Ausgabe 
31.7.1935
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 176 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)Mittwoch, Zl.Zuli (935

Aus dem Reiche der Krau.

Aervöfe und ängstliche Kinder.

Von Senta Reckei

Mein Kind hat Angst ..." Plötzlich, ohne daß die Mutter es ahnt, fängt es an zu weinen, Der- steckt fein Köpfchen furchtsam in Mutters Schoß. Es kann nicht erklären, warum es sich eigentlich fürchtet, die Angst ist da, sie läßt sich nicht mit einem Scherzwort vertreiben! Wie oft hat die Furcht das Kinderleben schon vergällt! Wenn wir an un­sere eigene Kindheit zurückdenken .. Wir alle haben uns einmal gefürchtet, und die Entschuldi- gung, daß alles nurKinderei" war, läßt uns doch nicht vergessen, wie schlimm und quälend es für das Kinderherz war!

Wollen wir unserem Kinde diese Qual nicht er­sparen? Aber wie? Zuerst müssen wir einmal der Furcht auf den Grund gehen. Das furchtsame Kind im Kreise der Geschwister ist sicher den anderen Kindern körperlich unterlegen, nun hat es Angst, daß man die köperliche Schwäche ausnutzen wird und es ärgern und quälen will Sicher ist so etwas schon einmal vorgekommen, denn Kinder sind untereinander konsequent und grausam! Kin­der fühlen sich dem Schwächeren gegenüber immer im Vorteil, und sie nutzen diesen Vorteil aus, wo sie können! EineBangbüchs" hat im Kreise der Geschwister nichts zu lachen, da wird keine Rücksicht genommen. Aber es kommt darauf an, zu erfor­schen, warum sich das Kind fürchtet. Wenn es nur Die körperliche Ueberlegenheit ist, dann kann ein Machtwort der Mutter den anderen Geschwistern gegenüber helfen! Man muß den Kindern klar ma­chen, daß es feige ist, dem Schwächeren gegenüber aufzutrumpfen, packt man die Kinder richtig beim Ehrgefühl, dann hat man immer Erfolg! Der grö­ßere Bruder fühlt sich dann gern als Beschützer des kleineren und schon ist der Friede wiederher- oestellt. Oft aber kommt es vor. daß sich das Kind furchtet, weil vielleicht der größere Bruder oder die Schwester ihm Schauergeschichten erzählt hat, die es mit seinem kleinen Geist noch gar nicht e Parin, und die größeren Geschwister lachen heimlich, wenn sie sehen, daß der Kleinealles glaubt". Sie überlegen gar nicht, welche schweren Folgen ihre Erzählerkünste bei dem Kleinen Hervor­rufen, und angestachelt durch den Erfolg, gefallen sie sich in immer größeren Räubergeschichten, fiier muß die Mutter energisch S)alt gebieten! Sie muß hem Kleinen klar machen, daß das Unsinn ist, was die Geschwister erzählen, daß sie sich einen Spaß mit ihm erlaubt haben! Leicht ist das nicht und man muß viel Geduld haben!

Sehr quälend ist für die Kinder die Furcht vor dem Gewitter! Gerade jetzt ist diese Frage wieder sehr aktuell. Wie soll man da Abhilfe schaf­fen? Besonders nervöse Kinder leiden unter Gewit­terfurcht. Es gibt ja auch Erwachsene, die bis ms Alter hinein die Furcht vor Donner und Blitz noch nicht verloren haben, obwohl sie genau wissen, wie physikalisch ein Gewitter entsteht, und daß es nichts Ueberirdischen" ist, wenn der Donner grollt und die Blitze zucken.

Einem kleinen Kinde aber kann man nichts von Elektrizität und Spannung im Luitraum erzählen. Für ein Kind ist das Gewitter immer etwas, gegen das man sich nicht wehren kann Nervöse Kin der leiden besonders unter der vorangehenden Ge­witterstimmung! Sie werden unruhig und erregt und wenn dann der erste Donner grollt, dann kön­nen sie ihre Furcht nicht mehr eindämmen'

Ein bekannter Pädagoge der Leipziger Universi­tät widmete dieser Gewitterfurcht der Kinder ein­mal einen Vortrag. Er hatte nachgewiesen, daß fast kein Kmd frei sei von Gewitterfurcht, und daß ge­rade dadurch vielen Kindern die Sommermonate verdorben würden! Als Abhilfe empfahl er, mit den Kinden Naturkunde zu treiben!--Man solle ihnen erzählen, wie nötig die Blumen und die Felder den Regen hätten, wie sie sich freuten, wenn die Gewit­terwolken angezogen kämen! Donner und Blitz könne man nur als Märchengestalten erklären So habe er bei seinen Kindern großen Erfolg damit gehabt, daß er ihnen erzählt habe, der Donner sei dasHimmelstelephon", mit dem sich die Wolken verständigen, und der Blitz sei das Lichtzeichen für die Wolken, die kein Telephon haben! Die Kinder hätten diese naive Methode sehr gern angenommen, und die Gewitterfurcht fei sofort verschwunden, wenn bei einem Gewitter er ihnen gesagt habe, daß nun die Wolken miteinander sich verständigten!

Die Kinder hätten gelacht und gejubelt und davon gesprochen, daß manche Wolke wohl schwerhörig fei, weil der Donner so laut grollen müßte! Viel- leicht versuchen die Eltern es einmal, die Gewitter­furcht mit diesem Märchen zu bekämpfen. Ganz falsch ist die Methode, die Furcht durch Strafen auszutreiben. Das Kind wird nur verstockt, und es gräbt feinen Kummer immer tiefer in sich hinein. Gegen Furcht kann man nur mit Liebe ankämpfen!

Modenschau aus dem Kleiberschrank.

Zu dieser Zeit sind neue modische Ereignisse nicht au melden. Obwohl wir noch mitten im Sommer sind, erwarten uns bereits die Vorahnungen der neuen Uebergangsmo d e. Da aber die Frau stets anders aussehen möchte und mit dem vorhandenen Besitz manches erreichen kann, wird sie noch der Heimkehr von den Ferien einmal eine Modenschau aus dem eigenen Kleider- chrank veranstalten. Sie kann die kühnsten Zu- ammenstellungen machen und wird wohl gerade da- )urd) hübsche Wirkungen erzielen. Kurz vor Tores- chluß lassen sich mit einigen kleinen Neuanschaffun­gen Überraschungen erzielen.

Das bunte Sommerkleid mit dem einfarbigen Mantel ergibt ein Komplet, das für die Jahreszeit |ehr reizvoll und elegant aussieht. Jeder beliebige Sommermantel kann zum geblümten, gestreiften, gepunkteten Kleid getragen werden. Doch muß er dann einfarbig fein. Ein blauer, ein schwarzer Rock sieht mit einer weißen Leinenjacke gefällig aus. Die Zusammenstellung hat noch den sommerlichen Cha- rakter läßt aber dennoch bereits an die ersten scho­nen Herbsttage denken. Dazu wird.eine weiße Bluse Sagen Gin solcher Anzug ist für Vor- und Noch- mittag gleich angebracht. Für kühle Tage wird das Wollkleid wieder in Erscheinung treten. Leichter Wollstoff wird seine Dienste tun. Putzt man das Kleid mit weißem Lätzchen, mit weißen Mmneb aufschlägen, dann ist es völlig modeaerecht. Es aibt

wunderschöne Garnituren aus Glasbatist oder aus weißem Pikee. Dazu steht der große malerische Hut vorzüglich

Schwarzes Cape undweißes Kleid ist eine Kombination, die kaum zu übertreffen ist. Ge­rade unter dem blauen Himmel, der schon etwas vom Herbst ahnen läßt, macht sich schwarz und weih ganz ausgezeichnet. Ein kleiner schwarzer Filzhut, in der Art des Herrenhutes ergänzt das sommerlich- modische Gewand mit dem leichten Herbsteinschlag.

Blaue Bluse und gestreifter Rock. Streifenmuster wurden von der Sommermode stark bevorzugt. Eine dunkelblaue Bluse hat man wohl zum grauen Kostüm aus Flanell angeschafft, als die Mode sich für diese Zusammenstellung entschied. Jetzt läßt sich ein völlig neues Kleid Herstellen, in­dem man kurz entschlossen die blaue Bluse mit dem aeftreiften Rock verbindet Dazu wird ein Wild­ledergürtel in der Farbe der Bluse einen neu­artigen modischen Eindruck machen. Blauer Filzhut auch Hut aus Panama mit blauem Band.

Was mache ich mit dem Dirndlkleid? Es ist

das netteste und angenehmste Hauskleid, das man sich denken kann. Das Leibchen mit kurzen Aermeln, Der weite Rock erlauben die Betätigung im Haus­halt. Die Schürze wird je nach Art der Arbeit ausgewechselt Im Dirndlkleid kann die Hausfrau gut bei Tisch erscheinen, wenn sie die Arbeitsschürze gegen die zum Dirndl passende ausgetauscht hat.

Und mein Trägerrock? Er wird gleichfalls ein reizendes Hauskleid ergeben, daß um so prak­tischer ist, als man die Bluse nach Belieben aus- tauschen kann. Für die Küche eine rot- und weih­karierte, für die Stunde bei Tisch eine weihe Bluse, oder eine in leuchtender Farbe. Doch das richtet sich allein nach der Kleidsamkeit und dem, was man hat.

Blum en aus Batist oder Pikee ge­reichen Kleid und Kostüm zur Zierde Mit wenigen hübschen Blumen kann man sich manche Abwechs­lung erlauben. Geschick und Geschmack sind unerläh- liche Berater für eine erfolgreiche Modenschau aus dem Kleiderschrank, damit die neuen Kombina­tionen auch gut kleiden Schü.

as sollen wir tragen Y

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

2.

t

Hochsommerkleider für verschiedene Zwecke zeigen unsere heutigen drei Skizzen

Modell 1 ist ein elegantes Straßen- kleid aus naturfarbenem, fupfer» rotge st reistern Leinen in besonders weicher Qualität. Das Kleid ist schräg in vier Bahnen ge­schnitten, die leichtgepufften Raglanärmel mit den kleinen Umschlägen am Halse werden hinten über­einandergeknöpft. Der Gürtel ist rote Lei­ne n g u r t mit Hornschliehe, der H u t i st rotes, feingestepptes Leinen mit einem Schräg­streifen des Kleidermaterials als Garnitur.

Aus weißem Organdy ist das jugend­liche Abendkleid der zweiten Zeichnung Der

Rock ist besonders weit in vier Teilen geschnitten, die einfache Taille mit den ebenfalls sehr weiten Puffärmeln wird vorne mit kleinen Perlmutter- knöpschen geschlossen. Der Gürtel ist rotes Lackleder, der Hut weißes Panama- ft r o 1) mit Band und Unterseite aus rotem Taft.

Für das Wochenende, den Garten oder die länd­liche Sommerfrische ist das dritte Kleid bestimmt. Es ist aus rohfarbenem, blau und rot getupftem Nessel. Der weite Rock ist unter dem blauen Ledergürtel der Bluse stark ge­zogen angesetzt. Stark gezogen sind auch die Aermel und am Halsausschnitt das Mittelteil der Bluse.

. H

Obstgrühe, Obstgelee, Ovsts uppen

Wir müssen zuaeben, daß gerade Obstgrützen lei­der noch oft mit sehr wenig Können und Verständ­nis zubereitet und darum verschmäht werden. Und das mit Recht, denn der dünne Saft von einem frischgekochten Kompott, zu Grütze verkocht, schmeckt fade Kochen wir aber ein schmackhaftes Kompott und lassen es über Nacht durchziehen, so daß es kräftig nach Obst schmeckt, dann gibt das, richtig zubereitet, auch eine köstliche Grütze. Es folgen nun verschiedene Zusammenstellungen von Obst, die hervorragend für Grütze zu empfehlen sind: grö­ßere Stachelbeeren, dazu weiße ober rote Johannis­beeren und Sauerkirschen, zusammengekocht ober: Sauerkirschen, mit roten Johannisbeeren unb Himbeeren. Ferner: Kochbirnen, fein aeschnitten, mit Preißelbeeren ober Brombeeren zusammenge- kocht, auch Aepfel kann man bazu geben. Dann: Brombeeren allein. Um Zitrone als Ausland- frucht auszuschalten, gibt man säuerliche Aepfel hin­zu unb läßt sie mit verkochen. Auch ^lieber» beeren finb mit Aepfeln verkocht zu empfehlen.

Das fertige Kompott muß bis zum nächsten Tage stehen unb wirb bann burch ein Sieb geschlagen, so baß Schalen unb Kerne Zurückbleiben. Den bicken Fruchtsaft läßt man heiß werben unb rührt bie in kaltem Saft angerührte feine Gersten-, Buchweizen- ober Hafergrütze, Grieß ober Flammeri hinein. Dann läßt man bas Ganze auf kleinem Feuer leise etwa 5 Minuten kochen, wobei man ftänbig rührt, bamit sich kein Bobensatz bildet.

Die Porzellanformen werden vor dem Einfüllen mit kaltem Wasser gespült. Die Obstgrütze hat die richtige Festigkeit, wenn gleich nach dem Einfüllen die weiche Masse sich geschlossen vom Schlüsselrand ablöst. Das muß man durch Uebung erreichen, denn es läßt sich hier kein genaues Maß angeben, weil bas Kochgut verschieben quellfähig unb die Obst­masse dick- oder dünnflüssig fein kann. Das (Belin­gen und der Geschmack sind aber in erhöhtem Maße davon abhängig, daß die Mengen zu einander rich-' tiq ausgeglichen werden. Denn eine zu feste Grütze ist ebenso wie eine tu flüssige kein Genuß vor

allem soll man probieren, bis man weiß, wie es gemacht werden muß, um eine wirklich schmackhafte, von allen begehrte Obstgrütze auf den Tisch zu brin­gen. Die Voraussetzungen sind durch diese Hinweise gegeben.

Obstgelees sind ebenfalls hervorragend schmackhaft, wenn das Kompott, wie angegeben, ge­kocht und stehen bleibt. Der Saft wird vorsichtig am anderen Tage abgegossen, damit er ganz klar bleibt. Auf 1 Liter Saft nimmt man 14 bis 16 Blatt weiße oder rote Gelatine ober, je nach Farbe bes Saftes, halb unb halb. Die Gelatine löst man in etwas warmem Saft glatt auf unb vermischt ben übrigen Obstsaft recht put unb gleichmäßig ba­mit. Dann füllt man ihn In hübsche Glasschüsseln. Das Gelee wirb erst nach etwa 6 Stunden fest, wenn man es nicht gerade gleich auf Eis setzen kann. Es muß also rechtzeitig an ble Vorbereitung gebacht werben, unb ba liegt ber Haken Es muß bann schnell gehen unb kommt nichtvorbereitetes Obst zur Verwenbung, so fehlt ber gute Geschmack. Dbftgelee soll ebenso wie Grütze nicht gestürzt wer­ben, weil ber feine Geschmack unter ber Festigkeit leibet. Grütze unb Gelee bleiben an ben Porzeilan­ober Glasschüsseln unb werben ba nett angerichtet mit kleinen Kuchen unb Geleetupfen ober gar mit Schlagsahne.

Für Ob st suppen wirb Kompott ganz ebenso wie vorbeschrieben, zubereitet, nur binbet man es gleich mit etwas quellfähigem Kochgut. Es ist babei zu bebenfen, baß biefe Obstsuppen durch bas Stehen noch bicklich werben, es barf also nicht zuviel von bem Grieß usw. genommen werben Die Obst­suppen kann man auch mit zerbröckeltem Zwieback bicken. Aus geschlagenem Eiweiß unb Zucker setzt man kleine Schneebällchen auf jebe Suppe, was ganz reizenb unb luftig aussieht. Wir essen ja nicht nur, um unseren Magen zu füllen, unsere Augen unb bie Zunge wollen auch beteiligt sein. Aus Vorbeschriebenem ist zu ersehen, wie viele Möglichkeiten ber Verwertung in unseren Hänben 'liegen, wir müssen nur zur rechten Zeit baran den- ken, um bas, was uns bie gütige Natur fpenbet, auch richtig zu verwenben

Hausfrau und Marktordnung.

Manche Hausfrau wirb sagen:Na, was geht mich schon bie Marktordnung an, bas finb alles so volkswirtschaftliche Dinge, die man ja doch nicht versteht unb im übrigen habe ich mit meinem Haus­halt unb meiner Familie so unenblid) viel zu tun, baß ich keine Zeit habe, mich noch um Marktord­nung zu kümmern. Wenn ich die Kleidung meines Mannes und der Kinder in Ordnung erhalten kann unb alle Mäuler satt bekomme, so bin ich schon froh." Der Kenner wirb sagen:Nun, die Markt­ordnung geht jede Hausfrau an. Dreht es sich doch darum, ihr einen wesentlichen Teil ihrer täglichen Wirtschaftssorgen um den Haushalt abzunehmen, und deren sind ja so unendlich viele, daß immer noch ein gerüttelt Maß übrig bleibt."

Worum handelt es sich denn also bei der Markt­ordnung? Nun, um nicht mehr und nicht menjger, als der Hausfrau dabei behilflich zu sein, sich ihre Wirtschaft auf lange Sicht einzutei » I e n. Während die Hausfrau bisher von Woche zu Woche mit anderen und oft grundlegend verschiede­nen Preis- und Oualitätsoerhältnissen rechnen mußte, soll ihr nunmehr die Möglichkeit gegeben werben, auf lange Sicht bisponieren zu können. Die Auswahl, bie bie stäbtische Hausfrau für Küche unb Haus treffen kann, hängt natürlich immer von ber Jahreszeit unb ber Witterung ab, wirb manche praktische Hausfrau einroenben. Unb bas ist richtig. Doch weiß jebe praktische Hausfrau aus eigener Erfahrung, baß früher Preis­schwankungen von einem Tag zum anberen so hoch waren, baß häufig genug ber Haushaltplan einer Woche im Verlaufe ber Woche mehrmals um­gestoßen werben mußte. Hier will bie Marktorb- nung einsetzen, um einen möglichst gleichmäßigen Preisverlauf zu gewährleisten.

Ja, aber manche Erzeugnisse finb boch teurer geroorben", hören wir bie Hausfrauen ein- roenben. Nichtig, auch hierin haben sie recht, boch müssen wir uns bemühen, bie Dinge nicht nur von unserem einzelnen Stanbpunkt aus zu sehen, um sie recht verstehen zu können. Was nützte es ber Hausfrau früher, baß manche Erzeugnisse billiger waren, dadurch aber nahezu 7 Millionen Arbeitslose unb eine notleibende Land­wirtschaft fortwährend unterstützt werden muß­ten! Was nützt es, wenn die ausländische Butter, ausländisches Gefrierfleisch u. a. m. billiger bar­geboten mürben, bie Hausfrau aber auf Maraa- rine angewiesen war unb Fleisch nur selten kaufen konnte, weil ber Ernährer keine Arbeit hatte?

Nach ber Inflation hatte manche Hausfrau sich baran gewöhnt, auch für ihren Haushalt billige Waren, wie beispielsweise Wäsche, Schuhwerk u. ä. m. zu kaufen unb sobalb sie abgenutzt waren, fortzuwerfen. Als bie wirtschaftliche Krise herein- brach, war es bas erste, baß sie zunächst roicbcr ans Stopfen unb Ausbessern ging, b. h. sie ver­suchte bas Vorhanbene zu erhalten unb s o h a u s hä11erisch w i e irgenb möglich bamit um­zugehen. Sie versuchte, einen möglichst großen Teil auch s e l b ft herzustellen. Nichts anberes tut ber Staat in ber Volkswirtschaft, unb hiervon ist bie Marktorbnung ein wichtiger Teil. Sie will bie vorhanbenen Kräfte, Bobenschätze unb Erzeugnisse möglichst ausgiebig verwerten, also haushälte­risch bamit umgehen. Wenn nun babei gleichzeitig bie Eristenz bes Bauerntums sicherge­stellt wirb, kann Der Bauer mehr Jnbustrieerzeug- nisse kaufen unb*.baburch erhalten viele Arbeiter, Angestellte in ber Industrie unb in ber übrigen Wirtschaft Arbeit unb sicheren Lohn. So hat also bie Marktorbnung die Hausfrauen in die Lage ver­setzt, ihren Männern den Arbeitsplatz zu sichern.

Nun noch ein Wort zur Frage Der Preis­schwankungen. Hier muß man sich über eines klar sein. Gewisse Schwankungen in den Erträgen werden immer durch bie Witterung b e b i n g t sein. Sie müssen zwangsläufig ihren Aus- bruck in ben Preisen finben, andernfalls könnte der Bauer seine Aufwendungen nicht bezahlt bekom­men. Daß es eine Unmöglichkeit ist, längere Zeit hindurch zu Preisen zu verkaufen, die die Aufwen­dungen nicht decken, weiß jebe Hausfrau zur (Ge­nüge, benn kein Mensch kann mehr ausgeben, als er einnimmt. Das zeigt auch ber wirtschaftliche Zu­sammenbruch all ber Länder, bie in ber Vergangen­heit Preisschleuberei getrieben haben. Deutschland kann für sich in Anspruch nehmen, das erste Land gewesen zu sein, das zu vernünftigen Wirtschafts­grundsätzen zurückgekehrt ist. Demzufolge war es möglich, im Jahre 1933 dem Bauern einen f e ft e n Getreidepreis zu geben und ihn so vor dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewah­ren, im Jahre 1934/35 dagegen bei geringerer Ernte eine Brotverteuerung zu verhindern.

Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Fleisch, wo im Herbst, wenn die Tiere von ber Weibe kommen unb bie Anlieferungen an bie Märkte größer finb, bie über ben laufenden Bedarf hin- ausgehenden Mengen zu Fleischkonserven (Fleisch im eigenen Saft) verarbeitet und im Frühjahr durch Absatz dieser Konserven übermäßige Preis­steigerungen verhindert werden. Selbst bei Erzeug­nissen, die verhältnismäßig leicht verderblich sind, wie Spargel, hat sich die Marktordnung segensreich ausgewirkt. Wie die Erfahrungen dieses kalten Früyjahrs zeigten, ist es mit Hilfe der Morktord- nung hier gelungen, die Spekulation fast restlos zu unterbinden, jedoch werden Preisschwankungen mit Rücksicht auf die Erhaltung der Erzeuger nie ganz zu vermeiden sein. Das ist auch nie das Ziel der Marktordnung gewesen. Es ging vielmehr darum, die durch Spekulation hervorgerufenen Aus­wüchse in der Preisbildung zu unterbinden, im übrigen aber nur für bie lebenswichtig- ft en Nahrungsgüter Festpreise zu schaffen. Demnach wirb jebe Hausfrau einsehen müssen, baß sie neben bem Erzeuger im Mittelpunkt ber Markt­orbnung steht

Vüchettsch

Mutter unb Kinb ist bas Augufthest Der Zeit­schriftFrauen-Kultur" im beutschen Frauenwerk" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) geroibmet, bereu Ausgabe B offizielles Organ bes Deutschen Frauenwerks ist. Vor allem interessiert ein ausführlicher Arbeitsbericht über bieAufgaben unb Ziele bes Reichsmütterdienstes im Deutschen Frauen- werk". Der Auf- unb Ausbau bes Hilfswerkes Mutter unb Kinb" wirb in ber gleichen Nummer lebenbig bargestellt, unb mancherlei wird aus ber