186. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Kr. 30 Erstes Blatt 186. Jahrgang Mittwoch, 5. Zebruar 1956
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Die Utopie der Kleinen Mrlschafls-Enlente. 43on unserem C.G.-Lierichierstaiier
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) B u d a p e st, 26. Januar 1936.
Durch die Sanktionspolitik des Völkerbundes Italien gegenüber ist wieder einmal eine Frage aktuell geworden, die schon oft zu mancherlei Diskussionen Anlaß gegeben hat, die Frage nämlich, ob eine wirklich enge Zusammenarbeit zwischendendrei StaatenderKleinen Entente auf wirtschaftlichem Gebiete, womöglich bis zu einer gewissen Selbstgenügsamkeit möglich ist oder nicht. Gerade jetzt, wo besonders Südslawien, dann aber auch Rumänien und die Tschechoslowakei durch die Sperre des Ware n- austausches mit Italien eine nicht unbeträchtliche Einbuße erleiden, gerade jetzt taucht von neuem die Frage auf, ob es für die drei Staaten der Kleinen Entente nicht möglich ist, den Ausfall aus dem verhinderten Italien-Geschäft durch eine Intensivierung des gegenseiti- gen Handelsverkehrs auszugleichen. Damit ist aber wieder das schon so ost erörterte Problem „Kleine Wirtschafts-Entente" aufgerollt, und es wird notwendig, an Hand der gegebenen Tatsachen und Zahlen die augenblickliche Lage der Kleinen Entente, was ihren gegenseitigen Handelsverkehr anlangt, genauer zu betrachten.
Kein anderer als Herr B e n e s ch, der ja seit jeher die treibende Kraft für den Ausbau und die Untermauerung der politischen Kleinen Entente war, hat seinerzeit mit bemerkenswerter Offenheit die eigentlichen Gründe für das Mißlingen der wirtschaftlichen Bestrebungen der Kleinen Entente aufgezeigt, als er im Januar 1934 erklärte: „Gerade auf wirtschaftlichem Gebiete ist der Egoismus des einzelnen am stärksten, gleichzeitig aber auch am berechtigsten". Damit hat Benesch freilich auch den Bestrebungen, die Kleine Wirtschafts-Entente fruchtbar zu gestalten, selber das Urteil gesprochen. Es ist in der Tat so: am Egoismus des einzelnen, und zwar nicht nur des Individuums, sondern auch des einzelnen Staates, scheitern immer wieder die Versuche, den Warenaustausch zwischen den Staaten der Kleinen Entente zu beleben. Als die Tschechoslowakei durch ihre Vertreter auf der letzten Wirtschaftskonferenz der Kleinen Entente in Belgrad den ausgearbeiteten Plan einer Zollunion zwischen den drei Staaten vorlegte, schrieb das Blatt der rumänischen Industrie zu diesem Projekt: „Der Vorschlag der Tschechoslowakei hat in rumänischen Jndustriekreisen große Erregung hervorgerufen. Man findet, daß die Tschechoslowakei übertreibt, wenn sie die rumänische Industrie ganz übersieht und Rumänien als reinen Agrar st a a t behandelt. Unsere Jndustriekreise sind entschlossen, auf den tschechoslowakischen Vorschlag mit Statistiken zu antworten." Kein Wunder, daß der Zollunions-Vorschlag der Tscheche.owakei auf diese Kritik hin völlig
unter den -l > fiel.
Dasselbe Run. nien aber, das diesen tschechischen Lösungsvorschlag mit solcher Entrüstung zurückwies, beklagt sich jetzt bitter über das Versätzen der Zusammenarbeit im Rahmen der Kleinen Wrrt- schafts-Entente. So hat kürzlich die Bukarester Kammer für Handel und Industrie ein Memorandum ausgearbeitet, in dem unter anderem dargelegt wird, daß beispielsweise auf dem südslawischen Markt der unangenehmste Konkurrent niemand anders als die Tschechoslowakei fei. Und wenn man die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei prüfe, so müsse man mit Betrübnis feststellen, daß seit Bestehen der Kleinen Entente überhaupt, also seit 1920, der rumänisch-tschechische Handel für Rumänien ein Paffivsaldo von insgesamt rund 17 Milliarden Lei gebracht habe, wobei die aus dem Skoda-Vertrag resultierenden Waffen- und Munitionslieferungen noch nicht einmal einbegriffen seien. Für Rumänien sei also die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen der Klemen Entente mehr als problematisch.
Wenn beispielsweise die Petroleumtrans- porte von Rumänien nach der Tschechoslowakei statt auf dem kürzesten und billigsten Wege donauaufwärts bis Preßburg, über Konstanza und dann um ganz Europa herum über Hamburg nach der Tschechoslowakei geleitet wurden, so sei es nicht verwunderlich, wenn durch völlig überflüssige Erhöhung der Transportspesen die tschechische Kauflust herabgemmdert werde^ Diese rumämschen Klagen sind bezeichnend sur das V-r- lagen der Kleinen Wirtschafts-Enten- Unter den Käufern des rumänischen Maises steht b IP weise die Tschechoslowakei erst an neunter Stelle. Und auch di-anderen hauptsächlichsten runmmschen
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Gtarhembergs Fühlungnahme in Paris.
Oie Kleine Entente, Oesterreich und der Oonaupakt.
Paris, 4. Febr. (DNB.) lieber die Unterredung, die der französische Außenminister F l a n- din mit dem Für§ten Starhemberg gehabt hat, glaubt man in diplomatischen Kreisen zu wissen, daß die österreichische Regierung, yhne auf das monarchische Prinzip zu verzichten, gewillt zu sein scheine, in einem mit den Staaten der Kleinen Entente vorgesehenen Abkommen zuzugestehen, daß keine Regieänderung in Oesterreich eintrete, ohne vorherige Einigung mit den Teilnehmern des Abkommens. Man fragt sich, ob die Bundesregierung die monarchistische Forderung überhaupt fallen lassen werde, wenn die Nachfolgestaaten Oesterreich wirtschaftliche Erleichterungen zugestehen würden oder ob die Bundesregierung im Gegenteil durch diese Versicherung erreichen wolle, daß Verhandlungen ausgenommen würden, um die Kleine Entente zu überzeugen, daß die Wiedereinsetzung der Habsburger in Wien keinen Nachteil für sie haben werde.
Die Tatsache, daß Außenminister Flandin am Dienstagabend auch den italienischen Botschafter empfangen hat, und ihn über die mitteleuropäischen Verhandlungen unterrichtete, gibt einem Teil der Presse Veranlassung, mit einem Anflug des Bedauerns auf Italien hinzuweisen, das wegen der nordafrikanischen Beanspruchung in Mitteleuropa noch nicht dieRolle übernehmen könne, die ihm eigentlich zukomme. Der „Matin" erklärt, Europa müsse die große internationale Verständigung anstreben, um die politische Unsicherheit zu beseitigen. Wien halte die Beteiligung Italiens an einem Donau- Abkommen zur Verbürgung der österreichischen Unabhängigkeit für n o t w e n d i g. In der heutigen unsicheren Zeit brauche das österreichische Kabinett äußere Stützen. Nach dem „Petit Parisien" bemüht man sich zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente engere wirtschaftliche und diplomatische Bande zu schaffen, wo hingegen die Wiener Regierung bereit wäre.
den hauptsächlichen Stein des Anstoßes, den Gedanken einer demnächstigen Wiedereinsetzung der Habsburger, auszuschalten.
Em unbequemer Besuch.
Wird Otto von Habsburg in Paris auftauchen?
Paris, 5. Febr. (DNB. Funkspruch.) Das „Journal" ofaubt zu wissen, daß der österreichische Throns nt Otto von Habsburg am
Mittwoch aus Belgien zu einem mehrtägigen Besuch nach Paris kommen werde. Der stellvertretende österreichische Bundeskanzler, Fürst Starhemberg, beabsichtige jedoch n i ch t, in amtlicher oder halbamtlicher Eigenschaft mit Otto von Habsburg in Verbindung zu treten. Fürst Starhemberg habe zu verstehen gegeben, daß er um geachtet seiner monarchistischen Einstellung es für feine Pflicht halte, nicht an einer Handlung teilzunehmen, die seinem Vaterland gefährlich werden könnte.
„Bisher kein greisbares Ergebnis."
Ohne Ungarn und Bulgarien kein Oonauabkommen.
Das Echo in London.
London, 5. Febr. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" schreibt: Oesterreich habe anscheinend auf feine früheren Forderungen nach einer R e - vision der österreichischen Grenzen verzichtet. Es sei bereit, sich auf die Seite der Länder zu stellen, die den Status quo aufrechterhalten. Diese Haltung Oesterreichs werde wahrscheinlich sehr zur Förderung freundschaftlicherer Beziehungen zwischen Oesterreich und der Kleinen Entente beitragen. Sie könne auch einen wichtigen Einfluß auf Ungarn ausüben, das sich bisher geweigert habe, mit der Kleinen Entente zu verhandeln, bevor eine Grenzrevision angenommen worden ist.
Reuter meldet dagegen aus Wien, der ungarische Außenminister von Kanya habe in seiner Unterredung mit dem österreichischen Außenminister Berger-Waldenegg ganz klar zum Ausdruck gebracht, daß Ungarn entschlossen sei, s i ch an keinerlei Donau-Abkommen zu beteiligen, ohne die volle politische und militä- | rische Gleichberechtigung zu erhalten. Jedes
Donauabkommen sei ohne die Beteiligung Ungarns selbstverständlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. „Daily Mail" berichtet aus Paris, daß die diplomatischen Besprechungen bisher zu keinem greifbaren Ergebnis geführt hätten. Bulgarien und Ungarn könnten nicht a u f die Revision verzichten. Die Hauptschwierigkeit liege aber im Osten. Polen sei sich der Gefährlichkeit eines räterussischen Einflusses bewußt und sei daher endgültig einem Ostpakt abgeneigt.
„Daily Herald" äußert Befürchtungen darüber, daß die Pariser Besprechungen zu einem Wiederaufleben des alten Bündnissystems führen werden. Die Bestrebungen, die Völkerbundssatzung durch Sonderabkommen zu ersetzen, seien besonders gefährlich und müßten eine Schwächung des Völkerbundes zur Folge haben.Besonders groß aber fei die Gefahr, daß die ganzen Pariser Paktgespräche die Aufmerksamkeit von der wichtigsten und hauptsächlichsten Ausgabe a b I e n 11 e n, nämlich den Frieden in Abessinien herbeizuführen.
Der Landesgruppenleiler der ÄSDAP. in der Schweiz von einem jüdischen Studenten in Davos ermordet.
Davos, 4. Febr. (DNB.) Der nationalsozialistische Landesgruppenleiter Wilhelm G u st l o f f ist am Dienstagabend um 20 Uhr in Davos in seiner Wohnung erschossen worden. Bei dem Mörder handelt es sich um den 1909 geborenen Juden David Frankfurter, der zuletzt die jugoslawische Staatsangehörigkeit besah. Er hat sich nach der Tat der Polizei freiwillig gestellt. Frankfurter hielt sich in Bern als INidizinstudent auf. Don Bern aus begab er sich am Dienstag nach Davos. Er erklärte, er habe die Tat aus politischen Gründen ausgeführt und wolle mit ihr das gegenwärtige Regime in Deutschland treffen. Der Mörder Gustloffs hatte kurz vor der Tat in der Wohnung Einlah begehrt und war in das Büro geführt worden. Rach dem Eintreffen Gustloffs gab Frankfurter fünf Schüsse auf diesen ab, die alle trafen und Gustloff auf der Stelle töteten, hierauf floh der Täter, wobei er die Anwesenden mit der Schußwaffe bedrohte. Später meldete er sich telephonisch bei der Polizei und wurde in haft genommen. Der kantonale Untersuchungsrichter von Graubünden ist sofort nach Davos abgereist.
Wilhelm
Wilhelm Gustloff war der dienstälteste Lam desgruppenleiter der Auslandsorganisation der NSDAP. Er wurde am 30. Januar 1895 i n Schwerin in Mecklenburg geboren, war zunächst Bankbeamter und Oberseroatoriumssekre-
tär und zuletzt Leiter der amtlichen meteorologischen Stationin Davos. Der NSDAP, gehörte er seit Juli 1929 an, nachdem er schon 1921 dem Deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbund beigetreten war. Im September 1930 gründete er den Stützpunkt Davos der NSDAP, und ein Jahr später die Ortsgruppe Davos. Gleichzeitig wurde er zum Landesgruppenleiter für die Schweiz ernannt. Wilhelm Gustloff war verheiratet.
Die Nachricht von der Ermordung Gustloffs hat auf die in der Schweiz lebenden Reichsdeutschen um so erschütternder aewirkt, als seit geraumer Zeit ein ausgesprochenes Kesseltreiben der mar-
Davos, 5. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der jüdische Mörder des Landesgruppenleiters Gustloff, David Frankfurter, war in dem Hotel, in dem er abgestiegen war, nur dadurch ausgefallen, daß er kein Gepäck bei sich hatte. Er hatte sich Dienstag abend in die Wohnung Gustloffs begeben, wo er etwas vor 20 Uhr an der Flurtür läutete und Gustloff zu sprechen wünschte. Frau Gustloff führte ihn ins Empfangszimmer, wo er Platz nahm und einige Minuten auf den Landesgruppenleiter wartete. Als dieser in der Tür erschien, schoß Frankfurter sofort mit einer Browning-Pi st ole a u f i h n. Er hat fünf Schüsse abgegeben, von denen die meisten den Kopf und die Halsgegend des Opfers trafen.
Der Mörder bedrohte die herbeieilenden Hausbewohner, die durch die Schüsse aufgeschreckt wor-
x i st i s ch e n und linksbürgerlichen Presse der Schweiz gegen Gustloff zu beobachten war. Es verging kaum ein Tag, an dem Blätter dieser Richtungen unter Berufung auf die „demokratische Freiheit" nicht gegen den Landesgruppenleiter hetzten und seine Ausweisung verlangten. Dabei muß festtzestellt werden, daß Gustloff seine Tätigkeit völlig legal ausführte und sich i n gewissenhaftester Weise nach den Landesgesetzen richtete. Erst kürzlich wurde von Nationalrat und Chef des Eidgenössischen Polizeidepartements Baumann dieses korrekte Verhalten Gustloffs ausdrücklich anerkannt.
den waren, mit der Pistole und entfloh. Er ging dann, durch den Schnee watend, in ein Nachbarhaus und meldete sich von dort telephonisch der Polizei als Täter. Ohne die Ankunft der Polizei abzuwarten, ging er von dort a u f das Rathaus und meldete sich als derjenige, den man suche. Bei der sofort vorgenommenen Gegenüberstellung erkannte ihn Frau Gustloff als den Täter.
Unterdessen war der Untersuchungsrichter in Chur, Dr. Dedual, benachrichtigt worden. Gegen Mitternacht fand das erste Verhör statt. Frankfurter erklärte, er fei der Sohn eines Rabbiners und in Jugoslawien aufgewachsen. Seit dem Jahre 1929 habe er in Leipzig und Frankfurt Medizin studiert. Er habe sich dort auch zu einem medizinischen Vorexamen gemeldet, es aber nicht
Das erste Verhör des Mörders Frankfurter.
mehr als ein Fünftel der gesamten südslawischen Ausfuhr aufnimmt. Es folgen dann Oesterreich und Deutschland und erst in weitem Abstande die Tschechoslowakei mit nur 11 v. H. Rumänien gar folgt erst an vierzehnter Stelle im Warenaustausch mit nur 1 v. H.! Für Südslawien bedeuten, vom Standpunkt der Ausfuhr betrachtet, die beiden anderen Staaten der Kleinen Entente Rumänien und die Tschechoslowakei zusammen nur 12 v. H. der Gesamtaussuhr. Fast genau so liegen die Dinge für die Tschechoslowakei, die ihrerseits nach Rumänien und Südslawien ebenfalls nur 12,5 v. H. ihrer gesamten Ausfuhr schickt. Die tschechische Ausfuhr nach Südslawien zeigt sogar einen auffallenden Rückgang. Während tschechische Wollwaren im Jahre 1929 noch in einer Menge von 909 Tonnen nach Südslawien gingen, betrug die Ausfuhrmenge im Jahre 1934 nur noch 346 Tonnen. Nach Rumänien schickte die tschechische Wollindustrie 1929 nur noch 151 Tonnen, und im Jahre 1934 gar nur noch 3 Tonnen. In umgekehrter Richtung aber — darüber beklagen sich wieder Belgrad und Bukarest abwechselnd — machen sich bei der Eroberung des tschechischen Ab- satzmarktes Südslawien und Rumänien so starke
Konkurrenz, daß keiner der beiden Lieferanten auch nur annähernd auf feine Rechnung kommen kann.
Diese Zahlen ließen sich noch beliebig vermehren. Auf fast allen Gebieten des Warenaustausches zeigt es sich, daß die Staaten der Kleinen Entente untereinander nicht imstande sind, sich gegenseitig das zu geben, was sie eigentlich brauchen. Und mit wie großen Hoffnungen war man doch an die Bildung der Kleinen Wirtschafts-Entente herangegangen! Da hatte man Ausschüsse gebildet, die sich viermal jährlich versammeln sollten, um die Förderung des gegenseitigen Handels zu sichern. Da wurden zwischenstaatliche Handelskammern gegründet und Be- rufsoerbände zwischen den entsprechenden Industrien gebildet. Auch die jüngsten Vereinbarungen auf dem Gebiete des Postverkehrs sowie die Versuche, die Wirtschaftsgesetzgebung und die Zoll- Nomenklatur zu vereinheitlichen, und schließlich auch die Bestrebungen, Freizonen in den verschiedenen Häfen der einzelnen Verbündeten einzurichten — alles das hat nichts an der Tatsache zu ändern vermocht, daß der Handelsverkehr dieser drei Länder doch eine andere Richtung genommen hat, eben ine Richtung, die den wirtschaftlichen Tatsachen und Gegebenheiten entsprach.
Als die Kleine Wirtschafts-Entente geschaffen wurde, da sollte sie, nach einem Wort des damaligen tschechischen Außenministers Benesch „eine neue internationale Einheit" werden. Durch die Schaffung eines ständigen Wirtschaftsrates sollte sie den Charakter einer Wirtschaftsgemeinschaft erhalten. Wie ganz anders sieht diese Wirtschaftsgemeinschaft aber heute in Wirklichkeit aus! Statt sich aufeinander einzustellen, haben sich die verschiedenen Nationalwirtschaften der drei Staaten sogar immer mehr voneinander weg entwickelt, so daß man heute von der angestrebten Autarkie der Staaten der Kleinen Entente weiter entfernt ist denn je. Mit jedem Jahre geigt sich jedenfalls immer deutlicher, daß es eben doch unmöglich ist, das Wirtschaftsleben in eine Zwangsjacke zu stecken. Mögen politische Interessen Die Staaten der Kleinen Entente zusammengeführt haben, die wirtschaftlichen Interessen lassen diese drei Staaten immer wieder auseinanDerftreben. Will man zu einer Einigung und zu einer Einhelk im Donauraum kommen, dann wird man andere Wege beschreiten müssen.


