Ausgabe 
4.5.1936
 
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Nr. M Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 4. Mai 1936

Don der Spree zum Manzanares in 10 Stunden

3«r Eröffnung der neuen Lustlinie BerlinMadrid.

Von unserem P.^.-Sonderberichterstatier.

Die Deutsche Lufthansa hat mit Beginn des Som­merslugplanes die im vorigen Jahre eröffnete täg­liche Flugverbindung Berli nB a r c e - Iona bis nach Madrid verlängert Die Gesamtreisezeit für diese Strecke von 2216 Kilo­meter beträgt unter Einrechnung der vier Zwischen­landungen von je 20 Minuten 11 Stunden 15 Mi­nuten, die reine Flugzeit also knapp 10 Stun­den, während der Expreßzug BerlinParis- Madrid etwa 40 Stunden benötigt. Es ist daher begreiflich, daß sich die neue Flugstrecke bei dem internationalen Publikum bereits in der ersten Woche einer außerordentlichen Beliebtheit erfreut und daß die Flugzeuge stets ausverkauft sind.

Spanische und deutsche Schriftleiter hatten, wie gemeldet, bereits Gelegenheit, die großen Vorteile dieser schnellen Verbindung zwischen der deutschen und der spanischen Hauptstadt kennenzulernen, ebenso aber auch die herrlichen Eindrücke dieses Fluges über dem schönsten Teil deutschen Landes, entlang der schweizerischen Alpenkette, hinweg über das schöne Rhontal und über den Golf von Lyon, entlang der Küste des Mittelländischen Meeres und schließlich quer durch Südspanien bis Madrid.

Mit einer der bewährten dreimotorigen Junkers­maschinen J u 52, die nun auf allen europäischen Flughäfen wohlbekannt sind, starteten wir morgens 7.40 Uhr auf dem Flughafen Tempelhof. Mit einer Geschwindigkeit von 240 Stundenkilometer erreichten wir in weniger als einer halben Stunde bei Wit­tenberg die Elbe und stiegen dann auf über 2000 Meter Höhe. Bei strahlend blauem Himmel und herrlich wärmender Sonne lag unter uns eine prächtige schneeweiße Wolkendecke, die uns den An­blick der Erde auf eine Stunde entzog, bis wir den Main überflogen. Um 10 Uhr wurde die schwäbische Hauptstadt Suttgart sichtbar. Auf dem Flughafen Stuttgart-Böblingen nahmen wir eine kurze Zwi­schenlandung zur Paß- und Zollkontrolle vor. Dann ging der Flug weiter über den südlichen Schwarz­wald, über den fast 1500 Meter hohen Feldberg, ein herrliches Panorama, das auch die Vogesen und die schneebedeckten Alpen einschließt. Bei Basel flogen wir über den Rhein. Wie Silber leuchtete im Glanz der Sonne der Schnee von den Gipfeln des Pilatus und der Jungfrau herüber. Dann lag unter uns in tief blauer, fast violetter Farbe der Neuchateler See. Gleichzeitig mit Lausanne, dem internationalen Konferenzort, bot sich der Genfer See mit seinen herrlichen Ufern unseren Blicken dar.

Nach einer kurzen Zwischenlandung auf dem Flughafen Genf-Cointrin folgten wir mit unserer schnellen Maschine dem Lauf der Rhone. Die Glet­scher des 4800 Meter hohen Montblanc sind dem bloßen Auge deutlich erkennbar. 4000 Meter hoch flogen wir an der langen imposanten Alpenstraße entlang, hinweg über den Weltkurort Aix-les-Bains, die französische Universitätsstadt Grenoble im Tale der Psere und über die Kalkhochflächen der Pro­vence. Eben lag noch unter uns die alte Papst­stadt Avignon, da erblickten wir schon das weite Mittelländische Meer. Unter uns Marseille, die große Hafenstadt, und im Osten deutlich erkennbar Frankreichs großer Kri-sgshafen Toulon.

Im Flughafen Marseille-Marignane abermals eine kurze Zwischenlandung. Beim Weiterflug war­fen wir schnell noch einen Blick auf den von vielen Schiffen belebten Hafen Marseilles, auf die sumpfi­gen Lagunenlandschaften, auf die weite Niederung des Rhone-Deltas, dann ging es ein weites Stuck hinaus auf das blaue Meer, quer durch den Golf von Lyon. Weitab liegen die gartenbestandenen fruchtbaren Ufer, die Städte Montpellier und Per­pignan. In unendlicher Weite dehnt sich das offene blaue Meer unter uns. Klein und bescheiden er­schienen die Schiffe, die wir mit spielender Leichtig­keit überholen. Bei Eap de Creus näherten ^wir^

uns wieder dem Lande. Wir sahen die Ausläufer der Pyrenäen, die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Das fruchtbare Katalonien tauchte auf, und als wir den zerklüfteten Montserrat, den Schau­platz der Grals-Legende inmitten einer großartigen Landschaft erblickten, lag unter uns auch schon Barcelona, die wichtigste Hafen- und Industrie­stadt Spaniens, die Hauptstadt der vier katalani­schen Provinzen.

Auf dem Flughafen Barcelona-Prata del Llob- regat wiederum eine kurze Zwischenlandung. Von den Unruhen, die Spanien gegenwärtig erschüttern, war hier nichts wahrzunehmen. Wir sahen nur einige Männer der Guarda zivil mit umgehängten Gewehren und einige Franziskanermönche, hie ebenfalls eine Luftreise machen wollten.

Wieder nahm uns die Ju 52 auf, diesmal zur letzten Etappe des großen, Länder und Völker ver­bindenden Fluges. Nochmals ging es eine gute Strecke Weges entlang der herrlichen Meeresküste mit unendlichen Weinbergen und Gärten. Von Tarragona ab flogen wir dann landeinwärts und kreuzten bald darauf den Ebro, lieber Hunderte von wild zerklüfteten Berggipfeln ging es weiter über ein fast unbewohntes und unerschlossenes weites Gebiet, in dem wenige Schafhirten in klei­nen Lehmhäusern ein kärgliches Dasein fristen.

Im Kampf um die Deutsche Fußball­meisterschaft wurden in den vier Gaugruppen die Rückrunden begonnen.

In Gruppe 1 steht der Sachsenmeister Polizei Chemnitz nach einem von 25 000 Zuschauern be­suchten Heimspiel gegen den Berliner SV. 92 mit 8:0 Punkten an der Spitze. Berlin führte bei der Pause 1:0, mußte sich aber dann doch mit 4:1 ge­schlagen geben. Der deutsche Meister Schalke, der zwei Punkte hinter Chemnitz liegt, bereitet sich an­scheinend auf eine Entscheidung nach dem Torver­hältnis vor, denn er konterte die Allensteiner Sol­daten mit 7:0 (4:0) nieder und folgt hinter Chem­nitz mit 6:2 Punkten auf dem zweiten Platz.

In der G r u p p e 2 setzte sich der Schlesienmeister Vorwärts-Rasensport Gleiwitz an die Spitze. Die Schlesier gingen keinen leichten Gang nach Bremen, schlugen aber dort vor 16 000 Zuschauern den Niedersachsenmeister Werder Bremen mit 4:2 (2:1). Hinter den mit 6:2 Punkten führenden Schlesiern teilen sich Bremen und Eimsbüttel in den zweiten Platz. Nordmarkmeister Eimsbüttel siegte vor nur 4000 Zuschauern knapp mit 2:1 (0:0) über den Pommernmeister Viktoria Stolp.

In Gruppe 3 führt der 1. FC. Nürnberg weiter ohne Niederlage. Am Sonntag mußte vor 7000 Zuschauern in Nürnberg der immer noch punktlose Mitte-Meister Jena mit 3:0 (1:0) daran glauben. Wormatia Worms sicherte sich durch einen zu hoch ausgefallenen Sieg mit 6:2 (4:0) über die Stuttgarter Kickers den zweiten Platz.

In Gruppe 4 steht Fortuna nach vier ge­wonnenen Spielen ohne Minuspunkt an der Spitze, was außer den Düsseldorfern bisher nur den Chem­nitzer Polizisten gelang. Diesmal siegte Fortuna vor nur 8000 Zuschauern mit 3:0 (1:0) über den Kölner CfR. Im zweiten Spiele des Tages gewann der SV. Waldhof mit 1:0 (0:0) vor nur 3000 Be­suchern gegen Hanau 93. Der Gruppensieg und da­mit die Teilnahme an der Vorschlußrunde wird Fortuna Düsseldorf kaum noch zu nehmen sein.

Lange dauerte es, bis die Gegend wieder ein freundliches Aussehen annahm, bis kleine Sied­lungen und Ortschaften mit Olivenhainen auftauch­ten. Dann plötzlich sahen wir grüne fruchtbare Täler und Höhen, genossen einen herrlichen Aus­blick auf gesegnetes fruchtbares Land. Am Hori­zont dann ein gewaltiges Häusermeer: Das Ziel unserer großen Reise, die spanische Haupt­stadt war erreicht. Auf dem modern eingerichteten Flughafen Madrid-Baragos erfolgte zu flug- planmäßiger Zeit die Landung.

Nach einer 16 Kilometer langen Autofahrt durch menschenreiche Vororte erreichten wir das Zen­trum der Hauptstadt mit seinen herrlichen breiten Straßen, prächtigen Palästen und Kirchen, mo­dernsten Baulichkeiten fast amerikanischen Stils. Gewaltiger Verkehr herrschte in den Straßen. Nur langsam gewöhnten wir uns an das typisch süd­ländische, temperamentvolle und laute Treiben die­ser Stadt, in der von den Revolutionswirren wenig zu bemerken war. Der Spanier geht seiner Arbeit und seinem Vergnügen nach.

In 1114 Stunden haben wir vier große Länder überflogen, haben eine Strecke von mehr als 2200 Kilometer zurückgelegt. Raum und Zeit sind durch das modernste Verkehrsmittel zusammengeschrumpft. An der Entwicklung des europäischen Flugverkehrs hat die Deutsche Lufthansa einen hervorragenden Anteil. Besonders die Verlängerung der Strecke BarcelonaMadrid ist in Spanien freudig be­grüßt worden, denn der bisher schnellste Zug brauchte in dieser gebirgsreichen Gegend eine Fahrzeit von 14 Stunden, mit dem Flugzeug aber schafft man die Entfernung nun in zwei Stunden.

Spiele um den DIB.- Bereinspokal.

Im Kampf um den DFB.-Vereinspokal fand die zweite Hauptrunde statt, bei der weitere Vereine der Gauliga ausschieden, und zwar Phönix Lud­wigshafen, Borussia Neunkirchen, Karlsruher FV., VfB. Mühlburg, Sportfreunde Stuttgart, BC. Augsburg, Kurhessen Kassel, SV. Bad-Nauheim, Germania Fulda, Borussia Fulda, Spielvgg. Fürth und Eintracht Trier. Sportfreunde Eßlingen und Kurhessen Marburg erreichten nach Verlängerung nur entschiedene Ergebnisse und müssen ihre Spiele wiederholen.

In Hessen kam das Treffen zwischen Spiel­verein und Tura Kassel nicht zum Austrag; die Begegnung wird am 9. Mai nachgeholt. SC. 03 Kassel besiegte dieKurhessen" mit 3:0. Der VfB. Friedberg hatte Mühe, bei dem dem Abstieg ver­fallenen SV. Bad-Nauheim 2:1 gewinnen zu kön­nen, Hessen Bad Hersfeld siegte nur 1:0 über Ger­mania Fulda und Borussia Fulda mußte sich dem bayrischen Gauligaverein FC. Schweinfurt mit 1:4 beugen. Kurhessen Marburg war in Wetzlar und erreichte gegen den dortigen Spv. nach Verlänge­rung nur ein 2:2, so daß der Kampf wiederholt werden muß. Außer den genannten Siegern steht noch Eintracht Windecken in der dritten Runde.

Aufstiegsspiele in Hessen.

kewa Wachenbuchen wird Gauliga.

Die erste Entscheidung in den hessischen Aufstieg­spielen ist gefallen: Kewa Wachenbuchen schlug SV. Naunheim überraschend hoch mit 7:0 (4:0) Toren und wurde damit Erster der Gruppe Süd, wird nun also zur Gauliga aufrücken. Das für den Aufstieg bedeutungslos gewordene Treffen zwischen VfR. Limburg und VfR. Büdingen gewann Lim­burg ebenfalls haushoch mit 8:1 (4:0). In der Gruppe Nord hat sich die Lage ebenfalls fast ge­klärt, wenn auch die letzte Entscheidung noch aus­

steht. Niederzwehren besiegte den FV. Wallau und hat nunmehr 8:2 Punkte, braucht also aus dem ausstehenden Spiel nur noch einen Zähler, sofern Elm seine beiden Treffen noch gewinnt. Der für Sonntag angefetzte Kampf Reichsbahn Elm gegen SC. Eschwege mußte ausfallen.

Epielvereinigung 1900 Eiehen.

1900poft-Merfur Ffm. 1:6 (0:2).

Mit Post-Merkur hatten die Blau-Weißen einen guten Griff getan. Wir sahen lange keine Mann­schaft, die ein solch ausgeprägtes Spiel zeigte. Neben einer gewissen Körperbeherrschung, die die Voraussetzung für einen Spieler ist, demonstrierte die Elf technisches und taktisches Fußballspiel. Nicht gebunden an ein bestimmtes System, sondern den Verhältnissen anpassend. Neben flachem Zuspiel sah man halbhohe Vorlagen, diese jedoch mit einer Ge­nauigkeit, daß die Präzision nicht vernachlässigt wurde und der Fluß des Spieles gehemmt wurde. Anders dagegen die Blau-Weißen. Hier offenbarten sich von allem Anfang Mängel. Besonders im Sturm traten sie klar in Erscheinung. Kaum ein Kombinationszug kam zustande. Entweder er ging direkt an die Füße des Gegners oder er war zu ungenau, so daß der Nebenspieler ihn nicht er­reichen konnte. Umstände, die sich sehr unvorteil­haft auswirken und dem Gegner die Aufgabe er­leichtern.

Der Spielverlauf: Mit dem Wind im Rücken er­spielen sich die Blau-Weißen einen kleinen Vorteil. Lippert, der sich überraschend schnell in die Auf­gabe des Mittelläufers einfindet, setzt die Flügel mit entsprechenden Vorlagen geschickt ein. Doch bald zeigten sich die ersten Mängel. Der Sturm ist nicht in der Lage den Ball zu halten. Hierdurch ge­winnen die Gäste mehr und mehr an Boden und bald ist eine Ueberlegenheit unverkennbar. In der 25. Minute kommen die Postsportler zum ersten Erfolg. Ein Schuß von Linnighäuser in das rechte obere Dreieck kann Schmidt wohl noch berühren, doch vom Pfosten sprinat der Ball ins Netz. Ver­mehrte Anstrengungen der Blau-Weihen brachten wohl einige Chancen. Hierbei blieb es jedoch, denn es wurde immer augenscheinlicher, daß der Sturm nicht in der Lage war, Erfolge zu erzielen. Das zweite Tor der Frankfurter fiel durch einen Straf­stoß von der Strafraumgrenze. Gegen den Schuß war Schmidt machtlos.

Nach dem Wechsel schien sich die vorgenommene Umstellung bei 1900 vorteilhaft auszuwirken. In der 50. Minute gelang es Enders, den Vorsprung der Gäste zu verkürzen. Bald zeigte es sich jedoch, daß diese Annahme falsch war. Das Strohfeuer war schnell abgebrannt. Die Gäste, die vorüber­gehend mit nur zehn Mann spielten, sind nun klar überlegen. In regelmäßigen Abständen fallen die Erfolge. Beim dritten Tor war Zeiler zwar etwas behilflich, dafür waren die anderen Treffer Früchte mustergültiger Kombination. Besonders das letzte Tor, übrigens das schönste des Tages, war Beispiel für restloses Ausnutzen der Erfolgsmöglichkeiten.

Post-Merkur zeigte eine äußerst gleichmäßige Mannschaftsleistung. Der geistige Inspirator der Geschehnisse war Linnighäuser. Wenn er auch nicht mchr der überragende Könner früherer Zeiten ist, seine Handlungen jedoch sind immer noch produktto.

Bei den Blau-Weißen konnten nur Lippert, Zeiler, Schmidt und Ranft befriedigen. Jäger war durch eine Verletzung gehindert und die anderen schienen von allen guten Geistern verlassen. Das Fehlen von Heilmann machte sich stark bemerkbar. Schiedsrichter Holzapfel (Lich), ein Nachwuchsmann, entledigte sich geschickt seiner Aufgabe.

Fußball im Ausland.

In Bern: Schweiz Spanien 0:2 (0:0); in Brüssel: Belgien Holland 1:1 (0:1); in Budapest: Ungarn Irland 3:3 (1:2).

Zwei Niederlagen der Hockey-National-Elf.

Die Hockey-Nationalelf, die am Samstag in Frankfurt a. M. gegen eine Elf des Gaues Süd­

Um die Deutsche Fußballmeisierschast.

ersten Dichtungen, mitten drin im Erleben, unter den Kameraden, entstanden neben den drängenden Forderungen der Zeit. Da schreibt er seine Lieder, weil er sie schreiben muß, dennDichtung ist das Brot der Seele eines Volkes, und auch die Seele hungert und durstet und darf nicht ungestraft ver­gessen werden. Dichtung erhebt das Tagesgeschehen in großen Bildern in die Geschichte und in die Ewigkeit, sie trägt das Wesentliche aus dem Schwall der Dinge und deutet den Sinn im gärenden Ge­schehen."

Diese Aufgabe kann aber nur der erfüllen, der im Tag lebt, sich nicht gewollt vereinsamt, sich nicht einhüllt inpathetisches Unverstandensein, der höch­stens noch im engsten Zirkel ästhetisch durchgluhter Intellektueller seine Heimat findet".

So redet Schumann in seiner Dichtung das Volk selbst an, in der Dichtung, die zwei große Themen kennt- Gestalter des Marschtrittes der Nation zu sein undMund des gewaltigen Sturmes, der durch unser Volk braust", und dannRufer sein 3ur Stille, zur inneren Sammlung'. Wenige Bande erst umfaßt Schumanns Werk. Der erste:Ein Weg führt ins Ganz e", m dem Schumann Gedichte aus den Jahren 1927 bis 1933 Zusammen- faßt. Es ist darin noch viel Unruhe und Suchen, aber in jedem Lied ist schon derreine Klang. Neben Stimmungsgedichten,Der Frühling oderSchwä­bische Alb", stehen hier zum erstenmal dieLieder vom Reich". Darin ist der Schritt vollzogen vom Ich" 3umWir":

Und ich war einer. Und das Ganze floß.

Und siehe: aufwärts schwang die neue Brandung. Und mit der Strömung war ich gut und groß Und hingegeben und durchstieß die Wandung Und brach eratmenb vor aus Damm und Deich. Verlor mich selbst und fand das Volk, das Reich.

Da erwächst die Verpflichtung: Das Reich. Um die Gestaltung des Weges zum Reich ringt Schumann schon Jahre vorher in dem Drama D a s R e l ch . Der Kampf des Jahres 1931 ließ kaum Zeit, lebe Zeile bis in alle Einzelheiten durchzuformen und es etwa ausreifen zu lassen für eine Buhuenaus- sührung, aber es ist trotzdem soviel unmittelbares Erleben darin, dem er in seinenLiedern vom Reich" dann letzte gültige Fassung gab. So blieb das Drama ein Dokument des Kampfes und des Glaubens". Schumann macht keine billigen Zuge­ständnisse, verlangt kein muheloses Leben, er weiß von der menschlichen Not und dem Menschenleid und von der Unruhe des Lebens, die immer wie­der Kampf fordert und kein fchmachliches Verzich­ten kennt.

Der Dichter Gerhard Schumann.

Von Erich Langenbucher

Der junge Dichter Gerhard Schumann erhielt für feinen GedichtbandWir aber sind bas Korn" ben nationalen Buchpreis 1935/36. Er ist Mitglied des Reichskultur­senates.

Unsere Haltung ist glühend solbattsch, leiden­schaftlich und geformt. Wir wollen eine Dichtung schaffen, die der heroischen Lebenshaltung und Welt- auffassung unserer Bewegung gemäß ist, und wollen gleichzeitig die marschierende Bewegung zur En­tehr rufen, zu ben stillen Quellen ber Tiefe. Wir wollen eine Kunst, beren Heroismus nicht Fassade bleibt sonbern notwendiger Ausdruck einer glühen­den Innerlichkeit ist. Wir sind Soldaten die an der Spitze marschieren. Wir sind wenige. Aber die Be­wegung ist groß, und das deutsche Volk ist jung.

Diese Worte aus dem Bekenntnis des jungen Gerhard Schumann umreißen die Welt, aus ber sein dichterisches Werk entstanden ist. Unb ber, ber in biesem Werk nach Liedern sucht, die diese Forde­rungen nicht erfüllen, wirb lange suchen müssen, Gerharb Schumann vergißt sein en Auftrag auch nicht in Liebern, bie man alsprivate oberfülle 2tCT®XÄumann? Er will nicht wehr sein als einer, ein Ruser aus der lungen Mann- chast des Volkes, lieber sein Leben ist nicht viel ,u laaen- Das Neckarstädtchen Eßlingen ist ferne Heimat darf wurde er 1911 geboten, bie Verfahren »"toÄKX ÄwX SW ihm deutsches Schicksal und deutsche Kunst immer bie erste Stelle einnahmen, unb er fahrt öarm fort ,S° wurden mir früh unsere große und le^olle SSSliü besucht bie Seminare m seinen Weg

württembergische Studentenschaft zu l > >

dann als Obersturmbannführer an der Sp tze der 216. SA.-Standarte. Heute ist Schumann al ii turreserent in der Landesstelle Württemberg

'°ntst°nd-n sein«

Was er in benSiebern vom Reich" begonnen hat, führt er höher in bem ZyklusDie Reinheit bes Reiches" des BandesFahne unb Stern". Hier steht im Mittelpunkt bie Sorge bes Kämpfers um bieReinheit bes Reiches", um bas bie Ge­fahr ber Verfälschung und ber Verhändlerung broht. Sie wirb zum Bekenntnis zum Führer, bas in ber heroischen Klarheit seiner Empfinbung unb in ber Wucht seiner Formung seinesgleichen sucht:

Nun aber steht ein Haufe von Entschlossenen, Aus beren Blick ber blanke Wille schießt

Sie träumen nachts vom Blut, bem hingegossenen, Und von bem Führer, welcher einsam ist.

Dem Führer, ber bas bunkle Schicksal trägt,

Und von bem Acker, ber nach Männern schreit, Unb von bem Strom, ber in bie Grenze schlägt, Und von bem Bruber, ber bie Schuld verzeiht."

In diesem Bändchen finden wir auch jenes Lied: Wer sich dem Reich verschrieben", bas Bilb biefes Gebichtes wirb sich jebem, ber es lieft, ins Herz ein­brennen.

Anbere Bänbe folgen:Dichtungen für eine Ge­meinschaft" in dem BuchSiegendes Leben", bas zwei Spiele enthält:Tob unb Leben" unb Größe ber Schöpfung", zwei Dinge erfüllen biefe Spiele: ein leibenschaftliches Ja an bas Dasein und der Sieg über den Tod, ber Wille zum Leben in ber Kamerabschast. Darstellungsmäßig bazu gehö­ren bieFeier ber Arbei t" unb bieHelb i- s ch e Feie r".

Der letzte Banb Schumanns liegt erst kurze Zeit vor:Wir aber sinb bas Korn." Mit einem Lieb beschwört er bas Licht, bas Leben, bie Lanb- schast. Im Mittelpunkt stehen bie GebichteRuf unb Antwort", bie zuerst bem Werben bes Men­schen nachspüren (Vater*Mutter"), um einen Gott ringen (Lieber ber Umkehr), um uns bann zuzurufen:Hanble":

Holt bich bas lockenbe Rufen? Wanble bich, Träumer, verwanble bich in taufenb Stufen.

Lache ja! Jauchze ja! Hanble!"

Da erwacht ber Tag mit braufenbem Licht, ber uns ans Werk befiehlt. DieHelbische Feier" unb Lieber, bie wesensmäßig bazu gehören, beschließen ben Banb.

So bietet sich uns Schumanns Werk bar als bas Erlebnis bes Kampfes ber Bewegung, als bie Er­füllung eines vom Volke empfangenen Auftrages, alspolitische Dichtung" von letzter Gültigkeit, in ber bie neuen beutschen Lebensgesetze Form ge­

worden sind und lebendig weiterwirken werden als Anruf unb Aufruf, als Besinnung unb Erinnerung, bie aus einer großen Vergangenheit in eine leuch- tenbe Zukunft burchbricht.

Alles schon dagewesen.

Es ist viel sicherer, im malaiischen Dschungel auf bie Tigerjagb zu gehen, noch bazu ohne Gewehr, als in ben Straßen von Lonbon zu spazieren", erklärte jetzt ein leitenber ßonboner Verkehrsbeamter, Sir Chartres Biron. Er meinte bamit anscheinenb bie Gefahr, bie burch ben starken Kraftwagenverkehr hervorgerufen wirb. Was aber erklärte Livingstone im Jahre 1868:Es ist weniger Gefahr, von Löwen in Afrika verschlungen zu werben, als baß man über­fahren wirb, wenn man burch bie Straßen von Lonbon geht."

Zeitschriften.

D a s Innere Reich" (Herausgeber Paul Alverbes unb K. B. von Mechow, Verlag Langen/ Müller, München) bringt im Mai-Heft u. a. eine neue Erzählung von Franz Tumler, ben burch feine ErzählungDas Tal von Laufa unb Duron" schnell bekannt geworbenen jungen Dichter; biefeGeschichte aus Sübtirol" gilt seinem verlorenen Kinberlanb. Otto Freiherr von Taube verlegt in seinemMärchen von ber Heimat" bie Darstellung bes gleichen Motivs in legendenhafte Vergangenheit. Als Deuter ber Nationalen Kräfte im Lichte ber beutschen Dichtung" erweist sich ber bekannte Literarhistoriker Josef Nob­ler in einem fpürfinnigen unb umfaffenben Aufsatz, ber auch bie Dichtung unserer Tage mit einbezieht. Mit lyrischen Beiträgen finb Friebrich Lubwig Bar­thel, Friebrich Schnack unb Kurt Matthies vertreten. Ernst von Salomon beschließt seinen BeitragNahe Geschichte": er stellt fest, baß ohne eine genaue Kenntnis ber von ihm bargestellten Freikorpskämpfe bie Nachkriegszeit nickt zu verstehen sei. In bie Der- gangenheit ber beutschen Dichtung, bie boch noch unsere Gegenwart ist, führt ein ausgezeichneter Auf- satz bes Gießener Literarhistorikers Karl Vietor über Georg BüchnersWoyzeck", ber sehr geschickt burch eine Auswahl Büchnerscher Briefe ergänzt wirb. Der Maler Franz Bertholb Buchenau spricht vom (Er­leben ber Stille auf bem ßanbe. Seine Silber, von denen ausgezeichnete Wiedergaben das Heft zieren, zeigen, was bie Lanbschaft, bie Heimat bem schaf- fenben Künstler gibt. Das gesamte Heft zeigt in schöner Geschlossenheit bie Kräfte, aus benen vor­nehmlich bas innere Reich ber Deutschen sich speist.