ttr. 203 viertes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessenj Zamztag, 31. August 1935
hK';-
■
■
"*? • ,* --
-* -v: v
->y ,.♦■
k? ■^•••■.»4
| gi % .' --'
-W"?:®. Wx'
i *: • <5
<w:
' s A ■ Y -'n* \/
•*« >MX
HUW MK
; ^s-U'k y.V'-^äp, •<^XVSS(.
■: ''»«Sy. v ;x ■ '
■:
»** - *• >•» 'Y
' .'7'x
w-
■
->
4
-■■ ■ . . ..
_?>€v ■' * ■
i- * 1
WWWM,z y * ? > "X < X »
■ M-
**. d
' «3
3 M
WU
--
Vom Wildling zum kultivierten Obstbaum
Besuch in einer heimatlichen Baumschule. .
Ueberflüssiqe Blätter -werden beseitigt.
Beim Veredeln. Gemeinschaftliche Arbeit im Feld. — (Aufnahmen: slOs Neuner, Gietzener Anzeiger.)
Längsschnitt, den sogenannten T-Schnitt, durch die
Rinde bis aufs Holz, und schieben das Edelauge.Spitze abgeschnitten. Nun bilden sich aus den ober
schnell
Das Auge wird auf den Wildlina veredelt
In der Obstbaum-Plantage.
Bei
der Arbeit in jungen Beständen.
cherlei Man einen nichts
Das Land, auf dem die Bäumchen wachsen sollen, muß gehörig vorbereitet werden. Zunächst wird es
50 bis gekalkt wurde, Dann Regen
sten fünf bis sechs Knospen die Kronenäste. Sind es mehr, dann werden die überflüssigen entfernt, sind es weniger, dann mutz noch einmal im nächsten Jahre angeschnitten werden. Ein Hochstämmchen soll einen gesunden Mitteltrieb und mindestens drei bis fünf Seitentriebe, die aleichmätzig verteilt fein müssen, haben. Bei Halbstämmen wird die Krone ein
werden vorsichtig ausgegraben, eingeschlagen dann verpackt. Das sind die Tage der Ernte den Baumschulenbesitzer.
Alle Baumschulen werden vor dem Versand Fachleuten des Reichsnährstandes geprüft. Den
und für
Reihen mit 90 Zentimeter Abstand und 40 Zentimeter in den Reihen. Sie bleiben nun bis zum nächsten August. Dann werden sie e d e l t.
Baum ist Baum, denkt mancher. Aber so ganz einfach ist es doch nicht. Wie sie herangezogen, wie sie behandelt werden in der „Schule", wie aus dem wilden Büschchen ein gerader, kerngesunder Hochstamm oder eine schöne Pyramide gebildet werden, das zeigt uns z. B. ein Rundgang durch die Baumschulen in Heuchelheim.
Freilich hat ein Baumschulenbesitzer auch man-
von
Be-
bis 45 stehen ver -
niert, geeggt und alles zur Pflanzung vorbereitet. Mit einer Schnur werden die Wildlinge gesetzt, in
einer Sorte, z. B Gellerts Butterbirne oder Pastorenbirne, auf diese Veredelung kommt dann die Sorte, die die Quitte nicht annimmt.
Entwicklung des Hochstammes und der anderen Formen.
Die Veredlungen wachsen nun (je nach Sorte, Witterung, Bodenverhältnissen und Wachsfreudig- keit) im ersten Fahre bis zu einer Länge von etwa 50 bis 150 Zentimeter. Im Laufe des Winters, zur Zeit der Saftruhe, werden sie zurückgeschnitten, um eine Stärkung des Stammes zu erzielen und die Seitentriebe, die dazu mithelfen, herauszulocken. Nach drei bis vier Jahren ist der junge Baum so stark, datz man die Krone anschneiden kann. In einer Höhe von 180 bis 200 Zentimeter wird die
60 Zentimeter tief rigolt, nachdem vorher und mit Kali und Phosphorsäure gedüngt um gesundes und festes Holz zu erzielen, bleibt das Land liegen, damit Frost und einwirken können. Im Frühjahr wird pla-
Arbeiten zu leisten im Laufe des Jahres, kann ruhig sagen, daß es eigentlich kaum Tag gibt, an dem der Baumschulenbesitzer zu tun hätte.
Die Arbeiten in der Baumschule.
Das Veredeln.
Um Wildlinge zu erhalten, werden die Kerne vom Obst ausaesät. Das geschieht meist in beson
deren Betrieben. Es müssen widerstandsfähige Sorten sein. Diese Betriebe verkaufen dann die Wildlinge, wenn sie etwa 50 bis 80 Zentimeter hoch geworden sind, an die Baumschulenbesitzer. Tausendweise kommen sie zum Versand.
Für besondere Formbäume, die im Wuchs schwach bleiben, dafür aber schneller und früher tragen sollen, nimmt man andere Unterlagen.
Die Wildlinge wurden im Frühjahr gesetzt und im August veredelt. Das ist eine der Hauptarbeiten im Baumschulbetrieb. Okulieren nennt der Fachmann diese Arbeit, von okulus (lat. Auge).
Der Baumschulenbesitzer hat sich nämlich für Edelaugen gesorgt, die er von gut tragenden Bäumen, meist aus den älteren Baumschulquartieren, oder auch von bekannten Züchtern, bezieht. Ein solches Edelauge ist weiter nichts als eine Knospe, die über dem Blatt des betreffenden Baumes fitzt und erst im nächsten Frühjahr austreiben wird. Die Knospe schläft noch. Die ganze Veredlungsart nennt man also Veredeln auf das schlafende Auge. Es ist dies dieselbe Veredlungsart, die der Rosenzüchter anwendet, wenn er ein Auge von der edlen Rose abschneidet und in den Wildling einsetzt.
Derselbe Saft, der im Wildlina nur kleine, schmale Blätter und ungenießbare Früchte erzeugt, hilft hier in der Edelknospe auf einmal große Blätter und wohlschmeckende Früchte bilden. Die kleine Edelknospe wird Herr über den großen Wildling, sie schreibt nun vor. was wachsen und gedeihen soll!
Es ist interessant, den gewandten Arbeitern beim Veredeln in der Baumschule zuzuschauen. In der einen Hand halten sie die Zweige von den fruchtbaren Obstbäumen, suchen ein gutes Edelauge heraus, schneiden es schildförmig ab, das Blatt wird bis auf den Stiel entfernt, bann bücken sie sich, wählen eine glatte Stelle am Wildling, möglichst nahe am Boden, machen hier einen Quer- und einen
unter die Rinde. Nun wird die Veredlungsstelle mit Bast oder einem Wollfaden kräftig umbunben, bamit bie eingeschobene Knospe festsitzt. Die Knospe selber muß natürlich frei bleiben. An einem einzigen Tage werben von einem Arbeiter viele Hunberte von Wilblingen verebelt Freilich ist es eine mühsame Arbeit. Sinb bie Verebelungen angegangen, bann wirb ber Wilbling etwa zehn Zentimeter über ber Veredelungsstelle abge- schnitten.
Der Winter kommt. Das Auge schläft, aber unsichtbar arbeiten alle Kräfte unb bauen neue Zellen unb sorgen da- für, daß im kommenden Frühjahr das Edelauge austreibt. Ist der Trieb lang genug, bann wirb er an dem stehengeblie- benen Zapfen bes Wild- lings angeheftet.
Für befonbere Formobstbäume kann man keine Wildlingunterlage nehmen, weil sonst bie Bäume „durchgehen", b. h. sie wachsen über bie gewünschte Form
sitzern, bie nur erstklassiges Material heranziehen, wirb ber Verkauf von Markenware zugesprochen. Alle Bäume bekommen ein entsprechendes Markenetikett
In vielen Gemarkungen stehen noch einzelne Riesenobstbäume. Gar mancher Wanderer hat in ihrem Schatten 'geruht und hinausgeschaut in die deutschen Lande. Wenn er aber — wie jetzt zur nahenden Herbstzeit — eine Frucht von diesen Riesenbäumen genießen will, dann wird er wohl das Gesicht verziehen, denn in den meisten Fällen sind diese großen, alleinstehenden Bäume Wildlinge. Gott weiß, wer sie einst pflanzte.
Unwillkürlich denken wir beim Anblick der kleinen Früchte an die großen, edlen Aepfel unb Birnen, bie auf ben Bäumen ber Obstanlagen wachsen. Ja, bie Menschen haben mit unendlicher Liebe unb Ge- bulb aus biefen kleinen Früchten im Laufe ber Jahr- hunberte bas eble Obst herangezüchtet. Wenn sie Aepfel, Birnen unb anberes Obst in ihren Gärten durch Sörtenauswahl und besondere Wiege ver-
Aber bis zum Frühjahr muß alles fertig fein, denn dann beginnt der Austrieb.
Eine wichtige Arbeit im Frühjahr ist das Nach- veredeln, denn es kommt vor, datz einzelne Augen nicht austreiben. Dann wird gepfropft. Dabei wird kein Auge, sondern ein Edelreis auf den Wildling gefetzt.
Im Sommer ist die wichtigste Arbeit das Formieren. wenn die jungen Triebe genügend lang sind Beim Formobst (Spalieren, Schnurbäumen, Umarmen, Palmetten usw.) werden die Leitzweige und Seitentriebe an besondere Stäbchen angeheftet. Während des ganzen Sommers muß das Land unter den Bäumen offen gehalten werden Es darf auch kein Unkraut aufkommen Die Hacke ist in beständiger Tätigkeit, in größeren Quartieren wird mit dem Pferd und einem besonderen Hackgerät, dem Planeten, gearbeitet. Daneben gilt es auch, auf das Ungeziefer zu achten Es kommen alle möglichen Arten Läufe, viele andere tierische und pilzliche Schädlinge treten auf. Da muß entsprechend gespritzt und gestäubt werden, damit kein größerer Schaden entsteht.
Im Laufe des Nachsommers und Herbstes sind nun die Bestellungen eingelaufen. Die Bäumchen
hinaus. Ein Zurückschneiden würde da nichts helfen. Bei Aep- feln nimmt man deshalb als Unterlage Doucin oder Paradies, bei Birnen die gewöhnliche Quitte. Auf diesen Unterlagen wachsen die Obstbäume nur mäßig, tragen dafür aber schneller und reicher, und vor allem halten sie die Form, die man wünscht.
Es hat sich freilich herausgestellt, daß es auch Birnensorten gibt, die die Quittenunterlage sehr schlecht annehmen, z. B. Williams Christbirne. Da hilft nur eine Zwischen- veredelung. Der Baumschulenbesitzer veredelt zunächst einen Wildling mit irgend-
.. unb dann eng mit dem Ast^verbund»».
e'öelt hatten, dann schnitten sie den Wildlingen draußen die Krone ab und setzten ihnen die besseren Reiser auf. ~
In unserer schnellebigen Zeit muß es aber noch rascher gehen. Früher pflanzte man für feine Kinder, heute will man selber in einigen Jahren Obst ernten. Man läßt nicht erst den Wildling wachsen, sondern veredelt ihn schon, wenn er kaum aus der Erde schaut. Nach 4 bis 5 Jahren ist der Baum fertig. Aber auch das geht manchem noch nicht schnell genug. Sie wollen keine großen Bäume, sie wollen Bäume, die gerade noch in ihren Garten passen, sie wollen besondere Formen, besondere Sorten und die Hauptsache: recht schnell Aepfel, Birnen und zuckersüßes Steinobst. All das gibt es jetzt. Unsere deutschen Baumschulen können heute fast alle Wünsche erfüllen.
Im Winter wird geschnitten. Da gilt es, zu arbeiten. Denn zu dieser Arbeit muß das Wetter offen sein. Bei strengem Winter drängen sich die vielen Arbeiten oft auf einige Wochen zusammen.
Das Herrichten junger Obstbäume zum Verkauf
M M M MM MM
*
>, £< 4 k
MV fei
Spalierobst wird auf Form gebunden.
» *
W ■
Der Lebensbaum wird formgerecht geschnitten.
•11
'M
M
3
3.x.
Schädlingsbekämpfung.
'S §
■ < «


