Ausgabe 
6.4.1936
 
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Ur. 82 Erster Blatt

Montag, 6. April (936

186. Jahrgang

Eichener Anzeiger

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SM Seneral-Anzeiger für Sberhessen WZ

$t<mtfurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Uuiverstiats.yuch- und §teindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: §chulstratze 7 ^eng^ab^ü^staf^fB

Oie Friedensbemühungen im Abessinienkonfliki.

Die Fühlungnahme Mdariagas

Der Bericht an den Dreizehnerausschutz.

Gens, 4. April. (DNB.) Im Völkerbundssekre­tariat ist der Bericht des spanischen Vertreters Madariaga über seinen bei der italienischen und der abessinischen Regierung unternommenen Schritt zur Regelung des Streites eingegangen. Madariaga war als Präsident des Dreizehner-Ausschusses von diesem während der Londoner Ratstagung am 23. März ermächtigt worden, mit den beiden Re­gierungen in Verbindung zu treten, um die Mög­lichkeiten einer baldigen Einstellung der Feindseligkeiten und Wiederherstellung des Friedens im Rahmen und im Geist des Völker­bundes zu ermitteln. Der Bericht Madariagas gibt in der Hauptsache den Meinungsaustausch zwischen Madariaga und der italienischen Regierung wieder. Diese erklärte, sie sei bereit, sofort nach Ostern einen Vertreter nach Genf zu entsenden, damit er mit Madariaaa in einen ersten Gedankenaustausch über das Verfahren der vom Dreizehner-Ausschuß ge­wünschten Besprechungen eintrete. Angesichts der Wichtigkeit dieser ersten Fühlungnahme scheine es wünschenswert, daß Madariaga in R o m eine erste allgemeine Aussprache mit dem italieni. schen RegieruNgschef habe. Er werde dort jederzeit willkommen sein vorbehaltlich einer ge­meinsamen Festsetzung des genauen Zeitpunktes die­ses Besuches. Madariaga teilt mit, daß er es zur beschleunigten Durchführung seiner Aufgabe für richtig hate, dieVertreterderbeiden Par­teien zu einer gemeinsamen Bespre­chung einzuladen. Auf diese Anregung habe der Vertreter Abessiniens ihm in London erklärt, daß er seine Auffassung mitteilen werde, sobald er die Zu­sicherung erhalten habe, daß Italien im Rahmen und im Geiste des Paktes verhandeln wolle, wie es Abessinien in feinem Schreiben an das Drei» Zehner-Komitee vorn 20. März dieses Jahres ver­langt habe.

Das Scho in Rom.

Rom, 5. April. (DNB.) Die plötzliche Einbe­rufung des Dreizehnerausschusses für Mitte nächster Woche findet in der römischen Oeffentlichkeit ge­teilte Aufnahme.Voce dÄalia" hält die Einbe­rufung für ein englisches Manöver zur neuen Belebung der feindseligen Haltung gegen Italien. Es gebe keinen einleuchtenden Grund für diese überstürzte Zusammenberufung, zumal sich die italienische Regierung einverstanden erklärt habe, nach Ostern einen Vertreter nach Gens zu ent­senden. Verschiedene abessinische Beschwerden seien der Ausgangspunkt einer Wiederaufnahme der anti-italienischen Kampagne, wie sie schon in den letzten Tagen in London bemerk­bar sei.

Popolo di Roma" sieht jedoch in seinem Lon­doner Bericht ganz andere Gründe für die plötzliche Einberufung des Dreizehnerausschusses. Die Engländer zeigten sich jetzt, nachdem sie mit allen Mitteln einen Sieg Italiens über Abessinien zu verhindern versucht hätten, sehr ungeduldig, das abessinische Problem so schnell wie möglich aus der Reihe der europäischen Sorgen zu b e« fettigen, um mit einem zufriedenge- {teilten Italien die ernsten Probleme, von denen die unmittelbare Zukunft Europas ab» hängig sei, in Angriff zu nehmen.

pariser Hoffnungen.

EchnelleBeilegungdesAbessrnien-Konflikts

Paris, 5. April. (DNB.) DerTemps" stellt fest, daß die Lage des Negus tragisch werde. Man sehe für ihn keinen anderen Ausweg mehr, als die Eröffnung von Friedensver­handlungen. Die Italiener hätten ihr Kriegs­ziel noch nicht erreicht, aber Rom habe im Hinblick auf die wirtschaftliche und finanzielle Lage Italiens das größte Interesse an einer endgültigen Regelung. Gestutzt auf die Erfolge Badoglios könne die ita­lienische Regierung ohne irgendeine Erniedrigung eine gerechte Lösung ins Auge fassen unter Berücksichtigung ihrer Interessen im Rahmen der vom Fünfer-Ausschuß aufgestell­ten Grundsätze, die breit genug seien, um einezweckmäßigeDerhandlungsgrund- lagezu bilden. Der Negus, der durch die technische Überlegenheit der Italiener besiegt worden sei, könne in den Augen seiner Völker eine Regelung rechtfertigen, die aus einer verzweifelten Lage retten könne, was noch zu retten sei. Die Beendigung der abefsinifchen Angelegen­heit unter vernünftigen Umständen fei dringlich. Allzu viele Fehler feien begangen worden die die schwersten Auswirkungen aus die europäische Lage rhabt hätten. Ohne den tätigen Beistand taliens könne man nicht daran denken, em Sicherheitssystem für Europa zu organisieren.

Die Meinung in London.

London, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Die englischen Zeitungen wenden sich wieder in stärke­rem Maße dem italienisch-abessinischen Krieg zu. Morning Post" erinnert an die Schwierigkeiten, die sich bei Ausbruch der Reg en Periode etwa Mitte Juni, für das italienische Expeditions- Heer ergeben würden. Die Aussicht auf eine Ver­längerung der Feindseligkeiten würde keineswegs Be^iedigung auslösen. England würde sich rm

Gegenteil freuen, wenn Italien auf derGrund- lage seines bisherigen Erfolges Frie- den schließen könnte und sich so den schwersten Teil des Kampfes erspa­ren würde. Es könnte nur begrüßt werden, wenn Italien frei fein würde, um Anteil an der Auf­rechterhaltung des europäischen Friedens zu neh­men.

DerDaily Telegraph" meint, es könne wenig

Zweifel darüber bestehen, daß die Abeffinier nahe am Ende ihrer Kräfte feien. Wie die Wirkung dieser letzten militärischen Erfolge Italiens auf die erhofften Friedensvorverhandlungen fein werde, bleibe abzuwarten. Vorläufig befänden sie sich noch in einem nebelhaften Sta­dium. Der Völkerbund dürfe jedoch nicht in feinen Bemühungen nachlasien. die beiden Parteien zur Beendigung ihres Blutvergießens zu bringen.

Vadoglio meldet die Auslösung der abessmischen Truppenverdände.

Oie Italiener finden nach der Einnahme von Quoram keinen Widerstand mehr.

Asmara, 6. April (Vom Kriegsberichterstatter des DNB.) Nach italienischen Meldungen standen die Operationen des Sonntag an der Nordfront i n der Gegend des Aschanai-Sees im Zei­chen reger Fliegertätigkeit, mit der der flüchtende Gegner ständig beunruhigt wurde. Der Vormarsch des ersten und des Eingeborenenkorps und die Fliegerangriffe sollen eine völlige Zer­trümmerung des abessinischen Heeres zur Folge gehabt haben. Die Truppen des Negus sollen nur noch aus wenigen hun­dert Mann bestehen, die sich in Richtung auf Dessie bewegen. Diese Tatsache soll nicht nur auf die außerordentlich starken abessinischen Verluste zurückzuführen sein, sondern auch darauf, daß sich die Truppenverbände eigenmächtig auflösen und kurzerhand in die Heimatortschaften begeben.

Der italienische Vormarsch, so wird weiter ge­meldet, sei sehr schnell vor sich gegangen, schon in den ersten Nachmittagsstunden sei das Einge­borenenkorps in Quoram einmarsckiert und habe die italienische Flagge gehißt. Als das erste Korps in Quoram eingetroffen sei, hätten be­reits fliegende Abteilungen des Eingeborenenkorps den Vormarsch in südlicher Richtung von Quoram aus fortgesetzt. Nirgends habe der Gegner auch nur den geringsten Widerstand versucht. Unter den Gefangenen sollen sich auch viele Offiziere der Garde des Negus befinden.

Marschall Badoglio erklärte, der Negus habe nur noch drei Möglichkeiten: Entweder greife er erneut an und werde dann vernichtet werden, oder er

warte den weiteren Angriff der Italiener ab, wo­bei er das gleiche Schicksal erleben werde, oder er ziehe sich völlig zurück; auch das aber wäre der Zusammenbruch, Da es den abessinischen Truppen völlig an Straßen und Transportmitteln fehle. Der italienische Kronprinz, der am Sonntag aus Massaua kommend im italienischen Hauptquartier eintraf, wurde von der Bevölkerung begeistert be­grüßt.

Der Fliegerangriff auf Addis Abeba.

Asmara, 5. April. (DNB.) Zur Ueberfliegung von Addis Abeba durch den italienischen Flieger F a l c o n i, den bekannten Weltrekordmann im Rückenfliegen, wird ergänzend berichtet, daß Falconi über Dessie ein abessinisches Flug­zeug bemerkt habe, das er bis nach Addis Abeba verfolgte. Auf dem Flugplatz habe er den Apparat schließlich mit einem anderen zu­sammen zerstört.

Der abessinische Außenminister hat an den Gene­ralsekretär des Völkerbundes ein Protesttele- aramm wegen des Angriffs fünf italienischer Kampfflugzeuge auf Addis Abeba gesandt. Die ganze Stadt sei von Verteidigungsmit­teln völlig entblößt, so daß die feindlichen Flugzeuge die Stadt in geringer Höhe hätten über­fliegen und mit Maschinengewehrfeuer bestreichen können. Dazu stelle dieses Vorgehen einen Angriff a u f eine offene Stadt dar und beweise die Absicht des Feindes, die Stadt in flagranter Verletzung von Artikel 25 des 4. Haager Abkommens von 1907 zu bombardieren.

Besprechung der Locarno-Mächte für Genf in Aussicht genommen.

Paris, 5. April. (DNB.) Die englische, bel­gische und italienische Regierung haben der fran­zösischen Regierung mitgeteilt, daß sie einverstan­den sind mit dem Vorschlag, Besprechungen der Locarno-Mächte in Genf anläßlich der Beratungen des Dreizehnerausschusses statt­finden zu lassen. Diese Konferenz der Locarno- Mächte wird am 9. oder 10. April stattfinden, da der belgische Ministerpräsident van Zeeland, nicht vor Donnerstag oder Freitag in Genf sein kann.Daily Telegraph" meldet, daß die Be- sprechungen zwischen den Außenministern einen nicht formellen Charakter haben wür­den. Die Bemühungen der britischen Regierung würden nach wie vor dahin gehen, Frankreich da­von zu überzeugen, daß man einen Weg fin­den müsse, um mit Deutschland in eine Aussprache über dieeuropäische Sicherheit als eines Ganzen" einzutreten.

Die französische Antwort.

Flandins Note wird erst in Genf bekannt gegeben werden.

Paris, 6. April. (DNB.) Im Außenministerium fanden am Sonntagabend Besprechungen statt, an denen Ministerpräsident Garraut, Außenminister Flandin, Staatsminister Paul-Boncour und mehrere Mitarbeiter des Quai d'Orsay teilnah­men. Dabei wurde der Wortlaut der fran­zösischen Antwort auf den deutschen Friedensplan, der Montagnachmittag dem Ministerrat zur Kenntnis gebracht werden soll, noch einmal eingehend erörtert. Das französische Schrift­stück soll sich aus drei Teilen zusammensetzen, von denen jeder auf einen Teil des deutschen Frie­densplanes antworte. Wie es heißt, werde der so­genannteaufbauende Teil des französischen Schriftstückes, der dem deutschen Friedensplan ent­gegengestellt werden sollte, in erster Linie d e n ungeteilten" Frieden zur Grundlage ha­ben, sich eng in den Rahmendes Völker- bunoes einordnen und auf der kollek­tiven Sicherheit und dem gegenseiti­gen Beistand begründet sein. Wahrscheinlich werde Außenminister Flandin das französische Schriftstück in Genf den Vertretern der Rcst- locarnomächte bekanntgeben. Seine Veröffentlichung werde erst bann erfolgen.

Englands »reffe bleibt wach.

Heute erneut Aussprache im Unterhaus.

London, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Im Unterhaus wird am Montagnachmittag eine neue Aussprache über die internationale Lage statt- finden. Der formelle Anlaß wird die Weiterbera­tung über den Haushaltsplan fein. Es wird sowohl eine Stellungnahme zu dem deutschen Gegen­vorschlag wie zu Edens Erklärung vom letzten Freitag erwartet. Als Sprecher haben sich u. a. Sir Austen Chamberlain und Chur­chill gemeldet. Eden wird selbst für die Regie­rung antworten und dabei den am vergangenen Freitag von dem Führer der Opposition gemachten Vorschlag aufgreifen, daß alle Dölkerbunds- ftaaten eingeladen werden sollen, mit an den Verhandlungen über ein europäisches Sicher­heitssystem teilzunehmen.

DieDaily Mail" greift erneut die britische Re­gierung an und schreibt ironisch, die Beiträge, die England zur Befriedung Europas geleistet hätte, hätten in General st absbesprechungen und Sanktionen bestanden. Sie seien gegen Deutschland und Italien, die beiden am schwäch- sten gerüsteten Staaten der Welt gerichtet. Den militärischen Besprechungen zuzustimmen, nach­dem man Hitlers Angebot empfangen habe, eine Friedensregelung auszuhandeln, sei ein e r n ft e r Fehler der britischen Regierung gewesen.

Oie Ziele der französischen Sozialisten im Wahlkampf.

Paris, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Der Ge­neralsekretär der französischen sozialistischen Partei, Paul Faures, hat in einer Rede in Bordeaux zu Beginn der Wahlschlacht die Haltung seiner Partei nochmals mit der der Volksfront gleich­gesetzt und bereits eine künftige revolutio­näre Volksfront-Regierung mit so­zialistischer Beteiligung in Aussicht ge­stellt. Wenn morgen die radikalsozialistische Partei zur Uebernahrne der Regierungsmacht berufen werde, und wenn sie die Sozialisten zur Mitarbeit auffordere, würde diese dem entsprechen. Von den Punkten, die die Sozialisten als Regierungspartei durchführen wollten, nannte Paul Faures die Be­freiung des Staates von der Umklammerung der Banken, die Nationalisierung der Bank von Frank­reich und des Kredites, das Verbot des privaten Waffenhandels und der privaten Waffenherstellung, Bekämpfung nicht der Erzeugung, sondern des Minderoerbrauches.

Oie Kurve des Rüstuugsfiebers. Abgelesen am Stichtag des 31. März.

Wenn man heute irgendeine ausländische Zeitung zur Hand nimmt, stößt man sogleich auf Notizen und Bemerkungen ober auch auf längere Abhand­lungen rüstungspolitischer Natur. Entweder handelt es sich um amtliche Mitteilungen über finanzielle Neuaufwendungen für Kriegsschiffbauten, Flugzeug­anschaffungen und Befestigungsanlagen, oder es wird herausgerechnet, wie stark die Armee des einen oder anderen Nachbarn ist, es werden Vergleiche gezogen und daran Betrachtungen geknüpft, die in der Forderung nach raschester Aufholung etwaiger Vorsprünge anderer Mäckte gipfeln. Fast möchte man annehmen, daß das Ausland heute kaum noch andere als Aufrüftungsforgen hat. Auf welcher Höhe die Kurve des Rüstungsfiebers angelangt ist, ergibt sich aus einem Querschnitt der deut­schen Zeitungsnachrichten an einem einzigen Tage. Als Stichtag möge der 31. März gelten. Da kriegerische Ereignisse das Abessinienunternehmen zunächst weniger zu einer Abnutzung der Rüstung, vielmehr zu einer starken Aufrüstung aller Hauptbeteiligten geführt haben, müssen sie mit einbezogen werden. Nehmen wir also die Zeitung zur Hand.

Da sind zunächst die General st absbespre- jungen zwischen England und Frankreich, die sich ganz gewiß nicht um die Kürzung der Auf­träge an die Rüstungsindustrie drehen. Es folgt mit einer anderen Notiz der Sprung nach Abes­sinien. Harrar wird bombardiert, neue Orte wer­den erobert. Zurück nach Rom. Im Kammeraus­schuß wird über die Verstärkung der ita­lienischen Armee Bericht erstattet. Gegen­wärtiger Stand 1,2 Millionen Mann. Die Be­handlung der Ausrüstung der Armee mit einem neuarigen Typ Handgranaten, neuen Mörsern, Tanks, Maschinengewehren, weittragenden Ge­schützen wird ebensowenig wie ein Rechenschafts­bericht über die Ausrüstung der Ostafrikaarmee mit 11 500 Maschinengewehren, 450 000 Jnfanteriege- wehren, 800 Kanonen, 300 Kampfwagen, 13 500 Autos und vielem anderen Kriegsgerät zurückgestellt!. Eine andere Meldung läßt uns zunächst aus Italien nicht heraus. Sie besagt, daß der B a u d e r beiden RiesenschlachtschiffeLittoria" undDittoria Deneto" (je 35 000 Tonnen groß) rüstig vorwärts geht. Der Bau des einen ist be­reits zu 6, der des anderen zu 5 Prozent durchge­führt. Die 8000 Tonnen-KreuzerGaribaldi" und Luigi di Savoia" sind zu 48 bzw. 76 Prozent fertig. Sie laufen im Mai vom Stapel. Noch im­mer sind wir in Italien nicht fertig. Eine andere Meldung berichtet von Cadres-Uedungen i m Kriegsmini st erium, die im Beisein Mus­solinis stattfanden. 120 Generäle, dazu die Admirale und die Befehlshaber der Luftwaffe nahmen daran teil. Es waren also Kriegsspiele in großem Um» fang.

Nun zum nördlichen Nachbarn, der Schweiz, die sich schon seit langem durch die französischen militärischen Maßnahmen und jetzt durch den unter Vertragsbruch erfolgenden Bau von Befestigungen bei Basel beunruhigt fühlt. Wie aus Zeitungs­meldungen hervorgeht, verlangt die Regierung 235 Millionen Franken für die sofortige Verstärkung der Wehrmacht. 40 Militärflugzeuge sollen neu an­geschafft werden. Hinauf nach Litauen: Er­höhung der Ausgaben des Kriegsministeriums. Hinüber nach Schweden: Geplante Verstärkung der Luftwaffe. Nun zur Abwechslung einen Aus­flug über die Grenzen Europas hinaus nach der Mongolei: Aufrüstung der von den Sowjet­russen ausgehaltenen Mongolen. Streitmacht beträgt 150 000 Mann. Mongolische, also sowjetrussische Flugzeuge bombardieren einen japanisch-mandschu­rischen Grenzposten.

Wir blättern weiter. Da finden sich englische Be­trachtungen über dieVermenschlichung" des U. - Bootkrieges, daneben Notizen über die Anwendung von Giftgas in Abessinien. Lange Berichte über die Kriegslage fehlen nicht. Das Auge fällt dann auf Berichte über die vor­militärische Jugenderziehung in Eng­land und auf eine Notiz, die sich mit der Ein­reihung der in Frankreich lebenden Staaten­losen in die französische Armee befaßt. Es kommen dick aufgemachte Londoner Meldungen über die Rekordflottenrüstung der Briten: neuer Bauabschnitt umfaßt zwei Großkampsschiffe, fünf Kreuzer, ein Flugzeugträger, 12 Zerstörer, zahlreiche Unterseeboote und' andere Schiffe. Daran schließt sich eine Meldung über Befestigungsanlagen der Belgier. Auch ein langer Londoner Bericht über die Ueberfeeforgen Großbritanniens fehlt nicht, nur sind eben diese Sorgen durchweg militärischer Natur.

Das ist die Ausbeute nur eines Tages an Meldungen und Berichten über die Aufrüstung. Jeder wird uns bestätigen, daß es im Durchschnitt an anderen Tagen nicht viel besser aussieht. Natür­lich versichert jeder Generalstab, daß die Aufrüstung seines Landes noch nicht beendet sei. Das heißt also, daß vorläufig ein Ende des Rüstungswettlaufs noch gar nicht abzusehen ist. Die Volksvermögen werden infolgedessen auch weiterhin mehr oder weniger unproduktiv angelegt werden. Schließlich muß aber jedes Fieber, auch das Rüstungsfieber, wieder einmal abflauen. Wenn auch die Tatsachen seit Jahren jeden noch so bescheidenen Optimismus immer wieder erschlagen, so möchten wir doch die Hoffnung nicht gänzlich ausgeben, daß man schließ­lich doch den Irrsinn dieses Wettrüstens, der letzten Endes nichts weiter als ein Aufhäufen toten Mate­rials ist, einsieht. Denn wenn man 1918, also nach dem Sieg der einen und der schweren Niederlage