Ausgabe 
31.8.1935
 
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bundsral bei berarflgen Beschlüssen nolwendlg Ist, bedeutet dies, daß der Völkerbundsrat außer stände sein wird, Sühnemahnahmen auf­zuerlegen.

Llnautorisierl'und irreführend."

Erklärung

des australischen Ministerpräsidenten.

London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Pressemeldungen, wonach die australische Re­gierung ihren Oberkommissar in London ange­wiesen haben sollte, sich der Anwendung von Sanktionen zu widersetzen, haben zu einer Erklärung des australischen Ministerpräsiden­

ten Lyons geführt. Nach Abschluß eines am Dormittage abgehaltenen Kabinetts rates sagte er, diese Meldungen seienunautorisiert und irreführen d". Die australische Regie­rung könne und dürfe ihre Haltung gegen­über einer Lage, die noch gar nicht entstanden sei, nicht näher darlegen. Man sollte darauf be­dacht sein, eine heikle Lage nicht im voraus ungünstig zu beeinflussen, um die Aufgabe der Leute, die sich um die Erhaltung des Friedens be­mühten, nicht zu erschweren. Offiziell verlautet, die an den australischen Oberkommissar tn London gekabelten Weisungen hätten von neuem besagt, Australien unterstütze Großbritan- niens Bemühungen um den Frieden weitestgehend.

Frankreich in der Zwickmühle.

Oie Ansicht der maßgebenden Kreise in Paris.Zwei peinliche Möglichkeiten. Zwiespalt im französischen Kabinett.

London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent derTime s" berichtet sei­nem Blatt über die Haltung der maßgebenden politischen Kreise in Paris zur abessini­schen Frage. Bemerkenswert daran ist vor allem das Bestreben, die Argumente, die eine Unter­stützung des englischen Standpunktes darstellen, aus französischem Munde zu Wort kommen zu lassen.

3m einzelnen wird ausgeführt, es fei bekannt, dah gewisse kablnettsmltglleder unter herrlots Führung für eine Unterstützung des Völker­bundes in der abessinischen Krise bis zum äußersten seien, doch müsse man damit rechnen, dah Laval jede nur mögliche Wethode zur Vermeidung von Sühnemahnahmen anwenden wolle.

Als Gründe würden angegeben: 1. die von einem Teil der Presse hartnäckig wiederholte Behauptung, daß Laval bei seinem Aufenthalt in Rom Mus­solini freie Hand in Abessinien gelassen habe. 2. Werde behauptet, Laval sei der Meinung, Großbritannien sei nicht stark genug, um tatsächlich die Einyaltung der Bestimmungen der Bölkerbundssatzung zu erzwingen. Seine tecb- nischen Sachverständigen, besonders die Marinefacy- leute, dürsten sich allerdings zweifellos ganz an­ders geäußert haben. Auf jeden Fall werde La­val aus Furcht vor einem Brand ganz Guropas vorsichtig sein. Mussolinis Versuch, die französische Regierung davon zu überzeugen, daß er militärische Sanktionen oder gar eine Blockade als Kriegsmaßnahmen ansehen würde, sei seinem Ziel gefährlich nahegekommen.

Frankreich stehe jetzt zwei peinlichen Möglichkeiten gegenüber. Mussolini werde Sühnemahnahmen mit Krieg beantworten, es fei denn, dah seine Erklärung einen Bluff darslelle. 3n diesem Falle würde Frankreich ganz bestimmt an der Seite Englands stehen, lieber den Ausgang fei

man sich in Paris nicht im Zweifel, voraus­gesetzt, dah der Streitbegrenzt" werden könnte. Viemand glaube aber, dah dies mög­lich fei. Anderseits zweifelten wenige Fran­zosen daran, daß Italien, wenn es zum Verzicht auf das abessinische Abenteuer ge­zwungen werde, sich sofort mit Deutsch­land, vielleicht auch mit anderen Mächten verbinden werde. 3n ganz Europa würde es eine Umwälzung geben, die nur einen einzigen Ausgang haben könnte. Gegenüber diesen Erwägungen würden die unzweifelhafte Schwächung und vielleicht Zerstörung des Völkerbundes und die Entfremdung britischen Wohlwollens und bri­tischer Unterstützung im Falle einer unangefochtenen Verletzung der Völkerbunds- fahung angeführt.

Laval werde sich also nicht leichtfertig zu einem Vorgehen entschließen, bei dem es kein Zurück mehr gebe. Nach seiner Ansicht sei ein Ausweg immer noch denkbar. In französischen Kreisen halte man es für möglich und hoffe man, daß die britische Abordnung bereit sei, prak­tische Maßnahmen zu unterstützen, aber n i cht zu beantragen. Falls sich diese Hoffnung nicht erfüllen sollte, denke man an ein Vorgehen, das zwar eine Mißbilligung zum Ausdruck bringe, aber so begrenzt wäre, das es sogar Mussolini 'kaum als casus belli gegenüber stärkeren Nachbarn ansehen könnte. Ob dadurch eine Eroberung von Abessinien verhindert werde, werde als weniger wichtig betrachtet.

Hinsichtlich der französischen öffentlichen Meinung glaubt der Korrespondent, daß der Wunsch nach Aufrechterhaltung der Freundschaft mit Italien all­mählich der Ueberzeugung Platz mache, daß

der Völkerbund auf jeden Fall bestehen bleiben müsse.

Dies wird nach Ansicht des Korrespondenten viel­leicht entscheidend sein. *

Gens kann die Dinge nicht mehr aushalten.

Aufschlußreiche pariser preffestimmen.

Paris, 31. Aug. (DNB. Funkspruch). Je näher der Zeitpunkt des Zusammentrittes des Völker- bundsrates heranrückt, um so mehr verstärkt sich in hiesigen politischen Kreisen der Eindruck, datz auch die Genfer Besprechungen den Gang der Ereignisse nicht mehr auf­halten können.

Man spricht daher auch Immer weniger von der Möglichkeit, den Ausbruch eines Itallenlfch- abeffinifchen Krieges zu verhindern, fonderu richtet feine ganze Aufmerksamkeit darauf, den Krieg zu lokalisieren und irgendwelche Aus­wirkungen auf Europa zu verhindern. Die Frage der Sühnenmaßnahmen spielt hierbei naturgemäß die Hauptrolle. Es scheint Immer mehr, als ob Frankreich keineswegs gewillt Ist, einem solchen Antrag, wenn er von englischer Seife gestellt werden sollte, statt­zugeben.

Die Außenpolitiker einiger großer Informations­blätter nehmen nochmals dazu Stellung, um einer­seits auf die praktische Wirkungslosigkeit solcher Maßnahmen hinzuweisen und anderseits jeden Druck energisch abzulehnen, der von außen her auf die französische Politik ausgeübt werden könnte.

Die Außenpolitikerin desOeuvre" ist der Ueberzeugung, daß

die italienischen Truppen Mitte September zum Angriff übergehen würden.

Laval habe in der Unterredung mit dem italieni­schen Botschafter lediglich aus Gründen der Pflichterfüllung darauf hingewiesen, daß der § 7 des Artikels 15 der Dölkerbundssatzung Muss olini das Recht gebe, Krieg zu führen, wenn er im übrigen genau diesen Artikel 15 be­achte und auch die darin vorgesehene dreimonatige Warteizeit innehalte.

Das Blatt verspricht sich von Sühnernah- nahrnen nur eine moralische Wirkung, hält es aber nicht für ausgeschlossen, daß die französische Regierung sich unter ge- wissen Bedingungen dem engli­schen Standpunkt anschließe. Diese Bedingung würde darin bestehen, dah sich Eng­land verpflichte, jedesmal, wenn eine Ver­letzung der Dölkerbundssatzung in Europa festgestellt würde, die gleiche Haltung ein­zunehmen, wie gegenüber dem italienisch-abessi­nischen Streitfall.

DerM a t i n" warnt vor der Anwendung von Sühnemaßnahmen. Wenn man das Mittel finde, den Buchstaben des Dölkerbundspakts mit seinem Geist in Einklang zu bringen und die Auswir­kungen des italienisch-abessinischen Krieges zu begrenzen, dann solle man sie pnwenoen. Wenn man aber der Ansicht sei, daß daraus ein europäischer Krieg hervorgehen sonnte, dann solle man davon Abstand nehmen. Wenn die Verbündeten Frankreichs die besondere Lage, in der es sich befindet, nicht verständen und einen Druck ausüben wollten, so sollten sie nicht vergessen, daß Frankreich mehr als alle anderen Länder im Kriegsfall mit seinen Schüssen und Trup- pen in vorderster Linie stehen müßte.

Es gebe eine internationale Politik und es gebe eine französische Politik und wenn es vorkomme, dah beide oft auf einen Kennet gebracht wer­den können, so dürfe man doch daraus nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß die erstere den

Vorrang haben muhte.

Es sei wahrscheinlich, daß man es in Genf vermei- den werde, die Frage von Sühnenmaßnahmen auf- zuwerfen. Es könne sich aber auf keinen Fall darum handeln, eine Ideologie zu verteidigen, deren Aus­legung zum mindesten im italienisch-abessinischen Streitfall doch nur theoretisch sein könne.

Die englische Seimatflotte versammelt sich.

London, 30. August (DNB.) In dem britischen Marinehafen Sheerneß herrscht, wie derStar" meldet, lebhafte Tätigkeit. Die Schiffe der Heimatflotte haben Befehl erhalten, sich vor dem ursprünglich in Aussicht genommenen Zeit­punkt zu versammeln. Im Hafen liegt zur Zeit eine stattliche Anzahl von Kriegsschiffen.

Amtliche Warnung an britische Staatsangehörige.

London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Das Foreign Office erließ Freitag abend eine amtliche Warnung an britischeStaats- a n g e h ö r I g e , die an die Möglichkeit eines Aus­bruches von' Feindseligkeiten zwischen Italien und Abessinien glauben, wonach jeder britische Staatsangehörige sich eines Der- gehens schuldig mache, wenn er ohne Erlaubnis des Königs einen Posten im Heer oder in der Marine eines fremden Staates annehme, der sich im Kriegszustand mit einem anderen, mit Groß­britannien in Frieden lebenden Staat befinde

Eine amtliche Mitteilung der abessinischen Gesandtschaft in London besagt, daß die abessinische Regierung die freundlichen Angebote von Europäern, die Abessinien helfen wollten sehr hoch einschätze, daß sie aber nicht in der Lage sei, davon Gebrauch zu machen.

Gasmasken für Polizisten in Gibraltar.

London, 30. August (DNB.) Wie aus Gibraltar gemeldet wird, haben die dortigen Militärbehörden am Freitagmorgen den Polizei­streitkräften Gasmasken ausgehändigt. Gleichzeitia wurden die Polizisten durch einen briti­schen Sanitätsoffizier in dem Gebrauch der Masken unterrichtet. Die Auslieferung der Gasmasken ver­ursachte in der Umgebung der Polizeistation große Ansammlungen von Menschen, die das Ereignis in aller Erregung besprachen.

Aussprache Lavals mit dem polnischen Botschafter.

Paris, 31. August (DNB. Funk(pruch). Wir in gut unterrichteten Kreisen verlautet, wurden in der Unterredung des französischen Ministerpräsidenten Laval mit dem polnischen Botschafter die französisch-polnischen Beziehungen eingehend geprüft. Gleichzeitig wurde auch eine Reihe europäischer Fraaen behandelt, die, wie z. B. der O st p a k t, beide Länder unmittelbar angehen.

Der Führer weihte denAdolf-Hitler-Koog".

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Eines der bedeutendsten Aufbauwerke des Nationalsozialismus, derAdolf-Hitler-Koog" an der Stufte Schleswig-Holsteins, wurde am Donnerstag vom Führer feiner Bestimmung übergeben. Rund 1300 na Land wurden in unermüdlicher Arbeit dem Meere abgerungen und rund sechzig Bauernfamilien eine Existenzgrundlage gegeben. Im Rahmen der Feier erfolgte auch die Grundsteinlegung für eine Neuland­halle, die der Führer auf unserem Bilde soeben vollzieht. (Scherl-Bilderdienst.)

Die Aufbahrung -er Königin Astrid.

Beisetzung am Dienstag.

Brüssel, 30. Aug. (DNB.) Die st e r b l i ch e n Ueberrefte der Königin sind im Schlosse aufgebahrt worden. Der Kopf der Toten ist verbun­den, das Gesicht liegt frei, ohne daß irgendwelche Entstellung zu bemerken ist. Auch im Tode hat die Königin ihr heiteres Aussehen und ihre Schönheit bewahrt. Generale halten die Totenwache.

Die Bevölkerung durfte am Nachmittag am Lager der Toten vorbeidefilieren. Bis in die Nacht dauerte die Wallfahrt der Taufende, die sich vor der Verblichenen ehrfurchtsvoll verneigten.

Die auswärtigen Diplomaten erschienen geschlossen beim Ministerpräsident van Zeeland,

um ihm die B e ile id s w ün sch e ihrer Regierung zu übermitteln. Am Freitagabend hielt der Mini- sterpräsident über den Brüsseler und den flämischen Sender eine kurze Gedenkrede auf die Königin. Er schloß mit der Aufforderung an das Volk, sich nun fester um seinen vom Schicksal schwergeprüften König zu scharen.

Die B e i s e tz u n g s f e i e r l i ch k e i t e n sind auf nächsten Dienstag festgesetzt worden. Die Königin wird in der Kirchengruft von Laeken bei Brüssel beigesetzt werden. An der feierlichen Ueber- führung vom Stadtschloß nach Laeken nehmen die Schulkinder teil.

Das Unglücksauto, mit dem die Königin Astrid tödlich verunglückte, int Schilf des Vierwaldstätter Sees« (Scherl-Bilderdienst.)

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Ein Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Heeres. Zum erstenmal seit Versailles wieder große Manöver.

M ü n st e r, 30. Aua. (DNB.) Ein Wende­punkt in der Geschichte des deutschen Heeres bekundet sich in den bevorstehenden gro­ßen Herb st Übungen des 6. Armeekorps, Der Truppen aus Westfalen und Niedersachsen, Hannover und Oldenburg, die in der Zeit vom 2. bis 7. September im Raume Lüneburg Soltau Celle zu Manövern zusammenge- zogen werden.

Zum ersten Male seit dem schmachvollen Diktat von Versailles kann die deutsche Wehrmacht bei die­sen Schulübungen wieder größere Trup­penverbände zeigen, die mit den Waffen ausgerüstet sind, die der neuzeitliche Krieg verlangt

Die erste Uebung spielt sich vorn 2. bis 4. Sep­tember nördlich Celle im Raume zwischen Her­mannsburg und Münster ab; ihr folgt ein Ruhe­tag. Die beiden nächsten Tage, der 6. und 7. Sep­tember, werden bann wieder eine besonders inter­essante, die Nacht durchlaufende Kampfaufgabe mehrerer Divisionen zum Uebungsgegenftanb haben. Diese Hebungen beginnen aus Richtung fiüne- b u r g her in Gegend Bispingen (nördlich Mün- ster) und enden ostwärts der großen Straße Heber Soltau Dorfmark.

Nach dem SignalDas Ganze Halt!" wird sich das gesamte 6. Armeekorps mit den unterstellten Truppen zu einer Schlußparade, die mehrere Stunden dauern wird, versammeln, um in strenger Disziplin und Haltung seinem höchsten Vorgesetzten

und hoffentlich vielen Tausenden von Zuschauern zu zeigen, daß trotz einer Woche größter Anstren­gungen der deutsche Soldat so froh und frisch ist, wie am Tage des Ausmarsches aus der Garnison.

Von den beiden Uebungen dürsten folgende Ein­zelheiten wissenswert sein: Die erste Uebung wird zeigen, wie eine Division, die einem angreifenden, etwa doppelt überlegenen Gegner weichen muß, zu­nächst hinhaltend kämpft, mit Feuer aller Waffen und Sperren den feindlichen Vormarsch verzögert und schließlich an einer rückwärtigen Linie zur Ver- teibigung übergeht, wo bis zur Entscheidung ge­kämpft wird. Bei der zweiten Uebung wird eine tn mehreren Kolonnen marschierende Division ge­zeigt, die später in einen Kampf verwickelt wird, über dessen Verlauf aus Uebungsrücksichten Einzel­heiten jetzt noch nicht mitgeteilt werden können.

Der Stand der jeweiligen Kriegslage wird durch die Tagesmeldungen in Presse und Rundfunk be- fanntgegeben werden.

Die Teilnahme von Zuschauern an den Herbst­übungen ist gestattet. Hierzu sind die Straßen Celle Sülze Hermannsburg Müden Münster und Celle Bergen Wietzendorf Soltau für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Im übrigen sind der Truppenübungsplatz Münster und sämtliche anderen Straßen im Uebungsgelänbe polizeilich gesperrt. Die Verkehrsregelung erfolgt durch Polizei und Landjäger. Ihren Anweisungen und denen etwa weiterhin eingesetzter Absperrungs­posten ist unbedingt Folge zu leisten, damit bex