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Dienstag, b. Oktober 1936

Ur. 234 Erstes Blatt

186. Jahrgang

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Sonmaqe und iVetertag» jÄEEMr V py für die Mittagsnummer

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von einzelnen Nummern fV^p Ermäßigte Grundpreise.

infolge höherer Gewalt f .. Stellen-, Vereins», gemein-

MM General-Anzeiger für ®bcrl)tffeit DZM

m noftifhldfonto behördliche Anzeigen6Rpf.

Kronkfurt am main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts Buch- und Stembniderei R. Lauge in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Mengenabfchiusse Staffel 8

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Die italienische Lira um 41 Prozent abgewertet.

Angleichung der italienischen Währung an Pfund und Dollar

Der ungarische Mnisterpräschent Gömbös t

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Frankreich konkurrieren kann. Nebenbei wird der Gewinn aus der Abwertung des Goldfonds der Zentralnotenbank dem Staatshaushalt erhebliche Erleichterung verschaffen. Italien sowohl wie die Tschechoslowakei haben Devisenzwangswirtschaft. Preiskontrolle und Zollsenkungen für die Einfuhr unentbehrlicher Lebensmittel und Rohstoffe sollen eine Verteuerung der Lebenshaltung verhindern.

Wird es mit dieser Abwertung auf breiter Front

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, 4. Oktober 1936.

Die Tagung der Konservativen Partei Englands ist zu Ende. Zwei Reden insbesondere haben Klarheit über den künftigen Kurs der eng­lischen Politik, nach außen ebenso wie nach innen, geschaffen, die des Schatzkanzlers Neville Cham­berlain und des Ersten Lords der Admiralität, Sir Samuel Hoare. Denn in dem England von heute ist es so, daß die Konservative Partei, wenn sie auch nicht alleinige Trägerin der Verantwortung und der Macht ist, doch den Kurs bestimmt. Die englische Politik nach Margate aber läßt sich eigentlich in einem Wort zusammenfassen: R ü - st u n g ! England führt seine Aufrüstung in einem Tempo und einem Ausmaß durch, wie das Welt­reich' sie in der letzten Epoche seiner Geschichte nicht mehr erlebt hat. Und dieses Tempo und dieses Aus­maß sind den verantwortlichen Männern immer noch nicht schnell und nicht groß genug.

Gewiß: London hat Sünden der Vergangenheit n a ch z u h o l e n. In der Nachkriegszeit hat das Empire seinen Rüstungsstand vernachlässigt: dar­über kann kein Zweifel bestehen. Man hat sich etwas zu sehr auf die Wirksamkeit internationaler Abkom­men verlassen, man hat vor allem aber in Genf mehr gesehen, als es tatsächlich in der harten Wirk-

München, 6. Oft. (DNB. Funkspruch.) Der ungarische Ministerpräsident Gömbös ist heute um 8.20 Uhr im Kurhaus Neu-Willelsbach verschieden. 3m Laufe des gestrigen Nachmittags war von den Münchener Aerzten in Budapest eine Mit-

Die Abwertung der Tfchechen-Krone.

Soll es bei 16 Prozent nicht bleiben?

Prag, 5. Okt. (DRV.) Der Wirtschaftsausschuß der Prager Regierung konnte erst am späten nachmittag zusammentreten, weil vorher Beratun­gen der 'Mehrheitsparteien über den Inhalt der den Parteien vorzulegenden Gesetzentwürfe über die Abwertung der Tschechenkrone stattfanden. Der Ministerrat, der über den Entwurf Beschluß fassen soll, wird voraussichtlich Dienstag zusammentreten. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, haben die Nachrichten über die Entwertung der Lira die Ver­zögerung verursacht. Namentlich die tschechischen Sozialdemokraten befürchten, daß durch die italieni­sche Maßnahme der Zweck der Abwertung der Tschechenkrone, nämlich für billige Waren einen größeren Absatz zu finden, unwirksam werden könnte. Sie verlangen da­her entschieden eine viel höhere als die ur­sprünglich in Aussicht genommene Abwertung der Tschechenkrone. Infolgedessen müssen die Unter­lagen, die zu dem früheren grundsätzlichen Be­schluß einer Abwertung um 16 v. H. geführt ha­ben, neu üb er prüft werden. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß noch weitergehende Entschei­dungen getroffen werden.

Laut Anschlag der Börsenkammer wurde der Handel auf der Prager Devisen- und Va­tu t a b ö r f e am Montag bis auf weiteres ein­gestellt. Die Devisenbörse wird erst voraussicht­lich in acht Tagen nach Erledigung des neuen Währungsgesetzes wieder eröffnet werden. Der Aktienmarkt hingegen fand wie gewöhnlich statt.

Der königlich ägyptische Ministerpräsident Exz. Nahas Pascha stattete in Begleitung des königlich ägyptischen Finanzministers und des königlich ägyp­tischen Gesandten dem Reichsminister für Volksauf­klärung und Propaganda Dr. Goebbels in sei­nen Dienfträumen einen längeren Besuch ab. Die angeregte und in sehr freundschaftlicher Form ge­führte Unterhaltung bezog sich auf Fragen der deutsch-ägyptischen Beziehungen, die immer ange­nehme gewesen sind.

der Revision des Vertrages von Trianon, durch den Ungarn zerstückelt worden ist. Die römischen Protokolle führten Ungarn in eine enge Verbin­dung mit Italien und Oesterreich. Zu Deutschland wurden die freundschaftlichen Beziehungen aus dem Weltkriege erneuert und den auf gegenseitigen Warenaustausch angewiesenen wirtschaftlichen Inter­essen beider Länder die Bahn geebnet.

Mehrfach war der verstorbene Ministerpräsident in Deutschland zu Gast. Vielleicht trug dazu auch die Tatsache bei, daß seine Mutter Eva Gömbös, geb. Weitzel, deutschen Blutes war. Ein Vorfahr von ihr, Johann Weitzel, war in Storndorf im jetzigen Kreise Alsfeld ansässig und ist von dort im zweiten Jahrzehnt des 18 Jahrhunderts in das ungarische Komitat Tolna ausgewandert. Der ver­storbene Ministerpräsident hat sich stets als über­zeugter Anhänger guter deutsch-ungarischer Bezie­hungen erwiesen. Seine Erkrankung vor einigen Monaten, von der er in einem Münchener Sana­torium Heilung suchte, fand in Deutschland das leb­hafteste Bedauern, sein plötzliches Hinscheiden wird auch in Deutschland tiefes Mitgefühl mit der Familie und dem von dem Tod seines führenden Staats­mannes schwer betroffenen ungarischen Volke

Kredite sind nur zu haben, wenn die Verhältnisse beim Kreditnehmer vertrauenswürdig sind. Wie läßt sich das unbedingt notwendige Vertrauen Herstel­len, wenn nicht zuletzt von der politischen Seite her gegen die Wiederher st ellung des Ver­trauens gearbeitet wird? Vielleicht wird man aber aus Anlaß der nächsten Sitzung der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich in Basel hören, wie sich die hier zusammenkommenden No­tenbankpräsidenten die weitere Entwicklung den­ken, die man bestimmt nicht sich selbst überlassen darf.

Oie österreichisch-italienischen Handelsbeziehungen.

Wien, 6. Okt. (DNB.) Die österreichische Regie- runa wurde ebenso wie die ungarische von der ita­lienischen Regierung v e r st ä n d i g , daß die Han­delsbeziehungen zwilchen den Staaten der römischen Protokolle trotz der Lire-Abwertung un­verändert aufrechterhalten und noch gesteigert werden sollen. Der Staatssekretär für Aeußeres Dr. Schmidt erklärte, schon in den näch­sten Tagen würden Verhandlungen mit der italie­nischen Regierung ausgenommen werden, um die Bedingungen des künftigen Handelsverkehrs festzu­legen. Auch die Wiener Zusammenkunft der Außenmini st er der Staaten der römi­schen Protokolle, die Anfang November stattfinden wird, gewinne angesichts dieser Sachlage eine be­sondere Bedeutung.

Heute Eröffnung des Winterhilsswerks durch den Führer.

Berlin, 5.Off. (DRV) Die Eröffnung des Winferhilfswerkes 1936/37 durch den Führer und Reichskanzler erfolgt am Dienstag, dem 6. Oktober 1936, um 20 Uhr in der Deutschlandhalle. Die Veranstaltung wird auf alle deutschen Sender übertragen.

kehr werde die Abwertung Erleichterung bringen. Diese Vorteile könnten nur durch ein An­steigen der Preise im Inland beeinträchtigt werden. Zur englisch-französisch - amerikanischen Währungs- abmachung erklärte Mussolini, er fei gleichfalls der Ansicht, daß der wirtschaftliche Wieder­aufbau in der Welt eine der notwendigen Voraussetzungen für d i e Zusammen­arbeit der Völker zugunsten des Friedens sei. Man müsse jedoch aus dem provisorischen Zu­stand heraus zu einem dauerhaften gelangen.

Der vom Ministerrat angenommene Gesetzent­wurf bestimmt: Nachdem im Jahre 1927 die B e - Ziehung zwischen der Lira einerseits und dem Dollar und dem Pfund Sterling andererseits auf der Grundlage von 19 bzw. 9 2,46 fe ft gefegt worden war, wird zwecks Wiederherstellung dieser durch die Entwertung dieser Valuten gestörten Relation der Goldgehalt der Lira proportional Herabgesetz, und zwar im Verhältnis zum Dol­lar, der um 40,93 v. H. abgewertet worden ist. Die Lira wird nunmehr als Goldgehalt 4,677 Gramm Feingold für 100 Lire Nominalwert enthalten im Vergleich zu 7,919 Gramm Feingold der Parität von 1927. Da das amerikanische Gesetz zur Stabilisierung des Dollars die Möglichkeit weiterer Schwankungen im Rahmen von 10 d. H. vorsieht, und da a u ch andere wichtige Länder, darunter Frankreich und die Schweiz, sich die Möglichkeit von Schwankun­gen vorbehalten haben, so sieht auch das ita­lienische Gesetz vor, daß in den Grenzen von lO v.H. weitere Maßnahmen getroffen werden kön­nen. Aus dem Abwertungsgesetz geht noch hervor, daß bezüglich des Umlaufs und der Einlo- f u n g s p'f l i ch t des Geldes und der Noten keine Aenderung eintritt. Die Goldreserve der Bank von Italien wird aus die Basis der neuen Liraparität festgesetzt, wobei die ent­sprechenden Ueberschüsse dem Staats­schatz z u r V e r f ü g u n g gestellt werden. Ferner erhielten der Ministerpräsident und der Finanz- minister besondere Vollmacht, um gegebenenfalls die geltenden Beschränkungsmaßnahmen auf dem Gebiet her Kapitalsbewegung und des Finanzverkehrs mit dem Ausland durch andere Ausführungs­bestimmungen zu ersetzen. m ..

Das Gesetz zur Kontrolle der Preise verbietet den Verkauf von Waren zu höheren Prei­sen als sie für den September dieses Jahres, bzw. bei Inkrafttreten der heutigen Maßnahmen festge­stellt wurden. Die Mieten, die Preise für Elektrizi­tät Gas und öffentliche Verkehrsmittel, dürfen für die Dauer von zwei Jahren nrcht er­höht werden. Für die Preise der Hot^s Pensio­nen und Gaststätten werden besondere Bestimmun­gen erlassen. Ein weiteres Gesetz steht die A b schaff un g der Einfuhrwertzolle von 15 bzw. 10 v. H. vor, die im Gesetzentwurf vom 24. September 1931 festgesetzt worden waren. Er gibt ferner dem Ministerpräsidenten die Vollmacht, im Einverständnis mit dem.Fwanz-, Landwirt, schasts- und Korporationsminlster weitere Aend^- rungen der Zollbestimmungen vorzunehm°n. Durch ein anderes Gesetz wird die E.mlslion einer SoroAentiqen jestverzinsl, ch-n An­leihe^ verfügt die vom I m m o b I l l e n b e s > tz /u reich ne n ist in Höh- Don S Prozent des Netto- wertes ^des Jmmobilienkapitals SchU-ßl^ wird noch in einem Gesetz die IM September d.S). rage führte Beschränkung in der Verteilung der Dim Wen während bei abessinischen Krieges aufge­hoben, dafür aber eine progE°e Dividenden (teuer eingefiihrt. Neben Maßnahmen «egen Spe­kulationsversuche beschloß der M'msterrat ferner, den Staatssekretär für die Demsenbewirtschastung zur Abänderung dern'n »rk-nt.n gente für lebenswichtige Der brau ch s waren und zur Abschaffung des Systems der Privatkompensationen zu ermächtigen. Schließ ch

Kaufkraft der Lira Mit systematischer Energie auf allen Gebieten verteidigt weroe.

lichkeit bedeutet. Abessinien und der damit zusam­menhängende italienisch-englische Konflikt haben den verantwortlichen Männern in Westminster die Augen geöffnet und sie erkennen lassen, daß die britische Stellung in der Welt die Erfordernisse des Welt­reiches bei einer so schwankenden Lage wie sie Europa heute aufweist, ein Schwert braucht, das jederzeit oerwendungsfähig ist. So hat denn die Aufrüstung begonnen, und sie wird fortgesetzt wer­den. Sir Samuel Hoare hat auf dem Parteikongreß in Margate bereits Einzelheiten wiedergegeben, wie in seinem Ressort, in der Flotte, Versäumtes nach­geholt werden wird.

Rüstung, Rüstung und nochmals Rüstung, das ist der Leitsatz der Manner, die in ihren Händen das Schicksal fast der halben Welt halten. Wenn man diese Rüstungspolitik in ihrer Rückwirkung auf Europa ab auswertet, dann kann man die Erkenntnis nicht beiseite schieben, daß das Eng­land von heute keine allzu großen Hoffnungen mehr auf das fetzen kann, was früher eigentlich das A und O der gesamten Außenpolitik war, auf die kollektive Sicherheit. Auf dem Konserva­tiven Parteikongreß hat die Völkerbunds-Politik zwar auch eine Rolle gespielt. Aber doch nur am Rande. Man hält auch in der Konservativen Partei am Völkerbund fest, weil er gerade für die Em­pire-Politik ein wertvolles Hilfsmittel sein kann. Aber die bitteren Erfahrungen des Vorjahres haben doch gelehrt, daß Genf im Ernstfall eine morsche Krücke ist, auf die man sich nur wenig stützen kann. Darum die Besinnung auf die eigene Stärke, darum aber auch von feiten der Oppo­sition das bewußte Jn-den-Vordergrund-schieben einer Außenpolitik, die mit dem Ziel von Genf und mit denen einer kollektiven Sicherheit in Ein­

teilung eingetroffen, aus der man auf eine un­erwartete Verschlechterung seines Gesundheitszu­standes schließen muhte. Die ungarische Regierung hatte daraufhin den Unlerrichlsminkster Romann an das Krankenlager des Ministerpräsidenten ent­sandt. Die Familie des Verschiedenen war an sei­nem Krankenlager versammelt.

Julius Gömbös von Jacfa entstammt einem alt-ungarischen Adelsgeschlecht. Er war 1886 geboren, besuchte die Honved-Kadettenschule in Fünfkirchen, den Offizierskurs in Budapest und die Kriegsschule in Wien. Er wurde dann Hauptmann im Generalstab und für tapferes Verhalten vor dem Feinde während des Krieges mehrfach ausge­zeichnet. Nach dem Zusammenbruch der Donau- Monarchie stellte er sich gegen die Regierung des Grafen K a r o l y , sammelte nationale Offiziere und Reserve-Offiziere in dem VereinMove" und organisierte das antibolschewistische Komitö unter dem Grafen Stephan B e t h l e n. 1920 wurde er Mitglied des ungarischen Parlaments, und 1923 Führer der ungarischen nationalen Unabhängig­keits-Partei. 1928 trat die Partei mit wenigen Ausnahmen der Einheitspartei des Grafen Bethlen bei. Gömbös wurde Staatssekretär im Honved- Ministerium und 1929 Honved-Minister im Kabi­nett des Grafen Bethlen. Nach dem Rücktritt der Regierung und einem kurzen Zwischenregime des Grafen Julius Karoly wurde Gömbös Ende September 1932 selber Ministerpräsident. Am 4. März 1935 bildete er ein neues Kabinett.

Seine innere Politik zielte auf eine Reform der alten ungarischen Verfassung im Sinne einer Ver­stärkung des politischen Einflusses des Reichsver­wesers hin. Daneben liefen Bestrebungen auf eine großzügige Agrarreform durch umfassende Sied­lungen. Außenpolitisch vertrat auch Oömbös, wie (ein Vorgänger Graf Bethlen, energisch eine Politik

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Zwange und der Notwendigkeit einer Aufrüstung nicht entziehen, und so greift sie denn zu dem ein­zigen, was sie der Regierung glaubt vorwerfen zu müssen: mangelnde Übereinstimmung mit den Zielen,bes Völkerbundes, Rüstung um ihrer selbst willen, sollen die Gefahr eines Krieges nicht ver­mindern, sondern erhöhen. Der Kampf, den die Opposition gegen die Regierung führt, ist außer­ordentlich scharf, aber man kann sich des Eindrucks

nicht erwehren, daß es ihm doch an innerem Gehalt fehlt; denn, wenn man eine starke Rüstung für notwendig hält, dann muß man selbst einige Zweifel an der kollektiven Sicherheit haben. Das gesteht die Opposition zwar nicht ein, das kann man aber doch aus ihrer Einstellung zum Rüstungs­programm herauslesen.

Der Parteikongreß von Margate hat in der Frage der Rüstungen eine völlige Einstimmigkeit erbracht. Wollte man Reden und Anträge rein nach den Worten und dem Inhalt werten, dann hätte es aber doch verschiedenes gegeben, was auf gewisse Verschiedenheiten in der Auffassung innerhalb der Partei hindeuten könnte. Das ist zunächst d i e Mandatsfrage. Die Regierung hat sich aut diesem Gebiet zurückgehalten. Auch Sir Samuel Hoare hat in seiner Rede nichts gesagt, was das Kabinett in entscheidendem Sinne binden fönnte. Aber gegen seinen und gegen den Wunsch öe* Kabinetts haben die Konservativen doch einem An* trage zugestimmt, der eine Festlegung unter dem Motto:Halte, was du hast!" verlangt. Im ersten Augenblick mußte das wie em kleine Partei- Revolte wirken. Die Opposition hat es auch dahm ausgelegt. Aber es bleibt doch die Frage offen, öle­

fein Bewenden haben oder kommt das, was man verhindern wollte, ein allgemeiner Abwertungs­wettlauf? Italien hat sich jedenfalls ähnlich wie Amerika, die Schweiz und Holland einen Spielraum von 10 v. H. gelassen. Das kann der Anstoß zu neuen Maßnahmen sein. Aber vorerst muß man an die zwischen England, Frankreich und Amerika getroffenen Abmachungen glauben, daß nichts beabsichtigt ist, was eine Wiederher st ellung des internationalen Währungsgleich­gewichts durchkreuzen könnte. Die Weltwirtschaft kommt aber aus ihrer Erstarrung nicht heraus, wenn man lediglich abwertet und im übrigen alles so läßt, wie es bisher war. Man kann nicht die Währungen entwerten, ohne an das internationale Schuldenproblem in einschneidender Weise heranzutreten, man kann nicht mit abgewerteten Währungen operieren, ohne dafür gesorgt zu haben, daß nun die Völker mehr Waren als zuvor aufneh­men und mehr Waren als bisher absetzen. Denn wenn etwas Luft verschaffen kann, dann ist es doch nur der vermehrte Warenumlauf. Aber jedes Warengeschäft beruht wieder auf Krediten.

Rom, 5. Okt. (Fwd.) Auf Anregung Mus­solinis beschloß der am Montadvormittag zu­sammengetretene italienische M i n i st e r r a t die Lira um vorläufig rund 41 v. H. abzu­werten, wobei ein weiterer Spielraum von 1 0 v. H. o f f e n bleibt. Im Ministerrat sprach Mus­solini als Berichterstatter über die voraussichtlichen Rückwirkungen der italienischen Währungs­maßnahmen. Er führte u. a. aus, daß gegenüber dem Ausland die Lage geklärt werde. Für die ita­lienische Ausfuhr und den Fremdenver-

Die Abwertungswelle ist noch nicht im Abebb-n begriffen Prag hat sich entschlossen d t e -L Ich e chenkröne an den Franken an^angen. 3t a- lien hat seine Währung abgewertet. Die Grunde dafür sind bei beiden Ländern vorwiegend handels­politischer Art. Beide wünschten, ihrer Exp ort i n d u st r i e die Absatzmärkte zu erhalten, die durch die Sprengung des Goldblocks gefährdet sind, Ita­lien hat dansben natürlich auch das ®^reben, sich den Fremdenverkehr zu erhalten, was nur möglich ist, wenn es mit dem durch die Franken­abwertung zu einem billigen Reiseland gewordenen

klang steht. Denn das ist bezeichnend für die " ge Englands auch d i e soziali- Arbeiterpartei kann sich dem