M Wunder der bunten Welt.
Was erwarten wir vom deutschen Farbfilm?
Schon seit Jahren ist das Problem des Farbfilms immer wieder aufgetaucht und Hut die Gemüter der Filmschaffenden und des Publikums gleichermaßen bewegt. Es schien lange Zeit, als sollte das in USA. ausgearbeitete Verfahren das Technicolor-Farbensystem, die bis auf weiteres letzte und endgültige Entwicklungsstufe langer und ernsthafter Bemühungen darstellen. Dieses Verfahren war bis zu einem Grade gediehen dem zunächst nichts Vollkommeneres mehr zu 'folgen schien, und diese Kurzfilme grotesker, märchenhafter und humorvoller Art wurden als endgültige Gestaltungsform dessen angesehen, was auf diesem Gebiet überhaupt möglich war.
Hin und wieder hörte man indessen von neuen Versuchen und Erfahrungen, aus Amerika, aus Frankreich und schließlich aus den deutschen Filmlaboratorien. Nun ist in Berlin der erste deutsche Farbfilm angelaufen, eine Rokokogeschichte um die Pompadour: „D a s Schönheitsfleck- ch e n". Dieser Kurzfilm, der schon in Dresden auf der Tagung der Theaterbesitzer angekündigt worden war, ist von der Tobis-Rota nach dem Berthon- Siemens-Verfahren hergestellt. Hans W e i bemann, der Vizepräsident der Reichsfilmkammer, wies bei der Uraufführung im Ufa-Pavillon darauf hin, daß hier ernster deutscher Forschergeist am Werke war und daß es heute nicht mehr möglich ist, dem Farbfilm seine künstlerische Bedeutung abzusprechen.
In der Tat: Der Film zeigt eine überraschende Naturtreue und geht weit über alles bisher Gesehene hinaus. Daß das neue Verfahren noch gewisse Unzulänglichkeiten untergeordneter Natur zu überwinden hat, hat es schließlich mit allen technischen Fortschritten gemein. Wesentlich ist, daß wirklich eine unaufdringliche Natürlichkeit des gesamten Bildeindrucks geschaffen wurde, ohne jede Bilderbogen-Farbigkeit, die alle, auch die besten Farbfilmschöpfungen bisher kennzeichnete. Und so wird der bunte Film als besonderes künstlerisches Prinzip den filmischen Planungen eingefügt werden.
Ob nun freilich der Farbfilm mit der Zeit den Schwarzweißfilm überhaupt im wesentlichen verdrängen wird, wie das hier und da zu hören ist, ist vorerst mehr als zweifelhaft. Es handelt sich hier nicht, wie einst beim Tonfilm, um eine Erweiterung nach einer bisher fehlenden und schmerzlich vermißten sinnlichen Mitteilungsform hin, sondern um eine willkommene Bereicherung der filmischen Ausdrucksmittel, die zunächst nur vorsichtigt für bestimmte Filmstoffe verwendet werden wird und die nach ihren künstlerischen Wirkungen erst noch ernstlich geprüft werden muß. Denn der Erfolg in dem jetzt gezeigten Kurzfilm beweist lediglich, daß eine weitaus größere Natürlichkeit als bei allen bisherigen Farbfilmoerfahren erreicht werden konnte. Für welche Gattungen großer Spielfilme jedoch der farbige Film unbeschadet seiner künstlerischen Gesamtwirkung Verwendung finden kann, das wird erst zu Überblicken sein, wenn derartige abendfüllende Filme mit dem neuen Verfahren vorliegen.
Jedermann weiß, wie ein und dieselbe Postkartenaufnahme im allgemeinen ungleich künstlerischer wirkt, wenn sie in der üblichen Schwarzweiß- Photographie ausgeführt wird, gegenüber der nur sehr selten wirklich harmonisch und künstlerisch wirkenden farbigen Ausführung. Das wird wohl zum mindesten auch für Filmszenen ernsterer, vor allem solche ausgesprochen tragischer Stimmung gelten. Der absolute künstlerische Grundsatz, daß allzu krasse Naturalistik dem Kunstwerk den Charakter schöpferischer Umdeutung und ideeller Verkündung des Lebens nimmt, wird vielfach auch bezüglich der Farbe zu gelten haben. In der Wiedergabe starker Gemütsbewegungen, in der suggestiven Wirkung von Schatten und greller Beleuchtung wird der Farbenfilm die zwingende Vollendung des Schwarzweißbildes kaum erreichen können.
Endgültiges sagen läßt sich indes über die Möglichkeiten der neuen Erfindung, die eine Großtat deutschen Forschergeistes ist vorläufig nicht. Fest steht - und das gerade hat der vorliegende Film bewiesen —, daß für eine besondere Filmgattung (die historische) der Farben- stlm eine wesentliche Mission haben wird. Die
Aus der Wett des Films.
leuchtenden Farben des Rokoko, des Barocks August des Starken usw. werden im Filmbild nun erst ihre ganze Pracht entfalten können. Aber auch die Schönheit deutscher und manch fremder Landschaft wird in der natürlichen Farbenwirkung uns vielleicht auf ganz besondere und geheimnisvolle Weise in ihren Bann zwingen. Hinzu kommt, daß eine mit wirklichem Künstlersinn vorsichtig gehandhabte farbige Abwandlung (gegenüber der reinen Natur) ein künstlerisches Mittel ersten Ranges werden kann, daß z. B. bei Filmen, die einen Traum- und Märchencharakter tragen, ungeahnte Wirkungen heroorzaubern würde.
Es ist zu erwarten, daß das deutsche Farbfilm- verfahren befruchtend auf unsere Kurzfilmproduktion wirken wird, auch hinsichtlich einer völlig neuen Stoffwahl. Ein farbiger Max- und Montzfilm — und jedes andere Wilhelm-Busch- Motiv — würde sich nicht hinter den amerikanischen Micky-Maus-Filmen zu verstecken haben. Ohne Zweifel werden gerade die bestehenden festen Auslandsbindungen des deutschen Films, also vor allem mit Italien, Ungarn und Japan, durch die nun sich ergebenden neuen Produktionsmöglichkeiten
Da geht man über einen weiten Hof und streift plötzlich eine kleine Tür, auf der in weißen, warnenden Buchstaben die Worte stehen: „Eintritt strengstens verboten!"
Man vernimmt Maschinengeräusch, hört Musik und aufgeregte Stimmen, ein Schlagerlied übertönt das Surren der Maschinen, man steht erregt und lauscht, öffnet die Tür, schleicht einen schmalen, gewundenen, von matten Glühbirnen erleuchteten Gang entlang und steht vor einer zweiten, einer eisernen Tür. Auch hier warnt eine Schrift vor dem Eintritt. Maschinenlärm, Stimmenlärm und ein süßlicher Aethergeruch bringen in den Gang. Man klopft heftig und öffnet einen Spalt weit die Tür. Da sitzen zwei Männer in weißen Kitteln in einem kleinen, dunkel gestrichenen Raum vor zwei Apparaten, die wie riesige schwarze Maschinengewehre aussehen. Das eine davon ist in Betrieb und schießt Lichtstrahlen durch ein kleines Fenster: aha, ein Kino.
Man stellt sich vor. Man möchte etwas über den Beruf des Vorführers erfahren. „Das ist aber nett", sagte der Mann im weißen Kittel, dem ich mich zuerst vorstelle, „daß jemand auch an uns denkt." Es erweist sich, daß er einer der ältesten Vorführer ist, ein freundlicher Mann mit klugen Augen. Mit den ersten Pathe-Filmen ist er bereits herumgereist und hat sie in den „Bios" gezeigt, nennt Namen wie „Apollo-Theater" und „Welt-Biograph". „Früher", sagt er, „war der Beruf eines Vorführers weit gefährlicher als heute. Da hatte man noch Leuchtgas oder Azethylen als Lichtquelle. Wenn da mal ein Brand ausbrach — ich kann Ihnen sagen.. Leider hat sich noch aus jener Zeit im Publikum eine Furchtstimmung erhalten, die ganz und gar unbegründet ist, denn bei den heutigen Apparaten, polizeilichen Schutzoerordnungen und Kontrollen kann dem Publikum absolut nichts geschehen. Das Publikum würde es nicht einmal merken, wenn ein Film in Brand geriete, weil sich in diesem Augenblick automatisch die schweren Eisenklappen, die Sie hier sehen, schließen würden."
„Wie sind die Kinobrände zu erklären, die nach Zeitungsberichten zuweilen in Spanien, in Portugal oder in Rußland geschehen?"
„Einfach daraus, daß es dort nicht die vielfachen und für jeden erdenklichen Fall vorgesehenen Sicherungen gibt, wie wir sie in Deutschland haben. Hier ist jeder Vorführraum hermetisch vom Zuschauerraum getrennt. Außerdem sind wir Vorführer durch eine strenge Schule gegangen, haben eine Reihe von Prüfungsaufgaben lösen müssen, bevor man uns die Ausübung unseres Berufes gestattete. Dort aber, in den erwähnten Ländern, erzeugen die häufigen Brände bei der mangelhaften Schulung des Personals und den unzureichenden polizeilichen Maßnahmen zum Schutze der Kinobesucher sehr leicht Panikstimmungen, halten diese sogar immer wieder wach, und das gerade ist das Schlimmste. Denn der größte Teil der bei solchen
einen außerordentlichen künstlerischen und gleichermaßen wirtschaftlichen Auftrieb erfahren können. Also: Ans Werk! Max Ingolf.
Vesuch bei einem Schnittmeister. Was der Filmbesucher nicht zu sehen bekommt.
25 000 Meter Film brachten Richard Angst und Baron von P l e s s e n von Borneo mit, wo sie für die Tobis - Rota einen Spielfilm „Die Kopfjäger von Borneo" drehten. Ein normaler Film hat eine Länge von etwa 2500 Meter. 22 500 Meter müssen also von 25 000 Meter weggeschnitten werden. Viele Szenen wurden drei- und viermal gedreht. Die meisten Szenen sind länger, als sie im Film sein sollen. Das Filmmaterial muß also erst zu einem Film gemacht werden: das ist die Arbeit des Schnittmeisters, der am Tisch sitzt und Meter um Meter prüft, schneidet und aneinanderfügt. Der Kameramann Richard 21 n g ft selbst sitzt neben ihm und sieht zu.
Der Tisch des Schnittmeisters hat vier rotierende Scheiben, auf denen die Filmbänder laufen, und
Unfällen zu Schaden Gekommenen verunglückte nicht eigentlich durch den Brand, sondern durch die unbesonnen heroorgerufene Panik.
Es ist noch nicht lange her, daß eine Platzanweiserin in einem hiesigen Kino mitten in der Vorstellung .Feuer' rief. Die Leute erschraken zunächst, dann lachten sie. Was war geschehen? Ein Bursche, der übrigens Ohrfeigen verdiente, hatte im Zuschauerraum ein Streichholz angezündet. Aufregender, wenn auch Gott sei Dank mit tragikomischem Ausgang war ein Fall, der einmal lange vor dem Kriege einem Kollegen passierte. Er führte in der Turnhalle einer kleinen Stadt einige Filme vor — damals noch bei Azethylen-Beleuchtung —, als plötzlich ein Mann während der Vorstellung in den Zuschauerraum drang und ,Feuer' rief. Alles stürmte zu den Türen, obwohl der Film ruhig lief, wovon sich das Publikum überzeugen konnte; damals nämlich wurden die Apparate noch im Zuschauerraum aufgebaut. Nachdem sich die Leute unnötig gequetscht hatten, um ins Freie zu gelangen, stellte es sich heraus, daß irgendwo in der Stadt ein Brand ausgebrochen war und jener Unruhestifter nichts anderes als die Feuerwehrleute zusammenrufen wollte. Mir selber ist, unberufen, außer kleineren Bränden, von denen das Publikum nie etwas gemerkt hat, nichts Derartiges unterlaufen."
„Hier sehen Sie", fährt der Mann im Kittel fort, „all die Sicherungen, die heute im Falle eines Filmbrandes jede Gefahr für das Publikum ausschließen. Durch diese Vorrichtung hier wird der abrollende Film luftgekühlt. Gerät er aber wirklich einmal in Brand — hier sehen Sie einen stets feuchten Scheuerlappen und einige Asbestdecken bereitliegen —, so stößt ihn eine Federung dem Vorführer entgegen, sobald er die Kapsel öffnet, in der der Film ab- bzw. aufrollt. Man wirft ihn dann in diesen Wasserbehälter."
„Würden Sie mir Ihren Apparat wohl erklären?", beginnt der Besucher.
„Gern", entgegnet der Porführer. „Zunächst wird Sie wohl die Tonlampe interessieren. Der Ton läuft, was Ihnen gewiß neu sein wird, 19 Bilder vor dem Bild. Bei Tonfilmen rollen 24 Bilder in der Sekunde ab. Der Ton kann sowohl von der Kabine, als auch vom Zuschauerraum aus gesteuert, das heißt verstärkt oder verringert werden. In der Tonlampe werden die durch den Tvnstreifen auf die Tvnzelle fallenden Lichtteilchen zu Tonen umgewandelt, ein Vorgang, der dem Laien schwer zu erklären ist. Es ist für ihn auch nicht sonderlich wichtig, es zu wissen, Er kommt ja auch nicht aus diesem Grunde ins Kino, sondern um sich zu unterhalten. — Wir wechseln gleich die Maschinen, da muß ich achtgeben, um den Start nicht zu verpassen", sagt er, als der Besucher sich zum Gehen wendet und „Grüßen Sie Ihre Leser von mir", ruft er dem in der Tür Stehenden noch zu. Was hiermit geschieht.
Adolf Nowakowsky.
.hinten eine abgeschirmte Mattscheibe, die das Filmbild zeigt. Der Schnittmeister kann an diesem Tisch etwas, was man im Leben sonst nicht kann: das Leben anhalten. „Verweile doch, du bist so fd)ön!* — für ihn ist das nur eine Schaltung mit dem linken Fuß, dann „steht" das Bild, das Leben hört auf zu leben, die Bewegung erstarrt, der Augenblick ist gebannt.
Er kann noch mehr an seinem Tisch: er kann sich das Leben rückwärts ansehen, er kann das Leben irgendwo wieder anfangen lassen, wo er immer will, er kann es wiederholen, so oft er will.
Diese technischen Möglichkeiten erleichtern ihm natürlich seine 21rbeit sehr. Der Anteil des Schnittmeisters am Gelingen eines Films ist nicht unwesentlich, vor allen Dingen dann nicht, wenn es ein Film wie „Die Kopfjäger von Borneo" ist, der von vornherein nicht so exakt nach einem Drehbuch ausgenommen wurde wie ein Atelier-Film, in dem jede Einstellung vor der Aufnahme berechnet ist. Die Arbeit des Schnittmeisters ist (hier weit mehr noch als sonst) keine rein technische und handwerkliche, sondern eine Arbeit, die ein sicheres Gefühl für künstlerische Wirkung verlangt. Er verbessert nicht nur und glättet an einem fertigen Werk — er arbeitet an der künstlerischen Vollendung mit.
Richard 21 n g ft hat es sich nicht nehmen lassen, beim Schnitt seines Films dabei zu sein. Er sitzt neben dem Schnittmeister Waldemar G a e d e, und sie kommen prächtig miteinander aus. Der Kameramann freut sich darüber, was der Schnittmeister aus seinen Filmmetern herausbringt, und der Schnittmeister nimmt den Reporter einmal heimlich beiseite und erzählt ihm, wieviel Freude es ihm macht, aus dem herrlichen Filmmaterial, das Angst mitbrachte, den Film zu schneiden.
Ein Schnittmeister muß nebenbei eine harte Natur haben, er muß die schönsten Aufnahmen, wenn es not tut, dennoch wegschneiden können, daß der Film nicht zu lang und nicht zu episch wird, es hilft nicht. Und Waldemar Gaede schneidet in diesem Borneosilm manchesmal wehen Herzens etwas weg, was er lieber nicht wegschnitte.
Launen der Kinobesucher.
Ein englischer Kinobesitzer teilte unlängst einige Beobachtungen mit, die er bei seinem Publikum gemacht hat, und die manches Merkwürdige enthalten, manches auch, was an anderen Orten auch gelten dürfte. Im allgemeinen ziehen die Besucher es vor zu warten, bis der Nachbar die neue Aufführung besucht hat und ihnen feine Meinung mitteilt. Bisher haben die Versuche mit Farbenfilmen keine größere Anziehungskraft bewiesen, als die Schwarz-Weiß-Filme. Das Publikum bezahlt sein Geld, um den Stahr zu sehen, nicht um eine Geschichte kennenzulernen. Wenn aber ein Star in einer unfreundlichen Geschichte auftritt, so besteht große Gefahr, daß er bei dem nächsten Film, in dem er erscheint, abfällt, nur weil das Publikum das vorige Mal enttäuscht war. Tricksilme scheinen keine große Anziehungskraft mehr zu besitzen, dagegen gewinnt die Darstellung der Zeitereignisse immer mehr an Beliebtheit. Merkwürdig ist, daß namentlich in der Provinz die Kinobesucher gradezu einen Abscheu dagegen zu haben scheinen, am Montag ein Kino zu besuchen. Daß andererseits der Freitag und der Samstag besonders geeignete Kinotage sind, ist leicht zu verstehen, da viele Leute am Freitag ihren Wochenlohn bekommen. Eine ganze Reihe von Kunden läßt sich abschrecken, ein Kino zu besuchen, wenn der Andrang nicht so groß ist, daß die Leute in langer Reihe anstehen müssen; sie finden, daß ein solches Stück niemals gut sein kann. Der Verkauf von Schokolade und anderen Erfrischungen im Kino nimmt regelmäßig zu, wenn Lustspiele gezeigt werden, und er geht bei ernsten Stücken merklich zurück. Dagegen ist es bei den Zigaretten umgekehrt; sie werden mehr verlangt, wenn das Hauptstück ein ernstes Drama ist. In den vornehmen Stadtteilen Londons bilden die Kinder nur einen verschwindenden Bruchteil der Zuhörerschaft, in den ärmeren Bezirken überwiegt ihre Zahl jedoch bei weitem die der Erwachsenen. Historische Schauspiele haben merkwürdigerweise unweigerlich die Wirkung, die jugendlichen Zuschauer fern zu halten.
Der Mann in der Kabine.
Hinter dem Fensterchen des Lichtspieltheaters.—Volksgenossen in unbekannten Berufen. - Kinobrand in Deutschland ausgeschlossen.
Ieetdodeas „tonte" im Siitffang her Kamera.
„Echlußakkord" wird gedreht.
Drei Jahre vor seinem Tode schuf Beethoven seine unsterbliche IX. Sinfonie m d=moll. Seit Jahren dem Leiden völliger Taubheit verfallen, wachsen aus diesem furchtbaren Martyrium seine letzten großen Werke, die, himmelwärts strebend, zwischen dem Kyrie eleison und dem Hosianna kreisen Ohne alle Theatralik, ohne Pathos und Pose, lut'ieHt im Mythos der Schöpfung verwurzelnd, K er Tn ber „Neunten" die Offenbarung der Musik als schicksalgestaltende Macht des Sehens. Aus der Ohnmacht all der unzähligen durch sein Leiden geschaffenen Hemmungen brechen hier mit unbezwingbarer,^ elementarer Gewalt zum letzten- sWsra« «sssä durch, der, all- Grenzen des Irdtzchen Iwer
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der Trommel, dem Triangel und Glockenspiel ergab sich für die Kamera das Gesetz der optischen Individualisierung der einzelnen Instrumente. Der Kameramann Robert B a b e r s E e, der für die optische Bildkunst dieses Ufafilms verantwortlich zeichnet, brauchte zahlreiche Nahaufnahmen der verschiedensten Instrumente, um ihren Einsatz rhythmisch zu erfassen. Unter Aufhebung aller physikalischen Begriffe des Schwergewichts arbeitete die entfesselte 'Kamera aus allen nur erdenklichen Blickwinkeln, um nicht nur die instrumentale Vielgestaltigkeit des Orchesters, sondern auch die kompositorische Ueberschneidung der Instrumente optisch einzufangen. Eine unerhörte kameratechnische Arbeitsleistung, die aber dank der willigen Hingabe jedes, einzelnen in allen künstlerischen Nuancen so gelöst wurde, daß man hoffen darf, daß das unvergängliche Meisterwerk Beethovens in der Optischen Magie des Lichts eine filmische Synthese findet, die an Leidenschaftlichkeit des künstlerischen Bekenntnisses ihm in nichts nachsteht.
Me sag ich's meiner Tante?
Episode von den Aufnahmen zum „Kaiser von Kalifornien".
Luis Trenker dreht einzelne Kopfe aus der Masse von Goldgräbern, die im soeben in Venedig preisgekrönten Tobis-Nota-Filrn „D er K a . f e r von Kalif 0 rnien" bei einer festlichen Versammlung in ungeheurem Tumult für und gegen den General Suter Stellung nehmen.
Die Reaktionen einzelner sollen nachher im fertigen Film als Streiflichter das Gesamtbild vervollständigen.
Trenker hat eine Anzahl Leute ausgesucht, die er als Typen in der stark gemischten Gesellschaft näher zeigen will, und die werden jetzt gerade ausgenommen.
Zum Beispiel ein harmloser Mann, der erst ganz friedlich, behaglich dasitzt, und den er dann allmählich immer ängstlicher werden läßt, bis er ihm schließlich zuruft:
„Sso!! Und jetz wirst d erschossen!!
Worauf der Mann nur ganz demütig feinen IHut abnimmt
Fertig.
Es folgt eine Halbnegerin, die auch zuerst neu- gierig-interessiert ist, und die bann, als er unvermutet einen Schreckschuß abgibt, wie ein geölter Blitz aus bem Bild flüchtet.
Fertig.
Nun kommt ein Mann an bie Reihe, der steht da nur so, und blinzelt schläfrig, und läßt ab und zu ein wenig Vertrauen erweckendes Grinsen sehen. Marke: Nähere Bekanntschaft nicht zu empfehlen!
„Sso!! Fertig!! Wen Hammer noch?!" sagt Trenker.
Eine winzig kleine alte Dame macht sich bemerkbar.
„Aja, Tante!! Natürlich! Dich müssemer ah Hamm!! Komm, Tante, do setzst Di her!! Sso, ja!! Jetz freust Di, ja!! Freu Di amal!! Sso, als wenn dös Dein Sohn wäre, da oben, ja!! Da sixt hin und jetz freust Di, nett!! Ja!! Gut! is!! Sso, fertig!! Dös Hammer!! Unn jetz, Tante, jetz weinst amal!! Na?! Tante!! Weinen sollst!!"
Die Tante weint nicht.
„Ja, sakra, Tante, Du sollst meinen!!"
Wie sag ich's meiner Tante??
„Weinen sollst!! Sso, wiehsses in Kino machen, d'Weiberleit!!"
Was „mochte" die Tante nun wohl?
Sie lachte!
Wurde aber trotzdem „net verschossen"!
Zunge Menschen vor dem Film.
psychologische Untersuchungen der Universität Hamburg.
Immer wieder macht man in Gesprächen mit Jugendlichen die Erfahrung, daß diese ganz andere Eindrücke vom Film mit nach Haus nahmen als die Erwachsenen. Zunächst wirkt auf sie die ganze Atmosphäre noch stärker; bie Verbunkelung bes Raumes, uns eine gewohnte Erfahrung, spornt ihre noch in romantischen Gefilben sich tummelnbe Phantasie weit stärker an als bas bei Erwachsenen ber Fall ist. Die Folge zeigt sich halb; benn das Gehirn der jüngeren Zuschauer arbeitet nun viel rascher bei Szenen, die ihrem Lebensalter näher stehen, besonders in Kriminalfilmen sind sie. wie pfychologijche Untersuchun«
gen ber Universität Hamburg erwiesen haben, viel eher „im Bilbe" als anbere Filmbesucher, bie ihrerseits wieber bei betaillierten Liebesszenen schneller verstehen, um was es sich hanbelt, währenb die Jugenblichen oft gar nicht wissen, was ba vor sich geht.
Wirb nun ber Filmbesuch vorsichtig basiert, so behält ber Jugenbliche einen weit besseren Geschmack als anbere Lebensalter; so zeigte es sich z. B. bei einer Klasse junger Mäbchen aus besten Familien, baß burch wahllosen Besuch aller möglichen Vorstellungen ihr Geschmack zwar völlig verbilbet war, baß er sich aber innerhalb kurzer Zeit burch geeignete Hinweise entwickeln ließ. Spätere Versuche bewiesen, baß bie Mäbchen nun nicht mehr in ihrem Urteil über schlechte Filme schwankten, ein Beweis, baß sich in biesem Alter wirklich ber Geschmack formen läßt, wozu es bei Erwachsenen meist zu spät ist.
Bemerkenswerterweise gibt ber Jugenbliche auf Fragen über Filme weit schneller unb bereitwilliger Auskunft als ber Erwachsene; bem jüngeren Menschen ist ber Film anscheinenb noch Erlebnis, bas ihn bewegt unb bas er mitzuteilen wünscht; ber Aeltere hat schon ben Hintergebanken, daß er ein Kunstwerk beurteilen soll, was ihn unsicher unb zögernb tm Urteil macht. Ueberhaupt ist bie Welt bes Jugendlichen ja meist noch frei von irgendwelchen Hintergründen, er geht deshalb an jedes Filmerlebnis frischer heran als etwa der mit Wert- und Vorurteilen bespickte intellektuelle Großstädter.
Daß die Jugend nicht einheitlich empfindet, wurde schon bei jener Mädchenklasse ersichtlich; weit schärfer prägt sich ber Unterschieb noch aus bei Vorführungen von Unterrichtsfilmen vor frischen Zwölf- bis Vierzehnjährigen unb vor älteren Großftabt-Primanern. Den Jungens blieb es gleichgültig, ob Spiel- ober Unterrichtsfilm, sie liehen sich burch bas Verdunkeln bes Raumes schon verzaubern unb folgten fast atemlos einfachen Naturschilberungen wie etwa ber Flucht eines Tieres vor bem Räubertier, bem Kampf eines Muttertieres um feine Jungen. Die Primaner würben zwar auch noch durch den filmischen 2lp parat beeindruckt, erwarteten jedoch nach dem Finsterwer« den etwas ganz anderes als das Gezeigte, sie Der« banden mit dem Wort Film den Begriff „Sensation", einfaches Geschehen ließ sie kalt, und sie ließen sich auch picht metzx zu.einet anberea Haltung erziehen.


