Ausgabe 
4.4.1936
 
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Belgiens zur Aufrechterhaltung des ge­genwärtigen militärischen Zustan - o e» im Rheinland für die Dauer dieser vier Monate bereit. Sie billigt damit den Franzosen für diesen Zeitraum die gewaltige Ueberlegenbeit zu, die ihnen die beispiellose Befestigung ihrer Ost- grenze und ihre Massierung mit Truppen und An­griffswaffen schwersten Kalibers gewährt, ein Ent- gegenkommen, das Deutschlands Wunsch nach einer Verständigung sinnfällig unterstreicht. Ja, die Reichsregierung schlägt weiter die Bildung einer neutralen Kommission vor, die auf Antrag eines der Beteiligten im beiderseitigen Grenzge­biet Feststellungen etwa eingetretener Verfehlun­gen zu treffen hat. Deutschland ist schließlich bereit, ich seinerseits jeder Rüstungsbeschränkung im Grenz- ;ebiet an-mschließen, die seine beiden Nachbarn vor- chlagen. Damit ist dem französischen Bedürfnis nach Sicherheit für den Zeitraum der Verhandlungen über einen neuen Nichtangriffspakt vollauf Rech­nung getragen. Es ist kaum einzusehen, welche wei­tergehenden Wünsche Frankreich noch haben könnte, wenn es die deutsche Gleichberechtigung auf­richtig anerkennt.

Als Ziel der im zweiten Abschnitt spätestens nach den französischen Wahlen also für Anfang Mai von England einzuleitenden Verhandlungen wird, wie schon in der deutschen Note vom 7. März, der Abschluß eines auf 25 Jahren befristeten Nichtangriffs- und Sicherheitspakts zwischen Deutschland und seinen beiden westlichen Nachbarn bezeichnet, unter Garantie Englands und Italiens, gegebenenfalls erweitert durch mili­tärische Beistandsverpflichtungen und ergänzt durch einen Luftpakt. Um diese Fne- denssicherung als Abschluß einer jahrhundertelangen Entzweiung zwischen Deutschland und Frankreich auch im Herzen beider Völker moralisch und psycho­logisch zu untermauern und an die Stelle des Ge­dankens der Erbfeindschaft das Streben nach Ver­ständigung und Zusammenarbeit zu setzen, schlägt der deutsche Frieoensplan, indem er ähnliche Ge­danken des Führers aus seinem großen Friedens­angebot vom Mai 1935 wieder aufgreift, ein Ab­kommen vor, in Jugenderziehung und Literatur alles auszumerzen und zu unter­binden, was dem Gedanken der Versöhnung beider Völker abträglich sein könne. Die Heiligkeit des Vertragswerts soll dadurch besonders unterstrichen werden, daß es den Völkern selb st zur Ab- stimmung vorgelegt wird. Die Völker selbst sollen also durch ihr Votum entscheiden, ob die Verträge ihren Interessen entsprechen und das Ver­söhnungswerk der Regierungen auch dem Volks­willen entspricht. Es ist nicht einzusehen, was die französische Regierung, die stets besonderen Wert darauf legt, als Beauftragte ihres Volkes im Ein­klang mit dem Volkswillen zu handeln, gegen diesen wahrhaft demokratischen Vorschlag einer Volksbe­fragung einzuwenden vermöchte.

Schließlich erneuert Deutschland seine Bereit­willigkeit, mit seinen Nachbarn im O st en und S ü d o st e n Nichtangriffspakte abzuschliehen, auch mit Oesterreich, woraus man in London besonderen Wert legt, und mit der Tschechoslowakei trotz ihrer bedenklich engen militärischen Sinbung an Sowjet­rußland. Dem Argument, daß das Reich den West­pakt so eifrig betreibe, um im Osten freie Hand zu haben, wird also mit diesem Anerbieten der Boden entzogen. Durch seinen Wiedereintritt in den Völ­kerbund würde Deutschland überdies wie zu allen Mitgliedern des Völkerbunds auch zur Sowietunion in ein Verhältnis gegenseitiger Verpflichtungen kommen, das gegen jeden unprovozierten deutschen Angriff die geschlossene Front der übrigen Völker­bundsmächte mobilmachen würde. Um noch dem Einwand zu begegnen, Deutschland erkenne kein Urteil einer internationalen Instanz für sich an, schlägt der deutsche Friedensplan die Bildung eines Schiedsgerichts vor für alle Streitfragen, die sich aus der Beobachtung der Verträge ergeben.

Don dieser so gewonnenen neuen Grundlage einer europäischen Friedenssicherung aus hält die Reichs­regierung dann für den dritten Verhandlungs- abschchtt die Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Rüstungsbeschränkung für mög­lich und nützlich. Sie geht auch hier ganz von den trüben Erfahrungen der vielen Abrüstungskonfe­renzen der früheren Jahre aus, die, weil sie alles auf einmal wollten, gar nichts erreicht haben, sehr zur Befriedigung mancher Teilnehmer, die den Abrüstungsgedanken als solchen durch die Miß­erfolge unzulänglich vorbereiteter Konferenzen dis­kreditieren wollten. Der deutsche Friedensplan sieht infolgedessen auch hier ein schrittweises Vorgehen von der Vermenschlichung des Luftkrieges und der Abschaffung schwerer Angriffswaffen bis zu weiter­gehenden Rüstungsbegrenzungen vor. Eine so in dauernder Zusammenarbeit langsam entgiftete poli­tische Atmosphäre schafft dann auch die erste Vor­aussetzung für eine Gesundung der Welt­wirtschaft, der in einem weiteren Gedanken­austausch der Völker der Boden bereitet werden soll.

Mit diesem wahrhaft konstruktiven Friedensplan des Führers, der das Gemeinsame und Erreichbare ganz in den Vordergrund rückt, hat Deutschland seinenBeitrag" geleistet, um den es in London angegangen war. Nun haben die anderen das Wort. Die Engländer lassen durchweg den Willen erkennen, den Plan als eine geeignete Grundlage für Verhandlungen hinzunehmen, sie möchten nicht nach so vielen versäumten Gelegenheiten vielleicht auch diese letzte ungenützt verstreichen lassen, zu­mal da ihnen der deutsche Friedensplan die Aus­sicht bietet, an einseitigen Bindungen vorbeizukom­men, die ihnen so zuwider sind. Aber auch aus Frankreich hört man nach der ersten Enttäuschung, daß die deutschen Gegenvorschläge nicht durch eine rein negative Einstellung das sehnlich herbeige­wünschte französisch-englische Bündnis ermöglicht haben, Stimmen, die für Verhandlungen mit Deutschland, plädieren und die leitenden Staats­männer warnen, in den ausgefahrenen Gleisen sturer Verneinung zu verharren, während Hitlers produktive Gedanken in der Welt ihre Wirkung tun. Sollte es nicht auch den Franzosen klar werden, daß der Plan des Führers auch für sie das Sprungbrett in den Frieden bedeutet, und daß nur ein wenig Mut dazu gehört, es zu betreten?

In den Reichskultursenal berufen.

Berlin, 3. April. (DNB.) Der Präsident der Reichskulturkammer Reichsminister Dr. Goebbels hat folgende Persönlichkeiten in den Reichskultur­senat berufen: Den Reichs- und preußischen Mini­ster für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Bernhard R u st, den Reichsarbeitsführer Staats­sekretär Konstantin Hier!, den Leiter der Deut­schen Arbeitsfront Reichsleiter Dr. Robert Ley, den Chef der Kanzlei oes Führer der NSDAP. Reichsleiter Philipp Bo uhler, den Stabschef des Obersten SA.-Führers Viktor Lutze, den Reichs- führer SS. Heinrich Himmler, den Reichsjugend­führer Baldur von Schirach und den Dichter Emil Strauß.

Eden wünscht eine pause zur Prüfung der deutschen Vorschläge.

Oie Vertrauensbasis für den Zeitraum der Verhandlungen über die neuen Verträge.

London, 3. April. (DNB.) Vor vollbesetztem Hause erklärte Außenminister Eden über die deut­schen Friedenspläne und die Generalstabsbespre­chungen u. a., ich habe Herrn v. Ribbentrop mitge- teilt, daß die britische Regierung, obwohl sie bis­her nur Zeit für ein Vorstudium hatte, die letzten Vorschläge Hitler als Höch st bedeutsam ansehe, und daß sie eine sorgfältige Prüfung ver­dienten, was wir jetzt zu tun beabsichtigen. Die unmittelbare Frage lautet, welcher Art der nächste Schritt sein soll. Es war klar, daß wir mit den anderen Regierungen in Verbindung treten müssen. Das bedarf einiger Zeit, und in der Tat glaubt die britisch^ Regierung, daß in diesem Augenblick eine Pause wertvoll ist. (Beifall.) Ich betonte Herrn v. Ribbentrop gegen­über, daß unser Ziel ist, die Verhandlungen über eine endgültige Regelung in Fluß z u halten zu versuchen. Ich bat Herrn v. Ribbentrop, dem deut­schen Kanzler zu versichern, daß die britische Re­gierung in dieser Hinsicht keine Bemühung f ch e u e n würde. Gleichzeitig fühlte ich mich ver­pflichtet, ihm gegenüber darauf hinzuweifen, daß die deutsche Regierung für den Uebergangs« zeitraum, für den die britische Regierung ganz besonders um einen Beitrag gebeten hatte, nicht in der Lage gewesen ist, uns entgegenzukom­men. Infolgedessen bleibt die Schwierig­keit, in Europa eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, was eine wesentliche Vorbedingung für erfolgreiche Verhandlungen ist, noch bestehen.

Die Generalstabsbesprechungen. Englands Brief an Frankreich und Belgien.

Der Außenminister wies auf die Verpflich­tungen hin, die England eingegangen fei und er­wähnte die Besprechungen zwischen den G e n e r a l ft ä b e n, die im Interesse dieser Ver­pflichtungen stattfinden sollen. Es muß betont wer­den, so sagte er, daß sich diese Besprechungen nur auf d i e Zwischenperiode beziehen; sie wer­den einen rein technischen Charakter haben und unsere politischen Verpflichtungen nicht vermehren. Dementsprechend übergab ich gestern bem französischen und d e m belgischen Botschafter je ein Schreiben, denen ich eine weitere Mitteilung beifügte, dessen Inhalt ich dem Hause verlesen werde:

Ich habe die Ehre, Eurer Exzellenz einen Brief auszuhändigen, wie er in dem Text der Vorschläge vorgesehen ist, die am 19. März von den Vertretern Belgiens, Frankreichs, Eng­lands und Italiens entworfen worden find. Eure Exzellenz werden zu würdigen wissen, daß die Absendung dieses Briefes in keiner Weife bedeutet, daß nach Ansicht der britischen Regierung die V e r - sohnungsbemühungen, aus die in diesem Briese Bezug genommen wird, ge­scheitert sind. Wie Sie wissen, haben wir heute von der deutschen Regierung gewisse Vorschläge erhalten, die wir Ihren Regie­rungen mitgeteilt haben und denen wir unsere sofortige Erwägung schenken. Inzwischen ist die britische Regierung in Uebereinskimmung mit 8 3 der Vorschläge bereit, ihren General- stab anzuweisen, umgehend mit dem französischen bzw. belgischen Generalstab i n Verbindung z u treten, um die tech­nischen Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die in jenem Paragraphen ge­nannten Verpflichtungen im Falle eines nichtherausgeforderten Angriffes durchgeführt werden sollen. 3tn Auftrage der britischen Regierung habe ich die Ehre, mitzu­teilen, daß dies dahin zu verstehen ist, daß diese Fühlungnahme zwischen den General­stäben für keine der beteiligten Re­gierungen irgendeine politische Verpflichtung aufwirft, noch irgendeine Verpflichtung bezüglich der Organisation der Landesverteidigung. Ich würde mich freuen, von Eurer Exzellenz die Bestätigung zu er­halten, daß Ihre Regierung der gleichen Auffassung ist. Die britische Regierung schlägt vor, daß die Besprechungen zwischen den Generalstäben der beiden Regierungen, die für die Herstellung der fraglichen Fühlung­nahme notwendig sind, in London begon­nen werden sollen. Ich sende gleichlautende Briefe an den französischen bzw. den belgischen Botschafter."

Die britische Regierung hat von dem französischen und dem belgischen Botschafter die Mitteilung er­halten, daß auch ihre Regierungen dieser Auffassung beitreten. Die Zusammenkunft wird stattfinden, sobald die notwendigen Vorkeh­rungen getroffen worden sind. Die britische Regie- rung ist sich vor einiger Zeit schlüssig geworden, daß sie ihrerseits einen Beitrag zur Wiederher­ste l l u n g des Vertrauens leisten muh, das eine wesentliche Vorbedingung für erfolgreiche Ver­handlungen ist. Dies war der Hauptgrund, warum die britische Regierung Stabsbesprechungen mit Frankreich und Belgien beschlossen hat. Diese Be­sprechungen können nach Meinung der britischen Regierung in keiner Weise als einePrä- judizie rung der Regeleung angesehen werden, deren Verwirklichung wir alle wünschen.

Die Erklärung des Außenministers Eden wurde mit lautem Beifall begrüßt. An die Erklärung schloß sich eine kurze Aussprache an. Lloyd George stellte folgende Frage: Kann der Außen­minister dem Unterhaus und dem Volk in bezug auf die Militärbesprechungen versichern, daß nicht beabsichtigt ist, irgend einen dieser Militär­pläne in dem bedauerlichen Falle eines Scheiterns der Verhandlungen wirk­sam werden zu lassen, solange nicht ein nicht herausfordernder Angriff deutscher Streitkräfte auf belgischem ober französischem Boden oorliegt, b. h. ein tatsächlicher Einmarsch in Frankreich oder Belgien? Eden bejahte diese Frage.

Eine weitere Frage des konservativen Abgeord­neten A st o r, ob auch die Regierungen der Do­minions bei den Stabsbesprechungen vertreten sein würden, beantwortete Eden mit der Bemer­kung, daß die Dominions über jede Phase der Stabsbesprechungen auf bem ßaufenben gehalten wurden.

Der Führer der Arbeiterpartei Attlee erkun­digte sich hierauf, ob diese Tatsache nicht ein Grund sei, die Basis der Verhandlungen durch Hinzu- Ziehung der Völkerbundsmächte zu verbreitern, da sonst die Mitglieder des britischen Reiches abseits stehen würden. Eden schloß sich dieser Ansicht an und fügte hinzu, er sei für eine Verbreiterung der Basis. Aber das Unterhaus werde es zu würdigen wissen, daß der Ursprung des vorliegenden Falles die Aufkündi­gung des Locarnooertrages fei.

Die Frage des konservativen Abgeordneten Sanfys, ob auch Italien ähnliche Briefe an die französische und belgische Regierung richtet, wurde von Eden mit bem Hinweis beantwortet, daß er hierüber keine Mitteilungen vor­liegen habe.

Die presse stimmt Eden zu.

London, 4. April. (DNB. Funkspruch.) Die Unterhauserklärung Edens wird von der Londoner Morgenpresse allgemein gebilligt. So schreibt dieTimes", die Erklärung bestätige, was bereits über die Begrenzung der Generalstabsbesprechungen bekannt war. Kein militärischer Plan werde wirk­sam, es sei denn, daß in das französische ober belgische Gebiet tatsächlich einmarschiert wirb. So habe bie Regierung, indem sie ihre Pflichten als Garantiemacht gegenüber Frankreich unb Belgien erfüllt habe, auch b e r britischen öffent­lichen Meinung einige sehr notwendige Garantien gegeben. Wenn die Stabsbespre­chungen morgen fallen gelassen würden, würde die britische öffentliche Meinung das natür­lich allgemein willkommen heißen. So­lange sie aber zur allgemeinen Beruhigung bei­tragen könnten, betrachte man dies mit Gleichmut.

Daily Telegraph" schreibt, jede Sorge wegen des Charakters der Stabsbesprechungen sollte durch' die Erklärung Edens und den veröffentlichten Briefwechsel beseitigt sein. Auch ließen die Be­sprechungen nicht darauf schließen, daß die Ver­suche für eine Versöhnung fehlgeschlagen seien, oder daß sie nicht fortgesetzt werden sollten. Der Zeit­raum zu Ueberlegungen, der durch die bevorstehen­den französischen Wahlen gegeben sei, müsse

zweckmäßig dazu ausgenutzt werden, um eine Einigung über einige Punkte herbeizuführen.

Paris bereitet eine Antwort vor.

Das Ergebnis der Botschafterbesprechung.

Paris, 4. April. (DNB. Funkspruch.) In einer breisiündigen Besprechung haben bie Botschaf­ter von Berlin, London, Rom unb Brüssel nacheinanber Bericht über bie politische Lage erstattet; wie sie sich in ben bekreffenben Länbern nach ben Ereignissen bes 7. INärz ergab. Außenminister F l a n b i n wirb am Samstag zu­sammen mit ben zustänbigen Beamten bes Außen­ministeriums ben Entwurf einer Denkschrift zur Beantwortung bes deutschen Friebensplanes vorberelten. Der RUnister- rat bürste biesen Entwurf am 2H o n f a g end- gültig feftlegen. Die Veröffentlichung wirb zurge­eigneten Zeit" erfolgen. Gleichzeitig wirb erneut bemerkt, ber französische Außenminister werbe bei ber englischen unb ber belgischen Regierung barauf bringen, bah in ber kommenden Woche ent­weder in Paris oder in Brüssel eine Zusammenkunft der Locarnomächte erfolgen soll. Wan glaubt bereits sicher zu fein, daß Rom einen Vertreter zu der Be­sprechung entsenden wird.

3n pariser diplomatischen Kreisen glaubt man, der deutsche Friedensplan interessiere auch andere Staaten als die Unterzeichner von Locarno. Daher sollte der Völker­bund s r a t damit befaßt werden, um die Vor­schläge kennenzulernen und sich darüber auszu- sprechen. Außenminister Flandin werde diese Auf­fassung im Winisterrat vertreten. Gleichzeitig solle der Völkerbundsrat jedoch mit Gegenvor­schlägen befaßt werden. Wan halte es aber für felbslversländlich, daß eine Aussprache der­artigen Umfanges in Genf er st nach den französischen Wahlen erfolgen könne.

Abessinische Rückzugsgefechte.

Italien rechnet mit innerpolitischen Erschütterungen in Addis Abeba.

Asmara, 4. April. (Funkspruch des Kriegs­berichterstatters des DNB.) Die abessinischen Sieges­meldungen südlich des Amba Alatschi werden auf italienischer Seite mit ironischer Heiterkeit ausge­nommen. Die italienische Heeresleitung anerkennt die Tapferkeit, mit der sich die Abessinier geschlagen haben. Ihr angeblicher Sieg habe jedoch nicht den Rückzug des abessinischen Heeres ver­hindern können, dem das erste Armeekorps und das Eingeborenenkorps auf dem Fuße folgen. Im Hauptquartier wird bekanntgegeben, daß d i e Truppen des Negus bereits südlich des Aschangifees stehen, wo sie von den italienischen Bombenflugzeugen unter ftänöi« gern Feuer gehalten werden. Die Nachhut der Abessinier versucht den italienischen Vormarsch nach Möglichkeit aufzuhalten, um dadurch den Rück­zug des Negus zu decken. An dem ganzen Front­abschnitt finden ununterbrochen derartige Rück­zugsgefechte statt. Die von der Front ein­laufenden Berichte melden, daß das ganze Ge­biet südlich des Amba Alatschi buch­stäblich mit abessinischen Leichen be­deckt sei. Ununterbrochen werden abessinische Ver­wundete in die italienischen Feldlazarette einge­liefert. Unübersehbar fei das von den Abessiniern auf ihrem Rückzug zurückgelassene Kriegsmate­rial. Der Kampfgeist der abessinischen Truppen soll, wie Gefangene und die Bewohner der neu be­setzten Gebiete erklären, stark gelitten haben.

Die Bevölkerung der Gebiete um den Aschangi- See gilt als keineswegs negusfreundlich. So hat ein Stamm der Galla einen regelrechten Kleinkrieg, gegen die sich zurückziehenden abessinischen Truppen eingeleitet, lieber das Verbleiben des Negus sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. So heißt es, daß er sich noch inmitten feiner Truppen befinde. Andere Meldungen wollen davon wissen, daß er schleu­nigst nach Dessie abgereist sei, wo ihn der Thronfolger an der Spitze unbeweglicher Truppenoerbände erwarte. In italienischen Kreisen hält man die militärische Lage der Abessinier für verzweifelt. Man ist der Meinung, daß sich die

letzten Niederlagen und der Rückzug des abessini­schen Heeres unweigerlich auf die innerpoli- tische ßaae auswirken werde, die bereits stark erschüttert sein soll. Die Stellung des Negus sei in jeder Hinsicht so gut wie uni) alt» bar geworden.

Die britischen Interessen.

Italien sichert in London volle Achtung zu.

London, 4. April. (DRB. Funkspruch.) Der italienische Botschafter in London, Gran di, hat in einer Unterredung mit Sir Robert Vanfi- tartt die Versicherung abgegeben, daß 3talien alle britischen Rechte und 3nteressen in Abessinien voll respektieren werde. Reuter meldet, daß diese Versicherung einen sehr günstigen Eindruck in London hervorge­rufen habe. Wussolini habe den Präsidenten des 13er Ausschusses Wadariaga seine Bereitschaft mitgeleilt, in Friedensverhandlungen einzutreten, und es fei wahrscheinlich, daß Baron A l o i s i als italienischer Vertreter für die Verhand­lungen mit Wadariaga eingesetzt werde.

Wieder italienische Flugzeuge über Addis Abeba.

Addis Abeba, 4. April. (DNB. ftunffp.) Ein italienisches Bombengeschwader von fünf Flugzeugen überfliegt seit 7.30 Uhr Addis Abeba. Ein Beobachtungsposten will festgestellt haben, daß ein Flugzeug unweit der Stadt a b g e ft ü r 5 t sei. Die Bevölkerung befindet sich in großer Aufregung. Auch der Flugplatz von Addis Abeba wurde von zwei italienischen Flug­zeugen mit ftarfem Maschinengewehr» feuer belegt. Dabei wurde ein abessinisches Flug­zeug fast völlig zerstört. Die Felder in der Umge­bung gerieten in Brand.

740 Reichstagsabgeordnete gewählt.

Oer Gau Hessen-Nassau im neuen Reichstag.

Berlin, 3. April. (DNB.) Nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen vom 29. März sind insge­samt 7 4 0 Abgeordnete gewählt worden. Davon entfallen auf die 35 Wahlkreise insgesamt 723 und auf den Reichswahlvorschlag 17 Abge­ordnete. Der Führer steht an der Spitze der im Wahlkreis 24 (Oberbayern-Schwaben) ge­wählten Abgeordneten, während der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, den Reichs- wahloorschlag anführt.

Im Wahlkreis 33 (Hessen-Darmstadt) wurden folgende 15 Abgeordnete gewählt: R o - s e n b e r g , Alfred, Reichsleiter des Außenpoli­tischen Amtes der NSDAP., Hauptschrifteiter, Ber­lin. H e y s e, Walter, Gauinspekteur, Dipl.-Volks­wirt, Frankfurt a. M. Kern, Fritz, Fabrikarbeiter, Eberstadt. Klo st ermann, Alfred, Kreisamts­leiter z. b. D., Groß-Gerau, v. Lindenfels, Walter, Major a. D., SA.-Brigadeführer, Darm­stadt. Münchmeyer, Ludwig, Reichsredner, Pfarrer a. D., Düsseldorf. Reiner, Heinrich, stellvertr. Gauleiter, Staatsrat, Darmstadt. Rings­hausen, Friedrich, Gauamtsleiter, Ministerialrat, Darmstadt. Ritter, Heinrich, Kreisleiter z. b. V., Oberbürgermeister Gießen. Schmidt, Gustav (Nauheim), SA.-Oberführer, Betriebsleiter, Bad- Nauheim. Schwinn, Wilhelm, Kreisleiter, Landwirt, Oberkainsbach (Odenwald). Seidel, Martin, Hauptamtsleiter, Beauftragter der Partei­leitung, Hannover. Seipel, Wilhelm, Kreisleiter z. b. V., Landesobmann des Reichsnährstandes, Landwirt, Fauerbach v. d. H. (Oberhessen). Dr. Wagner, Richard, Gauamtsleiter, Bauer, Lan-

desbauemführer, Darmstadt.. Wolff, Karl, SS.» Brigadeführer, Berlin.

Der Wahlkreis 19 (Hessen-Nassau) entsen­det folgende 28 Abgeordnete in den Reichstag: Sprenger, Jakob, Gauleiter, Reichsstatthalter, Frankfurt a. M. W e i n r i ch , Karl, Gauleiter, Kassel. Becker (Frankfurt), Willy, Bezirkswalter der DAF., Frankfurt a. M. Becker le, Adolf- Heinz, Diplom - Volkswirt, Frankfurt a. M. Dr. Braun, Rudolf, Apotheker und Chemiker, Kassel» Harleshausen. Burkardt, Dr. Hans, Stellvertr. (Bauleiter, Landnot, Fulda. Dippel, Hans, SA.- Brigadeführer, Hannover. Friedrichs, Helmuth, Hauptamtsleiter, München. G i m b e l, Adalbert, Postsetretär, Frankfurt a. M. Habicht, Theo, Schriftsteller, München. Hildebrandt (Breslau), Richard, SS.-Brigadesührer Wiesbaden. Krawie» l i tz k i, Hans, Kreisleiter, Marburg an der Lahn. Linder, Karl, Bürgermeister, Frankfurt a. M. ßommel, Hans, Landrat, Rod a. d. Weil (Tau­nus). Ludwig, Curt, SS.-Standartenführer, Landwirt, Kassel. Dr. L ü e r, Carl, Präsident der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Main- Wirtschaftsgebiet, Frankfurt a. M. Neef, Her­mann, Leiter des Hauptamtes für Beamte, Regie­rungsrat, Berlin. Oberlindober, Hanns, Reichsführer der NSKOV., Berlin-Wannfee. P u t h, Johannes, Kreisleiter, Bürgermeister, Schlüchtern (Bezirk Kassel). Saupert, Hans, Stabsleiter, München. Schmidt (Kassel), Fritz, SA.-Stan- dartenführer, Bronnzell (über Fulda). Schmidt, Wilhelm Georg (Wiesbaden), Reichshandwerks­meister, Berlin-Südende. S e i b l e r , Walther, Landesbauernführer, Kassel. Stöhr, (Frankfurt),