Nr. 262 vierter Platt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 7. November 1956
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Im Philosophenwald.
Heimat im Herbst.
Besinnlicher Spaziergang durch Wald und Feld.
rend von vielen anderen Gegenden von einem Ernte- egen der Obstbäume nicht zu reden war. In heimatlichen Gärten brach mancher Ast unter der Last einer Früchte. Die Kinder hatten aus ihrem Weg zur Schule immer die Taschen voll.
Inzwischen hat sich auch das Bild in unseren Gärten etwas gewandelt. Die Dahlien und Gladiolen verloren ihre prahlenden Farben, und die be- cheidenere Aster bildet den letzten Gartenschmuck. Die Gartenbesitzer, die Schrebergärtner sind jetzt dabei, ihre Kohlbeete umzustechen und mit Kunstdünger zu „zuckern". Die Rosenstöcke werden eingebunden und die Hochstämmchen zu Boden gebogen, eine Technik, die dem, der um die Notwendigkeiten nicht genau Bescheid weiß, immer etwas barbarisch erscheinen muß. Im übrigen beginnt es in den Gärten nun trostlos auszusehen.
Auch an der Lahn herrscht Herbststimmung. Biele derer, die der Weg über die Brücke führt, werden denken: wie kalt sieht doch das Wasser aus! Der Gedanke gar, vielleicht gerade jetzt und aus irgendwelchem zwingenden Grund hineinspringen zu müssen, vielleicht, um einen Menschen retten zu müssen (so etwas kann dock vorkommen, nicht wahr?!) also allein schon dieser Gedanke vermag eine leichte Gänsehaut auszulösen. —
Indessen ist es unterhaltsamer, einmal an der Lahn entlang zu spazieren! Wer längere Zeit nicht an die Lahnbrücke gekommen ist, wird sie noch gar nicht bemerkt haben: die kleine Anlage nämlich, die unterhalb des Biebertalbahnhoses, unmittelbar links der Brücke geschaffen wurde! Dort wurden schöne Kieswege angelegt, die zum Teil mit Steinen gefaßt wurden, Bänke wurden auch aufgestellt und warten aus den Frühling. Ein mächtiger Baum breitet seine herbstlich kahlen Aeste über Rasen und Wege. Richt weniger reizvoll ist es, an der Bleiche entlang sluß- auswärts zu spazieren. Aus der Bleiche selbst ist jetzt nicht viel los. Die wenige Wäsche, die dort ausge- hängt wird, trocknet bei der feuchten Witterung schwer und das ärgert die Hausfrauen.
Um die Bootshäuser herum ist es ruhig geworden, nachdem es in diesem Sommer sowieso nicht sehr lebhaft war. Der Ruderklub Hassia hat sein schönes Motorboot aus dem Wasser genommen und die Bootsbrücken wurden auch eingezogen.
Am schwimmenden Bootshaus der Universität stehen am Ufer und am Wehr einige uralte graue Weiden, grotesk und abenteuerlich in ihren Formen. Wenn jetzt am Abend die Wiesennebel um die Weidenstümpfe brauen, dann mag das etwa so sein, wie bei Erlkönigs in Goethes Lied. Auch weiter oberhalb stehen noch einige solcher alten Weiden, die sich trübselig im Wasser spiegeln.
Die vielen reizenden Wochenendhäuschen, die in den beiden letzten Jahren an der Lahn entstanden sind, so recht für friedliche lauschige Sommerabende geschaffen, sind menschenleer und einsam geworden. Rur einige Entenscharen beleben das Wasser und fahren, eifrig schnatternd, hin und her, nachdem ihnen die Lahn nun allein gehört. Denn auch die Paddler haben endgültig das Feld geräumt und ihre Boote verstaut. — Die Badeanstalten unterhalb der Brücke haben ihre Laufstege eingezogen.
So heiter und schön ein sonniger Herbsttag in den golddurchwirkten Laubwäldern ist, so grau und triste ist ein regnerischer Tag in der Stadt. Die regennasse Straße, der eintönig graue Himmel und der häufig notwendige Regenschirm tragen nicht zur Erheiterung bei. Die Häuser und Gassen werden zu
grauen Schluchten, m denen bei solchem Wetter elbst das Gebimmel der Straßenbahn mißmutig klingt. Und erst am Abend wandelt sich das Bild, wenn sich im nassen Asphalt die Lampen der Schau- enster, das Licht der Straßenlampen und der Fahr- zeuge spiegelt. Zu solcher Zeit denken dann die Kin« )er schon an das Weihnachtsfest.
Grau und trübe sieht es an regnerischen Herbsttagen in der Stadt aus. — (Aufnahmen 15|: Neuner.) Noch fallen von den Bäumen die letzten gelben Blätter und in den Gärten und an den Landstraßen werden jetzt die Winteräpfel geerntet, aber bald ist Weihnachten, in sieben Wochen, genau gesagt und am Kalender nachgezählt: in 47 Tagen. —
Vielleicht sieht dann die heimatliche Landschaft wieder anders aus, wohl tief verschneit, und rauh bereift die Bäume ... N.
Mi, Diel Vergnügen schlurft die Jugend durch das dürre Laub.
hatte diese Nacht den Platanen am Ludwigs-
Wenn die Kinder damit beginnen, nach den Kastanienbäumen hinaufzuschauen, nach den prall gewordenen stacheligen Früchten, und wenn sie dann mit irgendeinem Stück Holz oder mit Steinen in die Bäume hinaufwerfen, dann beginnt der Herbst! Das heißt, er beginnt nicht etwa deshalb — vielmehr ist dieses Bemühen der Kinder ein erstes äußeres Zeichen dafür, daß der Sommer vorbei ist. Wenn die Buben nach Kastanien werfen, die sich anfangs gar nicht so leicht vom Baum kriegen lassen, dann stehen die kleinen Madcken erwartungsvoll dabei: die ersten Kastanien des Jahres sind für die Kinder ebenso wertvoll, wie
Watzenborn - Steinberg den Bergwald m allen Farben vom hellsten Gelb über das kraftvolle Rot der Blutbuchen bis zum satten dunklen Immergrün der Tannen und Fichten vor sich sah. Nicht weniger schön der Bergwerkswald, in dem an vielen Stellen der abwechslungsreichen Landschaft das helle Gelb der zarten Birken vorherrschte, das sich mit Himmelblau und Wolken in abgründigen Tümpeln spiegelte. Hinter den hellen und dunklen roten Dächern von Wieseck grüßte der Hangelstein, ebenfalls in bunter Pracht, herüber zu den einzelnen schütteren Birken auf dem Trieb, die willig ihre Blätter den Westwinden überließen.
Das müßte die Bevölkerung der deutschen Klein- und Mittelstädte immer wieder als ein Glück empfinden, daß sie freie Landschaft gleich vor den Toren hat. Auch die Gießener haben es nicht schwer, in den Wald zu finden, alle die Schönheit zu erleben, die der Herbst zu geben hat.
Wer keine Zeit fand, den Herbst in unseren Wäldern zu erleben, dem wurde die vorgerückte Jahreszeit vor kurzem auch in der Stadt eindeutig klar, als nach einer Nacht mit ersten Kältegraden am Morgen unter den meisten der Bäume in einem dichten Kranz viele Blätter zur Erde gefallen waren, manche noch grün, andere einen gelben Teppich um den Stamm breitend. Besonders hart
die ersten Erdbeeren köstlich Wenn die Kastanien erst in großer Menge in den Rinnsteineir liegen und in der Kaiserallee (oder °nderswo) m Mengen von den Rädern der Wagen und Automobi e zermalmt werden, dann sind sie nicht mehr viel gefragt (Mit den Maikäfern geht es übrigens sehr ähnlich!)
Zuerst sind es also auch immer die Kastanien, di? ihren Blätterschmuck fallen lassen. Nach। und nach folgen dann die vielen
Anlagen und unserer heimatlichen Walder Wer nur selten aus der Stadt herauskommt merkt es gar nicht so sehr, und er wird überrascht sein, wenn sich unser heimatlicher Laubwald 'n den Oktober- Machen und n den ersten Tagen des Novembers noch in rotgoldener Pracht bietet. Doppelt schon und eine Augenweide bann, rvenn die Sonne noch einiges von ihrem kraftvollen Gold hmzugibt und die heimatlichen Buchenwälder in die schönste Farbe taucht, ch-rrlich war der Phüosophenwald 'N die em Jahre wieder, einzigartig schon bot sich der S-bissen. berg dar,, wen« rnay etwa aus dem Xal von
den kalten Morgen streckten.
So mancher, der an jenem Morgen auf dem Wege zu seiner Arbeit begriffen war und sich dabei unbeobachtet fühlen konnte, verfiel plötzlich in eine liebe Gewohnheit der Kinderjahre, schlurfte diirch die Mengen des gefallenen Laubes, daß die Blätter flogen und es mit jedem ausholenden Schritt heftig raschelte. Noch den ganzen Tag über segelten nach dieser kalten Nacht die Blätter zu Boden und ließen die Straßenkehrer nicht fertig werden. Diese wußten gar nicht — wohin mit dem vielen ßaub91 —
Wir pflegen den Herbst ja nicht lediglich wegen seiner Schönheit zu schätzen Im Rückblick ist es nicht allzu lange her, daß die Bäume noch dicht voll Zwetschen hingen, und es in den Dörfern wochenlang nach Zwetschenhonig roch. Ja, die Ernte war ja m diesem Jahre kaum zu bergen! Merdmgs war das fast nur in unserer pberhessischen Landschaft so, wah-
platz und den stattlichen Bäumen gleicher Art m der Gartenstraße zugesetzt, die sich über Nacht ihres Blätterkleides beraubt sahen und kahl die Aeste m
In lichtem Gelb prangten die Buchenwälder unserer Heimat.
Grau und tafol tagen jetzt die ölten Weiden an Her Lahn in herbstlichen Himmels
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