Wie bereits gemeldet, hat der Reichs- und Preußische Minister des Innern Landeshauptmann T r a u p e l in Wiesbaden in die Aemter des Landeshauptmanns der Provinz Hessen-Nassau und des Landeshauptmanns des BezirksverbandesHessen mit dem Dienstsitz in Kassel eingewiesen. Die Berufung erfolgte unter Beibehaltung seines Amtes als Landeshauptmann in Nassau. — (DNB-Heimatbilderdienst.
Photo: Elnain jun.)
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werden soll, amtlich untersuchen zu lassen. Das Gesetz hat diese Regelung gewählt, um nach Möglichkeit eine Umgehung der Beschau- und Ueber- wachungsvorschrift auszuschließen. Aus diesem Grundgedanken heraus muß angenommen werden, daß auch Schlachttiere, die dritte Personen in den Metzgereien hausschlachten lassen, der amtlich en Fleischbeschau und Trichinenschau zu unterziehen sind.
Höchstpreise für Ochsen- und Rindfleisch
Nach einer Bekanntmachung des Kreisamtes Gießen hat der Herr Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — nunmehr auch Höchstpreise für Ochsen- und Rindfleisch (außer Filet, Lende und Roastbeef) wie folgt festgesetzt:
für den Bereich der Stadt Gießen 80 Pf. je Pfund,
für den Bereich der Landgemeinden des Kreises Gießen 75 Pf. je Pfund.
„3m gleichen Schritt und Tritt."
Unter diesem Titel läuft, wie in unserem gestrigen Anzeigenteil bekanntgegeben wurde, am kommenden Sonntagvormittag im Gloria-Palast in Gießen der große Kyffhäuser-Nationalfilm des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund). Die Vorführung erfolgt auf Veranlassung des
Die deutsche Nation trägt das Opfer der im Weltkrieg Gefallenen und Verwundeten als ewige Mahnung in ihren Herzen. Unsere Dankbarkeit wird sich bewähren, wenn am 4. und 5. Januar die Frontsoldaten der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung für das 7VHW. sammeln.
Kreisoerbandes Gießen des Kyffhäuserbundes. Das Musikkorps des Jnf.-Rgts. 36 unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e wird mit seiner guten Militärmusik die Veranstaltung bereichern. Es ist Vorsorge getroffen, daß bei sehr starkem Andrang der Besucher eine Parallelvorstellung im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, stattfinden kann. Weitere Einzelheiten, insbesondere über den Kartenverkauf, sind aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.
Die Feuerwehr im Lustschuh.
Seit dem gestrigen Donnerstag ist auf Veranlassung der Bezirksgruppe Oberhessen-Gießen des Reichsluftschutzbundes in der Luftschutzschule Gießen ein mehrtägiger Sonderlehrgang zur Ausbildung der F e u e r w e h r k o m m a n - danten des Kreises Gießen in den Aufgaben des Luftschutzes im Gange. Das Ziel des Lehrgangs ist, die Führer der Feuerwehren für die besonderen Belange des zivilen Luftschutzes auszubilden. An dem ersten Sonderlehrgang nahmen rund 40 Feuerweyrführer teil.
Bei der gestrigen Eröffnung im Hause des Studentenwerks hielt der Bezirksgruppenführer, Luftschutz-Oberführer Poppe (Gießen), eine Ansprache, in der er die Vertreter der Partei, der SÄ., des Staates und die Kursusteilnehmer im Namen der Bezirksgruppe Oberhessen des Reichsluftschutzbundes begrüßte und die Anwesenheit der Gäste als Ausdruck ihres starken Interesses für die Arbeit des Reichsluftschutzbundes bezeichnete. Dann sagte er u. a. weiter:
Der Reichsminister der Luftfahrt und General der Flieger Göring hat den RLB. beauftragt, den Gedanken des Luftschutzes jedem Deutschen einzuhämmern und die Zivilbevölkerung im Luftschutz- Selbstschutz zu schulen. In seiner letzten Rede im Sportpalast sagte er:
„Wenn wir eine noch so große Luftflotte, wenn wir an allen Ecken und Enden zehntausende von Kanonen und Maschinengewehren aufstellen würden, so würde das niemals ausreichen, dem deutschen Volk Schutz vor den Folgen eines Luftkrieges zu gewähren. Dem Luftschutz kommt deshalb eine unendlich wichtige Aufgabe zu! Wir könnten die Luftwaffe gar nicht groß genug haben, und doch
könnten wir nicht verhindern, daß schwerste Nachteile dem deutschen Volk erwachsen, wenn wir nicht gleichzeitig auf der Erde für den notwendigen Luftschutz gesorgt haben!"
Aus diesen Worten des Generals Göring folgt für uns, daß wir niemals ruhen und rasten dürfen, bis wir das uns gesteckte Ziel erreicht haben. Der Lehrgang hat den Zweck, die Feuerwehrkommandanten der Landgemeinden über ihre Aufgaben im Luftschutz zu unterrichten und über den Wert und den Ernst ihrer Arbeit im Rahmen der Gesamtlan- desverteidigung unseres heißgeliebten Vaterlandes aufzuklären. Hierzu muß ich wörtlich den Ausspruch des Generals der Flieger H. Göring anführen:
„Meine Kameraden vom RLB., ihr habt nur eine andere Aufgabe als der Soldat an der Front, aber ihr habt auch zu kämpfen und, wen es notwendig ist, zu sterben. Der Kämpfer im Luftschutz ist dem Soldaten der Wehrmacht und dem Soldaten der Luftwaffe durchaus gleichberechtigt!"
Sodann folgte die feierliche Flaggenhissung, bei der des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler mit dreifachem Sieg-Heil gedacht wurde.
Nunmehr traten die Kursusteilnehmer in ihre Ausbildungsarbeit ein. Die Reihe der Vorträge wurde von Gewerbelehrer Jng. Schuchmann mit einem aufschlußreichen Vortrag über den Zweck und die Organisation des zivilen Luftschutzes eröffnet. Anschließend sprach Studienassessor von Bült- zingsloewen über chemische Kampfstoffe, wobei er seinen Vortrag durch eine Anzahl Experimente außerordentlich lebendig und lehrreich gestaltete.
Im Verlaufe der weiteren Schulungsarbeit werden die Kursusteilnehmer noch eine Reihe von Vorträgen hören.
Betriebsappell im Gau Hessen-Nassau.
Landesobmann pg. Willi Becker spricht zum Jahreswechsel zu den Arbeitern im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Ein Jahr arbeitsreichen Wirkens liegt hinter uns. Die erzielten Leistungen find dem Nationalsozialismus immer Ansporn, nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern mit ungeminderter dynamischer Kraft und zähem Aufbauwillen an die weitere Verwirklichung der uns vom Führer gestellten Aufgaben heranzugeheu.
So rief auch die Deutsche Arbeitsfront am 2. Januar alle Schaffenden im Gau Hessen- Nassau zu einem großen Betriebsappell zusammen, welcher von einem Offenbacher Werk durch den Reichssender Frankfurt in alle Betriebe des Gaues übertragen wurde. Der Betriebsführer des Werkes eröffnete den ersten Arbeitstag des Jahres 1936 mit einem kurzen Rückblick auf die geleistete Arbeit und mit Dankesworten an alle diejenigen, die sich für die Erhaltung des Werkes verdient gemacht haben. In seinen Worten hob er besonders hervor, daß der Bestand und die Zukunft des Werkes in dem vergangenen Jahre gesichert werden konnten und der Dank dafür nur einem Mann zukomme, den uns die Vorsehung geschenkt hat: unserem Führer, Adolf Hitler.
Er hol der Arbeit neuen Sinn gegeben und aUe Schaffenden mit neuem Denken erfüllt, das nur Deutsch land heißt, hierdurch ist die Arbeit die Krone des Lebens und wer diese Krone des Lebens trägt, ist geadelt.
Die in dem Schlußwort des Betriebsführers gegebene Parole: „Einer für Alle, Alle für Einen" zeigt, daß wir alle eine zusammengeschweißte und miteinander verbundene Schicksalsgemeinschaft sind, und daß es gilt, nicht nur für die Gegenwart zu arbeiten und etwas zu leisten, sondern daß wir die Grundsteine für ein ewiges Deutschland zu legen haben.
Nach der Rede des Betriebsführers führten die Werkskapelle, der Werkschor und die Werkschar des Betriebes eine Feierfolge, „Wir Arbeiter bauen am ewigen Reich" auf. Tief in die Herzen der Arbeiter gesprochen zeigte diese Dichtung, von welchem neuen Wollen der schaffende deutsche Mensch getragen wird, und die in einem eindrucksvollen Werk von Sprechchor, Gesang und Orchester zusammengefundene glückliche Lösung hinterließ tiefen Eindruck.
Nach dieser Feierfolge ergriff der Landesobmann Pg. Willi Becker das Wort. Fast eine halbe Million Männer und Frauen der Arbeit, die in den Stätten ihres Wirkens angetreten waren, nahmen die Parole für die Arbeit des neuen Jahres entgegen. Er betonte u. a., daß die Gemeinschaft die Voraussetzung zu einer fruchtbaren Arbeit biete, und daß es im neuen Jahr unsere Hauptaufgabe fei, den Gemeinschaftsgeist weiter zu vertiefen.
Jeder einzelne Mensch müsse darum diese Wandlung im nationalsozialistischen Sinn an sich selbst vollziehen, und er müsse sich von Grund auf neu den Dingen und Begriffen unserer Zeit erschließen. Arbeit sei etwas Neues geworden. Sie hebe und adle den Menschen; die Arbeit gebe ihm Inhalt und die Krone des Lebens. Arbeiten dürfen und feine Pflicht erfüllen im Dienst der Gemeinschaft heißt vollwertig leben, und der höchste Adel sei der der Arbeit.
Aus dem engen Rahmen des Jchs hinausgetragen und hineingepflanzt in diese Gemeinschaft gebe sie dem Schassenden Freude und Erfüllung seines Strebens. Das Große aber wäre, daß keiner mehr nur für sich arbeite, sondern für Deutschland, daß sein Streben nicht allein dem Lohn gelte, sondern besonders seiner Anerkennung um den seelischen Wert. Mit dieser Parole gab der Landesobmann Pg. Willi Becker den Befehl zur Flaggenhissung und zur Arbeit.
Unter dem Rattern und Getöse der sich in Gang setzenden Maschinen begannen Tausende den ersten Arbeitstag des Jahres 1936, erfüllt mit neuer unermüdlicher Schaffenskraft und zähem Aufbauwillen. Während früher die zersetzende Idee des Marxismus und Liberalismus die schaffenden Kräfte unseres Volkes zugrunde richtete, treten heute alle schaffenden Deutschen mit einem unermüdlichen Fleiß und aufopferungsvoller Hingabe in das neue Arbeitsjahr, und ihr Ziel heißt nur
Deutschland!
Nicht müde werden, Annelies?
Roman von Bernhard Lanzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Die Dunkelheit war langsam über den Garten herabgesunken. Zwischen den Baumwipfeln funkelten die Sterne. Lore Birkner war allmählich verstummt, eine weiche, träumerische Stimmung hatte von ihr Besitz ergriffen. In ihren Augen war ein sehnsüchtiger Glanz, der dem Funkeln der Sterne nichts nachgab.
Costa erhob sich plötzlich und trat langsam und wie unabsichtlich zu ihr heran. Er sah durch die Busche über das Wasser hin.
„Ach, sehen Sie nur mal dort...", deutete er mit der Hand hinüber.
Sie wandte sich gespannt zur Seite. Da beugte er sich plötzlich zu ihr herab und umschlang ihren Kopf. Sie war überrascht und hielt ganz still. In ihren Augen war ein Licht jäher Erwartung.
Er hielt sie fest. Seine Augen waren dicht über den ihrigen.
„Den Nachtisch bitte!" sagte er mit leiser, unterdrückter Stimme.
Sie gab keine Antwort. Und sie rührte sich nicht. Langsam schlossen sich ihre Augen.
2)a preßte er seine Lippen auf ihren halb geöffneten Mund. Willenlos ließ sie es geschehen Em Schauer schien sie zu durchrinnen.
Dann machte sie sich plötzlich frei.
„Aber — wenn das jemand sieht..
„Es hat's niemand aesehen. Und wenn schon — es sind ja auch nur Liebesleute, die haben schon Verständnis dafür."
Ehe sie es sich versah, hatte er sie ein zweites Mal umfaßt und geküßt. Und diesmal trank sie in durstigen Zügen feinen Kuß in sich hinein.
Er ließ sie wieder los und zog seinen Stuhl an ihre Seite. Sie duldete es nur zu gern, daß er seinen Arm um ihre Schulter legte.
Plötzlich lachte sie leise in sich hinein.
„Wenn das unsere gute Mia wüßte! Wenn sie wüßte, daß ihr getreuer Costa auf Abwegen wandelt! Noch dazu mit mir — ausgerechnet mit mir!"
„Meinetwegen kann sie es wissen", lachte er sorglos und unbekümmert. „Aber ich dächte, wir hätten eigentlich Wichtigeres und Angenehmeres zu tun, als an sie zu denken und von ihr zu sprechen."
Lore Birkner schien anderer Meinung zu sein. Ein merkwürdiges Licht glomm in ihren Augen auf, eine schillernde Härte, die nicht frei von einer gewissen Grausamkeit mar. So sah sie eine Weile schweigend vor sich hin in das Dunkel des Jasminstrauchs, durch den die jenseitigen Uferlichter herüberschimmerten wie schwankende Leuchtkäfer.
Sie behielt ihre leicht geduckte Haltung auch bei, während sie die Zungenspitze über die Lippen gleiten ließ.
Wie das Züngeln einer Schlange!, dachte Costa, der sie still beobachtete.
Dann antwortete sie endlich:
„Vielleicht ist es gerade gut, heute an Mia zu denken und von ihr zu sprechen. Vielleicht werde ich Ihnen sogar sagen, wo sie steckt..."
Costa war überrascht. Aber er ließ sich seine Spannung nicht anmerken.
„Ich habe wirklich kein Interesse mehr daran", erwiderte er anscheinend gleichgültig. „Außerdem würden Sie ja nur Ihrem Vorsatz, darüber zu schweigen, untreu werden, und das lohnt sich doch wirklich nicht."
Sie zog langsam die Abendluft durch die Nase, deren feine Flügel leise zuckten.
„Vielleicht doch. Ganz sicher, es lohnt. Und was heißt denn untreu werden? Wenn ich es mir plötzlich anders überlege und es für gut befinde, Ahnen ein bißchen die Augen zu öffnen, so hat das seine guten Gründe. Außerdem kann ich ja tun, toas mir beliebt. Und wenn ich etwa morgen zu Ahnen sagen würde: Mein lieber Costa, Sie sind ein ausgemachtes Lamm — ich habe Sie gestern abend nämlich em bißchen angeschwindelt!, so würde ich auch das tun ohne die geringste Spur von Gewissensbissen. Vielleicht bin ich tatsächlich um einige Grade mehr in Sie verliebt als Sie vorläufig in mich, möglicherweise erscheint es mir im Hinblick
auf die Entwicklung wünschenswert, Ihnen gleich von allem Anfang an reinen Wein einzuschenken. Möglich auch, daß ich nur so einem kleinen Rachegefühl damit nachgäbe. Sie können sich davon aussuchen, was Sie wollen, und was Jh.^ii am besten schmeckt."
„Dann wähle ich selbstverständlich die um einige Grade stärkere Verliebtheit, sie ist am angenehmsten und bekömmlichsten", lachte er. „Wissen Sie übrigens, daß Sie anfangen, mir ungeheuer interessant zu werden? Sie sind wie ein Kätzchen, das man immer streicheln möchte, vor dem man aber auch immer auf der Hut fein muß, daß es einem nicht die niedlichen Krallen in die Augen schlägt. Das. ist gerade was für mich, darin könnte ich mich rettungslos verlieben."
Sie lachte leise auf.
„Bei dauernder Beschäftigung damit würde Ihnen vielleicht der Appetit vergehen. Es sei denn, Sie wären wirklich ein Mann, der ab und zu die niedlichen Krallen spüren muß, wenn er sich richtig wohl fühlen soll. Aber ich sehe natürlich ganz deutlich, daß Sie im Stillen darauf brennen, zu hören, was es mit Ihrer Mia auf sich hat. Und das sollte mich eigentlich veranlassen, mich schnell mal wieder anders zu besinnen."
Er zuckte gleichmütig die Achseln.
„Wie Sie denken. Daß ich ein bißchen neugierig geworden bin, ist doch mal klar, aber es stört mich durchaus nicht, wenn Sie es nun doch wieder vorziehen, Ihre kleinen Geheimnisse für sich zu behalten."
„Ganz hübsche kleine Geheimnisse!" lachte sie erneut mit dunklen Blicken.
Dann wandte sie sich ihm zu:
„Also Sie sollen wissen, was los ist. Ich habe natürlich Ihr Wort, daß Sie mich unter keinen Umständen verraten werden?"
„Selbstverständlich. Sie können sich in jedem Falle darauf verlassen."
„Gut."
Sie legte den linken Arm auf Costas Stuhllehne und stützte den Kopf in die Hand.
„Also hören Sie mal zu, mein lieber Costa: Ich bin in jeder Beziehung ein vernünftiges Mädel, und wenn ich mich jetzt mit Ihnen in ein ungewisses Abenteuer einlasse, so beweist das nicht etwa
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 2. Jan. Die diesjährige Silvester- feier des hiesigen T u m o e r e i n s, zu der sich recht viele Turnfreunde mit ihren Angehörigen eingefunden hatten, wurde in gewohnter Weise bei Gastwirt Braun abgehalten. Eine sehr gut besetzte Musikkapelle sorgte für beste Unterhaltung der vielen Besucher. Mit herzlichen Worten begrüßte zu Beginn der Veranstaltung Vereinsführer Dau- p e r t die Gäste. Er führte u. a. aus, das Jahr 1936 werde uns, sportlich gesehen, vor ein großes Ereignis stellen. Wenngleich Verbände aufhören zu bestehen, so werde doch der turnerische und sportliche Geist in einen großen Bund, den Reichsbund für Leibesübungen, einziehen können. Der Reichsbund solle im neuen Jahre die ganze Welt empfangen und dem Auslande die deutsche Turn- und Sportkunst, wie die geschlossene Einheit vor Augen führen. Diese Einheit, die den Reichsbund mit turnerischem Geist erfülle, fei dereinst Jahns Traum gewesen. Möge das neue Jahr unserem Vaterland und Führer neue Schaffenskraft bringen und in uns den Glauben an die Zusammengehörigkeit immer fester werden lassen. Das ausgebrachte „Gut- Heil" galt unserem geliebten Führer und Vaterland. Anschließend nahm der Vereinsführer die Ehrung langjähriger verdienter Mitglieder vor. Zu Ehrenmitgliedern unter gleichzeitiger Überreichung eines Diploms wurden ernannt: bei 50jähri- ger Mitgliedschaft Ludwig Oßwald, Ludwig Deibel, Jakob Hoffmann, für 25jährige Mitgliedschaft: Wilh. Weller, Heinrich Balser, Jakob Bernhardt, Otto Deibel und Adolf Ihm. Herzliche Dankesworte und Glückwünsche wurden den Jubilaren zuteil. Ein mit großem Fleiß eingeübtes dramatisches Schauspiel wurde mit viel Geschick und Talent zur Aufführung gebracht. Die Darstellenden ernteten wohlverdienten reichen Beifall. Ebenso wurden einige heitere Darbietungen und humoristische Einlagen freudig ausgenommen. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Turn- freunbe und Besucher dann bei bester Stimmung versammelt. Am 25. Januar wird der Turn-Verein eine große Veranstaltung zu Gunsten des Winterhilfswerks folgen lassen.
# Heuchelheim, 2. Jan. In der hiesigen Turnhalle gab das Gießener Stadttheater am Neujahrstage seine seit Jahren gewohnte Neujahrs-Aufführung. Den Besuchern wurde mit der Oper „Der Waffenschmied" eine sehr große Freude bereitet. Die Aufführung fand den starken Beifall der begeisterten Zuschauer.
OO Klein-Linden, 2. Jan. Am Neujahrstag wurde Werkführer i. R. Johann Wilhelm R e u s ch l i n g , der ein Alter von 75 Jahren erreicht hatte, unter großer Beteiligung vieler Leidtragenden zu Grabe getragen. Pfarrer König hielt die Grabrede. Für den Männergesangverein „Arion", dessen Gründer und einstiger, Vorsitzender der Verstorbene war, würdigte Vereinsführer Friedrich M ü l l n die Verdienste des Verblichenen um den Verein und das deutsche Lied und legte einen prachtvollen Kranz nieder. Seine Sangesbrüder fangen ihm letzte Grüße über das Grab. Der Turnverein Klein-Linden 1889, zu dessen Gründern Herr R e u s ch l i n g gehört hatte, widmete durch seinen Vorsitzenden Karl Weiß seinem langjährigen Ehrenmitglied ebenfalls unter ehrendem Nachruf einen Kranz.
< Staufenberg, 2. Jan. Der hiesige Verein für Schweineversicherung hielt im Lokale des Gastwirts Ludwig Zecher seine Generalversammlung ab. U. a. wurde beschlossen, der Reichsgruppe für Privatversicherung beizutreten. Der seitherige Vorsitzende Heinrich Vogel IV. wurde einstimmig wiedergewählt. Nach Prüfung der Rechnung, bei der sich ein ansehnlicher lieber- schuß der Kasse ergab, wurde dem Rechner Dietrich, Heibertshausen, Entlastung erteilt.
(1) Dau bringen, 2. Jan. Im Rahmen der zweiten Erzeugungsschlacht fand hier eine Versammlung der Ortsbauernschaft unter Leitung des Ortsbauernführers Karl G r ö l z II. statt. Der Ortsbauernführer berichtete zunächst über das Ergebnis der vorjährigen Erzeugungsschlacht und betonte bann u. a., daß im Bezirk Gießen 50 Morgen Flachs angebaut werden sollten, wobei auch die örtliche Bauernschaft mithelfen müsse. Das Saatgut wird unentgeltlich gestellt. Einzeichnungen zu dessen Bezug wurden von zahlreichen Landwirten bereits oorgenommen. Weiter beschäftigte man sich mit der kommenden Reichsnährstands- Ausstellung in Frankfurt und mit Fragen des Urlaubsaustausches für das Landvolk, der Nützlichkeit das Gegenteil. Ich bin mir natürlich darüber klar, daß Sie sich im Augenblick nicht etwa mit der Ab- sich tragen, mich einmal zu heiraten. Wir wollen die Entwicklung ruhig der Zukunft überlassen. Vorläufig bin ich zufrieden, wenn ab und zu ein bißchen Glück für mich abfällt. Es ist sogar möglich, daß ich überhaupt nicht zum Heiraten geschaffen bin. Heute weiß ich weder das eine noch das andere mit Sicherheit. Ich kenne Sie auch zu wenig, um beurteilen zu können, ob Sie endgültig von Ihrer Leidenschaft für Mia geheilt sind, und da sollen Sie für alle Fälle sehen, daß Sie nichts, aber auch nichts mehr von ihr zu erwarten haben."
Sie schwieg einen Moment und sah mit zusammengeschobenen Augenbrauen vor sich hin. Costas Spannung war aufs höchste gestiegen. Da fuhr Lore Birkner fort:
„Denken Sie mal an das Rennen, das Ihnen „Goldfasans" ersten und überraschenden Sieg bringen sollte. Sie haben auf die Teilnahme an dem Rennen verzichten müssen — nicht wahr?"
„Allerdings ..."
„Und warum?"
„Das wissen Sie ja — weil ich plötzlich krank wurde."
„Und Sie haben natürlich keine Ahnung, wie Sie zu dem plötzlichen Unwohlsein gekommen sind?"
„N—nein ... Aber was hat diese Frage zu bedeuten?"
„Sie sollten nämlich ein bißchen krank werden."
„Ich sollte ...? Das ist ja allerhand! Wer hatte denn Interesse daran?"
Costas Stirn hatte sich gerötet. Lore Birkner sah ihm mit einem merkwürdig harten Lächeln in die forschenden Augen.
„Die gute Mia natürlich. Wer denn sonst!" erwiderte sie fest.
„Ja — wie denn? Ich verstehe nicht..."
Lore Birkner behielt das Lächeln bet.
„Erinnern Sie sich, daß Sie am Abend vor Ihrer beabsichtigten Abreise noch einmal bei uns waren?"
„Natürlich."
„Und am anderen Morgen waren Sie krank — nicht wahr?"
Costa sah sie mit weiten Augen an.
(Fortsetzung folgt!)


