Ausgabe 
31.8.1935
 
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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Grünes Ruhrland.

Von Or. Hans Kock.

Der Begriff Ruhrland deckt sich für viele Men­schen noch immer mit den Begriffen Ruß und Staub. Sie können sich das Ruhrland nicht anders vorstellen als ein Industrieland, in dem es nichts gibt als Schlote, Krane, Hochöfen und andere Zei­chen des industriellen Fleißes. Gewiß, im Ruhrland pocht Deutschlands industrielles Herz laut und ver­nehmlich. Aber es hieße das Gesicht einer deutschen Landschaft verkennen, wollte man das Ruhrland nur Grau in Grau und Schwarz m Schwarz sehen. Wohl ist das Antlitz dieses Landes ernst und ge­zeichnet vom unbeugsamen Willen zu harter Ar­beit, aber es ist doch besonnt von der Schön­heit einer Natur, in der sich des Werktags zwin­gende Arbeit leicht und freudig leisten läßt.

Drei Städte im rheinischen Ruhrland bestim­men Wirtschaft und Kultur dieser Landschaft: Mülheim, Oberhausen und Essen. Die Entwicklung dieser Städte reicht weit zurück in mittelalterliche Zeit. Heute sind sie tragende Pfeiler des deutschen Wirtschaftslebens. Mülheim, das 133 000 Ein­wohner beherbergt, liegt zu beiden Seiten der Ruhr am südwestlichen Rande des Rheinisch-West­fälischen Industriebezirks. Die Schönheit eines alten Stadtbildes verbindet sich wirkungsvoll mit dem Schaffen einer modernen Baugesinnung. Die Erkenntnis der landschaftlichen Vorzüge und Eigen­arten der Lage der Stadt führte zur gewissenhaf­ten Pflege der im Ruhrtal gegebenen Naturschön­heiten. lieber den beiderseitigen Ruhrhöhen breitet sich der Naturwuchs eines weitreichenden Grün­gürtels, der vom Stadtmittelpunkt aus auf künst­lichen Grünstraßen und über Schmuckplätze zu er­reichen ist.

Der Lauf der Ruhr bildet ein weites grünes Tal, das Gelegenheit zu abwechslungsreichen Spaziergängen bietet. Durch das Ruhrtal und über die Ruhrhöhen führt eine Kette zusammenhängen­der Wanderwege, für die Mülheim Ausgangs- und Knotenpunkt ist. Wo man auch wandert, immer offenbart die Landschaft neue Reize. Auch das Wasser der Ruhr lockt. Einen besonderen Genuß bietet eine Motorbootfahrt auf der Ruhr von Mülheim bis Kettwig. Wassersportler beleben die Wellen des Flusses, an dessen Ufern Klubhäuschen liegen und wo dieKanuten" ideale Lagerplätze zum Rasten finden. Von herrlichen Parkanlagen umgeben liegt im Westen Mülheims das Sol­bad Raffelberg, das bei Gicht, Rheuma, Frauenleiden und Skrofulose gute Heilerfolge auf­zuweisen hat.

Eine Industriestadt, besonderen Gepräges, die heute 200 000 Einwohner zählt, ist Oberhau­sen, das sich durch Kohle und Eisen Weltruf ver­schafft hat. Doch nicht nur Fördertürme und Schornsteine geben dieser Stadt das charakteristische Aussehen: Oberhausen ist eine Stadt, die mit den schönsten und modernsten Bauwerken aufwartet, es sei nur an das im Jahre 1933 fertiggestellte Bahn­hofsgebäude, das Rathaus, Finanzamt ufw. hin­gewiesen. Gepflegte künstlerisch gehaltene Grün­anlagen und Promenaden beleben die Stadt. Reiche Erholungsstätten finden sich in nächster Nähe. Da ist der Kaisergarten in Alt-Oberhausen, der Volkspark im Stadtteil Sterkrade und der prachtvolle Waldhof in Osterfeld. Ausgedehnte

Waldungen bieten Gelegenheit zu erholungsreichen Spaziergängen. So kann man von Oberhausen, der Industriestadt mit recht von einer Stadt im Grü­nen sprechen.

Auch das traditionsreiche Essen, die Stadt Al­fred Krupps, die Stadt des ehrwürdigen Münsters, bietet Erholungsmöglichkeiten in reichem Maße. 650 000 Menschen leben in dieser Großstadt, in de­ren Norden sich die Altstadt mit den Geschäfts­zentren und die Stätten des industriellen Schaffens ausbreiten, deren Süden die Wohnstadt, gebettet in eine liebliche Natur, einnimmt. Eine vorbildliche Siedlungs- und Wohnungspolitik hat zu muster­gültigen Siedlungen geführt. Freundliche Grünan­lagen und zahlreiche Parks lockern das Stadtbild auf. Der Grugapark, der weltbekannt ist, stellt in Verbindung mit dem Botanischen Garten nicht nur eine der größten, sondern zugleich eine der vorbildlichsten Anlagen dieser Art dar. Immer wieder zieht es Tausende von nah und fern her­bei, die sich an den Blumenwundern dieses einzig­artigen Parks erfreuen wollen. Hier ist, trotz der Industrie, die Natur nicht zerstört, auch hier läßt sie die Wasser ihres ewigen Jungbrunnens sprudeln.

Von Essen-Bredeney führt der Haupt­zugang ins- Ruhrtal. Ausgedehnte Buchen- und Nadelholzwaldungen nehmen den Wanderer auf und am Ziel feiner Wanderung winkt Essen- Werden mit feiner alten Abteikirche, die im 8. Jahrhundert vom hl. Ludgerus gegründet wurde. Ausgedehnte Waldgebiete erstrecken sich im Stadt­teil Essen-Heidhausen. Täler und Höhen beleben das Landschaftsbild, und formen es zu einem der schönsten Teile des Ruhrgebietes. Zu einem der beliebtesten Ausflugsziele gehört das ruhraufwärts von Essen-Werden gelegene Hügel mit seinen herrlichen Waldungen und dem B a l - deney-See, an dessen grünen Ufern sich frohes sommerliches Leben entfaltet.

Im Ruhrland erklingt nicht nur die Sinfonie industriellen Schaffens; in seinen Wiesen und Wäl­dern lauscht der Großstädter auch Pan's lieblichem Flötenspiel. Das Ruhrland ist die kräftig atmende Lunge des Rheinisch-Westfälischen Industriegebietes, eine Volkserholungsstätte im wahrsten Sinne des Wortes, die immer wieder dem Menschen Kraft und Erholung spendet.

Wanderfahrten.

Laurenburg Brunnenburg Vierseenblick 2l Lei Obernhof.

Diese Wanderung, die nur 3% Stunden bean­sprucht, ist eine der genußreichsten im unteren Lahntal. Von unserem Ausgangspunkt Laurenburg mit feiner alten Ruine, der Stammburg des Nas­sauer Geschlechts, gehen wir über den Häuser Hof durch ein steil ansteigendes Seitental hinauf zur Klosterruine Brunnenburg. Hier beginnt eine Teil­strecke des Lahnhöhenweges L. Wir steigen noch etwas höher und gelangen alsbald zum Vierseen­blick mit prachtvoller Aussicht u. a. auf vier seen­artige Teile der Lahn. Nun gehen wir abwärts auf schönem, breitem Waldweg bis zu einem Bach, dann rechts an der Lahnwand, der sog. Hellmotter ent­lang, drei Waldschluchten auf Stegen überquerend, abwechselnd durch Wald und Feld. Nach einiger Zeit bietet sich ein überraschender Blick auf Obernhof und die Berglandschaft des Lahntals. Unser Weg mündet auf eine breite Straße, die wir abwärts bis zu einem Heiligenhäuschen gehen, wo wir den Wald wieder betreten und nach links auf einem Horizon­talweg in wenigen Minuten zur A Lei gelangen, einem der schönsten Punkte des ganzen Lahntals mit herrlichem Blick ins Dörsbachtal mit Kloster Arnstein und auf Schloß Langenau. Auf einem Zick­zackweg, der durch steile Fußpfade abgekürzt werden kann, steigen wir hinab nach unserem Endziel, dem reizvoll am Lahnufer gelegenen Obernhof.

Gießen Badenburg Hangelstein Lollar.

Wir beginnen unsere Wanderung bei der Unter­führung in der Eberstraße, von der uns blaue Striche den Weg zeigen. Wir gehen auf aussichts­reichen Pfaden am Bahnkörper entlang bis zur Badenburg, wo wir in dem alten Gemäuer der ehemaligen Burg mit hübschen Blicken ins Lahntal rasten können. Stets durch Wald, die Marburger, später die Daubringer Straße überschreitend, fuhrt uns das Zeichen hinauf zu dem prächtigen Ausblick

über dem Steinbrech, wo eine Bank zur Ruhe ein­ladet. Hier oben treffen wir rote Keile, denen wir nunmehr folgen. Wir kommen über die Felfenkanzel mit hübschem Blick auf den Staufenberg, steigen auf ziemlich steilem Pfad hinab, überschreiten wieder die Daubringer Straße und gelangen durch Wald und Feld, am «Fuße des Lollarer Kopfes her, nach ins­gesamt dreistündiger Wanderung zu unserem End­ziel Lollar.

Die Wanderkost im Rucksack.

Wanderkost muß vor allem so beschaffen fein, daß sie den Körper ernährt und zu einem Höchstmaß von Leistungen befähigt. Gerade auf diesem Ge­biete haben die meisten Wanderer, wie Werner Altpeter inReclams Universum" ausführt, noch zu wenig Einsicht bewiesen. Da das Brot bei der Zusammenstellung der Wanderkost eine große Rolle spielt, so nehme man am besten Vollkorn­brot, das sehr sättigt und dessen Verbrauch men­genmäßig geringer ist als bei einem Brot aus weißem Mehl. Die sogenannten Fladenbrote, wie Knäckebrot und Knusperbrot, die einen sehr geringen Wassergehalt haben, empfehlen sich besonders an heißen Tagen, da sie nicht so leicht eintrocknen. Als Brotbelag verwendet man neben Butter, Honig und Marmelade auch Gurkenscheiben, Rettich- ober R a - dieschenscheiben, feingeschnittene Zwie­beln, Kräuter ober Rosinen unb Fei- gen. Die beste Frischkost für ben Rucksack finb Obst- unb Gemüseerzeugnisse.Alle diese Frischnahrung hat den Zweck, dem Körper Vitamine und Mineralstoffe zuzuführen, ihn zu er­nähren und zu erfrischen. Ein guter Kraftspender namentlich für solche Wanderer, die keine Fleisch­nahrung mitführen, find Nüsse, die sich durch hohen Eiweiß- und Fettgehalt auszeichnen.

(Sommertage inBaden-Baden

Von Emil Baader.

Von Heidelberg, der romantischen Stadt am Neckar, bin ich durch die silbern schimmernde Rhein- ebene nach Baden-Baden gekommen. Erste Lichter flammten auf in den Alleen und Parken, vor den großen Hotels und an den weißen Villen, da mich die Straßenbahn im Abenddämmer durch die Stadt trug. Bald faß ich in einem Hause hoch über der Stadt. Amseln sangen in den Tannen, die vor mei­nem Hause standen. Auf dem Balkon des Hauses tat sich mir der ganze Zauber dieses Schwarzwald- Weltbades kund. Unbeschreiblich: die abendliche Stadt zwischen Bergen und Wäldern. Der Turm des Merkur leuchtet im Sommerabend; dir Umrisse der Burg Alt-Baden heben sich phantastisch ab in der Silhouette des Battertberges. Kühler Wind weht von den Wäldern ins Tal.

Zu später Stunde unternimmt man einen Gang. Schmale Gartenpfade führen hinunter zur Lichten­taler Allee. Ein frischer Schwarzwaldbach, die Oos, rauscht dahin, von ungezählten sanftgeschwungenen, mit roten Geranien geschmückten Brückchen über­spannt. Man gerät in die Parks großer Hotels. Man schaut hell beleuchtete Räume. Man kommt zum Kurhaus, den glanzvollen Mittelpunkt des Ba­dener Kurlebens. Ein Blick in den Spielsaal. Man denkt an Jacques Benazet, der die Spielbank um die Mitte des letzten Jahrhunderts inne hatte, der Baden-Baden zum ersten Vergnügungsorte Europas machte.

Der neue Morgen beginnt mit Amselgesang. Von ben hohen Tannen lassen sie ihr Lieb erschallen. Es lautet: Erwache, es locken bie Wälcker, es lockt bie Sonne, es lockt bie Ferienwelt von unb um Baben- Baben. Man schaut am neuen Tag bie Ruinen ber Römerbäber, bie heißen Quellen unb großen Bäber. Zwanzig berühmte Thermalquellen hat Baben» Baben, ungezählte Erholungsheime, Hotels unb ärztlich geleitete Sanatorien. Alle liegen eingebettet zwischen Blumen unb Wälbern.

Was ist von all bem Schönen, was Baben bietet, das köstlichste? Jst's bie großlinige Gönneranlage an ber Oos, wo man auf weißen Bänken träumen kann; finb's bie Fabelbäume ber großen Allee; bie buntgeschmückten Brücken über bie Oos; bie Berge ringsum; ist's Puhonnys köstliches Marionetten­theater?

Da ich ben Klosterhof bes 700jährigen Zifterzien- ferinnenklofters von Lichtental betrat, ba spürte ich: hier ist eine Welt, bie an unser Innerstes rührt. Da ich am Grabmal Jrmengarbs, ber Enkelin Heinrichs bes Löwen, ber Witwe bes Markgrafen Her­manns V. ftanb, bie bas Kloster im Jahre 1245 ge­stiftet unb ba ich in ber Fürstengruft bie Grab- mäler babifcher Markgrafen aus brei Iahrhunberten sah, ba begriff ich: hier lebt ein Stück babischer unb beutscher Geschichte. Man begreift es, baß Karl Friebrich 1803 bie Säkularisation bieses Klosters verhinberte. Man soll ben Besuch bieses ehrwürbi- gen Klosters nicht versäumen. Wenige Minuten von Baben, ber Stätte ber Freube, bieses traumstille Kloster.

Es ist wahrhaft schön, biesesParabies von Blumen unb Wälbern".

3f)re Verlobung geben bekannt

Tilly Rau

Walter Beck

Kirchstraße 6 Dammstraße 41II

Gießen, den 1. September 1935

03649

Emma Wallenfels Alfred Stutz geben ihre Verlobung bekannt

Gießen Chemnitz

Marktplatz 21 Markgrafenstraße 3

1. September 1935

---- -------------03689

3hre Vermählung zeigen an

Karl Kling

Wilma Kling, geb. Auerbach

Gießen (Marburger Straße 52), den 31. August 1935

Dr. med. Werner Rohl und Frau Erna, geb. Luh

geben ihre Vermählung bekannt

König i. Odenwald Gießen, Neuenweg 30

den 1. September 1935

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Die Burschen u. der Wirt

Am 1. und 2. September 1935

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Sonntag, den 1. September 1935,15 Uhr Jubiläumsspiel 1900 Liga - Kickers Offenbach vorher Spiele der AH. und Jugendmannschaften

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