Ausgabe 
31.8.1935
 
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Ur. 203 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen)

Samstag, Zl. August (935

Großkundgebung gegen SlaMeinde Md Dunkelmänner.

Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger spricht in Gießen vor etwa 20000 Menschen.

Eine Riesenkundgebung, wie wir sie in Gießen noch nicht so eindrucksvoll in die Breite und in die Tiefe wirkend erlebt haben, wickelte sich gestern abend auf Oswaldsgarten ab. Auf Einladung der Kreisleitung der NSDAP, hatten sich dort die Volksgenossen und Bolksgenossinnen versammelt, um gegen das Treiben der Staatsfeinde und die Ma­chenschaften der Dunkelmänner öffentlich Stellung zu nehmen, zugleich aber auch dem Führer Adolf Hitler und der nationalsozialistischen Bewegung erneut ihre Treue zu bekunden. Rund 18 000 bis 20 000 Männer und Frauen standen dicht gedrängt auf dem weiten Platze des Oswaldsgarten und m den angrenzenden Straßenzügen, um hier die auf­klärende und richtungweisende Rede des Gauleiters zu hören.

Schon vom frühen Abend ab stand unsere Stadt ganz im Zeichen dieser riesigen Kundgebung. Von allen Seiten her zogen die Formationen der' Be­wegung, die geschlossenen Gruppen vieler indu­strieller, gewerblicher und behördlicher Betriebe, daneben im Einzelmarsch dichte Scharen von Män­nern und Frauen zu dem Platze der Kundgebung hin. In ganz kurzer Zeit war der Platz rundum übervoll von Menschen, und nunmehr ging auf Os­waldsgarten selbst der Aufmarsch aller Gliederungen der Partei, angefangen von den politischen Leitern über SA., SS., Arbeitsdienst, HI., BDM. bis zum Jungvolk vor sich. Es war ein unvergeßlicher Anblick, der sich von dem Rednerstand aus über den weiten Platz hin auf die dichtgedrängt, Kopf

an Kopf bis weit in das Straßenfeld hinein ste­hende Menschenmenge darbot.

Der Rednerstand war vor einer mächtigen Fah­nenwand mit dem Hoheitszeichen der Bewegung aufgebaut, rechts und links standen die starken Fahnengruppen aller Gliederungen in mehreren Reihen aufgestellt. Der Arbeitsdienst kam zum erstenmale unter den Klängen seines schneidig spie­lenden Musikzuges angerückt, bald darauf folgte die SA. unter der Führung des Standartenführers Lutter, ebenfalls mit prächtiger Marschmusik; die Stürme marschierten in Sechserreihen. Der Standort Gießen der Wehrmacht war durch den Befehlshaber des Restkommandos unseres zur Zeit auf dem Truppenübungsplatz weilenden Regimentes- oertreten.

Gegen 20.30 Uhr traf der Gauleiter, der von Pg. Klo st ermann und anderen hervorra­genden Männern der Bewegung an der Stadt­grenze empfangen worden war, am Oswaldsgarten ein. Die Menschenmenge, soweit sie in der Nähe der Rednertribüne stand und infolgedessen den Gauleiter bei seiner Ankunft bemerken konnte, be­reitete ihm und seiner Begleitung einen überaus herzlichen Empfang. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches schritt der Gauleiter zunächst die Fronten der Fahnengruppen ab, nachdem er vorher die Meldung des Standartenführers L u t - t e r entqegengenommen hatte

Der Kreisleiter Pg Klostermann eröffnete die Kundgebung sofort nach der Ankunft des Gau­leiters auf der Rednertribüne. Hierauf sprach

der Zeitpunkt für die Staatsfeinde sei jetzt ge­kommen.

Das nationalsozialistische Deutschland war von Anfang an dem Ausland ein Dorn im Auge. Das Ziel des Angriffs der ganzen Welt auf Deutsch­land war, das nationalsozialistische Deutschland zu vernichten und dann das deutsche Volkstum aufzulösen. Man glaubte, dieses Ziel leicht erreichen zu können. Heute aber sieht man ein Deutschland mit Adolf Hitler an der Spitze vor sich, das nie machtvoller dastehen könnte als heute, denn das deutsche Volk steht geeint und stark hinter sei­nem Führer.

Die heute noch den Kampf gegen dieses Deutsch­land führen und an einen Erfolg glauben, sitzen als Emigranten im Auslande. Die­ses Gesindel wird ausgehalten von den Feinden Deutschlands, denen liefert es Material, es gibt Zeitungen heraus und sucht das deutsche Volks­tum in den Augen anderer Völker herabzu­sehen. Dieses Gesindel belügt die Welt genau so, wie es das deutsche Volk immer belogen und betrogen hat. Nachdem aber immer mehr Ausländer das Deutschland Adolf Hillers ge­sehen haben, erkennt die Welt die Lügen des Emigranten-Gesindels immer mehr, und die ausländischen Besucher fühlen sich verpflichtet, ihren Völkern die Wahrheit über das neue Deutschland zu melden.

Diese wahren Berichte haben zur Folge, daß das Geschmeiß der Emigranten bei den anderen Staaten und Völkern immer mehr als lästig empfunden wird und nun den Boden verliert, so daß das Emigrantenpack vielfach heute unter Polizeiaufsicht steht. Wir können immer mehr feststellen, daß Deutschlands Stellung vor der ganzen Welt als machtvoller Faktor des gesamten Deutschtums immer mehr gefestigt wird und im Bewußtsein der Völker als Machtfaktor verankert ist. Wir haben nun die Aufgabe, jeden Versuch, von außen her Unruhe in unser Volk hineinzutragen, von uns aus zu unterbinden.

Der Führer stützt sich dabei nicht etwa aus die Brachialgewalt, sondern aus die Treue und das Vertrauen des einzelnen deutschen Volksge­nossen und auf die unbedingte Gefolgschafts­treue aller Mitglieder der Partei. Wenn jeder Deutsche dabei seine Pflicht tut, werden wir die Störungen von außen her bald restlos er­ledigt haben.

Dabei sollte auch anerkannt werden, daß die Zei­tungen des Auslandes bei ihrer Beschäfti­gung mit Deutschland nur auf das Geschäft speku­lieren. Daran sollte jeder einzelne denken, wenn er ausländische Zeitungen bezieht. Was bei uns zu sagen ist, wird dem deutschen Volke frei gesagt durch den eigenen deutschen Aufklä­rungsapparat und die eigenen Aufklärungs­möglichkeiten, durch die Versammlungen und durch die gesamte deutsche Presse. Die deutsche Presse besitzt alle Freiheiten, um das deutsche Volk restlos aufzuklären.

Es ist natürlich, daß innerhalb Deutschlands auch Feinde der nationalsozialistischen Weltanschauung und des deutschen Volkes vorhanden sind. Aber bis auf einen kleinen Prozentsatz steht das deutsche Volk hinter seinem Führer Adolf Hitler. Es ist er­klärlich, wenn der Jude sagt, daß er nicht abftinv- m-m kann, weil er eben Jude ist. Völlig uner­klärlich muß es uns anmuten, daß es einmal eine Zeit gab, in der man vondeutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens" glaubte sprechen zu können. Daran hat der Jude selbst nicht geglaubt, denn er hat sich immer nur als Jude, niemals aber als Deutscher, Engländer oder Amerikaner gefühlt. Tatsächlich hat ja auch jedes Volkstum feine eigene Art.

Volksgenossen, laßt euch nicht täuschen, denn der Jude ist eben ein anderer Mensch, als der deut­sche Mensch, der Jude will eben, wie auch das Beispiel von Disraeli und Rathenau zeigt, nur Jude sein.

Diese Beispiele ließen sich beliebig vermehren, ich glaube aber, daß über diese Frage jedermann genug weiß. Wenn man nun immer wieder die Forderung hört, die Regierung möge Maßnahmen gegen die Juden treffen, dann ist dazu zu sagen, daß es sol­cher Maßnahmen gar nicht bedarf, wenn jeder an feiner Stelle richtig handelt als Deutscher und im Rahmen des Deutschtums immer so handelt, daß der Jude draußen steht.

Wenn die deutschen Volksgenossen sich in jeder Beziehung restlos von dem Juden lösen, nicht

mit ihm verkehren, sein Geld nicht leihen, nichts von ihm kaufen und ihm nichts verkaufen, dann ist diese ganze Frage von selbst gelöst.

Wozu also das Geschrei nach Maßnahmen? Seid deutsch und handelt deutsch!

Der Führer hat bereits im Jahre 1933 gleich nach der Machtübernahme erklärt, daß gemäß dem Par- teiprogramm beide christliche Konfessio­nen in gleicher Weise vom Staate ge« chützt und gefördert werden. Trotzdem gibt es heute immer noch Menschen, die Kritik an der Staatsführung, an der nationalsozialistischen Weltanschauung und der Partei üben. Der poli­tische Katholizismus, das frühere Z e n -

Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger spricht.

trum beginnt eben in anderer Form sich wieder zu regen, angefangen sogar von der Jugend her. Nie­mand hat verboten, daß die Jugend von der Kirche religiös erzogen wird. Diese Aufgabe hat die Partei und hat die Hitler-Jugend niemals für sich beansprucht.

Aber die Erziehung der Jugend zu deutschen Staatsbürgern und ihre sportliche Ertüchtigung sind ausschließlich dem deutschen Staate und der Partei vorbehalten.

Darum verpflichtet der Nationalsozialismus die Kinder restlos zur Erziehung in den Gliederungen der Partei, um dort zu deutschen Menschen zu wer­den. Darüber wird nicht diskutiert! Es ist nun ge­radezu erstaunlich, zu sehen, daß auch in dieser Hin­sicht kritisiert wird. Hierzu muß gesagt werden: wer sich verhetzen l«äßt und infolgedessen einen Irrweg geht, muß später auch sehen, wie seine Kinder unter den Folgen die­ses Irrweges zu leiden haben. Der deutsche Staat kann eben keine Menschen in seiner Verwaltung gebrauchen, die Irrwege gegangen sind. Junge Menschen, denen die Symbole des deutschen Reiches nicht vertraut sind, können dem Staate nicht dienen, weil sie ja dessen Symbole gar nicht kennen.

Das deutsche Volk hat durch seine Regierung auch ein Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses erlassen. Das ehemalige Zentrum, der poli­tische Katholizismus wendet sich auch gegen dieses Gesetz. Hierzu ein Beispiel: Der hessische Staat gibt zur Unterhaltung von Kranken, die von staatswegen anstaltsmäßig untergebracht sind, jährlich nahezu 1,7 Millionen Mark aus. Was könnte man mit diesem Geld für ge­sunde Menschen tun und wieviel Arbeit könnte man für sie schaffen. Wenn man diesen Betrag um­legt auf das ganze Deutsche Reich, bann kommt eine unerhörte Summe heraus.

Wir haben kein Interesse daran, daß das deutsche Volk in der Zukunft etwa nur aus Schwachsinnigen und Erbkranken besteht. Denn Deutschland erhalten und sein Volkstum gesund bleiben soll, dann muß es immer nur daraus ankommen, den gesunden Nachwuchs zu fördern, heute sind wir nun jo weit, daß die Fachmänner der ganzen Welt Deutschland beglückwünschen.

Die Ankunft des Reichsstatthalters und Gauleiters Sprenger auf Oswaldsgarten. Rechts neben ihm Pg. Klostermann.

MchMMMr Gauleiter Sprenger

keine gute Beamtenschaft und kein Blühen aller anderen Schichten des Volkes denkbar. Denkt daran, daß wir in Hessen durch die Meliorations­arbeiten und die Art, wie wir diese Arbeit gemacht haben, mustergültig geworden sind für Deutschland. Mit den geringsten Mitteln haben wir erreicht, daß allein im Ried viele tausend Hektar neuen Landes

hätte.

Die Entwicklung der Verhältnisse vor der Macht­übernahme hatte dahin geführt, daß der B o l s ch e- roismus über Deutschland hinweggebraust märe, und wer sich dabei die Verhältnisse m Ruß­land vor Augen hält, weiß, was dabei aus Deutsch­land geworden wäre. Deutschland wäre dann rest­los erledigt gewesen, schon deswegen, weil mir ja nicht in der Lage gewesen wären, die Ernährung des Volkes sicherzustellen. Es war m der Tat fünf Minuten vor 12 Uhr, als der F uh - rer die Macht übernahm und zielsicher den Ausbau in Deutschland in die Wege leitete.

Man denke heute zurück, daß damals zur Her­beiführung gesunder Verhältnisse zunächst einmal der staatliche Apparat in Ordnung gebracht werden mußte. Ungeheure Arbeit war zu diesem Zwecke in Reich, Ländern und Gemeinden zu leisten, um wie­der eine Verwaltung zu schaffen, die einwandfrei und ohne Reibung funktionierte, denn alles war doch damals auf den Parlamentarismus eingestellt; es wurde geredet, nichts als geredet, aber sonst war niemand da. Von diesem System, auf das der ganze Staatsapparat eingespielt war, die Umstel­lung auf das Führerprinzip durchzuführen, war nicht leicht, aber sie war notwendig, um die gro­ßen Maßnahmen des Führers überhaupt zu er­möglichen. .

Volksgenossen, denkt an das Positiver Denkt daran, was alles zu tun war, um diese unge­heure Arbeit zu erledigen.

Denkt auch daran, was getan werden mußte, um Aur Arbeitsbeschaffung beispielsweise den Bau der Reichsautobahn in Angriff zu nehmen. Nun­mehr ist etwa ein halbes Jahr verflossen, daß diese Bahn in unserem Bezirk bereits eröffnet rourbe. Denkt in Oberhefsen auch daran, baß durch d,e Auf- bauarbeit Adolf Hillers wieder ein gefunder Bauernstand entstanden ist und daß ohne diesen qesicherten, gesunden Bauernstand Deutsch­land nicht bestehen kann Jeder Volksgenosse weiß datz unser Bauerntum die besten Kräfte für das gesamte Volk stellt, denn ohne einen gesunden Bauernstand ist auch fein blühendes Handwerk,

geschaffen worden sind. Kurz:

die Erfolge und die Fortschritte unter der Re­gierung Adolf Hitlers liegen so klar und deut­lich vor jedermann zutage, daß jeder deutsche Volksgenosse die Verpflichtung hätte, dankbar täglich des Führers zu gedenken, sich immer mehr in den Nationalsozialismus hineinzu­arbeiten und mit ihm zu marschieren. Jeder hätte die Verpflichtung, mit den anderen in dieser Arbeit und Gesinnung mitzueifern.

Trotzdem aber erleben wir täglich immer wieder diese Kritikasterei. Das eine kann ich ruhig sagen: so hart wir im Kampfe geworden sind und so ruhig wir geblieben und so diszipliniert wir immer ge­wesen sind, s o werden wir auch bleiben. Jeder, der heute noch angesichts dieser Leistungen kritikastert, soll sich nicht in unserer Langmut tau­schen. Im nationalsozialistischer^ Staat hat jeder­mann ein freies Wort, wenn er offen feine Kritik äußert und wenn er in ehrlichem Aufbauwillen Vorschläge macht oder auf Verhältnisse hinweist, die irgendwo in Ordnung gebracht werden müssen. Aber wehe den Wühlmäusen, die nur unterirdisch arbeiten wollen.

Das Recht zur Kritik hat nur der, der selbst positiv mitarbeitet, sonst niemand.

Wenn man nach den Wurzeln dieser Wühlmaus­arbeit forscht, so erkennt man, daß hier planmäßig gehandelt worden ist. Ich spreche offen aus, daß solche Dunkelmänner zur rechten Zeit in die Partei hineingeschickt wurden, und daß auch Spitzel vor­handen sind. Aber auf die Dauer kann niemand von diesen Menschen seine Zersetzungsarbeit aus­üben ohne daß er eines Tages doch der rächenden Gerechtigkeit in die Hand fallen würde. Ein anderer Teil der Wühlmäuse hat aus der Tatsache, daß der Führer sich großmütig gezeigt hat, den Schluß ge­zogen, daß nunmehr die Zeit gekommen fei, wieder Durcheinander zu machen. Hier muß ich klar sagen:

Es muh von jedem Parteigenossen und von i jedem Angehörigen der Parteigliederungen ver­langt werden, daß er seine volle Schuldigkeit tut, daß er überall da, wo er diese Wühlmäuse am Werke sieht und erkennt, sie schnappt und den Organen des Staates, der Polizei, übergibt.

- Dann wird diese Wühlmausarbeit bald aufhören, . denn nichts ist feiger als bas Gefinbel, bas hinten. , herum unb unterirbifch feine unsaubere Arbeit tut.

Mit einer Langmut, wie sie keine Revolution der ; Weltgeschichte zeigte, hat der Nationalsozialismus diesem Treiben bisher zugeseher. Es ergeht daher jetzt eine letzte Warnung a.. alle, die glauben,

zu der erwartungsvollen Menge. Er sagte in seiner etwa einstündigen Rede u. a.:

Es hat wahrhaftig jeder, der guten Willens ist, bisher genug Gelegenheit gehabt, alles das, was der nationalsozialistische Staat unter der Führung Adolf Hitlers geschaffen hat, nicht nur zu sehen und in Ruhe zu betrachten, sondern sich davon auch belehren zu lassen. Jeder mußte wissen, daß zu einem planvollen Aufbau längere Zeit ge- hört Wer guten Willens ist, muß sich auch daran erinnern, was Adolf Hitler bei der Ueber- nahme der Macht vorgefunden hat.

Wir haben alle miterlebt, daß wir vor der Machtübernahme Verhältnisse hatten, die in kurzer Zeit dahin geführt hätten, daß Deutsch­land sich restlos aufgelöst und das deutsche Volkstum und sein Staat zu bestehen aufgehört

Die stillen Helfer an der Kundgebung bei ihrer Arbeit an der neubeschafften Lautsprecher-Verstärker- Anlage. In Uniform Kreisfunkwart Pg. Dorr. (Aufnahmen 131: Photo-Pfaff.)

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