Ausgabe 
31.8.1935
 
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Nr. 203 Erster Blatt

185. Jahrgang

Samstag, 31. August 1935

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Abessinien vergibt umfangreiche Bergbaukonzessionen

Abschluß eines Vertrages überHalb-Abessinien" auf 75 Jahre mit einer englisch-amerikanischen Gesellschaft.

9er (Weihung entgegen.

Der italienisch-abessinische Konflikt mit allen feinen Auswirkungsmöglichkeiten, nach wie vor die euro­päische Lage beherrschend, reift der Entscheidung entgegen. Die am 4. September beginnende Völker­bundstagung wird den Frieden kaum noch retten. Der Ausbruch des Krieges zwischen Italien und Abessinien erscheint un­vermeidlich. Die Rate der englischenLloyds- Dersicherung" für eine Versicherungspolice gegen das Kriegsrisiko zwischen Italien und Abessinien, ein meist untrüglicher Stimmungsbarometer, steht auf 99 Prozent.

Mussolini will marschieren,mit Genf, ohne Genf, gegen Genf". Der italienische Staatschef will eineradikale Lösung".Wir können jetzt nicht mehr zurück. Die 200 000 italienischen Gewehre in Ost­afrika würden von selber losgehen. Die Lösung des abessinischen Problems muß radikal und abschlie­ßend sein. Abessinien kann nicht weiterhin eine Waffe bleiben, die auf den Rücken Italiens gerich­tet ist". Die politischen Beschlüsse des Bozener Mini­sterrats bestätigen nur diese in den letzten Inter­views Mussolinis festgelegte Haltung Italiens. Ita­lien hat bisher ungefähr 180 000 Mann an den abessinischen Grenzen zusammengezogen; es hat sich wirtschaftlich und finanziell gerüstet, wie die in Bozen beschlossenen Wirtschaftsgesetze mit ihren scharf einschneidenden Maßnahmen mit Deutlichkeit­erkennen lassen.

Heute handelt es sich nicht mehr darum, ob der bewaffnete Zusammenstoß zwischen Italien und Abessinien noch vermieden werden kann. Die Frage, um die es sich jetzt dreht, ist die:Ist eine Lokalisierung des italienisch-abessi­nischen Konflikts möglich?" Nicht mehr die Frage des Ausbruchs des Krieges zwischen Italien und Abessinien, sondern die Frage seiner Auswirkungen beschäftigt heute die europäi­schen Kabinette und wird in Genf zur Debatte stehen.

Der Völkerbund wird sich bei der Tagung, die am 4. September beginnt, wie England es auf der letz­ten Ratstagung durchgesetzt hatte, mit der Ge­samtheit der durch den Streit um Abessinien aufgeworfenen Fragen zu befassen haben. Italien wird in Genf vertreten sein. Mussolini steht mithin nicht mehr auf dem Standpunkt, daß der italienisch- abessinische Konflikt Genf nichts angehe und ledig­lich auf Grund des Vertrages von 1906 gelöst wer­den könne. Das ist ein Fortschritt, denn auch Frank­reich und England wünschen eine Gesamtbehandlung des Streitfalles. Aber dieser Fortschritt ist nur scheinbar. Italien, entschlossen in Genf sofort zur Offensive überzugehen unddie abessinische Frage in ihrer ganzen nackten Wirklichkeit aufzu­rollen", macht Vorbehalte und stellt Bedin­gungen. Italien will allem Anschein nach, daß seiner Anklage gegen Abessinien ob es den Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund bean­tragen wird, ist noch nicht ersichtlich sofort das Urteil des Rates gegen Abessinien folgt, ohne daß dem beschuldigten Abessinien vor dem Forum des Rates oder der Vollversammlung Ge­legenheit zu seiner Verteidigung gegeben wird. Es ist wenig wahrscheinlich, ,daß die anderen Rats­mächte einem solchen Verlangen Italiens beipflichten werden, einmal, weil die Prozedur in der Völker- bundssatzung vorgeschrieben ist, zum anderen, wejl ein Eingehen auf die Forderung Italiens eine Vor­wegnahme des Urteils des Rates in sich schließen würde. Don vornherein aber erklärt Italien, daß es sich einem gegen Italien gerichteten Votum des Rates nicht fügen wird:Wenn in Genf Sanktio­nen gegen Italien beschlossen werden, dann wird Italien sofort den Völkerbund verlassen. Unmißver­ständlich sollte begriffen werden, daß jeder Staat, der Sanktionen gegen Italien anwendet, der be­waffneten Feindschaft Italiens begegnen wird." So der Duce in feinem Interview mit Ward Price, dem Sonderberichterstatter derDaily Mail". Und das (Kommunique über den Bozener Ministerrat stellte fest,daß die Frage der Sanktionen von den höchsten militärischen Stellen Italiens von allen Ge­sichtspunkten aus eingehend geprüft worden ift, und daß besonders im Hinblick auf mögliche kriegerische Sanktionen bereits die notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen, ihnen entgegenzutreten, von vorn­herein festgesetzt worden sind."

Italien stellt den V ö l k e r b u n d vor feine Schicksalsfrage, setzt ihm gewissermaßen die Pistole aus die Brust: Wendet der Völker­bund die Bestimmungen seiner Satzung an, die, falls Italien den Krieg beginnt, durchaus eindeutig sind, das heißt Sanktionen zur Folge haben müß­ten, dann tritt Italien aus dem Völkerbunde aus, und die weitere Lebensfähigkeit des Völkerbundes ist in Frage gestellt. Wendet der Völkerbund die Bestimmungen seiner Satzung nicht an, so gräbt er sich ebenfalls das Grab, feine Rolle als Instru­ment kollektiver Friedensficherung ist a u s ge­spielt.

England und Frankreich, letzteres schon um seiner mitteleuropäischen Interessen und seiner Bündnispolitik willen, werden alles daranfetzen, um einen Ausweg zu finden und den Völkerbund zu retten. Frankreich, das sich nur höchst ungern vor einer Wahl zwischen England und Italien gestellt sehen möchte, wird nach Möglichkeit die Mittlerrolle zwischen England und Italien spielen. Lavals Marschroute für Genf ift nicht starr festgelegt. Aber Frankreich wird sich unter keinen Umstän­den irgendwelchen S a n k t i o n s m a ß- nahmen gegen Italien anschließen. Das teht jetzt bereits fest. Das englische Kabinett hat in einer letzten großen Sitzung ebenfalls noch keine eften Beschlüsse gefaßt, England will erst in Genf eine Karten aufdecken. England will aber nach wie vor zu seinen Völkerbundsverpflichtungen stehen

London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Zwei englische Blätter überraschen heule ihre Leser mit der Behauptung, daß der Kaiser von Abef- i n i e n gerade in diesen Tagen politischer hoch- pannung umfangreiche Konzessionen, die sich über große Teile Ostabessiniens erstrecken, an eine englisch - amerikanische Gesellschaft vergeben habe.

Der Sonderkorrespondent derNews Lhronicle" in Addis Abeba meldet, daß der Kaiser am Freitag einer englisch - amerikanischen Gesell- chaft mit dem Silz in London eine be­deutungsvolle Konzession zur Ausbeutung der Mineral- und Petroleumschähe Abes­siniens gewahrt habe. 3n Addis Abeba werde vorläufig strengste Geheimhaltung beobachtet, doch ei mit einer amtlichen Erklärung am Samstag zu rechnen. Die Konzession, bei der es sich um viele Millionen PfnndSlerling handeln werde, beziehe sich auf die Ausbeutung der Bodenschätze von Gebietsteilen, zu denen auch das südliche h a - rar an der Grenze der O g ad en w ü st e gehören olle. Die Vereinbarung sei von einem Engländer namens L. TB. Rickett aus London abgeschlossen worden. Er habe sich acht Tage in Addis Abeba aufgehalten. 3n dieser Zeit sollen die Verhand­lungen bei Tag und Nacht in einem Regierungs­gebäude geführt worden sein. Rickett sei in der Nacht zum Freitag von einem Beamten aus dem Bett geholt und in einem Kraftwagen ium Palast gefahren worden, wo nach einer ab- chließeuden Besprechung mit dem Kaiser die Unterschrift bei Tagesanbruch vollzogen worden sei. hierauf sei Rickett sofort über die Dschi­buti nach London abgereist.

AuchDaily Telegraph" veröffentlicht in aller­größter Aufmachung eine Meldung seines Sonder­berichterstatters aus Addis Abeba, die sich auf die Konzessionserteilung bezieht. Danach soll es sich um die britisch - amerikanischeAfrican Exploitation and Development Cor­poration handeln, der das Recht auf die Ausbeutung der P e 1 r o l e u m v o r k o m - men, der Mineralschähe und der sonstigen natürlichen Hilfsquellen vonHalbabessinien" für die Zeit von 75 3ahren gewährt worden sein soll. Der amerikanische finanzielleRat- gebet des Kaisers sei als Zeuge bei der Un­terzeichnung des Vertrages zugegen gewesen. Das Konzessionsgebiet beginne im Norden an der Grenze von Erythrea und führe am 40. Längengrad entlang, durchschneide die Eisen­bahnlinie Addis Abeba Dschibuti und ende am Rudolph-See an der Grenze von Kenya. Das Gebiet schließe die wertvollen Petroleumvor­kommen von Aussa-3igjigga ein.

WieDaily Telegraph" meldet, verlautet von zu­verlässiger Seite, daß dem Kaiser kürzlich vorge­schlagen worden sei, daß Petroleumgebiet von Aussa an 3talien gegen die Zahlung abzutreten. Aus diesem Angebot sei aber nichts mehr geworden.

Es handele sich, so schreibt der Korrespondent, um das wichtigste und weittragend st e Ereignis in der Geschichte Abessini­ens. Es fei beabsichtigt, die Petroleumfelder durch den Bau einer ungefähr 5 0 0 Kilometer lan­gen Rohrleitung mit Geludia und von dort aus mit einem Hafen am Roten Meer zu verbinden. Der größte Teil des erforderlichen Kapi­tals von ungefähr zehn Millionen Pfund Sterling werde in Neuyork aufgebracht werden. Man rechnet damit, daß bereits in den nächsten Wochen Geologen und Bohrsachoerständige in Abessinien

und den Satzungen des Völkerbundes Geltung ver­schaffen. Wenn England jedoch immer wieder die Notwendigkeit der Achtung aller Verpflichtungen aus der Völkerbundssatzung betont, den Völkerbund etwa allein zu verteidigen, daran denkt England nicht.Der Schlüssel der Regierungspolitik ift Kol­lektivität", so argumentiert dieTimes". Dieses System der kollektiven Friedenssicherung aber muß in dem Augenblick illusorisch werden, in dem Frank­reich sich ihm versagt.Wenn Frankreich jetzt zu­rückzucke, so werde" wir zitieren hier wieder die Times"die Ehre d e r großen Geste bei England und das Odium des Verrats bei Frankreich liegen, dessen offen verkündete Völkerbundstreue sich dann als nichts anderes Her­ausstellen werde, als eine Benützung des Völkerbundes zur N i ederhaltung Deutschland." Täuschen nicht alle Zeichen, so wird Genf einegroße Geste" ohne praktische Wir­kungen bleiben.

Anderseits haben Mussolinis Beteuerungen,die Politik Italiens werde weder unmittelbar noch mittelbar die Interessen des britischen Reiches be­drohen", England, das dem italienischen Unter­nehmen in Abessinien nach wie vor mit Bedenken

eintreffen werden, um die ersten Untersuchungen anzusiellen. Es fei anzunehmen, daß die Einnah­men Abessiniens aus dieser Konzession in den näch­sten vier oder fünf 3ahren auf etwa drei Millionen Pfund Sterling sich belaufen dürften."

Daily Telegraph" berichtet schließlich noch von Verhandlungen über den Bau eines Sperr- damms und eines Systems von Pump­stationen am T a n a f e e , die zur Zeit in Addis Abeba laufen sollen.

Standard Oil will nichts wissen.

N e u y o r k, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter bringen unter großen Schlagzeilen die Meldung aus Addis Abeba von dem Ab­schluß des Bergbau- und Petroleum- Konzessions vertragesmitAbessinien. Aus eine Anfrage vonAssociated Preß bei dem in Los Angeles weilenden Präsidenten der Socony Vacuum Oil Corporation, John Brown, die die allgemeinen Auslandgeschäfte der Standard Oil Company wahrnimmt, antwortete der Präsident, daß er gar nichts von dem gemeldeten Abschluß dieses Abkommens wisse. Es sei ihm auch nicht die African Exploration and Development Co. be­kannt, die mit der Ausführung dieses Abkommens betraut werden soll. Jedenfalls fei sie . aber keine Zweig-Gesellschaft der Standard Oil.

London, 31. August (DNB.) Zur Frage der Neuverteilung der K o l o n i a l m a n ö a t e schreibt dieMorning Post", das Blatt der englischen Diehards, im Zusammenhang mit der Stellungnahme Englands zum italienisch-abessinischen Konflikt:

Aus dem letzten halben 3ahrhundert könnten mehrere Beispiele jener Art Außenpolitik zitiert werden, die durch eine Methode fortschrei­tender Einschüchterung Vorteile für sich herauszuschlagen versucht. Es war eine Politik mil­der Angriffe und kleiner Einkreisungen, deren Erfolg von der Voraussetzung abhing, daß das Opfer es vorzog, lieber bei jeder individuellen Gelegenheit nachzugeben, als zu den äußersten Maßnahmen zu greifen, hoffentlich gibt sich kein Land der Täuschung hin, dqh das britische Volk, weil es seit dem Kriege für die Sache des Friedens viele Opfer gebracht hat, bereit ist, auf unbestimmte Zeit diese Taktik zu erdulden. Besonders in Groß­britannien wird die Tatsache gewürdigt, daß die Friedensregelung eine Ordnung der Dinge hinterlassen hat, die in vielerlei

London, 31. Aug. (DNB. Funkspr.) Reuter meldet aus Canberra: 3n der australi­schen Bundeskabinettssihung am Frei­tag waren die Minister einstimmig der Ansicht, daß der australische Oberkommifsar in London Bruce jeden möglichen Schritt tun solle, um Großbritanniens Bemühungen um die Erhal­tung des Friedens zwischen 3talien und Abessinien zu unterstützen. Es verlautet, daß die Minister hinsichtlich der Möglichkeit eines Be­schlusses, Sühnemaßnahmen anzuwenden, Besorgnis geäußert und beschlossen hätten, den

und Skepsis gegenübersteht, unbefriedigt gelassen. Daß England für alle Eventualitäten sich einrichtet, zeigen die Schutzmaßnahmen auf Malta, die Kreuzerentsendungen nach dem Golf von Aden, die Truppenzusammenziehungen im Sudan. Es geht nicht allein um die Gefährdung des Werkes der kollektiven Friedenssicherung, unter welchem Ge­sichtspunkt England den italienisch-abessinischen Streit gesehen haben möchte. Aber noch find die Interessen des Empire nicht bedroht. Die Gefahr europäischer kriegerischer Verwicklun­gen durch den drohenden italienisch-abessinischen Krieg ist vorerst wenigstens unwahrscheinlich. Aber wenn die Würfel erst einmal rollen, so ver­mag niemand vorherzusagen, wohin sie rollen und welches Ziel sie sich suchen werden.

Admiral Scheer" in Danzig.

Danzig, 30. Aug. (DNB.) Das Einlaufen des PanzerschiffesAdmiral Scheer" im Danziger Hafen gestaltete sich zu einer unver­geßlichen Kundgebung der deutschen Bevölkerung der alten deutschen Hansestadt. Der mehrere Ki-

Konferenz bei Mussolini.

Rom, 30. August (DNB.) Mussolini hat am Freitagnachmittag in Bozen mit den Unter- staatssekretären und General st abs» chefs der Marine und der Luftfahrt eine zweistündige Konferenz abgehalten, der allgemein große Bedeutung zugemeffen wird. Irgendwelche Einzelheiten über die Besprechung sind in Rom bisher noch nicht bekannt.

Nachrichtenzensur in Ztalienisch-Somaliland.

Rom, 30. August. (DNB.) Der Gouverneur von Italienisch-Somaliland hat einen Er» laß bekanntgegeben, nad) dem jede Nachrichten­verbreitung aus den italienischen Kolonien in Zukunft einer Zensur unterliegt. Jede journa­listische Mitteilung, gleich ob sie brieflich, telegra­phisch oder telephonisch weitergegeben wird, muß zunächst einem kürzlich eingerichteten Presse- und Propagandaamt vorgelegt werden, das die Weiter­leitung genehmigen 'muß. In erster Linie bezieht fick) diese Maßnahme auf die von italienischen Kor­respondenten in ihre Heimat gesandten Nachrichten. Es bedarf noch einer Klärung, ob diese Zensur sich auch in gleicher Weise auf die Nachrichtenoerbrei­tung durch ausländische Korrespondenten erstrecken wird.

lometer lange Uferweg von der Hafeneinfahrt bis zum Anlegeplatz desAdmiral Scheer" war von einer dichten Menschenmenge umsäumt, die das deutsche Panzerschiff jubelnd begrüßte. Gleich nach dem Anlegen um 18.30 Uhr empfing der Kom­mandant Kapitän z. S. Marschall die Vertre­ter der Danziger und der reichsdeutschen Presse an Bord. Kapitän z. S. Marschall fuhr dann in Begleitung von zehn Offizieren zum Rathaus, in dessen altehrwürdigem Saal der Senat der Freien Stadt Danzig ein Essen zu Ehren der Offi­ziere des deutschen Kriegsschiffes gab. Senatsprä- fident Greifer entbot in einer Ansprache dem Kommandanten und den Offizieren des Panzer­schiffes den herzlichen Willkommensgruß der Danzi­ger Regierung. Kapitän z. S. Marschall be­tonte in feiner Erwiderung, daß die Soldaten der Kriegsmarine sich der alten deutschen Seestadt Danzig eng verbunden fühlen. Mit einem kamerad­schaftlichen Beisammensein im Kreise der Führer des Staates und der Bewegung in Danzig fand der erste Tag des deutschen Kriegsschiffbesuches seinen Abschluß.

Kein Status tu im Kolonialbesitz.

Das Blatt der englischen Diehards für Neuverteilung der Ko!onialmandate.

Australien gegen Sanktionen?

Oer Völkerbund nicht in der Lage, Einstimmigkeit herzustellen?

Hinsicht nicht dauernd fein kann und sollte. Rücksichtslos auf dem Status q u o be­stehen, würde früher oder später zu einer Kata­strophe führen. Läckder, die Beschwerden vor­zubringen haben, können versichert fein, daß ver­nünftige Abänderungsvorschläge vom Britischen Reich in großzügigem und entgegenkommendem Gei st e erwogen werden würden. 3n dieser Beziehung ist kürz­lich in verschiedenen Kreisen angeregt worden, daß die Revision der Völkerbundsmandate rechtzeitig erwogen werden sollte. Wenn wir uns mit einem solchen Gedanken beschäftigen, muß ver­hindert werden, daß hieraus eine falsche Auffassung entsteht. Eine Neuverteilung der Mandate würde dem eigentlichen Zweck zuwiderlaufen, wenn sie von dem Eindruck begleitet wäre, daß man unter dem Einfluß der Furcht versuche, einen un­bequemen Rivalen zu kaufen. Nichts könnte gefährlicher für den allgemeinen Frieden und für unsere eigene Sicherheit sein, als der Ver­dacht, daß wir unter Zwang handeln. Wir müssen a u f r ü ft e n, wenn wir großzügig sein wollen.

Oberkommifsar Bruce anzuweifen, sich einem solchen Beschluß zu widersetzen.

Nach einer Reutermeldung aus Sidney lehnte Ministerpräsident Lyons es ab, eine amtliche Er­klärung über die Frage der Anwendung von Sühne- mahnahmen im italienisch-abessinischen Streit ab­zugeben. Er gab aber zu, daß die Regierung dem Oberkommissar Bruce in London Weisungen geschickt habe.

Die ZeitungSidney herald" schreibt, da Bruce einen Sih im Völkerbundsrat einnimmt und Einstimmigkeit im Völker-