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von einem einzigen brausenden Jubel. In einer ungeheuren Welle klang dasHeil Oesterreich" durch das Stadion. Der Jubel verstärkte sich noch, als die Tiroler in ihrer kleidsamen Tracht, die den Abschluß der österreichischen Mannschaft bilde­ten, vorüberzogen. Der Sturm der Freude und Be­geisterung klang erst langsam ab, als die österrei­chischen Olympioniken zu ihrem Aufmarschplatz ein­geschwenkt waren. Unvergeßlich auch war das Bild, als nach dem Ausmarsch der Nationen die Massen über die Schranken zum Olympia-Skihaus stürzten, um dort in Sprechchören nach dem Führer zu rufen, bis er sich auf dem Balkon zeigte.

Das Schneetreiben hat sich in den Mittagsstun­den noch verstärkt und die Massen, die zu den ersten olympischen Wettbewerben der Winterspiele, den Eishockeyspielen, in das prachtvolle Eis­stadion oder zum Rießer See zogen, waren bald in dichtes Weiß gehüllt. Im K u n st e i s st a d i o n war es schwer, von Tribüne zu Tribüne die Um­risse der Besucher zu erkennen. Begeisterte Heilrufe begrüßten den Reichsminister Dr. Goebbels, der dem ersten Spiel zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Ame­rika beiwohnte. Der Spielbeginn verzögerte sich da­durch, daß die Eisflächen immer wieder von den Schneemassen freigemacht werden mußten, um etwa eine Viertelstunde.

Einen ausführlichen Bericht über den Verlauf des Spiels finden unsere Leser im Sport­teil des heutigen Blattes.

Die Wehrmacht begrüßt die militärischen Olympiateilnehmer.

Garmisch - Partenkirchen, 6. Februar. (DNB.) Am Nachmittag des Donnerstag begrüßte Generalleutnant von Reichenau, der Kom­mandierende General des 7. Armeekorps, im Namen des Reichskriegsministers Generaloberst v. Blom­berg und des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, vor dem Festsaäl des Olympia-Skihauses in Gar­misch-Partenkirchen die militärischen Olym­piateilnehmer, die am Freitag der kommen­den Woche an den Vorführungswettbewerben, dem militärischen Ski-Patrouillen-Lauf, teil­nehmen.

Generalleutnant von Reichenau hieß die Pa­trouillen aus Finnland, Frankreich, Italien, Oester­reich, Polen, Schweden, der Schweiz, der Tschecho­slowakei und die deutsche Patrouille sowie die Attaches der betreffenden Nattonen auf deutschem Boden herzlich willkommen. Diesem Wettbewerb, erklärte er, komme eine besondere Bedeutung zu, denn der Sieg in ihm entspreche am meisten dem soldatischen Wesen, da er die L e i st u n g e i n e r ganzen Mannschaft bedeute, bei der Führer und Mannen durch feste Kameradschaft und ge­meinsame Arbeit zu einem unteilbaren Ganzen verschmolzen seien. Der General schloß mit dem Wunsche, daß es dem einen oder anderen Teil­nehmer vergönnt sein möge, noch mehr zu geben als sein Bestes, daß er, entzündet vom heiligen Olympiafeuer, weit über sich selbst hinausmachsen möge. An diesem Tage und in solcher Stunde ver­lasse er dann für eine kurze Zeit die eng gezogene Bahn seiner Menschlichkeit undberühre mit dem Scheitel die Sterne". Begeistert stimmten die mili­tärischen Olympiateilnehmer in das Ski- und Berg­heil ein.

Richtfest der KdI.-Halle.

Am Donnerstagabend feierte die KdF.-Halle in Garmisch-Partenkirchen ihr Richtfest. Vor knapp 12 Tagen war der Platz neben dem neuen Rat­haus noch eine große Wiese, heute steht auf dem­selben Platz ein riesiger Hallenbau, der von 350 bis 400 Arbeitern förmlich aus dem Boden ge­stampft wurde. Viele Tausende schaffender Volks- Senossen, die aus dem Reich während der Winter- 'lympiade in Garmisch-Partenkirchen erwartet werden, werden in der Riesenhalle angenehmen Aufenthalt und gute billige Verpflegung finden. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley feierte beim Richtfest die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" und die Deutsche Arbeitsfront, die der Welt ein Beispiel geben von dem Geiste des neuen Deutsch­lands, von dem Geiste der deutschen Arbeit und des deutschen Arbeiters.

Votschafier a. D. Sols gestorben.

Berlin, 6. Febr. (DNB.) Im Alter von 73 Jahren ist in der Frühe des 6. Februar in Berlin der Botschafter a. D. Wilhelm Sols an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

Seine amtliche Laufbahn war nicht alltäglich. Er studierte ursprünglich orientalische Sprachen, dann auch Rechtswissenschaften und trat nach deren Ab-

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schluß 1888 in den Dienst des Auswärtigen Amts. Hier fand er u. a. 18891890 Verwendung beim Generalkonsulat in Kalkutta. 1896 trat er bei der Kolonialabteilunq ein; 1898 war er Bezirksrichter in Deutsch-Ostafrika und 1889 ging er nach S a - m o a, wo er Präsident des Munizipalrates von Apia wurde. Ein Jahr später wurde er Gouver­neur von Samoa. Als im November 1911 der Staatssekretär des Reichskolonial- a m t s v. Lindeguist im Zusammenhang mit dem deutsch-französischen Kongovertrag zurücktrat, wurde Solf sein Nachfolger. Im Herbst 1914 begründete er zurPflege des Geistes vom 4. August" dieDeut­sche Gesellschaft 1914". Im Kabinett des Prinzen Max v. Baden übernahm er dann das Staats- sekretariat des Aeußern im Januar 1919 und machte seinen Platz für den Grafen Brock- dorff-Rantzau frei. Im Juni 1920 ging er nach Japan als Botschafter. Im Dezember 1925 wurde er von der Asiatic Society of Japan, der bedeu-

Oie ganze Welt blickt nach Garmisch.

Starker Eindruck der Eröffnungsieter auf die Zuschauer aller Nationen.

Wie dieNew Uork Times" berichtet, erklärte der Präsident des amerikanischen Olympia-Ausschusses Avery Brundage, begeistert über die Eindrücke des Eröffnungstages der olympischen Winterspiele, es sind bei weitem die großartig st en olympischen Win­terspiele, die wir jemals gehabt haben. Sie werden bald den Sommerspielen an Bedeutung aleichkommen. In der Schilderung des Blattes wird hervorgehoben, daß der Führer bei dem Vor­beimarsch der Mannschaften glücklich gelächelt habe. W jeder w a r", so schreibt das Blatt,einer feiner Pläne, an dessen Gelingen er sein Herz gehängt hat, auf dem besten Wege des Er­folges."

In den Berichten der Pariser Presse aus Garmisch-Partenkirchen wird besonders der herz­liche Beifall hervorgehoben, den die deutschen Sportler der französischen Mannschaft entboten, als diese vor der Tribüne des Führers vorbeimarschierten. ImPetit Parisien" heißt es: Man könnte den Anstatt der Winterolympiade überschreiben:Ein W i n t e r t a g s t r a u m"; man befand sich in einer Stimmung aus Andersens Märchen.Petit Journal" schreibt:Als der Reichs­kanzler erschien, erhob sich ein Sturm der Begeiste­rung. Der Führer nahm, ohne sich besonders be­merkbar zu machen, mit jener vertrauten Schlicht­heit, die inmitten eines so festlichen Rahmens er­staunt, aus der Ehrentribüne Platz. Beim Vorbei­marsch wurde keine Mannschaft mit so großem Beifall begrüßt wie die französische, mit Ausnahme der österreichischen. Nicht ohne Rührung dachte ich bei dieser Ehrung an den ftanzösischen Botschafter in Berlin Franxois-Poncet, der das Wort geprägt hat, daß Deutschland sich von Frankreich eine sehr hohe Vorstellung macht."

Le Jour" schreibt, in Garmisch-Partenkirchen ist der Sport als Bindeglied zwischen den Völkern und als Beitrag zum Verständnis der Menschen

untereinander, am Donnerstag auf die Höhe eines Ideals erhoben worden, der im Laufe einer Kund­gebung die letzte denkbare Grenze des Möglichen erreicht hat. Wir Franzosen auf den Tribünen waren in unserm tief st en Innern auf­gewühlt über den Empfang, den un­sere Mannschaft beim Vorbeimarsch fand. Echo de Paris" hebt hervor, daß Adolf Hitler sich den Vorsitzenden des französischen Olympischen Ausschusses, M a s s a r d , vorstellen ließ und ihn zu dem tadellosen Vorbeimarsch der französischen Mannschaft lebhaft beglückwünschte. Die Sport- ZeitungL'Auto" spricht von einer bewegten Stunde, in der Ansehen, Größe, Adel und Ideal keine leeren inhaltslosen Worte gewesen seien. Die Friedensworte, die Ritter von Halt gesprochen habe, hätten in diesem Rahmen um so größeren Wert angenommen, als die verschiedensten Rassen in der einfachen Religion des Sportes ihre Freude bezeugten.

Die Schweizerische Presse stellt mit Be­friedigung den unmittelbar vor Beginn der Spiele einsetzenden Witterungsumschwung mit Schneefall und Frost fest. DasSt. Galler Tagblatt" hebt die großen Anstrengungen hervor, die Deutschland mache, um den Veranstaltungen einen möglichst glanzvollen Rahmen zu verleihen. DieNeue Zü­richer Zeitung" sagt, daß die Organisation auch bei höchster Beanspruchung einwandfrei arbeiten werde. Das Blatt hebt besonders die großartige Anlage des Ski-Stadions hervor, das von ausländischen Fachleuten alsdie schönste An­lage der Welt" bezeichnet worden sei. Man habe die glückliche Lösung gefunden, alles an einem Platz zusammen zu fassen. Das Schmuckstück des Ganzen bilde natürlich die große Olympia­schanze, die derart vollendet ausgearbeitet wor­den sei, daß beim Eröffnungsspringen im Februar 1934 nicht ein einziger der vielen Wettbewerber

gestürzt sei. Aber auch die kleine Olympiaschanze sei ein Glanzstück. Vorbildliche Ausrüstung vervoll­ständige die gewaltige Anlage.

Die englische Presse und der Rund­funk berichten ausführlich über die Eröffnung der olympischen Winterspiele. Die Blätter weisen auf die erfreulichen Schneeverhältnisse und auf den be­friedigenden Verlauf des ersten Tages hin. Sie mel- den, daß dem Führer bei seinem Erscheinen im Olympischen Skistadion von den Zuschauern e i n begeisterter Em pfang bereitet wurde.Daily Telegraph" schreibt, als die Kapellen die National­hymne spielten erhoben sich die Tausende wie ein Mann und sangen, indem sie die Hand zum deut­schen Gruß ausstreckten.News Chronicle" hebt hervor, daß die deutsche Organisationsfähigkeit sich bei der Eröffnungsfeier aufs glänzendste bewiesen habe. Trotz des heftigen Schneesturmes sei die Feier mustergültig verlaufen.

Die gesamte niederländische Presse bringt Aufsätze über die feierliche Eröffnung der Olympischen Spiele, die Sonderberichterstatter be­richten übereinstimmend von der großen Begeiste­rung der Menge beim Erscheinen des Führers. Telegraaf" schreibt:Kanonendonner, schmetternde Fanfaren, endloser Jubel der unabsehbaren Men­schenmenge, Flaggenparade von 28 Nattonen, läu­tende Glocken im ganzen Partnachtal, hoch auf­lodernde Flamme des entfachten olympischen Feuers... Der Führer und Reichskanzler hat die IV. Olympischen Winterspiele feierlich eröffnet." In seiner eingehenden Schilderung des Vorbeimarsches der Teilnehmer an der Ehrentribüne hebt das Blatt hervor, daß die Oesterreicher unter brausendem Jubel der Zuschauer mit erhobenem Arm am Füh­rer vorbeimarschierten.

tendsten wisienschaftlichen Gesellschaft Ostasiens, zum Präsidenten als Nachfolger des scheidenden eng­lischen Botschafters Sir Charles Elliot gewählt. Seit Gründung der Gesellschaft im Jahre 1872 wurde damit zum ersten Male dieses Ehrenamt einem Deutschen übertragen In Tokio hat er bis zum Jahre 1928 als Botschafter gewirkt und ist in dieser Zeit für Deutschlands moralische und wirt­schaftliche Stellung in Ostasien mit großem Erfolg tätig gewesen. Auf besonderen Wunsch der japa­nischen Regierung blieb er auch nach Erreichung der Altersgrenze auf seinem Posten, um als Doyen des Diplomatischen Korps an den Krönungsfeier­lichkeiten des Kaisers von Japan teilzunehmen. Ende 1928 trat er dann in den dauernden Ruhe­stand. Das Auswärtige Amt wird seinem einstigen Chef und langjährigen Botschafter stets ein ehren­des Andenken bewahren.

Oer Mord von Oavos.

Motta erstattet dem Gesamtbnndesrat Bericht.

Bern, 6. Febr. (DNB.) Der Chef des Poli­tischen Departements, Bundesrat Motta, erstattete dem Bundesrat einen Bericht über den Mord an Landesgruppenleiter G u st l o f f und über feine gestrige Unterredung mit dem deutschen Gesandten Freiherrn von Weizsäcker. Offiziell wird mitgeteilt, daß, wenn auch der Bundesrat die zeit­weise maßlose Angriffe eines Teiles der Presse gegen ausländische Staaten zwar bedauere, er doch keinen Zusammenhang zwischen diesen Angriffen und dem Attentat des Frankfurter sehen könne. Daß der Bundesrat gewillt sei, solche Angriffe zu ahnden, gehe daraus hervor, daß er heute demTravail" in Genf und dem Drott du Peuple" in Lausanne wegen eines Ar­tikels vom 2. Januar, der sich sowohl gegen den italienischen Faschismus als auch gegen den deut­schen Nationalsozialismus richtet, besonders wegen der darin enthaltenen ganz groben Ausdrücke eine strenge Verwarnung erteilt habe mit der Androhung der Einstellung im Wiederholungsfälle.

Sehr deutlich nimmt dieNeue Basler Zei­tung" gegen die kommunistische und sozialistische Hetze Stellung, die auch in den Pressekommentaren zum Mordfall Gustloft zum Ausdruck kommt. In d->n Besprechungen des Basler kommunistischen Blattes habe man ein klassisches Beispiel der hem­mungslosen, mit Drohungen gespickten Gustloff- Hetze, die verantwortlich sei für die geistige Atmo­sphäre, aus der heraus die brutale Tat geworden fei. Mit einer Hetze gegen Deutschland setze die Linkspresse die Neutralität der Schweiz aufs Spiel, indem sie im Aüslande den Ein­druck Hervorrufe, die Schweiz wolle nicht länger neutral sein und ergreife einseitig Partei. Vom Vertrauen des Auslandes in den Schweizer Neu- ttalitatswillen hänge aber überhaupt der Bestand des Bundes ab. Auch dieBasler Nachrichten" meinen, es wäre in der Tat nicht zu früh, wenn der Bundesrat der rnarristtschen Presse etwas nach­drücklicher ihre Pflicht gegenüber dem Lande ins Gedächtnis rufen würde.

Oer Königsmordvro-rek in Aix

Paris, 6. Febr. (DNB.) In dem Prozeß gegen die Kroaten vor dem Schwurgericht in Aix-en-Pro- vence wurde Donnerstagmorgen mit der Verneh­mung des zweiten Angeklagten R a i j t s ch begon­nen. Raijtsch hat nach seinen Angaben Jugoslawien bereits 1929 verlassen, sich zunächst nach Uruguay und von dort nach Brasilien begeben. Nach Europa zurückgekehrt, will er in Belgien einen Kroaten kennen gelernt haben, der ihm den Eintritt in das E m i g r a n t e n l a g e r von Janka Pußta in Ungarn ermöglicht habe. Auf die Frage nach der Herkunft des auf dem Bahnhof St. Lazare in Paris gefundenen Koffers, der die­selben Waffen enthielt, rote sie im Marseiller Atten­tat verwandt worden waren, mußten die drei An­geklagten nichts auszusagen. Auf den Einwurf, Raijtsch habe doch vor dem Attentat Geld er­halten, erwiderte der Verteidiger, man dürfe die Angeklagten wohl richten, sie aber nicht entehren. Sie seien Helden, und 2000 Franken seienkein Geld für einen Königsmord".

Der Angeklagte Pospichil erklärte, wenn das Verhör in derselben Art geführt werde wie bei fei­nen Mitangeklagten, würde er nicht antwor- t e n Als der Vorsitzende ihn nach den Vorgängen im Lager von Janka Pußta befragte, kreuzte der

Angeklagte die Arme und verweigerte jede Aussage. Der Präsident verlas dann die Liste seiner Fragen, ohne daß der Angeklagte antwortete. Dann begann Pospichil plötzlich ein Bekenntnis zum Kroatentum und zum Katholizismus abzulegen. Der Angeklagte ließ sich auch ausführlich darüber aus, wie er zu den Verschwörern gekommen ist. Der Lei­ter der Unternehmung fei Kalemen gewesen. Aber Kalemen selbst habe, bevor er nach Marseille fuhr, ihm nur eine Abwesenheit von wenigen Tagen an-

gekündigt, ohne sich über den Zweck seiner Reise zu äußern. Pospichil sei dann in Paris gewesen, weil Kwaternikihm dies befohlen habe. Beim Verlassen eines Lichtspieltheaters habe er erst von dem Anschlag gegen König Alexander Kunde erhalten und sei dann sofort von Paris abgereift. Der Ge­richtspräsident erklärte nun, daß die Verschwörer Pawelitsch, Kwaternik und Persewitsch in Abwe­senheit verurteilt würden.

Wird England das Kolonialproblem in Angriff nehmen?

London, 7. Febr. (DNB. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die Erklärungen des Unterstaatssekre­tärs im Außenministerium, Lord Cranborne, in der Unterhaus-Aussprache am Mittwoch glaubt Daily Herald" melden zu können, daß einevor­läufige Prüfung" der Kolonialfrage durch die britische Regierung bereits in vol­lem Gange sei. Sachverständige hätten schon Denkschriften über verschiedene Gesichtspunkte der Frage vorbereitet und eine große Menge statistischer und anberroeitiger Angaben sei für das Studium der Minister gesammelt worden. Der nächste Schritt werde möglicherweise eine Aufforderung an den Völkerbund sein, einen Ausschuß von Persönlichkeiten mit großer Kolonialerfahrung ein­zusetzen. Man denke dabei an Sachverständige wie den englischen Kolonialpolitiker Lord Lugard, der seit 1922 britisches Mitglied des ständigen Mandatausschusses sei. Die bisherigen Untersuchun­gen hätten in der Hauptsache dazu gedient, d i e großen Schwierigkeiten der ganzen Frage an den Tag zu bringen.

Sir Evelyn Wrench schreibt in derDaily Mail": England sollte so rasch wie möglich eine Konferenz der Kolonialmächte einberu- fen und ihr einen Fünf-Jahres-Plan vor­legen. England sollte erklären, daß alle bri­tischen Kolonien, die noch nicht zur Selbstre­gierung reif sind, innerhalb von fünf Jahren zur Politik der offenen Tür zurückkehren. Ferner müsse sich die britische Regierung bereit»

erklären, diese Kolonien als Völkerbundsmandate zu verwalten. Durch einen solchen Plan würden die wirtschaftlichen Beschwerden der unbefriedigten Mächte beseitigt. Gegenwärtig seien Deutsch­land, Italien und andere Länder ohne Kolonien und infolge Zölle, Einfuhrverbote und Handelsbeschränkungen nicht in der Lage, genügend Waren in den Kolonialgebieten zu verkaufen, um die erforderlichen Devisen für Rohstoffeinfuhren zu erhalten.

Der Verfasser schreibt weiter:Wenn unser Hauptziel der Friede und die Schaffung eines ge­festigten Europas ist, dann müssen wir in aller er­ster Linie danach trachten, die Beschwerden zu be­seitigen. Wir dürfen uns nicht vor dem Götzenbild des Status quo zu Boden werfen. Ich bin überzeugt, daß es keine Stetig­keit in einer Lage geben kann, die es fünf Staaten erlaubt, alle Kolonialgebiete in der Welt zu besitzen, solange diese Staaten den anderen Ländern Hin­dernisse in den Weg legen, und ihre Kolonien a l s wirtschaftliche Ausbeutungsobjekte betrachten."

Daily Mail" schlägt eine Konferenz von vier oder fünfwirklichen Staatsmännern" vor, die als Vertreter ihrer Länder betrachtet wer­den können. Nur eine solche Konferenz, die auf die üblichen Sekretäre und Sachverständigen" ver­zichten würde, könne das Problem der unbefriedig­ten Mächte erfolgreich in Angriff nehmen.

Oesterreich und die Kleine Entente.

Gtarhembergs pariser Besprechungen.

London, 7. Febr. (DNB. Funkspr.) Die eng­lische Presse kann sich noch kein klares Bild von dem Ergebnis der Pariser Besprechungen machen. Die Blätter sind der Ansicht, daß greif­bare neue Abmachungen in Paris nicht zustandegekommen seien, daß aber eineVerstärkung der kollektiven Sicherheit" in Mitteleuropa im Gange sei, und daß eine Annäherung Oesterreichs an d i e Kleine Entente ftattgefunben habe. DieMorning Post" glaubt nicht, daß ein Regional­pakt für die Verteidigung der österreichischen Un­abhängigkeit im Bereiche der praktischen Politik liege. Italien selbst sei nicht in der Lage, dar­an teilzunehmen. Die Besprechungen mit Prinz­regent Paul von Jugoslawien hätten ferner gezeigt, daß in Jugoslawien immer noch Erbit­terung gegen Frankreich wegen der Er­mordung König Alexanders herrsche. Jugoslawien fürchte Italien und eine Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich. Es sei daher unwahr­scheinlich, daß Jugoslawien, nur um Frankreich zu gefallen, versprechen werde, zurVerteidigung" Oesterreichs in den Krieg zu ziehen, solange Oester­reich ein italienischer Vasallenstaat bleibe.

Vernon Bartlett meint, jeder Versuch, die Stresa-Front zur Garantierung Oesterreichs wieder zu beleben oder auszudehnen, wäre so ge­künstelt, daß sie von der britischen Regierung wahr­scheinlich nicht unterstützt würde. Aussichts­reicher sei eine enge wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen den Donaustaaten. Die Beziehungen zwischen Oesterreich, der Tschechoslo­wakei und Rumänien feien viel herzlicher gewor­den. Lediglich S ü d s l a w i e n weigere sich noch, an offenen Besprechungen mit Oesterreich teilzu- nehmen.

Das plötzliche Erscheinen des Erzherzogs Otto in Paris wird hier allgemein verurteilt.

Morning Post" meldet, man befürchte, daß infolge der Reife Ottos nach Paris die Aussichten auf eine Annäherung zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente wieder zerstört würden. DerEve- ning Standard" berichtet, die Zusammenkunft zwischen Starhemberg und dem Erz­herzog fei zwar bestritten worden, doch habe Fürst Starhemberg das angebliche Versprechen, die Wiedereinsetzung des Hauses Habsburg zu verschie­ben, beträchtlich abgeändert. Starhemberg hatte seine Absicht, von London nach Belgien zu fahren, um dort mit Erzherzog Otto zusammenzutreffen, auf gegeben, weil er nicht den Argwohn der Kleinen Entente und insbesondere Jugoslawiens habe erwecken wollen. Unklugerweise sei der Erz­herzog nun in Paris erschienen in der Hoffnung, eine Aussprache mit Starhemberg erreichen zu kön­nen. Wahrscheinlich sei Otto von Habsburg wieder einmal von seinen Ratgebern und insbesondere von Baron von Wiesner falsch beraten worden.

Note Vögel über Estland.

Nachdem Monate hindurch geheimnisvolle Flug­zeuge nächtlicherweile über Finnland und Nordskandinavien hinweg flogen, ohne daß genau festgestellt werden konnte, welche Bewandtnis es mit diesen unzweifelhaft sowjetrussischen Flugzeugen hatte, sind jetzt am hellichten Tage drei rote Kampfflugzeuge über estnischem Gebiet erschienen. Sie haben Dorpat zweimal auf­gesucht, sie sind von den Esten heftig beschoßen worden und haben offenbar auch bas Feuer erwi­dert. Daß sich diese Kampfflugzeuge verirrt haben sollten, darf wohl nicht angenommen werden. Denn nachdem sie sich ein zweites Mal über Dorpat auf­gehalten hatten, wußten sie ganz genau, welche Rich­tung sie einschlagen mußten, um ihren heimatlichen