Ausgabe 
31.10.1935
 
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Nr 255 Erstes Blatt

185. Jahrgang

vonnerstag/1 Oktober 1935

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Neue Verhandlungen in Genf.

Geringe Aussicht auf eine beffere Verständigungsgrundtage.

Reformationsfest.

Von Kurt Engelbrecht.

Was niemand ahnen konnte, als die von nerviger Mönchsfauft geführten Hammerschläge an der Schloßkirche von Wittenberg erklangen, ist unbe­streitbare Tatsache geworden: Ein Werk für Jahr­hunderte war begonnen!

Nur selten ist es Menschenwerk beschieden, auf Jahrhunderte, ja auf Jahrtausende hin spürbare Wirkungen zu erzielen. Der Donnerklang aber jener Hammerschläge von Wittenberg ist durch mehr als visr Jahrhunderte hingehallt und hat an Macht und Kraft nichts verloren im Gegenteil, wir empfinden ihn in unseren Tagen stärker und ein­drücklicher rufen und mahnen als je zuvor.

Wie ist das zu erklären?

Es genügt doch nicht, daß wir uns darüber wun­dern. Wir müssen einmal den Ursachen nachgehen, damit dies Wunder für uns und unsere Zeit frucht­bar werden kann.

Da aber ist unser erstes frohes Erkennen: Es steht eine Vollpersönlichkeit hinter dem Werk! Eine echte Führernatur, ganz ergriffen von einem hohen, lauteren, geistigen Ziel und nicht nur selber auf das äußerste begeistert, sondern gerade auch in reichstem Maße befähigt, die eigne Begeisterung auf andere zu übertragen.

Und dieser Führer ist ein kerndeutscher Mann! So deutsch daß er von Angehörigen fremder Na­tionen bis auf den heutigen Tag gar nicht verstan­den werden kann. So deutsch aber gerade, daß sein Wort und seine Tat im deutschen Vaterlande schlag­artig ein ungeheures, nie bis dahin erlebtes Echo fanden.

In der Tat, Wirkungen auf Jahrhunderte hin können immer nur erzielt werden, wenn hinter dem Werk eine echte Führerpersönlichkeit steht, die wie das ja auch Luther in Worms bewiesen hat jeden Augenblick bereit ist, ihr letztes, das Leben für das Werk hinzugeben.

Ein mächtiger Geist und ein starkes Herz, das ist es, was Luther sein eigen nannte und was uns die Dauer und Unzerstörbarkeit seines Werkes verbürgt.

Dann aber die Sache selbst, für die er kämpfte, für die er sich in ungezählten schlaflosen Nächten auftrieb und der er seine Geistes- und Seelenkräfte bis auf den letzten Rest widmete! Es war nicht seine eigene Sache, für die er focht. Niemand ist be­scheidener hinter der Sache, der er diente, zurück­getreten als Luther.

Es war die Sache Gottes und des über alles geliebten deutschen Volkes, die dem großen Refor­mator den Hammer in die Hand drückte! Die Sache Gottes ist Wahrheit, Gerechtigkeit, Treue, Opfer­bereitschaft, ist das, was man die adligen Tugen­den des Charakters nennen kann. Die Sache Gottes ist weiter die selbstlose Liebe, wie sie das Evange­lium verkündigt und durch jedes Wort Jesu hin­durchklingen läßt.

Diese Sache Gottes aber sah Luther vielfältig getrübt und verkannt. Es war höchste Zeit, daß dies Licht um mit einem Bild aus dem Evan­gelium zu reden wieder auf den Scheffel gestellt wurde, ehe es verlosch. Sein Volk jedoch sah er ver­führt und geblendet, so daß es die Sache Gottes nicht mehr als feine eigne Sache zu erkennen ver­mochte. Ein elender Krämergeist hatte sich der heiligsten und höchsten Dinge bemächtigt, Heuchelei und Scheinheiligkeit hatten Wahrheit und Gerechtig­keit verdrängt. Eine Sache um ihrer selbst, um ihrer Lauterkeit und Schönheit willen zu treiben, erschien ganz einfach als Dummheit.

Luther ist der Erste, der uns wieder den Glauben geschenkt hat, es sei wirklich wesenhaft deutsch, eine Sache um ihrer selbst willen zu treiben. Der Erste auch, der uns wieder Mut gemacht hat, die Krämer­seelen zum deutschen Tempel hinauszutreiben und uns auf unser Bestes, auf die selbstlose, gotteslautere Liebe zu Volk und Vaterland zu besinnen!

Was sagt uns diese eine Tatsache nicht alles in unfern Tagen! Wie mächtig und urkräftig spüren mir nicht die geistigen und seelischen Wirkungen der Re­formation untere eigene Zeit mit ihrem edelsten Licht- und Läuterungsstreben heilvoll beeinflussen!

Wirkungen auf viele Jahrhunderte im deutschen Volk sie wären in solchem Ausmaße, wie wir sie heute noch merken, kaum möglich gewesen, wenn Luther uns nicht das auch gegeben hätte, dessen über alles glückliche Vollendung vor 400 Jahren wir diesesmal beim Reformationsfest ganz besonders dankbar uns erinnern müssen: Das deutsche religiöse Volksbuch, die Bibelübersetzung.

Hier ist ein wahres Wunderwerk an echter Volks­tümlichkeit geschaffen. Um das richtig zu erkennen, braucht man Luthers Bibelübersetzung nur einmal mit einer anderen zu vergleichen.

Keine Mühe ist gespart, deutsch verständlich und im edelsten Sinne eindrucksvoll zu reden. Wo es sich darum handelt, machtvoll zu überzeugen, fehlt es auch nicht an deutsch-volkstümlicher, kantig herber Urwüchsigkeit. Es gibt schlechterdings nichts, das Luther nicht beim rechten Namen zu nennen wüßte.

Ueber dem ganzen Werke aber waltet der Genius des echten volksgeborenen Dichters, der in seiner Sprache Größtes und Gewaltigstes ebenso wie Feinstes und Zartestes zu gestalten weiß, ja, der es auch wagen darf, aus dem Geiste seines Volkes heraus neue Worte zu schaffen in dem Be­wußtsein, daß sie alsbald Volksgut werden.

Wieder erkennen wir: Nur letzte Hingabe an die Sache und zugleich äußerste Liebe zu seinem Volk konnten ein solches Werk erstehen lassen.

Unauslöschlich soll darum unser Dank sein, den wir heute Luther dem Deutschen geloben.

Beweisen aber wollen wir diesen Dank dadurch, daß wir dem Werk seiner größten Mühen, Sor­gen und Kämpfe wieder die Achtung und Ehrfurcht zollen, die es beanspruchen darf!

Paris, 31. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Presse blickt wieder nach Genf, wo Laval und Sir Samuel Hoare am Freitag zu einer wichtigen Besprechung zusammentreffen. Daß auch Baron A l o i s i anwesend sein wird, erscheint eini­gen Blättern bereits als Beweis, daß Italien zu Verhandlungen bereit sei, währendLe Jour" er­klärt, Aloisis Anwesenheit könne höchstens als eine Höflichkeitsgeste gegenüber dem Völkerbund gewer­tet werden. DerMatin" schreibt, die Engländer wünschten zwar die Aussöhnung, wollten sich aber um keinen Preis vom Dölkerbundsweg entfernen. Die Sachverständigen hätten die Grundlagen einer Antwort auf die italienischen Anregungen ausge­arbeitet, die zwar für Italien nicht das ge­wünschte Ergebnis haben werde, aber Dor- chläge enthalten werde, lieber diese habe Laval ich mit dem italienischen und darauf mit dem eng­lischen Botschafter unterhalten.

Die italienische Regierung habe begriffen, daß England in Genf bemüht sein wolle, zu einem an­nehmbaren Frieden zu gelangen, aber nur im Rahmen des Völkerbundes und auf dessen Grundlage. Rom habe daher Baron Aloisi nach Genf entsandt, denn die italienische Regierung wolle nicht die Verantwortung für ein neuerliches Schei­tern der Verhandlungen tragen. Es sei zu erwar- en, daß der Vertreter Mussolinis bei seiner Füh­lungnahme mit Laval und Hoare sich versöhn­licher zeigen werde, als früher.O e u v r e" glaubt, daß die Vorschläge der Sachverständigen nicht über die der Dreier-Verhandlungen vom August hinausqingen und Italien nicht be- r i e d i g e n kannten, weil es praktisch kaum Ge­biet als sein Eigentum in Abessinien erhalten würde. In Genf glaube man, daß möglicherweise zu den bevorstehenden Verhandlungen zwischen La­val, Hoare und Aloisi auch ein Vertreter des N e g u s hinzugezogen werde, so daß man zum ersten Mal zu vieren über die Zukunft verhan­deln könnte.

DieTimes" warnt vor der Ansicht, daß die un­ermüdlichen Anstrengungen Lavals, Mussolini zu einer Vereinbarung zu veranlassen und Frankreich

Asmara, 31. Okt. (DNB.) Die militärischen Vorbereitungen für den weiteren Vormarsch an der Dtorbfront sind abgeschlossen worden. Die Berichte der römischen Presse bekunden anschaulich, wie an der ganzen Front jenseits der Linie AdigratAdua Aksum die in den letzten Tagen weit vorgeschobe­nen Posten ausgebaut und durch Truppennach­schub st a r k besetzt wurden, lange Munitions­kolonnen marschieren auf, neue Lager ckurden auf­geschlagen und Geschütze nach vorn gebracht. Der motorisierte Nachschub, der außer der Munition täg­lich 60 Tonnen Fleisch und 120 Tonnen Eis von Asmara an die Front schaffen muß, spielt sich nun normal ab. Nach der Gewöhnung der Truppen an das Klima der abessinischen Hochebene werden die drei italienischen Armeekorps ihre Linien weit in die Provinz Tigre hineintragen. Die systematisch durchgeführten Erkundungen unter gleichzei­tigem Dorschieben der italienischen Linien sind in

aus einer peinlichen Lage herauszuhelfen, in kurzer Zeit zu greifbaren Ergebnissen führen könnten. Man habe noch keinen Punkt erreicht, wo die Regierungen zweckmäßiger Weise einhaken könnten. Noch weni­ger gebe es etwas, was dem Völkerbund berichtet werden könnte, ohne dessen Zustimmung es keine Regelung geben könne. Lavals Bemühungen hätten bisher nur gewisse Gedanken gezeitigt, die von Sach­verständigen zu prüfen seien, aber keine Ver­handlungsgrundlage bildeten.

Die englisch-französische Zusammenarbeit.

Fühlungnahme der Admiralstäbe.

London, 30. Okt. (DNB.) Reuter meldet, daß der französische Ministerpräsident Laval dem briti­schen Botschafter in Paris Sir George ClerE eine Denkschrift überreicht habe, in der die praktischen Maßnahmen für eine englisch « französische Flottenzusammenarbeit i m Mittel­meer im Hinblick auf Artikel 16 Abschnitt 3 der Völkerbundssatzung dargelegt werden. Die franzö­sische Regierung fasse nicht nur eine Zusammenarbeit zwischen den englischen und französischen Flotten, sondern auch eine solche zwischen den im Mittelmeer stationierten englischen und französischen Luft- geschwadern ins Auge.

Times" meldet, daß die französische Denkschrift durch ein Ersuchen der britischen Re­gt e r u n g veranlaßt worden war, verschiedene Punkte der langen Antwort Lavals vom 18. Oktober über die Mittelmeerfrage zu erläutern. Die neue Denkschrift enthalte Anregungen, die gegen­wärtig von den britischen Marinesachverständigen geprüft und von ihnen und den beiden französischen Marinesachverständigen, Admiral Decour und Kom­mandant Deleuze, erörtert würden.Daily Tele­graph" sagt, die Frage der Zusammenarbeit der bei­den Luftwaffen werde keine bedeutende Rolle spielen, doch werde die B e r e i t st e l l u n g französischer Luftstützpunkte im Notfälle erörtert werden.

den letzten Tagen nirgends auf nennens­werten Widerstand gestoßen. Allerdings muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß die abessini­schen Truppen einen überraschenden Vor­stoß versuchen und daß sie sich deshalb auf dem Wege nach Makalle in den Bergen ver­steckt halten, um ihren Aufmarsch nicht durch italienische Flieger stören zu lassen.

Oie belgische Militärmission verläßt Abessinien.

Brüssel, 30. Okt. (DNB.) Masor DothSe, der Leiter der belgischen Militärmission, hat das Kommando über die für den Schutz der in Abessi­nien lebenden Fremden bestimmte Sonderpoli­zei nicht angetreten. Dothee wird sich vielmehr mit dem Rest der Mission am 8. November in Dschibuti nach Belgien einschiffen.

Jahrgang 1914.

Oer Eintritt der jungen Mannschaft in das neue Heer

Am 1. November werden die erstenGezogenen Rekruten" nach der neuen Wehrverfassung des beut- sehen Volkes ms Heer eintreten. Dieser Tag ist ein Wendepunkt in unserer Geschichte. Zum zweiten Male wird die Wehrhaftigkeit des ganzen Volkes praktisch durchgeführt. In den Jahren 1808/09 hatte schon einmal das einsame Genie Scharnhorsts in Preußen den Grundsatz der allgemeinen Wehr­pflicht durchgesetzt und ein Volk in Waffen erzogen. Der höchste Triumph dieses Volksheeres war der Weltkrieg der Deutschen, in dem das Volk siegte, den der deutsche Soldat, der deut­sche Mann in Waffen bestand. Es versagte die po­litische Führung, weil sie mit alten, überalterten und eigentlich dem Prinzip nach schon in Scharn­horst überwundenen Begriffen nicht brechen konnte. Und nun ersteht im Volksstaate Adolf Hitlers aufs neue ein Volksheer, das dazu geschaffen ist, dieses schwer umkämpfte, durch Selbstverrat preisgegebene und nun politisch wiedererrungene und befreite Vaterland zu schützen.

Es ist bei dieser Gelegenheit wertvoll, einmal den Blick zurückzuwenden in jene erste Zeit der allgemeinen Wehrpflicht, die sich 1819 bewährte. Der geniale Denker der Kriegskunst Carl von Clausewitz schrieb damals in einem Rechen­schaftsbericht genau ein Jahrhundert vor dem Untergang des alten Heeres der preußischen Wehr­pflicht unter dem Versailler Diktat seine Ge­danken zur allgemeinen Wehrpflicht nieder. Clause­witz verteidigt nach den Siegen von 1813/14! zuerst das preußische Heer gegen den Vorwurf, es sei zu groß für den kleinen Staat. Er meint: Friedrich der Große habe bei einer Bevölkerung Preußens von 6 Millionen eine Streitmacht von 200 000 Mann unterhalten. Jetzt, als zu Clause- witzens Zeit Preußen 11 Millionen Einwohner zählte, müsse man nach diesem Maßstabe eine Armee von 4 0 0 000 Mann haben. Im Hin­blick auf die Bestimmungen des VersaillerVer­trags", der uns nur ein Heer von 100 000 Mann zugestand, sind diese Zahlen aus Clausewitz' Be­trachtungen sehr wertvoll... Er meint nun weiter: Geben wir dieser großen Armee noch einen Zu­satz, indem wir die ganze Volksmasse mehr mit kriegerischen Einrichtungen durchflechten, so tun wir nur, was die veränderten Zeiten für uns durch­aus notwendig machen..." Setzen wir statt der altertümlichen Wortekriegerische Einrichtungen" unsere Begriffe soldatische Zucht und wehrhaften Gei st, so sehen wir, daß wir durchaus in der Schule von Clausewitz weiter ge­kommen sind.

Wir stehen wieder in einer großen Wandlung. Wir erneuern d i e allgemeine Wehr­pflicht inmitten einer gärenden und sowohl revo­lutionär als imperialistisch hochgespannten Umwelt. Wir bauen im Geiste Scharnhorsts und Clausewitz' weiter an dem großen Volksheere als einer Schule des Charakters, einer Schule, in die uns der aus dem Volksheer in seiner ruhm­reichsten Zeit, dem Weltkriege, hervorgegangene Führer Adolf Hitler, politisch genommen hat. Das Volksheer ist heute, 1935, die Vollendung der gro­ßen, politisch gewonnenen Volkseinheit, des wehrhaften, in Zucht der Gemeinschaft genommenen Volkes. Der junge Deutsche, der heute ins Heer ein­tritt, ist bereits innerlich vorbereitet für die höchste Schule durch Hitler-Jugend, SA. und Arbeitsdienst. Er empfindet in der Ausbildung mit der Waffe die höchste Weihe feiner Erziehung zum Reichsbürger. Der Heeresdienst ist ihm nicht nur eine Unter­brechung feinerbürgerlichen" Existenz, weil es eben so fein muß, sondern er wird in der neuen Volksgemeinschaft, in dieser Dienstzeit, erst der Deutsche, der er werden soll. Und so gibt es im neuen Volksheere auch nur eine wachsende Vollkommenheit der Gemeinschaft durch Lei­stung im Dienst. Unter der Fahne sind wir wirklich alle gleich! Wie es unsere Frontkämpfer vorm Tode draußen waren. Sie werden der kom­menden Mannschaft ewiges höchstes Beispiel fein. Denn da draußen, an der Front des großen Krie­ges, vollendete sich erst das, was Clausewitz und Scharnhorst geschaffen und gewollt hatten!

Wenn die deutsche Jugend heute in die deutsche Wehrmacht eintritt, so weiß sie zwar aus eigener Erinnerung nichts von dem furchtbaren Trauerspiel, das sich 1914 bis 1918 vollzog-, nichts von der ge­waltigen Leistung des deutschen Volksheeres, nichts davon, daß fast alle Völker der Erde mit ihrem Machthunger aufgeboten werden mußten, um das deutsche Volk militärisch zu überwinden. Der Jahr­gang 1914, der berufen ist, der Zöger einer neuen soldatischen und militärischen UeberHeferung zu fein und zu werden, weiß auch nichts von den grauen­haften Ereignissen, die den düsteren Novembertagen 1918 folgten. Als der Jahrgang 1914 in der Schule heranwuchs, waren ringsum die Zeichen tiefen Ver­falls zu spüren. Aber die lebendigen Kräfte des Wiederaufstiegs und der Erneuerung waren schon in Bewegung geraten. Wenn am 7. November 1935 der Jahrgang 1914 unter der neuen Reichskriegs­flagge den Fahneneid ablegt, so ist das auch von Bedeutung in Hinsicht darauf, daß zwei Tage später, am 9. November das Gedächtnis der Helden gefeiert wird, die an der Feldherrnhalle in Mün­chen für die Erneuerung Deutschlands, für den Wiederaufstieg zu Größe und zur Einheit gefallen find. Im Kampf mußte das neue Deutschland ge­boren werden, im Kampf gegen Bosheit und Nie­dertracht, im Kampf gegen innere und äußere Feinde. Ein Leidensweg, wie er hinter dem deut­schen Volke liegt, wird sich nicht wiederholen. Dafür

Roosevelt unterbindet die amerikanische Ausfuhr nach den kriegführenden Ländern.

Oer Präsident warnt Handel und Industrie vor Geschäften mit Italien und droht Nachprüfung der Verschiffungen an.

Washington, 31. Okt. (DNB. Funkspr.) In der Pressekonferenz erinnerte Präsident Roosevelt noch einmal an seine gegen die Ausfuhr van Kriegs­material gerichteten Kundgebungen und an feine Warnung, Handel mit den kriegfüh­re n d e n Staaten zu treiben. Die amerikani­schen Bürger sollten sich nicht durch lockende Ange­bote großer Kriegsgewinne in Versuchung führen lassen, Geschäfte zu tätigen, die den Krieg zwischen Italien und Abessinien verlängern würden. Die amerikanische Regierung werde genaue Erhebungen über alle Verschiffungen anstellten, die für die krieg­führenden Länder bestimmt seien. Beispielsweise werde er auch Verschiffungen von Petro­leum an dritte Länder genau überwachen lassen, soweit sie wahrscheinlich für Italien bestimmt feien. Noch vor dem Ausbruch der Feindselig­keiten habe er einem amerikanischen Schuhfabri­kanten, der einen großen Auftrag für die Lie­ferung von Militär st iefeln für Ita­lien erhalten hatte, dringend geraten, den Auf­trag abzulehnen. Dies zeigt deutlich den festen Entschluß Roosevelts, alles in seiner Macht Ste­hende zu tun, um den Handel mit Italien abgu- schnüren. Er wird hierbei van der öffentlichen Meinung unterstützt. Die Proteste aus Industrie- kreisen haben nachgelassen, besonders weil nur w e- nige Geschäfte gegen Barzahlung ge­tätigt werden könnten. Ford hat alle Verschif­fungen nach Italien eingestellt.

Wer wird die Sanktionen mitmachen?

Die Anfrage des Völkerbundes.

Genf, 30. Okt. (DNB.) In einem Bericht des Völkerbundssekretariats werden Angaben über die Stellungnahme der Regierungen zu den bisherigen Sanktionsvorschlägen gemacht. Die Vorschläge sind den 56 Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zugelei­tet worden. Die Zahl der eingegangenen Ant­worten beträgt für Vorschlag Nr. 1 (Waffen- ausfuhrsperre) 41, für Nr. 2 (Kredit­sperre) 38, für Nr. 3 und 4 (Ein- und A u s- f u t) r f a n f t i o n e n) je 36. Für das Inkraft­treten der Wirtfchaftsfanktionen wird der 15. No­vember vorgeschlagen-, den 1. Dezember haben Bel­gien und Portugal für ihre Kolonien vorgefchlagen. Nicht geantwortet haben außer Oester- reich, Ungarn und Albanien eine Reihe von südamerikanischen Staaten sowie Mexiko. An Vorbehalten wird nur er­wähnt, daß die Schweiz zum Ersatz für den Vorschlag Nr. 3 eine besondere Regelung angeregt hat und daß Norwegen und Polen die Frage gewisser laufender Verträge aufgeworfen haben. Don den N i ch t m i t g l i e d e r n , an die die Sanktionskonferenz auch herangetreten ist, haben die Vereinigten Staaten geantwortet.

Italien für einen neuen Vormarsch an der Aordsronl vorbereitet.