Ausgabe 
4.5.1936
 
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der

Aus der Provinzialhauptstadt

Gie-

Äuskünften imstande sind. Der Kraftwagen wurde

zu dieser Veranstaltung.

Dankbar und sehr angeregt durch die Fülle schönen Eindrücke verlieh man das Haus.

ist es nun auch ein ganz und gar berlinisches Tier geworden.

Es ist schwer zu sagen, was diesen Namen so wertvoll macht. Schusterjungen mit zu großen Ohren heißen Orje. Aber es ist nicht das allein. Es ist jene unnachahmliche Mischung von Ironie und Scherz, die das Merkmal der berlinischen Sprache ist und die nur der richtig hört, der selber Berliner ist, mag er nun aus Pillkallen, Böpflingen oder Dippoldiswalde stammen.

Denn Berlin ist niemandes Heimat, aber jeder­manns zweite Heimat. Hier reißen wir ab, was wir anderswo stehenlassen müssen. Aber hier bauen wir auch auf, was wir zu bauen anderswo keinen Platz haben. Hier brauchen wir nicht steif und würdig zu sein. Hier dürfen wir jung und unver­schämt sein. Hier wollen wir mal zeigen, was 'ne Harke ist. Und wenn die Harke neun statt sieben Zinken hat, wie andere Harken, dann sind wir un­bändig stolz. Und dies ist im Grunde genommen ein Zeichen dafür, daß der Berliner naiv ist. Was die anderen über ihn denken, ist dem Berliner, wie er so schön sagt, ziemlich schnurz. Er hat die ande­ren alle ja recht gerne. Und jedenfalls ist es sehr viel besser, mit großer Sicherheit eine Sache falsch zu machen, als schwankend und zweifelnd zufällig das Richtige zu treffen.

So können wir einem, der sich immer noch über uns ärgert, nur den Rat geben, entweder wegzu­fahren oder Berliner zu werden. Es gibt wenig Menschen, die das nicht erlernen können. Orje, das Elefäntchen, jedenfalls wackelt mit den Schuster- jungenoyren und ist mit uns völlig einer Meinung.

ächzenden Ton aus, stand langsam auf und betastete sich.

Es ist Ihnen doch nichts geschehen?" rief Eleo­nore,fehlt Ihnen was?"

Professor Hall stieß einen zweiten ächzenden Ton aus. Sein Blick suchte ängstlich am Boden entlang. Allerdings", flüsterte er,mir fehlen aber nein, da sind sie ja schon, meine" er ergriff die beiden erschrecklich anzusehenden blutigen Fleischstücke, die da, aus dem Papier gefallen auf dem Pflaster lagenmeine Nieren!"

In diesem Augenblick nun fiel, wie schon gesagt und wer hätte es an ihrer Stelle nicht getan? Fräulein Eleonore in eine tiefe Ohnmacht.

Hans Riebau.

In Verbindung mit der Jubiläumsfeier der ßener Frrfeur-Jnnung fand um die Verbunden­heit des Gießener modenschaffenden Handwerks darzutun am Abend eine große Modenschau statt, die sich für die Veranstalter zu einem großen Erfolg gestaltete. Die Modenschau war mit soviel Liebe und Sicherheit vorbereitet worden, sie trug ein so persönliches Gepräge, daß man nur wünschen

Parkplätze für Verliebte.

Es handelt sich hier nicht etwa um einen Scherz, sondern um einen ganz ernst gemeinten Vorschlag. Ein junger Mann namens Henry Meade aus Kan­sas City hat in aller Öffentlichkeit den Wunsch aus­gesprochen, daß abseits der Städte Parkplätze an­gelegt werden, die lediglich von verliebten jungen Leuten benutzt werden sollen. Es ist nicht jedermanns Sache, unter den wachsamen Augen der künftigen Schwiegermutter zarte Beziehungen anzuknüpfen und jeden Besuch bei der Angebeteten im Salon abzustatten. Der temperamentvolle junge Liebhaber von heute vereinbart mit dem jungen Mädchen, dem sein Herz gehört, mit besonderer Vorliebe eine Auto­fahrt, bei der er, sicher das Steuer führend, unter Beweis stellen kann, daß er auch der richtige Lenker ihres Lebensgeschickes fein werde. Begleiten wir ihn auf feiner Fahrt aus dem Derkehrstrubel hinaus aus die Landstraße. Nach einer Weile sucht er eine Stelle, wo er eine Weile parken kann. Kaum aber hat er mit seiner Liebeserklärung begonnen, wird er ge- stört. Wagen um Wagen sausen an dem Verliebten vorbei, und immer wird dem jungen Fahrer be­deutet, daß hier kein Parkplatz sei. Statt einer Stunde ungestörter Aussprache muß er sich in Strei­tereien einlassen, bis schließlich ein Polizist auftauchr und das Parken an verbotener Stelle mit einer empfindlichen Geldstrafe ahndet. Muß das sein- Henry Meade kommt darum zu der Forderung: Schafft Parkplätze für Verliebte!Wenn es meöf Verliebte gäbe und mehr Gelegenheiten für sie, sich miteinander ungestört zu unterhalten", sagte er, dann würde es besser um diese Welt bestellt sein. Mein Plan wird sicherlich unter jungen Leuten all­gemeine Zustimmung finden!" Vielleicht macht

I Kansas City einmal einen Versuch?!

kann, das Gießener modeschaffende Handwerk möchte gerade aus dieser Veranstaltung die An­regung gewinnen, in dieser Art öfter an die Oef- fentlichkert zu treten.

Der Saal des Gesellschaftshauses war überfüllt und muhte etwa um die Zeit des Beginns der Schau polizeilich geschlossen werden. Für die Gie­ßener Innungen, Die in Gemeinsamkeit die Schau trugen, dürfte dieses große Interesse eine schöne Anerkennung darstellen. Jnnungsmeister G ö tz hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Reichsinnungs­meister Renz sprach in kurzen Sätzen davon, wie sich das Handwerk mehr und mehr darauf besinne, sich zu Entschlüssen durchzuringen. Er gab einen kurzen Rückblick auf vergangene Zeiten, sprach über die Uebersetzungen in einzelnen Berufen und den damit verbundenen Leistungsrückgang, stellte die Bedeutung der individuellen handwerklichen Lei­stung heraus und wies auf den Reichshandwerker­tag hin, der in größtem Rahmen neue Anregungen guch für das mvdeschaffende Handwerk geben soll.

Unter der anregenden, humorvollen und in ihrer Form recht glücklichen Ansage von Paul Nieren szum Teil auch Carl Ludwig Linds), wurden dann in einer bunten Reihe viele Kleidungsstücke vor­geführt. Mäntel in geschmackvollen modischen For­men, Pelzmäntel gediegenster handwerklicher Ver­arbeitung, Nachmittags- und Abendkleider, Sport­kleidung, Sportkostüme und -kleider, Straßenkleider mit und ohne Capes, große und kleine Gesellschafts­kleider das alles zog in buntem Wechsel und

Schulanfang und Sparsamkeit.

Eine neue Generation von Abcschützen ist jetzt allerorts in die unterste Klasse der Schule einge­treten. Mit strahlenden Augen sahen sie dem gro­ßen neuen Ereignis in ihrem kleinen Leben ent­gegen. Viele Jahre lang wird die Schule, werden Lehrer und Lehrerinnen sie betreuen und ihnen den Weg in den Beruf ebnen. Mancher Vater und manche Mutter mag sich bei diesem neuen Wendepunkt im Leben ihrer Kinder die Frage vorgelegt haben, mit welchen Mitteln dem Kinde der Eintritt in das Berufsleben später ermöglicht werden soll. Eine Frage beherrscht alle Eltern: Wo nehme ich die erforderlichen Mittel her, um dem Kinde über die eigentliche Schulzeit hinaus die Möglichkeit zu einer vertieften Ausbildung und Fortbildung zu geben und ihm das Fortkommen zu erleichtern, ihm viel­leicht einen Weg zur Selbständigkeit oder zu ge­hobenen Stellungen zu weisen? Unzählige Bei­spiele zeigen, daß nicht nur die Kinder wohlhaben­der Eltern es auf dem Lebensweg am weitesten bringen, sondern gerade auch diejenigen Kinder, die aus einer Familie mit bescheidenem Lebenszuschnitt stammen. Besonders auch diese Familien machen in ihrer Lebensführung die alte Erkenntnis wahr, daß nicht die Höhe des Einkommens entscheidend ist für die Stellung, die der Mensch im Lebens­kampf erringt, sondern die Fähigkeit, mit dem nun einmal Vorhandenen zu wirtschaften und hauszu­halten. Sparsamkeit ist der Leitgedanke, der un­sichtbar über einer ordentlichen Lebens- und Haus­haltsführung steht. Eben diese Sparsamkeit yilt es der jüngsten Generation sinnbildlich unablässig vor Augen zu führen. Die segensreiche Einrichtung der Schulsparkasse, die dank der opferbereiten Arbeit deutscher Lehrer und Lehrerinnen in den Schulen weitgehend Eingang gefunden hat, ist an ihrem Teil dazu berufen, Erziehungsarbeit an deutschen Buben und Mädchen zu leisten. Die Schulsparkasse macht viele Kinder erstmalia mit dem Sparen be­kannt; denn es gibt leider heute noch Familien in Deutschland, in denen eine Sparkasse oder ein Spar­kassenbuch fehlt. Seit über 100 Jahren haben sich die Sparkassen die Verbreitung und Vertiefung des Schulsparens angelegen fein lassen. Jeder Pfennig den ein Kind seiner Schulsparkasse anvertraut, trägt nicht nur dazu bei, die heimische Kapitalbildung um ein geringes zu fördern, sondern gibt auch dem kleinen Sparer Selbstvertrauen und das Bewußt­sein eigener Leistung. Der Schulbeginn, der Tau­sende und aber Tausende von jungen Menschen in ein neues Leben, in einen Pflichtenkreis einführt, ist wie wenige andere Gelegenheiten dazu angetan,

Berliner Brief.

Von Peter Bamrn.

Es hat Leute genug gegeben, die glaubten, über die Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Witze machen zu dürfen. Aber mit den Landschaften ist es wie mit den Frauen. Sie sind immer schön, wenn man sie liebt. Und mit der Landschaft der Mark kann man sogar in einer recht glücklichen Ehe leben. Die Berliner sind bereit, den Sonnenaufgang über Madeira, das Alpenglühen, den Sonnenunter­gang über der Lagune von Venedig zu bewundern, aber Berliner! Hand aufs Portemonnaie? was ist das alles gegen die weißen Segel an einem Juniabend auf dem Wannfee, wenn sanft ein Tango über die Wellen schwebt und der Wasserturm von Schwanenwerder erhaben im Strahl der Sonne glüht. Der Turm von S. Marco ist an und für sich poetisch. Der Wasserturm von Schwanenwerder wird es erst durch die poetische Kraft des berlinischen Gemüts.

Neuerdings bauen wir wieder. Mit einem un­gemeinen Vergnügen reihen wir die halbe Stadt ein und sind glücklich, sie dann anders wieder auf­bauen zu dürfen. Dies ist als ein kindlicher Zug an der berlinischen Seele aufzufassen, denn man muß schon bis zu den Sandburgen der Pimpfe am Strand von Misdroy wandern, um etwas Aehnliches wiederzufinden.

Eine besondere Rolle spielen dabei die Berliner Bäume. Es sind keine gewöhnlichen Bäume. Ge­wöhnliche Bäume stehen fest an Ort und Stelle und brauchen zwanzig Jahre, bis sie groß sind. Die berlinischen Bäume sind reine Märchenbäume. Sie werden manchmal drei Meter nach links oder vier Meter nach rechts verschoben, je nachdem wie die Verkehrsdezernenten geschlafen haben. Manchmal auch bekommt eine ratzekahle Straße über Nacht zwei Reihen prächtiger Linden, die auf Kommando airfmarfd)ieren, wie die Grenadiere Friedrichs des Großen. Auch leben die berlinischen Bäume nicht von Sauerstoff und Sonnenstrahlen, sondern von Auspuffgasen und Bogenlicht. Aber es sind eben wackere Bäume, die sich, wie der Berliner selber, brav durchs Leben schlagen, komme, was will.

Berlin liegt an einem Fluß. Das freilich weih man mehr aus der Geographiestunde als aus der Erfahrung. Die Beziehungen des Berliners zur Spree sind mehr philosophischen als tatsächlichen Charakters. Freilich, von der Jannowitzbrücke weiß noch ein jeder, daß es sich um die Spree handelt. Der Osten ist eben im ganzen genommen solider

unter häufigem starkem Beifall an den Augen der auf das Angenehmste überraschten Zuschauer vor­über. Zum Teil gab es Kleider aus selbstgewebten Stoffen mit Verzierungen, in Handarbeit gefertigt, zu sehen. Vor allem aber fielen zahlreiche Klei­dungsstücke durch ihre sichere geschmackliche Gestal­tung angenehm auf. Mit großem Interesse verfolgte man auch die sehr geschickten Vorführungen von Herren-Garderobe. Die Damen und Herren (fast durchweg aus Gießen und fast alle den Besuchern der Schau bekannt), die die Kleider vorführten, ent­ledigten sich auf sehr geschmackvolle unaufdringliche Weise ihrer Aufgaben.

Neben der Damen- und Herrenschneider-Innung, neben der Kürschner-Innung und dem veranstalten­den Friseurgewerbe trug auch die Putzmacher- Jnnung mit schönen Hüten zur Vervollständigung des guten Eindrucks bei. Eine Steigerung erfuhr der Abend durch einige künstlerische Darbietungen. Während Herr Paul Nieren mit einigen humor­vollen Scherzen und Herr Lind mit zwei kleinen lustigen Liedchen aufwartete, führte Fraulem Hagemann mit zwei Darbietungen ausMi­gnon undCarmen" die dankbaren Zuhörer in das Reich der großen Gesangskunst. Reichsinnungsfuh- rer Renz dankte im Schlußwort dem Snnungs- obermeister Götz für die Initiative und Tatkraft

furchtbare Begebenheit.

Fräulein Eleonore, frisch und fröhlich wie immer, hat morgens um neun Uhr ihr schnittiges Kabriolet bestiegen. Um neun Uhr zehn aber ist sie in eine tiefe Ohnmacht gefallen, und das kam so:

Gerade als das rote Licht an der Ecke Leopold- ftraße und Marktplatz sich in ein gelbes verwandelte, verließ Professor a. D. Hall den Laden des Metzger­meisters Kranzing und aing, ein kleines Fleischpaket unter dem Arm, mit schnellen Schritten über die Straße. Ebenso schnell aber denn inzwischen war das grüne Licht aufgeflammt schoß Fräulein Eleonores Wagen in die Straßenkreuzung und an­schließend gegen die linke Flanke Professor Halls. Der Stoß war, da Eleonore sofort die Bremse trat, nicht allzu stark. Immerhin aber, Professor Hall fiel wie vom Blitz getroffen um. Eleonore sprang, nach Ueberroinbung der Schrecksekunde, aus dem Wagen und beugte sich über den Professor. Der stieß einen

er die Glückwünsche der Handwerkskammer, der gesamten Handwerker des Kreises Gießen und des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen. Als äußeres Zeichen der engen Verbundenheit zwischen der Friseur-Innung und den übrigen Handwerkern überreichte er das Bild von Potsdam, das, den verstorbenen Generalfeldmarschall von Hindenburg und den Führer in der Garnisonkirche zu Potsdam zeigt. Weitere Glückwünsche wurden von zahlreichen Innungen der Nachbarstädte und von der Gehilfen­schaft ausgesprochen.

Den Dank der Friseur-Innung brachte Obermei- fter Götz zum Ausdruck, wobei er noch einmal mit herzlichen Worten der Dankbarkeit auf die großen Taten unseres Führers Adolf Hitler hinwies, durch dessen Werk Deutschland gerettet wurde. Mit freudiger Begeisterung stimmte die Versammlung in das vom Obermeister ausgebrachte dreimalige Sieg-Heil auf den Führer ein. Mit dem Ausmarsch der Fahnengruppe fand die Feier ihren Abschluß.

Frisieren imVezirks-Weltbewerb

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der be­ruflichen Höchstleistung. In den Räumen des Ge­sellschaftsvereins fand sich eine große Menge von Zuschauern ein Fachleute und Laien_ bie dem Bezirksausscheidungs-Frisieren mit größtem Interesse folgten. Etwa 25 Wettbewerbsteilnehmer hatten sich mit ihren Modellen eingefunden und rangen vor den kritischen Augen maßgebender Fachleute um den Sieg. Die Teilnehmer waren als die Besten ihrer Innungen in Stadt und Land des Bezirks festgestellt worden und hatten nun im ge- steigerten Leistungswettbewerb in Können zu zeigen.

An einem langen Tisch, vor vielen Spiegeln nah­men die Modelle Platz. Es war ein erfreuliches Bild, das sich nun den Zuschauern bot. Mit einer bewundernswerten Geschicklichkeit der Hände wurde hier gearbeitet, mit sicherem Blick überprüften die Friseure ihre Arbeit, während die Preisrichter den Verlauf der Arbeit beobachteten und in ihren ein­zelnen Phasen bewerteten. Jeder der Wettbewerbs­teilnehmer hatte eine durchaus gängige Strahen- frifur zu zeigen, diese Frisur in eigener schöpfe­rischer Arbeit zu entwickeln, in vollendete Harmonie zu Kopfform, Haarfarbe, zum Typus, ja, darüber hinaus auch zur Kleidung der Trägerin zu bringen. Das Ergebnis war ein sehr befriedigendes. Nach dem Abschluß der Frisierarbeit nahm die Prüfungs­kommission eine Nachprüfung vor, die den Zweck hatte, seftzustellen, ob die Frisur auch hält, d. h. ob sie von der Trägerin nachgekämmt werden kann, ohne daß sich im Fall des Haares Veränderungen ergeben. Als zweite Aufgabe des Wettbewerbs war eine Perücke aufzusetzen. Auch hier zeigten die Teil­nehmer eine überaus sichere Arbeitsweise.

Reichsinnungsmeister Renz, der es sich nicht nehmen ließ, die Veranstaltung in ihrem ganzen Ablauf aufmerksam zu verfolgen, wies in einer kurzen Würdigung darauf hin, daß sich der Lei­stungsstand gegenüber dem Vorjahre sichtlich ge­hoben habe. Er betonte, daß es notwendig sei, dieses Leistungsniveau zu heben, nicht nur um der Wirtschaftlichkeit des Gewerbes, sondern auch um des Kunden willen, um der Hebung unserer Kultur der Erscheinung willen. Den ersten Siegern des Wettbewerbs wurden schöne Preise zuteil. Auch der Oberbürgermeister unserer Stadt hatte einen Preis geftrftet.

Das Ergebnis des Wettbewerbs:

1. Gruber, Frankfurt a. M., 140 P.; 2. Schmidt, Auerbach, 107 P.; 3. Jung, Wiesbaden, 105 P.; 4. Mueller, Kassel, 95 P.; 5. Wenninger, Gießen, 94 P.; 6. Rodemich, Michelstadt, 79 P.; 7. Stoffener, Mainz, 79 P.; 8. Schnegelberger, Hanau, 74 P.; 9. Limbacher, Marburg, 70 P.; 10. Mader, Bad Homburg, 70 Punkte.

Die große Mdenslhau.

als der Westen. Aber dann trifft man mal hier ein Wasser, mal da ein Wasser, und ich glaube, daß es sehr viel mehr Berliner gibt, die brauchbare Aus­sagen über den Lauf der Welt machen könnten, als Berliner, die über den Lauf der Spree etwas Zu­verlässiges zu sagen wüßten.

Jetzt soll die Spree wieder ein wichtiger Fluß werden, eine Lebensader, wie man so Jagt. Dafür muß natürlich wieder eine Menge abgerissen werden und da sind wir ja denn auch alle wieder sehr dafür.

Die Spree hat nur wenigen Dichtern Anlaß ge­geben, sie mit schwungvollen Worten zu preisen. Ja wahrscheinlich sind mehr Poeten in sie hinem- gesprungen, als es Lieder über dieses karge Wasser gibt. Sie ist ja auch man mickrig. Niemand weiß so recht, wo sie herkommt. Und ihr Ende in der Havel ist auch nur so ein besserer Selbstmord.

Dabei ist Berlin eine reine Lagunenstadt, und es gibt in Berlin mehr Brücken als in Venedig. Aber jetzt werden wir die Spree zu hohen Ehren erheben und die Fremden sollen staunen, was für ein enormes Flüßchen das ist. Auf den Spree- terrassen werden wir bann viele Bäume aufmar­schieren lassen und wundervolle Kaffees begründen. Die Kölner werden blaß und beschämt nach Hause fahren.

So wie die berlinischen Bäume und der berlinische Fluß durch die Zivilisation ihren besonderen Cha­rakter gewinnen, so ist auch die übrige berlinische Natur ganz eigener Art.

Wiesen werden quadratmeterweise gepflegt in Form von Vorgärten. Blumen wachsen fünfund­zwanzig Meter hoch an kahlen Steinwänden auf Fensterbänken, wo kein Edelweiß mehr Wurzel fassen könnte. In einem Vorgarten sah der Chro- nist eine Katze in der Sonne sitzen es war in den köstlichen Tagen des späten Februar, die trug um den Hals einen Bindfaden, der, acht Meter lang, durch das Fenster in die Stube führte und am Pedal eines Klaviers festgemacht war. Dies war eine ganz und gar berlinische Katze.

Aber jetzt haben die Berliner ein neues Spiel­zeug, und sie sind einfach selig damit. Das ist der neugeborene kleine Elefant im Zoo.

Dieser Elefant, ober vielmehr biefes Elefäntchen, mußte natürlich einen Namen haben. Man hätte ihnMaharabscha" nennen können oberAbu Kaid" ober vielleicht auchMichael", alles schöne Namen für einen Elefanten. Sicherlich hat ber Chef bes Zoos eine Direktionssitzung abgehalten, um sich mit seinen Mitarbeitern über ben Namen zu unterhalten. Aber bie Berliner sinb ihm zuvorge­kommen. Das Elefäntchen heißtOrje" unb bamit

ben Geist der Sparsamkeit und des Verantwortungs­bewußtseins für die Volksgemeinschaft auch in den jüngsten Gliedern des Volkes zu wecken.

Dornotizen.

Tageskalender für INonlag.

NSG.Kraft durch Freude": 18 bis 19 Uhr und 19 bis 20 Uhr Tennis. Gloria-Palast, Seltersweg: Hauptmann Sorrell und sein Sohn". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Die luftigen Weiber". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brand- platz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken van Fritz Heidingsseld, Danzig, und P. A. Böckstiegel, Dresden.

Der Zirkus Atthosf

macht in unserem heutigen Anzeigenteil nach einmal auf fein am morgigen Dienstag in Gießen begin­nendes Gastspiel aufmerksam. (Siehe Anzeige.) Da­bei sei auch vermerkt, daß die Reichsbahn von allen Bahnhöfen der Umgegend Sonderfahrkarten nach Gießen ausgibt.

Amt für Volkswohlfahrt.

Ortsgruppe Gießen-Mtte.

Setr.: Lebensmittelopferring.

Am Mittwoch, 6. Mai, werden die Spenden Pfundsammlung durch die NS. Frauenschast ein­gesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den In­halt ber Päckchen auf ber Umhüllung kenntlich zu machen unb bie Mitgliebskarten zur Quittungsein­zeichnung bereitzuhalten.

Wiedersehensfeier

der aktiven Zetdkompanie 4./116.

Man berichtet uns: Monatelanges, ja jahrelanges

Aus allen Briefen klang es: Wir müssen uns wie- berschen! So würbe ber Boben vorbereitet für die Erfüllung des Wunsches. Zwei Weihnachtsrundbriefe mit Berichten über und von Kameraden brachten ein Zusammentreffen zum Vorschlag. Die Gießener Kameraden übernahmen die Ausgestaltung der Feier aufgebaut auf kameradschaftlicher Hilfe. Voller Be. geifterung spendeten zahlreiche Mitglieder der Kom­panie unaufgefordert Beiträge, damit Minder- begüterte bie Stunde des Wiedersehens miterleben konnten.

So fand nun am gestrigen Sonntag in Gießen eine schlichte und eindrucksvolle Feier statt. Auf den Ruf des Kompanieführers zum Sammeln eilten aus nah und fern die alten Kompanieangehörigen zu­sammen, rund 100 Mann. Auch das Saargebiet sandte den ehemaligen Gefreiten Schaub ((Befreiter Schwung), jetzt Kreisleiter und M. d. R. ImBaye­rischen Hof" begrüßte Kamerad R ö h r die Erschiene­nen mit den Worten:Wir gehören zusammen und bleiben zusammen. Wir sind kein Verein aber eine Kameradschaft, gebunden durch das gemeinsame Er­lebnis." Mit Stolz konnte er feststellen, daß der gute, gesunde und alte Geist gewahrt geblieben war, unb wünschen, baß der Kompanie-Familientag bei allen in guter Erinnerung bleiben möge. Dann gedachte er durch Namensnennung der mehr als 200 Toten der Kompanie. Uebergehend auf die heutige Zeit feierte er den Führer als den Retter Deutschlands, als den Kriegskameraden, der uns den Glauben an unser Vaterland roiebergab. Einstimmig würbe Röhr be­auftragt, bem Führer herzliche Grüße alter Front- (ameraben zu überfenben.

Nach einem- kräftigen Eintopfgericht erfolgte ge­meinsamer Gang zum Denkmal bes J.-R. 116, wo Kamerab Bellos mit kurzen, markigen Worten ber Toten gebuchte, einteitenb mit einem Gebicht von von Wallenberg, beginnend mit den Worten:

Niemals aber ward erreicht, was dem deutschen Fußvolk gleicht! Aeußere Ehren kennt es nicht, kennt nur seine harte Pflicht.

Ernst das Auge, blaß die Wangen, leise in den Tod gegangen, wo des Vaters Leid verdorrt, folgt der Sohn unb spricht kein Wort.

Darauf legte er ihnen zu Ehren im Namen ber Versammelten einen Kranz nieber.

Im Schützenhause würben bann noch einige frohe Stunben verbracht, ausgefüllt mit Erinnerungen an bie Kriegszeit unb mit frohen ©olbatenliebern. Kreisleiter Schaub feierte in begeifternben Worten die Kompaniekamerabschaft und die Saartreue zum Vaterland.

So verlief bie Wiebersehensfeier in schönstem Ein­vernehmen. Beim Abschieb kam lebhaft zum Aus- bruck, baß recht halb roieber bie 4./116 sich zusammen- finben möge in noch größerer Anzahl.

55. Hauptversammlung des VHE

LPD. Der Gesamt-Vogelsberger Hohen-Club hält am 6. unb 7. Juni feine 55. Hauptversammlung in Schlüchtern ab. Am Samstag, 6. Juni, finbet nachmittags bie Beiratssitzung statt, am Abenb folgt ein Deutscher Abenb. Für Sonntag, 7. Juni, früh, ist ein Festgottesbienst vorgesehen, um 9 Uhr be­ginnt die Hauptversammlung. Den Abschluß ber Tagung bilben nachmittags ein Umzug unb ein Volksfest. Zu der Tagung sind alle VHC.-Zweig- vereine, sowie die übrigen Gebirgs- unb Wanber- oereine eingelaben.

** E i n Autounfall, besten Ursachen noch völlig im Dunkeln liegen, wurde im Laufe ber letz­ten Nacht burch eine zufällige Beobachtung festge­stellt. Wo bieser Unfall passiert ist und wie es dazu kam, entzieht sich bis jetzt noch der Kenntnis der Polizeibehörde. Das Unglücksauto wurde beim Fahren im nordöstlichen Stadtviertel angehalten, weil an bem Wagen nur eine Lampe brannte. Als die Beamten zwecks näherer Feststellung an ben Wagen herantraten, bemerkten sie, baß auch bie Tür bes Autos abgerissen war und die drei In­sassen stark bluteten. Alle drei wurden nach der Klinik verbracht, wo sie mit erheblichen Verletzun­gen darniederliegen, bis jetzt aber noch nicht zu

Vorarbeiten, ehe die Saat reifte. Wie kam es zur Tat? Harte Kriegsjahre in Frankreichs Fluren. Lei­den, Sterben, unb aus all bem Grauen heraus er­wuchs bie Kamerabschaft in ihrer schönsten Form. Wer diese Zeiten miterlebt hat, kann sie nicht ver­gessen. Immer unb immer roieber nehmen bie treuen Kameraben von uns Besitz, wir müssen an sie ben» ken. Der Wunsch entsteht, bie ßebenben wieberzu- sehen, berer, bie ihr Herzblut für das Vaterland Hin­gaben, zu gebenten im Kreise treuer Kamerabschaft. Immer stärker finbet bies Sehnen Ausbruck bei ben ehemaligen Offizieren unb Mannschaften. Ganz be» sonbers bei Kamerab Karl Rohr, Kompanieführer ber 4., von 1914 bis 1916. Mit rührigem Eifer sam­melt er bie Anregungen, ein lebhafter BriefwechselZiusrunften imjianoe jino. d entstaub zwischen ihm und ben ehern. Angehörigen. | von der Polizei sichergestellt.

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