Aus Natur und Technik.
Volksfluazeuaes schon bedeutend näher. Die Versuche auf diesem Gebiet stecken durchaus nicht mehr im Anfangsstadium, denn schon vor einigen Monaten hat ein Motor, der stark genug ist, um ein einwandfreies Starten zu ermöglichen und der auch sicheres Fliegen ohne Unterstützung durch Hangoder Thermikaufwinde gewährleistet, die amtliche Musterprüfung bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt bestanden und ist sofort in Reihenanfertigung genommen. Es handelt sich um einen luftgekühlten Zweitakt-Zweizylinder von 18,5 PS Leistung und 26 Kilogramm Gewicht, der in der Stunde nur rund 8 Liter Brennstoff verbraucht, also in dieser Beziehung einem normalen Kleinauto gleicht. Die Leistungen dieses Motors entsprechen den oben gekennzeichneten Voraussetzungen, und da ein solcher „Motorsegler" sich bei Serienfabrikation auf etwa 3 0 0 0 Mark stellt, beim Selbstbau einzelner Teile aber noch erheblich billiger ist, kann man hier schon von einem „Volksflugzeug" sprechen. An der Vervollkommnung dieser Flugzeugart wird rastlos weitergearbeitet. Professor Georgii vom Deutschen
Forschungsinstitut für Segelflug konnte bereits mitteilen, daß man in Darmstadt an einer Bauform arbeitet, bei der sich der Motor vollkommen in den Rumpf versenken läßt, um die Segelfähigkeit nicht zu vermindern.
Ein anderer Gedanke, der nicht so sehr in Deutschland als in anderen Ländern verfolgt wird, geyt davon aus, die Erfindung des Spaniers Don Juan de la Cierva weiterzuentwickeln. Cierva hat bekanntlich das Windmühlenflugzeug, das „A u t o - atro" erfunden, dessen Vorteile vor allem bei beschränkten Lande- und Startmöglichkeiten nicht außer acht gelassen werden dürfen. Ohne Zweifel bietet auch das Prinzip der Windmühlenflugzeuge Vorteile, kann man doch mit diesen Maschinen bei Windstille mit 10 bis 15 Meter Anlauf vom Boden freikommen und ebenso mit einem unglaublich kurzen Auslauf landen. Da die Geschwindigkeitsregulierung im Horizontalilug — bei hoher Sicherheit des Fluges — zwischen 25 und 160 Kilometer in der Stunde sehr elastisch ist, sind die Zukunftsmöglichkeiten dieses Flugzeuges nicht gering einzuschätzen. okn'
Fische auf der Hochzeitsreise.
Aalwunder - Jagd aufKaviar - LiebenderLachs - Wanderburschen desMeeres.
Von Herbert paah.
Wo kommen nur die sogenannten Glas-Aale her? Die kleinen durchsichtigen Dinger sammeln sich an den Flußmündungen, werden zu Aalen und wandern die Flüsse aufwärts. Der Rheinfall von Schaffhausen kann ihnen kein Hindernis sein, denn die Aale sind auch im Bodensee zu finden. Sie krauchen über feuchte Wiesen und sollen sich sogar in die Wasserleitungen verirren. Mir ist das Glück noch nicht passiert, den fettreichen Fisch ins Haus zu locken. Die Wasserwerke werden das Wasser schon auf Aale sichten. Legenden? SiHer ist es eine Legende, wenn der Landmann berichtet, ein Aal habe seinen Gemüsegarten abgegrast. Das macht der Aal nicht, er ist ein Räuber, kein Vegetarier und frißt Kleinzeug aller Art: Kleine Fische, Frösche, Mäuse — und die großen Burschen von 2 Meter Länge machen sich sogar an Wasserratten und junges Federvieh heran. Mit Wonne fressen sie Fischlaich und Aas. Es ist keine Legende, daß man verirrte kleine Aale schon in Wasserleitungen gefunden hat. Nur darf man nicht erwarten, daß beim Hahnauf- drehen die Aale herauskommen wie Bier im Automatenrestaurant.
Je weiter der Hochsee zu, desto kleiner werden die Glasaale. In den Flüssen halten die ausgewachsenen Tiere einen leichten Winterschlaf. Die Aale können Jahrzehnte alt werden, sie wachsen sehr langsam. Sind die Tiere geschlechtsreif, dann machen sie sich auf die Hochzeitsreise. Sie essen nichts und schwimmen immer nur flußabwärts. Die Liebe geht bei ihnen nicht durch den Magen. Hochzeitsgedanken erfüllen die Aaalseelen, und aller Hunger ist vergessen. Wo die Aale hin- gehen, blieb unbekannt. Wo die jungen Glasaale Herkommen, war ein Geheimnis. In jedem Falle lasen unsere Väter in den Zeitungen etwas über das Geheimnis der Aale, so wie sie die berühmten Briefträgerartikel lasen. In fernen Ländern sollen die Briefträger auf Stelzen gehen, um Flüsse zu durchwaten. Im Spreewald schnallen sich Stephans dienstbare Geister Schlittschuhe an. In den Tropen tragen sie einen Sonnenschirm und in der Süd- see schwimmen sie von Insel zu Insel. Die Redakteure aus Vaters Zeiten ließen die Briefträger und das Geheimnis der Aale nicht einschlafen.
Nun wissen wir, wo die L a i ch p l ä tz e der Aale liegen; im Saragossameer, mitten im Atlantischen Ozean. Aus dem Aalgeheimnis ist ein A a l w u n- der geworden. Nach dem Saragossameer schwimmen die hochzeitslüsternen Aale hin, und von dort kommen die jungen Glasaale her. Wer gab den Tieren diesen wunderlichen Hochzeitstrieb? Warum suchen die Jungen wieder die Kontinente auf und bleiben nicht am Treffplatz aller Aale? Unerklärlicher Wandertrieb.
Die Aale sind nicht die einzigen „Wandervögel" unter den Fischen. Stör und Hausen wandern auch. Das sind schon größere Tiere. Die Störe brin
gen es im Jdealfall auf 6 Meter und die Hausen auf 9 Meter Länge. Der 1 Meter große Sterlett hat das Wandern aufgegeben und ist Flußfisch geworden. Die Störe sind Raubfische, die selbst auf Karpfen gehen. Ihre Eierstöcke haben es den Menschen angetan, denn sie bereiten uns diesen Kaviar. Im Winterschlaf werden die Störe aufgestöbert, Eislöcher werden geschlagen und die Riesenfische aufgehakt.
Zu den Wanderfischen zählt auch der grätenlose Lachs. Nicht weit von den Flußmündungen lebt der gefräßige Räuber im Meer und ernährt sich von Krebsen, Sandaalen, Stichlingen, Heringen und anderen Tieren. Die Aale wandern hungernd in die Hochsee, um zu lieben, der Lachs wandert die Flüsse bergauf, um Hochzeit zu feiern. Auch er hungert als liebender Freier und verschmäht jede Nahrung. Sittsam wandern die Geschlechter getrennt. Die widerwärtigsten Hindernisse auf der Hochzeitsreise werden überwunden. Keine Strömung zwingt den Lachs zur Aufgabe. Hindernisse bis zu 2 und 3 Meter Höhe werden übersprungen. Im Weitsprung leisten sie 4 bis 6 Meter. Der Fisch krümmt sich zusammen, so daß sich Schwanz und Kopf berühren, und dann schnellt er empor, der Hungerkünstler und Hochzeiter. Oft wird das Hindernis genommen, doch die Strömung reißt den Fisch wieder zurück. Verzweiflung kennt der Lachs nicht. Einmal muß es gelingen. Oben im Gebirge, im ruhigen Wasser finden sich endlich die Geschlechter. Auf jedes Weibchen kommen mehrere Männchen. Hunger und Reiseanstrengungen sind nicht genug Mühsale auf dem Wege zur Ehe. Die Männchen müssen noch um die Gunst des Weibchens kämpfen. Und doch hat noch kein Lachs resigniert die sexuelle Frage der Lachse erörtert. Nach der Hochzeit kehrt alles ermattet ins Meer wieder zurück. Ein Glück, daß man mit dem Strom, nicht gegen ihn zu schwimmen hat. Das Fleisch rückkehrender Fische ist schmutzig-weiß und kaum genießbar. Die frische Röte haben nur die Schwimmer wider den Strom. Im Meere endlich fressen sich ftie Lachse wieder ihren Magen voll und erholen sich von der Hochzeitsreise.
Warum soll man sich anstrengen, wenn man es bequemer haben kann, sagen die „F i s ch h a l t e r". Es gibt ja auch Wanderburschen, die auf der Landstraße Autos anhalten und ihre Begleitung anbieten. Die Fischhalter fragen erst gar nicht Oie vor- üderschwimmenden Haifische und die Kapitäne der Schiffe. Am Kopfe haben sie eine Saugplatte, und damit saugen sie sich großen Fischen oder Schiffen an. So geht es auf die Reise. Bescheiden sind nur die Lumpen, sagen die Fischhalter und lassen sich durch aller Herren Länder ziehen. Haifische sind mit diesen Burschen manchmal förmlich bedeckt.
Himmelsflöhe, Ioiorsegler und Autogiro.
Aus dem Wege zum Volksflugzeug.
Wenn vorn Fliegen als Volkssport gesprochen wird, so darf Deutschland ohne Zweifel für sich in Anspruch nehmen, diesen Gedanken wenigstens auf einem Gebiet in hohem Maße verwirklicht zu haben: auf dem des motorlosen Fluges. Jedoch ist der Seaelflug an ganz bestimmte Voraussetzungen gebunden. Bei seiner Ausübung tritt vor allem ein Moment in den Hintergrund, das beim Motorflug selbstverständlich ist: die vollkommene Unabhängigkeit von der Wetterlage, die Möglichkeit, jederzeit ein im voraus bestimmtes Ziel zu erreichen. Wie steht es nun aber mit dem Motor-Volksflugzeug? In allen Ländern geht die Entwicklung dahin, der privaten Luftfahrt einen stärkeren Auftrieb zu geben. Anzeichen dafür gibt es viele. Im August vorigen Jahres beschloß beispielsweise das englische Luftfahrtministerium, leichte Maschinen, sogenannte Zwergflugzeuge, von der bisher durch das Luftfahrtministerium ausgeübten Inspektion und Kontrolle zu befreien. Dis Bestimmungen, die für derartige Maschinen gelten, sind immerhin noch sehr streng. Es ist ihnen verboten, Großbritannien bzw. Nordirland zu verlassen, bewohnte Gebiete ober Menschenansammlungen zu überfliegen, einen Passagier oder Gepäck an Bord zu nehmen und akrobatische Kunststücke auszuführen. Sie müssen ferner in leistungsfähigem Zustand erhalten werden und gegen etwaigen Schaden unbeteiligter Personen versichert sein. Die Flieger erhalten — was eine wesentliche Erleichterung darstellt — statt der üblichen Lizenz Erlaubnisscheine.
Auch in Frankreich baut man derartige Zwerg- slugzeuge, die man dort „H i mm e l s f l o h" nennt. Aber die Erfahrungen, die man mit diesem „Himmelsfloh" bei unseren westlichen Nachbarn gemacht hat, zeigen, wie gefährlich es ist, eine Entwicklung zu überstürzen. Der „Himmelsfloh", der nach seinem äußeren Aussehen seinen Namen wirklich verdient hat, fand in kurzer Zeit sehr viele begeisterte Liebhaber, die durch ihn ihre Leidenschaft für den Motorflug befriedigen konnten, ohne viel Geld aus- geben zu müssen. Aber dieses Zwergflugzeug ist hinsichtlich der Flugsicherheit durchaus ungenügend gebaut. Die vielen Abstürze, Flügelbrüche und Leitwerkstörungen haben zur Folge gehabt, daß eine Anzahl von Befehlshabern der französischen Wehrmacht in ihrem Wehrbereich oie Benutzung des „Himmelsflohes" verboten haben, und auch in England steht man dem „Himmelsfloh" sehr skeptisch gegenüber.
Der Weg, den man also mit dem Bau von Zwergflugzeugen beschritten hat — wobei spekulative Momente eine gewisse Rolle gespielt haben dürften — ist also offensichtlich nicht ganz richtig. Er zeigt auch, daß man nicht ungestraft Flugzeuge bauen kann, die nur den Anforderungen der Billigkeit, des sparsamen Brennstoffverbrauchs usw. entsprechen, ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, daß damit auch der Sicherheitsfaktor erheblich herabgemindert wird. Nun ist die Situation fo: Unsere Sportflugzeuge vom Typ des Drachenflugzeuges haben einen ungemein hohen Entwicklungsgrad erreicht, und an den vier Hauptbestandteilen, wie Motor, Propeller, Trag- und Leitwerk sowie Rumpf einschließlich Fahrgestell, dürfte sich wohl nicht mehr viel verbessern lassen. Diese Flugzeuge sind durchweg mit Motoren von 60 bis 80 PS ausgerüstet; sie kosten in Unterhaltung und Anschaffung mindestens ebensoviel wie ein gleichstarker Luxuswagen, so daß man unter diesen Umständen die Sportmaschinen nicht gut als „V o l k s f l u g z e u g e" ansprechen kann. Es sind nur wenige Liebhaber des Motorfluges in der Lage, sich ein solches Flugzeug zu halten. Fliegen auf dieser Basis ist immer noch der kostspieligste Sport.
Die Entwicklung drängt, vor allem in Deutschland, das auf diesem Gebiet mit methodischer Gründlichkeit und wissenschaftlicher Genauigkeit vorgeht, dahin, die bei uns erreichte außerordentlich hohe Leistungsfähigkeit des Segelflugzeuges durch einen schwachen Hilfsmotor zu unterstützen. Ein solches Flugzeug kommt dem Gedanken des
Fahrtberichl aus dem rasenden BobWitten.
Neuigkeiten in der Kurzwettentechnik
Zu den Gebieten der Technik, auf denen wir in Zukunft vielleicht noch mancherlei Überraschungen erleben werden, gehört das der „kurze n" oder der „u l t r a k u r z e n" Wellen. Unter „kurzen" Wellen versteht man im allgemeinen solche, deren Länge unter hundert Meter liegt, während als „ultrakurze" die Wellen mit einer Länge unter zehn Meter bezeichnet werden. Ihnen schließen sich dann noch die „Dezimeterwellen" an, deren Wesen durch ihren Namen gekennzeichnet ist. Hier ist noch lange nicht alles erforscht oder ausgebaut, hier ist noch Neuland, das der weiteren Erschließung harrt. Die kurzen Wellen stehen bereits seit einigen Jahren für öen Verkehr auf weite Entfernungen im Gebrauch. Durch sie werden große Strecken überbrückt, lieber die trennenden Weltmeere hinweg pflanzen sie sich von Erdteil zu Erdteil fort. Bei den ultrakurzen Wellen ist die Reichweite nicht sehr groß. Sie entspricht ungefähr der Sichtweite. Nehmen wir an, wir selbst stünden an dem Punkte, von dem die Wellen ausstrahlen. Dann wird man sie etwa in dem Umfange empfangen können, bis zu dem unser Auge reicht. Je höher wir stehen, desto weiter wird unser Gesichtskreis. Die ultrakurzen Wellen verhalten sich genau so. Ihre Reichweite wächst mit der Höhe der Steile, von der sie ausgesandt werden. Die ultrakurzen Wellen lassen sich aber ähnlich wie das von einer Lichtquelle ausgehende Licht zu einem Strahl zusammenraffen und nach einer bestimmten Richtung hinauswerfen. Ob man mit derartigen „g e - bündelten" und „gerichteten" ultrakurzen Wellen jemals über solche Entfernungen wird verkehren können, wie dies mit den kurzen Wellen der Fall ist, mag heute noch zweifelhaft erscheinen. Daß aber auch mit ihnen ein regelmäßiger Verkehr durchgeführt werden kann, beweist eine nunmehr in Betrieb genommene Verbindung zwischen den beiden hawaischen Inseln Maui und Molokai. Die (Entfernung zwischen diesen beiden Eilanden beträgt rund 90 Kilometer. Um einen Fernsprechverkehr zu ermöglichen, ohne daß deswegen erst ein Unterseekabel verlegt werden mußte, wurden, nachdem vorangegangene Versuche günstig verlaufen waren.
ultrakurze Wellen als Vermittler gewählt. Die auf Maui errichtete Sende- und Empfangsstelle liegt 833 Meter über dem Meere, während sich die Gegenstelle auf Molokai auf Meereshöhe befindet. Zur Ilebertragung der Gespräche dient eine sehr kurze Welle von nur 1,3 Meter Länge. Die Aussendung der Wellen erfolgt hier wie dort von kleinen Türmen aus, deren jeder nur 17 Meter hoch ist. Die Türme haben nicht etwa den Zweck, die Reichweite zu erhöhen. Es hat sich gezeigt, daß in der Nähe des Erdbodens allerlei Störungen ihren Einfluß geltend machen, daß dieser Einfluß jedoch schon zehn Meter über dem Boden vollkommen aufhört. Deswegen ging man noch etwas dar- ber hinaus und wählte, um völlige Störungsfreiheit zu erzielen, die angegebene Höhe.
Zum Bündeln und Richten der ultrakurzen Wellen dienen zwei ganz kleine Hohlspiegel, wie überhaupt die ganze Einrichtung in sehr einfacher Weise aufgebaut ist. Die Empfänger brauchen, um gute Ergebnisse zu erzielen, nicht einmal sehr trennscharf zu sein. Man darf die Bedeutung dieses Erfolgs nicht unterschätzen, der vielleicht als der Beginn einer neuen Entwicklung gewertet werden muß. Auf dem Gebiet der langen Wellen herrscht bekanntlich großer Wellenmangel. Wenn sich zur Ausnützung der kurzen Wellen noch die Möglichkeit hinzugesellt, auch die ultrakurzen gebündelten und gerichteten Wellen zur Deckung der Bedürfnisse bestimmter Verkehrsnotwendigkeiten heranzuziehen, wird die Technik auf lange hinaus von allen Wellensorgen befreit sein. Im übrigen sei erwähnt, daß es auch versuchsweise bereits einmal gelungen ist, Gespräche und Gegengespräche auf einer Welle von sieben Meter Länge zwischen Amerika und Australien durchzuführen, doch nähert man sich hier bereits der Grenze, an der die ultrakurze Welle aufhört und die kurze Welle beginnt.
Mit der gleichen ultrakurzen Welle von sieben Meter Länge wurde auch noch ein weiterer sehr bemerkenswerter Versuch unternommen, nämlich der, während des rasenden Dahinfahrens in einem Bobschlitten einen Bericht nach einer Emp- fangsstelle zu geben. Der Schlitten sauste mit einer Geschwindigkeit von 110 Kilometer in der Stunde dahin und durch scharfe Kurven hindurch. Als vorletzter saß in ihm ein Ingenieur, der mit einem tragbaren Sender für ultrakurze
Wellen ausgerüstet war. Der Sender war in einem Tornister untergebracht, van dem aus der Sendedraht senkrecht in die Höhe ragte. Diese Sendeftelle verbrauchte nur sehr wenig Energie. Ihre Leistung belief sich auf nur ein Watt. Der Versuch gelang glänzend. Freilich mußte dabei, da eine Bündelung und Richtung der ultrakurzen Wellen infolge der ständigen Bewegung und Richtungsänderungen des Senders nicht möglich war, ein Kunft griff angewendet werden. Die Wellen verbreiteten sich in diesem Fall ja nur auf Sichtweite. Deshalb wurde innerhalb der Sichtweite des Senders ein Ultrakurzwellenempfänger ausgestellt, der den während der Fahrt in das Mikrophon gesprochenen Bericht aufnahm. Von diesem Empfänger wurde der Bericht auf einen zweiten Sender übertragen, der ihn auf der 150-Meter-Welle an einen zweiten Empfänger weitergab. Von hier wurde er im Draht nach dem dritten Sender gegeben, von wo aus schließlich die Verbreitung für die Allgemeinheu ftattfanö. Das erscheint, wenn man es lieft, als ein sehr beträchtlicher Umweg. In Wirklichkeit vollzog sich jedoch alles in sehr einfacher und glatter Weise. Der Versuch zeigte, daß man auch bei der ultra- kurzen Welle sogar bei sehr schneller und unregelmäßiger Bewegung des Senders ohne Bündeln und Richten über die Schwierigkeiten hinwegkommen kann, die in ihrer verhältnismäßig geringen Reichweite begründet sind. Bei der kurzen Welle hat man, wie wir eingangs bereits erwähnten, in erster Linie die große Reichweite ausgenützt.
Daß man damit aber auch in bestimmten Fällen auf kleinen Reichweiten gute Erfolge erzielen kann, ergibt sich aus einer Erprobung an der Neuyorker Wertpapierbörse. Hier werden die Kurse nach bestimmten Stellen weitergegeben, an denen sie auf Tafeln aufgeschrieben werden. Diese Weitergabe erforderte immerhin mehr Zeit, als wünschenswert erschien. Um sie zu beschleunigen und die Kurse den Aufschreibenden auch aus weiterer Entfernung unmittelbar zugehen lassen zu können, wurde eine besondere Ilebertragung auf kurze Wellen eingerichtet. Auch hier wurden die Kurse einfach in ein Mikrophon gesprochen und im Sender der kurzen Trägerwelle aufgedrückt, die sie an einen Empfänger übermittelte. Die mit dem Aufschreiben Beauftragten empfingen die Zahlen durch Kopfhörer, die mit diesem Empfänger verbunden waren. In ähnlicher Weise konnten von bestimmten Räumen aus Nachrichten nach anderen
Das Wunder der Photozelle.
Von Dr. Helmut Thomasius
Die Natur schafft regelmäßige, sie schafft aber auch sehr unregelmäßige Formen. Nehmen wir an, daß die Oberfläche eines sehr unregelmäßig gestalteten Blattes mit noch dazu sehr ungleichmäßia gezacktem Rand bestimmt werden soll. Der Forscher, der diese Aufgabe lösen will, wird der Technik sicherlich sehr dankbar sein, wenn sie ihm dazu jetzt ein sehr einfaches Hilfsmittel zur Verfügung gestellt hat. Es besteht aus einem Kästchen, dessen Boden durch eine Glasplatte gebildet wird. Durch diese Glasplatte scheint das Licht einer starken elektrischen Glühlampe hindurch. Auf einer Anzeigevorrichtung wird die Lichtstärke abgelesen, die an einer bestimmten Stelle des Kästchens herrscht. Hierauf wird das Blatt auf die Glasplatte gelegt, eine zweite Ablesung folgt, die im Vergleich mit der ersten erkennen läßt, wieviel Licht das Blatt weggenommen hat. Die Verringerung der Lichtstärke entspricht, wie leicht einzuseyen ist, der Größe des Blattes. Sie wird um so beträchtlicher fein, je größer dessen Oberfläche ist. Auf diese Weise läßt sich auch die Zunahme der Oberfläche beim Wachstum erkennen. Es ist aber möglich, auch an anderen Gegenständen die Größe der Oberfläche schnell festzustellen. Das klingt alles sehr einfach, ist aber gar nicht so einfach. Die Messung der Lichtstärke an einem bestimmten Punkt des Kästchens würde nämlich gleichfalls einige Arbeit machen. Das glatte und mühelose sofortige Ablesen der Zahlen für die Oberflächengrößen hingegen wird dadurch erreicht, daß im Kästchen an einer bestimmten Stelle eine Photoze11 e untergebracht ist, die eine außerordentlich hohe Empfindlichkeit für die geringsten Schwankungen der Lichtstärke besitzt. Diese Photozelle, das kleine Wunder, das der deutsche Physiker H a 11 w a ch s vor rund einem halben Jahrhundert der Menschheit geschenkt hat und dessen Bedeutung auszunutzen erst der neueren Zeit vorbehalten blieb, erfreut sich einer sehr weitgehenden Aufmerksamkeit der Techniker. Wenn man sie in einen elektrischen Stromkreis einschaltet, kann man damit alle möglichen Dinge ausführen. Man braucht nur einen Lichtstrahl auf dieses kleine Glasgefäß fallen zu lassen, oder einen darauf fallenden Lichtstrahl zu durchbrechen, so führt sie durch ihre Einwirkung auf das Fließen des Stroms d i e herrlichsten Dinge aus. Sie hemmt Bewegungen, leitet neue ein, nimmt Schaltungen vor und erweist sich in der verschiedensten Hinsicht recht brauchbar. Ständig mehrt sich die Zahl ihrer Anwendungen und es ist viel Eigenartiges darunter.
Das Sammeln von Briefmarken ist eine eigenartige Sache. Wir sind darüber nicht so genau unterrichtet, aber wahrscheinlich sind die Sammler mit der Art und Weise nicht zufrieden, wie die Lochungen verschiedener Marken mancher Staaten ausgeführt waren. Darauf deutet eine Einrichtung hin, die eigens zu dem Zweck durchgebildet wurde, die Perforierung ganz genau und gradlinig zwischen den einzelnen Marken verlaufend zu gestalten. Die Durchlochungsvorrichtung wird durch Photozellen in ihrer Bahn gehalten. Die Zellen sitzen zu beiden Seiten der Markenreihe. Verschiebt diese sich nur um das mindeste, so ändert sich damit auch die Stärke des auf die Zelle fallenden Lichts um ein geringes. Aber das genügt, um eine Vorrichtung einzuschalten, die bewirkt, daß der Locher wieder genau in der Mitte eingreift.
Beim Schmieden kommt es oft darauf an, daß das Werkstück in dem Augenblick eine ganz bestimmte Temperatur hat, wo es unter den Hammer kommt. Die Höhe der Temperatur läßt sich für das geübte Auge an der Farbe der Glut erkennen. Aber das ständige Nachsehen nimmt Zeit in Anspruch und macht Mühe. Die Erhitzung erfolgt in bestimmten Fällen auch auf elektrischem Wege dadurch, daß man den elektrischen Strom in ähnlicher Weise durch die Werkstücke hindurchleitet wie durch den Glühdraht einer Glühlampe. Wie dieser geraten sie ins Glühen. Im gegebenen Augenblick muß der Strom abgeschaltet werden. Das „elektrische A u g e", wie man die Photozelle auch zu nennen pflegt, ist mit Erfolg dazu verwendet worden, diesen Vorgang zu überwachen. Seine außerordentliche Empfindlichkeit gegen die geringsten Helligkeitsunterschiede und die Möglichkeit, seine Wirkung auf
Räumen der Börse durchgegeben werden, ohne daß eine Drahtverbindung nötig war. Der Vorteil dieser Art des Verkehrs gegenüber der Drahtverbindung liegt in erster Linie darin, daß der Draht besetzt fein und daß, bis er wieder frei wird, Zeit vergehen kann, die gerade im Börsenverkehr unter Umständen „kostbar" wird. Beim drahtlosen Verkehr, über welche Art von Wellen er sich auch vollzieht, gibt es aber kein Warten. Jeder kann jederzeit die Nachrichten empfangen, die im gleichen Augenblick ins Mikrophon gesprochen werden.
Notizbuch der kleinen Erfindungen.
Es kann nicht m e h r „z i e h e n". Eine neue patentierte Erfindung, der Dichtungsstreifen, hält jede Zugluft durch Fenster und Türen, außerdem auch einoringenden Staub, Regen Kälte und Lärm ab.
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Ein neuer Füllhalter ist mit einem optischen Signal, einem weißen Füllknopf, versehen. Ist der weiße Füllknopf verdeckt, so zeigt das an, daß der Halter gefüllt und schreibbereit ist, während der sichtbar hervortretende Füllknopf meldet, daß der Halter füllbereit ist.
Bei der Herstellung von Schallplatten verkörperten bisher das Graphit oder der Bronzestaub die elektrisch leitende Schicht. Beide Schichten erwiesen sich aber immer noch als ziemlich grobkörnig. Deshalb verwendet man neuerdings Silber, das sich mit Hilfe eines besonderen Verfahrens in sehr gleichmäßiger Schicht auftragen läßt.
In Koffer- oder in Fußbankform ist als Winterausrüstung für den Kraftwagen eine neue Autoheizung mit flammenloser Verbrennung auf den Markt gekommen, die als Brennstoff Ka- talyt verwendet. Die Heizung ist schnell und ohne besondere Umstände in Gang zu setzen und funktioniert in jeder Stellung. Brennstoffverbrauch anderthalb bis zwei Liter für etwa fünfzehn Stunden.
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Eine neuartige Teigrühr -, Knet- und S ch l a g m a f dfi n e ist auf den Markt gekommen. Sie ist in Schräglage angefertigt und ermöglicht ein weit leichteres und bequemeres Arbeiten als bei der bisherigen Bauart.


