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Das Jahr der Blumen.

Oie Pflanzenwelt im August.

Ernting" ist der deutsche Name des August und in der Tat er ist der Erntemonat. Am Schlüsse unserer vorigen Betrachtung sagten wir: die Zeit des Wachsens und Blühens ist vorbei, es ist die Zeit des Reifens und der Ernte Nun i[t die Ernte zwar nur ein vom Menschen in die Natur hereingebrachtes Ereignis, der Höhepunkt des Jahres für den Bauern, aber doch kennzeichnet die Erntezeit auch einen natürlichen Abschnitt in der Pflanzenentwicklung. Das Größen- und Län­genwachstum und das Blühen haben im Wesent­lichen aufgehört, es kommt nichts Neues mehr dazu; die Arbeit der Pflanze gilt dem Reifen der Sa­men der Früchte, Beeren, Körner und Nüsse und ihrer Verbreitung.

Das ist der Hochsommer. Augenfällig wirkt sich das im Landschaftsbild aus. Zwar bemerkten wir schon im Juli einen gewissen Stillstand in der Entwicklung der Pflanzenwelt, aber es blühten doch noch überall so viel Blumen auf, daß wir wieder nur eine verhältnismäßig kleine Auswahl nennen konnten. Doch jetzt wird es anderes. Wer könnte ohne Besinnen ein halbes Dutzend Blumen nennen, die jetzt erst im Laufe des August mit ihrer Blüte beginnen? Denn was wir hier überall blühen sehen, sind zum größten Teil die Sommerblumen schlechthin; Blumen, die im Juli und August blühen, und noch sehr viele, die im Juni begannen; mancheDauerblüher" stehen dazwischen, die seit April, ja seit März immer neue Blüten treiben, wie etwa die Vogelmiere. Man könnte also eine recht stattliche Zahl von Pflanzen nennen, die jetzt Blü­ten tragen, aber trotzdem fällt uns das nicht so recht auf und erfreut uns nicht mehr so wie im Frühjahr oder Vorsommer. Einmal verdeckt das vsel dunkler gewordene Laubwerk vieles dem ersten Blick, dann schwand manchen Blüten die Frische und Leuchtkraft im Laufe des Sommers mit feiner sengenden Sonne und anderen Witterungseinflüs­sen und dann herrscht noch aus einem anderen Grund bald eine gewisse Eintönigkeit in der Land­schaft, besonders auf Wiesen, trockenen Gras- und Schuttplätzen. Es gibt zu viele Pflanzen dort, die sich sehr ähnlich sehen, die nur der Kenner aus­einanderzuhalten vermag und oft auch nur nach vorheriger Bestimmung. Der Sommer ist die Zeit der Kompositten Korbblütler und der Umbellife- ren Doldengewächse, der Disteln und anderer Gruppen mit vielen, aber nicht augenfällig unter­scheidbaren Arten. Es sei nur an das Nebenein­ander der weißen Dolden von Bärenklau, Gemei­

ner Möhre, Sichelmöhre, Kerbel und Hundspeter­silie und der vielen Gewürz- und Küchenkräuter er­innert.

Doch wenden wir uns nun den eigentlichen Augustblumen zu. Der Uebergang vom Juli zum August ist bei vielen Pflanzen sehr fließend und so werden wir wohl in manchen Gegenden jetzt erst Pflanzen beim Aufblühen antreffen, die schon im Juli genannt waren. Es liegt an dem sonderbaren Wetter dieses Sommers, wenn sich manche Blumen nicht an ihre phänologischenmittleren Daten" halten. Wir wollen und können sie hier nicht be­rücksichtigen.

Sehen wir uns am Wegrand um, an Hecken und auch an Schuttplätzen, so finden wir vor allem eine überall bekannte, aber wenig beachtete Pflanze, den gemeinen Bei fuß (Artemisia vulgaris). Auf hohem, verzweigtem, ost braunrotangelaufenem Stengel sitzen in langen, traubigen Rispen viele, kleine filzige Blütenköpfchen mit gelben ober rot­braunen Kronen. Eine andere unscheinbare, aber unliebsam sich Darstellende Pflanze gedeiht hier ebenso wie im Buschwerk und im Walde die große Brennessel (Urtica dioica). Sie er­scheint mit ihren grünlichen, zweihäusigen Blüten an hängenden Rispen etwas später als die einhäu­sige kleine Brennessel (Urtica urens). Ein zierliches Ackerunkraut ist das schmalblättrige Mauer-Gipskraut (Gypsophila muralis). Jedes Aestchen trägt nur eine der nelkenartigen, rosa, dunkelrotgeaderten Blüten. Auf feuchten, san­digen kalkarmen Aeckern ist es nicht selten. Neberall in Wäldern, sonnigen Abhängen ober feuchtem Uferaebüsch erscheinen bie goldgelben Blü­ten ber Goloruten. Kleine Köpfe aus kleinen, gelben Strahlblüten bilben bie aufrechte, mitun­ter zusammengesetzte Traube, die sich auf ihrem hohen Stengel mit den elliptischen, gesägten Blät­tern gut neben den früheren gelben Habichts- und Johanniskräutern ausnimmt. Es ist nicht nur die gemeine Goldrute (Solidago virga aurea), sondern auch drei verwilderte, nvrdamerikanische Ver­wandte, wie die spätblühende Goldrute (S. sero- tina). die hier prächtig gedeihen.

Das wären die Pflanzen eigentlich schon alle, die als Neulinge im Wald, auf dem Acker und den Wegen und ähnlichen Orten zu denAlten" dazu­kommen. Von der Wiese und den Weiden ist über­haupt keine zu melden, denn die Herbstzeitlose wollen wir erst im September erwarten. Aber wir können es ähnlich wie im Frühjahr machen und

nehmen die vielen Pilze dazu, die besonders tm Wald in großen Massen als einfarbige unscheinbare ober farbenprächtige Flecken die Umgebung auf­heitern. Auch einige Farne blühen jetzt: der Wurmfarn (Aspidium filix mas), der Tüp­felfarn (Polypodium vulgare) und der Adler­farn (Pteridium aquilinum). Farbe bringen auch bie vielen Früchte unb Beeren der verschie­denen Bäume und Sträucher in den Wald, unb als letztes Holzgewächs blüht mit gellichgrünen Dol- ben ber allbekannte Efeu (Hedera helix).

Dieser Hinweis auf Pflanzen, die keine Sommer­blumen find, soll aber nicht den Anschein erwecken, als ob es sonst gar keine neuen Blüten in dem vollen, üppigen Strauß der Sommerblumen gäbe. Wir hatten bloß noch nicht alle Standorte betrachtet. In den Gärten beginnen zum Beispiel dieAstern ihre schönen, in vielen Arten unb Farben kultivier­ten Blüten zu entfalten. Von ihnen finden wir im Freien die goldgelbe Goldhaar-Aster (Aster linosyris) unb zwar auf sonnigen, sehr stei­nigen Hügeln und Kalkhängen. Ebenfalls auf son­nigen Felsen unb in lichten Wälbern versammelt sich in Scharen die Berg- ober Herb st a st er (Aster amellus), beren blauviolette, golbgelbe Körb­chenblüten aus unseren Gärten bekannt finb.

Damit finb wir auf ein Degetationsgebiet auf­merksam geworben, bas uns im Anfang des Jahres fast gar nichts bat und das auch meistens schwer zugänglich ist. Aber jetzt im Hochsommer lohnt es sich, auf felsige Hänge und steinige Bergwiesen hin­aufzuklettern. Dort stehen der violette, selten gelbe ober weiße Deutsche Enzian (Gentiana ger­manica), ber Gefranste Enzian (G. ciliata) mit feiner großen, blauen Krone ober ber Schwalben­wurz-Enzian (G. asclepiadea) unb bie eigenartige Wetterbistel (Carlina acaulis). Dicht über bem Boden leuchtet ihr großer Kopf mit der gelben Blütenscheibe unb der silberweißen Blütenhülle über der tief fiederspaltigen, dornigen Blattrosette. Auch als Zierpflanze weit verbreitet ist die Große Sebe ober Fetthenne (Sedum maximum) mit ihrer grünlich-gelben Doldenrispe und den fleischigen, eiförmigen Blättern.

An kultivierten Pflanzen könnten wir wohl nach mehr finden, aber eigentlich wollten wir uns auf die freilebenden, wilden Blumen in diesen Betrach­tungen beschränken. Eine Gartenpflanze, eine aus­ländische, die aber auch zuweilen verwildert zu finden ist, soll noch genannt werden, weil ihre weithinleuchteüde, gelbe Blütenscheibe geradezu ein Wahrzeichen des sommerlichen Gartens ist: die Sonnenblume. Die Knollige Sonnenblume ober Topinambur (Helianthus tuberosus) hat, ab­gesehen von anberen kleineren Unterschieden, einen Blütenkopf von 3 bis 7 Zentimeter Durchmesser,

während die etwas früher blühende Einjährige Sonnenblume (H. annuus) 40 Zentimeter erreichen kann. Es wäre nicht recht, wenn wir mit einer Gartenpflanze, auch noch einer fremden, schließen würden ... es fehlt uns noch die wichtigste, bezeich- NLndste Augustpflanze, nämlich das Heidekraut, und zwar beide Arten. Auf torfige, feuchte Heiden und moorige Waldstetten beschränkt sich die Moor­oder Glockenheide (Erica tetralix), deren rosenrote, manchmal sogar weiße Blütenglocken von quirlständigbeblätterten' Stengeln herabnicken. Viel weiter verbreitet ist das Heidekraut (Calluna vul­garis). Das dunkelbraune, biegsame, fast unzerreiß­bare Stengel- und Astwerk mit den enganeinanber- gedrückten, lineal-lanzettlichen Blättchen bildet in seinem eigentlichen Stanbort unentwirrbare Dickichte von einem halben bis zu einem ganzen Meter Höhe. Jetzt von August an schmückt sich biefe unscheinbare, rauhe Pflanze mit ben lockeren Trauen kleiner, glockiger Blütchen aus blasser, rosenroter Krone unb längerem roten Kelch. An allen trockenen Stand- orten, in Wälbern, besonbers in Kiefernwäldern, an Abhängen, Wegrändern und Eisenbahndämmen oder an feuchten, aber saueren Stellen, also Hoch­mooren und Heidesümpfen und anderen vegetations­armen Orten kommt die Heide dank ihrer Gemein­schaft mit einem Bodenpilz vor. Da, wo sie un­übersehbare Strecken dicht besiedelt in der Heide findet das Heidekraut seine schönste und ur­eigene Gestalt und die Heidelandschaft ihrerseits durch seine Blüte ihre strenge, hochsommerliche Schönheit. Walter Neurath.

Kunff und MNenschast.

Geheimrat Pfeilschifter f*

Im Alter von 66 Jahren starb in München Ge­heimer Hofrat Dr. theol. Georg Pfeilschifter, Uni- oersitätsprofessor für Kirchengeschichte an der Uni­versität München. Pfeilschifter ließ sich im Jahre 1900 als Prioatdozent für Kirchengeschichte in München nieder, wurde noch im gleichen Jahre Professor am Lyzeum in Freising. In München hatte er 1922/23 das Amt des Rektors inne. Pfeil- schifter, der am 1. Oktober 1935 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand trat, war Ehrenpräsident ber Deutschen Aka- b e m i e, Mitglieb ber bayerischen Akabemie ber Wissenschaften, ber babischen unb bayerischen histori­schen Kommission.

Der letzte Sohn Freiligraths f.

Im Altervon 88 Jahren starb in Külz bei Simmern ber letzte Sohn des Dichters Ferbinand Freiligrath. Der Verstorbene hat ben größten Teil seines Lebens bei Freunben seines Vaters in einem Försterhaus im Hunsrück verbracht.

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8. Satzungsänderungen: § 4 Abs. 1, § 20Abs. 1 und 2, § 25 h, § 28 Abs. 2, § 29 Abs. 2, § 31 a und c, § 33 Abs. 3 - 7, § 34, § 38 Abs. 2 und 3, § 39 Abs. 1.

In der Zeit vom 7. bis 14. August 1936, nachmittags von 46 Uhr, liegt der Geschäftsbericht und der Jahresabschluß in unseren Geschäftsräumen, Aul­weg 26, für unsere Mitglieder zur Einsicht offen

Der Aufsichtsrat der

Baugenossenschaft 1894 e. G.m.b.H., Gießen W. Martin, Vorsitzender.

TAGESORDNUNG:

Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1935, Vorlage des Jahr sabschlusses (Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung).

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Am Samstag, 15. August, abends S1/« Uhr, findet im GasthausZur Stadt Wetzlar** (Ecke Ludwigstraße-Riegelpfad) unsere ordentliche Jabres-HauDtversamniliint statt, zu der unsere Genossenschafts-Mitglieder freundlichst einyeladen sind.

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Donnerstag, 6. Aug.

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die sich während der Saison angesammelt haben

Die Leitung der chirurgischen Abteilung unseres Evangelischen Schwesternhauses

hat Herr Dr. A. GLAHN übernommen.

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Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege Gießen

Donnerstag, den 6.Aug., nachm. 2 Uhr, versteuere ich dahier an Ort u.Stette (Bekannt« abe erfolgt im Bersteigerunaslokal, Neuen­weg 28, dahier) zwangsweise gegen Barzahlung: 4891D

O Kktrische Kühl', 2 Bücher- und 2 Warenschranke, 1 Sofa, 7 Sessel, 1 Chaiselongue, 1 Grammophon, 3 Särge, 2 Klaviere, 1 Ladenkasse, 1 Kasienschrank, 1 Büfett, 1 Vitrine, 1 Rauchtisch, 1 Aktenrollschrank, 1 Vertiko, 3 Schreibmaschinen, 3 -trsche,1 Personenwagen, 10 Au­toreifen, versch. Kannen Autovutz- mittel ufro., 400 Stahlschaufeln, Thermos- u. Wärmeflaschen, Man­telkessel, Waschmaschinen, Zug- u Kuhketten, Bohrknarren, Sensen, Dezimalwaage, Koch- und Milch- tövfe,Milchkannen, Schrubber Na- !,elbürsten, Kohlenkasten, Wand- choner, Löffelbleche, Kartons Be­tecke, Servierbretter, Konserven­dosen, Ofenringe, Mov u. Mov- stiele, Besen, Bügeleisen u. a. m.

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falsch Roles taz

Fraoenverein lor Deolscbe ober See

Auf Wunsch des Führers wurde derReichskolonialbund gegründet, der alle im kolonialen Interesse arbeitenden Verbände umfaßt. Dadurch sind alle unsere Mitglie­der in den Reichskolonialbund übernommen und zwar auf Grund unserer Arbeit in seine karitative Abteilung. [w7d] Die Vorsitzende

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