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Nr. 32 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Zreitag, 7. Hebruar 1936

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Srantturt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Untverfitats Such- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7

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unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen

Der Führer eröffnet die IV Olympischen Winterspiele.

Oie ersten Eishockey-Wettkämpfe in Garmisch-Partenkirchen: Vereinigte Gtaaten-Oeutschland 1:0.- Kanada-Polen 8:1. Ungarn-Belgien 41:2.- Schweden -Japan 2:0.

3m Vanne Olympias.

Bier Fahre eineOlympiade" lang gilt das Streben der Jugend der Welt, die vom Geiste des Sportes und der Leibesübungen besessen ist, der höchsten Ehre, die einem Sportkämpser zuteil werden kann: Sein Vaterland als Olympia- Kämpfer im friedlichen Wettstreit der Nationen vertreten zu dürfen. Vier Jahre lang arbeitete der Sportmann, der durch Zucht seines Körpers und Schulung seines Geistes sich die besondere sportliche Befähigung aneignete, die ihn in die Reihe der Besten eines Landes stellt, auf das größte Ziel hin, das er erreichen kann: Auf den Olympi­schen Sieg. Aus den Olympischen Sieg, der in der Antike heilig gehalten nun auch in der modernen Welt des zwanzigsten Jahrhunderts wie­der zu einer Bedeutung gekommen ist, die ihn in der sachlichen Nüchternheit des technischen Zeit­alters zu einem Ideal macht. Vier Jahre lang fie­bern aber auch alle die dem Augenblick der Er­öffnung der nächstenSpiele" entgegen, die sich dem sportlichen Gedanken irgendwie verbunden fühlen. Sei es, daß sie als verantwortliche Führer im sportlichen Leben stehen, sei es, daß sie mit der Ausbildung der sportlichen Jugend betraut sind, sei es, daß sie mit Wort und Schrift für die Idee des Sportes kämpfen oder sei es auch nur, daß sie alsZuschauer" undPassive" der Sportbewe­gung angehören sie alle stehen im Banne Olympias und erwarten mit freudiger Sehn­sucht den Augenblick, in dem sich die mit den fünf Ringen geschmückte Olympische Flagge über der Kampfstätte der Welt entfaltet und das Aufflackern des Olympischen Feuers das Zeichen gibt, daß die Jugend der Welt nach vier Jahren wieder zusam­mengekommen ist, um sich im edlen sportlichen Wettstreit zu messen.

Dieser Augenblick war nun am Donnerstag wie­der gekommen. Chamo nix, der Schauplatz der ersten Olympischen Winterspiele, St. Moritz und Lake P l a c i d , die die zweiten und dritten Win­terspiele in ihren Mauern Hatten, bereiteten den Weg der Nationen nach Garmisch-Parten­kirchen vor. Hier wurden gestern in Anwesen­heit des Führers und Reichskanzlers die IV. Olympischen Winterspiele" feierlich eröffnet. 60 000 Zuschauer aus allen Gegenden und Ländern der Welt füllten das riesige, neuerstellte Ski-Stadion und bejubelten den Einmarsch der Olympia-Kämp­fer aus 28 Nationen. Noch nie in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele war die Zahl der bei beuWinter-Spielen" versammelten Kämpfer so groß, wie bei diesem Einmarsch der Nationen am Donnerstagvormittag in Garmisch-Partenkir­chen. lieber allen Haß und Hader der Welt hin­weg war der Olympia-Ruf ergangen. Daß er nicht ungehört verhallt ist, sondern überall ein williges Gehör gefunden hat, dafür ist die Zahl der Kämp­fer von Garmisch-Partenkirchen ein lebendiger Be­weis.

Zum Festakt gerüstet.

Das Ski-Stadion für die Eröffnung festlich geschmückt.

Garmisch-Partenkirchen, 6. Febr. Das Schneeflockentreiben hat nur auf ganz kurze Zeit nachgelassen, um dann mit um so größerer Heftig­keit wieder einzusetzen. Die beiden Sprungschanzen, an deren Fuße dasOlyrnpia-Ski-Stadion, die Weihestätte der IV Olympia-Spiele liegt, sind nur in ihren Umrissen zu erkennen. Am Fuße des Ausläufers ist das Olympia-Ski-Haus er­richtet, dessen Balkon mit rotem Tuch ausgeschlagen und mit einer goldumwundenen Tannengirlande bekränzt ist. In der Mitte des Balkons stehen die Mikrophone; von dieser Stätte aus wird der Füh­rer die Olympischen Winterspiele eröffnen. Vor

feiner Begleitung befinden sich folgende Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees: Exzel­lenz Stefan Tschaprachikov (Bulgarien), Marquis de Polignac (Frankreich), Baron Sckimmelpfenninck van der Oye (Hol­land), Gras de Gautier-Vignal (Monaco), Thomas F e a r n l e y (Norwegen), Dr. h. c. Schmidt (Oesterreich), Exzellenz Jgnace M a - tuszewski (Polen), Graf El. Rosen (Schwe­den), Oberstleutnant A. G. Berdez (Schweiz), Guth-Jarkowsky (Tschechoslowakei) und Ex­zellenz Dr. L e w a l d (Deutschland). Die unüber­sehbaren Massen deutscher Volksgenossen aus allen Teilen des Reiches und die Sportelite aus 28 Na­tionen grüßen den Führer. Die Musikkapellen stim­men die nationalen Hymnen an, die von den Massen begeistert mitgesungen werden.

Der Einmarsch der Rationen

Nun setzt Marschmusik ein. Die Spitze des Zuges der Nationen ist am Eingang zum Skistadion zu sehen. Bewegung geht durch die Massen. Ein Orkan des Jubels schwingt sich durch das weite Rund, als die Wettkämpfer der 28 Na­tionen, über 1000 Olympioniken sich in Bewegung setzen. Vor jeder Nation trägt ein Jugendlicher des Ski-Klubs Garmisch-Partenkirchen die Tafel mit dem Namen der Nation in deutscher Sprache, wenige Meter hinter ihm folgt der Fahnenträger und hinter diesem wieder in Dreierreihen die offiziellen Vertreter der Nation. Vqn den Aktiven marschieren in der ersten Reihe die Teilnehmer derMilitärskipatrouillen, ihnen folgen die Skiläufer, die Eisläufer, die Eishockeyspieler und die Bobfahrer, während die Eis schütz en den Beschluß machen. Die Musikkorps mit den Spielleuten haben vor der Westtribüne Ausstellung genommen.

Als erste Nation marschiert unter den Klängen des Hellenen-Marsches Griechenland, mit

tosendem Jubel empfangen, in bas Innere. Vor der Ehrentribüne senkt ber Bannerträger Griechen- lanbs bie Fahne vor bem Führer bes Deutschen Reiches, bem Olympischen Komitee unb ben Ehren­gästen, und roieber bricht ein Orkan bes Jubels los. Während sich bie Fahne senkt, krachen von ben Höhen bie Ehrenschüsse ber Gebirgs­batterie. Australien, Belgien, Bulgarien unb Estlanb ziehen ein; als bie kleine, aber im Sport so große finnische Nation einzieht, verstärkt sich ber Jubel. Jedesmal, wenn bie Fahne einer Nation oorbeigetragen wirb, erhebt sich bas ge­samte Stabion und grüßt sie mit dem deutschen Gruß. Als Frankreichs Auserwählte vor der Ehrentribüne vorüberziehen unb bie französischen Wettkämpfer zu bem Platze, wo ber Führer steht, ihre Rechte zum olympischen Gruß erheben, er­schwingt ber Jubel ber 50 000 Menschen durch bie Kampfbahn, bie ben Franzosen für diese herzliche Geste bankt.

So zieht Nation um Nation von immer erneutem Beifall empfangen unb begleitet an ber Ehren­tribüne vorüber, um bann in langer Front vor dieser hinter den Tafeln und ihren Fahnen Auf­stellung zu nehmen. Mit besonderem Jubel werden Japan, Kanada, Norweaen, aber auch Oe st erreich und Polen als die Nationen be­grüßt, deren Repräsentanten in der gesamten sport­lichen Welt bekannt sind. Den Schluß der aus­ländischen Teilnehmer bilden die Vereinigten Staaten von Amerika, die mit einem star­ken Aufgebot erschienen sind. Dann erklingt der Fridericus-Marsch. Der Münchener Skiläufer von Kaufmann trägt das Hakenkreuzbanner, die Flagge des Dritten Reiches, ihm folgt der Reichs­sportführer mit den Offiziellen und dahinter die deutsche Olympia-Mannschaft. Das ganze Stadion ist von den Plätzen aufgesprungen und jubelt ihnen zu und die Begeisterung verebbt erst, als die deutsche Mannschaft ihren Platz einge­nommen hat.

9er Olympische Schwur.

Jur Ehre unserer Länder und rum Ttubmc des Sports."

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Willy Bogner, der Deutsche Skimeister, spricht den Olympischen Eid. Rechts bie Fahnen der Nationen. (B i l dte l e g r a m m aus Garmisch-Partenkirchen. Scherl-M.)

Das Olynwische Feuer lodert.

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Seit Donnerstag vormittag lodert zur IV. Winter- Olympiade in Garmisch-Partenkirchen bas Olym - pi sch e Feuer von einem 34 Meter hohen Stahl- gerüst. Davor sieht man bie vier Gebirgskanvnen, bie währenb ber Eröffnungsfeier bie Salutschüsse abfeuerten. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Der Führer nimmt Abschied.

In ber gleichen Reihenfolge, in ber bie 28 Na» Ionen bas Olympia-Ski-Stadion betraten, mar» chieren fie roieber ab. Sie ziehen vorüber vor ber Führertribüne, bie Fahne jebes einzelnen Lanbes enkt sich vor bem Führer unb viele Vertreter ber remben ßänber grüßen unter Beifallsstürmen mit erhobener Rechten. Der Aufmarsch ber Nationen ist beenbet, unb nun finb bie Tausenbe unb Aber- tausenbe nicht mehr zu halten. Sie übersteigen bie Schranken, durchbrechen bie Absperrungen unb trömen zum Balkon. Getragen von einer tiefen Liebe schallt hunbertfach ber Ruf aus ber Menge: W i r wollen ben Führer sehen!" Unb bann erscheint ber Führer. Die Begeisterung chwillt zu einem Orkan an. Leuchtenben Auges dankt ber Führer. Auch bei ber Abfahrt bes Füh­rers kommt es zu stets sich wiederholenden neuen Huldigungen, bie ihn begleiten, solange er auf bem Boben ber Olympia-Stadt weilt.

Heil Oesterreich!"

Begeisterte Begrüßung der Olympia- Teilnehmer aus Oesterreich.

bem Skihaus ist eine Ehrentribüne errichtet. Zur Linken unb zur Rechten bis an ben Beginn bes Auslaufes heran ziehen sich Tribünen ben Hang hinauf.

lieber ber Eingangspforte zum Skistabion wehen drei olympische Flaggen, flankiert von ben Hoheits­zeichen bes neuen Deutschland Auf bem Aufmarsch­platz am Stiefelfeld finb bie 28 Nationen in ber alphabetischen Reihenfolge angetreten, in ber sie ben Einmarsch vollziehen. Vor ben Tribünen bilben einige hunbert Hitlerjungen in blauen Ski­hasen, braunen Windblusen mit roten Mützen unb Handschuhen Spalier. Die Ehrentribüne unb bie Stehtraversen finb lange vor Beginn bis auf ben letzten Platz besetzt. Die HI. hat sich in brei Säulen vor bem Fahnenmast aufgestellt, an bem bie olym­pische Flagge aufgezogen wirb. Zu beiben Seiten bes Platzes, auf bem bie gelabenen Gäste sitzen, haben Schwerkriegsbeschädigte Ehrenplätze erhalten.

Die Ankunst des Führers.

Pünktlich um 11 Uhr betritt unter bem Jubel ber festlich gestimmten Menschenmassen in Begleitung des Präsidenten bes Olympischen Komitees Graf Baillet-Latvur unb bes Präsidenten bes Drganifationsfomitees für bie 4. Olympischen Win­terspiele Ritter von Halt ber F ührer ben Ehrenplatz auf bem Balkon bes Skihauses. In

Der Präsibent bes Organisationskvmitees für bie Olympischen Winterspiele Dr. Karl Ritter von Halt betritt bas Rebnerpult unb heißt ben Füh­rer unb Reichskanzler, ben Präsidenten bes Inter­nationalen Olympischen Komitees unb besten Mit­glieder, die Sportkameraden und die olympischen Gäste willkommen.

"nter atemloser Stille erklingt in tonender Klarheit bie Stimme des Führers: Ich erkläre bie Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen für eröffnet." 3n den Jubel der 50 000 Menschen klingt b i e olympische Hymne, bröhnen bie Salven ber Gebirgsbatterien, klingen von Garmisch- Partenkirchen bie Glocken herüber, währenb im Turm bes Skistabions bas olympische Jener aufflammt, aller Welt ben heili­gen olympischen Jrieben zu fünben. Langsam steigt am Mast bie weihseibene Olympia-Jahne mit ben fünf Ringen empor. Das ganze Stabion grüßt sie entblöß­

ten Hauptes unb mit erhobener Rechten.

Die Fahnenträger der 28 Nationen bilden einen Halbkreis um das Rednerpult. Aus dem lin­ken Flügel stehen die Bannerträger Griechenlands bis Kanada, rechts des Pultes die Lettlands bis

zu den Vereinigten Staaten. Der Fahnenträ­ger Deutschlands und der deutsche Skimeister Willi Bogner-Traunstein treten zum Po­dium. Willi Bogner tritt an das Mikrophon. Zu seiner Linken bleibt der Fahnenträger stehen. Bog­ner grüßt das Hakenkreuzbanner und ergreift mit der Linken das Tuch, während er die Rechte zum Schwur erhebt. Feierlich klingt durch die Sttlle der Schwur, den er für alle Olympio­niken leistet:

Wir schwören, bei ben Olympischen Spielen ehrenhafte Kämpfer zu sein unb bie Regeln ber Spiefe zu achten. Wir nehmen teil in ritter­lichem Geiste zur Ehre unserer Cänber unb zum Ruhme bes Sportes."

Unter Trommelwirbel begeben sich die Fahnen­träger wieder zu ihren Plätzen zurück. Feierliche Klänge rauschen auf. Die vereinigten Musikkorps spielen das Andante aus der 5. Symphonie Lud­wig van Beethovens. Aus dem dichten grauen Ge­wölk, das über dem Werdenfelser Land hängt, er­strahlt für einen Augenblick die Sonne, sie wirft einen matten Schein auf das einzigartige Bild, auf den Schauplatz, auf dem 28 Nationen, zu einer Einheit zusammengeschweißt, zu einem Völkerbund des Sportes, einem Völkerbund der Tat zusammen­getreten sind. |

Auf dem Rückweg aus dem Stadion zieht noch einmal das überwältigende Bild der Eröffnungs­feier vor den Augen der Teilnehmer vorüber. Sie erleben noch einmal das berückende Bild, das das Ski-Stadion am Gudi-Berg im Schmucke der Fah- nen bot, und das sich unvergeßlich in aller Gedächt­nis eingeprägt hat. Noch einmal erfüllt sie die jubelnde Freude, die das Erscheinen des Führers und Reichskanzlers inmitten der Sportjugend aus aller Welt hervorrief. Und sie sehen das überwäl­tigende Bild der prachtvollen Sportgestolten, die hinter den Fahnen ihrer Länder in das gewaltige Rund zogen, sehen die Engländer, die am Arm einen Trauerflor für ihren verstorbenen König Georg V. tragen, sehen die stattliche Abordnung Japans mit der kleinen Eiskunstläuferin Inada, sehen die sieggewohnten Norweger in ihrem schlich- ten Blau mit Sonja Henie und erleben die freudige Begeisterung, die über der deutschen Abordnung zusammenschlug.

Keine Nation aber hat eine solche Ausnahme ge­funden, wie die 117 Teilnehmer starke Abordnung des stammverwandten Oesterreichs, deren Fahne der Wellmeister und mehrfache Olympia­sieger im Eiskunstlauf Karl Schäfer trug. AK die österreichische Mannschaft vor der Ehrentribüne die Rechte zum Gruß erhob und leuchtenden Auges am Führer des blutoerwandten Deutschen Reiches vorübermarschierte, war das ganze Stadion erfüllt