Ausgabe 
5.3.1936
 
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Die Probefahrt des neuenZeppelinMschiffes glanzend gelungen

Schäflein oder als Unschuldiger nach Rom zurück, kehrt, Oesterrelch muß seine Extratouren aufgeben.

weise gehandelt, daß man den Wechsel im Außenministerium vorher ein- treten lieh, bevor die römische Bombe platzte.

Auch damit sind, wie Mussolini sagte, die Pläne fu^ eine Neuordnung des Donauraumes noch immer nicht begraben. Auch wenn diese Widerstände von außen beseitigt werden sollten, es wird immer wieder solche von innen geben. Wenn es nach Krosta geht, wird nicht nur Italien, sondern über­haupt jede europäische Großmacht außer acht gelassen werden. Das Konzept Hobza ist so wie Ser Tardieu-Plan am italienischen Widerspruch gescheitert. Ohne Italien geht es jedenfalls nicht, dazu hat es, wie man sieht, Oesterreich zu sehr an der Strippe. Mit Italien geht es aber augenblicklich auch nicht, solange die Kleine Entente an den Völkerbundssanktionen teilnimmt. Das ist, soweit man heute sieht, der Sachverhalt'. Auch nach der Erklärung Mussolinis ist zunächst nicht abzusehen, wie alle diese alten oder neuen Pläne plötzlich über Nacht ein Ende nehmen und greifbare Ergebnisse heranreifen sollen.

Weltanschauung und Kultur.

Alfred Rosenberg vor der NS.-Kulturgemeinde.

B e r (i n , 4. März. (DNB.) Vor der NS.-Kultur- gemeinde sprach in der Deutschlandhalle der Beauf­tragte des Führers für die gesamte geistige Er­ziehung der NSDAP. Reichsleiter Alfred Rosen­berg über das ThemaWeltanschauung und Kul­tur". Vorher gab der Leiter der NS.-Kulturgemeinde Dr. Walter Stang einen zahlenmäßigen Rückblick über die Tätigkeit der NS.-Kulturgemeinde seit 1933. Habe man damals mit einem Mitgliederbestand von 6000 in der Reichshauptstadt begonnen, so betrage die Zahl der Mitglieder heute rund 70 000. Der Auf­stieg beweise, wie folgerichtig die Idee der NS.-Kul­turgemeinde gewesen sei.

Reichsleiter Rosenberg zeichnete dann ein Bild von der Kunstentwicklung der vergangenen Jahr­hunderte und deren Auswirkungen auf das politische Leben und wies auf dieEntfaltung" im 19. Jahr­hundert hin, die schließlich bei der absoluten

Ausstieg zur ersten Wettslättensahtt.

Friedrichshafen, 4. März. (DNB.) Das LuftschiffLZ 12 9" ist am heutigen Mitt­wochnachmittag bei bedecktem Himmel um 15.19 Uhr zu seiner ersten Probefahrt aufgestie­gen. Wie ein Lauffeuer eilte die Kunde durch die Stadt. Im Nu eilten Tausende zum Werftgelände. In majestätischer Ruhe lag das Schiff noch in der Halle, Dr. Eckener richtete an seine Arbeitskame­raden eine Ansprache. Das Schiff, an dem vier Jahre gebaut worden sei, liege klar zur ersten Aus­fahrt. Die Welt erhoffe von diesem Schiff eine er­hebliche Weiterentwicklung der Luftschiffahrt. Es sei das Beste hergegeben worden, um das stolze Schiff so gut wie möglich zu bauen. Der gleiche Gücksstern, der demGraf Zeppelin" be- schieden war, möge auch über dem neuenLZ 129" leuchten.

Nachdem das Luftschiff noch ein letztes Mal aus­gewogen worden war, ertönte hell das Kommando: Luftschiff marsch!" Langsam wird das Schiff aus der Halle gezogen. Auf dem Werft­gelände wirkt es noch gigantischer als in der Halle. Laut erteilt Dr. Eckener die letzten Befehle; das Schiff wird gegen den Wind gelegt. Punkt 15.19 Uhr erhebtsichdas stolze Schiff in dieLuft, begleitet von den Heilrufen der begeisterten Menge. Erst in etwa 100 Meter Höhe springen die Moto­ren an, zuerst auf der Steuerbord dann auf der Backbordseite. Dröhnend singen sie ihr ehernes Lied und entführen das glückhafte Schiff unseren Blicken.

Nach kurzem Kreuzen über dem Werftgelände nimmtLZ 129" Kurs in westlicher Richtung.

Leber dem Vodensee.

Das Schiff kreuzte über drei Stunden über dem Werftgelände, über dem Bodensee und über dem Bodensee-Hinterland. Das Wetter war während der ganzen Zeit ziemlich diesig und die Dämme­rung brach bereits nach 18 Uhr ziemlich rasch herein. Um so eindrucksvoller war dann der Augen­blick, als das Schiff im Schein seiner Lichter zur Landung anfuhr und nach den üblichen Manö­ver» um 18.21 Uhr zur Landung ansetzte. Die Taue wurden abgeworfen, Wasserballast abgegeben und die Haltemannschaft, die durch Arbeitsdienstmänner verstärkt worden war, zog das Schiff auf den Bo­den. Um 18.25 Uhr war b t e Landung glatt vollzogen.

Vollste Zufriedenheit. DieErwartungennoch in vielemübertroffen.

lieber den Fahrtverlauf und die Ergebnisse der Werkstättenfahrt äußerte sich Kapitän Lehmann in begeisterten Worten. Die Versuchsfahrt sei über die eigenen Erwartungen der Werft hinaus hervor­ragend ausgefallen. Zunächst seien die Steuer- e i g e n s ch ä f t e n des Schiffes durchgeprüft wor­den. Man habe nicht ohne weiteres Voraussagun­gen in dieser Richtung machen können, das das neue Luftschiff ganz andere Ausmaße habe als der.Graf Zeppelin" und weil die Steuerung voll­kommen anders konstruiert sei. Trotzdem

sei nicht nur die gleich gute Manövrierfä­higkeit erreicht worden, sondern man habe den bestimmten Eindruck gewonnen, daß das neue Schiff, darüber hinaus noch besser zu steuern sei. Auffallend sei, was man übrigens von unten ebenfalls mit Erstaunen bemerkte, die beinahe vollkom­mene Geräuschlosigkeit der Motoren. Dies ist vor allem in der Führergondel außeror­dentlich angenehm, und zwar nicht nur für das Ohr, sondern auch bezüglich der kaum mehr bemerkbaren Vibration. Weiter mürben b i e Maschinen nach allen Richtungen und Arten hin durchgeprüft und Umsteuerungen vorgenommen. Die Motoren seien, wie erwartet, ohne die gerin gste Stö­rung gelaufen, wie denn überhaupt alles ohne jegliche Beschwerde geklappt habe. Besonders an­genehm sei auch der Umstand, daß das neue Luft­schiff einen viel kürzeren Bremsweg habe, was sich hauptlächlich bei den Landungen sehr vorteilhaft auswirke. Zusammenfassend betonte Ka­pitän Lehmann nochmals, daß die an sich kurze Probefahrt zur vollen Zufriedenheit durchgeführt worden sei, und daß von Seiten der Werftleitung keine weiteren Probefahr­ten mehr für nötig erachtet würden. Falls es die Wetterlage erlaubt, wird bereits am Don­nerstagmorgen eine etwa achtstündige Fahrt mit 'Behördenvertretern durchgeführt. Nach Abnahme des Schiffes durch die Zeppelin- Reederei soll dann die Deutschlandfahrt und gegen Ende des Monats März der große Tauf- a k t stattfinden.

Leistungen unserer Zeppelin-Mannschaft.

300000 Kilometer an Bord des Luftschiffes!

Don Dr. Wolfgang Mejer, z.Z. Friedrichshafen.

Zerstörung aller Formen anlangte und die Idiotie als Schönheit bezeichnete. Der politische Wahnsinn habe so seine künstlerische Darstellung ge­funden, und auch das zeige, wie eng Weltanschauung und Kultur und Weltanschauungslosigkeit und Kul­turlosigkeit miteinander zusammenhingen.

Seit dem Zusammenbruch des Mittelalters, also etwa vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, habe es viele Konfessionen, philosophische Schulen, viele Kunsttheorien, aber keine Weltanschauung gegeben. Mit dem Nationalsozialismus erst hat das deutsche Volk sich eine gesicherte, schöpferische Stunde erkämpft und an uns ist es jetzt, diese Stunde nicht ver­streichen zu lassen. Das furchtbare Erlebnis von 1918 habe alle aufrechte Charaktere mobilisiert, daß ge­rade in der Tiefe des Sturzes Deutschland die Wur­zel seiner Kraft wieder entdeckt habe, und der Führer dieses Erlebnis zu einer Einheit formte. Diese Ein­heit sei dann 14 Jahre im Kampfe erhärtet worden, und nach dem Siege stehe nunmehr als Aufgabe vor uns die Gestaltung des Willens und der Idee in Staat und Kultur. Wenn diese innere Einheit äußere Gestalt und weiterstürmende Kraft geworden sei, bann erst ist bie nationalsozialistische Revolution ge­sichert, bann erst wirb sie nicht Episobe sein, sondern die größte Epoche der deutschen Geschichte.

Der Nachwuchs.

Reichsminister Dr. Goebbels spricht zu Jungen der nationalpolitischen Erziehungs­anstalt Potsdam.

Berlin, 4. März. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels empfing 22 Angehörige der national­politischen Erziehungsanstalt Potsdam. Jungen aus allen Gauen Deutschlands und aus allen Volks­schichten; denn wenn auch die 12 nationalpolitischen Erziehungsanstalten aus den ehemaligen Ka­dettenanstalten hervorgeaangen sind, so unterscheiden sie sich doch von diesen nicht nur durch den Unterrichtsplan, sondern auch dadurch, daß die Jungen lediglich nach ihrem persönlichen Wert ohne jede Rücksicht auf die soziale Stellung der Eltern ausgenommen werden. Eine stärkere Staffelung des Schulgeldes nach den Dermögensverhaltmssen und zahlreiche Freistellen ermöglichen diese Ge­staltung einer wahren Volksgemeinschaft in den Anstalten, die vom Führer selbst begründet wurden und die dem Reichserziehungsminister Rust direkt unterstellt sind. Eine scharfe Auslese wahrend der ganzen Schulzeit sorgt dafür, daß hier ein erst­klassiger Führernachwuchs herangebildet wird.

Der Minister wies die Jungen darauf hin, daß ihre Erziehung sie darauf vorbereiten solle, ein schweres Leben zu meistern. Der nationalsozlali- stische Staat sei keine bequeme Versorgungsanstalt, sondern man müsse sich in ihm durch Tüchtigkeit durchsetzen. Allein schon die geopolitische Lage Deutschlands zwinge jede Generation, sich aus die Hinterbeine zu setzen, um den Wettkampf mit dem Ausland zu bestehen. Dr. Goebbels erinnerte daran, wie Bismarck sich keinen geeigneten Nachfolger er­zogen habe, so daß er nach seinem Abgang nicht ersetzt werden konnte. Der Nationalsozialismus da­gegen sei dafür, daß ihm ein gleiches Schicksal nicht begegne. Die Jugend müsse sich immer klar sein, daß es ihre Aufgabe sei, bas, was bie heutige Generation an geschichtlichen Werten geschaffen habe, zu erhalten unb weiter zu entwickeln und o die Ewigkeit der Nation zu gewährleisten. Die romantische Gefühlswelt der Vorkriegsiugend> fei abgelöst worden von einer realistischen, männlichen und heroischen Lebensauffassung. Jeder Junge sch habe heute eine Möglichkeit zum Emporstieg, aber nur der werde sie ausnützen können, bi f

Jugend nicht verplempere in Genuß, sondern der heroisch, sparsam und männlich lebe.

In den provinzialkirchenausschuß für Westfalen berufen.

Berlin, 4. Marz. (DNB.) Der R°ichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten hat nachdem Superintendent Niemann (Herford) u Michern (Bielefeld) aus dem Provinzialt rchen ausschuß für die Provinz Westfalen ausgesch^e. den sind! an ihrer Stelle P Er Heilmann (Gladbeck) und Rechtsanwalt und Notar D . Lütje (Bielefeld) in den Provinzialkirchenaus schuß berufen, die mit den bisherigen Mitgli dem Pfarrer V i e b i g (Münster i. W.) un . , kant Kisker (Bielefeld) nunmehr den Provinzial kirchenausschuß bilden. _____

Unruhig fegt der Südwest über die stattliche Ufer­promenade, die an strahlenden Sommertagen den von der städtischen Fremdenwerbung gern geübten Vergleich mit den Straßen der Riviera tatsächlich nicht zu scheuen braucht. Eigentlich ist auch jetzt, im heurigen unnatürlich warmen Winter eine Aehn- lichkeit der Küste des Ligurischen und des Schwäbi­schen Meeres durchaus vorhanden. Hier wie dort jagt ein feiner, durchdringender Sprühregen über ver­einsamte Parkanlagen und Klubhäuser, reiten weiße Schaumkronen aus zähtriefendem Nebelbrei in die weitgeschwungenen Buchten. Aber ein merklicher Unterschied ist da: Dort im Süden liegen die präch­tigen Städte und Badeorte jetzt in stillem Winter­schlaf. Hier aber in dem alten Reichsstädtchen am Bodensee pulst trotz des trübseligen Wetters emsiges Leben, fanden auch in den kurzen, ungastlichen Win- tertagen die Fremden den Weg zu der Stätte, auf die nicht nur Deutschland voll Erwartung blickt. Hier ging das neue ZeppelinschiffLZ 129" seiner Vollendung entgegen. Auch der ruhmreich be­währteGraf Z e p p e l i n", der nun schon 1 350 000 Kilometer, fast den 34fachen Erdumfang, auf mehr als 500 Fahrten überflogen hat, wurde von fleißigen Händen für bie neue Fahrzeit gründlich überholt.

Stille Tage beschaulicher Ruhe gibt es nicht bei ben Zeppelinleuten, auch wenn Schiff unb Besatzung einen so starken Einsatz ber Kräfte hinter sich haben wie im vergangenen Jahr. Sofort mit ber Grün- bung berDeutschen Zeppelin-Reeberei" im vergan­genen März setzte ein scharfer Fahrtrieb ein, ber bis zum 10. Dezember ununterbrochen mit beispiel­loser Zuverlässigkeit burchgehalten würbe. Montags ben ganzen Tag über Vorbereitungen für Ne weite Reise, abends Aufstieg in Friedrichshafen. Drei Nächte und fast drei Tage über Länder und Meere, Donnerstag nachmittags Landung in Pernambuco. Während die Schiffsgäste für einige Stunden Ge­legenheit haben, der Ruhe zu pflegen oder einen Urwaldausflug zu unternehmen, muß die Zeppe­linmannschaft hurtig schaffen, Gas nachfüllen und den Luftriefen für die Weiterfahrt fertigmachen. Das ist keine leichte Arbeit bei solch viel­gestaltigem Mechanismus. Dann geht es gleich weiter über die Küstenwälder Brasiliens nach Rio de Janeiro, das am Samstag morgens erreicht wird. Ohne Aufenthalt steigt das Luftschiff nach dem in wenigen Minuten erledigten Wechsel der Fahrgäste sofort wieder hoch und ist schon am Sonntagabend wieder in Pernambuco. Wieder nur eine kurze Zwischenlandung. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag schwebt das Luftschiff schon wieder über dem Bodensee Dom Freitag bis zum Sonntagabend darf sich dann der Zep- pelinsahrer (einer Familie, seiner Ruhe und (einen eigenen Angelegenheiten widmen ->Ue vier­zehn Tage nur, denn am nächsten Wochenende st das Schiss auf Fahrt über Südamerika! Fast die Hälfte der gesamten vor,ahrigen Fahr,astan hat die Zeppelinvesatzung in der Luft verbracht. Dazu ist noch die Arbeitszeit wahrend der Liege­zeiten des Schiffes zu rechnen. Nur zwei Reifen hat jedes Mitglied der Besatzung durchschnittlich ausgesetzt, also nicht weniger als 3 0 0000 Kilo­meter an Bord zurückgelegt. Und der Dienst war für die Luftschisfmannschast, die ,m vergan­genen Jahr etwa 40 Kopse be, ftd-r R st- stark war, nicht leicht; wenn auch an, ®ort> rote in der Schiffahrt, die diensttuende Schicht alle vier Stun- den abgelost wird. Aber d,e Dienftstunden stnd Stunden höchster Anspannung. Unter allen Umständen, auch bei schwerem Wetter, wurde der Zeppelinverkehr über den Sudatlantik mit der : Regelmäßigkeit eines Eisenbahnbetriebes durchge- [ührt 16 Südamerikareisen brachte das erste Jahr im Betriebe der Deutschen Zeppelm-Reedere,, und noch drei Pendelsahrten »wstch-n den Küsten Afrikas unb Sübamertfas für bie reine Postbefor derung! Mehr als 30 Klimawechsel machte jeber Zeppelinmann im vergangenen Jahre burd), neben bem verantwortungsvollen Dienst allein fd)on eine starke Beanspruchung bes Körpers. Auch ist bie 1 Freiwache in ben Mannschaftsraumen natürlich längst nicht so bequem wie ber Aufenthalt m den

Kabinen ber Fahrgäste. Im "euen Luftschiff wirb : auch bie Besatzung angenehmer untergebracht fein.

Drei Männer nur, Koch, 0 $ u n b

- S t e w a r b , müssen bie oft recht anspruchsvollen ° Wünsche ber Gäste erfüllen Es gehört schon bie - in jahrzehntelangem Dienst als Luftschiffkoch er- : worbene Meisterschaft dazu m ber zwar äußerst zweckmäßigen, aber natürlich recht kleinen Küche täglich sechs stattliche Mahlzeiten ent­

stehen zu lassen, auf Verlangen sogar einzelnen Gästen vegetarische Speisen ober Diät- ko st zu bereiten! Dabei mußte vielfach, wie in stark besetzten V-Zügen, in zwei Abschnitten ge­speist werben. Denn erfreulicherweise waren tm Graf Zeppelin" in ben letzten Monaten immer sämtliche Plätze ausverkauft; wegen zu starken An- brangs mußte sogar eine Anzahl Reisenber auf Wartelisten" für bie nächsten Fahrten vorgemerkt werben!

Das ist ein Zeichen dafür, baß ber Einsatz eines zweiten Schiffes in ben Sübamerikabienft sehr zu begrüßen wäre. Aber vorerst wirb ber braveGras Zeppelin", ber in seinen sieben Dienstjahren ben Ozean nun schon lllmal überquert hat, hauptsäch­lich ben fahrplanmäßigen Sübamerikabienft ver­sehen müssen. Der neue große Gruber LZ 12 9" soll ihn nach Beenbigung ber Werk­stattfahrten auf einigen Reisen nach Sübamerika ablösen, bann aber eine Anzahl von Fahrten nach USA ausführen. Voraussichtlich werben jeboch auch bie Besucher ber Olympischen Spiele in Berlin im fommenben Sommer Gelegenheit haben, bas neue Luftschiff über bem Reichssportfelb begrüßen zu können.

Der Einsatz bes zweiten Schiffes stellt bie Deutsche Zeppelin-Reeberei vor keine leichte Aufgabe. Müssen

doch nun zwei Zeppeline mit erfahrenen Kräften, bie auch ben schwer st en Anforberungen bes Ueberseebienstes gewachsen sinb, be­mannt werben. Dann aber bringt bie Eröffnung bes Weltluft fcbiffhafens Frankfurt am Main eine einschneidende Veränderung in bas Leben ber Zeppelinleute. Gar mancher, ber hier unten im Parabiesgärtlein bes beutschen Vaterlan- bes fein schmuckes Häuschen hat, ber vielleicht noch zu Lebzeiten bes Grafen Zeppelin hier heimisch würbe, muß jetzt bas liebgeworbene Bobenseegestabe verlassen unb in bie Großstabt ziehen. Für manchen Arbeitskameraben, für manche Familie wirb bie Lösung aus bem gewohnten Lebenskreise nicht leicht werben. Auch für bie ehrwürbige Stabt Friedrichs- hafen bebeutet es einen Verzicht, roieber aus bem großen Weltverkehr zu verschwinben. Er wirb ihr inbesfen baburch erleichtert werben, baß bie Werft hier verbleiben unb burch bie Besichtigung ber künftig hier entstehenben Luftschiffe weiterhin viele Frembe anziehen wirb. Auch soll bie historische Zep- pelinstabt in stärkerem Maße Ausgangspunkt für Probe- unb Sonberfahrten werben. Schließlich bient auch biefe Umstellung ber großen Sache, für bie unsere Zeppelinleute ihre ganze Kraft einsetzen: Deutschlands Führung im Weltluftschiffoerkehrl

Neues von Photo und Radio.

Sonderbericht von der Leipziger Messe.

So vollzählig wie in biefem Jahr ist wohl bie beutsche Photoinbustrie lange nicht mehr auf ber Leipziger Messe angetreten. Aber selten hat sie auch so viele interessante Neuschöpfungen oorzu- legen gehabt wie in biefem Frühjahr. Natürlich gibt es eine Unmenge von Dingen, bie nur ben ausgekochten Fachmann locken, aber auch ber so­genannte Amateur-Photograph kommt bei ber Suche nach Neuerungen auf seine Kosten.

Auf jeden Fall wirb ihm die Abkehr von den Liliput-Formaten auffallen. Die gang­barste Filmgröhe ist heute 6X9 Zentimeter. Der Grund hierfür ist darin zu finden, daß man sich mit Bildern dieses Formats begnügen kann, ohne Vergrößerungen vornehmen zu müssen. Und dann sind die Aufnahmegeräte handlicher und preiswerter geworden. Allerdings ist die Lichtstärke in diesem Fall nicht überragend, aber die Erhöhung der Empfindlichkeit des Filmmaterials gleicht diesen Schönheitsfehler wieder aus. Wenn man sich die billigen Kammern betrachtet, weiß man bald kaum noch, welche Fehler man machen könnte, um ein Bild mißlingen zu lassen.

Die gerade von den Amateuren immer wieder ge­stellte Forderung, vor der Aufnahme im Apparat bas Bilb verfolgen zu können, ist jetzt fast überall burch Herstellung von Klein -Spiegelkame- r a s verwirklicht worben. Aufnahme- unb Sucher­objekt sinb nicht nur hier, ionbern auch an größe­ren Ausführungen voneinander getrennt. Interessant ist, baß auch ber schon so oft totgefagte Schlitz­verschluß (aus Metall) roieber ba ist unb sogar lange Belichtungen von einer Sekunbe ermöglicht. Die obere Belichtungsbauer liegt bei Viooo Sekunbe. Zu ben Besonderheiten ber neuen Kameras gehört auch ber Einbau von Belichtungsmes­sern. Sie arbeiten photo-elektrisch unb sinb unge­mein empfinblich geworben. Hin unb roieber sinb außerbem eingebaute Entfernungsmesser zu finben.

Trotz ber Bevorzugung der größeren Film­formate hat sich aber auch die Vergröße­rungstechnik verbessert. Sv werden die Ge­räte beispielsweise mit selb st tätiger Scharf­ei n st e 11 u n g gebaut. Dadurch wird die Arbeit sehr verkürzt und ein Ausschuß vermieden. Denn: ist die Vergrößerung einmal richtig eingestellt, fo ändert sie sich in der Schärfe nicht mehr, so viel Abzüge auch davon hergestellt werden. Für die Leistung dieser Geräte spricht, daß man in ihnen Dort 2,4 mal 3,6 Zentimeter großen Originalen Ver­größerungen von 13 mal 18 Zentimeter erhoffen kann.

Ferner wäre noch darauf hinzuweisen, daß die Projektionsapparate für Filmbilder oder Glasbilder dank der großen Nachfrage durch Schulen und Vereine sehr gut und preiswert ge­worden sind. Die Bildbandwerfer werden auch mit einer Projektionsvorrichtung Aufammengebaut, die eine Verwendung von Buchseiten, Papierbildern usw. gestattet (Epidiaskop).

Man kann von der Photoausstellung nicht schei­den, ohne nicht auch einen Blick auf die für den Amateur bestimmten Kino-Aufnahme - und Wiedergabegeräte geworfen zu haben. Für die Aufnahme kommt nur das Schmalfilmgerät in Frage. Man hat es zum schnellen Auswechseln der Optik eingerichtet, ihm bequem schaltbare Einrich­tungen für den Wechsel zwischen Stand-, Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufnahmen verliehen sowie bie Lichtstärken ber Objektive bis zu f: 1,5 bei einer Brennweite von 2 Zentimeter erhöht. Noch besser sinb bie Schmalfilm-Wiebergabegeräte durchgebilbet worben, bie größtenteils auch mit Tonwiebergabe gefertigt werben. Unb ist bas nicht eine besondere Leistung unserer Hanb- unb Kopfarbeiter, baß sie für ben Familien-Kintop ein Schmalfilmgerät schu­fen, bas noch nicht einmal 30 Mark kostet! Das projizierte Bilb hat eine Größe von 30mal 40 cm. Wer sich also bisher mit bem Heimkino nicht an- freunben konnte, weil er bie Ausgabe für ben Wiebergabeapparat scheute, ist bieser Sorge jetzt enthoben. Unb man werbe weiter mit bem schönen Spruch:Wer photographiert (ober filmt) hat mehr vom Leben.

Aber auch, wer R a b i o hört, stärkt mitunter seine Lebensgeister. Leipzig bietet biesmal eine richtige Funkausstellung, auf ber ber Su­perhet bas Felb beherrscht. Erfreulicherweise sinb bie Typen nicht baburch geändert worden, daß man an Stelle von braunen Hölzern rote verwendete oder andere Aeußerlichkeiten alsSaison" Herausstellen zu müssen glaubte. Man hat das verdiente Geld vielmehr zur Verbilligung der bewähr­ten Empfänger benutzt. Sie haben auchSchi­kanen" bekommen, wie z. B. eine Einstellung der Sender durch eine Wählerscheibe oder einen zwei­ten Lautsprecher. Ferner besaßt man sich mal wie­der ernsthaft mit der Fernbedienung der Empfänger. Man will nicht immer von seinem Ruheplatz aufstehen, wenn ein anderer Sender zu Gehör kommen soll. Aber so ganz gelungen sind diese Fernbedienungen noch nicht. Der ein­fachere Empfänger ist aber keineswegs vom Superhet erdrückt worden. Er hat nämlich auch seine Vorzüge, nicht nur den des geringeren Prei­ses, sondern er ist auch nicht so empfindlich oder nervös" wie der große Bruder. Darum bringt er manche Störungen manchmal weniger bis zum Lautsprecher. Zum erstenmal ist in Leipzig der schon bekannte DA F. - Empfänger ausgestellt, ber vor allem in ben Betrieben Ausstellung gefun- ben hat. Für ben Volkse yi p s a n g e k sind wei­ter neue Zusatzgeräte wie Sperrkreise, Wellenanzei­ger, Supervorsätze unb dsrgl. ausgestellt. Größere Ausbehnung nehmen auch bie tragbaren Empfänger unb bie für ben Einbau ins Auto bestimmten ein. Von beiben kann man sa­gen, baß sie heute tatsächlich gebrauchsfähig unb nicht mehr wie bis vor kurzem als Spielerei anzu­sehen sind. Job.