Ausgabe 
3.9.1936
 
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I

Weise

ehren-

mit

der Gedankengänge Buchheims in keiner herab.

3m Herbst 1867 erhielt Buchheim den

zuführen, was von den Krankenkassen ans Erspar­nisgründen teilweise unterstützt wird, und Vor­stellungen des Landesmännervereins darüber ver­anlaßten den Reichsstatthalter in Hessen Landes­regierung zu einer Verfügung an die Kreis­ämter, Bürgermeistereien und die Landesversiche­rungsanstalt, nach der die Krankenkassen nachdrück­lich darauf hinzuweisen sind, bei Krankentrans­porten in der Regel das Rote Kreuz in Anspruch zu nehmen. Der diesjährige Kolonnentag fin­det am 17. und 18. Oktober in Worms statt.

Der Landesrat des Alice-Frauen- Vereins tagte unter dem Vorsitz der e h e m a l. Großherzogin von Hessen. Der Sitzung wohnte Frau von Knesebeck, die Stellver- treterin der Reichsfrauenführerin, bei. Ministerial- direktor a. D. Dr. Kratz sprach über Aufgaben, Verfassung und Ausbau des Alice-Frauenvereins.

wichtig für die Frauenvereine des Deutschen Roten Kreuzes ist die Bestimmung, daß als weibliche Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuzes im Alter von 18 bis 21 Jahren in Zukunft nur noch Mitglieder des BDRl. aus­gebildet und verpflichtet werden dürfen.

Frau Oberin von Pflugk berichtete, daß der große Neubau des Alice-Hofpitals in DarmstcM im Oktober in Betrieb genommen wird.

Großflugzeug »Hindenburg- wieder in Frankfurt am Main.

258rnal im Wasserrettungsdienst. Bestrebungen der Mam eu Autodroschkenbesitzer, mehr Krankentransporte aus-1 Rückflug.

Ser Abschluß der Physiologen-Tagung.

Oer dritte Tag der Tagung der Deutschen physiologischen Gesellschast.

Pharmakologen-Tagung in Gießen

13. Tagung der Deutschen pharmakologischen Gesellschast.

Oie Rote-KreuzArbeit in Hessen.

Oie HZ. stellt den gesamten Nachwuchs. - 400 Jungen und 1000 Mädchen angefordert. - Krankentransporte in der Regel durch das Rote Kreuz.

Lpd. Frankfurt a. M., 2. Sept. Das große deutsche Landflugzeug, die viermotorige G 34G e - neralfel d rna r schall von Hindenburg" verkehrt neuerdings wieder planmäßig zwi­schen Frankfurt a. M. und Berlin. Es trifft um 14.30 Uhr auf dem Flughafen Rhein- Main ein und startet bereits um 15.50 Uhr zum

begnügen mußte, offenbar well äußere Verhält- nisse, wie der Krieg 1870/71, die Erfüllung seines Wunsches unmöglich machten. Als im Jahre 1877 das neue Kolleoienhaus in der Ludwigstraße be­zogen wurde, sollte auch das Pharmakologische Institut in dessen Räumen einen gebührenden Platz finden. Der Einrichtung dieses neuen Instituts widmete er sich mit seiner ganzen Tatkraft, doch sollte er den Einzug in das Institut nicht mehr er­leben. Die im Verhältnis zu Dorpat ungünstigen Arbeitsbedingungen führten dazu, daß in den Jah­ren seiner Gießener Tätigkeit die experimentelle Arbeit Buchheims gegenüber der literarischen in den Hintergrund trat. Auch war das Interesse der Studierenden der Medizin und der Aerzte für Arzneimittellehre und Pharmakologie kein allzu großes, und so konnte er nur verhältnismäßig wenige Doktoranden für experimentelles Arbeiten gewinnen. Im Vordergrund seiner Tätigkeit stand die Bearbeitung der dritten Auflage seines Lehr­buches über Arzneimittellehre, in welchem die neu­erworbenen Kenntnisse der beiden letzten Jahrzehnte verarbeitet und Pläne und Entwürfe für weitere Unterfuchungen ausgearbeitet wurden. Bei feiner Berufung hatte er sich bereiterklärt, auch den Unter­richt und die Prüfung der Pharmazeuten mit zu übernehmen, und so mußte er sich auch mit dieser Disziplin befassen, der er bald lebhaftes Interesse abgeroann. Im Sommer 1879 erlitt er einen Schlaganfall, der zu einer rechtsseitigen Lähmung und zum Verlust der Sprache führte. Sein Zustand besserte sich zwar im Laufe der nächsten Wochen, aber an eine vollständige Wiederherstellung war nicht zu denken. In den Weihnachstagen des gleichen Jahres erlöste ihn ein zweiter Schlaganfall.

Die Bedeutung Buchheims liegt in erster Linie darin, daß er mit den mystischen und vagen Vor­stellungen, die bisher die Arzneimittellehre be­herrscht hatten, aufräumte und die Pharmakologie zu einer Experimentalwiffenschaft mit gesichertem Fundament entwickelte. Die Erfolge der zahlreichen Arbeiten, die er in Dorpat, wie in Gießen teils selbst ausführte, teils unter feiner Leitung entstehen sah, legten beredtes Zeugnis darüber ab, wie viel­seitig und mit welch scharfer Kritik Buchheim große Teile des Gebietes der Pharmakologie durckforfcht hat. Sein Hauptverdienft aber ist zweifellos die Begründung eines natürlichen Systems der Arznei­mittel, denn damit ist erst die Möglichkeit gegeben worden, das gesamte Material der Pharmakologie in klarer Form zu ordnen und zu sichten. Dieses Verdienst ist es auch, das uns heute noch zu Buch- heim als dem Begründer der modernen experimen­tellen Pharmakologie auftchauen läßt.

LPD. Darmstadt, 2. Sept. Der Landesver­band Hessen des Roten Kreuzes hielt im ehemaligen Landtagsgebäude unter dem Vorsitz von Staatsrat Reiner seine Iahresschlußsitzung ab, in deren Verlauf sich das fegensreiche Wirken des Roten Kreuzes auch in einigen Zahlen kundtat, die für die Allgemeinheit von Bedeutung find.

Aus dem Geschäftsbericht von Polizeioberft a. D. Schröder ergab sich, daß der Reichsstatthalter in Hessen unter dem 8. Februar eine Verfügung an die Kreisämter erließ, in der er den Gemeinden eine geldliche und moralische Unterstützung des Roten Kreuzes empfahl. Vom Alice-Frauenverein fanden in 61 Orten Prüfungen und Verpflichtungen statt, wobei 730 Helferinnen und Samariterinnen vereidigt wurden.

Rach einer Vereinbarung zwischen dem Roten kreuz und der Reichsjugendführung wird in Zukunft der gesamte Rachwuchs ausschließlich durch die Hitler-Jugend sichergestellt. Der Lan­desverband Hessen hat für dieses Jahr 400 Jungen und 1000 Rlädchen angefordert.

3n der Sitzung des Landes-Männerver­eins wurde mitgeteilt, baß sich die Mitglieder- zahl der Männervereine vermehrt hat. Der Per- fonenftanD der Mitglieder belief sich bei den Sani- tätskolonnen Ende März auf 4726 aktive und 505 passive Mitglieder, in den 31 Ortsvereinen auf 2312 Mitglieder und in den Kreismännervereinen ohne Einteilung 'm Ortsvereine auf 5632 Mitglieder.

Von Anfang April 1935 bis Ende März 1936 wurden insgesamt 48 317 Hilfeleistungen ge­währt.

Die Transportmittel wurden 24 804mcll in Anspruch genommen, davon 4636rnal im Straßenhilfsdienst,

am Schilükrötenherzen. Dr. Müller (Münster) zeigte Zusammenhänge zwischen der Herzarbeit und dem Herzoolumen. Wie wunderbar der Körper durch seine in ihm selbst entstehenden Wirkstoffe die Blutverteilung zu ändern und den verschiedensten Bedürfnissen anzupassen vermag, zeigten die Aus­führungen von Dozent Schneider (Götttngen). Dr. G e r st n e r (Leipzig) sprach zur Frage der Blutdruckssteigerung durch Starkstrom.

Unter den Vorweisungen fand sich ein Lehrmodell von Dr. Müller (Münster), um die gesunden, sowohl wie kranken Verhältnisse bei der Herztätig­keit und im Kreislauf anschaulich zu machen. Dr. B r ü n e r (Bad-Nauheim) zeigte seine neue elek- ttische Methode der fortlaufenden Aufzeichnung des Pulses und Blutdrucks. Den ganzen Nachmittag über liefen ferner eine Reihe von Filmen der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm. Sie zeigten, wie ausgezeichnet der Film geeignet ist, eine wert­volle Ergänzung des Unterrichts zu bilden und zwar auf allen Gebieten, fei es der Biologie, der Technik, der Geschichte oder anderer Wissenschaften.

Das Staatsbad Bad-Nauheim hatte in freund­licher Weife am Nachmittag alle Damen zu einem Kaffee auf dem Johannisberg eingeladen. Nach Schluß des letzten Vortrages und Beendigung der Tagung wurde noch eingehend das Balneologifche Institut der Universität Gießen, dessen Direktor Prof. Weber (Gießen) ist, mit feinen ausgezeich­neten Forschungseinrichtungen besichtigt. Der Abend versammelte noch einmal alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Essen im Kurhaus mit einem an­schließenden kleinen Sommerfest, das den ftöhlichen Ausklang der wissenschaftlich erfolgreichen und durch mannigfache persönliche Aussprachen ftuchtbaren Arbeitstagung bildete.

eine Eingabe der Gemeinde Steinbach dem Pfarrer als Pflicht auferlegt wurde. Die Gemeindekasse hatte dafür dem jeweiligen Pfarrer 1,14 Mark zu zah­len. Sett der Ablösung der Stolgebühren und Akzi- dentten durch Kirchengesetz vom 29. 6. 1891 hat die Gemeindekasse den Bettag für die Kirchweih­predigt an den Pfarrbesoldungsfonds zu zahlen, dessen Erträgnisse an die Landestirchenkasse in Darmstadt abgeliefert werden. Der jeweilige Pfar­rer erhält also seit 1891 den Riesenbetrag von 1,14 Mark nicht mehr. Diese Tatsache und die rechtliche Verpflichtung der Gemeinde zur Zahlung der Ge­bühr muß immer wieder klargestellt werden, damit kein unnötiger Neid entsteht. Das obenerwähnte Kirchengesetz von 1891 war eine soziale Tat, denn die Stolgebühren waren eine Belastung für die ärmeren Gemeindeglieder und eine Quelle des Aergers für Pfarrer und Gemeindeglieder. Noch heute werden in anderen Landeskirchen diese Stol­gebühren erhoben. In Hessen sind seit 1891 alle Amtshandlungen gebührenfrei, und dem Pfarrer ist es sogar verboten, für kirchliche Amtshandlungen Geschenke anzunehmen. Die in besonderen Fällen erhobenen Gebühren fließen unter keinen Umstän­den in die Tasche des Geistlichen.

8 Langs-Göns, 2. Sept. Die gesamte Frucht ist nun eingefahren worden. Die kleinen Landwirte haben im Felde alles gedroschen, und nun fahren die Dreschmaschinen zur Zeit sind drei in unserm Dorf, eine vierte kommt in diesen Tagen von Hof zu Hof. Die Grummet­ernte ist in vollem Gange. In hiesiger Gemar­kung wurde selten so viel Grummet geerntet, wie in diesem Jahre.

* Lang-Göns, 2. Sept. Die Zahl der Ge­burten im Jahre 1935 war für unser Dorf be­schämend klein, nur 24 Kinder wurden geboren. 1936 scheint es besser werden zu wollen. In dem ersten Halbjahr sind bereits 18 Geburten standes­amtlich eingetragen worden (Sterbefälle bis dahin 9). Dadurch konnte man in unserer Gemeinde heuer eine geschichtlich denkwürdige Tatsache feststellen: Die Zahl der Einwohner überstieg 2000. nach­dem schon während langer Jahre die Grenze nahezu erreicht worden war.

Lang-Göns, 2. Sept. Am letzten Sonn­tag verließen uns die 25 Arbeitsmänner des Ar­beitsdienstlagers Biedenkopf, um in das Lager zurückzukehren. Während mehrerer Wochen hatten die Arbeitsmänner den Bauern bei der schwierigen Erntearbeit geholfen. Am Abend vorher fand eine schlichte Abschiedsfeier statt, bei der ihnen noch einmal der Dank für ihren Einsatz ausgesprochen wurde. Allgemein sah man die Arbeitsmänner nur mit Bedauern scheiden.

wg. Großen-Buseck, 3. Sept. Die Ge­treide- und die Grummeternte ist unter Dach ge­bracht. Die Dreschmaschine fährt von Haus zu Haus. Der Körnerertrag entspricht einer Mittel­ernte; Stroh ist außerordentlich reichlich angefal-

Oberhessen.

TödlicherVerlehrsunsallbeiReiskirchen

<£ Reiskirchen (Kreis Gießen), 3. Sept. Auf der Landsttaße zwischen Lindenstruth und Reis­kirchen ereignete sich am gestrigen Mittwoch gegen 17 Uhr ein schwerer Verkehrsunfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Dort befand sich der Motorradfahrer Otto Zu­la u f aus Kestrich bei Groß-Felda (Kreis Alsfeld) auf der Fahrt nach Gießen, wobei er die 22 Jahre alte Erna Möller aus Velbert (Rheinland) auf dem Soziussitz mitnahm, die in Kestrich zu Besuch weilte. Kurz hinter Lindenstruth platzte während der Fahrt plötzlich der Reifen des Hinter­rads, fo daß die Maschine mit einem heftigen Ruck zum Stehen kam, durch den das bedauerns­werte Mädchen auf die Landstraße geschleudert wurde und dabei so unglücklich fiel, daß es auf der Stelle tot war. Der Motorradfahrer kam mit dem Schrecken davon.

Zusammenstoß zwischen Auto und Grummeltvagen.

* Lich, 3. Sept. Am gestrigen Mittwochabend gegen 21 Uhr ereignete sich auf der Landstraße LichEberstadt, an der Stelle, wo die Landstraße in den Klosterwald eintritt, ein Zusammen­stoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Grummetfuhrwerk. Der Wagen mit Grummetgras befand sich auf der Fahrt in Richtung Eberstadt. Hinter ihm fuhr in der gleichen Richtung der Personenkraftwagen aus Lich, der von dem Autoführer R a n f von Lich gelenkt wurde und in dem als Beifahrer ein Mann namens Ben­der aus Lich faß. Der Autofahrer bemerkte einen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Motorradfahrer, auf den er fein ganzes Augenmerk lenkte und dem er scharf nach rechts aüswich, so daß die beiden Kraftfahrzeuge ordnungs­gemäß aneinander vorüberkamen. In diesem Augen­blick bemerkte der Autofahrer unmittelbar vor sich den Grummetwagen. Sofort strebte er danach, an dem dicht vor ihm fahrenden Wagen vorbeizukommen, jedoch blieb er trotz schar­fen Ausweichens beim Ueberholen m i t D e r einen Wagenseite an dem Fahrzeug hängen, so daß der Kraftwagen ins Schleudern geriet, zur Seite stürzte, sich mehrmals überschlug und die beiden Insassen etwa 30 Meter weit seitlich der Straße geschleudert wurden. Dabei erlitt der Mitfahrer Bender Verletzungen am Kopf und am Knie, während der Autofahrer Ranft an­scheinend zunächst ohne Schaden davongekommen war, jedoch seit heute früh über Schmerzen in der Brust klagt und sich in ärztliche Behandlung be­geben mußte.

Gchulgesechlsschießen zwischen Laubach und Grünberg.

* Laubach, 3. Sept. Das K r e t s a m t Schotten gibt folgendes bekannt: Das Ergän­zungsbataillon 53 Gießen hält am 22., 23. und 24. September 1936 von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr täglich im Raume Laubach Georgen-Hammer bei Lauter Höhe 312 bei Grünberg Weickarts­hain Schulgefechtsfcbießen ab. Das im Kreise Schot­ten liegende gefähroete Gebiet wird für die Dauer der Schießübungen durch die Truppen gesperrt. Den Anordnungen der Absperrmannschaften ist unbe­dingt Folge zu leisten. Die Absperrposten haben die Rechte und Pflichten von Wachtposten.

Landkreis Gießen.

5 Steinbach, 3. Sept. Das hiesige Kirch­weihfest findet nunmehr doch, wie feit dem Kirch­weihfeste 1848, am 3. September die neue Kirche eingeweiht wurde, am 6. September, d. h. am ersten Sonntage im September, statt. In dem Kirchweihgottesdienst hält der Pfarrer die Kirchweihpredigt, die vor mehr als 80 Jahren auf

vollen Ruf nach Gießen, das als hessische San- desunioersität zu dieser Zeit, in der kurz vorher Liebig hier gewirkt hatte, in voller Blüte stand. Einen gleichzeittg an ihn ergangenen Ruf an die Universität Bonn lehnte er ab. Durch Dekret vom 26. Oktober 1867 wurde Buchheim zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät, insbe­sondere der Pharmakologie,' in Gießen ernannt. Der Grund, der Buchheim veranlaßte, Gießen vor Bonn den Vorzug zu geben, war der, daß bei den damaligen politischen Verhältnissen an die Errich­tung eines Pharmakologischen Instituts in Bonn nicht zu denken war, während in Gießen günstige Aussichten bestanden. In Preußen war damals gerade die Arzneimittellehre in der ärztlichen Prü­fung ab gefügt, während sie in Hessen beibehalten war, ein Zeichen der weitblickenden Fürsorge der »en Regierung. Im September 1867 siedelte

»im nach Gießen über. Ein eigentliches Phar­makologisches Institut stand ihm allerdings hier nicht zur Verfügung, indessen wurden ihm aus­reichende Mittel für pharmakologische Zwecke be­willigt, unb so konnte er sich, ähnlich wie in Dor­

nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Wehrmacht-Kon­zert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Wehrmacht-Konzert. 14: Nachrichten. 14.10: Hinein ins Vergnügen!" 15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.15: Wir laden ein groß und klein! Das große Preisrätsel der Hitler-Jugend auf der Rundfunkausstellung 1936:Wir fahren durch Deutschland". 15.55: Der Ruf der Jugend. 16: Froher Funk für alt und jung. Ein großes buntes Konzert. 18: Militärkonzert. 19.30: Der Zeitfunk bringt die Wochenschau. 19.45: Nürnberg-Echo des Reichspartei­tages 1936. 20: Nachrichten. 20.10: Unterhaltungs­konzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Sportbericht. 22.30: ... und morgen ist Sonn­tag! 24 bis 2: Funkraketen um Mitternacht. Ab ge­feuert von Helmut Andreae.

Am Mittwoch fand die Arbeitstagung der Deut­schen Physiologischen Gesellschaft ihren Abschluß. Dieser letzte Tag war dabei gleichzeittg, in Form gemeinsamer Sitzungen, der erste Tag der begin­nenden Tagung der Deutschen Pharmakologischen Gesellschast.

Den Gegenstand sämtticher Vorträge und Vor­weisungen bildete bas heute besonders reich bear­beitete Gebiet .Kreislauf". Gastgeber dieses Tages war das gerade an den modernen Kreis­laufforschungen hervorragend beteiligte Kerckhoff- Institut in Bad-Nauheim. Nachdem der Leiter des Institutes, Prof. Koch, die zum großen Teil am frühen Morgen aus Gießen fjerubergefommenen Tagungsteilnehmer herzlich begrüßt hatte, begann die Reihe der Vorttäge mit einem längeren Bericht von Prof. Loefer (Freiburg) über die mannig- achen Beziehungen zwischen der Schilddrüse und )er Hypophyse. Prof. Rein (Götttngen) wies aus einen langjährigen Versuchen die enge Koppelung zwischen Kreislauf- und Stoffwechfelsteuerung nach. Physikalische Messungsverfahren zur Bestimmung des Herzschlagvolumens und des Blutdruckes am Menschen behandelte Prof. B r o e m f e r (München), lieber die in den Zentren unseres vegetativen Ner­vensystems dauernd herrschende Erregungslage und über ihre Reizzustände berichtete Prof. Koch (Bad- Nauheim). Die Kurven, die Prof. Holzlöhner (Kiel) vorbrachte, zeigten, welche deutliche Saug­wirkung bas menschliche Herz bei seiner Zusammen­ziehung ausübt. Das neuartige Gerät, mit dem diese Kurven gewonnen worden waren, hatte Prof. Holzlöhner schon an den beiden vorhergehen­den Taaen in Gießen vorgeführt.

Der Nachmittag begann mit einem Dorttag von Prof. L e h n a r tz (Göttingen) über Untersuchungen

berg-Echo des Reichspartettages 1936. 20: Nach­richten. 20.10: Wer uns getraut ... Ein helleres, buntes Melodienspiel von Liebe, Lachen und Sol­datenglück. 22.15: Nachrichten (auch aus dem Sende­bezirk). 22.30: Unterhaltungskonzert. 24 bis 2:Die verkaufte Braut". Komische Oper in 3 Akten von Fr. Smetana.

Samstag, 5. September.

6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. Bunte Morgen- musik des Rundfunkorchesters. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Zum Staatsjugendtaa: HJ.°Svort. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! Ich will Mei­sterin der Hauswirtschaft werden! Besuch in der Be­ratungsstelle der Abteilung Volkswirtschaft Haus­wirtschaft des Deutschen Frauenwerks. 11.30: Gau-

Arn heutigen Donnerstag um 9.15 Uhr wurde im Großen Hörsaal des Phsiologischen Instituts der Universität Gießen die 13. Tagung der Deutschen Pharmakologischen Ge­sellschaft von ihrem Vorsitzenden, Professor Janssen, Freiburg, in Gegenwart vieler Be­sucher aus dem In- und Auslande, eröffnet.

Professor Jannssen

konnte eine Reihe von Ehrengästen auf der Tagung willkommen heißen, an ihrer Spitze Professor Dr. Eberhard als Vertreter des Reichs- und Preu­ßischen Ministers des Innern Dr. Frick, des Reichs-, Wissenschafts-, Erziehungs- und Bildungs- minifters Dr. Rust, sowie des Reichsstatthalters und Führers der hessischen Landesregierung Gau­leiter Sprenger ; ferner begrüßte der Vor­sitzende insbesondere Professor Burn (London) als Vertreter der englischen Pharmakologen, und gab dabei feiner Freude über die guten freund­schaftlichen Beziehungen zwischen den deutschen und den englischen Pharmakologen Ausdruck.

Professor Dr. Eberhard

brachte hierauf in einer kurzen Ansprache die Grüße und Wünsche der von ihm vertretenen Regierungs­stellen zum Ausdruck und knüpfte daran auch die llebermittlung der besten Wünsche des Hochfchul- referenten der hessischen Landesregierung. Er hob weiter hervor, daß die in- und ausländischen Gäste bei ihrem Besuch in Gießen Gelegenheit zu der Feststellung hätten, daß die hessische Regierung für den Ausbau der Universitätsinstitute alles getan habe, damit diese Institute nach jeder Richtung hin den Vergleich mit den Einrichtungen an anderen Universitäten aushalten konnten. Der Tagung gelten die herzlichen Wünsche der Minister und der Regie- rungsbehorden.

Als ortsansässiger Vertreter der Pharmakologie begrüßte sodann der Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Gießen

Professor Dr. Hildebrandt

die statlliche Versammlung. Er sprach anschließend über das ThemaBuchheim und Gießen" und erklärte einleitend u. a., es werde wohl nur wenigen bekannt sein, daß der Begründer der modernen experimentellen Pharmakologie, Rudolf B u ch h e i m, in Gießen zwölf Jahre lang, von 1867 bis zu feinem Tode im Dezember 1879 ge­wirkt habe. Vor feiner Gießener Zeit wirkte Buch- Heim, der in Bautzen geboren war, an der russi­schen Universität Dorpat, wo im Jahre 1846 der pharmakologische Lehrstuhl frei geworden war. Im Alter von 26 Jahren wurde Buchheim dort Professor der Arzneimittellehre, der Diätetik, Ge­schichte der Medizin und medizinischen Literatur; in dieser Stellung war er Mitglied der Medizini­schen Fakultät und des Akademischen Plenums. Seine Ernennung zum ordentlichen Professor er­folgte im Mai 1849. Die Professur in Dorpat be­kleidete Buchheim 20 Jahre lang, während dieser §eit war er zweimal Dekan seiner Medizinischen atultät, nach lOjähriger Dienstzeit erhielt er Den TitelKaiserlich russischer Staatsrat", lieber Buch­heims Lehrtätigkeit in Dorpat teilte der Vortragende dann u. a. folgendes mit:

Buchheim richtete zunächst in feiner Wohnung aus Privatmitteln ein Laboratorium für pharma­kologische Untersuchungen ein, das später zu einer Universitätsanstalt erhoben wurde. So ist er der Gründer des ersten Pharmakologischen Instituts gewesen, sein Institut blieb auch zwei Jahrzehnte hindurch das einzige in seiner Art, denn an anderen Universitäten so auch in Gießen waren diese im wesentlichen doch nur mehr oder weniger phar- makognostische Sammlungen, nicht aber Institute für experimentell pharmakologisches Arbeiten. In den Lehrbüchern fand sich Damals im wesentlichen nur eine Beschreibung der Arzneipflanzen und Drogen und endlose Rezeptformeln. Buchheim er­kannte Har, daß die Arzneimittellehre und Therapie auf eine feste wissenschaftliche Basis gestellt werden müsse. In klarer Form brachte er dies in der ersten Auslage feines in den Jahren 1854 bis 1856 er­schienenen Lehrbuches über Arzneimittellehre zum Ausdruck, in dem er gegenüber den herrschenden Anschauungen die wahre Erfahrung und natur­wissenschaftliche Bettachtungsweise forderte:Die Arzneimittellehre ist" wie Buchheim sagt eine theoretische, d. h. erklärende Wissenschaft und hat die Aufgabe, uns die auf die Arzneimittel be­züglichen Kenntnisse darzubieten, durch welche die Richtigkett unseres Urteils über ihre Brauchbarkeit am Krankenbett gefördert werden kann." Die Prak­tiker standen diesem neuen Werk durchaus verständ­nislos gegenüber, auch die Vertreter der Arzneimit­tellehre, befangen in der alten Ueberiieferung der materia medica, zeigten im ganzen nur wenig Verständnis. Dagegen fand das Buch große An­erkennung von physiologischer Seite her.

Buchheims Lebensaufgabe war die Erklärung der Wirkung der Arzneimittel, er wollte an die Stelle vager Behauptungen die experimentell fun­dierte Basis fetzen. Damit begründete er auch ein natürliches System der Arzneimittel, um durch eine strenge, systematisch geordnete Einteilung derselben eine sichere Uebersicht über diese zu gewinnen und ein planmäßiges Erforschen ihrer Wirkung zu er­möglichen. Diese Einteilung der Stoffe erfolgte in pharmakologische Gruppen unter Berücksichtigung aller Merkmale der Stoffe, ihrer chemischen Eigen­schaften und ihrer pharmakologischen Wirkung, wo­bei die einzelnen Gruppen nach einem der wichtig­sten und bekanntesten Repräsentanten benannt wurde. Daß bei dieser Einteilung manche Fehler unter­liefen, ist bei den verhältnismäßig spärlichen phar­makologischen Kenntnissen der damaligen Zeit selbst­verständlich, setzt aber die Bedeutung und den Wert

pat, in seiner eigenen Wohnung ein provisorisches Laboratorium für feine Untersuchungen einrichten, an dessen Stelle er in absehbarer Zeit ein voll­gültiges Pharmakologisches Institut zu setzen hoffte. Es vergingen allerdings Jahre, in denen er sich Der provisorischen Lösung der Instituts frage