von einem einzigen brausenden Jubel. In einer ungeheuren Welle klang das „Heil Oesterreich" durch das Stadion. Der Jubel verstärkte sich noch, als die Tiroler in ihrer kleidsamen Tracht, die den Abschluß der österreichischen Mannschaft bildeten, vorüberzogen. Der Sturm der Freude und Begeisterung klang erst langsam ab, als die österreichischen Olympioniken zu ihrem Aufmarschplatz eingeschwenkt waren. Unvergeßlich auch war das Bild, als nach dem Ausmarsch der Nationen die Massen über die Schranken zum Olympia-Skihaus stürzten, um dort in Sprechchören nach dem Führer zu rufen, bis er sich auf dem Balkon zeigte.
Das Schneetreiben hat sich in den Mittagsstunden noch verstärkt und die Massen, die zu den ersten olympischen Wettbewerben der Winterspiele, den Eishockeyspielen, in das prachtvolle Eisstadion oder zum Rießer See zogen, waren bald in dichtes Weiß gehüllt. Im K u n st e i s st a d i o n war es schwer, von Tribüne zu Tribüne die Umrisse der Besucher zu erkennen. Begeisterte Heilrufe begrüßten den Reichsminister Dr. Goebbels, der dem ersten Spiel zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika beiwohnte. Der Spielbeginn verzögerte sich dadurch, daß die Eisflächen immer wieder von den Schneemassen freigemacht werden mußten, um etwa eine Viertelstunde.
Einen ausführlichen Bericht über den Verlauf des Spiels finden unsere Leser im Sportteil des heutigen Blattes.
Die Wehrmacht begrüßt die militärischen Olympiateilnehmer.
Garmisch - Partenkirchen, 6. Februar. (DNB.) Am Nachmittag des Donnerstag begrüßte Generalleutnant von Reichenau, der Kommandierende General des 7. Armeekorps, im Namen des Reichskriegsministers Generaloberst v. Blomberg und des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, vor dem Festsaäl des Olympia-Skihauses in Garmisch-Partenkirchen die militärischen Olympiateilnehmer, die am Freitag der kommenden Woche an den Vorführungswettbewerben, dem militärischen Ski-Patrouillen-Lauf, teilnehmen.
Generalleutnant von Reichenau hieß die Patrouillen aus Finnland, Frankreich, Italien, Oesterreich, Polen, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und die deutsche Patrouille sowie die Attaches der betreffenden Nattonen auf deutschem Boden herzlich willkommen. Diesem Wettbewerb, erklärte er, komme eine besondere Bedeutung zu, denn der Sieg in ihm entspreche am meisten dem soldatischen Wesen, da er die L e i st u n g e i n e r ganzen Mannschaft bedeute, bei der Führer und Mannen durch feste Kameradschaft und gemeinsame Arbeit zu einem unteilbaren Ganzen verschmolzen seien. Der General schloß mit dem Wunsche, daß es dem einen oder anderen Teilnehmer vergönnt sein möge, noch mehr zu geben als sein Bestes, daß er, entzündet vom heiligen Olympiafeuer, weit über sich selbst hinausmachsen möge. An diesem Tage und in solcher Stunde verlasse er dann für eine kurze Zeit die eng gezogene Bahn seiner Menschlichkeit und „berühre mit dem Scheitel die Sterne". Begeistert stimmten die militärischen Olympiateilnehmer in das Ski- und Bergheil ein.
Richtfest der KdI.-Halle.
Am Donnerstagabend feierte die KdF.-Halle in Garmisch-Partenkirchen ihr Richtfest. Vor knapp 12 Tagen war der Platz neben dem neuen Rathaus noch eine große Wiese, heute steht auf demselben Platz ein riesiger Hallenbau, der von 350 bis 400 Arbeitern förmlich aus dem Boden gestampft wurde. Viele Tausende schaffender Volks- Senossen, die aus dem Reich während der Winter- 'lympiade in Garmisch-Partenkirchen erwartet werden, werden in der Riesenhalle angenehmen Aufenthalt und gute billige Verpflegung finden. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley feierte beim Richtfest die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und die Deutsche Arbeitsfront, die der Welt ein Beispiel geben von dem Geiste des neuen Deutschlands, von dem Geiste der deutschen Arbeit und des deutschen Arbeiters.
Votschafier a. D. Sols gestorben.
Berlin, 6. Febr. (DNB.) Im Alter von 73 Jahren ist in der Frühe des 6. Februar in Berlin der Botschafter a. D. Wilhelm Sols an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.
Seine amtliche Laufbahn war nicht alltäglich. Er studierte ursprünglich orientalische Sprachen, dann auch Rechtswissenschaften und trat nach deren Ab-
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schluß 1888 in den Dienst des Auswärtigen Amts. Hier fand er u. a. 1889—1890 Verwendung beim Generalkonsulat in Kalkutta. 1896 trat er bei der Kolonialabteilunq ein; 1898 war er Bezirksrichter in Deutsch-Ostafrika und 1889 ging er nach S a - m o a, wo er Präsident des Munizipalrates von Apia wurde. Ein Jahr später wurde er Gouverneur von Samoa. Als im November 1911 der Staatssekretär des Reichskolonial- a m t s v. Lindeguist im Zusammenhang mit dem deutsch-französischen Kongovertrag zurücktrat, wurde Solf sein Nachfolger. Im Herbst 1914 begründete er zur „Pflege des Geistes vom 4. August" die „Deutsche Gesellschaft 1914". Im Kabinett des Prinzen Max v. Baden übernahm er dann das Staats- sekretariat des Aeußern im Januar 1919 und machte seinen Platz für den Grafen Brock- dorff-Rantzau frei. Im Juni 1920 ging er nach Japan als Botschafter. Im Dezember 1925 wurde er von der Asiatic Society of Japan, der bedeu-
Oie ganze Welt blickt nach Garmisch.
Starker Eindruck der Eröffnungsieter auf die Zuschauer aller Nationen.
Wie die „New Uork Times" berichtet, erklärte der Präsident des amerikanischen Olympia-Ausschusses Avery Brundage, begeistert über die Eindrücke des Eröffnungstages der olympischen Winterspiele, es sind bei weitem die großartig st en olympischen Winterspiele, die wir jemals gehabt haben. Sie werden bald den Sommerspielen an Bedeutung aleichkommen. In der Schilderung des Blattes wird hervorgehoben, daß der Führer bei dem Vorbeimarsch der Mannschaften glücklich gelächelt habe. „W jeder w a r", so schreibt das Blatt, „einer feiner Pläne, an dessen Gelingen er sein Herz gehängt hat, auf dem besten Wege des Erfolges."
In den Berichten der Pariser Presse aus Garmisch-Partenkirchen wird besonders der herzliche Beifall hervorgehoben, den die deutschen Sportler der französischen Mannschaft entboten, als diese vor der Tribüne des Führers vorbeimarschierten. Im „Petit Parisien" heißt es: Man könnte den Anstatt der Winterolympiade überschreiben: „Ein W i n t e r t a g s t r a u m"; man befand sich in einer Stimmung aus Andersens Märchen. „Petit Journal" schreibt: „Als der Reichskanzler erschien, erhob sich ein Sturm der Begeisterung. Der Führer nahm, ohne sich besonders bemerkbar zu machen, mit jener vertrauten Schlichtheit, die inmitten eines so festlichen Rahmens erstaunt, aus der Ehrentribüne Platz. Beim Vorbeimarsch wurde keine Mannschaft mit so großem Beifall begrüßt wie die französische, mit Ausnahme der österreichischen. Nicht ohne Rührung dachte ich bei dieser Ehrung an den ftanzösischen Botschafter in Berlin Franxois-Poncet, der das Wort geprägt hat, daß Deutschland sich von Frankreich eine sehr hohe Vorstellung macht."
„Le Jour" schreibt, in Garmisch-Partenkirchen ist der Sport als Bindeglied zwischen den Völkern und als Beitrag zum Verständnis der Menschen
untereinander, am Donnerstag auf die Höhe eines Ideals erhoben worden, der im Laufe einer Kundgebung die letzte denkbare Grenze des Möglichen erreicht hat. Wir Franzosen auf den Tribünen waren in unserm tief st en Innern aufgewühlt über den Empfang, den unsere Mannschaft beim Vorbeimarsch fand. — „Echo de Paris" hebt hervor, daß Adolf Hitler sich den Vorsitzenden des französischen Olympischen Ausschusses, M a s s a r d , vorstellen ließ und ihn zu dem tadellosen Vorbeimarsch der französischen Mannschaft lebhaft beglückwünschte. — Die Sport- Zeitung „L'Auto" spricht von einer bewegten Stunde, in der Ansehen, Größe, Adel und Ideal keine leeren inhaltslosen Worte gewesen seien. Die Friedensworte, die Ritter von Halt gesprochen habe, hätten in diesem Rahmen um so größeren Wert angenommen, als die verschiedensten Rassen in der einfachen Religion des Sportes ihre Freude bezeugten.
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Die Schweizerische Presse stellt mit Befriedigung den unmittelbar vor Beginn der Spiele einsetzenden Witterungsumschwung mit Schneefall und Frost fest. Das „St. Galler Tagblatt" hebt die großen Anstrengungen hervor, die Deutschland mache, um den Veranstaltungen einen möglichst glanzvollen Rahmen zu verleihen. Die „Neue Züricher Zeitung" sagt, daß die Organisation auch bei höchster Beanspruchung einwandfrei arbeiten werde. Das Blatt hebt besonders die großartige Anlage des Ski-Stadions hervor, das von ausländischen Fachleuten als „die schönste Anlage der Welt" bezeichnet worden sei. Man habe die glückliche Lösung gefunden, alles an einem Platz zusammen zu fassen. Das Schmuckstück des Ganzen bilde natürlich die große Olympiaschanze, die derart vollendet ausgearbeitet worden sei, daß beim Eröffnungsspringen im Februar 1934 nicht ein einziger der vielen Wettbewerber
gestürzt sei. Aber auch die kleine Olympiaschanze sei ein Glanzstück. Vorbildliche Ausrüstung vervollständige die gewaltige Anlage.
Die englische Presse und der Rundfunk berichten ausführlich über die Eröffnung der olympischen Winterspiele. Die Blätter weisen auf die erfreulichen Schneeverhältnisse und auf den befriedigenden Verlauf des ersten Tages hin. Sie mel- den, daß dem Führer bei seinem Erscheinen im Olympischen Skistadion von den Zuschauern e i n begeisterter Em pfang bereitet wurde. „Daily Telegraph" schreibt, als die Kapellen die Nationalhymne spielten erhoben sich die Tausende wie ein Mann und sangen, indem sie die Hand zum deutschen Gruß ausstreckten. — „News Chronicle" hebt hervor, daß die deutsche Organisationsfähigkeit sich bei der Eröffnungsfeier aufs glänzendste bewiesen habe. Trotz des heftigen Schneesturmes sei die Feier mustergültig verlaufen.
Die gesamte niederländische Presse bringt Aufsätze über die feierliche Eröffnung der Olympischen Spiele, die Sonderberichterstatter berichten übereinstimmend von der großen Begeisterung der Menge beim Erscheinen des Führers. „Telegraaf" schreibt: „Kanonendonner, schmetternde Fanfaren, endloser Jubel der unabsehbaren Menschenmenge, Flaggenparade von 28 Nattonen, läutende Glocken im ganzen Partnachtal, hoch auflodernde Flamme des entfachten olympischen Feuers... Der Führer und Reichskanzler hat die IV. Olympischen Winterspiele feierlich eröffnet." In seiner eingehenden Schilderung des Vorbeimarsches der Teilnehmer an der Ehrentribüne hebt das Blatt hervor, daß die Oesterreicher unter brausendem Jubel der Zuschauer mit erhobenem Arm am Führer vorbeimarschierten.
tendsten wisienschaftlichen Gesellschaft Ostasiens, zum Präsidenten als Nachfolger des scheidenden englischen Botschafters Sir Charles Elliot gewählt. Seit Gründung der Gesellschaft im Jahre 1872 wurde damit zum ersten Male dieses Ehrenamt einem Deutschen übertragen In Tokio hat er bis zum Jahre 1928 als Botschafter gewirkt und ist in dieser Zeit für Deutschlands moralische und wirtschaftliche Stellung in Ostasien mit großem Erfolg tätig gewesen. Auf besonderen Wunsch der japanischen Regierung blieb er auch nach Erreichung der Altersgrenze auf seinem Posten, um als Doyen des Diplomatischen Korps an den Krönungsfeierlichkeiten des Kaisers von Japan teilzunehmen. Ende 1928 trat er dann in den dauernden Ruhestand. Das Auswärtige Amt wird seinem einstigen Chef und langjährigen Botschafter stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Oer Mord von Oavos.
Motta erstattet dem Gesamtbnndesrat Bericht.
Bern, 6. Febr. (DNB.) Der Chef des Politischen Departements, Bundesrat Motta, erstattete dem Bundesrat einen Bericht über den Mord an Landesgruppenleiter G u st l o f f und über feine gestrige Unterredung mit dem deutschen Gesandten Freiherrn von Weizsäcker. Offiziell wird mitgeteilt, daß, wenn auch der Bundesrat die zeitweise maßlose Angriffe eines Teiles der Presse gegen ausländische Staaten zwar bedauere, er doch keinen Zusammenhang zwischen diesen Angriffen und dem Attentat des Frankfurter sehen könne. Daß der Bundesrat gewillt sei, solche Angriffe zu ahnden, gehe daraus hervor, daß er heute dem „Travail" in Genf und dem „Drott du Peuple" in Lausanne wegen eines Artikels vom 2. Januar, der sich sowohl gegen den italienischen Faschismus als auch gegen den deutschen Nationalsozialismus richtet, besonders wegen der darin enthaltenen ganz groben Ausdrücke eine strenge Verwarnung erteilt habe mit der Androhung der Einstellung im Wiederholungsfälle.
Sehr deutlich nimmt die „Neue Basler Zeitung" gegen die kommunistische und sozialistische Hetze Stellung, die auch in den Pressekommentaren zum Mordfall Gustloft zum Ausdruck kommt. In d->n Besprechungen des Basler kommunistischen Blattes habe man ein klassisches Beispiel der hemmungslosen, mit Drohungen gespickten Gustloff- Hetze, die verantwortlich sei für die geistige Atmosphäre, aus der heraus die brutale Tat geworden fei. Mit einer Hetze gegen Deutschland setze die Linkspresse die Neutralität der Schweiz aufs Spiel, indem sie im Aüslande den Eindruck Hervorrufe, die Schweiz wolle nicht länger neutral sein und ergreife einseitig Partei. Vom Vertrauen des Auslandes in den Schweizer Neu- ttalitatswillen hänge aber überhaupt der Bestand des Bundes ab. Auch die „Basler Nachrichten" meinen, es wäre in der Tat nicht zu früh, wenn der Bundesrat der rnarristtschen Presse etwas nachdrücklicher ihre Pflicht gegenüber dem Lande ins Gedächtnis rufen würde.
Oer Königsmordvro-rek in Aix
Paris, 6. Febr. (DNB.) In dem Prozeß gegen die Kroaten vor dem Schwurgericht in Aix-en-Pro- vence wurde Donnerstagmorgen mit der Vernehmung des zweiten Angeklagten R a i j t s ch begonnen. Raijtsch hat nach seinen Angaben Jugoslawien bereits 1929 verlassen, sich zunächst nach Uruguay und von dort nach Brasilien begeben. Nach Europa zurückgekehrt, will er in Belgien einen Kroaten kennen gelernt haben, der ihm den Eintritt in das E m i g r a n t e n l a g e r von Janka Pußta in Ungarn ermöglicht habe. Auf die Frage nach der Herkunft des auf dem Bahnhof St. Lazare in Paris gefundenen Koffers, der dieselben Waffen enthielt, rote sie im Marseiller Attentat verwandt worden waren, mußten die drei Angeklagten nichts auszusagen. Auf den Einwurf, Raijtsch habe doch vor dem Attentat Geld erhalten, erwiderte der Verteidiger, man dürfe die Angeklagten wohl richten, sie aber nicht entehren. Sie seien Helden, und 2000 Franken seien „kein Geld für einen Königsmord".
Der Angeklagte Pospichil erklärte, wenn das Verhör in derselben Art geführt werde wie bei feinen Mitangeklagten, würde er nicht antwor- t e n Als der Vorsitzende ihn nach den Vorgängen im Lager von Janka Pußta befragte, kreuzte der
Angeklagte die Arme und verweigerte jede Aussage. Der Präsident verlas dann die Liste seiner Fragen, ohne daß der Angeklagte antwortete. Dann begann Pospichil plötzlich ein Bekenntnis zum Kroatentum und zum Katholizismus abzulegen. Der Angeklagte ließ sich auch ausführlich darüber aus, wie er zu den Verschwörern gekommen ist. Der Leiter der Unternehmung fei Kalemen gewesen. Aber Kalemen selbst habe, bevor er nach Marseille fuhr, ihm nur eine Abwesenheit von wenigen Tagen an-
gekündigt, ohne sich über den Zweck seiner Reise zu äußern. Pospichil sei dann in Paris gewesen, weil Kwaternikihm dies befohlen habe. Beim Verlassen eines Lichtspieltheaters habe er erst von dem Anschlag gegen König Alexander Kunde erhalten und sei dann sofort von Paris abgereift. — Der Gerichtspräsident erklärte nun, daß die Verschwörer Pawelitsch, Kwaternik und Persewitsch in Abwesenheit verurteilt würden.
Wird England das Kolonialproblem in Angriff nehmen?
London, 7. Febr. (DNB. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die Erklärungen des Unterstaatssekretärs im Außenministerium, Lord Cranborne, in der Unterhaus-Aussprache am Mittwoch glaubt „Daily Herald" melden zu können, daß eine „vorläufige Prüfung" der Kolonialfrage durch die britische Regierung bereits in vollem Gange sei. Sachverständige hätten schon Denkschriften über verschiedene Gesichtspunkte der Frage vorbereitet und eine große Menge statistischer und anberroeitiger Angaben sei für das Studium der Minister gesammelt worden. Der nächste Schritt werde möglicherweise eine Aufforderung an den Völkerbund sein, einen Ausschuß von Persönlichkeiten mit großer Kolonialerfahrung einzusetzen. Man denke dabei an Sachverständige wie den englischen Kolonialpolitiker Lord Lugard, der seit 1922 britisches Mitglied des ständigen Mandatausschusses sei. Die bisherigen Untersuchungen hätten in der Hauptsache dazu gedient, d i e großen Schwierigkeiten der ganzen Frage an den Tag zu bringen.
Sir Evelyn Wrench schreibt in der „Daily Mail": England sollte so rasch wie möglich eine Konferenz der Kolonialmächte einberu- fen und ihr einen Fünf-Jahres-Plan vorlegen. England sollte erklären, daß alle britischen Kolonien, die noch nicht zur Selbstregierung reif sind, innerhalb von fünf Jahren zur Politik der offenen Tür zurückkehren. Ferner müsse sich die britische Regierung bereit»
erklären, diese Kolonien als Völkerbundsmandate zu verwalten. Durch einen solchen Plan würden die wirtschaftlichen Beschwerden der unbefriedigten Mächte beseitigt. Gegenwärtig seien Deutschland, Italien und andere Länder ohne Kolonien und infolge Zölle, Einfuhrverbote und Handelsbeschränkungen nicht in der Lage, genügend Waren in den Kolonialgebieten zu verkaufen, um die erforderlichen Devisen für Rohstoffeinfuhren zu erhalten.
Der Verfasser schreibt weiter: „Wenn unser Hauptziel der Friede und die Schaffung eines gefestigten Europas ist, dann müssen wir in aller erster Linie danach trachten, die Beschwerden zu beseitigen. Wir dürfen uns nicht vor dem Götzenbild des Status quo zu Boden werfen. Ich bin überzeugt, daß es keine Stetigkeit in einer Lage geben kann, die es fünf Staaten erlaubt, alle Kolonialgebiete in der Welt zu besitzen, solange diese Staaten den anderen Ländern Hindernisse in den Weg legen, und ihre Kolonien a l s wirtschaftliche Ausbeutungsobjekte betrachten."
„Daily Mail" schlägt eine Konferenz von vier oder fünf „wirklichen Staatsmännern" vor, die als Vertreter ihrer Länder betrachtet werden können. Nur eine solche Konferenz, die auf die „üblichen Sekretäre und Sachverständigen" verzichten würde, könne das Problem der unbefriedigten Mächte erfolgreich in Angriff nehmen.
Oesterreich und die Kleine Entente.
Gtarhembergs pariser Besprechungen.
London, 7. Febr. (DNB. Funkspr.) Die englische Presse kann sich noch kein klares Bild von dem Ergebnis der Pariser Besprechungen machen. Die Blätter sind der Ansicht, daß greifbare neue Abmachungen in Paris nicht zustandegekommen seien, daß aber eine „Verstärkung der kollektiven Sicherheit" in Mitteleuropa im Gange sei, und daß eine Annäherung Oesterreichs an d i e Kleine Entente ftattgefunben habe. Die „Morning Post" glaubt nicht, daß ein Regionalpakt für die Verteidigung der österreichischen Unabhängigkeit im Bereiche der praktischen Politik liege. Italien selbst sei nicht in der Lage, daran teilzunehmen. Die Besprechungen mit Prinzregent Paul von Jugoslawien hätten ferner gezeigt, daß in Jugoslawien immer noch Erbitterung gegen Frankreich wegen der Ermordung König Alexanders herrsche. Jugoslawien fürchte Italien und eine Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich. Es sei daher unwahrscheinlich, daß Jugoslawien, nur um Frankreich zu gefallen, versprechen werde, zur „Verteidigung" Oesterreichs in den Krieg zu ziehen, solange Oesterreich ein italienischer Vasallenstaat bleibe.
Vernon Bartlett meint, jeder Versuch, die Stresa-Front zur Garantierung Oesterreichs wieder zu beleben oder auszudehnen, wäre so gekünstelt, daß sie von der britischen Regierung wahrscheinlich nicht unterstützt würde. Aussichtsreicher sei eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen den Donaustaaten. Die Beziehungen zwischen Oesterreich, der Tschechoslowakei und Rumänien feien viel herzlicher geworden. Lediglich S ü d s l a w i e n weigere sich noch, an offenen Besprechungen mit Oesterreich teilzu- nehmen.
Das plötzliche Erscheinen des Erzherzogs Otto in Paris wird hier allgemein verurteilt.
„Morning Post" meldet, man befürchte, daß infolge der Reife Ottos nach Paris die Aussichten auf eine Annäherung zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente wieder zerstört würden. Der „Eve- ning Standard" berichtet, die Zusammenkunft zwischen Starhemberg und dem Erzherzog fei zwar bestritten worden, doch habe Fürst Starhemberg das angebliche Versprechen, die Wiedereinsetzung des Hauses Habsburg zu verschieben, beträchtlich abgeändert. Starhemberg hatte seine Absicht, von London nach Belgien zu fahren, um dort mit Erzherzog Otto zusammenzutreffen, auf gegeben, weil er nicht den Argwohn der Kleinen Entente und insbesondere Jugoslawiens habe erwecken wollen. Unklugerweise sei der Erzherzog nun in Paris erschienen in der Hoffnung, eine Aussprache mit Starhemberg erreichen zu können. Wahrscheinlich sei Otto von Habsburg wieder einmal von seinen Ratgebern und insbesondere von Baron von Wiesner falsch beraten worden.
Note Vögel über Estland.
Nachdem Monate hindurch geheimnisvolle Flugzeuge nächtlicherweile über Finnland und Nordskandinavien hinweg flogen, ohne daß genau festgestellt werden konnte, welche Bewandtnis es mit diesen unzweifelhaft sowjetrussischen Flugzeugen hatte, sind jetzt am hellichten Tage drei rote Kampfflugzeuge über estnischem Gebiet erschienen. Sie haben Dorpat zweimal aufgesucht, sie sind von den Esten heftig beschoßen worden und haben offenbar auch bas Feuer erwidert. Daß sich diese Kampfflugzeuge verirrt haben sollten, darf wohl nicht angenommen werden. Denn nachdem sie sich ein zweites Mal über Dorpat aufgehalten hatten, wußten sie ganz genau, welche Richtung sie einschlagen mußten, um ihren heimatlichen


