Ausgabe 
4.8.1936
 
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Iraakmchs Gesetz der Zerie«.

23on unterem pp.-Berichtersiaüer.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Anfang August 1936.

Wohl noch nie ist die französische Gesetzgebungs­maschine so produktiv gewesen wie in den letzten Monaten. Die in den Vorzimmern der Minister eingesetztenGehirntruste" arbeiten eine Vorlage nach der anderen aus, die sonst als hemmender Faktor wirkende Bürokratie wird bewußt über­sprungen, und in Kammer und Senat werden die Gesetzesvorlagen in einem Tempo beraten, das früher diesen Körperschaften fremd war. Nur lang­sam werden die französischen Bürger sich dessen be­wußt, vor welche schwierigen Ausgaben sie durch diese Gesetze gestellt werden, was es heißt, sich in eine völlig neue Wirtschafts- und So­zialordnung einzuordnen, nachdem man es bisher besrußt abgelehnt hatte, etwas zu organi­sieren, Gesetze zu begehren unb durchzuführen. In den letzten Wochen mußte jeder rechnen und ver­handeln, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, was künftig verdient werden kann und wieviel man ausgeben kann bezw. muß; in den kommenden Wochen, ja Monaten wird es das gleiche fein, bis endlich Frankreichs Wirtschaft sich auf die neue Ordnung eingespielt hat. Als dies Rechnen und Ver­handeln Anfang Juni einsetzte, war oft die Frage zu hören: Werden wohl die Pariser im Hinblick auf diese Umstellungen auf die üblichen Ferien ver­zichten? Werden sie in Paris bleiben, um die noch kommenden Gesetze abzuwarten und ihre Auswir­kungen festzustellen? Diese Fragen sind durch die Entwicklung mitN e i n" beantwortet.

Stärker als alle anderen Gesetze hat sich das erwiesen, daß die Pariser mit dem 14. Juli in Urlaub gehen, um Frankreichs schönen Som­mer auf dem Lande oder an der See zu genießen. Wie der Franzose streng die Essenszeit von 12 bis 14 Uhr einhält, sich durch nichts beirren läßt, jede Arbeit, und die noch so wichtige, mit dem Glocken­schlag 12 für zwei Stunden des Mittagessens ab­bricht, wie der Rhythmus des Pariser Tageslaufes bestimmt ist durch diese Essensstunde, so der des Jahres durch diesen 14. Juli. Mag es Mitte, Ende Juni und Anfang Juli noch so drückend heiß sein, der Pariser hält es aus bis zum 14. Juli. Den 14. Juli verlebte er gemäß dem Programm des Tages: morgens sieht er sich die Parade an, nach­mittags politisiert er, in den ersten Abendstunden erfreut er sich am Feuerwerk und dann wird in die Nacht hinein auf den Pariser Straßen getanzt und gejubelt. Ab 15. Juli wird für den Land­aufenthalt gerüstet. Ende Juli sind alle, die es sich leisten können, irgendwo draußen. So ist es auch in diesem Jahr. Kammer und Senat haben zwar die goldenen Regeln des französischen Lebens durch­brochen, sie tagen noch. Aber jeder empfindet es als eine Sünde wider den heiligen Geist, und alle, vor allem die Journalisten, die auch gern dem dumpfen Paris entfliehen möchten, hoffen, daß die parlamentarischen Körperschaften bald Schluß machen. Die bürgerlichen Wohnviertel sind jetzt, Ende Juli, schon wie ausgestorben. Das Leben ist auf ein Zehntel des normalen gedrosselt. Die Fenster der Wohnungen sind durch die eisernen Jalousien abgedichtet, die Garagen sind leer, der Autover­kehr ist stark zusammengeschrumpft, immer, größer wird die Zahl der Läden, die geschlossen sind und durch einen Anschlag wissen lassen, daß die In­haber erst im Laufe des September zurückkommen. Auf einen genauen Termin hat sich kaum einer fest­gelegt. Wenn es nach dem tristen Hochsommer den so ersehnten schönen Nachsommer geben sollte, dann bleiben eben die Pariser Einzelhändler bis tief in den September hinein draußen, denn sie wissen, daß die Mehrzahl ihrer Kunden gleiches tut. Sie wissen ferner, daß es nützlicher ist, wenn sie ihren Ver­wandten und Freunden bei der Erntearbeit helfen, wenn sie stundenlang sorgenlos an den Ufern der

Loire sitzen, um zu fischen, wenn sie so das täg­liche Einerlei des anstrengenden Pariser Lebens vergessen und dem so geliebten Lande etwas näher sein können.

Bisher konnten nur selten Arbeiter der Groß­betriebe auf Urlaub gehen. Nur in mehrfamiliären Unternehmungen" war dies möglich; viele Dienst­mädchen beanspruchen z. B. einige freie Wochen, Reinmachefrauen erklären Mitte Juli, daß sie für vier Wochen aufs Land gehen, und die Inhaber kleiner Werkstätten haben oft nichts dagegen, wenn ihre Gehilfen wohin fahren, denn in der Ferien­zeit ist in Paris nicht viel zu tun. Die Arbeiter der Großbetriebe haben aber erst jetzt durch die neuen Sozialgesetze den bezahlten vierzehntägigen Urlaub erhalten. Viele Unternehmer wollen ab Ende Juli oder Anfang August für 14 Tage den ganzen Be­trieb schließen. So ist es z. B. in den Textilstädten des Nordens, in Roubaix und Tourcoing, wo die Arbeiter am 25. Juli für 14 Tage in Urlaub fahren konnten und die Löhne im voraus ausbezahlt er­hielten, insgesamt etwa 7 Millionen Mark. Die Stadtverwaltung wollte, daß das Geld gemäß dem Prinzip:Kaufe im Orte" in den Städten bliebe. Sie haben viel vorbereitet und organisiert, vor allem musikalische und sportliche Veranstaltungen. Einige Arbeiter sind denn auch zu Hause geblieben, um zugleich die Wohnungen gründlich zu reinigen ober ähnliches zu tun, aber bie meisten gehen aufs Lanb, am liebsten zu Verwandten, in Orte, wo sie

chre Jugend verbracht haben. Gering ist dagegen bie Zahl derer, bie wandern, um zu wandern, um etwas Neues zu sehen; es sind meistens Jugend­liche, die sich in kleinen Trupps zusammengeschlossen, einen alten Wagen gemietet haben und irgendwo campen wollen, was der neueste Sport der Fran­zosen ist.

Das bewußte Wandern und Reisen will der Unterstaatssekretär für Freizeitgestaltung, L a - grange, organisieren. Ihm ist hierbei die deut­scheKraft-durch-Freude"-Bewegung Vorbild, wie es in Deutschland geschieht, so will Lagrange in Frankreich Sonderzüge unb Sonber- bampfer fahren lassen, bamit bie Pariser Arbeiter an bie Riviera ober burchs Mittelmeer nach ben narbafrikanischen Kolonien zu billigen Preisen reisen können. Er hat es durchgesetzt, daß jeder während seines vierzehntägigen Urlaubs auf den Eisen­bahnen 40 v. H. Fahrpreisermäßigung erhält, vor allem will er Jugendherbergen schaffen, damit die junge Generation auf Reisen und Wanderungen sich zerstreuen unb bitben kann. So werben bie französischen Ferien ein anberes Gesicht bekommen. Bisher suchte man den Mann bes Volkes in den Bade- unb Kurorten vergebens. Diese sinb nur auf ben wohlhabenden Franzosen unb auf reiche Aus- länber eingestellt, so daß bas Reisen in Frankreich eine teure Angelegenheit ist. Auch hier muß jetzt neu gestaltet werben.

AllMzuwachs bei den hefflschen Sparkaffen.

Fwb. Der Hessische Sparkassen- und Giroverband hat nach seinem Bericht für das Geschäftsahr 1935 einen Zuwachs an Spareinlagen bei den hessischen öffentlichen Sparkassen um 14,7 (8,5) auf 303,8 (289,1) Mill. RM. durch einen Einlageüber­schuß von 5,5 (5,6) unb burch Zinsgutschreiben von 9,2 (9,5) Mill. RM. zu verzeichnen.

Damit sind 72 (69) v. h. des Standes von 1913 wieder erreicht.

Bei 2,19 v. H. Anteil der hessischen Einwohner­zahl an der des Reiches gemessen beträgt der An­teil der Spareinlagen gegenüber denen des gesamten Reiches 2,22 (2,34) v. H. Die Giroeinlagen sind auf 30,9 (28,1) Mill. RM. angewachsen. Es entfielen durchschnittlich 502 (466) RM. Guthaben auf ein Sparbuch einschl. der Aufwertungssparbücher. Die Zahl der Sparbücher ist auf 605 000 (620 000) zu­rückgegangen; sie liegt damit auf 184 (188) v. H. des Standes von 1913.

Auf ben Kopf der hessischen Bevölkerung ge­rechnet entfielen 214 (204) RM. Spareinlagen gegenüber 207 (189) R7N. im gesamten Reichs- burchfchnitt.

Die Kreditbewilligungen betrugen 12,59 Mill. RM. durch 7557 Kredite. Darunter sind 9,99 Mill. RM. Arbeitsbeschaffungskrebite enthalten. Die Werbung für ben Spargebanken würbe durch die einzelnen Kassen fortgesetzt, einige haben sich des Schulspar­wesens besonders angenommen. Der Zinssatz für normale Spareinlagen wurde ab 1. März 1935 mit 3 v. H. für allgemein verbindlich erklärt. Es bleibe abzuwarten, wie sich diese Maßnahme aus­wirke, zumal das Publikum in weitem Umfange 4,5prvzentige Wertpapiere und noch höher verzins­liche kaufen könne. Auch das Zinsvvraus von 0,5 v. H. der Genoffenschaftsinstitute könne sich zum Nachteil der Sparkassen auswirken. Entsprechend dem Gemeindeumschuldungsgesetz wurden bis 1. August 1934 von ben angeschlossenen Sparkassen 9,86 Mill. RM. Umschuldungsangebvte angenom­men unb 0,56 ober runb 5 v. H. bes Gesamtange­bots abgelehnt. Verlängerungsvereinbarungen zu 4 bis 4,5 v. H. Zins würben über 0,8 Mill. RM. außerhalb des Umschulbungsgesetzes bis zu biefem Termin getroffen. Vom 1. August 1934 bis 31. Dezember 1935 mürben weitere Umfchulbungsan- gebote von 2,62 Mill, angenommen unb von 0,17

abgelehnt unb schließlich daneben zum Zinssatz von 4 vis 4,5 v. H. in Höhe von 2,79 Mill. RM. ver­längert. In der lanbwirtschaftlichen Entschuldung waren 832 Verfahren anhängig, bavon schweben noch 595. Auch bie zweite Hälfte ber Aufwertungs­guthaben würbe auf bem Verorbnungswege in­zwischen freigegeben, wobei weitere 20 v. H. ab 1. August 1935 unb bie restlichen 30 v. H. ab 1. April 1936 zur Rückzahlung gekünbigt wurden.

Bei der Barliquidität haben von den 36 Spar­kassen Ende 1935 7 das vorgeschriebene Soll erreicht, 9 Sparkassen lagen zwischen 80 bis 100 v. H., 4 zwischen 60 und 80 v. H.» 2 zwi­schen 40 und 60 v. h. und 14 unter 40 v. H.

Was bie Gesamtliquibität anbelange, so hätten 11 Sparkassen bas vorgeschriebene Soll erreicht bzw. überschritten, 5 ftanben zwischen 80 bis 100 v. H., 11 zwischen 60 unb 80 v. H., 5 zwischen 40 unb 60 v. H. unb 4 unter 40 v. H.

Buntes Allerlei.

Der vielgeliebte Storch.

Ein englischer Zoologe wirft die Frage auf, warum der Storch, der doch angeblich auch die kleinen englischen Babys bringt, in England selber gar nicht auf die Welt kommen will. Man hat auf alle Art versucht, ihn in England einzubürgern unb heimisch zu machen, boch sinb bie Versuche, von Ostpreußen gesandte Bruteier in Reihernestern aus« brüten zu lassen, leider fehlgeschlagen. Die Reiher wollten durchaus keine Storcheneier ausbrüten. Jetzt hat man zwei Dutzend junge Störche in Eng­land ausgesetzt in der Hoffnung, daß sie gedeihen unb nächstes Jahr zum Nest wieberkehren werben. Don jeher hat ber große Vogel allgemeines Inter­esse unb Liebe gefunben. Die alten Perser unb Araber batierten ihre Kalenber nach ben regel­mäßigen Ankunftszeiten ber Störche im Frühling. In ber Bibel schon lesen wir:Der Storch in ben Wolken bes Himmels kennt feine vorgeschriebene Zeit." In Fez in Marokko war ein Storchhospital errichtet worben, dessen reiche Mittel nur dazu dienen sollten, kranken Störchen Hilfe und Pflege zu verschaffen oder ein ehrenvolles Begräbnis, wenn sie tot waren. Ueberall auf dem Kontinent

finden sich die Heimstätten der Störche. Glücklich unb stolz ist überall der Lanbmann, auf dessen Dach ein Storch nistet, denn es ist ein Zeichen da­für, daß bie Glücksgötter ihm halb finb; in man­chen Bauerngehöften legt man große Wagenräber auf hohe Stangen, um ben Storch zu verlocken, auf biefem sicheren Funbarnent fein riesiges Nest zu bauen.

Unlängst würbe berichtet, mit welche aufopfern» ber Liebe sich bie Störche um bas Leben ihrer Jungen bei Gelegenheit eines Branbes besorgt zeigten. Sie tauchten im nahen Teich unter, bis ihr Gefieber tropfnaß war, unb flogen roieber unb mieber zu ihrem gefährbeten Nest, um bie Jungen mit einem Sprühregen aus ihren Febern zu über­schütten. Es gelang ihnen so, ihre Jungen zu ret­ten. Merkwürbig ist auch bie folgenbe Geschichte von einem Storchengericht. Auf einem Dachfirst war ein Storchennest mit fünf Eiern. Diese wür­ben von unbebachten Menschen burch Gänseeier er­setzt unb von ber Störchin ahnungslos ausgebrü­tet. Der männliche Storch jedoch verließ empört über die Bastarde das Nest. Er kehrte mit einigen Rächern zurück; mit großem Geklapper wurde ber Störchin bas Urteil gesprochen, unb balb starb sie unter Schnabelhieben, währenb bas Nest zerstört unb in alle Winbe verstreut wurde.

Da staunen Sie!

Es gibt in ben Vereinigten Staaten nicht weniger als elf Spucker-Klubs. Darunter oerfteht man brü­hen Vereinigungen vonSportsleuten , bie Wett­kämpfe anstellen, wer am weitesten spucken kann. Wenn es Wettkämpfe gibt, muß es natürlich auch Champions geben, bie in ben regelmäßigen Wett­kämpfen, bie von ben Klubs ausgeschrieben werben, ihren Titel erwerben müssen. Dabei gibt es sogar noch Unterschiebe bes Kampfes, je nachbem man ein bestimmtes Ziel treffen muß ober nur bie größte Entfernung anstrebt. Der Rekorb steht gegenwärtig auf 19,39 Meter; er ist nach drei Versuchen von John H. Borgston ausgestellt worben, Borgston ist ein alter Seemann; man glaubt nicht, baß fein Re­korb sobalb überboten werben wirb.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

An ber Rückseite bes skanbinavischen Tiefbruck- Wirbels überflutet eine lebhafte westliche Luftströ­mung bas Festlanb mit kühlen, aus nörblichen Mee­resgebieten ftrömenben Luftmassen. Bei noch immer unter bem jahreszeitlichen Normalwert liegenben Temperaturen kommt es neben Aufheiterung viel­fach zu örtlichen Nieberfchlägen. Da sich jetzt wieder höherer Luftoruck über bem Festlanbe aufbaut, ist mit langsam fortschreitenber allgemeiner Besserung bes Wetters unb auch roieber etwas höher ansteigen­den Temperaturen zu rechnen, wenn auch Bestän- bigkeit für längere Zeit noch nicht abzusehen ist.

Aussichten für Mittwoch: Vielfach auf­geheitert unb allgemein trocken, Temperaturen we­nig geänbert, westliche bis nordwestliche Winde.

Aussichten für Donnerstag: Fort­schreitende Wetterbesserung bei abflauender Luft­bewegung, Tagestemperaturen höher ansteigend.

Lufttemperaturen am 3. August: mittags 18,4 Grad Celsius, abends 13 Grad; am 4. August: morgens 13,8 Grad. Maximum 19,4 Grad, Minimum heute nacht 10,1 Grad.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik unb für bie Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. Lange; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: i. V. Hans Thein. D. A. VI. 36: 9400. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- unb (Steinbruderei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags

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wurde uns nach kurzer, schwerer Krankheit auf der Reise in Birken­feld a. d. Nahe durch den Tod entrissen.

Büdingen, den 2. August 1936.

Die Beisetzung findet am Mittwoch, dem 5. August, nachmittags 4 Uhr, von der Friedhofskapelle in Büdingen aus statt.

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