und
den Weg.
In
ien auf
aber in einem Ausmaß, wie noch nie zuvor.
werden die Korke übers Kreuz oder mit
kältet,
Daten für den 1. August.
Den Schalterraum einer P o st betritt ein altes
an und hält eine
die sie von Zeit zu
einer denn weist
jetzt Die mit
Ein Einkochapparat ist heute fast in jedem Haushalt vorhanden. Nach dem Filtrieren, das am besten durch ein Tuch geschieht, wird der Most in sorgfältig und gründlich gereinigte Flaschen auf etwa 2 bis 3 Finger breit von der Flaschenhalsöffnung gefüllt. Auf den Einsatz des Einkochapparates lege man einen Holzrost, stelle die gefüllten Flaschen I
In einem Autobus, der zum Grünewald fährt, kassiert der Schaffner das Fahrgeld. Während er ein großes Geldstück wechselt, ruft eine Frauenstimme zu ihm hinüber:
„Ich will zum Luna park!"
Verschiedene Mitfahrende blicken sich an und lächeln, andere drehen sich um und sehen der Frau ins Gesicht. Ein erwartungsvolles Schweigen ruht über allen.
Jetzt kommt der Schaffner au der rufenden Frau und fragt: „Bitte, wie roeit?'z
„Zum Lunapark will ich!" antwortet sie betont.
Der Schaffner gibt der Frau einen Fahrschein über die gewünschte Strecke, wechselt das ihm gereichte Geld und sagt dabei seelenruhig:
„Den Lunapark jibt's nich mehr!"
Läuter schalkhafte Freudenlichter über eine endlich beseitigte üble Berliner Vergnügungsstätte glitzern aus den Augen der Mitfahrenden in den Großstadtalltag hinein.
steigen. Sie stehen aber besser fetzt sckon auf, sonst kommen Sie nicht rechtzeitig hinaus!^
An der Flurtür einer zur ebenen Erde gelegenen Wohnung prangt eine Guirlande.Es duftet im ganzen Haus nach frischem Grün und Blumen. Mitten über der Tür ein Schild, aus dessen rotem Grunde die Worte: „Herzlich willkommen" herausleuchten. In dieser Wohnung hat vor einem Jahre ein junges Paar seinen Einzug gehalten. Damals hing auch eine Guirlande vor der Tür und das gleiche Schild darüber. Wer ist jetzt zu begrüßen? Das ganze Haus weiß es und freut sich mit. Denn heute kommt die junge Frau wieder heim. Aber sie kommt diesmal nicht allein. Sie bringt ihn mit, den in der Klinik geborenen Stammhalter!
gerissen, um neuen Platz zu machen — Straßen werden gepflastert — Häuser angestrichen — — „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen."
Arbeit gibt Brot und zündet den Verzagten ein Licht an auf ihrem Lebenswege. Auf dem Grunde alter, dunkler Häuser wachsen neue, helle Gebäude empor damit Schönheit und Licht gemeinsam in ihnen und um sie walten können.
In der Wilhelmstraße auf einem Bau ertönt ein Pfiff. Eine riesige Leiter wird von starken, gebräunten Arbeiterhänden aufgerichtet. Nun steht sie senkrecht und weist mit ihren zahlreichen Sprossen wie ein leuchtendes Sinnbild des Sieges empor. —
Berlin wird wieder „gebuddelt",
Geduld fertigt der Beamte seine vielen Kunden ab. Nun ist auch das Mütterchen an der Reihe.
Sie steht am offenen Schalter, und der Beamte sieht wartend in das faltige Gesicht der Frau hinein.
„Ich möcht 'ne Marke für 'ne Jeburtstagskarte nach Neukölln!" sagt die Frau und hält dem Beamten die Karte hin.
Er betrachtet sie auf beiden Seiten und fragt: „Soll die Karte so, wie sie ist, abgehen?"
„Jawoll", antwortet die Frau.
„Dann kostet sie nur drei Pfennige", bestätigt der Beamte.
Die alte Mutter wird rot, zögert ein Weilchen und schüttelt dann energisch den Kopf.
„Och nee", sagt sie verschämt, „och nee!"
Der Beamte lächelt:
Ja, aber an sich kostet sie nicht mehr! Die Post will gar nicht mehr dafür haben!"
„Och nee, nee!" wiederholt die Frau und schüttelt den Kopf energischer.
Drei Pfennige sind ihr zu wenig für einen Geburtstagswunsch, fühlt der Beamte. Da aber die Karte nur den Namen trägt und darum nicht mehr kostet als drei Pfennige, versucht er es andersrum und sagt:
„Sparen, Mütterchen sparen!"
Da lächelt sie, klopft ein wenig mit der zittrigen Hand auf das Schalterbrett, wie um ihre Gedanken zu unterstreichen, und bestimmt energisch:
„Nee, nee, kleben Se man 'ne andre Marke druf!"
Arbeiten zur neuen Untergrundbahn schreiten Riesenschritten vorwärts — alte Häuser werden ab»
Riesenstadt wie Berlin. Das tut Zwiefach gut, es gibt ein Gefühl des Zuhauseseins
Vereisung von Süßmost im Haushalt.
Als Süßmost bezeichnet man den reinen ausge- preßten Fruchtsaft aus Aepfeln, Birnen usw., der durch Pasteurisieren oder Sterilisieren von Fäulnisoder sonstigen Erregern befreit, infolgedessen haltbar gemacht worden ist. Gerade in den letzten Jahren ist eine immer größer werdende Nachfrage nach diesem alkoholfreien Getränk entstanden, das in steigendem Maße an Bedeutung gewinnt. Man kann Süßmost sowohl aus Birnen, als auch aus Aepfeln und Sauerkirchen herstellen, jedoch wird der Apfelsüßmost bevorzugt. Die Süßmoste sind sehr erfrischend, reich an Nährwerten und alkoholfrei und kommen namentlich auch für Kinder in Betracht. Im Herbst und Winter gehen oft ungeahnte Mengen Obst zu Grunde, die ausnahmslos dem genannten Zwecke zugeführt werden könnten.
Wie stellt man nun auf einfache Weise Süßmost im Haushalte her? Man verfährt zunächst genau wie bei Herstellung von Apfelwein. Während man zu dessen Bereitung saftteife (herbe, süße und saure) Aepfel im Gemisch bevorzugt, die erfahrungsgemäß den besten und haltbarsten Aepfelwein liefern, so ist für die Herstellung des Süßmostes dies nicht notwendig: denn er klärt sich allmählich in den Flaschen oder Fässern noch genügend. Selbstverständlich schneidet man an den Früchten alle faulen und wurmigen Stellen heraus. Sind die Früchte gründlich gewaschen, so werden sie ausgepreßt. Sehr empfehlenswert, und auch eine größere Ausbeute an Saft bringt eine kombinierte Obstmühle und Presse. Ist der Most gewonnen, muß er möglichst schnell verarbeitet werden und darf auf keinen Fall mit Eisen, etwa an einem beschädigten Emailleimer, in Berührung kommen. Man verfahre folgendermassen:
Lichter im Großstadt-Alttag
Von H M. Heidrich.
— Das Gelbe Einmachbuch. Von Elly Petersen. Dritte verbesserte Auflage. 120 Seiten mit 25 Bildern. (Verlag Knorr & Hirth, G. m. b. H., München.) Kart. 1,95 Mark. — (255) — Auch wer nicht über eigene Früchte im Garten verfügt, kann zur Obstzeit srischgepflückte Ware in Körbt.. ....' dem Markt oder vom Erzeuger direkt geliefert billig kaufen. Frau Petersen gibt Hilfsmittel an Hand, die nicht viel kosten, oder sich in jedem Haushalt vorfinden. Mit Humor bringt sie uns die notwendigen Handgriffe und Kunstgriffe bei, und im Plauderton fliegen uns alle Weisheiten der hohen Einmachkunst zu. Dann folgen 300 bewährte Rezepte für alle Arten von Gelees und Marmeladen, für das Einwecken von Früchten und die Bereitung von Fruchtsäften, für Gemüse, Pilze, Kräuter, Gurken und andere schöne Dinge. Die moderne Diät ist dabei nicht vergessen, und auch Rohköstler kommen voll und ganz auf ihre Rechnung. C. O. Petersen spendete 25 anschauliche Zeichnungen.
der bekannten Apothekerschleife verschnürt oder verdrahtet und zur Klärung im Keller aufrecht gestellt. Der Süßmost ist nun fertig und kann jederzeit getrunken werden: bis zur völligen Klärung verstreichen oft Wochen. Die Trübung hat keinen Einfluß auf den Geschmack des Mostes. Auf dieselbe Weise stellt man natürlich auch den Birnenoder Kirschensüßmost her. Doch soll bei letzterem erwähnt sein, daß je nach Belieben, Wunsch oder Geschmacksrichtung ein Zusatz von Wasser und Zucker erfolgen kann.
Das Einsterilisieren kann auch geschehen, indem man die Flaschen im Dampfbad erhitzt. Man bringt dazu nur soviel Wasser in den Einkochapparat, daß der Holzrost überspült wird. Dann muß das Thermometer in einer Flasche mit Most eingetaucht werden, um die Temperatur außen ablesen zu können. Wer nach obigen Angaben verfährt, kann alljährlich seinen Hausbedarf an Süßmost selbst herstellen. Ergänzend sei noch erwähnt, daß man auf fabrikmäßige Weise in jüngster Zeit sinnreiche Apparate erfunden hat, in denen man den Süßmost in Fässern und Flaschen von beliebiger Größe herstellen kann.
Der Fremde steht auf, dankt wieder und bahnt sich einen Weg durch die Menge der stehenden Menschen. Er hat ein Lächeln auf dem Gesicht, einen stillen Zug der Freude und des plötzlichen Zuhauseseins in der großen Stadt. Eine fremde Frau hat ihn mütterlich umsorgt. Das tut gut in
Arbeit in den Erntekindergärten der NSV. erzählt. Die Dichterin Margarete Weinhandl zeigt uns „Das Kind als schöpferisches Leben", und Dr. Hans Kern geht dem „Geheimnis der Weltmütterlichkeit" nach. Zwei Bildaufsätze über „Kind und Garten" und „Kind und Wohnung" schließen sich sinngemäß an, während Bücherlisten und Buchbesprechungen das Thema ergänzen.
berliner Vries.
Spätnachmittag in Berlin in einer Straße erster Ordnung. Autobusse und Kraftwagen jagen vollbesetzt hintereinander her. Auch die elektrischen Bahnen sind überfüllt. An den Bürgersteigen fährt Radfahrer hinter Radfahrer. Die Arbeitszeit ist zu Ende. Man fährt nach Hause, man fährt auch ins Freie. Man will keinen Augenblick versäumen und jagt dahin. Auch auf den Bürgersteigen gehen die Menschen in dichten Reihen hintereinander. Man steht im überfüllten Autobus und wird bei den Kurven, an den Haltestellen hin und her geworfen. Es ist heiß, und die Gesichter der Fahrgäste sind erschöpft, ihre Augen müde. Da kommt plötzlich Bewegung in die Reihen. „Wie l u st i g ! " hat ein Frauenmund im Autobus ausgerufen, während die Augen zum Bürgersteig hinübersayen. Männer blicken von ihren Zeitungen auf, und ihre Augen gehen denen des lächelnden Mädchens nach, bis auch ihr Mund lächelt, und das Interesse am Lesen verschwunden ist. Auch alle Müdigkeit scheint verflogen zu sein. Was ist drüben zu sehen? Ein junges blondes Mädel schreitet munter seinen Weg. Es trägt ein schlichtes weißes Kleid und auf dem schönen reichen Haar einen leichten Hut. Die Füße aber, die so- hurtig dahingehen, stecken in zwei roten Schuhen. Niemand ringsum trägt rote Schuhe. Wie jung und leuchtend sie sich gegen das graue, eintönige Pflaster abheben! Welch ein Klang der Freude um sie herum ist! Alle Augen wandern mit den roten Schuhen und trinken ihre sommerfrohe Farbe in sich hinein. Es sieht aus, als ob das Mädchen über Blüten dahingeht, ober als ob im Großstadtpflaster plötzlich Rosen blühen. Als ob? Nein, es geht ja auch eine holde Menschenblume darüber hin, die im Alltag der Großstadt mit ihren kleinen roten Schuhen ein Licht der Freude angezündet hat. —
erwärme langsam. Die Flaschen dürfen sich nicht berühren, da sie sich infolge der Hitze ausdehnen und in Stücke gehen müßten. Ist die Temperatur auf etwa 70 bis 75 Grad gestiegen, läßt man mit der Heizung nach und sterilisiert eine halbe Stunde lang. Man beachte jedoch, daß der angegebene Wärmegrad nicht überschritten wird: denn sonst bekommt der eingeweckte Süßmost, den bekannten Kochgeschmack, der unter allen Umständen zu vermeiden ist. Bleibt die Temperatur unter 70 Grad Celsius, so kann möglicherweise der Inhalt später gären und man bekommt Apfelwein anstatt Süßmost. Inzwischen hat man neue Weinkorke in heißem Wasser gebrüht. Die Flaschen werden nach der halbstündigen Sterilisierzeit nacheinander heiß her- ausgenommen, verkorkt und umgekehrt in einen Koro, Bottich und dergleichen — unter Ausschaltung etwaiger Zugluft — gebracht. Durch das Um- stülpen will man erreichen, daß auch die Korke von Zersetzungserregern gereinigt werden. An Stelle des Korkverschlusses lassen sich auch mit besonderen Vorteilen die überall erhältlichen sogenannten Gummikappen verwenden. Sind die Flaschen er-
hinein, fülle den Topf in etwa zk Höhe mit Was- Mütterchen. Sie stellt sich hinten ser, schließe den Einkochtopf, bringe das Thermo- bunte Postkarte in der Hand, di. ____ x,...
Meter wie bei jedem Einkochen hinein und Zeit immer wieder zärtlich betrachtet. Mit großer
In der elektrischen Bahn sitzt ein Ausländer und neben ihm ein junges Mädchen. In gebrochenem Deutsch verlangt er einen Fahrschein nach dem Zoo. Das junge Mädchen horcht auf. Nach einer Weile sagt sie zu dem Ausländer:
„Wissen Sie, wo Sie aussteigen müssen?"
Verlegen kommt die Antwort: „Nein!"
Das Mädchen sieht ihn an: „Ich werde Sie rechtzeitig aufmerksam machen." -------- ..........y-,-
Er dankt, und sie fahren weiter still nebenein-' 1798: Seeschlacht bei Abukir: die französische Flotte ander her. Ein Stück vor der Haltestelle sagt das wird durch den englischen Admiral Nelson fast ganz Mädchen: I vernichtet: — 1826: Gründung des Bibliographischen
„Wenn die Bahn wieder hält, müssen Sie aus-1 Instituts in Gotha.
Nachdruck verboten!
15 Fortsetzung.
hatte. Nur das eine konnte sie nicht: Ihm offenbaren, wie sie ihn liebte. Dies eine durfte er niemals wissen. Dann hätte sie sich zu Tode geschämt. Sie mußte ihm Komödie Vorspielen, wie er sie ihr vorspielte.
„Sie antworten mir nicht, Marlen?" Dietrich fragte es bang. Er konnte sich Marlens Verstummtsein, ihre Regungslosigkeit nicht erklären.
Da hob Marlen wiederum den Kopf. Ihr Antlitz war völlig verwandelt. Es war wie das einer Statue. In den Augen schimmerte es wie von unterdrückten Tränen. Aber jetzt gewannen auch die Augen einen klaren und kühlen Ausdruck. Ihre Stimme klang ebenfalls verwandelt, kühl, beinahe geschäftsmäßig.
Jetzt war sie es, die mit der sicheren Miene einer Gesellschaftsdame auf den Sessel wies, von dem Veltheim aufgesprungen war:
„Bitte nehmen Sie Platz, Graf Veltheim! Wir können ja die Angelegenheit in aller Ruhe besprechen. Ich will Ihnen antworten."
Sie setzte sich aufrecht. Ihre Hände lagen leicht gefaltet im Schoß. Dietrich sah sie erschreckt an. Was für eine Wandlung war mit Marlen Korda vorgegangen?
„Graf Veltheim", klang ihre kühle Stimme jetzt, „Sie haben mich zwei Dinge gefragt: erstens, ob ich Ähre Frau werden will. Diese Frage beantworte ich mit Ja!"
„Marlen!" Dietrich wollte aufspringen, Marlen in seine Arme ziehen, aber sie hob mit einer kühlen Bewegung die Hand:
„Bitte, Graf Veltheim, hören Sie mich bis zu Ende an! Auf Ihre zweite Frage, ob ich Sie lieb habe, muß ich antworten: Nein!"
Entgeistert sah er sie an.
„Und da wollen Sie mich heiraten?"
„Jawohl, Graf Veltheim! Sie haben doch selbst gesagt, daß Sie heiraten müssen, um diese Iefta= mentsklausel zu erfüllen. Nun — ob eine andere Frau oder ich, das dürfte Ihnen ja wohl gleich fein."
Marlens Stimme klang kalt und unbewegt. Veltheim war blaß geworden. Es war ihm, als tue sich ein Abgrund vor ihm auf, und in diesen Abgrund stürzte alles hinab, was er durch Karlas Zuruden gewonnen hatte: erneuten Glauben an die Frauen, erneute Hoffnung, daß eine Frau ihn um feiner selbst willen lieben könnte — der Glaube an Marlen!
Ein unendlicher Schmerz war in ihm. Aber mit eiserner Gewalt kämpfte er ihn nieder. Dieses Mädchen vor ihm, dessen schönes Gesicht ebenso trog wie Juttas Antlitz einst getrogen, sollte nicht wissen, was in ihm oorging.
„Sie haben recht, Marlen! Wenn Sie die Dinge w auffassen, will ich Ihnen nicht widersvrechen. Ich glaubte, daß zwischen uns etwas anderes sein konnte als diese kühle Ueberkgung. Aber w nn tote wünschen, werde ich den Ton aufnehmen, den
„Marlen", fragte er, „habe ich Sie erschreckt? Ist meine Werbung zu plötzlich gekommen? Aber Karla sagte mir, ich würde hoffen dürfen, daß Sie mich auch ein wenig gern hätten. Marlen, sprechen Sie doch! Sie wissen doch, wieviel für mich von Ihrer Antwort abhängt. Bin ich Ihnen denn so schrecklich, Marlen? Könnten Sie mir auch Liebe entgegenbringen, wie ich Ihnen? Wollen Sie sich mir anvertrauen?"
Än Marlen war ein Schmerz, als ob ihr jemand das Herz in der Brust herumdrehte. Was hatte Dietrich gesagt? In dieser Stunde sollte Wahrheit zwischen ihnen sein? Und doch log er, log in jedem Worte. Sein Herz war frei? Er liebte sie? Aber sie hatte es ja gehört, was Jutta von Bergfelde gesagt. Daß er Jutta angefleht, zu ihm zu- rüzukehren, und daß sie ihn davongeschickt hatte. Und jetzt stand er hier und sprach i h r von Liebe? Dabei kam doch seine ganze Werbung nur aus dem Zwang, jener unseligen Testamentsbestimmung zu genügen! Er liebte sie ja nicht. Sie sollte ' ihm nur das Mittel sein, um Veltheim zu erhalten. Wenn er ihr das wenigstens ehrlich zugegeben hätte! Dann wäre der Schmerz nicht so entsetzlich gewesen.
Es wäre ihr lieber gewesen, er hätte gesagt: „Ich liebe dich nicht, ich liebe eine andere — aber ich muß heiraten! Willst du diese Ehe mit mir schließen? Ich werde dich achten. Wir werden nebeneinander leben als zwei Menschen, die vielleicht Kameraden sein können."
Dann hätte ihr Herz stch aufgebäumt und geschrien unter der Hoffnungslosigkeit der eigenen Liebe. Aber sie wäre sich nicht so entsetzlich erniedrigt vorgekommen, und sie hätte Dietrich als einen aufrechten Menschen vor sich gesehen, der die Wahrheit bekannte — auch wenn sie noch so hart war. So aber schämte sie sich für ihn und für sich.
Wie gut er zu heucheln verstand! Beinahe hätte man an die Wahrheit seiner Worte glauben können. Jetzt dankte sie ihrem Schöpfer, daß sie jene entscheidende Unterredung zwischen Jutta und Karla mit angehort hatte. Denn sonst hätte sie sich cin- lullen lassen von diesen weichen Worten, von dieser warmen Stimme. Dann hätte sie geglaubt, daß Dletrich Veltheim sie liebe, wie sie ihn liebte. Aber sie wollte sich nicht täuschen lassen. Sie wollte der Wahrheit in die Augen schauen. Ihr Stolz mußte iyr Helsen.
Sollte sie Diettich Veltheim ablehnen? Nein nein! schrie es in ihr auf. Lieber will i ch die- jemge fein, die ihm zu seinem Ziel verhilft, als eine andere! —
Sie würde ihn nie stören. Sie würde ganz zuruckweichen. Er konnte, auch wenn er sie heiratete, [ein Leben ganz nach seinem Gefallen einrichten' Und wenn vielleicht einmal Jutta von Bergfelde sich doch eines anderen besinnen würde, dann würde sie zurücktreten — still und schweigend, in das Dun- kel, aus dem Dietrich Veltheim sie hervorgezogen
Wir sanden znemansec
Vornan von Klothilde v. Stegmann
Urheberrechtschutz: Fünf-Türme Verlag Halle (S.)
in1O 'Minuten -mit Opekta!
Wozu sagt er mir das!, dachte Marlen. Was hat meine Freundschaft zu Karla mit den Heiratsplänen Dietrich Veltheims zu tun?! — Banken und Unsicherheit waren in ihr.
„Fräulein Marlen, es gibt ein Sprichwort, das heißt: Die Freunde meiner Freunde sind auch meine Freunde. Ich möchte es anders ausdrücken: Die Menschen, die von meinen Freunden geliebt werden, müßte ich eigentlich auch liebhaben können. Fräulein Marlen, Karla meint, daß wir beide gut zueinander passen würden. Ich habe in den ganzen Jahren, in denen ich mit Karla befreundet bin, erfahren: Sie fühlt das Rechte für mich. Und wenn ich mich danach gerichtet habe, ist es für mich immer zum Segen ausgeschlagen. Bitte, sehen Sie mich doch einmal an, Marlen!"
Wie unter einem Zwang hob Marlen den Kopf. Dietrich sah in ein erblaßtes Antlitz, in dem die grauen Augen leuchteten. Hinreißend schön sah sie aus in dieser inneren Erregung. Rein, schön und lieblich.
Da flammte es durch ihn hin wie ein heißes Glückslohen. Ja, Karla hatte recht. Diese grauen reinen Augen, dieser keusche, ernste Mund konnte nicht lügen. Diese Schönheit war Spiegelbild einer schönen Seele. Alles an Marlen war liebenswert. Und er liebte sie. Nicht mit der heißen, flackernden Liebe wie einst Jutta, sondern mit einer zarten, scheuen Innigkeit. War die Liebe zu Jutta wie eine sengende Flamme gewesen, die alles verbrennen wollte, Stolz, Selbstbehauptung und Ehre, so war das Empfinden für Marlen wie ein klares, reines Licht, vor dessen Helligkeit alles Dunkle und Unklare vergehen mußten.
Und auf einmal wußte er, was er zu sagen und zu tun hatte. Seine Stimme klang ganz verändert, weich, hingebend und bittend:
„Fräulein Marlen, in dieser Stunde soll Wahrheit zwischen uns sein. Ich deutete Ihnen vorhin schon an, daß ich einmal geglaubt habe, in einem Mädchen ein Lebensglück zu finden. Es war eine harte, bittere Enttäuschung. Ich habe lange gerungen, um damit fertig zp werden. Aber jetzt habe ich es überwunden, Marlen. Ich liebe jene andere nicht mehr. Mein Herz ist frei — oder vielmehr, es ist schon nicht mehr frei. Denn ich glaube, ich liebe Sie, Marlen. Wollen Sie meine Frau werden? Können Sie mir gut fein, Marlen?"
Da erschrak er. Marlens Gesicht wurde weiß wie das einer Toten. Ihre Augen starrten ihn ent setzt an.
Sie anschlagen. Sie wollen also meine Werbung annehmen?"
„Das will ich, Graf Veltheim!"
„Darf ich Sie fragen, was Sie da.zu bestimmt, da Sie nirV<5 für mich emvfind"n^"
Sein Gesicht war ganz verwandelt. Finster blickte er auf Marlen. Seine Stimme klang schneidend.
Mit übermenschlicher Kraft zwang sich Marlen zur Ruhe. Sie hatte nun den entscheidenden Schritt getan. Sie konnte nicht mehr zurück. Und wenigstens mürbe,, sie einem vielleicht helfen können — ihrem Bruder! Um seinetwillen wollte sie alles auf sich nehmen. Um seinetwillen und um Dietrichs willen.
„Wahrheit gegen Wahrheit, Graf Veltheim!" antwortete sie ruhig. „Sie wissen durch Karla von meinem Leben. Ich habe es sehr schwer gehabt, und ich möchte es sorgloser haben. Darum nehme ich Ihren Antrag an. Ich verspreche Ihnen, ich werde nach außen hin alles tun, um den Namen einer Gräfin Veltheim mit Ehren zu tragen."
Alles in Dietrich vereiste. Das war nun Marlen, von der Karla nicht genug erzählen konnte. Das war Marlen, die sofort ohne Bedenken eine Ehe eingehen wollte, nur um des Geldes willen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, daß er in feiner Meinung über die Frauen recht hatte, so war es dieses Erlebnis.
Ein rasender Schmerz war in ihm und beinah etwas wie Haß gegen Marlen. Ja, er haßte sie, roeil sie die letzte Illusion in feinem Herzen für immer zerstört, weil sie sein Herz getötet hatte. Er klammerte sich an diesen Haß und fühlte nicht, daß man nur da so stark hassen kann, wo man einmal geliebt hat. Er wollte von seinem Empfinden für Marlen nichts mehr wissen. Und wirklich, es schien ihm, als wüßte er nichts mehr davon.
„Ich danke Ihnen für die Offenheit, Marlen! Ich bin überzeugt und erwarte, daß Sie dem Namen einer Gräfin Veltheim keine Schande machen werden. Im übrigen wird Ihre Aufgabe nicht allzu fein" AH frage nichts nach der Meinung der Menschen. Wir werden also, wenn es Ihnen recht ist, heiraten und dann uns möglichst wenig begegnen. Die Welt ist ja groß. Durch die Erfül» hing des Testaments werde ich zu einem sehr rächen Manne. Ich werde Ihnen so viel zur Verfügung stellen, wie Sie wünschen. Und Sie werden [eben können, wie es Ihnen beliebt. Sind Sir damit einverstanden?"
Marlen neigte den Kopf.
„Jawohl, Graf Veltheim!"
„Dann gestatten Sie mir, daß ich Karla von unserer Verlobung benachrichtige. Die Veröffent- lichung der Nachricht kann noch erfolgen, ehe ich abreise. Dann werde ich sofort bas Aufgebot bestellen — in vier Wochen können wir Mann und Frau sein. Ist Ihnen bas recht?"
„Mir ist alles recht, was Si» bestimmen, Graf Veltheim!' _______ (Fortsetzung folgt.)


