihres Volkes zu sein. Sie vermögen ja nicht einmal ihr persönliches Schicksal zu meistern. Wie ein Rocher de bronze steht in diesem hier geschilderten Untergang einer Familie die alte Generalswitwe aus deutschem Blut, eine imponierende Gestalt, die mit patriarchalischer Hand ihre große Familie leitet, aber vielleicht grabe deshalb nicht hindern kann, daß eines ihrer Kinder nach dem andern vor dem Seben kapituliert. Die für uns fast unfaßbare Mischung von Aufgeklärtheit und Aberglaube, die die Seele des russischen Volkes wie zwischen zwei Polen hin- unb hergerissen hat, beherrscht auch diese in ihrem persönlichen Stil bewunderungswürdige Frau, ein Denkmal der im Blutmeer des Bolschewismus mit dem alten Rußland versunkenen deutsch-russischen
Dasein ihm vom Unterseeboot und vorn Flugzeug ernstlich bedroht scheint. Dazwischen ziehen unzählige Kulturen, die ihren Beitrag zum Thema Schiff im Saufe der Jahrtausende beigesteuert haben, an unseren Augen vorüber. Von ber „Urwiege" des Schiffes in der Sübsee geht es nach China, nach Aegypten, Assyrien, zur griechischen und römischen Antike bis zu jenem wichtigen Zeitpunkt, zu dem die nordische Welt mit ihrem überragenden technischen Können den Schiffbau des Mittelmeerraumes entthront. Normannen und Wikinger treten auf; das Zeitalter der Entdeckungen; die großen Machtkämpfe zwischen ben sinkenden lateinischen Mächten und ben norbeuropäischen Völkern, bie mit Englanb unb Hollanb von nun an bie Weltmeere beherrschen. Neben demKulturgeschichtlichen kommt bie technische Seite bes Stoffes zu ihrem Recht.
terisch beschwingte Schilberung ber Kathedralen gehört zu den schönsten Kapiteln, wie bie Charakteristik Heinrichs VIII., ber aus persönlichen unb politischen Grünben sein Sanb von Rom löste, zu ben feinsten Porträts bieses reichen Buches zu zählen ist. Erst in der Gegenüberstellung ber mit großem Verstänbnis gesehenen Katharina von Aragon wird ber Zwiespalt zwischen Glaube und Macht ganz deutlich. Hier ist der Scheitel der Entwicklung, England betritt bie Bühne ber Weltpolitik. Wie wenig aber bie Soslösung von Rom auch bie Entscheibung gegen ben Glauben bebeutet hatte, lehren bie folgenben Kapitel des großen Religionskrieges. John Knox, der Schüler des großen K a l v i n, dem ein in seiner Gedrängtheit ungemein aufschlußreicher Abschnitt gewidmet wird, wird der Reformator Schottlands und unerbittlicher Gegner der Maria Stuart; Cromwell, ber Jndepenbent, für ben der vor Gott recht hat, wer Herr der Wirklichkeit ist, für den der Erfolg das Zeichen der Erwähltheit ist, stürzt den Stuartkönig Karl I. vom Thron, der sich vor bie anglikanische Bischofskirche gestellt hat und nur in Gott seinen Richter sieht. Und dem Kampf um ben Glauben verdanken die ersten britischen Kolonien an ber Atlantikküste Nord-Amerikas ihr Entstehen. Aber die Freiheit ist der Preis des Krieges gegen die Heimat. George Washington glaubt an die Möglichkeit, eine neue Geschichte zu beginnen, an ein neues Zeitalter, aber „Form bildet sich nur, wo der Kern menschlicher Gestalt und Bildung, der sich in Jahrhunderten zusammenschließt, unversehrt erhalten wurde". Und wie das Verlangen nach Freiheit englischem Samen entsprossen war, so wurde das freie Sanb im Femen Westen Erbe englischer Form. Der Salut der Helden von Saratoga und die letzte Parlamentsrede des sterbenden Pitt schließen das Buch als großartige Apotheose englischen Lehensgesetzes. —e.
Ausdrucksmöglichkeiten, ber sich da offenbart; betroffen auch von dem Ernst und dem Verantwortungsbewußtsein, mit dem hier ein echter Dichter dem so oft mißbrauchten und geschändeten Werkstoff der deutschen Sprache sich nähert. Man muß wohl bis zu Hölderlin zurückgreifen, um eine Oden- und Hymnendichtung zu finden, die den hier unter dem gleichen Namen erscheinenden Strophen Weinhebers ebenbürtig zur Seite zu stellen wäre. Die von Michelangelo („An Vittoria Colonna"; „An die Nacht" III) angeregten zweimal fünfzehn Sonette „Von der Kunst und vom Künstler" unb „An bie Nacht" hüben, am Anfang unb am Enbe bes Buches stehend, gleichsam bie großartigen Ecksätze einer lyrischen Symphonie, in benen ber ganze Ernst, bie tiefe Einsamkeit unb bas schmerzliche Ringen eines begnade- ten Dichtertumes sich geläutert versammelt haben. Inmitten bes Buches aber stehen roieberum so schlichte unb rein lyrische Gebilbe wie „An eine junge Tote" oder „Im Grase" oder „Sonntagnachmittag"; und auch jenes rührende und erschütternde, menschliche Bekenntnis „Das Sandhaus". — Wir wollen, auf dieses bedeutende Werk mit allem Nachdruck hinweisend, nicht zu bemerken versäumen, daß ihm der Verlag eine würdige äußere Ausstattung liebevoll hat zuteil werden lassen. hth.
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— Meister der Musik unb ihre W erke. Herausgegeben von Herbert Gerigk. Unter Mitarbeit von: Friebr. W. Herzog, Dr. Hermann Killer, Dr. Werner Korte, Dr. Richard Litterscheid, Helmut Majewski, Prof. Dr. Schenk und Rudolf Gönner. Mit 26 Bildern auf Tafeln, 5 Bildern im Text sowie zahlreichen Notenbeispielen. Ganzleinen 3,80 Mark. Verlag von Rich. Bong, Berlin W 57. — (315) — In diesem Buch sind Seben unb Werke ber großen Meister der Musik in lebendiger Form dargestellt: von Schütz und Bach bis zu Strauß und Reger. Aufsätze allgemeiner Art stellen die Entwicklung dar, die von den Anfängen der Musik zu den großen Meistern führt; die weisen die Zusammenhänge unb den Wandel auf. Einer dieser Beiträge ist der „Musik der Germanen" gewidmet, einer den „Meistern der Oper und Operette", ein anderer den „Meistem des Auslandes". Den Abschluß bildet ein Ueberblick über bie „Musik in der Gemeinschaft" bis zum Kampf- und Gemeinschaftslied unserer Zeit. So erweitert sich bas Buch über Persönlichkeitsbilder hinaus zu einer Musikgeschichte volkstümlicher Art.
— Kurt Arnold Findeisen: Du meine Seele, du mein Herz. Der Roman Robert Schumanns. Mit 16 Bildtafeln nach zeitgenössischen Bildern. Ganzleinen RM. 5.—. Verlag von Rich Bong, Berlin W 57. — (317) — In diesem „Roman Robert Schumanns" klingt der geheimnisvolle Zauber seiner Musik mit ben Zwischentönen der Sehnsucht wieder. Seben wird zur Musik und Musik wird zu Seben. Robert Schu- mann und Mara Wieck kämpfen um das Glück ihrer Siebe, bis die Stunde des Sieges anbricht. Aber für einen Künstler wie Robert Schumann gibt es keinen dauernden Frieden. Der Schaffende ringt mit dem Urklange, bis er körperlich unterliegt. lieber dem Sinkenden aber steigt fein Werk empor, der Welt offenbart von feiner Sebensge- fährtin Klara Wieck, der unvergleichlichen deutschen Klavierspielerin.
glücklichere Hand, und Karl I., die reizvollste Gestalt dieses Buches, wurde das Opfer feiner politischen und religiösen Überzeugungen, von denen er um fein Haar breit abzuweichen vermochte, auch als er bie Katastrophe kommen sah. Der Romantiker Karl paßte so wenig in bie zelotenhafte Enge seiner Zeit, wie bie katholische Henriette Marie in bas puritanische England. Aber es ist nicht paradox zu sagen, daß er im Kampf gegen die Revolution für die geistige Freiheit gegen puritanische Unduldsamkeit, für die anglikanische Kirche gegen anarchisches Sektierertum unb für die alte Ord- nung gegen die Auflösung aller Bande stritt. Daß schon zwei Jahrzehnte später sein Sohn Karl II. vom englischen Volke wie ein Retter aus nationaler Not begrüßt wurde, ist bis zu einem gewissen Grade eine Rechtfertigung des unglücklichen Märtyrerkönigs. Die Größe des Geschlechts ist mit ihm dahin. Wenn auch feine Söhne noch bis zur Jahrhundertwende den Thron zu behaupten vermögen, ja Jakobs II. Tochter, bie Königin Anna, sogar noch einmal im Schatten Marlboroughs einer Glanzzeit britischer Geschickte ihren Namen leihen wird, so ist das Schicksal des Hauses Stuart doch ein Verdämmern im Prätendententum und Verbannung, mag auch bas Blut ber Stuarts, wie bie sehr übersichtliche Stammtafel, bie diesem Buche beigegeben ist, aufweist, bis heute in ben Hohen- zollern, Wittelsbachern unb im englischen Königs- Hause weiterleben. Das Buch Eva Scotts ist sehr lebendig geschrieben, es verliert über dem Detail des historischen Porttäts nicht den Blick für bie große politische Sinie, wenn auch die Siebe zu ihren Helden die Verfasserin häufig dazu verleitet, die politischen Gegenspieler, wie z. B. Elisabeth, Cromwell und Wilhelm von Dranien, nicht so deutlich zu zeichnen, wie es nicht nur die historische Gerechtigkeit, sondern ebenso auch die Kunst, durch Kontrast zu wirken, erfordert hätte. Aber im ganzen ist bas vom Verlag reich ausgeftattete Buch ein überaus farbiges unb faszinierendes Kolosfal- gemälbe von der Tragödie eines großen Geschlechts.
deutsche Erzähler.
— KarlHeinrichWaggerl:Wagrainer Tagebuch. 139 Seiten. In Seinen 3,80 Mark. Im Insel-Verlag zu Seipzig. — (342) — Nach seinen vier großen Romanen aus dem bäuerlichen Sebenstreis gibt Karl Heinrich Waggerl, von dem wir „Das Jahr des Herrn" vor nicht langer Zeit in ber Unterhaltungsbeilage abgedruckt haben, hier im „Wagrainer Tagebuch" noch einmal Bericht von dem stillen, ländlichen unb naturnahen Dasein in seinem abgeschiedenen, heimatlichen Dorf. Es geschieht gar nicht viel in dieser Erzählung; sie liest sich über große Strecken hin wie ein heiteres, sommerliches Iwyll, aber man spürt doch durch das Idyllische hindurch immer ben Emst unb bie Nähe des echten unb wirklichen Sehens, bie große, unvergängliche Natur; unb — was das Schönste ist — man findet auf jeder Seite den wahrhaften Dichter wieder, ben die Freunde seiner Bücher längst heb« gewonnen Haden ... mit seinem erwärmenden, gütigen Humor und mit ber gelassenen Erfahrung unb Weisheit seines Sehens. Man spürt, wenn man bas Ohr dafür hat, sehr genau, wie dieser Mensch, aller Erfolge seines Schaffens und seiner Bücher ungeachtet, sich selber, seiner Herkunft und dem ihm gemäßen Daseinskreise treu geblieben und nicht der Literatur und dem Betrieb zum Opfer gefallen ist: er hat eines Tages viel Geld erhalten und geht nun daran, sich „ein Lehen" m kaufen, wie er es nennt, und einen Garten darum zu bauen, denn er hat die ewige Spannung zwischen ber Fremde, dem „Elend", und der Nähe, ber Heimat mit eigenem Grund und Boden an sich er
fahren unb weiß, was ihm nottut. Es sind auch nicht viele Menschen in dieser Erzählung: der kleine Michael, welcher dem David im ,Hahr des Herrn" verwandt scheint; Klaus, des Dichters Freund unb Helfer beim Bau des „Lehens", der Unruhige unb Umge tri ebene, unstetes Wib^rspiel des Erzählers, ber seine bleibende Statt gefunden hat; und der Sommergast, ein zartes, fremdes Fräulein im fliederblauen Kleid zu Besuch auf dem Lande. Es sind auch keine großen Schicksale, bie sich da begeben; alles bleibt an gedeutet und gleichsam verschleiert, aber eine Fülle von kostbaren und herzbewegenden Einzelheiten, die man lange nicht vergißt, wie der Traum von eignem Grund und Boden zu Beginn, ber Zweikampf mit dem Findlingsstein auf dem Felde, ber Besuch ber Sommergäste beim Dichter, oder jene herrliche, ländliche Theatervorstellung, deren Schilderung einem bie Tränen in die Augen treibt ... Wir freuen uns, bieses anmutige Buch empfehlen zu können: es wird ben vielen Freunden des Dichters Freude machen unb ist sehr geeignet, jenen, bie noch nichts von Waggerl gelesen haben, seine in sich ruhende, kleine Welt zu erschließen. hth.
— Siegfried von Vegesack: Meerfeuer. Ein Sommer auf Rönnö. Roman. 260 Seiten. Pappe 4,80 RM., Seinen 5,50 RM. Universitas Deutsche Verlags-AG., Berlin. — (345) — Siegfried von Vegesack bringt in dieser Liebesgeschichte, deren farbige Kulisse das unendliche Meer und eine kleine Insel an der Westküste Schwedens bilden, die lyrische Seite seiner dichterischen Begabung zum Erklingen. Mit breiten Pinselstrichen weiß er ein zartes und doch bewegtes Bild von Insel und Meer, Arbeit unb Mensch zu geben, weiß die Gestalten der Inselbewohner, ihre Siebe und ihre Sehnsucht, ihr Glück und ihr Unglück, den nordischen Sommer mit seinen taghellen Nächten und dem geheimnisvollen Zauber von Nordlicht und Meerfeuer zu schildern. — Bunt und abwechselungsreich ist das Leben auf einer so kleinen Insel für den, der mit offenen Augen davorsteht. Tod und Leben, Gesundheit und Krankheit, Freude und Schmerz — die Gegensätze liegen nahe beieinander. „Die Karten sind gemischt", sagt einmal der Landmesser, der große weltweise Freund des kleinen Joje, „ein guter Trumps liegt dicht neben der bösen Sieben, Herzdame neben dem Schwarzen Buben." In leisem Ahnen von Glück und Vergänglichkeit, von Schuld und Sühne erstehen noch unerschlossen und zukunftsfroh bie lichten Gestalten von Ragna Joje, bie dem dunklen Grundton bes Buches heitere Wärme verleihen.


