Ausgabe 
3.2.1936
 
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Nr. 28 Erster Blatt

Montag, 5. Februar 1956

186. Zahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesten

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Ein politisches Wochenende in Paris.

Rumänische Fühlungnahme. Oer Oonaupakt und Oesterreich im Mittelpunkt. Moskaus Politik in Güdosteuropa.

Paris, 2. Febr. (DNB.) Außenminister F l a n- d i n hatte Sonntag mit dem rumänischen Außen­minister Titulescu eine Unterredung. An­schließend begaben sich beide Minister zu König Carol ins Hotel. In gut unterrichteten Kreisen glaubt man zu wissen, daß auch der D o n a u p a k t ernstlich geprüft worden ist. Die Verwirklichung eines Garantiepaktes in Mitteleuropa habe nur nach einer friedlichen Lösung des ostafrikanischen Strei­tes Aussichten auf Erfolg. Italien sei berufen, eine wichtige Rolle jn diesen Besprechungen zu spielen. Die Unterhaltungen werden auch mit den Vertretern der anderen Staaten fortgesetzt werden. So wird Flandin am Montag dem König Boris von Bulgarien einen Besuch abstatten. Weiter wird Flandin eine Unterredung mit dem türkischen Außenminister Rüschtü Aras und am Dienstag mit Für st Starhemberg und d^m Prinzre­genten Paul von Jugoslawien haben.

DasJournal" bezeichnet den Plan einer Wie­dereinsetzung der Habsburger in Wien als gegenwärtig besonders ungünstig. Auch derMatin" weist darauf hin, daß Frankreich einen Plan einer Wiedereinführung der Mon­archie in Oesterreich nicht zu begünstigen scheine und zwar mit Rücksicht auf die Befürchtun­gen, die eine solche in den österreichisch-ungarischen Nachfolge - Staaten auslösen würde. Das Oeuvre" schildert den langen schwierigen Weg, den die Verhandlungen über eine Garantie für Oesterreich nehmen müßten, selbst wenn man vom Donau-Pakt absehe und nur Anwendungsvor­schriften des Art. 16 der Völkerbundssatzungen für den österreichischen Fall vorsehe.Le Jour" weist darauf hin, daß der rumänische Außenminister Titulescu auf die besondere Notwendigkeit der Ratifizierung des französisch-sowjet­russischen Paktes hingewiesen habe. Das Blatt fragt, ob der rumänische Außenminister sicher sei, daß ein Einverständnis mit Sowjetrußland von der öffentlichen Meinung sejnes Landes gebil- l i g t werde? Man verberge sorgfältig die Oppo­sition, die Bratianu und seine Freunde gegen diese Politik Titulescus machen. Die faschistische Bewe­gung mache in Rumänien so große Fortschritte, daß ihre Machtübernahme nicht so fraglich sei, wie man das etwa denken könne. Außerdem sei es zweifel­haft, ob der König von Rumänien und sein Außen­minister dieselbe Politik betrieben.

pas für den endgültigen Erfolg des Planes wichtig fei. Die ,-/Dimes" berichtet, in Paris schreibe man König Carol von Rumänien den Wunsch zu, Räterußland als zusätzlichen Garan­ten der österreichischen Unabhän­gigkeit heranzuziehen. Der Quai d'Orsey werde jedoch diese Absicht kaum billigen, da er sie als ein Manöver betrachte, das sicherlich eine Empfindlichkeit Deutschlands Hervor­rufen würde. Außerdem würde ein solcher Plan nicht leicht mit der französischen Politik der Regio- nal-Pakte vereinbar sein. Die Presse ist im übrigen der Ansicht, daß die auf eine Wiederher st e l - lung der Habsburger Monarchie ge­richteten Bemühungen Starhemberas allgemein auf Ablehnung gestoßen sind.

Italienischer Appell an die studenttsche Mend Europas. Die Oelsperre wird zu einem europäischen Krieg sühren.

Rom, 1. Febr. (DNB.) DerP o p o l o d'Italia", das Blatt Mussolinis, veröffentlicht einen offensichtlich beeinflußten Appell an die studentische Jugend Europas. Wenn die Sanktio­nen ausgedehnt würden, wenn dem satanischen Druck der Imperialisten und dem blutdürstigen Klüngel nachgegeben werde, marschiere Europa un­weigerlich dem schrecklichsten und unver­antwortlichsten Krieg entgegen, den die Welt je gesehen habe und den nicht die Politiker, sondern 'N erster Linie die Jugend der euro­päischen Länder austragen müßte, nur weil der Völkerbund verhindern wolle, daß die Fesseln der letzten Sklaverei in Afrika fielen und daß zwei Millionen Sklaven befreit würden.

Die O e l s p e r r e werde zu einem gewissen Zeit­punkt in der Blockade enden, die Blockade aber im Krieg und zwar nicht in einer begrenz­ten militärischen Operation zur Erreichung kolonia­ler Sicherheit, sondern in einem Krieg bis

zur Vernichtung innerhalb Europas. Gegen die Brandstifter, gegen die unersättlichen Im­perialisten und gegen d i e umstürzleri- s ch e n Bolschewiken, die beim ersten Auftre­ten in Genf dort Katastrophen vorbereiteten, müß­ten jetzt die Studenten Europas in geisti­ger Einmütigkeit z u s a m m e n st e h e n, um eine derartige Ungeheuerlichkeit, wie sie ein europäischer Krieg darstellen würde, zu verhindern. Heber teuf­lische Intrigen hinweg könne die Jugend Europas die Brücken der Verständigung und Rettung schlagen. Die Jugend werde das end­gültige Wort der Verurteilung gegen die Schmach der Sanktionen sprechen, die in Europa den kata­strophalsten Weltbrand zu entfesseln drohten.

pariser Studenten gegen Professor Leze.'

Paris, 1. Febr. (DNB.) Die Aufnahme der Vorlesungen von Prof. Jeze, der Abessinien in Genf vertreten hatte, in der Pariser Rechtsfakultät sind erneut auf heftigen Widerstand der Studenten­schaft gestoßen. Gegenüber der Fakultät waren vier Heberfallwagen der Polizei angefahren, zahlreiche Polizeistreifen sollten Ruhe und Ordnung aufrecht­erhalten. Der Dekan hatte die Vorlesung vorverlegt in der Hoffnung, daß die Studenten zu dieser Zeit noch nicht allzu zahlreich versammelt sein würden. Eine strenge Kontrolle wurde an den Eingängen der Fakultät ausgeübt. Trotzdem hallten bereits vor Beginn der Vorlesung die Gänge der Fakultät von dem RufAbtreten!'Abtreten!" wider. Als Prof. Jeze unter dem Schutz von Fakultätsbeamten den Vorlesungsraum betrat, waren zunächst nur 15 Studenten anwesend. Kaum wollte Prof. Jeze mit seinem Vortrag beginnen, als aus den Gängen des Fakultätsgebäudes Studenten den Vorlesungs­raum stürmten und mit Stinkbomben und Tränengasbomben den Rückzug von Prof. Jeze erzwangen. Durch eine Seitentür mußte Prof. Jeze den Saal und auch die Fakultät ver­lassen.

Das englische Ansrüffungsprogramm.

Flotte und Luststreitkräste sollen nach einem Sechsjahresplan verstärkt werden.

Starke Beachtung in London.

Eden wird morgen im Unterhaus sprechen.

London, 3. Febr. (DNB. Funkspruch.) Auf Betreiben der Arbeiteropposition wird im Unter= Haus wahrscheinlich schon in der nächsten Woche eine große Aussprache über d i e i n t er na­tionale Lage stattfinden, in der der ttaliemsch- abessinische Krieg, die Sanktionspolitik, die englisch- ägyptischen Beziehungen und die Ereignisse im Fer­nen Osten zur Sprache gebracht werden sollen. .. ,

Angesichts der gegenwärtigen regen diploma­tischen' Betätigung mittel- und osteuropäischer Staatsmänner in London und Paris ist es außer­dem sehr gut möglich, daß auch die allge-- meine europäische Sage erörtert werden wird. Eden wird bei dieser Gelegenheit seine erste Rede als englischer Außenminister im Unterhaus halten. Bereits in der Eröffnungssitzung am Diens­tag wird Eden von mehreren Abgeordneten über feine Besprechungen mit Lvtxov- now und anderen ausländischen Diplomaten so­wie über die letzte Entwicklung im Abessimen-Streit und über die Stellungnahme Englands zu einer Oelsperre befragt werden.

Auch die englische Presse verfolgt die di- diplomatischen Besprechungen in Paris mit größter Au merksamkeit und Spannung. Die Blatter glau­ben, daß nach dem Besuch Litwinows m Paris die Ratifizierung des sranzoflfch- fowjetrufsischen Paktes nicht mehr lange auf sich warten lassen.werde.

Die konservativeDaily Mail bezeichnet es als die Wurzel schwerster G e f a h r e n, daß Frankreich und anscheinend auch das übrige Euro- va aeuDungen" seien, Raterußland als V e r b ü n ö e t e n anzunehmen. Europa t r e i b e einem Krieg entgegen, wenn keine ener­gischen Maßnahmen zur Entspannung der Lage er­griffen würden, werde es möglicherweise zu einer KatasN-ophe kommen. Die britische Regierung müsse für den Frieden sorgen, und m erster Linie bie selb st mörderische Suhnepolitlk zu einem Ende bringen. Das Blatt erneuert seine bekannten Forderungen nach einer überwältigenden britischen Luftflotte, die mindestens 10 000 Kriegsflugzeuge umfassen müsse. °

Auch die Besprechungen Fürst Star yem b e r g s und der übrigen »föt-

männer in Paris werden stark tleacttet D e Eiat- enge7e^w?rtschafiliche^und poMche 3 U m men' m8:«rUÄ" ^Dally Te^a^be-

Befürworter feien auch der Meinung, ^B aktive Beteiligung 3 ta 11 e n ffuro- schwerst gerüsteten (Staates m diesem Teile Curo

London, 3. Febr. (DNB. Funkspruch.) Das englische Parlament, das am Dienstag wieder Zu­sammentritt, wird sich bis zu den Osterferien mit einem außerordentlich umfangreichen und bedeu­tungsvollen Programm zu befassen haben. Im Vor­dergrund steht das englische Aufrüstungs- programm, das im Kabinett so gut wie fertig- gestellt ist. Die A r b e i t e r s p p o s i t i o n beab­sichtigt, die Regierung wegen ihrer Aufrü- stungsoorschläge aufs schärfste anzugreifen: sie wird voraussichtlich in diesem Zusammenhang ein Miß - trauensvotum einbringen. ^People" glaubt, daß die für die Ausgabendeckupg erforderlichen Gelder rund 3 0 0 Millionen Pfund betragen wer­den, von denen ein Teil durch eine öffentliche Anleihe und der Rest durch Schatzanwei­sungen aufgebracht werden soll. Rund 200 Mil­lionen Pfund sollen für neue Kriegsschiffe verwandt werden. Das Bauprogramm werde sich über sechs Jahre erstrecken und folgende Fahrzeuge umfassen: 11 Großkampfschiffe, 36 Kreuzer, 120 Zerstörer, 30 H.-Boote und drei Flugzeug­mutterschiffe. Die Kosten für die Schlachtschiffe wer­den auf je 7,5 Millionen Pfund veran­schlagt, für einen Teil der Kreuzer auf je 3 Mil Honen Pfund, während die Flugzeugmutterschiffe zwischen 2,5 und 3 Millionen Pfund kosten werden.

Auch das Bauprogramm für die Luftstreit - fräfte soll sich über einen Zeitraum von sechs Jahren erstrecken und 1 2 0 0 0 neue Flug­zeuge umfassen. Ferner ist bie Anlage von 3 0 weiteren Flughäfen geplant. Für bie Ar­mee wird alljährlich ein zusätzlicher Betrag von vier Millionen Pfund ausgeworfen, der vorwiegend für bie Beschaffung von Tanks und Panzerwagen verwandt werben soll. Darüber hinaus sollen Gelder bereitgestellt werden für Be­festigungsarbeiten in Gibraltar, Singapur, am Suez-Kanal und in der Südsee. In Malta soll ein großer Flugzeugstützpunkt eingerichtet werden. Außerdem ist die Anlage von Militärflugplätzen in Indien und Australien geplant.

Zusammenschluß auf der französischen Rechten.

Paris, 3. Febr. (DNB. Funkspr.) Jrn Hinblick auf die kommenden Kammerwahlen haben rechts­stehende Persönlichkeiten, Verbände und Zeitungen sich unter der Führung des früheren Ministers und Abgeordneten de Lafteyrie zu einem Wahl­ausschuß der nationalen Re p u b l i - faner des Bezirkes Paris zusammengeschlossen. Dieser Ausschuß will alle nationalen strafte gegen bie kommunistisch-marxist. che und teil­weise auch rabikalsozialistische Volksfront zu- sammenfassen, um Unorbnung und Zerfahrenheit zu vermeiden. An Verbänden haben ihren Bei­tritt erklärt: das Werbeamt der nationalen Repu­

blikaner, der republikanische Verband Frankreichs, bie Nationale Front, bie Vereinigung bes Abgeorb- neten Franklin-Bouillon, bie nationale Volksbewegung bes Abgeorbneten Taittinger unb bie Pariser Ortsgruppe bes Nationalverbanbes ber Frontkämpfer HNC. (Vorsitzenber Le- becque). Die TageszeitungenEcho be Paris",Le Jour",Ami bu Peuple",Figaro", Journal bes Debats".Liberte" sowie bie Wochen­schriftGringoire" haben sich dem neuen national­republikanischen Wahlausschuß zur Verfügung ge­stellt.

Französische Gäste der olympischen Winterspiele in Berlin.

Berlin, 3. Febr. (DNB. Funkspruch.) Jn Er- wiberung ber Enbe November 1935 erfolgten Reise ber Deutsch-französischen Gesellschaft nach Paris ist eine Aborbnung bes Comite France- Allemagne in Berlin eingetroffen. Zu ihrem Empfang hatten sich ber Vorfitzenbe ber Deutsch- französischen Gesellschaft, SA.-Oberführer, Professor von Armin unb Reichskriegsopferführer Ober- linbober am Bahnhof eingefunben. Unter ben Pariser Gästen bemerkte man Koknmandant L'Ho- pital, ben Präfibenten bes Comite France- Allemagne, bie Vizepräsibenten Gustave Bonooi - s i n unb Fernanb b e Brinon unb bie Front­kämpferführer Charrons (Union Nationale), Pjneau (Union F£d£rale) unb b e Haute- fort (Combattanf de LAir). Nach einem zwei­tägigen Aufenthalt in ber Reichshauptstabt wirb bie französische Aborbnung auf Einlabung bes Reichs- sportführers ben olympischen Winterspielen in Gar­misch-Partenkirchen beiwohnen.

Der Triumph der Verderbtheit."

fionbon, 1. Febr. (DNB.) Unter dieser Über­schrift bezeichnet die Tochter bes früheren britischen Botschafters in Petersburg, Buchanan, in ber Saturbarj Review" es als eine Schmach unb eine Schanbe, baß ein Mann wie Litwinow, ber für bie Ermorbung bes Zaren Niko­laus mitverantwortlich fei, die Möglich­keit gehabt habe, gemeinsam mit den Vertretern ber europäischen Herrscherhäuser hinter b e m Sarg bes Königs Georg zu gehen, ber bem ermordeten Zaren in herzlicher Freundschaft zuge­tan gewesen sei unb der das Trauerspiel von Jekaterinenburg niemals völlig verwunden habe. In ber ganzen Geschichte gebe es so kein verbreche­risches Beispiel von Unverschämtheit als bie Ent- jenbung biefes Vertreters ber Sowjets zur Bei­setzung bes englischen Königs.

Weiterung im Älmeer.

Von unserem römischen E -Korrespondenten.

Rom, Qyibe Januar.

Man sollte sich baran gewöhnen, zwischen bem Kampf ums Mittelmeer unb bem Krieg i m Mit- telmeer scharf zu unterscheiben. Der eine ist ein feit zwanzig ober mehr Jahrhunberten in Gang befind­liches Ringen, em latenter Begriff, sozusagen ein chronischer Zustanb; ber anbere hingegen im­mer nur eine Teilerscheinung baraus, eine aktuelle Begebenheit, ein akuter Zustanb. Geschichtlich gesehen, ergibt sich eine Wellenlinie, aus ber in ben letzten Jahrhunberten einmal bie Darbanellen, bann bie Enge von Gibraltar ober ber Suez­kanal hervortreten, bei welchen Fieberausbrüchen jebesmal weitere Gebiete in Mitleibenschaft ge­zogen werben: bie Krim, Kleinasien, Palästina, Marokko, Abessinien unbforoeiter. Unb saßen, um mit ben alten Schriftstellern zu sprechen, bie Mächte bamals wie Frösche um bie Pölkertränke, so hat ich bas bisher nicht wesentlich geänbert. Nur bie Kampfmittel finb anbers geworben, bie Kriegs­schiffe zumal, bie Eifersucht ist geblieben.

Seit bem Auftreten ber abessinischen Fieberwelle wirb nun ber akute Zustanb bes offenen Krieges im Mittelmeer hartnäckig unb voreilig auf bie Kurven­karte gemalt, wobei bie meistem Menschen an einen Krieg zwischen Englanb unb Italien benfen, obwohl er bestimmt roeber in Lonbon, noch in Rom ge* wünscht, geschweige benn betrieben wirb. Es heißt, baß sich bie blitzschwangeren Wolken schon zusam­menballen unb jeben Augenblick bas Gewitter los­brechen kann. Will man bie Dinge so meteorologisch betrachten unb schien es in ben letzten Wochen wirk­lich so schwül, so müssen bie Wetterkunbigen jetzt aber auch zugeben, baß sich über bem Mittelmeer Aufheiterung eingestellt hat unb bas Tief über ber norbafrikanischen Küste zerfallen zu fein scheint. Nüchtern gesagt, ist bie Gefahr einer Ausbehnung bes afrikanischen Krieges auf Europa geschwunben, wenigstens zunächst einmal.

In Rom herrscht jebenfalls eine Ruhe unb Ge­lassenheit, wie sie bie Welt in ben kritischen Juli- tagen bes Jahres 1914 nicht kannte. Don einer Mobilisierung über bie Bebürfnisse bes Kolonial­krieges hinaus kann keine Rebe sein. Im römischen S*mmelsblau sieht man weniger Flieger kreisen als sonst, benn an Benzin soll nicht mehr als bas Un­erläßliche verbraucht werben. Eine Maßnahme, bie burchaus noch keinen Mangel bedeutet. Sparen heißt vorsehen unb an bie Devisen benfen. Schließlich finb wir im brüten Monat bes Sanktionskrieges, bei besten Ausbruch es hieß, in einem Vierteljahr werbe er Italien zum Weißbluten bringen unb in weiteren brei Mona­ten auf bie Knie zwingen. Darüber lächelt nun ber Römer, man kann es ihm nicht Derbenfen. Er ist stolz auf fein Italia sanzionata unb macht feine Witze auf biefanftionierten Sanftionisten", bie durch bie Genfer Beschlüsse härter in Mitleiden­schaft gezogen werden als der arme Sünder. Tag für Tag lieft er in ber Zeitung von neuen Opfern, vom Erliegen ber Holzinbustrie in Jugoslawien, von ber wächsenben Arbeitslosigfeit in ber Schweiz, ben Schabensersatzansprüchen ber belagerten Be­lagerer, ben Hausstreitigfeiten wegen ber Benzin- foerre. Offenbar gibt es Delmagnaten, bie mächtiger finb als ber sogenannte Bunb ber Völfer. Was wol­len gegen biefe Verschärfung ber Weltfrisis bie paar Einschränfungen in Italien besagen? Zumal a n manchen Lebensrnitteln, eben wegen ber unmöglichen Ausfuhr, niegefannter Heben fluß herrscht? Italien hat nun seine Reisnot, wie Ungarn seine Weizennot, unb Wein gibt es so viel, baß man ihn zum Teil in bie Brennereien schicken muß. Noch vermißt bie Hausfrau überhaupt nichts, wenn sie auf ben Marft geht, feine Brot- ober Fettfarte ist in Sicht, unb wenn es in ben Läben an bem ober jenem Bebarfsartifel fehlt, so läßt sich ber Mangel in feiner Weise mit ber Welt­kriegszeit vergleichen. Es herrscht Futternot, ja, doch kommt bas Vieh nun allmählich schon wieder, dank bes überaus mifben Winters, ins Grüne. Aus Hunger also braucht Italien keineswegs zu ber Verzweiflungsaktion" zu schreiten, in bereu Er­wartung angeblich Hunberte von Kriegsschiffen demnächst im Mittelmeer manövrieren sollen, eng­lische und französische.

Unb wer aloubt im Ernst baran, daß Mussolini wegen der Oelfnavpheit die Eristenz einer Nation leichtfertig aufs Spiel setzen werde? Was soll mit einem Aufbegehren gegen England gewonnen wer­den? Brächte benn ein solcher Krieg nicht sämt­liche Benzinhahnen mit einem Schlage zum Ver­siegen? Kolossal schauerliche Geschichten gehen um über bie italienischen Tobesflieger, bie sich schon barauf oorbereiten, als lebende Bombe auf die englischen Dreadnoughts niederzufallen. Nur schade, daß der Eründung ber Reiz ber Neuheit abaebt, benn bas Patent auf bieSelbstmörbertorpedos" haben bie Japaner. Unb bochhat sich England einschüchtern lassen unb wagt es beshglb nicht mehr, bie Oelsperre burchzusetzen". Das kann man in Fettdruck lesen. Es erinnert, da mir schon einmal in ber Wetterkunbe finb, an Frosch- unb Blut- und Schwefelregen. Aengstliche Gemüter bekreuzigen sich.

Bliebe ber militärische Mißerfolg in Abessinien, ber Rom zu einer unüberlegten Hanblung verleiten könnte. Wieso eine Niederlage in Afrika die Jta» (iener zu einem forschen Heberfall ber englischen Streitkräfte ermuntern würde, ist freilich auch nicht ggnz klar. Abgesehen baoon, baß es in Abessinien keineswegs nach Katastrovhe riecht. Wenn die Zei» chen nicht trügen, wird Mussolini Africanus sogar ein hübsches Stück Land erobert Haben, bis aus den Genfer Verpuppungen der Kommissionen und Hnterkommissionen der Schmetterling der Oelsperre ausfriecfjt