Ur. 23 2 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 3. Oltober 1936
wird
Zuchivieh-Versteigerungshalle vor -er Vollendung
Gesamtanlage der Gießener Zuchtviehversteigerungshalle.
Die
Die Versteigerungshalle im Ausbau.
Blick in den Großviehstall.
Land, die fahrenden
Heimische Warenschau als Wirtschastsmoior.
Die Zuchtviehversteigerungshalle der Stadt Gießen auf den städtischen Marktanlagen erfährt in eifriger Arbeit ihre Vervollständigung. Zu beiden Seiten der großen Versteigerungshalle sind Ställe errichtet worden. Ein großer und geräumiger Stallanbau ist für das Großvieh bestimmt, der räumlich begrenztere Anbau für die Aufnahme von Ebern, Ziegen und anderen kleineren Tieren. Die Stallbauten sind ebenso wie die Halle in freitragender Holzkonstruktion aufgeführt worden. Die Versteigerungshalle selbst erfährt gegenwärtig ihren Innenausbau. Es wurden Tribünen geschaffen, die sich architektonisch hervorragend schön in den Raum einfügen und etwa 1000 Zuschauern der Dersteigerungsvorführungen Platz geben. Wie man hört, soll die Halle in voraussichtlich drei Wochen endgültig ihrer Bestimmung übergeben werden. — (Aufnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
die Nachricht von Bedeutung, daß die Rückfahrt ihres Zuges verlegt worden ist. Der Zug verläßt am Montag, 5. Oktober, Bodenwehrda um 20.35 Uhr, kommt am Dienstag, 6. Okt., 2.40 Uhr nachts in Gießen an und trifft 7.56 Uhr vormittags in Monsheim ein, um 9.22 Uhr Kaiserslautern als Endstation zu erreichen.
Die Zeiten für Hin- und Rückfahrt des ersten Sonderzuges (Darmstadt—Hameln) bleiben wie bisher bestehen, ebenso die H i n f a h r t z e i t e n des von Kaiserslautern ausgehenden zweiten Sonderzuges.
den durch Rheinhessen und den Taunus Sonderzug zum Bückeberg benutzen, ist
immer nur einen beschränkten Organisationsrahmen haben können, versteht sich von selbst. Aber als ein Glied der Gemeinschaftsarbeit im Dienste des großen Aufbauwerks unseres Führers werden auch solche Ausstellungen ihre Bedeutung und ihre wirtschaftlich befruchtende Kraft haben. Wichtig ist nur, daß jeweils der günstigste Zeitpunkt gewählt wird, so daß schon dadurch von vornherein ein Erfolg verbürgt wird.
Die anerkennenswerte Aktivität der Parteidienststellen und unserer Gießener Stadtverwaltung ist bekannt. Ihrer Arbeit und ihrer Förderung auf vielen Gebieten war bisher schon der Erfolg zum Besten unserer engeren Heimat zu verdanken. Wenn auch künftighin für diese Art der Wirtschaftswerbung alle Kräfte planmäßig und mit voller Energie angesetzt werden, so dürfen wir die Gewißheit hegen, daß auch hierdurch in unserer engeren Heimat wertvolle Mitarbeit an der großen Aufgabe geleistet wird, die uns der Führer für die kommenden Jahre gestellt hat. B.
Die Rückfahrt der Sonderzüge vom Bückeberg.
NSG. Für die Volksgenossen aus Stadt und
Es liegt auf der Hand, daß es bei diesem starken Widerhall der Ausstellung nicht allein beim Schauen sein Bewenden hatte, sondern auch in geschäftlicher Hinsicht ein Ergebnis herausgekommen fein wird. Dabei ist es allerdings wohl nicht immer jo, daß nun schon während dieser Ausstellungswoche bei allen Ausstellern Aufträge oder Käufe eingegangen sind: der eine wird mehr, der andere weniger, hier und da wohl auch ein Aussteller keine Eintragungen in seinem Bestellbuch vermerkt haben können. Aber durchweg ist doch die Tatsache einer geschäftlichen Werbung anzunehmen, auch wenn sie sich erst nach einiger Zeit in Käufen oder Arbeitsaufträgen sichtbar ouswirken wird. Es ist ja eine alte Erfahrung, daß bei derartigen Ausstellungen der geschäftliche Erfolg oft erst zu einem späteren Zeitpunkt in Erscheinung tritt, seinen Ursprung aber in der Ausstellung selbst hat. Die „Braune Messe" wird also unter diesem Gesichtspunkt auch für die Zukunft als eine Förderung des nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbaues anzusehen sein.
Dieses positive Ergebnis läßt den Gedanken auf- tauchen, ob es nicht zweckmäßig wäre, derartige Der- anstaltunaen des Deutschen Instituts für Wirtschafts- propaganoa alljährlich einmal in unserer Stadt für den Bereich der Provinz Oberhessen und des Lahn-Dill-Gebiets durchzuführen. Die große Schaffensfreudigkeit der nationalsozialistischen Dienststellen für den Aufbau und die Förderung unserer Wirtschaft, sowie die günstigen Raummöglichkeiten, wie sie in Gießen durch die große Volkshalle und das anschließende Freigelände gegeben sind, stellen einer alljährlich veranstalteten Jahresschau der heimischen Wirtschaft von vornherein eine günstige Prognose. Unsere Volksgenossen dürfen ohne weiteres die Gewißheit haben, daß die Kreisleitung, die Kreishandwerksführung, die Stadtverwaltung und nicht minder die wirtschaftlichen Organisationen immer bereit sein werden, unter vollem Einsatz ihrer Kräfte derartige Ausstellungen zur Förderung der gesamtwirtschaftlichen Interessen unseres Gaugebiets und der angrenzenden Wirtschaftsbereiche in die Wege zu leiten. Bei der Vielgestaltigkeit der Arbeitsgebiete in unserem Gau und in den Nachbargauen, in denen Industrie, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Gewerbe ein weites Tätigkeitsfeld darstellen, dürften derartige Jahresschauen der heimischen Wirtschaft wohl eine genügend breite und tiefe Grundlage für eine abwechslungsreiche Ausgestaltung haben. Der Gedanke liegt auch nahe, bei solchen Veranstaltungen in jährlichem Wechsel das eine oder das andere Wirtschaftsgebiet jeweils b e - sonders herauszustellen, etwa derart, daß in einem Jahre das Schwergewicht der Ausstellung auf das Gebiet der Landwirtschaft gelegt würde, im fol-
Die „Braune Mesie — Deutsche Woche" am morgigen Sonntagabend nach achttägiger Dauer ihre Pforten schließen. Damit wird eine Leistungsschau der deutschen Arbeit zu Ende gehen, die in ihren Auswirkungen über die Zeit der Ausstellungswoche hinausreichen wird. Handwerk, Handel, Industrie und Landwirtschaft unserer engeren Heimat, aber auch der angrenzenden Wirtschaftsbezirke hatten auf dieser Schau die Möglichkeit, mit den Erzeugnissen ihrer Arbeit vor eine breite Oeffentlich- keit zu treten. Wie lebhaft dieses Echo der Ausstellung bei der Bevölkerung war, beweist der starke Besuch. Wir erinnern dabei an die Tatsache, daß allein am vorigen Sonntag Tausende von Besuchern sich in der Ausstellung aufhielten, und der Andrang wiederholt sogar so erheblich war, daß der Eintritt vorübergehend gesperrt werden mußte; unser Blick richtet sich auch rückwärts auf die Tage zu Anfang dieser Woche, die in Verbindung mit der „Braunen Messe" verschiedene Tagungen von Organisationen der Partei und der Wirtschaft brachten und ihren besonderen Anziehungspunkt in dem Besuche der „Braunen Messe" hatten.
genden Jahre Handwerk und Industrie mehr in den Vordergrund treten könnten, dann wieder die beson-, deren Eigenarten des heimischen Gewerbes aller Art |
den größten Raum für ihre Werbung erhielten, dabei aber immer der Grundgedanke der Förderung der Interessen der Gesamtwirtschaft klar zum Ausdruck käme. Eine weitere Vertiefung der Wirkung solcher Jahresschauen könnte auch dadurch erzielt werden, daß man den Unternehmungen, die entweder infolge schwacher wirtschaftlicher Eigenkraft oder ihrer fachlichen Art nach sonst nicht ausstellen können, durch besondere Vergünstigungen die Möglichkeit böte, im Rahmen derartiger Ausstellungen ihre Leistungen der Öffentlichkeit zeigen zu können. Wir denken hier beispielsweise an das Kleinhandwerk und das Kleingewerbe, aber auch die Gaststättenbetriebe könnten wohl durch eine Ausstellung gastronomischer Art, etwa in Gestalt einer Kochkunstausstellung oder dergleichen, in einem solchen Rahmen ihre wirtschaftlichen Leistungsmöglichkeiten öffentlich unter Beweis stellen und zugleich ihre Kräfte einsetzen und beleben im Dienste des wirtschaftlichen Äufbaus.
Daß derartige Jahresschauen innerhalb der Möglichkeiten einer mittleren Provinzstadt natürlich
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Gießener Stadttheater.
Friedrich Bethge: „Reims".
Als auf der Münchener Reichstheaterfestwoche im Mai dieses Jahres neben „Thomas Paine" von Hanns Johst und „Rothschild siegt bei Waterloo" von Eberhard Wolfgang Möller auch Friedrich Bethge s „Hungermarsch der Veteranen" in einer repräsentativen Aufführung herausgebracht wurde, war mit der Wahl dieser Stücke — so verschieden sie untereinander sein mögen — deutlich und weithin vernehmbar ausgesprochen, nach welchen Grundforderungen und welcher seelischen Haltung das nationalsozialistische Deutschland die dramatischen Kräfte, Inhalte und Formen seines Theaters bemißt. r .
Man wird diese Maßstäbe auf die klarste und einfachste Formel bringen können, wenn man sich der Worte aus der programmatischen Rede des Reichsministers Dr. Goebbels wahrend der Theaterwoche erinnert, daß nämlich die deutsche Bühne heute wieder anfange, im Sinne Schillers eine „moralische Anstalt" zu werden und das Podium der politischen und sozialen Moral auch unserer Zeit zu sein. *
Solchen Forderungen entspricht neben dem „Hungermarsch" in Bethges Werk vor allem das bereits 1930 uraufgeführte Kriegsstuck „Reims . Damals hatte Bethge, der 1891 'n Berlin geboren wurde, bereits eine umfangreiche literarische Tätigkeit hinter sich. Nach dem Kriege, den er als freiwilliger und später als Offizier, höchst ehrenvoll ausgezeichnet, von Anfang bis zu> Ende mitmachte, war er Beamter in Berlin, bald aber auch als Theaterkritiker, Lyriker, Novellist und Dramatiker tätig. 1933 wurde Bethge als Chefdramaturg und stellvertretender Generalintendant der Städtischen Bühnen nach Frankfurt a. M. berufen.
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In dem Drama „«Reims" hat der Frontsoldat Bethge sein Kriegserlebnis zusammengefaßt. Die Zeitungsnotiz über das grausame und ungewöhnliche Schicksal eines österreichischen Sergeanten an der italienischen Front gab den Anstoß zu seinem Stück, in dem er zeigte, wie er den Krieg sah. nicht als Problem, sondern als Phänomen (so sind seine Worte) — als eine Tatsache, eine Wirklichkeit, über die nicht debattiert werden kann, sondern die hingenommen werden muß, und vor welcher der Mann, der Mensch in einem heroisch gesteigerten Gefühl sich zu bewähren hat, indem er das Gesetz des Krieges erkennt und anerkennt und das größere
Schicksal, das alle beschattet, über das eigene, kleine stellt, das nur ihn angeht und unwichtig wird m einer Zeit, wo es auf jeden einzelnen Mann ankommt.
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Bethge hat den Schauplatz von der italienischen an die deutsche Westfront verlegt — Sommer 1918 zwischen Bapautne und Reims — und den Fall des Sergeanten Aracsi auf den schlesischen Sergeanten Jarkusch übertragen: der erfährt von einem aus dem Urlaub zurückkehrenden Kameraden, daß der russische Gefangene daheim in seinem Hause seiner Frau nicht nur bei der Arbeit hilft, sondern sich als Hausherr zu fühlen beginnt... Jarkusch, den die Nachricht wie ein Messerstich getroffen hat, erbittet Urlaub für ein paar Tage, um Ordnung zu schaffen; der Urlaub wird ihm verweigert, da nimmt er sich welchen (mit dem festen Vorsatz, in fünf Tagen zurück zu sein) — wird unterwegs von der Feldgendarmerie aufgegriffen und alsbald wegen Feigheit und Fahnenflucht vors Kriegsgericht gestellt.
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Bis zu dieser Verhandlung folgt Bethge dem Zeitungsbericht über den Fall des Oesterreichers. Jener wurde vom Kriegsgericht begnadigt, seine Todesstrafe in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt; dreißig Gnadengesuche in zehn Nachkriegsjahren wurden aber abgeschlagen mit der Begründung, der Mann sei ja bereits begnadigt ..
Bethge findet nun für den Deutschen eine andere Lösung und eine andere Entscheidung, die über den Spruch des Kriegsgerichtes hinausreicht. Den Jarkusch trifft es doppelt hart, die Nachricht von dem Elend daheim erreicht ihn im unglücklichsten Augenblick: als er mit der mündlichen Meldung von vorne zum Stab kommt, die eigene Artillerie schieße zu kurz und vernichte die Kompanie. Der Oberst glaubt ihm die Meldung nicht und hält ihn für einen Drückeberger ... erst recht, als er wenige Minuten später — kurz vor einem Angriff — um Urlaub bittet.
Man sieht, wie der Frontsoldat Bethge sehr scharf die Linien zieht und abgrenzt, wie der Sergeant Jarkusch (es fällt einmal ein sehr bitteres Wort vom „Feind" und vom „Gegner") eigentlich einen Zweifronten-Krieg führt .. und die andere Front beginnt für ihn gleich hinter der vordersten Linie; sie reicht vom Stah bis in den „Langen Jammer" seines Heimatdorfes.
Jarkusch spricht sich selbst sein Urteil und weiß genau, wie er wiedergutmachen kann und muß; ihn ruft das Regiment, das in jener Nacht bei einem Angriff englischer Tanks fast aufgerieben wurde;
ihn rufen die Toten, die Stimmen der gefallenen Kameraden. Vor Reims wird der Deserteur zum gläubigen Helden; er wird zu jenen gehören, welche die Loslösung der deutschen Linie gegen eine hoffnungslose Uebermacht von drei Divisionen verschleiern und decken soll. Die Türme der Kathedrale von Reims winken ihm wie die offenen Pforten des Himmels. Bethge faßt es so: Bapaume — das war die Materialschlacht, das war Tod und Vernichtung; Reims aber ist: Tod und Verklärung.
Der Krieg als Phänomen, nicht als Problem — gespiegelt in einem Einzelfall, aufgewiesen an einem kleinen, im Grunde belanglosen Schicksal: aber wie der Mensch, den es trifft, dieses sein Schicksal trägt und überwindet, das erkennt Bethge als beispielhaft; darin findet er den Sinn einer ungeheuerlichen Wirklichkeit, daß ein Mensch aus allem Grauen, aus aller Verwirrung des Gefühls den Weg zurückfindet — zu sich selbst, zu den Kameraden, toten und lebenden, zu der Pflicht, zu der Tat und dem Opfer, das des heroischen Menschen würdig ist. —
Oberspielleiter Theodor Haerten, der sich in der vergangenen Spielzeit mit dem „Tollen Christian" als Dramatiker bei uns einführte, hat das Stück inszeniert. Er sah sich — zunächst äußerlich — einer überaus anspruchsvollen, ja gefährlichen Aufgabe gegenüber: die im Grunde jeder Wiedergabe spottende Wirklichkeit des Krieges, der Materialschlacht anno 18, mit den Mitteln der Bühne zu beschwören. Haerten tat sein Aeußerstes, er setzte alles ein, was der technische Apparat des Theaters herzugeben vermag. Die Bilder der Front und des heimatlichen Dorfes (eine ausgezeichnete Leistung Löfflers) unter dem gleichen wolkenschweren Nachthimmel, unheimlich, öde und hoffnungslos; die übrigen Schauplätze — Quartier, Eisenbahnwagen, Kriegsgericht, Zelle — knapp angedeutet, nüchtern und sachlich. Mit MG.-Feuer und schweren Einschlägen, mit Tankangriff und Fliegerüberfall gelangte die Regie unter dem Einsatz aller opti- jchen, klanglichen und mechanischen Möglichkeiten an die Grenze dessen, was das Theater an Jllusions- wirkung zu geben vermag. Es scheint uns für Haertens Inszenierung zu sprechen, daß trotzdem die stärksten Eindrücke nicht von den äußeren Erschütterungen durch die sinnliche Wahrnehmung ausgingen, sondern von den Szenen, in denen der Kampf an der inneren Front ausgetragen wird, in der außerordentlich konzentrierten und dramatisch gespannten Szene der Kriegsgerichtsverhandlung vor allem.
Herr Geiger spielte den Jarkusch, den zwie« spältigen Helden dieses Stückes — aus einem Guß, auf einer klaren inneren Linie, als Menschen und als Soldaten ganz folgerichtig im Ablauf des Geschehens; man begriff vollkommen die Erschütterungen, in die dieser Mann gestürzt wird — nicht durch das entfesselte Grauen der Schlacht mit Tod und Vernichtung ringsum, sondern durch Gegenkräfte einer unsichtbaren Front, gegen die er sich nicht zur Wehr setzen kann. Man erlebte glaubhaft die Entwicklung der Tat, den Zusammenbruch und die Ueberroinbung aus eigener, innerer Gesetzmäßigkeit, durch eine Entscheidung, die nicht vom Tisch des Kriegsgerichtes ausgehen konnte.
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Das Stück erforderte den Einsatz des gesamten männlichen Personals. Aus der Fülle der Gestalten und Gesichter lassen sich hier natürlich nur die dramatisch wichtigsten und darstellerisch markantesten herausgreifen. Herr Rosenthal als Hauptmann: eine sehr geschlossene, zusammengeraffte Erscheinung, knapp, männlich, entschieden; am eindeutigsten in der Szene des Kriegsgerichtes, wo sich der Hauptmann bewußt und aus innerstem Gefühl vom Verteidiger zum Ankläger wandelt. Herr Hub hotte sich mit beklemmender Umrißschärfe in Wort, Gebärde und Haltung in die gefährlich lauernde und witternde Triebhaftigkeit des Gefangenen Wassili eingelebt. Neben ihm in kurzen Szenen sehr überzeugend die zwischen Erinnerung und Hoffnung, zwischen Schwäche und Entschlossenheit schwankende Gestalt der Marie: Frau Stirl.
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Recht geschickt fand sich Herr Geißler in die schwierige und nicht eben dankbare Rolle des Obersten; zumal in der betonten Leidenschaftslosigkeit und aufreizenden Kälte, die er als Vorsitzender des Kriegsgerichts zur Schau trug. Herr v. G s ch m e i d- l e r (Leutnant Faber) entwickelte seine Rolle am nachdrücklichsten in den schlicht menschlichen und nüchtern wirklichen Szenen (im Gespräch mit Jarkusch) gegen Ende. Herr Kühne in einer Episodenrolle und bann als Anklagevertreter war ausgezeichnet: seine kühl abwägenbe Darlegung bes Falles stach einbrucksvoll vom ausbrechenben Gefühl bes Verteibigers ab. Gute Leistungen boten auch (in kleineren Aufgaben) bie Herren Neuhaus, Forstner, Walter und Linbt. —
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Die Besucher konnten sich dem starken Eindruck des Stückes und der Aufführung nicht entziehen und dankten zuletzt mit anhaltendem Beifall.
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