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1.2.1935
 
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185. Jahrgang

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Das französisch-englische Gespräch beginnt.

Keine festen Vereinbarungen, sondern der Weg zu einer Annäherung an Deutschland der Zweck der Londoner Zusammenkunft.

Die Ankunst der französischen Gäste.

London, 31. Ian. (DNB.) Ministerpräsident Flandin und Außenminister Laval trafen ayt Donnerstag kurz nach 19 Uhr in London ein. Sie wurden auf dem Victoria-Bahnhof von Mini­sterpräsident Macdonald und Außenminister Sir John Simon begrüßt. Der französische Bot­schafter und ein Vertreter der englischen Regierung waren den französischen Ministern nach Dover ent­gegengefahren. F l a n d i n war am Donnerstag­abend Gast des englischen Luftfahrt­ministers Lord Londonderry. Unter den Gästen sah man den französischen Botschafter C o r- bin, Ministerpräsident Macdonald, Außen­minister Simon und Schatzkanzler Chamber­lain. Außenminister Laval verbrachte den Abend in seinem Hotel.

Heute die erste Besprechung.

London, 1. Febr. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, an der heute um 10.30 Uhr in Downingstreet beginnenden Sitzung würden britischerseits Macdonald, Simon, Bald- w i n und Eden teilnehmen. Der britische Bot­schafter in Paris, Clerk, sei überzeugt, daß die französische und die britische Regierung jetzt über­einstimmend der Meinung seien, daß Sicherheit und Aufrüstung gleichzeitig mit Deutschland erörtert werden müßten. Der französische Botschafter in London, (Sorbin, der die beiden französischen Staatsmänner in Dover be­grüßte, habe ihnen auf der Reise nach London neue wertvolle Mitteilungen über die britische Politik und ihre Grundlage gegeben.Daily Telegraph" berichtet ferner, der auf die Sicherheit bezüg­liche Teil der Besprechungen wird zwar hauptsäch­lich den vorgeschlagenen Ostpakt betreffen; doch nfirb auch die westeuropäische Sicherheit dabei eine Rolle spielen. Die britische Regierung werde indessen nicht bereit sein, eine automatische Definition des Angreifers anzunehmen. Frankreich werde aber wahrscheinlich Aufklärung darüber wünschen, welche Form eine britische Aktion annehmen werde, falls Großbritannien sich zum Eingreifen auf Grund von Locarno verpflich­tet glaube.

Es verlautet, daß Laval nicht-mit tee­re n Händen komme, er werde wohl ein L u f t - abkommen anbieten, das die Verteidigung Großbritanniens gegen einen Luftangriff durch die ganze französische Luft st reit- macht gewährleistet, hinsichtlich des Ostpak- les, der Frankreich, Deutschland, Polen, die Tschechoslowakei, Sowjetrußland und die bal­tischen Länder in einem System gegenseitiger militärischer Grenzgarantie zusammenfassen soll, wird Großbritannien vielleicht, da Deutschland kein fertiger Plan zur Annahme oder Verwerfung unterbreitet werden soll, Vorschlä­gen, den deutschen Einwendungen entgegenzu­kommen. Es würde sich wohl um eine weit­reichende allgemeine Vereinbarung han­deln, die regionale Vereinbarungen von mehr begrenztem Charakter zusammen- fassen. Diese Frage dürfte akut werden, wenn die Londoner Besprechungen den Weg zu neuen Erörterungen mit Deutsch­land eröffnen. Frankreich würde dann wahr­scheinlich damit einverstanden sein, daß G r o h- britannien in Berlin die Initia­tive ergreife.

Daily Mail" bezeichnet die Atmosphäre als nicht so hoffnungsvoll wie bei früheren diplomatischen Zusammenkünften. Nichts deute dar­auf hin, daß die Staatsmänner Vollmacht hatten, über frühere Verpflichtungen hinaus zu gehen. Das äußerste, was erwartet werden könne, sei eine B e - kräftigung der alten Hoffnungen auf Befriedung Europas, für die nach ihrer Ansicht Deutschlands Rückkehr nach Genf die Einleitung bilden würde. Flandin und Laval wur­den der britischen Regierung die bevorste­hende Verstärkung der französischen Streitkräfte mitteilen. Die britischen Minister würden über die Verstärkung der Verte l- digungsmittel des britischen Reiches berichten. Beide Länder hätten ihre besonderen Schwierigkeiten. Die Rüstungsbegrenzung sei zwar nach Ansicht der britischen Regierung bei der euro­päischen Lage wesentlich. Es sei aber zweifelhaft, ob sie gegenwärtig zu Schritten bereit sei, den fran­zösischen Forderungen in dieser Beziehung entgegen zu kommen.

Jeder Engländer hege die wärmsten Gefühle für Frankreich. Aber Flandin und Laval seien nicht in der Lage, die wahre fran­zösische Ansicht zu vertreten. Sie seien verpflichtet, dieAnsicht derkleinen Entente zum Ausdruck zu bringen. Das bri­tische Volk habe kein Interesse für die anmafoen-

den Bestrebungen kleinerer TNächte. Es werde sicher nicht zulassen, daß seine Außenpolitik von

Prag, Belgrad oder Bukarest diktiert werde.

News Chronicle" berichtet, Flandin selb st habe gestern abend geäußert, daß die Parteien im­stande sein sollten, in wenigen Stunden eine gemeinsame Grundlage zu erreichen. Vritischerseits werde aber hervorgehoben, daß das Ziel der Zusammenkunft nicht darin bestehe, einen neuen Pakt zu unterzeichnen, sondern über Mittel zu einer Annäherung an Deutschland zu beraten. Die britische Regierung wünsche, daß diese die Form eines Ange­bots annehmen sollte, das Deutschland selbst als durchaus fair betrachten könne.

DieTimes" begnügt sich mit der Feststel­lung, daß nach britischer Ansicht die ZwIl­li n g s p r o b l e m e der Gleichheit und Sicherheit nur gleichzeitig erör­tert und geregelt werden können.Daily Q et alb erklärt, nicht nur über die Einzel­heiten, sondern schon über die Form und die Hauptlinien der Regelung müsse von Anfang an mit Deutschland auf dem Fuße völliger Gleichheit verhandelt werden. Auch nur der Anschein eines Versuches zweier Mächte, anderen Bedingungen einer endgül­tigen Vereinbarung zu diktieren, müsse ver­mieden werden.

Rur ein VerstSndigungsrahmen.

Gedämpfte Begleitmusik aus Paris.

Paris, 1. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die vielen Sonderberichterstatter, die mit Flandin und Laval die Reise nach London angetreten haben, berichten übereinstimmend, es sei verfrüht, von einer b e- reite gefundenen französisch-englischen Ver­ständigungsgrundlage zu sprechen. Mi­nisterpräsident Flandin habe bei seiner Ankunft in London ausdrücklich betont, daß leditzlich der Verhandlungsrahmen fest gelegt worden sei. Agentur Havas meint, daß die fran­zösischen Minister Gelegenheit haben müßten, ihre Auffassung zu den verschiedenen Fragen des Tages ohne jede Einschränkung vorzutragen. Es wird dann der bereits hinlänglich bekannte Vor­schlag behandelt, den Teil V des Versailler Vertrages, der dje einseitige Entwaffnung Deutschlands vorschreibt, durch ein allgemein ver­bindliches Rüstungsbegrenzungsabkommen zu er­setzen. Neu ist an dem Havasbericht nur, daß die Franzosen die Bestimmungen über d i e Ent­militarisierung des linken Rhein­ufers, die mit im Teil V enthalten sind, von der Nichtigkeitserklärung ausgeschlossen sehen möchten.

Trotz der großen Erwartungen, die politische Kreise auf die Londoner Besprechungen setzen, machen einige Blätter keinen hehl daraus, daß positive Ergebnisse nur sehr schwer z u erzielen sein werden, da zwischen der eng­lischen und der französischen Auffassung trotz aller gegenteiligen Behauptungen eine Kluft bestehe. Excelsior" meint, die englischen Kreise legten größ­ten Wert darauf, dem Meinungsaustausch jeden Schein eines Druckes auf Deutschland, dem Ostpakt beizutreten, zu nehmen. Das Blatt versichert, daß Frankreich keineswegs daran denke, dasOstlocarno" obligatorisch zu gestalten; aber natürlich könne Frankreich nicht auf die Organisie­rung der Sicherheit für sich und seine Freunde ver­zichten,falls Deutschland freie Hand für den Drang nach Osten behalten wolle."Oeuvre" nimmt an, daß England dem Ostpakt selbst ohne den Beitritt Deutschlands und Polens günstig gegenüberstehe, aber den Wunsch äußern werde, daß Sowjet- rußland nicht die Hauptrolle dabei spiele.

DeMland wünscht die Gleichheit und nicht den Krieg".

Nur Erörterungen auf gleichem Fuß können zu einer Friedensbasis führen.

Gin neuer Artikel Lord Lothians.

London, 1. Febr. (DNB. Funkspruch.) Lord Lothian veröffentlicht in derTimes" seinen zweiten Artikel über die Lage in Europa. Er ist zwar ernsthaft bemüht, der besonderen außen­politischen Lage Deutschlands ohne Vorurteile gerecht zu werden, weniger aber der Zwangsläufigkeit der innerpolitischen Entwicklung in Deutschland. Nur so läßt es sich erklären, wenn er beiläufig von einemharten und despotischen Regiment in Deutschland" spricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, die Einbeziehung Deutschlands in den Kreis der europäischen Zusammenarbeit werde eines Tages Deutschland wieder demokratischen und libe­ralen Ideen zugänglich machen.

Der Verfasser weist auf die Gefahr hin, die aus einem Streben Deutschlands nach Herstellung der Gleichheit durch Vergrößerung seiner Kampfmittel und von einem Streben Frank­reichs nach Bildung einer deutschfeind- lichen Koalition drohe. Diese Bewegung habe bereits begonnen. Deutschland sei bereit, auf den Krieg als Mittel zur Regelung feiner Streitigkeiten mit feinen Nachbarn unbedingt zu verzichten, falls es wirkliche Gleichheit erhalte. Reichskanzler Hitler selbst habe ihm nachdrücklich gesagt, daß Deutschland die Gleichheit und nicht den Krieg wünsche, daß es unbedingt be­reit sei, auf den Krieg zu verzichten und Nicht- Angriffspakte mit allen Nachbarn Deutschlands zu unterzeichnen, um die Auf­richtigkeit seines Friedenswunsches zu beweisen. Hin­sichtlich der Rüstungen Deutschlands verlange er nichts weiter a l sGleichheit". Er werde auch eine internationale Untersuchung annehmen, falls jeder andere sie auch annehme.

Ich habe", so schreibt Lord Lothian weiter,nicht den leisesten Zweifel, daß diese Haltung Hitlers vollkommen aufrichtig ist. Hitler ist zwar kein Pazifist, aber er weiß, was Krieg be- deutet; Hitler kann feine Pläne für die Aus­bildung und Disziplinierung und Einigung der jun­gen Generation nur im Frieden ausführen. Es wird sieben oder acht Jahre dauern, bis die volle Leistungsfähigkeit des deutschen Heeres wieder hergestellt ist; Deutschland hat zehn Jahre inneren finanziellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau vor sich, wenn es sich erholen soll, ein Krieg würde bestimmt in einer- Besiegung des Nationalsozialis- mus durch den Kommunismus enden. Da weder Sowjetrußland, noch Frankreich, noch Italien, noch eine andere Macht in Europa Krieg wünschen, ist

eine Grundlage für eine politische und eine Rüstungsregelung gegeben, die den Frieden Europas für mindestens zehn Jahre sichern und die Gefahr eines Wettrüstens beseitigen würde."

Die Entscheidung darüber, ob es zehn Jahre Frieden und eine Wiederherstellung des internatio­nalen Handels geben würde, hänge von her britischen Regierung ab, der einzigen Macht, zu deren Unparteilichkeit heute ganz Europa Vertrauen habe. Die so oft in der Vergangenheit angewandten Methoden der Nachbarn Deutschlands, irgend etwas zu vereinbaren und esDeutsch- land vorzulegen in dem Gedanken, daß eine Ablehnung die bösen Absichten Deutschlands beweisen und eine Anttahme ihm wieder die etwas gelockerte Zwangsjacke vonVersailles an­ziehen würde, sei nicht mehr anwendbar. Deutsch­land habe diesem System ein Ende ge­rn a d) t. Diese Methode sei in hohem Maße das, was Deutschland unterUngleichheit" verstehe. Gleichheit bedeute, daß Deutschland von Anfang an an der (Erörterung über bie fünft« tige Stabilisierung (Europas auf glei­chem Fuße teilnehme.

Deutschland sei nicht imperialistisch im alten Sinne des Wortes, wie etwa das faschistische Italien. Gerade seine Hingabe an den Rassengedan­ken verhindere es, sich andere Nationalitäten ein­zuverleiben. Der Nationalsozialismus erkenne das Selbstbestimmungsrecht der anderen Nationalitäten (Europas an, auch wenn er wegen gewisser Grenzen unzufrieden sei. Wenn ein Versuch gemacht werde, (Europa für zehn Jahre zu stabilisieren, dann könne man auf eine baldige Rückkehr Deutschlands zum Völkerbund rechnen, besonders wenn die Völkerbundssatzung vom Ver­sailler Vertrag getrennt werde. Der Gedanke einer europäischen Gemeinschaft werde aber niemals aus dem Versuch verwirklicht werden, Deutschland in den Völkerbund zu zwingen, den es als Werkzeug für seine eigene Unterjochung betrachte. Großbritan­niens Aufgabe sei es, Deutschland allmählich für die britische Auffassung vom Völkerbund zu gewinnen.

Die deutsch-französische Saarkom- misst on am Sitze der BIZ. in Basel hat die Zurückführung der Sozialversicherung und ihrer Fonds angeschnitten, wozu einige neue Sach­verständige eingetroffen sind, sowie die Frage der privatrechtlichen Derpflichtu gen. Un­ter letzterer Frage spielt die Transferierung eine besondere Rolle.

Vozen erhält ein Denkmal!

Aus dem Italien Mussolinis kommt eine merk­würdige Nachricht; danach hat der Duce dem Prä­fekten der neuitalienischen Stadt Bozen ange­kündigt, daß dort eine von der Stadt Rom ge­stiftete Statue des altrömischen Feld- Herrn Drusus auf dem Hauptplatz aufgestellt werden soll, also wahrscheinlich auf dem Walther­platz, wo einst das berühmte Denkmal des ftied- lichen deutschen Minnesängers Walther von der Dogelweide stand, um das auch schon einmal ein sonderbarer Denkmalskrieg entbrannt war und das die neue Herrschaft schließlich als staatsgefährlich entfernte. Also ein Drususdenkmal in der neuen, durch den letzten Krieg wider Begehr und Erwarten an Italien gefallenen Provinz, die von einer Mehr­heit von Menschen deutschen Stammes, deutscher Sprache und deutschen Wesens bewohnt wird.

Auf den fünfzehnjährigen, mit dem Ruin zahl­loser Existenzen bedeckten Leidensweg dieser Deut­schen im Kampf um ihr Volkstum wollen wir heute nicht eingehen; im Verfolg der neuen von Italien gegen Oesterreich eingeschlagenen Politik wurden ihnen erst neulich Erleichterungen ihres harten Loses versprochen, denn die Südtiroler waren doch Defterreidjer, für die man in Rom so viel Herz entdeckt hat! Aber was soll es mit Drusus? Solche Denkmäler pflegen doch ihre geschichtliche und politische Symbolik zu haben. Was soll die marmorne oder erzerne Gestalt dieses alten Römers den Weinbauern von Kaltem oder den A e l p l e r n aus dem Grödener Tal sagen, wenn sie nach ihrer Stadt mit dem schönsten Obst­markt der Welt kommen? Und was soll er uns sagen, die wir aus der Feme diese ausdrucks­volle Politik der Denkmäler verfolgen?

Drusus war ein Stiefsohn des Kaisers Augu­stus, der die Erbschaft seines Adoptivvaters Julius Cäsar antrat. Das vornehmste und wichtigste Stück davon war die römische Herrschaft über Gallien, das in blutigen und rücksichts­losen Kämpfen gegen die eingeborenen Stämme und Völker unterworfen wurde. Das, was wir heute den mitteleuropäischen Raum nennen, befand sich in jener Zeit in einem Zustand ständiger Be­wegung, verursacht durch Wanderungen germani­scher Stämme, die von der südwestlichen Richtung des Völkerrutsches erfaßt wurden und nun nach neuen Wohnsitzen suchten. Die ersten Berührungen unserer germanischen Vorfahren mit dem dama­ligen Römerreiche sind auf diese Ursache zurückzu­führen. Auch Cäsar war bei der (Eroberung Gal­liens auf Germanen gestoßen, die den Rhein über­schritten hatten. Die Niederlage des germanischen Heerführers A r i o v i st in der Nähe von Mül­hausen im Elsaß entschied die geschichtlich bedeut­same Tatsache der Zurückwerfung des sich bildenden deutschen Volkstums auf die rechte Seite des Rheins.

Der damalige römische Senat, der Cäsar feindlich gesinnt war, warf ihm wegen feines Verhaltens gegen die Germanen, die um friedliche Ansiedlung gebeten hatten, Vertragsbruch vor und wollte ihn an die Germanen ausliefern. Auslieferungsliste! Doch wir wollen nicht Versailler Methoden und Dölkerbundsvorstellungen in jene Zeiten zurück­tragen, in denen ein neues junges Volkstum auf das Bedürfnis eines alten Reiches stieß, feine Gren­zen zu sichern. Die Zeit des Drusus aber be­zeichnet einen ganz neuen Abschnitt des römischen Vorgehens an den Grenzen des Germanentums, nämlich den Versuch der Unterwerfung und der Eingliederung des germanischen Raums in das römische Imperium. Unter Augustus ging Rom von der Abwehr zum Angriff über. Seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius unterwarfen im Jahre 16 v. Chr. das Land zwischen Alpen und Donau, und vier Jahre später drang Drusus über die Rheingrenze von Mainz bis an die Nordsee tief in das germanische Land ein bis zur Elbe. Römische Kastelle an der Lippe, der Weser, an der Ems und an der Elbe bezeichneten den Weg der römischen Eroberungszüge, die das Ziel hatten, Germanien zu einer römischen Provinz zu machen, ihm das Schicksal Galliens zu bereiten. Eine Parallele, die zeigt, welchen Weg die Geschichte eingeschlagen hätte, wenn nicht im Jahre 9 der Untergang der römischen Legionen unter Varus durch den ersten deutschen Nationalhelden Hermann den Cherusker der Ausdehnungspolitik Roms Halt geboten hätte.

Die Gestalt des römischen Feldherrn Drusus, die uns in diesem bekannten Zusammenhang und aus dem erwähnten modernen Anlaß interessiert, ist also der Repräsentant eines Abschnittes der germanisch-römischen Geschichte, in dem Rom ver­suchte, die Bildung eines germanischen Volkstums im politischen Sinne zu verhindern und den germa­nischen Lebensraum zu unterwerfen und einzu­gliedern. Dieser Versuch mißlang. Drusus selbst hat das völlige Scheitern seines politischen Zieles nicht erlebt. Auf dem Rückweg von einem seiner Eroberungszüge verunglückte er durch einen Sturz vom Pferde und starb bald danach. Dor seinem Tode soll ihm, wie römische Historiker erzählen, an der Elbe ein Weibvon übermenschlicher Größe" entgegengetreten und gebieterisch di e Umkehr befohlen haben, da das Ende feiner Tage und Taten gekommen fei---

Dies ist die Geschichte von Drusus, besten Denk­mal nun in Bozen errichtet werden soll. Seine Ge­stalt ist ein geschichtliches Schulbeispiel dafür, daß die militärischen Erfolge eines Feldherrn sehr ge­ring wiegen, wenn sie auf ein allzu vermessenes Ziel verschwendet werden und wenn auf der Gegen­seite ein Volk steht, das sich nicht vernichten lassen will. Was soll also sein Denkmal be­deuten? Zeigt es einen neuen Abschnitt deutsch- römischer Geschichte an, welcher dem von Drusu»