Nr. 126 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, Z.Zuni 1956
Gießen ehrt die Skagerrak-Kämpfer.
Die Stadt schafft auf Anregung des SA.-Marine-Sturmbannesll/34 einen Skagerrak-Platz. Die feierliche Grundsteinlegung.
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Bürgermeister Dr. Hamm als Vertreter der Stadt.
Die drei Hammerschläge bei der Grundsteinlegung.
Der Führer des Marine-Sturmbanns, Mettenheimer.
Einer Anregung des SA.-Marine-Sturmbannes 11/34, vertreten durch seinen Führer, Oberscharführer Mettenheimer, Rechnung tragend, hat sich die Stadtverwaltung bereiterklärt, den breiten und langgestreckten Platz vor der Pestalozzischule m den Eichgärten zu einer Stätte der Ehrung für die Skagerrak-Kämpfer zu machen und ihm den Namen „Skagerrak-Platz" zu geben, lieber die Einzelheiten dieses Planes haben wir im Gießener Anzeiger vom 28. Mai bereits berichtet.
Anläßlich der zwanzigsten Wiederkehr der Tage der ruhmreichen Schlacht am Skagerrak ist im Rahmen einer besonderen Feierlichkeit des S A. - M a - rine-Sturmbannes 11/34 Gießen der erste Schritt zu dieser Ehrung erfolgt:
die Grundsteinlegung zum Skagerrak-plah.
Am Samstag vereinigten sich die Kameraden des Marine-Sturmbannes mit ihren Angehörigen zunächst zu einem Kameradschaftsabend im Cafe Leib
Am Pfingstsonntagmorgen fand ein Großes Wecken des Musikzugs der Marine-Standarte 34, eines Spielmannszugs und von Abordnungen der Manne-SA. und der Marine-HI. statt, das durch eine Reihe von Straßen führte. Nach den Kranzniederlegungen am Gefallenen-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz durch den Führer des Marine-Sturmbannes 11/34, Oberscharführer Mettenheimer, und durch die Marine-Kameradschaft, sowie dem Aufziehen einer Ehrenwache der Marine-SA., Marine-HI. und der Marine-Kameradschaft, marschierten der Marine- Sturmbann 11/34, die Marine-HI., ein Ehrensturm der Standarte 116, eine Abordnung des. NSKK und die Marine-Kameradschaft Gießen vom Bootshaus der Marine-Kameradschaft aus unter den Klängen der Marine-SA.-Musik durch die (Eber= straße, Wernerwall, Hitlerwall, Moltkestraße zur Pestalozzischule in den Eichgärten zur Grundstein- legunqsfeier
An dem künftigen Skagerrak-Platz hatten sich mittlerweile zahlreiche Ehrengäste, Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht usw. und eine große Menschenmenge eingefunden. Die Formationen wurden nach ihrem (Eintreffen dem Standartenführer Lutter gemeldet, sodann nahmen sie im offenen Viereck vor dem mit Grün geschmückten Grundstein Aufstellung
Die Feier der Grundsteinlegung leitete der Führer des Marine-Sturmbannes 11/34, Oberscharführer Mettenheimer, mit dem Vorlesen der Grundsteinurkunde ein. deren Wortlaut wir in unserem Vorbericht vom 28 Mai bereits mitgeteilt haben. Anschließend wurde die Urkunde in eine englische Kartusche gelegt und verlötet, die aus der Skagerrakschlacht stammt und von dem Führer des Marinesturmes Bad-Nauheim, Scharführer Brückmann, gestiftet wurde Die Kartusche wurde sodann dem Grundstein beigefügt
Hierauf sprach in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters der Bürgermeister Dr. Hamm als Vertreter der Stadt Gießen. Er betonte zunächst, daß es der Stadt Gießen zur Ehre gereiche, auf Anregung des Marine-Sturmbanns diesen Platz als Skagerrak-Platz ausbauen und dazu den Gedenkstein für die toten Helden der größten Weltmeerschlacht legen zu konnem Sodann erwähnte er ein Erlebnis aus der Zeit kurz nach dem Kriege, als die damalige deuchche Flatte vor der englischen Küste aus eigenem En. schlust und unter eigener Verantwortung des Flöt- tenbesehlshabers in'der Zeit der tiefsten Ern.edr,- gunq Deutschlands gerade versenkt worden war. Damals fiel bei der Beerdigung eines an feiner schweren Kriegsverwundung "erstorbenen Kam - den das tragische Wort „Auch umsonst Dieses Wort wär in jenen Jahren der Ausdruck des gegualten Herzens und der Niederlage des Baterlandes trotz des heldenmütigen Ringens seiner Sohne des Schmerzes über den deutschen Bruderkampf un des immer stärkeren Abgleitens M d°uttchen B° - kes ohne irgendeinen Anblick auf den W l stieg des Vaterlandes Dennoch es Manner die sich mit diefem Niederbruch nicht abfanden und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft Nicht aufgaben. Sie waren bestrebt, alles zu tun um das deutsche Vaterland wieder aufste,gen zu ehem Der Redner wies auf diesen Wiederaufftieg un er dem einzigen deutschen Führer Adolf '
der in einer weltgeschichtlich Kurzen Zett d Deutsche Reich geschmiedet und das Volk geeint hat.
Wenn heute die alten Feldzugsteilnehmer bei dieser Skagerrakfeier wieder zusammenstehen, dann werden sie dank des Werkes unseres Führers Adolf Hitler es am meisten empfinden, daß der Tod ihrer Kameraden im großen Kriege noch nicht umsonst gewesen ist und daß für die Wiedergeburt Deutschlands dem Führer und Frontkameraden Adolf Hitler ganz besonders der Dank der einstigen Kriegsteilnehmer gebührt. In dieser dankbaren Erinnerung gelten die Hammerschläge bei dieser Grundsteinlegung dem Gedächtnis der Toten, der Zukunft der deutschen Seegeltung und der Stadt Gießen zur Ehre, daß sie mit der Schaffung dieses Platzes Gelegenheit hat, das Gedächtnis an die große Tradition der deutschen Marine aufrechterhalten zu dürfen. Die Toten des Weltkrieges, der Schlacht vom Skagerrak find dabei unter uns zum Appell angetreten und schauen auf uns; sie erwarten von uns und den nachfolgenden Geschlechtern das Versprechen, in ihrem Sinne für Deutschland zu leben und wenn es sein muß, auch zu sterben. Hierauf tat Dr. Hamm im Namen der Stadt Gießen die drei Hammerschläge zur Grundsteinlegung mit den Worten: Dem Gedächtnis der toten Helden vom Skagerrak. Der Zukunft deutscher Seegeltung. Zur Ehre der Stadt Gießen'
Der Führer des Marinesturmbanns 11/34, Oberscharführer Mettenheimer, begleitete als nächster seine Hammerschläge mit den Worten: In treuer Kameradschaft zu unseren Gefallenen. In Liebe zu unserer Heimat. Im Glauben an Deutschlands Zukunft im Dritten Reich.
Als einstiger Mitkämpfer in der Skagerrakschlacht gab der Scharführer der Marine-SA Gießen Georg Emrich seinen drei Hammerschlägen folgende Geleitworte: Ihr habt nicht umsonst gestritten. Ihr habt nicht umsonst gelitten Mit ihnen vorwärts immer, rückwärts nimmer.
Der Führer des Marine-Sturmbanns brachte sodann den Treuegruß an den Führer aus. Freudig stimmte die Festgemeinde in den dreimaligen Sieg-Heil-Ruf auf den Führer ein. Anschließend wurden die ersten Verse des Deutschland-Liedes und des Horst-Wessel-Lindes gesungen
Die Formationen marschierten hierauf nach dem Landgraf-Philipp-Platz, wo ein Vorbeimarsch vor dem Standartenführer Lutter die Feierlichkeit des Vormittags beendete
Der KameradschastSaberw
am Samstag im Cafö Leib war sehr stark besucht. Der mit vielen kleinen Fähnchen geschmückte Saal wies vor der Bühne einen bis zur Decke reichenden Flaggenmast auf. Mit den Angehörigen der Manne- SA.-Männer waren zahlreiche Ehrengäste erschienen.
Der Marinestandartenmusikzug 34 unter Führung von Musikzugführer Oberscharführer Scheid leitete den Abend mit dem Marsch „Unsere Marine" von R Tiehle ein. Das gemeinsam gesungene Sturmlied der Gießener Marine-SA. .Heute gehts an Bord" leitete über zu dem Einmarsch der Sturmfahnen und der Fahne des Marine-Bundes. Dann folgte die Flaggenparade unter den Klängen des Prafentiermarsches der Marine.
Rottenführer Thein gab durch einen sinnigen Vorspruch der Freude über die zu neuen Ehren wiedererstandene deutsche Marine Ausdruck Ein vom Sturm 11/34 gestelltes lebendes Bild war dem Gedenken an die gefallenen Kameraden gewidmet.
Der Führer des Marinesturmbannes 11/34, Oberscharführer Mettenheimer, entbot hierauf in einer Ansprache den Willkommensgruß Hierbei gedachte er besonders der fünf anwesenden ehemaligen Marinesoldaten, die vor zwanzig Jahren an der großen Seeschlacht am Skagerrak mitgekampft haben, der Kameraden E m r i ch, G r ä f i n g h o l t, Krämer, W e h r u m. der fünfte war Hans Mettenheimer, der Redner, selbst. Er erinnerte weiter an die in Kiel stattfindende große Kundgebung, an der auch Gießener Kameraden und der Standartenführer der Marine-SA. teilneh- men Mit Freude sprach er von der erhebenden Feier am Vormittag in Gegenwart des Führers und Reichskanzlers am Marineehrenmal Laboe, das der Marine-Bund zu Ehren der 34 836 gefallenen Marinesoldaten geschaffen hat. In knappen Umrissen gab der Redner dann noch einmal einen Ueberblirf über das gewaltige Zusammentreffen der englischen und der deutschen Flotte vor zwanzig Jahren am Skagerrak.
Wie groß die Uebermacht der Engländer war, das belegte der Redner mit Zahlen, von denen allein die Anführung der 150 englischen Einheiten
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Der Skagerrak-Mitkämpfer Scharführer Emrich.
mit 37 Großkampsschiffen gegenüber 99 deutschen Einheiten mit nur 21 Großkampfschiffen und 60 000 englischen gegenüber 45 000 deutschen Soldaten für sich sprechen, der Verlust von 61000 Brutto-Registertonnen gegenüber 115 000 der Feinde, die 2550 Gefallenen, deren 6945 der Engländer zu beklagen hatte und nicht zuletzt die Gefangennahme von 177 Engländern Aus dem Handeln und dem Geist der Marine, die bei Scapa Flow heldenmütig ihre eigenen Schiffe versenkte, um sie nicht auszuliefern, machte der Redner die tiefe Bedeutung der Wiederaufrüstung der Flotte durch den Führer und Obersten Befehlshaber Adolf Hitler verständlich, dem der Dank durch ein dreifaches Sieg-Heil ab»
und der devifenrechtlichen Erklärung ebenfalls einem Postamt zur (Eintragung des Vermerks vorlegen oder vorlegen lassen Im Verkehr mit dem Ausland dürfen künftig auch inländische Scheidemünzen nicht mehr versandt werden.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Das Heu düstet.
Vor mir steht ein Feldblumenstrauß, den ich mir heute am Wiesenrande pflückte. Der Strauß ist nicht allzu dick, denn die Menge allein tut es ja nicht. Aber der wunderbare Farbenreichtum der paar Blumen entzückt mich immer wieder. Ich habe mir ja nur ein ganz bescheidenes Teilchen von der Sommerpracht hier in mein Zimmer gerettet.
Wir wollten die letzten Maienglöckchen im Walde suchen und hatten auch noch ein kleines Sträußchen gefunden, aber die meisten waren schon am Verblühen. Alles hat seine Zeit auf dieser Erde Auch der Monat Mai mit seinen schönen Glöckchen
Als wir dann aber am Wiesenrand auf dem alten Baumstamm saßen und die Herrlichkeit des schmalen Talgrundes betrachteten, da mußten wir schon einige der schönsten Blumen zu einem Strauße vereinigen Ich habe von jeher eine Vorliebe für diese einfach blühenden und doch so prächtig wirkenden Wiesenblumen gehabt Veilchen und Dtaiglöckchen sind nicht mehr, der Garten gibt uns auch noch nicht viel. Da ist alles erst im Werden, denn die Hauptblütemonate sind hier Juli und August. Aber draußen die Wiesen entfalten ihre Pracht wie in jedem Sommer. „Im schönsten Wiesengrunde" fangen die Kinder, die dort vorüber- zogen. Und so ist es auch.
Das schöne, satte Grün, durchwirkt mit dem bunten Blumenteppich, ist ein Bild des Lebens, ein Zeichen des Ueberflufses. Da gaukeln die Schmetterlinge im Sonnenlicht, Fliegen und Mücken summen in der Luft, kleine Käfer versuchen, an den langen Grasstengeln emporzuklimmen. Vom Walde erklingt Vogelgesang, und die Grillen zirpen ununterbrochen ihr eintönig Lied.
So steht auch eben wieder die Wiese vor meinem Auge: voll Leben, voll Blumenduft und Vogellaut. Und die bescheidenen Blümlein erinnern mich an die Schönheit draußen. Da leuchtet die breite Wucherblume mit ihren schneeigen Randblättern und dem goldgelben Blütenteller. So sauber und fo frisch sind hier die Farben abgetönt, daß man sich nicht satt sehen kann daran. Waren es nicht die
Die Kranzniederlegung der Marinekameradschaft Gießen am Gefallenen- Ehrenmal vor dem Marine - Kameradfchaftshaus an der Wißmarer Straße bei gleichzeitiger Ehrenwache ehemaliger Marine- foldaten
(Aufnahmen [4]: Photo - Pfaff, Gießen).
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gestattet wurde, an das sich der gemeinsame Gesang der Nationallieder anschloß.
Von Seemannsliedern umrahmt zeigte der Manne-Sturm 11/34 zusammen mit der Marine-HI. durch eine Pyramide den frischen Seemannsgeist in den eigenen Reihen, und die Marine-HI. bewies durch ihre Bodenübungen die frisch-fröhliche Vorbereitung auf den Seemannsberuf. Mit dem Ausmarsch der Fahnen wurde der offizielle Teil beschlossen. Dann folgte frohe kameradschaftliche Geselligkeit
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Im Bootshaus der Marinekameradschaft fand gestern ein gemeinsames Mittagessen statt, bei dem aus der Feldküche ein kräftiges Eintopfgericht verabreicht wurde Im und um bas Haus herum herrschte im Laufe des Nachmittags buntbewegtes Leben und Treiben, zu dem der Marinestandarten- Musikzug die beschwingten Weisen spendete
Devisenvorschriften für den Postverkehr.
Nach den neuen Vorschriften der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung ist die Freigrenze von 10 Mark für gewisse weitere Zahlungszwecke aufgehoben worden Wer Zahlungen innerhalb dieser Freigrenze nach dem Ausland leisten will, muß fortan eine vorgedruckte „Devisenrechtliche Erklärung" unterschreiben, daß die Zahlung aus seinen eigenen Mitteln erfolgt und daß sie keinem Der in der „Erklärung" aufgeführten Zwecke dient, für die eine Ausnutzung der Freigrenze verboten ist. Den Zahlungszweck muß der Absender in der „Erklärung" angeben, das Formblatt bat er in lieber« einftirnmung mit der Unterschrift in seinem gleichzeitig vorzulegenden Reisepaß zu unterschreiben. Ein Formblatt zur devisenrechtlichen Erklärung erhält der Poftbenutzer kostenlos bei jedem Postamt. Von Postagenturen und Poststellen werden diese Formblätter nicht vorrätig gehalten, bei Bedarf werden sie beim zuständigen Postamt angefordert.
Postagenturen und Poststellen nehmen Zahlungen nach dem Ausland, und zwar sowohl genehmigungsfreie als auch genehmigungspflichtige nicht mehr selbst an. Sie übersenden jedoch die bei ihnen eingereichten Auslandpostanweifungen oder Wertsendungen — bei Freigrenzenzahlungen mit dem Reisepaß und der devisenrechtlichen Erklärung des Einzahlers, bei genehmigungspflichtigen Zahlungen mit der Devisengenehmigung oder -bescheinigung — dem zuständigen Postamt zur Prüfung und weiteren Behandlung. Den Paß oder die nicht voll ausgenutzte Devisengenehmigung oder -bescheinigung erhält der Absender g. F. in gebührenfreiem Ein-
Blumen, die wir einst — lang ist es her! — zerzupften, um festzustellen: Sie liebt mich nicht, sie liebt mit von Herzen, mit Schmerzen usw.? Und dann waren wir froh, wenn das Blumenorakel etwas Günstiges ausgesagt hatte. Nun stehen die Wucherblumen vor uns im Glas und nicken uns zu, als ob sie sagen wollten: Weiß du noch? Und daneben leuchten die tiefblauen Blüten des Wiesensalbeis, (ist es nicht so, als ob sie den Rachen öffneten, um etwas zu verschlingen? Und strecken sie ihren Griffel nicht aus der yelmartigen Oberblüte wie eine Schlangenzunge heraus?), die gelben und weißen Sternchen des Labkrautes, die gelben Hahnenfüße und die etwas' helleren Blüten des Hederichs, den die Bauern wohl als Schädling bezeichnen. Aus dieser Blütenpracht ragen einzelne Grashalme mit ihren zierlichen Rispen und ähren- förmigen Blüten. Das waren wohl einst die Vorfahren unseres Getreides.
Und doch taucht nun die bange Frage auf: Wie lange wird die Schönheit draußen auf den Wiesen dauern? Der Frühling verging, das Gras ist reif. Die Schnitter kommen. Gräser und Blumen fallen unter dem kalten Stahl. Wenn wir abends an den Wiesen Vorbeigehen, dann strömt uns der süße Duft des Heues entgegen. Es find nur einzelne Stücke, die abgemäht wurden, aber werden die andern auch an die Reihe kommen.
Ass ich noch ein kleiner Bub war da ging der Ortsbiener einige Tage vor der Heuernte mit der Schelle durchs Dorf und gab bekannt, daß der kleine oder der große Grund gemäht würden Die Leute sagten dann- Der Grund ist aufgetan! Die Wiesen lagen alle zusammen, Wege gab es nur wenige, und so kam es, daß man erst auf sein Grundstück kommen konnte, wenn man über das eines ober mehrerer Nachbarn ging oder fuhr Deshalb wurden diese Wiesengründe gemeinsam gemäht Am frühen Morgen zogen dann alle Wiesen- besitzer hinaus in den Grund Die Grenze wurde „abgegangen" An den einen Grenzstein mußte ich mich stellen, mein Vater ging an das entgegengesetzte Ende, und dann schritt er, mich immer fest im Auge behaltend, auf mich zu. Ich durfte meinen Platz nicht verlassen. Die hohen, schönen Grashalme wurden zusammengetreten, und eine deutliche Grenze hob sich nun ab. Dann begann das Mähen.
Heute ist es anders. Fast überall hat die Feld- btreinigung dafür gesorgt, daß die kleinen Wiesen- stücke zusammengelegt wurden, und jeder Bauer kann nun auf einem Wege bequem zu seinem Grundstück gelangen. So kommt es, daß schon einzelne Wiesen gemäht sind, andere noch nicht. Aber es wird nicht lange dauern, dann ist der Grund leer, und der Wind bläst über die kahlen Wiesen.
Wehmut schleicht in unser Herz. Kaum hat das


