Ausgabe 
3.7.1936
 
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Nr. 155 Drittes Blatt

Zreitag, Z.Zuli 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

VerkehrsWplin - Die Forderung der Gegenwart, !-

Ein Aufruf des Korpsführers Hühnlein.

die Verkehrszeichen der

aus-

frei- den

ist euch der Weg Straßenbahn oder

die Fahrbahn!

Auch für euch gelten Polizei und der Ampeln!

Nur bei grünem Licht

Ziehungen der Dinge zum Raum, von den Grund­sätzen der symmetrischen und asymmetrischen Ge­staltung und lernten die vielen Möglichkeiten er­kennen, die für die geschmackvolle Ausgestaltung eines Schaufensters gegeben sind. Darüber hinaus

Gebt das Steuer nicht an Freude und Bekannte, die keinen Führerschein haben und achtet auf die Verkehrszeichen!

Der deutsche Kraftfahrer muß seinen Volksge­nossen mit dem besten Beispiel voran­gehen, denn er ist der Träger des Fortschrittes und der Motorisierungswünsche des Führers.

der D A F. (Amt für Arbeitsschulung) und der hiesigen Wirtschaftsgruppe Einzelhan- d e l abgehaltenen Kurse die Möglichkeit, ihr Wissen und ihr handwerkliches Können um wirkungsvolle und kultivierte Ausgestaltung von Schaufenstern erheblich zu bereichern. Ja, für manchen der Teil­nehmer bedeutete der Kursus den Grundstein für die Arbeit, die bisher nicht in dem Maße und nicht in dem Sinne geleistet werden konnte, wie es für den Einzelhandel notwendig gewesen wäre.

Die Kursusteilnehmer wurden mit den Grund­sätzen der Dekoration vertraut gemacht, sie erfuhren in klaren ausführlichen Darlegungen von den Be-

auffallend hoch gebissen hat. Gesprochen haben wir aber kein Wort und er auch nicht.

Am nächsten Tage mußte Ludwig auswärts speisen. Am übernächsten schmeckte es ihm zu Hause besonders gut, und zum Schlüsse lobte er Viktor eigens und sagte, das sei heute ein extra feines Bratl gewesen.

Nach einer kleinen Verlegenheitspause aber platz­ten Viktor und Fräulein Berta laut heraus, als ich mit stoischer Ruhe sagte:Ja, ja er ist mit Butter auch nicht schlecht!"

Da hat mich der gute Ludwig, nachdem er den Kopf etwas zurückgeworfen, zuerst ein wenig ver­dutzt und groß angeschaut; das war so seine Art, wenn ihm etwas überraschend kam; dann hat er ge­schmunzelt, sich stillschweigend eine Pfeife angezündet und sich in eine Zeitung vertieft.

Der Hafen mit Schweinefett aber verschwand aus der Küche und Ludwigs Sympathie für ungarische Gerichte ebenfalls.

Bei der guten Viktor hatte ich aber einen neuen Stein im Brett. Wir haben uns ja immer gut ver­standen, und oft und oft denke ich dankbaren Herzens an die Liebe und Güte, die sie auch mir zuteil ver- den ließ.

Im Oktober 1902 habe ich sie zum letztenmal ge­sehen. Es war in der Erstaufführung derLokal­bahn". Da saß die treue Seele ganz andächtig neben mir im Parkett und drückte traumverloren manchmal meine Hand. Als dann die Stimmung immer gehobener wurde und das Stück unter lautem Beifall endete, da rollten dicke Tränen über die blaffen, runzeligen Wangen, und leise kam es von ihren Lippen:Ja gelt, mein Ludwig!"

Mit der stolzen Genugtuung, diesen großen Erfolg ihres Lieblings noch erlebt zu haben, hat sie drei Wochen später dankbar freudigen Herzens die müden Augen für immer geschlossen.

Ausgezeichnete Ergebnisse der OAF.-Oekorationskurse.

In den vergangenen drei Wochen wurden im Saal des Hauses der Deutschen Arbeitsfront in der Schanzenstraße unter der berufenen Leitung eines Fachmannes (Herrn E f ch m a n n) zwei Dekora­tionskurse von derDeutschen Dekorations­schule Duisburg" mit gutem Erfolg abgehal­ten. In beiden Kursen (einem Vormittags- und einem Abendkursus) wurden insgesamt 30 Ange­stellte des hiesigen Einzelhandels geschult.

| Die Teilnehmer hatten im Rahmen dieser von

steigen!

Wartet auf den Bürgersteigen, wenn die Stra­ßenbahn kommt! Ihr gefährdet euch und andere, wenn ihr auf der Fahrbahn steht.

Deutsche Volksgenossen!

Schafft endlich die Verkehrsgemeinschcrft auf der Straße! Seht in dem anderen Verkehrsteilnehmer den Kameraden und Volksgenossen! Hebt Rücksicht und Disziplin!

Der Führer des NSKK.: Hühnlein,

| Korpsführer.

Zeitschriften.

Von der Großen Deutschen Luftschutz-Aus­stellung bringt das neue Heft derS i r e n e" einen zweiten interessanten Bericht, der sich mit der Luftschutzschau als Erziehungsmittel beschäftigt. Mit Heißluft billig in die Lüfte" heißt ein großer Bildbericht, der neuartige Versuche mit diesem alten technischen Gedanken zeigt. Ein anderer großex BildberichtHessen, das Herz Deutschlands" gibt einen interessanten Beitrag zur Kulturgeschichte dieses schönen deutschen Landes. Außerdem entbalt das Heft einen Bilder-Artikel über die Luftpolitik der Großmächte in Ostasien. Im Unterhaltungsteu wird anschaulich vom Leben und Treiben der deut­schen Landsknechte erzählt.

gegeben!

Springt nicht auf die

Omnibus auf und von diesen ab!.

Nur an den Haltestellen dürft ihr ein- und

Deutsche Radfahrer!

Eure Zahl von 17 Millionen verpflichtet euch zu besonderer Rücksicht und Vorsicht. Ihr seid nicht allein auf der Straße, sondern nur Glieder des allgemeinen Straßenverkehrs.

Benutzt die Radfahrwege, die für euch gebaut sind!

Sorgt dafür, daß an euren Rädern vorschrifts­mäßige Rückstrahler vorhanden sind, da ihr euch sonst selbst schwer gefährdet!

Fahrt im Dunkeln nicht ohne Licht und bringt eure Laternen richtig an, um entgegenkommende Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden!

Ihr behindert den übrigen Perkehr stets, wenn ihr zu mehreren nebeneinander fahrt. Fahrt daher hintereinander.

Gebt beim Abbiegen und beim Anhalten deut­lich sichtbare Zeichen mit dem Arm und denkt dar­an, daß der hinter euch kommende Kraftfahrer sonst euch überfährt oder ändere anfährt!

Fahrt nicht zu Zweien auf einem Fahrrad und haltet die Lenkstange beim Fahren fest! Freihän­diges Fahren und Wegnehmen der Füße von den Tretkurbeln ist kein Zeichen großer Fahrkunst, son­dern bodenloser Leichtsinn und verantwortungslose Gefährdung anderer. Mißbraucht das Vertrauen nicht, das man mit der Aufhebung der Radfahr- karte in euch gesetzt hat! Wollt ihr die Einführung des Nummernzwanges?

Deutsche Futzgänger!

Die Fahrbahn gehört dem Fährverkehr, euch ge­hört die Gehbahn.

Beeilt euch beim Ueberschreiten der Straße, geht auf dem kürzesten Wege und ohne Aufenthalt über

konnten die Schüler und Schülerinnen ihre prak­tischen Kenntnisse erweitern, sie hatten viele Mög­lichkeiten der Verwendung unterschiedlichster Deko­rationsmittel und wurden auch in die Gesetzmäßig­keiten der Farbenharmonien eingeführt. Hand in Hand mit den theoretischen Darlegungen, die die Kurse brachten, aing viel praktische Arbeit. Jedem der Kursusteilnehmer war die Voraussetzung ge­geben, bis zu 15mal ein Schaufenster auszustatten und dadurch eine wertvolle praktische Schulung zu genießen. Schriftzeichnen, die Konstruktion einer schönen Blockschrift, Plakatentwurf sowie die An­fertigung von Ziermitteln und Blickfängen für die Schaufenstergestaltung boten außerdem viel Ge­legenheit zur praktischen Arbeit.

bitte, so etwas soll es geben. Und der Kraftwagen machte seinem Namen Ehre und fuhr drauflos Capri ist dreihigmal kleiner als Malta, eine Fuh- tunde lang, 10 bis 25 Minuten breit. Ich kam mir vor wie ein Gulliver im Land der Zwerge, wie der Mann auf dem fliegenden Koffer. Links das kobaltblaue Meer, rechts das ansichtskarten­blaue Meer, vorn das azurblaue Meer hinten das himmelblaue Meer der Teufel hole den Kitsch! In Dante selig hat sich für seine Hölle Wunder was für Strafen und Qualen ersonnen, mir scheint, er wußte noch nichts von dem Motor, den unser­eins im Leibe hat. Menschen, deren Lieblingsbe­schäftigung das Autofahren ist, würde er sonst sicher zum Herümfahren auf der süßen, süßen Marchen- insel verdammt haben.

Wenn ich aber bei Tibenus zu Gast geladen wäre und ahnen würde, daß mir auf dem Heimweg der berühmte Sturz in die Tiefe zugedacht ei so täte ich ihn um die Gnade bitten, mich zum letzten­mal ans Steuer setzen und mit Vollgas los- und hinausfahren zu dürfen, über die nächste Steilwand hinaus ins ewige Licht, m die unbegrenzte Weite, ins Langftreckenwalhall des Autofahrers.

Ludwig Thomas alte Köchin.

Don Richard Rothmaier.

1897 verlegte Ludwig Thoma feine Anwalts- praxis von Dachau nach München.

P Da zog ich zu meinem alten Freunde und habe mit ifjm einige Jahre zusammen gewöhn^ Zuerst häuften wir am Promenadeplatz Nr. 17, dann 21u- gustenstrahe Nr. 17 in einem hübschen Gartenge- ^Ünfern gemeinsamen Haushalt führte die gute alte Viktor im Vereine mit Ludwigs junflfter ^ser^erfteren^bat Ludwig in feinenerinnerum aen" einen dauernden Denkstein gefetzt. Es ist ruh- ?end mit welch dankbarer Liebe er an der Hü­terin feiner Kindheit hmg und mit welch wahrhaft mütterlicher Treue und Sorgfalt die gute Alte be­müht mar, es bis zum Tode dem gereiften Manne zu entgelten, den fie als Zweijährigen auf ihren Armen geschaukelt hatte um eimm Titel

verlegen d!? ihre Wirkiamkeit in ,einem Eltern-

M SÄÄ- Mit ihr ist em Tnv aus dem Leben geschieden, der leider am Aus- tterben ist Eine Seele, die in Liebe und Treue un­erschütterlich an ihrer Dienstherrschaft hmg und

Arn gestrigen Donnerstag wurden nun die Kurse beschlossen. Um dem heimischen Einzelhandel die Art der Arbeit vor Augen zu führen, die in den Kursen geleistet wurde, fand in den für den Lehr­betrieb vorhandenen acht Schaufensterkojen eine Ausstellung statt, die eindeutig unter Beweis stellte, daß den Kursusteilnehmern eine wertvolle Bereiche­rung ihres Könnens und Wissens um die Schau- fenftergestaltung zuteil geworden war. Aller Auf­wand und alle Mühe dürften nicht vergeblich ge­wesen sein.

Amt für Dolkswohlfahrt.

Ortsgruppe Giehen-Ost. Lebensmittel-Opferring.

Die Sammlung wird am Montag, 6. und Diens­tag, 7. Juli von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereit halten, und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sicht- bar anzugeben.

Die llrknndensteuer-pflicht nach dem neuen Urkundensteuer-Geseh

Mit dem 1. Juli 1936 tritt für das ganze Reich das Urkundensteuergesetz vom 5. Mai 1936 in Kraft. Gegenüber dem mit dem 30. Juni 1936 außer Kraft getretenen Hessischen Urkundenstempelgesetz bringt es in Hessen eine wesentliche Erwei­terung der Steuerpflicht der privat- schriftlichen Rechtsgeschäfte (Vertrag und einseitige Erklärungen), soweit sie nach dem 30. Juni 1936 in Urkundenform errichtet werden.

Während nach dem Hessischen Urkundenstempel, gesetz die im Tarif aufgeführten Urkunden grund­sätzlich nur dann stempelpflichtig wurden, wenn sie einem Notar, einem Gericht oder einer sonstigen Behörde eingereicht wurden, und während bisher die amtlichen Stellen für die Beibringung und Ver­wendung des Stempels zu sorgen hatten, ist es nunmehr Pflicht eines jeden Besitzers eines urkun­densteuerpflichtigen Schriftstücks, dieses Schriftstück binnen zwei Wochen seit Entstehung der Steuerschuld, d. h. im allgemeinen binnen zwei Wochen nach der Unterzeichnung des Schriftstückes, unaufgefordert einer für die Steuerfestsetzung und die Verwendung der ©teuer- , zeichen zuständigen Dienststelle vorzulegen. Diese Vorlegung kann erfolgen bei jedem Finanzamt, bei einzelnen Zollämtern ober bei den an einzelne Finanzämter angegliederten amtlichen Steuermar- kenverwaltern. Welche Dienststellen in den einzel­nen Finanzamtsbezirken in Frage kommen, ist aus den in diesen Tagen zur Veröffentlichung gelan- : genden Bekanntmachungen der einzelnen Finanz­ämter zu entnehmen.

Die Steuerpflicht umfaßt alle nach dem 30. Juni 1936 in Schriftform niedergelegten Verträge und einfeitigen Erklärungen, welche im Urkundensteuer­gesetz ihrer Art nach als steuerpflichtig angeführt i sind. Wegen des einzelnen muß auf das Urkunden­steuergesetz selbst verwiesen werden. Besonders her­

gute und schlechte Tage mit ihr teilte; die letzteren bis zur Selbstaufopferung.

So ist sie auch bald nach dem Tode von Thomas Mutter zu ihm nach Dachau gekommen, um den zur damaligen Zeit sehr bescheidenen Haushalt zu führen.

Damals begann Thomas literarische Laufbahn.

Das schlichte Gärtnerskind aus Schongau, Vik­toria Pröbstl, verfolgte mit größtem Interesse Lud­wigs Schaffen. An dem Talenteihres" Ludwig hat sie nie gezweifelt, und von seinem Enderfolg war sie felsenfest überzeugt.

Aus politisches Gebiet hat sie sich natürlich nie be­geben. Wenn uns aber abends Ludwig manchmal Bruchstücke einer neuen Bauerngeschichte zum besten gab, dann wurde sie warm, und manch treffende Bemerkung zeugte von ihrem großen Verständnis für Land und Leute.

Da war es dann fo recht gemütlich, wenn wir in dem heimeligen, gemeinsamen- und Wohnzimmer beisammensaßen, wir beide unsere Pfeifen rauchten, Ludwigs liebenswürdige Schwester an einer Hand­arbeit stichelte und wir dabei andächtig lauschten, wenn die gute Viktor Selbsterlebnisseaus der Riß" zum besten gab. .

Eines möchte ich übrigens nachholen, was ich m denErinnerungen" Ludwigs vermisse.

Ihr Lob als Köchin hat er nicht gesungen, und das hat sie doch reichlich verdient. In der Küche war sie Meisterin, und besonders Wildbret habe ich nie und nirgendwo mehr so vorzüglich gegessen wie bei ihr.

In dieser letzteren, gewiß auch sehr löblichen Eigen­schaft erlebte sie nun damals eine schmerzliche Krän­kung, und ich habe zum ersten- und letztenmal ge­sehen, daß sie mitihrem" Ludwig nicht ganz zu­frieden war.

Und das kam so:

Thoma lernte damals eine schon etwas reifere Dame kennen. Es war eine Ungarin, und das feurige Blut ihres Volkes rollte in ihren Adern. Kein Wun­der, daß Ludwig bald nicht nur für sie, sondern auch für ihr Heimatland überhaupt schwärmte, von dem sie begeisterte Schilderungen gab.

Die Dame wurde nun eines Tages zu Tisch ge­laden, und da geschah es, daß Ludwig die Weisung gab es solle hierfür alles mit Schweinefett gekocht werden. Und in seiner impulsiven Art wollte er diese Zubereitungsweise auch in Zukunft beibehalten wissen. , , v ,

Das war aber für die gute Viktor zuviel; und als ich heimkam, erzählte sie mir jammernd die Ge­schichte. , . -

Ich tröstete sie jedoch. Und als am andern Tage das Gericht auf den Tafch kam, da blinzelten sie und ich manchmal verstohlen zu Ludwig hinüber, der

Em Auto kreist im Märchen.

Don unserem römischen ^.-Korrespondenten.

Rom, Ende Juni.

Aus dem Zeitgenossenlexikon habe ich erfahren, daß das Autofahren zu meinen Lieblingsbeschäfti­gungen gehört. Sonderbar, mir kommt das gar nicht mehr zum Bewußtsein. Ein Steuerrad in den Händen zu halten, das erscheint mir nicht wie eine Lieblingsbeschäfttgung oder ein Steckenpferd, Passion" fügte man, glaube ich, früher, sondern wie eine Lebensäußerung, selbstverständlich wie das Schlafen und unwillkürlich wie das Schnarchen.

Ohne ein Auto bin ich wie der Mann ohne Brille, wenn er sie am notwendigsten braucht. Eine weitere Lieblingsbeschäftigung wäre das Fischen. Das läßt sich schon eher hören. Männer gibt es, die müssen Aktenbündel wälzen, andere müssen rauchen oder angeln. Am liebsten autle ich rauchend zum Angeln. _ ,, . .

Dazwischen macht das Arbeiten Spaß. Und so geriet ich im Zuge der dicken Luft, die über dem Mittelmeer liegt, nach Malta. Zuerst mimte ich den Spaziergänger, dann setzte ich mich ofts der Suche nach Malteserrittern und Malteserhundchen und Maltakartoffeln in eine Pferdedroschke, und als ein Mietsauto aus ihr geworden war, ging es immer noch im Kreis herum. Kleine Randbemer­kung zur großen Politik. Mehr soll aus diesen Zei­len nicht werden und nicht herausgelesen werden. Nämlich: ein Auto auf einer kleinen Insel, das ist eine verrückte Angelegenheit. Man kann darüber ins Grübeln geraten und bis zur Hegelei philoso­phisch werden. Im engen Kreis verengert sich nicht nur der Sinn, es wird ein Karussel daraus, wenn man fo eine notorische Lieblingsbeschäftigung hat. Was ist der hervorstechende Charakterzug eines Autos? Ich denke doch, der Zug ms Wette. Nun soll aber einer hier eine Fahrt ins Blaue machen. Laufen lassen, Nase immer geradeaus, Vollgas steife Ohren im pfeifenden Wind, Hohe" hinaus, Täler hinunter ach, der süße Bausch.

Auf einer Insel aber kommt man fid) oor w e bas Blei, bas von einem Zirkel heißt es doch im wilden, unsteten Wallen te nschen Lager? Es dreht sich der Bürgersmann faul und dumm wie des Färbers Gaul im Kreis herum Jetzt weiß ich, wie fo einem armen Vieh..6"^ . e l?'

Capri, denke ich, Capri, die Marcheninsel wird eine Erholung fein. Steige an der^ Marina aus, nehme nicht wie die andern die Seilbahn sondern stolpere über eine Droschke m em £ap bm Selbstmörderische, selbstquälerische Anwandlung,

ges und rücksichtsloses Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Die vom Reichs- und Preußischen Verkehrsminister wöchentlich veröffent­lichten Verkehrsunfallzahlen zeigen ein er­schreckendes Bild. Hunderte von Volksgenossen werden im Straßenverkehr getötet. Tausende neh­men schweren Schaden an ihrer Gesundheit, unend­liche Sachwerte werden vernichtet. Während der Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes jede Ar­beitskraft erfordert, müssen zahlreiche Volksgenossen im Krankenhaus die Folgen von mangelhaftem Pflichtbewußtsein und unzulänglicher Beherrschung des Fahrzeuges auf der Straße büßen.

So geht es nicht weiter!

Die Olympischen Spiele 1936 stehen vor der Türe und haben einen verstärkten Verkehr a u f allen deutschen Straßen im Gefolge. Mit dem Kraftwagen und dem Kraftrad, mit dem Fahr­rad und zu Fuß werden Hunderttausende Deutsche und Ausländer nach Berlin eilen, um an dem größten Sportereignis der Welt teilzuneh­men. Mit großer Sorge sehe ich diesen Wochen ent­gegen, wenn nicht endlich einmal Disziplin und Rück­sicht im Straßenverkehr Einzug halten.

Deutsche Kraftfahrer!

Ist das der Dank für das große Geschenk der Reichsautobahnen, das euch der Führer ge­macht hat? Schon jetzt zeigt sich, daß die große Ge­schwindigkeit, die auf den Straßen Adolf Hitlers gefahren werden kann, sich auf die übrigen Stra­ßen überträgt. Schon jetzt ereignen sich auf den Reichsautobahnen Unfälle, die auf Leichtsinn und unvorschriftsmähiges Verhalten zurückzuführen sind. Schon jetzt werden Stimmen laut, die euch nicht für fähig halten, auf den Autobahnen richtig zu fahren. Wolltihr, daß Geschwindigkeits­beschränkungen eingeführt werden? Wollt ihr, daß dem Kraftverkehr wieder Fesseln an­gelegt werden, wie in vergangenen Zeiten?

Teilt euch eure Fahrten richtig ein, fahrt rechtzei­tig weg! Fahrt vernünftig und benutzt, wenn ihr es nicht sehr eilig habt, die rechte Straßenseite!

Schneidet keine Kurven und überholt vorschrifts­mäßig Beachtet die Vorfahrtregeln und biegt lang­sam in andere Straßen ein! Nehmt Rücksicht auf alle anderen Verkehrsteilnehmer und vergeßt nicht, daß ihr als Führer der schnellsten Fahrzeuge die größte Verantwortung tragt!

Meidet den Alkohol vor und während der Fahrt!

Der Führer des Nationalsozialistischen Kraftsahr­korps und des Deutschen Kraftfahrsports, Korps­führer Hühnlein, wendet sich mit nachfolgendem Aufruf an alle Verkehrsteilnehmer durch Selbst­disziplin und gegenseitige Rücksichtnahme, Unfälle zu vermeiden:

Ein ernstes Wort vor den Olympia-Wochen

Mehr als 4000 Kilometer habe ich in den letzten Wochen im Kraftfahrzeug durch alle deutschen Gaue zurückgelegt. Zahllos find meine Beobachtungen über leichtsinniges, unvorschriftmäßi-

Aus der Provinzialhauptstadl. '

Oie Linden blühen!

Die Lieblingsväume der Deutschen, die Linden, haben ihre kleinen, unscheinbaren Blüten geöffnet und lassen einen herrlichen Duft ausströmen. Tau­sende von Bienchen werden angelockt und kommen herbei, um den Lindenhonig zu holen. Sonnen- . schein und Lindenblütenduft! Das sind die schönsten Tage für unsere fleißigen Bienen, und der Imker ' schmunzelt behaglich, wenn er in einigen Wochen aus den goldgelben Wachszellen den dunklen, fast 1 §rünlid) scheinenden Lindenhonig herausholen kann. :r läßt sich nicht durch die etwas unscheinbare Farbe beirren, er ist Kenner und weiß, wie gut der Lindenhonig schmeckt.

So stehen eben Tausende und aber Tausende von Linden in unserem Vaterlande und laben nicht nur die Bienen, sondern auch die Menschen zur Rast ein. An vielen Landstraßen, auf freien Plätzen, fast überall ftehen sie. Wir kennen Plätzchen an alten verlassenen Dorfbrunnen, die von einer Linde über­schattet sind. Da können wir stundenlang träumen, beim Duft der Blüten, beim eintönigen Rauschen des Bornes. Und ein Volkslied nach dem andern fällt uns ein: Am Brunnen vor dem Tore... Es steht eine Lind in jenem Tal... Ein Vöglein fang im Lindenbaum... Die Lindenwirtin ...

Ist die Eiche das Sinnbild der Stärke und des trotzigen Willens, so wirkt die Linde mit ihren zier­lichen, herzförmigen Blättern, ihrer schönen vollen Krone, wie das Bild der deutschen Innigkeit. Beide Bäume waren unfern Altvordern heilig. Unter den Eichen opferten sie den Göttern, unter den Linden hielten sie Gericht. Welches Dorf hat keine Linde? In wieviel Namen von Städten und Dörfern lebt die Linde fort! Schöne Mädchennamen erinnern an sie.

Hauste nicht auch einst der Drache, der Lindwurm, unter einer Linde? Und als ihn Siegfried erschlug und sich in dem Blute badete, löste sich ein Linden­blatt und fiel dem Helden auf die Schulter. Tief im Odenwald aber, an der rauschenden Quelle, unter dem alten Lindenbaum, wurde der lichte Held von dem finstern Hagen ermordet!

Wo uns von deutschem Leben, von Leid und Freude erzählt wird, in Sage und Dichtung, in Volksliedern und alten Mären, überall finden wir die Linde, die teilnimmt an dem Schicksal der deut­schen Menschen.

Unsere Straßen müssen ja nicht immer aus Nutz- lichkeitsgründen nur mit Obstbäumen bepflanzt fein. Es ist gar schön, wenn große, mächtige Lin­denbäume die Straße beschatten. Wie treue Wach­ter stehen sie hüben und drüben, schon von weitem erkennbar an ihren schönen Kronen. In den Dör­fern aber, vor dem Rathaus, vor der Kirche, im Schulhof: da stehen die deutschen Linden. In ihrem Schatten tanzen die Kittder ihren Ringelreihen, sitzen an den warmen Sommerabenden die Bauern und erzählen sich von der Arbeit des Tages. Und wenn die Alten längjt zur Ruhe gegangen sind, bann kichert es noch unter den Lindenbäumen. Das ist die Jugend, die noch nicht müde ist, die noch gern im Duft der Lindenblüten weiter plaudert. Scherze und Neckereien fliegen durch die Luft ... Leise Lieder erklingen ...

Sommernächte auf dem Lande, unter der blü­henden Linde, sie haben einen unnennbaren Reiz.

Am Tage aber sehen wir fleißige Sammlerinnen, die von dem Reichtum der Blüten ihr Körbchen füllen: denn ein Tee von Lindenblüten ist ebenso heilbringend wie der vom Hollunderstrauch. Wir schauen dankbar zu den Linden empor, sie spenden uns Schatten und Duft, sie waren unfern Ahnen heilig, auch wir wollen fie nicht vergessen, und wenn irgendwo ein Plätzchen frei ist, wollen wir einen Lindenbaum pflanzen, unter dessen Schat­ten einst noch unsere Urenkel sitzen und plaudern können zur schönen Sommerzeit. O. B.

Lornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Befehl ist Befehl!".