Ausgabe 
7.11.1936
 
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das Leben. Eden hat in seiner Antwort die le­benswichtigen Interessen Italiens im Mittelmeer zwar anerkannt, aber die gleichen Interessen auch für England in Anspruch genommen und damit Mus­solinis Meinung korrigiert, als ob das Mittelmeer für das britische Reich nur ein Seeweg unter vielen sei. Aber Eden ließ keinen Zweifel darüber, daß die britische Regierung Mussolinis Wunsch nach einer Verständigung teile und eine Regelung für möglich halte, die den Interessen beider Völker gerecht werde.

Mit großer Entschiedenheit machten die englischen Minister gegen das Gerede von einem kommenden Kriege Front. Englands Teilnahme an einer Ein­kreisung Deutschlands wurde ebenso energisch abgelehnt wie die Aufteilung Europas in gegne­rische Blocks verbündeter Mächte im Stile der Vor­kriegspolitik. Diesem Grundsatz entspricht die Er­klärung Edens, daß der Wunsch Deutschlands nach einer engeren deutsch-englischen Freundschaft in Eng­land aufrichtig erwidert werde, aber sie dürfe nicht ausschließlich sein und sich nicht gegen irgend jemand anders richten. Das Wort Moskau ist zwar aus ministeriellem Munde nicht gefallen, aber Winston Churchill, der ja irgendwelcher Sympathie für Deutschland seit jeher unverdächtig ist, warnte zwar die Regierung, sich in einennationalsozialistischen Feldzug gegen den Kommunismus" hineinziehen zu lassen, übte dann aber eine für einen britischen Parlamentarier ungewöhnlich scharfe Kritik an der Einmischung Moskaus in Spanien, wo der Bolsche­wismus die Revolution planmäßig vorbereitet habe. Für die Sicherheit dieses bolschewistischen Rußlands auch nur einen britischen Soldaten marschieren zu lassen, nannte er ein Verbrechen und eine Dumm­heit. Die Sowjetdiplomatie hat sich also durch ihr ebenso arrogantes wie verlogenes Auftreten im Lon­doner Nichteinmischungsausschuß anscheinend die englischen Sympathien gründlich verscherzt. Die Radauszenen, die der jüdisch-kommunistische Mob im Londoner Ostend veranstaltet hat, werden auch das ihrige dazu beigetragen haben, den Engländern die Augen zu öffnen. Die Entlarvung des Welt­revolutionärs und berufsmäßigen Friedensstörers macht riesenhafte Fortschritte. Der Kampf des na­tionalen Spaniens um feine Rettung vor der bolsche­wistischen Anarchie kann in London ebensowenig mit Gleichmut beobachtet werden, wie die Zuspitzung der Verhältnisse in Frankreich, wo der Kriegsmini­ster bereits gegen kommunistische Zellenbildung im Heer einschreiten muß. Die Sicherheit der abend­ländischen Kulturnationen vor dem revolutionären Anschlag des Bolschewismus wird nicht sobald von der Tagesordnung der europäischen Gespräche ver­schwinden, mögen heute auch noch britische Staats­männer sich an die Fiktion klammern, daß die Sowjetunion ein Staat sei, wie jeder andere auch.

F. W. L.

Rat onale Vorhut im Weichbild Madrids.

Die roten Stellungen am Manzanares im nationalen Artilleriefeuer.

Salamanca, 6. Rov. (DRB.) Die nationalen Truppen haben am Freitag um 13 Uhr in ihrem weiteren Vormarsch auf Madrid die Vororte Retamares und Villaverde genommen. Eine Abteilung ist von Carabanchel Alto aus in die Vorstadt Carabanchel Bajo einge­drungen. Damit ist die Vorhut der Nationalisten bis auf fünf Kilometer an die Stadtmitte heran- gerückt. Sie befindet sich bereits im eigent­lichen Weichbild Madrids. Am Freitag­nachmittag vollführte ein aus drei schweren Bom­bern und neun Jagdflugzeugen bestehendes Ge­schwader der Nationalisten einen Angriff auf d i e roten Stellungen an den Ufern des Manzanares, um diese sturmreif zu machen. Es wurden zahlreiche Bomben abgeworfen, die den Roten schwere Verluste beibrachten. Sämt­liche strategischen Ziele konnten ohne nennenswerte Verluste erreicht werden. Hingegen haben die in der Richtung auf Madrid zurückfliehenden roten Horden schwere Verluste erlitten. Unter der zahlreichen Beute befanden sich wieder drei Tanks sowjetrussischer Herkunft, wo­mit die Gesamtzahl der erbeuteten Tanks 15 er­reicht.

In Madrid hat man den ganzen Tag über im Zentrum der Stadt den Kanonendonner ver­nommen, der immer näher zu rücken schien. Die rote Artillerie hat sich bereits in die Stadt zurück­gezogen, um von dort aus die Stellungen der Na­tionalisten bei Carabanchel und Villaverde zu be­schießen. Mehrere rote Flugzeuge warfen Flug- Zettel über der Stadt ab, in denen dieKamera­den von Madrid" unter Hinweis auf die neu ein« getroffenen Flugzeuge aufgefordert werden, den Mut nicht sinken zu lassen und nun end­lich vorwärts zu marschieren. Der Rundfunksender von Tetuan teilte mit,, daß der sowjetrussische Bot­schafter Moses Rosenberg nachdrücklichst darauf bestanden habe, in allen noch nicht von den natio­nalen Truppen besetzten Provinzen die Sowjet­republik aus-gurufen. In Barcelona sei es zu Zusammenstößen zwischen Anar­chisten undKommunisten gekommen, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte gegeben habe. In Bilbao schlugen sich die nationalistischen Basken mit den Anarchisten.

Das rote Maffeomorden hält an

Unbeschreiblicher Terror in Alicante.

Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.)Jour" gibt den Bericht von Augenzeugen wieder, die in Alicante einem furchtbaren Massenmord d e r Roten beigewohnt haben. Diese Augen­zeugen waren mit dem regelmäßigen französischen Flugzeug über Toulouse und Alicante nach Casa- blanca geflogen. In Alicante fand zufällig ein Luftangriff nationaler Flugzeuge auf den Hafen statt. Die Wut der Kommunisten über diesen Angriff sei unbeschreiblich gewesen. Mit Messern und Revolvern bewaff­net, so berichten diese Zeugen, stürmten die roten Horden Gefängnisse, in denen sich Tausende von Geiseln befanden, und metzelten alles nieder, was ihnen in den Weg kam. Etwa 10 0 0 Geiseln sollen bei diesen Massenmorden ums Leben gekommen sein. Unter den Opfern be­finden sich auch die Schwester Generals Queipode Llano, sowie ein Sohn Primo de Riveras. In der Stadt selbst herrsche unbe­schreiblicher Terror.

Oie österreichische Frontmiliz.

Wien, 6. Nov. (DNB.) In dem ersten Befehl des neuen Vizekanzlers, Frontmilizführer Hül- g e r t h, fällt vor allem auf, daß sich Baar-Ba­kenfels auch weiterhin als Milizführer der Reserve der Frontmiliz zur Verfügung hält, während sich Fürst Starhemberg offenbar

vollkommen zurückzuziehen beabsichtigt. Der Befehl enthält die Aufforderung an alle Mit­glieder der ehemaligen freiwilligen Wehrverbände, der Frontmiliz unverzüglich beizutreten. Es ist be­kannt, daß sehr viele Heimatschützler bisher gezögert haben, in die Frontmiliz einzutreten. Bürgermeister Schmitz wurde zum Führer der Betriebs­miliz der Stadt Wien und der Generalmajor Zar zu dessen Stellvertreter ernannt. Den Be­triebsmilizen wird die Sonderausgabe zufallen, die Aufrechterhaltung der städtischen Betriebe unter allen Umständen sicherzustellen.

Trügerische Namen.

'Polens Außenminister ein Deut­scher? Diese Frage ist durchaus ernst gemeint. Allerdings wird sie nicht aufgeworfen, was wir vorweg feststellen möchten, um einen Streit um den polnischen Außenminister Beck zu entfachen. Ausge­löst ist diese Frage vielmehr durch die polni­sche Presse, die seit Tagen im Zusammenhang mit den Schöneberger Vorgängen behauptet, pol­nische Volksangehörige würden auf Dan­ziger Boden terrorisiert. Bei den in Frage kom­menden Personen handelt es sich um Danziger Staatsangehörige, die zu Protokoll gegeben haben, daß sie sich weder zur polnischen Minderheit rechnen noch irgendwie mit dem Polentum etwas zu tun haben. Auch ihre Vorfahren seien ebenso gut deutsch gewe­sen wie sie es sind. Nur d i e Namen dieser Per­sonen sind polnisch. An sich ist das im Osten nichts Aufregendes. Hier ist in der Vergangenheit, als

Polen schon einmal deutsche Gebiete beherrschte, mancher Deutscher genötigt worden, seinen deutschen Namen zu polonisieren. In­folgedessen laufen heute viele Deutsche mit polnischen Namen herum. Aber diese Namen sind für die polnische Presse Anlaß genug, nun kur­zerhand zu behaupten, ihre Träger seien Polen.

Wollte man einfach den Namen als Merkmal der Volkszugehörigkeit ansprechen, dann müßte man in der Tat eine Untersuchung darüber an­stellen, ob z. B. der polnische Außenminister mit dem gut deutschen Namen Beck nicht auch ein Deutscher ist. Die polnische Presse wird dav entschieden bestreiten, sie wird auch die vielen Po­len mit deutschen und deutsch klingenden Namen Bartel, ehemaliger Ministerpräsident; Romer, Protokollführer im Außenministerium; Langner, Brigadegeneral; Ullrich, Thugutt, Hüb­ner, Feurig, Eberhard, durchweg ehe­malige polnische Minister nicht mit der Eile ab­schreiben, mit der sie die deutschen Träger polni­scher Namen dem Polentum zuzählt. Sie wird vielmehr stürmisch die Polen mit deutschen Namen a l s gute Polen verteidigen. Und darin hätte sie dann auch vollkommen recht. Denn auch wir sind der Meinung, daß nicht der Name aus­schlaggebend ist. Infolgedessen ist also der polnische Außenminister Beck durchaus kein Deut­scher. Er ist ein Pole so gut wie jeder andere auf sein Volkstum stolze Angehörige der polnischen Nation. Aber auch die drei Schöneberger Bürger mit den polnischen Namen sind keine Polen. Sie sind Deutsche und werden es immer bleiben.

In einer Entschließung, die einstimmig angenv.n- men wurde, wird darauf hingewiesen, daß dis Politik der demokratischen Vereinigung ausschließ­lich auf den Frieden gerichtet sei. Dieser Friede wäre jedoch bedroht, wenn Europa, wie vor dem Kriege, sich wieder in zwei Lager teile, von denen jedes eine Vormachtstellung einzunehmen wünsche. Er würde noch zweifelhafter werden, wenn sich in den internationalen Beziehun­gen die ideologischen Konflikte erweiterten. Frank­reich dürfe auch unter keinem Vorwand in d ie innere Politik der anderen Staa­ten eingreifen und müsse jede Propaganda verurteilen, die vor allem im Augenblick der spa­nischen Wirren geeignet sein könnte, das Land einer Kriegsgefahr auszusetzen.

D:e 3nternationale in französischen Marmearsenalen Mißbilligung des Senats.

Paris, 6. Nov. (DNB.) Der Senat besprach die Begleitumstände der kürzlichen Besichtigungs­reise des Unterstaatssekrctärs für Kriegsmarine, Blancho, in die französischen Kriegshäfen und Arsenale. Senator Dumesnil führte aus, Unter­staatssekretär Blancho habe seinem Besuch den Charakter einer parteipolitischen Propa­ganda gegeben: in den Bahnhöfen sei er mit dem Gesang der Internationale und mit erhobenen Fäusten begrüßt worden; er habe ferner geduldet, daß er auch in den Arsenalen mit dem Gesang der Internationale empfan­gen wurde und dies in Anwesenheit der Marineoffiziere. Inzwischen seien 7 Mann der Besatzung vom U-BootKaiman" vor ein Kriegsgericht geladen worden, weil sie in betrun­kenem Zustande die Internationale gesungen haben. Und Sie. Herr Unterstaatssekretär?", so fragte Senator Dumesnil. Der auf der Regierungsbank sitzende Ministerpräsident Blum konnte bei dieser rhetorischen Frage sein Lachen nicht verbeißen. Dies nahm der rechtsstehende Senator Lemery zum Anlaß, um dem Ministerpräsidenten zuzu­rufen:Sie haben nicht das Recht zu lachen; es ist eine Schänd" Senator Graf de L e u f f e rief ebenfalls laut aus:Ein Elsässer, der solchem Schauspiel beiwohnt, kann nur sagen, daß Sie (der Ministerpräsident) entehrt sind!" Ma­rineminister Gasnier-Dupare erklärte, daß ein Minister das Recht habe, seine Reisen so zu or­ganisieren, wie er es für richtig halte. In der In- ternationate kämen nicht nur der Haß, sondern auch die Hoffnung der Arbeiterschaft zum Ausdruck; die Form sei vielleicht tadelnswert, nicht jedoch die Absicht (!). In einer Entschließung bringt der Se­nat fein Bedauern über diesen Zwischenfall zum Ausdruck.

Die Regierung hatte gegen diesen Akt der Miß­billigung des Senates nicht die Vertrauensfrage gestellt.

KommumstW?s Revolutions- Heer in Frankreich?

Paris, 6. Nov. (DNB.)Oringoire" veröffent­licht den Artikel eines ungenannten Gewährsman­nes über die Vorbereitung einer revo­lutionären Armee unter dem Befehl des früheren französischen Offiziers und Kommunisten Marty. Es soll sich um ein k o m m u n i st i s ch e s Stoßtruppheer handeln. Der Plan sehe die Ausnutzung des sogenannten roten Gürtels, d. h. der kommunistischen Vororte von Paris, zur Einkreisung der Hauptstadt vor. Marty sei ein Kriegsschatz von 10 Millionen Franks für den Revolutionskrieg zur Verfügung gestellt worden. Der Kern der kommunistischen Armee in Frankreich wird mit 30 000 Mann angegeben. Für die Aus­rüstung und Bewaffnung habe die Operationsstelle durch Mittelsmänner in der Schweiz und in Bel­gien folgendes bestellt: 10 000 Gewehre, 3500 Re­volver, 1000 Maschinenpistolen, 50 000 Handgrana­ten, 1 Million Schuß Gewehrmunition, 750 000 Schuß Revolvermunition, 30 000 Ladestreifen für Maschinenpistolen, 20 000 Messer und 150 000 Me­ter Telephondraht Von November ab, wenn diese kommunistische Stoßtruppe ausgerüstet sei, müsse man allo, so schließt das Blatt, auf jede Eventua­lität gefaßt sein.

Buch französische Fallschirmtruppe.

Paris, 6. Nov. (DNB.) Im Rahmen des Neuaufbaues der französischen Luftstreitmacht ist auch eine Luftinfanterie vorgesehen, die im Kriegsfälle hinter feindlichen Linien eingesetzt wer­den soll. Sie wird in Reims und in Algier stationiert werden. Jede Gruppe wird aus einer Kompanie Füsiliere und einem Transportgeschwa­der bestehen. Diese Truppen sollen mit Hilfe von Fallschirmen oder durch unmittel­bare Landung hinter den gegnerischen Linien eingesetzt werden.

Wetterbericht

des Reichswetterdiensfes. Ausgabeort .Tranffurt

Das über den britischen Inseln liegende Tiefdruck- gebiet hat sich bereits zu einem kräftigen Sturm- wirbel entwickelt. Unter lebhaften Südwestwinden verfrachtet es auf seiner Vorderseite subtropische Luftmassen auf das Festland, die hier schon am Frei­tag zu Niederschlägen Anlaß gaben. Am Samstag- morgen wurden sie unter verbreiteten Neaensällen von nachströmenden, etwas kälteren Luftmassen ver­drängt. Anschließend wird die Niederschlagstätigkeit etwas nachlassen, doch werden von Westen heran- ziehende neue Störungen die Witterung auch weiter­hin unbeständig gestalten.

Aussichten für Sonntag: Wechselhaftes, aber meist bewölktes Wetter, zeitweise Niederschläge, bei kräftigen, teilweise böigen Winden aus Südwest bis West etwas frischer.

Lufttemperaturen am 6. November: mittags 9,7 Grad Celsius, abends 9 Grad; am 7. November: morgens 8,5 Grad. Maximum 9,9 Grad, Minimum heute nacht 7,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. November: 7,8 Grad; am 7. November: morgens 7,2 Grad.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 36: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Ps. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags _ 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

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Scharfe Schweizer Zurückweisung alljüdischer Propaganda.

Oer Berner Bund gegen Verherrlichung des Mörders Frantfurter.

Bern, 6. Nov. (DNB.) Der bevorstehende Mordprozeß gegen den Juden David Frankfur­ter, den feigen Mörder des Schweizer Landes­leiters der NSDAP. Wilhelm G u st l o f f, hat die jüdische Presse in aller Welt zu Sympathieerklärun­gen für den Mörder und zu Verherrlichungen seiner Tat veranlaßt. Vor allem hat das Organ der jüdischen Weltliga zur Abwehr des Antisemitismus, die sich bewußt hinter den Mörder und seine Tat stellt, sogar die Per­son des Führers im Zusammenhang mit der Mordtat in der widerlich st en Weise an­gegriffen.

Dieser unverfrorene Versuch jüdischer Kreise die Gerichtsverhandlung in Chur zu einem Forum für alljüdische Propaganda zu machen, ist sogar den in dieser Beziehung sonst sehr duldsamen Schweizern auf die Nerven gefallen. Der liberale Berner Bund" bringt in einem soeben er­schienen ArtikelVor neuen Judengesetzen in Deutschland" nach Hinweisen auf die letzte Sportpalastrede von Reichsminister Dr. Goeb­

bels Beispiele von der jüdischen Entlastungs- ofsenfioe für den Mörder David Frankfurter und erklärt es bei der deutschen Einstellung zur Juden­frage für begreiflich, wenn deutscherseits a u f derartige Hetze in entsprechender Form geantwortet würde. Es wird auf die möglichen Wirkungen eines solchenExzesses eines unverantwortlichen Literatentums" hingewiesen. Unter anderem habe sich auch der Emigrant Ludwig Cohn durch sein Buch für den Mör­der eingesetzt.

Andererseits nimmt der Artikel darauf Bezug, daß sogarder Großrabbiner von Paris sich gegen die Verherrlichung des Mör­ders durch jüdische Kreise gewandt habe. Diese Veröffentlichung des Schweizer Blattes darf als Zeichen dafür gewertet werden, daß die Schweiz kein Interesse daran hat, im Zusammenhang mit dem Mordprozeß Frankfurter sich von jüdischer Seite gegen Deutschland mißbrauchen zu lassen.

Trüber Herbst in Paris.

Von unserem Dr. Zh.-Korrespondenien.

Paris, November 1936.

In den grauen, regnerischen Nooembertagen spie­gelt sich die trübe Stimmung wieder, von der an der Schwelle des Winters in Paris alle Welt er­faßt ist. Mißgestimmt und hoffnungslos blickt man in die dunkle Zukunft. Die Preissteigerung infolge der Franc-Abwertung vom 2. Oktober hat eben erst begonnen, und niemand weiß, wohin sie noch führen wird. Die Auswirkungen der Sozialgesetze vom letzten Sommer die so­genanntenMatignon-Abkommen", die ihren Na­men dem Palais des Ministerpräsidenten, in dem sie abgeschlossen wurden, verdanken sind noch garnicht zu übersehen, und um die Durchführungs­bestimmungen wird noch immer heftig hinter den Kulissen gekämpft, wobei bisweilen lauter Krach auf die Bühne der Oeffentlichkeit bringt. Gegen die von Regierung und Parlament kurzerhand beschlos­sene Einsühruna der 40-Stunden-Ar- beits woche hat sich auf dem Viarritzer Partei­kongreß der Radikalsozialen sogar der Parteiführer und Kriegsminister der Volksfront-Regierung, Edouard D a l a d i e r gewandt, mit dem Hinweis, daß sie für die Masse der französischen Klein- und Mittelbetriebe den Ruin bedeute.

Die kommunistische Besetzung der Arbeitsplätze wird munter fortgesetzt, ob­gleich sich die Regierung vor dem Senat bereits im Juli verpflichtet hatte, sie künftig als ungesetz­lich anzusehen und mit Polizeigewalt dagegen ein­zuschreiten. Allerdings sind einzelne Betriebe, ins­besondere solche für d i e Bewaffnung der Wehrmacht wichtige, polizeilich und gewaltsam von den kommunistischen Besatzungen gesäubert worden. Der marxistische Innenminister hat sogar in die Ausstandsgebiete der Norddevartements Truppen beordert, die als regelrecht" Streik­brecher die notwendige Verladung von Kohlen und andere dringende Arbeiten verrichtet haben. Welche Stellung mag nur der Nationalrat der sozialisti- schen Partei, der demnächst Zusammentritt, zu einem derartigenVerrat" nehmen? Und was ge­denkt die Nolkssrontregierung zu tun, wenn in den nächsten Monaten eine neue Streikwelle losbricht? Wenn die Arbeitergewerkschaften mit neuen Lohnforderungen kommen, nachdem der Reallohn infolge der Franc-Abwertung und der durch die Sozialgesetze heroorgerufenen Preis­steigerung geringer geworden ist, als er vor den Lohnerhöhungen des letzten Sommers war? Die unentrinnbare Aussicht auf diese neuen Arbeits­kämpfe, für die man weder eine Lösung noch eine Uebergangsregetung weiß, ist es vor allem, die an dieser allgemeinen Niedergeschlagenheit schuld ist und in diesem trüben Herbst jeden Ver­trauensschimmer unterdrückt, der in Frankreich mehr denn in anderen Ländern zur B"l°bung der Wirtschaft unerläßlich ist.

Was kann unter solchen Umständen hie Win- terfeffion des französischen Parka- ments bringen, die in diesem Jahr zeitiger als sonst begonnen fjat? Die Hauptaufgabe der außer- ordentlichen Sitzung bis zum Jahresende pflegt es ZU sein, den Staatshaushalt für das kom­mende Etatjahr zu verabschieden. Die Budget­debatten der französischen Kammer haben schon Dutzenden non Regierungen den Hals gekostet. Nach den Maiwahlen des Jahres 1932 vermochte sich der Sieger Herriot auch bis zum Wieder­zusammentritt des Parlaments zu halten, worauf es dann aber mit seiner Herrlichkeit zu Ende war und seine Nachfolger CHautem-ps« Sauact*

Paul-Boncour und Daladier in knapper Monatsfrist einander ablöstsn. Wird auch Blum das Schicksal Herriots ereilen? Die unberechen­baren Zufälle des parlamentarischen Spiels lassen sichere Voraussagen nicht zu. Aber selbst, wenn Leon Blum stürzt, so bedeutet das noch längst nicht das Ende der Volksfront-Koalition. Politiker der Linken, wie der jetzige Innenminister Salengro, der Leiter der französischen Sozialpartei, Paul- Boncour, der radikalsoziale Parteivorsitzende D a l a d i e r oder auch der Staatsminister C hau­te m p s könnten die Nachfolgeschaft des Sozialisten­führers antreten und mit derselben Volks­front-Mehrheit weiterregieren. Selbst der rechte Flügel dieser Koalition, die bürgerliche radi­kalsoziale Partei, hat auf dem Parteikongreß in Biarritz einstimmig beschlossen, in der Volksfront zu verbleiben, weil man sonst die Wieder­kehr eines reaktionären Kabinetts derUnion nationale befürchtet.

Aber ebenso einstimmig hat die Tciegierten-Ver- sammlung in Biarritz die weitere Mitarbeit an die Bedingung geknüpft, daß der kommuni­stische Einfluß aus der Regierung vollkommen ausgeschaltet, und die Bildung von Sow­jets in den Betrieben und auf dem Lande radikal unterbunden wird. Das Kabinett Blum hat also von der radikalsozialen Partei, auf deren Unter­stützung es angewiesen ist, nut eine Art Bewäh- r u n g s f r i ft zugesichert erhalten. Doch was wer- den die K o m m u n i st e n beginnen? Werden sie sich ohne Widerstand von der Einflußnahme auf die Regierungsführung ausschalten lassen, vorausgesetzt, daß der Ministerpräsident überhaupt den Willen und die Tatkraft dazu besitzt? Niemand in Paris wagt das zu hoffen, und diese unheilschwangere Frage lastet schwer auf allen Gemütern.

Zu allem Uebersluß des Unglücks wird nun auch noch der kälteste Winter seit 372 Jahren prophezeit. Tatsächlich behaupten die Pariser Me­teorologen, daß nach gewissen Gesetzen des Son- nen- und Mondkreises sich die Wetterpbänomene des Winters von 1564/65 wiederholen müßten Die Zeitungsredakteure sind nun schon eifrig dabei die verstaubten Chroniken jener Zeit zu mähen die schrecklichsten Geschichten herauszusuchen unb den verängstigten Lelern vorzuerzählen, was ihnen in Öen kommenden Monaten noch alles blühen werde.

Das außenpol tische Programm her Opposition

Flandin vor derDemokratischenBereinigrrng

P a r is, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Auf der zum Kabinett Blum in Opposition stehenden ßanöes- parteitagung der demokratischen Vereinigung in Bourges wandte sich der Vorsitzende der Partei der ehemalige Mmlsterpräsident Flandin darin'ein­leitend gegen einen Vorredner, der für eine Kün­digung des Russenpaktes und für nnmutelbare Verhandlungen mit Deutschland eingetreten war. Er bedauerte es, daß man den Russenpakt nur im Zusammen- hang mit dem Kommunismus in Frankreich be- trachte. Er bilde keine Einmischung Moskaus in die französische Politik. Man dürfe auf keine Mitarbeit verzichten, so seltsam sie auch manchmal erscheinen möge. Flandin setzte sich weiter für eine Beilegung der Meinungsverschiedenheiten mit Italien ein Ebenso müsse die französisch . polnische Annäherung Vetter entmidelt werden,