** Das Stadtkheater - Stammabon. nement betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil, in der die Termine für die Einlösung der 5. Rate be- kanntgegeben werden. Die Theater - Abonnenten Mögen die Bekanntmachung nicht übersehen.
** Die Beschaffung freier Lernmittel für die Volks- und Berufsschulen betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei In unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Lieferantenfirmen besonders Hinweisen.
** Viehmärkte in Gießen. Die Bürger- meifterei Gießen kündigt in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil den nächsten Rindvieh(Nutzvieh-)markt für Dienstag, 4. Februar, und den nächsten Schweinemarkt für Mittwoch' 19. Februar, an. "
"Brennholzversteigerungender Stadt Gleßen und einer Reihe von Forstämtern werden nn Anzeigenteil unseres heutigen Blattes angekündigt. Interessenten seien auf diese Bekanntmachungen besonders hingewiesen.
** B r e n n hol zver st eigerungen im G i e- ßener Stadtwald t. Im Laufe des Januar wurden im Gießener Stadtwald verschiedene Brenn- holzversteigerungen durchgeführt. Es wurden dabei durchschnittlich je Raummeter folgende Preise er- zielt: Duchenscheite 1. Kl. 10-11 RM., Hainbuchenschelte 1. Kl. 8 RM., Eichenscheite 1. Kl. 6—7 RM., Buchenknuppel 8 RM., Hainbuchenknüppel 7 RM., Eichenknüppel 4,50 RM., Buchenstöcke 6 RM., Eichenstocke 4,50 RM., Buchenreiser 3. Kl. kosteten 15 RM. je 100 Wellen. 1
** Die Anmeldungen zu den höheren Schulen in Gießen betrifft eine Bekanntmachung der Schuldirektionen in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Eltern besonders Hinweisen.
** Auszeichnungsfeier des Wester- w a ld - B e r e i n s. Die Ortsgruppe Gießen des Westerwaldvereins hielt dieser Tage ihre Auszeichnungsfeier ab. Der Borfißnde des Vereins, Gg. Mader, hieß die Wanderfreunde und Gäste willkommen und zeichnete sodann folgende Mitglieder aus: 25 Wanderungen: Käthe Preis, Lisbeth Brunnengräber, Frau F e l s i n g, Karl H ö l z e I, Heinrich Gerlach, Willy Bader, Theo Hilgenberg, Otto Stöhr und Hans Gregorius; 50 Wanderungen: Lisbeth Hilgenberg, Lisbeth Schmidt, K. Mannei; 75 Wanderungen: R. Gelzenleuchter, Hanna Mannel; 100 Wanderungen: Gg. Römer, Willy Ger lach; 200 Wanderungen: Gg. Mader. Der Wanderplan des Jahres 1935 schloß mit 35 Wanderungen ab. Es wurden 800 Kilometer zurückgelegt. 1040 Personen beteiligten sich. Dom Hauptvorstand des Vereins übermittelte Lehrer W i s s e n b a ch - Frankfurt a. M. herzliche Grüße. Der weitere Verlauf des Abends brachte gute Zupfmusik, Volkstänze, Volkslieder, sowie einige flott gespielte Theaterstücke. Bei Tanz und Vorträgen blieb man noch geraume Zeit beisammen.
Oberhessen.
91 Jahre alt.
♦ Lang-Göns, 1. Febr. Am Dienstag, den 4. Februar, feiert unser ältester Einwohner Heinrich Kiefer in geistiger und körperlicher Frische seinen 91. Geburtstag. Heinr. Kiefer ist A l t v e t e r a n und nahm an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teil. Wir wünschen dem alten Herrn einen ungetrübten Lebensabend!
Friedberger Frühjahrs-pferdemarkt.
Der Frühjahrs-Pferdemarkt mit Prämiierung in Friedberg wird am Dienstag, 25. Februar, stattfinden. Die Anmeldungen der Pferde zur Prämiierung werden bis zum 24. Februar entgegengenommen. Weiteres über die Prämiierung ist aus der Bekanntmachung der Bürgermeisterei Friedberg in unserem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.
Generalversammlung des Obstund Garienbauvereins Wieseck.
= Wieseck, 1. Febr. Der hiesige O b st - u n d Gartenbauverein hielt gestern abend in der Wirtschaft „Zur Germania" seine Jahreshauptversammlung ab. Der Obmann, Lehrer B e p p l e r, erstattete den Jahresbericht, aus dem u. a. folaendes wiedergegeben sei. Das Jahr 1935 war ein schlechtes Obstjahr. Die Preise waren durch die Verknappung verhältnismäßig hoch. Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden drei Schulungsabende durch-
Ausgrabungen bei Ettingshausen.
Die Abholzung und Planierung des Riedwaldes bei Ettingshausen (Kreis Gießen) machte die Ausgrabung der dort vorhandenen vorzeitlichen Grabhügel nötig. Zunächst wurden zwei größere Hügel durchschnitten. In 1,50 Meter Tiefe fand sich eine unmittelbar auf dem gewachsenen Boden liebende Bestattuna, die nur noch an der Verwesungsschlcht und den darin liegenden Beigaben erkenntlich ist. Die Grabbeigaben des einen Hügels bestanden aus einem gedrehten Halsring mit Hakenverschluß, einem schlichten geschlossenen Halsring mit Gußzapfen, Teilen eines dünnen Bronze-Hohlringes und eines mit Bronzebuckeln besetzten Ledergürtels und entsprechend demjenigen, wie sie aus andern, auch ähnlich gebauten Grabhügeln der frühen Eisenzeit, z. B. aus der Lindener Mark und vom Trieb bei Gießen, bekannt sind. Sie gehören dem sog. Mehrener Volk, einem keltischen Volksstamm, an, der in der späten Hallstattzeit, ungefähr 600 v. Ehr., in unsere Gegend einwanderte.
Die nicht weit davon entfernten flachen Grabhügel gehören dagegen, wie sich schon aus der andersartigen Bestattung ergibt, einer andern, und zwar einer etwas jüngeren Zeit (400 bis 200 o. Ehr.) und einem andern keltischen Dolksstamm an. Diese Hügel erheben sich durchschnittlich nur 50 Zentimeter über den gewachsenen Boden, teilweise sind sie kaum zu erkennen, enthalten aber ein bis zu 1 Meter in den gewachsenen Grund eingetieftes
Grab. Das Grab ist in den meisten Fällen eine schmale, rechteckige, aus mehreren übereinander geschichteten Steinlagen aufgebaute Steinkiste oder eine mächtige Grabkammer von 2,50 Meter Länge, 1,60 Meter Breite und 1,80 Meter Höhe, deren Boden mit einem Pflaster von Basaltplatten bedeckt ist, auf das der Tote gelegt wurde und auf dem jetzt die helle Verwesungsschicht mit den Beigaben liegt. Die Wände bestehen aus sorgfältig gepackten flachen Basaltblöcken und haben wahrscheinlich einen Holzbau umgeben, wofür die außerordentlich starke, wohl hauptsächlich aus verwittertem Holz gebildete Verwesungsschicht auf dem Boden der Grabkammer zeugt. Der Hohlraum hat in letzter Zeit Füchsen oder Dächsen als Zufluchtsort gedient, wodurch wohl ebenso wie durch den Hohlraum an sich nichts mehr von dem toten Krieger erhalten ist. Seine Lage ist nur noch durch die Lage des ebenfalls stark verrosteten Schwertes gekennzeichnet. Diese Grabkammer liegt zwar nicht in einem der flachen Hügel, sondern in einem der hohen, jo sogar in dem höchsten Grabhügel, aber offensichtlich als Nachtbestattung, und kennzeichnet sich durch das in den gewachsenen Grund eingesenkte Steingrab deutlich als zu den Flachhügeln gehörig. Letztere haben weder Reste des Toten, noch Beigaben aufbewahrt, was angesichts der dicht unter dem Boden liegenden, der atmosphärischen Zersetzung nicht zugänglichen Grabkammer nicht verwunderlich ist.
geführt, die sich mit den grundlegenden Fragen des Obst- und Gartenbaues befaßten, außerdem wurde in zwei Gemarkungsrundgängen besonders der praktischen Schulung gedient. Die Süßmostbereitungseinrichtung des Vereins wurde durch den knappen Obstanfall nur wenig benutzt, hiergegen hat sich die Fruchtsastbereitung durch den vereinseigenen Apparat neue Anhänger verschafft. Ein Teil des gesamten Baumbestandes wurde der planmäßigen Spritzungen unterzogen. Um der Verbreitung von Krankheiten, Peronospora und Meltau, an den in letzten Jahren stark vermehrten Hausweinstöcken Einhalt zu tun, wurde durch den Verein ein Be- stäuber beschafft, der den Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt wird. Gegen die Wuhlmausplage wird mit neuzeitlichen Fallen vorgegangen. Das vor 4 Jahren angelegte Vogelschutzgehölz hat sich prächtig entwickelt und dient dem Vogel- und Wildschutz gleichermaßen. Bereits ist eine neue Anlage im Entstehen begriffen. Der amtlich eingesetzte Obstbauüberwachungsausschuß brauchte nicht in Tätigkeit zu treten, da alle Baumruinen und -krüppel ohne Anmahnen durch die Besitzer entfernt wurden. Die schönste und wertvollste Arbeit aber ist die Schaffung von 24 neuen Gärten, die auf Veranlassung des Vereins aus Gemeindegelände aufgeteilt und an Gartenfreunde verpachtet wurden. Ueber 100 Menschen wurden so wieder zu den Kräften der Scholle zurückgeführt. Da weite Nachfrage besteht, soll in Kürze neues Land gartenbaulichen Zwecken dienstbar gemacht werden. Durch Private und die Gemeindeverwaltung wurden im Vereinsjahre über 300 Jungbäume gepflanzt. Dem Winterhilfswerk wurde eine Zuwendung gemacht. Zum dritten Male wurden Wurzelreben für frühen Wein durch die Landesbauernschaft Hessen-Nassau bezogen und an die Mitglieder weitergegeben, so daß hier an Wänden und Mauern rund 150 Weinstöcke zur Anpflanzung gekommen sind.
Kaufmann Lotz legte als Rechner des Vereins Rechenschaft ab über die Kassenverhältnisse. Einer Einnahme von 679,57 Mark einschließlich eines Überschusses aus dem Vorjahre stehen 624,24 Mk. in Ausgabe gegenüber, so daß 16,93 Mark für das neue Rechnungsjahr vorgetragen werden konnten. Der Voranschlag konnte mit 369 Mark in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen werden, obwohl der seitherige Jahresmitgliederbeitrag von 2,50 auf 2 Mark herabgesetzt wurde. Dem Rechner und den Rechnungsprüfern wurde der Dank des Vereins ausgesprochen. Die Zahl der Mitglieder ist bei 10 Ein- und Austritten mit 181 die gleiche wie im Vorjahre geblieben.
Postmeister i. R. Guthier sprach dann über Anzucht und Pflege von Weinstöcken.
Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag des Vorsitzenden über „Ursachen der Unfruchtbarkeit der Obstbäume unter besonderer Berücksichtigung der Befruchtunqsoerhältnisse." Mit reichem Beifall wurde dem Redner für seine anschauliche Ausfüh
rungen gedankt, woran sich eine lebhafte Aussprache anschloß.
Weitere Verhandlungspunkte betrafen den Gartenbautag in Frankfurt, die Generalversammlung des Bezirksobstbauverbandes, die Einführung des Spargelbaues und den Besuch der Reichsnähr- stanbsschau in Frankfurt a. M. Den Beschluß der Veranstaltung bildet eine Verlosung von Sauerkirschen, Süßmost, Stachel- und Johannisbeeren, Rosen, Brombeeren, Himberen, Gartengerätschaften und Blumenstöcken. Mit dem Gedenken an Führer, Volk und Vaterland wurde die anregend verlaufene Versammlung beschlossen.
Lustschutzabens der Feuerwehr in Annerod.
£ Annerod, 30.Jan. Gestern abend veranstaltete die Feuerwehr in der „Neuen Schule" einen Vortrag über „L u f t s ch u tz", zu dem jeder Volksgenosse eingeladen war. Der 1. Kommandant L. Wächter sprach über die Notwendigkeit des Luftschutzes. Die von ihm angeführten Zahlen über die Stärke der Luftflotte unserer Nachbarstaaten, sowie über die Menge der von den einzelnen Flugzeugarten mitgeführten Kampfmittel, insbesondere Bomben, die zur Zeit durchschnittlich geflogenen Stundenkilometer und die Lage Deutschlands zu seinen Nachbarstaaten führten jedem Versammlungsbesucher die gefährdete Lage Deutschlands eindeutig vor Augen. Wenn wir jetzt auch nicht mehr so wehrlos sind wie vor einigen Jahren, so reichen die vorhandenen Abwehrmittel und -maßnahmen doch nicht aus, daß der eine oder der andere sagen kann, „ich brauche nichts zu meinem und meiner Angehörigen Schutz zu tun". Gerade die überragende Verwendung des Flugzeuges in einem künftigen Kriege bedingt es, daß jeder Angehörige des angegriffenen Staates mit einer Bedrohung seiner Person bei den Luftangriffen rechnen muß. Da es weiter ein Hauptziel der Angreifer sein wird, durch Fliegerangriffe unter der Bevölkerung des angegriffenen Staates eine Panik auszulösen, so ist die Hauptbedingung, die Ruhe zu bewahren. Unter Betonung, daß Vorbeugen besser ist, als Hilfeleistung nach dem Angriff, nannte der Vortragende eine Reihe von Vorbeugungsmaßnahmen und Einrichtungen zum Zwecke der Abschwächung der Angriffswirkung. Ausdrücklich hob er hervor, daß nach dem Ertönen des Warnsignals noch so viel Zeit vorhanden ist, daß die vorhandenen Schutzräume in Ruhe aufgesucht werden können. Unter allen Umständen sei fluchtartiges Aufsuchen der Schutzräume zu vermeiden, um keine Panik hervorzurufen. Nach Möglichkeit soll man den für seine Wohnung zugeteilten Schutzraum aufsuchen. Nachdem der Redner noch über die Arten der wahrscheinlich zur Verwendung kommenden Bomben und ihre Wirkungen, sowie über das Verhalten in den Schutzräumen gesprochen hatte, kündigte er die Bildung von Hilfs- und Entgiftungstrupps in
nächster Zeit an. Zum Schluffe feiner Ausführungen forderte er jeden Anwesenden zum Eintritt in den Reichsluftschutzbund auf.
Bürgermeister Groß sprach in kurzen, treffenden Worten über den Wert des Luftschutzes und erinnerte die Kriegsteilnehmer an ihre Erfahrungen bei Luftangriffen. Er wies darauf hin, daß Annerod infolge der Nähe von Gießen nicht ganz ungefährdet sei. Bei den in nächster Zeit in Angriff zu nehmenden Luftschutzmaßnahmen soll jeder bereit fein, nach Kräften mitzuhelfen.
Der Vortragsabend wurde in der üblichen Weise von dem 1. Kommandanten L. Wächter geschlossen.
Zn Harbach wird noch gesponnen.
D Harbach, 31. Jan. Wie in vergangenen Zeiten, so werden auch jetzt noch in unserem Dorfe die langen Winterabende eifrig aum Spinnen benutzt. Manch trautes Familienbild bietet sich dabei dem Freunde echten Volkstums, wenn er am späten Abend unverhofft in ein Bauernhaus kommt. Die Bäuerin fitzt am Spinnrad, der Bauer bedient den Haspel, die Tochter strickt oder häkelt. Hinter dem Ofen sitzt der Großvater, schmaucht behaglich fein Pfeifchen und erzählt den gespannt lauschenden Zuhörern Erlebnisse aus seinen Jünglings- und Man> nesjahren. Munter schnurrt dabei die Spindel, klappern die Stricknadeln, knarrt die Garnwinde. Mitunter trifft man sogar Ehemänner am Spinnrad, die sich mit Recht ihrer Arbeit nicht schämen. In unserem Dorfe gibt es nicht weniger als 3 6 Spinner und Spinnerinnen, die zum Teil feit Jahrzehnten das Spinnrad bedienen. Erfreulicherweise findet man unter den Spinnerinnen auch zahlreiche Mädchen und junge Frauen, die in den letzten Jahren das Spinnen von ihren Eltern oder Großeltern lernten. Da sich eine Sammerei im Orte befindet, brauchen die Bauersleute ihre Wolle nicht nach auswärts zu bringen, bevor sie gesponnen wird. Dafür kommen an schönen Wintertagen Frauen aus der näheren und der wei- teren Umgebung in die hiesige Kammerei. Wird die gereinigte Wolle nicht gekämmt, dann läßt sie sich nicht gut verarbeiten. Einen regelmäßigen. Überall gleich dicken Faden zu spinnen, ist in diesem Falle nur schwer möglich. Aus der selbstgesponnenen Wolle werden in unferm Dorfe Strümpfe, Socken, Unterröcke, Pulswärmer, Mützen und Wämse gestrickt.
Landkreis Gießen.
s. Lang-Göns, 30. Jan. Bei der heutigen Sammlung von Pfundpaketen, die die Schulkinder im Auftrage des NSLB. für das Winterhilfswerk ausführten, kamen über 15 0 Pfund von wertvollen Lebensrnitteln zusammen.
(D Grüningen, 31. Jan. Bei einem Gang durch die Obstbaumstücke der Gemarkung kann man erkennen, daß das Anbringen von Leimringen gegen die Frostspanner im vergangenen Herbst sich gelohnt hat. Man kann nämlich fast an jedem Leimring eine große Anzahl der kleinen Frostspannerweibchen feststellen.
Z Steinbach, 31. Jan. Seinen 70. G e - b u r t s t a g feierte am heutigen Tage Jakob Haas III. in bester Gesundheit und Rüstigkeit. Er ist als Glöckner und Kirchendiener feit dem Tode seines Vaters im September 1904 tätig, also im 32. Jahre. Sein Vater Karl Haas III. wär sein Vorgänger im Kirchendieneramte, das er feit dem 1. Januar 1877 bis zu feinem Tode innehatte. Somit ist das Kirchendieneramt nun im 60. Jahre in der Familie Haas. Da der heute 70jährige selbst aus einer kinderreichen Familie stammt — er ist der älteste von 8 heute alle noch lebenden Geschwistern und hatte selbst 6 Söhne und 2 Töchter, von denen 5 Söhne und 1 Tochter noch leben und alle in Steinbach verheiratet sind — so konnte der Geburtstag in einem großen Familienkreise gefeiert werden. Wie schon die Länge der Dienstzeit zeigt, ist die Amtsführung des Kirchendieners Haas, der unter vier Pfarrern Dienst getan hat, und fein Verhältnis zu den Pfarrern immer gut gewesen, so fehlte auch bei den Glückwünschenden nicht der Pfarrer, und wünschte seinem Kirchendiener noch für eine lange Reihe von Jahren Kraft zum Amte.
t Treis a. d. Ld a., 30. Jan. Die gestrige letzte Brennholzversteigerung aus dem Staatswald, Distrikt Heege, brachte keine besondere Ver-
Nach jeder Hausarbeit
IMIMMklMlk».
Vornan von H. von Hellermann.
Copyright 1936 by Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
Nachdruck verboten!
10. Fortsetzung.
Unwillkürlich wich die Frau einen Schritt zurück „Herrje, wegen dem dämlichen Strich, meinte sie gekränkt, „ich hab es doch nicht tun wollen. Den können Sie doch leicht wieder wegmachen, regen Sie sich nur nich auf, ich geh schon, mein Kohl riecht ohnehin schon." Sie wandte sich zum Gehen — blieb stehen: „Also vergessen Sie mch: um sieben müssen wir fort!"
Drau der mit zitternden Händen schon den Fleck mit Terpentinöl vorsichtig zu entfernen suchte und sich seiner unbeherrschten Zornesaufwallung schämte, inne und ,°h fie verständnislos an. „Um sie- den fort — wohin denn?
„Nee, fo ein Mann — natürlich ms Theater!
"Jch°hab^och"die Billets von meinem Bruder getriegt uni) Eie sagten doch vorhin Ja.
^aacfnm Drau legte einen Moment die ftanö über die Augen, versuchte, seine Gedanken zu [am- mein Da hatte er ja etwas Schones anger.ch- tef 5"a ich eie wohl nicht richtig verstanden, ^e? ch^di? Frau^gespann^b/obachtete.' ''„Ich bitte
sichtlich mit hilfloser Gebärde übers chaar. „Ganz unmöglich," wiederholte er leise bltteno.
Das gutmütig fpottenbe Staunen 11ntenSSettaugen tt^-°" Fraü" Alma' stemmte die Arme in die Hüften. „Was Sie nich sagen! Wohl wei^Sie s oft ins Theater eingeladen sind, was? AZeu
Menschen sich so um Sie reißen?! Ich bin Ihnen nich fein genug zum Ausgehen? Aber fein genug, Sie durchzufüttern. Ihre Wäsche umsonst zu waschen, Ihnen von einem Monat zum anderen die Miete zu stunden, das bin ich, nich wahr? Und aus meiner eigenen Wohnung 'rausweisen laß' ich mich schon gar nid), das wäre ja noch schöner!!"
Schrill gelte das Gekeife des wütenden Weibes durch den mit weicher Dämmerung erfüllten Raum. Der Tag ging zu Ende.
Drau hatte eine Bewegung gemacht, als wolle er die Sturzflut unterbrechen. Seine Worte gingen unter, ertranken ungehört. Da wandte er sich ab, krampfte die Hände um das harte Holz der Tischkante, schloß die Augen und wartete — duldete — litt--Hatte die Frau nicht recht? So furchtbar
war.das alles — Die gelle Stimme fchwieg. Schwere Schritte dröhnten. Dann schlug die Tür krachend zu.
Reglos stand der Mann über den Tisch gebeugt, mit immer tiefer sich neigendem Haupt. Nebenan begann ein Kind zu meinen.
Geheimnisvoll lebendig leuchtete das Bild der holden Frau in die graue Dämmerung hinein, bis fein Glanz im sinkenden Dunkel erlosch.
12. Kapitel.
die lange Tafel.
„Zufrieden?"
Theodor Stalling, der soeben an der Schwelle erschienen, überflog wohlgefällig die lange Tafel. Feierlich funkelten die silbernen Armleuchter, die Elfriede kürzlich aus einer Auktion erstanden hatte.
Reizend — wie du selber!" Der Blick des Mannes glitt von der glitzernden Festtafel über die chlanke Gestalt der goldhaarigen Frau im fließenden weißen Seidenkleid, dessen raffinierte Einfachheit einzig und allein von einem Veilchentuff auf der linken Schulter gebrochen wurde. „Reizend", wiederholte er, „aber warum haft du denn die simple Perlenkette und nicht den Bnllantanhanger um den Hals?" ,
Weil er zu prächtig und dadurch stillos gewesen wäre", gab Elfriede Stalling freundlich zuruck
„Nichts ist prächtig genug für meine Frau. Mit zufriedener Miene steckte er die Hande in Die Hosentaschen und ging langsam um Öen IifÄ, öte Platzkarten lesend „Nur keine falsche Bescheidenheit, Schatz! Damit ködert man heutzutage keine Maus. Wen hast du denn neben die alte Exzellenz gesetzt?
„Frau Meta Bruck." „Großartig, so ein Titeichen ist Festfutter für fie. Und auf der anderen Seite — ich. Gut, sehr gut!"
Er schmunzelte mit zusammengekniffenen Lidern hinüber zu seiner Frau, die das Lächeln ein wenig spottend erwiderte. „Frau Seltne Gerling! Du, die versteht es, einem die Hölle heiß zu machen!"
„Ja, ich merkte, daß ihr aneinander Gefallen findet." Das feine spottende Lächeln vertiefte sich. „Du sollst dich doch an deinem Geburtstag gut amüsieren!"
Ein bißchen unsicher sah Stalling auf. Aber das schöne Gesicht seiner Frau war ganz heiter und arglos. Doch gut, daß Elfi nicht die Spur eifersüchtig veranlagt war, es erleichterte des Lebens kleine Annehmlichkeiten ungemein.
„Wen hast du dir denn auserkoren — Dr. Goebel? Das geht nicht, Kind, Bruck langweilt — — ach so, er sitzt auf deiner anderen Seite. Und an seiner Linken — Baronin Vesczy. Ausgezeichnet. Sie will nämlich einen Teil ihres Geldes durch ihn anlegen lassen. Das weißt du von ihr? Aha, deswegen — bist ein fixes Kerlchen! Die Mama führt der Geheimrat, die Grete der junge Toller — nee", zwei Tischkarten auswechselnd, „der mag die kleine Milly Stephanus anöden, Grete kriegt den Bob Senfmann, der Sohn vom Pelz-Senfmann, der hat ein Auge auf sie. Wir wollen die Sache ein bissel protegieren. Ein wohlhabender Mann übrigens."
„Aber eitel und aufgeblasen und dumm dazu", wandte die junge Frau stirnrunzelnd ein.
Ihr Mann hob bedeutungsvoll den Zeigefinger. „Du, zu einer Ehe gehört allerlei heutzutage. Rede Grete nur gut zu!"
„Ich werde mich hüten", dachte Elftiede Stalling. Aber sie widersprach nicht, nach erprobter Gewohnheit. Und im nächsten Augenblick klingelte es, die ersten Gäste kamen.
Schnell füllten sich die eleganten Räume mit Menschen und heiterem Stimmengewirr. Mit besonderer Herzlichkeit begrüßte Stalling seine Schwiegermutter. Da diverse Spekulationen geglückt, die Geldknappheit sich behoben und er erfahren, daß Dr. Goebel eine Berühmtheit war, hatte er seine Heftigkeit bedauert und gutzumachen versucht. Sv hatte er darauf bestanden, daß der Kunstgelehrte, den er nur zweimal getroffen, auch sein Haus mit feinem Besuch beehre.
Der erfaßte mit einem Blick die protzige Zur- schaustellung der unpersönlichen Dekorateurpracht, die gut zum jovialen Geldmenschentyp des Hausherrn paßte und freute sich der Anmut der jungen Frau, die so lieblich und frühlingshaft in dem weißen Kleid wirkte.
„Aber ihre Feinheit paßt schlecht hierher", dachte er bei sich, die Schleie auf seinem Teller kunstgerecht zerlegend, „der Rahmen erdrückt das Bild. Wie kam sie wohl zu diesem Mann — war es sein Geld?" Kaum. Das schätzte eine Tochter von Frau Margret Mervius gewiß nicht allzuhoch ein, jener Frau Margret Mervius, in deren klaren braunen Augen sich das Kerzenlicht leuchtend widerspiegelte, da sie angeregt mit ihrem Nachbar sprach.
Elfriede, die Brucks gemurmelten Huldigungen innerlich gelangweilt lauschte und sich jedes leichte Scherzwort abzwingen mußte, wandte sich nun mit irgendeiner Bemerkung zum Tischherrn zu und fing gerade noch den ganz versunkenen Blick auf, mit dem der jemand gegenüber betrachtete. Wer saß denn dort — die Mama?! Nanu--
„Ja", sagte da Goebel offen, und eine flüchtige Röte stieg in seine Stirn, „ich habe eben Ihre Frau Mutter betrachtet — und sehr bewundert, Frau Stalling, ein Empfinden, das täglich wächst, seit ich den Vorzug habe, bei ihr zu wohnen. Noch nie habe ich eine ähnliche Frau kennengelernt: so ruhevoll und doch so lebendig, so gesund und doch voll zartester Rücksicht für alle Menschen, fo klug und aufgeweckt, und doch fo echt weiblich bescheiden. Manchem Menschen merkt man es eben an, daß der Herrgott ihn in einer Festlaune geschaffen hat."
Die junge Frau hatte mit wachsendem Staunen zugehört. Mit welcher Wärme sprach dieser Fremde, wie treffend kennzeichnete er in wenigen Worten der Mutter Wesen! Ein weiches Lächeln überflog das schöne Gesicht. „Ihr Lob macht mich sehr stolz, lieber Doktor", — die Stimme klang herzlich wie selten, „denn unsere kleine Mama verdient es. Soviel Liebe und Wärme geht von ihr aus —"
„Und eine Harmonie sondergleichen", vollendete der Mann an ihrer Seite — sah dann feine Tischdame freundlich an: „die fie ihren Kindern gewiß vererbt hat!"
(Fortsetzung folgt!)


