Ausgabe 
31.7.1935
 
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Mittwoch, Zf. Juli1935

HrJ76 Erster Blatt

185. Jahrgang

Giehener Anzeiger

Litwinows Rolle in Gens

Krieg in Nordafrika aus- Völkerbund, der schon

Deutscher Protest in Washington.

Washington. 30. Juli (DNB.) llnterstaats- sekretär Philipps teilte in der Pressekonferenz am Dienstag mit, daß der deutsche Ge­schäftsträger. Botschaftsrat Leitner, wegen des Flaggenzwischenfalles auf dem DampferBre­men schriftlich und formell protestiert habe. Die amtliche Stellungnahme wurde ver­schoben, bis die Note überseht und der Sachverhalt geprüft ist.

Moskaus Vernichtungskampf gegen die Kirche.

Neue Todesurteile gegen evangelische Geistliche in Eowjetrutzland.

Genf. 30, Juli. (DKB.) Die internationale pro-deo-kommisfion berichtet im Journal de Geneve über neue Todesurteile gegen evange­lische Geistliche in Sowjetruhland. Der Pfarrer Johann Goering, der seit mehreren Monaten in Kiew gefangen gehalten wird, ist zum Tode verurteilt und das Urteil be­stätigt worden. Ob es bereits vollstreckt wurde, ist unbekannt, wie wir von anderer Seite erfah­ren, ist auch der Sohn Pastor Goerings verhaftet worden. Pastor knudt, der Va­ter von neun Kindern ist, befindet sich ln gleicher Lage wie Pastor Goering. Die deutsche pro-deo-Kommission in Berlin wendet sich an das Gewissen der ganzen Kulturwelt, um sie zu einer grohangelegten Rettungsaktion für die Ver­urteilten aufzurufen.

Ein Mandat des Völkerbunds für Abessinien?

Ein neuer Vorschlag zur Vermeidung des Krieges. Wird Italien sich mit einem Anteil an wirtschaftlichen Konzessionen begnügen?

Der Mandatsvorschlag.

Ein internationales Regime mit Garantien , gegen Angriff von außen.

Paris, 31. Iuli. (DNB. Funkspruch). DerMo­tin- läht sich aus London melden, daß in Addis Abeba dem Negus neue Vorschläge für eine friedliche Lösung des italienisch-abessinischen Kon­fliktes unterbreitet worden seien. Der Ursprung die- ser Vorschläge wird nicht näher angegeben. Es wird angeregt, Abessinien unter ein internatio­nales, vom Völkerbund abhängiges Mandat zu stellen, auf Grund dessen Italien gewisse wirtschaftliche Zngeständnifse erhalten könnte, ohne das geringste politische oder gebietsmäßige Privileg zu erlangen. Als Gegenleistung für dieses Mandat solle Abessinien gegen jedenAngriff von anhen herGa- r a n t i e r t erhalten. Ferner könne der Regus nach freiem Ermessen seine Berater und Verwaltungs­beamten unter sämtlichen Mitgliedsstaaten des Vol- kerbundes wählen.

Die Reglierung in Addis Abeba habe, so heiht es in der Meldung weiter, den Eingang der Vor­schläge bestätigt, ohne im einzelnen darauf zu ant­worten, doch soll der Regus habe durchblicken lassen, dah er nicht grundsätzlich Einspruch gegen einen europäischen 6 i n f1 ö 6 in Abessinien erheben würde, vorausgesetzt, dah dieser rein wirtschaftlicher Art fei. Er habe gleichzeitig erklärt, dah das abessinische Volk lieber im Wohlstand unter den Auspizien Europas leben, als arm in einer völligen Unabhängigkeit bleiben würde.

Heber die Unterredung zwischen Laval und Eden meldet der pariser Korrespondent derIimes, dah daran gedacht werde, Abessinien auf eine Zeit einem gemeinsamen OTanbaf oon Vol­ke r b nn d s rn i ig ii ed e rn zu unterstellen. Das Mandat würde in der «Ernennung eines Obet- tommifiats und den Eintritt van vol- kerbnndsbeamten in die abesflnische Verwaltung Ausdruck finden. Italien würde feinen vollen Anteil an örtlichen Konzessionen, aber keine ausschliehliche Aufsicht über Abessinien erhalten. Die Gegenleistung für Abessi­nien würde in dem Schuh und den finanziel- len Beistanddes Völkerbundes bestehen. Der pariser Korrespondent derMorning Post be­richtet der Gedanke eines Einschreitens des Völkerbundes in Abessinien mit der Begrün­dung. dah Abessinien es unterlassen habe, alle Ver­pflichtungen eines Völkerbundsmitgliede» zu erfül-

f)err Litwinow befindet sich politisch in einer peinlichen Lage. Als hervorragendes Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Moskau ist er verpflichtet, den kriegerischen Parolen der Weltrevolution zu folgen, die auf dem Komin­tern-Kongreh ausgegeben wurden, als Außen» kommisfar der Räteunion und derzeitigem Rats­präsidenten des Völkerbundes aber liegt ihm die Aufgabe ob, für den allgemeinen Frieden unter den Völkern einzutreten und im besonderen Falle des abessinischer Konfliktes auf der Genfer Tagung eine gemütliche Lösung zwischen den streitenden

bricht, ist a u ch d e r _

so viele Proben seiner Unzuverlässigkeit gegeben hat, moralisch gerichtet. Herr Litwinow ist etwas spät nach Genf gekommen, um in diesem Welttheater seine Rolle als Verkleidungskünstler zu spielen. Schon bei seinem Eintreffen lag der Völkerbund in seinen letzten Zügen, und der Schüler Lenins hat ihm vollends den Todesstoß versetzt.

nachgeben werde, anderseits wegen zuversichtlicher Berichte über die Aussprache zwischen Eden und Laval. Man erkenne, dah Großbri­tannien entschlossen sei, die Dölkerbunds- satzung aufrechtzuerhalten, doch glaube man, daß ein kleiner Zeitaufschub der Mühe wert wäre, wenn dadurch der Völker­bund vor der Erschütterung des Austritts einer wei­teren Großmacht bewahrt werden könnte.

Times" weist in einem Leitartikel auf die bri­tischen Interesse n in Afrika und auch in Indien hin, die von Italiens Poli­tik in Abessinien in Mitleidenschaft ge­zogen werden, und sagt, es sei jetzt klar, daß Mussolini nach der politischen Kontrolle über ganz Abessinien oder doch den größ­ten Teil des Landes strebe. Sein Anspruch und be- sonders die Mechode, durch die er vorgebracht werde, sei eine Herausforderung des Kelloggpaktes und würde im Falle ihrer rücksichtslosen Durchführung auch andere italienische Verpflichtungen zerreißen.

Italien sucht neuen Kredit in England.

London, 31. Juli. (DRV. Funkspruch.) Nach demDaily Telegraph" hat Italien in London Er­kundigungen einziehen lassen, die sich auf G e w ä h - rungneuerchandelskredlte beziehen. Man glaube aber nicht, daß die Anfrage Erfolg haben würde. Die Londoner Finanzhäuser erblickten gegen­wärtig nichts Anziehendes in der Gewäh­rung weiterer Kredite, zumal sie möglicherweise direkt oder indirekt fürKriegszwecke Derwen- düng finden könnten.

Danzig und Polen.

Bon Or. Hans von Malottti.

Der d anzig - polnische Zoll ko nflikt ist oon der deutschen Öffentlichkeit als um so grö­ßere Ueberraschung empfunden worden, als er sich auf dem Hintergrund einer seit zwei Jahren von beiden Seiten mit sichtbarem Erfolg betriebenen Politik freundnachbarlicher Zusam- m e n a r b e i t abspielt und seit langer Zeit den ersten ernschaften Streitfall zwischen zwei Staaten darstellt, die auf Grund besonderer vertraglicher Bestimmungen zu enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit verpflichtet sind. Gleichwohl reicht der Konflikt in seinen eigentlichen Ursprüngen bis in die Zeit der Abwertung des Danziger Guldens zurück, ja ist von hier aus erst eigentlich in seinem Wesen und in seiner ganzen Tragweite zu erkennen.

Es ist seinerzeit wenig beachtet worden, daß die polnische Regierung unmittelbar nach der Abwer­tung des Danziger Guldens den Wunsch aussprach, mit der Danziger Regierung über Fragen zu ver- handeln, die mit der Abwertung Zusammenhängen. Der Danziger Senat erklärte sich damit einverstan­den. Die Verhandlungen wurden von polnischer Seite von dem Sonderbeauftragten, Minister Ro­

man, geführt. So wenig darüber in der breiteren Oeffentlichkeit bekannt wurde, so bedeutsam waren diese in Danzig geführten Verhandlungen für die Beurteilung der grundsätzlichen Einstellung Polens und für die Erklärung der folgenden Ereignisse. Polen stellte nämlich gegenüber den Danziger Schwierigkeiten" seineHilfe in Aussicht, die darin bestanden hätte, daß Danzig seine eigeneWährung aufgeben und den Zloty als Zahlungsmittel in Danzig einführen sollte. Selbstverständlich lehnte die Danziger Re­gierung dieses erstaunliche polnische Angebot a b. Sie vertrat den Standpunkt, daß sie auf dem besten Wege sei, der Schwierigkeiten aus eige­ner Kraft Herr zu werden und daß grundsätzlich die Aufgabe der eigenen Währung wegen der da­durch bedingten Gefährdung der Danziger Eigen- staatlichkeit abzulehnen sei. Die Verhandlungen führten unter diesen Umständen zu keinem Ergeb­nis.

Es besteht alle Veranlassung, bei dem heutigen Stand der Dinge noch einmal an dieses polnische Hilfsangebot" zu erinnern, denn die in der Folge­zeit von polnischer Seite Danzig gegenüber einge­nommene Position legt die Annahme nahe, daß auf andere Weise das erreicht werden soll, was in Form des Hilfsangebotes auf die verständ­liche Ablehnung Danzigs gestoßen war. Obwohl man auf polnischer Seite die Guldenabwertung ausdrück­lich insofern begrüßt hatte, als dadurch der Gulden den gleichen Stand wie der Zloty er­hielt, die früher oft bemängelte Ungleichheit der Währungen also beseitigt wurde, setzten starke pol­nische Widerstände gegen die Maßnahmen ein, die der Danziger Senat aus Gründen der Staatsnot­wendigkeit zum Schutze der Währung treffen mußte. Die Devisenbewirtschaftung im Freistaat Danzig wurde so zur Zielscheibe einer heftigen Kritik, die sich in erster Linie des Argumentes bediente, das die Devisenverordnungen in Widerspruch zu den Verträgen und danzig-polnischen Abkommen ständen.

Auf der Danziger Seite mußte diese Einstellung Polens in erster Linie zu der Frage führen, warum vorübergehend in Anwendung gebrachte Maßnahmen so negativ beurteilt wurden, die doch gerade der Sicherung der Währung und damit der ungeschmälerten Aufrecht erhal- tung der Danzig im Rahmen des gemeinsamen Wirtschaftsraumes zugewiesenen Funktion dienten. Diese Frage lag um so näher, als der Senat mit Rücksicht auf die polnischen Interessen die Devisen- Verordnungen sow^t gemildert hatte, daß dem Hafenoerkehr auch nach Aussagen polnischer Han­delskreise keinerlei ernsthafte Schwierigkeiten bei der Devisenbeschaffung entstanden. Zusammen mit man­chen Auslassungen in der polnischen Presse mußte jedenfalls in Danzig der befremdende Eindruck ent­stehen, daß sich hinter der formalen polnischen Kritik der Unwille darüber verbarg, daß die Freie Stadt aus eigenem und ohne polnischeHilfe" ihre Währung in Ordnung brachte.

Die am 21. Juni vom polnischen Finanzminister erlassene Zollverordnung, nach der die Dan­ziger Zollämter die Verzollung von Einfuhrwaren nur dann vornehmen sollten, wenn sie zum Ver­brauch im Gebiet der Freien Stadt bestimmt sind, führte dann zum offenen Konflikt, zugleich aber auch zu der Frage, welche Gründe die polnische Regierung zu einer Maßnahme ver­anlassen konnten, deren Durchführung die Aus­stoßung Danzigs aus dem gemeinsamen Zollgebiet und somit einen Angriff a u f d i e be- stehenden vertraglichen Rechtsgrund­lagen bedeuten mußte. In diesem wichtigen Punkt besteht vorläufig noch keine hinreichende Klarheit. Einmal wurde von polnischer Seite erklärt, es handle sich darum, den polnischen Staat vor Der- lüsten zu schützen, die durch die Devisenkontrolle m Danzig entstehen müßten. Daneben lief eine andere Auslegung, die in der Zollverordnung gewisser- maßen eine Repressiomahnahme sehen wollte, als Antwort darauf, daß Danzig sich mit der Einführung der Devisenbewirtschaftung m Widerspruch zu den geltenden Verträgen gesetzt habe.

Beide Argumente konnten von Danzig nicht aie stichhaltig angesehen werden. Der polnische Staats« chatz bedurfte insofern keines Schutzes, noch dazu : in dieser Form >eil die Verrechnung der Zoll« einnahmen durch die Verträge absolut gesichert ist. i Im Hinblick auf die Innehaltung der Verträge selbst konnte im übrigen Danzig mit guten Gründen

letu- habe anscheinend neuerdings mehr Beachtung gefunden als früher. Eine solche Methode würde die Befriedigung der Ansprüche Italiens auf wirt- chaftliche Ausdehnung ermöglichen und gleichzeitig Abessinien gegen eine einseitige Oberherrschaft schützen.

England

wünscht Gesamtaussprache.

London, 31. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Interesse der Londoner Morgenblätter gilt haupt- ächlich der heute beginnenden Tagung des Dölker- bundsrates. In amtlichen Kreisen wurde Dienstag erklärt, Frankreich scheine noch immer den italieni­schen Wunsch einer Einschränkung der Genfer Aussprache zu begünstigen, um Zeit für weitere Vermittlungsversuche zu gewinnen. Es heiße abe», daß die britische Regierung angesichts der gro­ßen Ansammlungen italienischer Truppen in Afrika es an der Zeit erachte, daß der Völkerbund das ganze Problem be­handle. Gegenwärtig verhindere die Regenzeit den Ausbruch von Feindseligkeiten. Aber da sie im September i h r Ende finde, würde nach bri­tischer Ansicht ein weiterer Aufschub dem Völkerbund keine Zeit zum Eingreifen lassen.

Der Reutervertreter in Gens hat den Eindruck, daß dort eine zuversichtliche Stimmung herrsche, einerseits weil Italien die Schwierigkeiten eines übereilten und rücksichtslosen Vorgehens zu erkennen beginne und daher

Laval und Eden aus der Reise nach Gens.

Paris, 31. Juli. (DNB. Funkspruch.) Minister­präsident Laval ist in Begleitung des englischen Dölkerbundministers Eden am Dienstagabend nach Genf ab gereift, lieber eine Unterredung, die beide am Nachmittag miteinander hatten, verlautet, daß es sich um eine erste Fühlungnahme gehandelt habe und keine Entscheidungen getrof­fen worden seien. Immerhin sei der allge­meine Eindrucknicht ungünstig.

Petit Parisien" betont, daß die völlige An­gleichung der französischen und englischen An­sichten noch nicht erzielt, aber im Gange sei. Das Einvernehmen könne übrigens erst in Gens Zustandekommen, wo, Eden wahrscheinlich des öfteren mit seiner ^Regierung fernmündliche Rücksprache nehmen werde. Nichtsdestoweniger spreche alles dafür, daß die vereinten Bemühungen Lavals und Edens in Genf eine Entspan­nung herbeiführen würden. DasOue-vre will den Eindruck gewonnen haben, daß Eng­land feine Haltung nicht merklich g e - ändert habe. England bleibe dabei, daß man das Gesamtproblem anpacken müßte. Wenn Eden die Anweifung erhalten habe, die Fühlung mit der französischen Abordnung nicht zu verlieren, nicht aus der Reihe zu tanzen und sich einer 23er» tagungsformel anzuschließen, so unter der Bedin­gung, daß eine solche Formel nicht ein oer» f chleiertes Eingeständnis der Ohn­macht des Völkerbundes fei. DasEcho de Paris" schreibt, man glaube, daß der Völker­bundsrat sich darauf beschränken sollte, die italie- nisch-abessinische Ausgleichskommission wieder in Gang zu setzen und die grundlätzliche Frage erst nach dem 25. August in Angriff zu nehmen, wenn die Kommission keinen Erfolg haben sollte. In London fei man nicht gegen dieses Verfahren, doch wolle man sicher gehen, daß die so gewonnene Zeit auch für eine aufrichtige Bemühung um ein Korn- promiß verwandt werde. Deshalb müsse man das auch von Italien verlangen, das vielleicht nicht dazu geneigt sei. Wenn Die englische Abordnung diese Versicherung nicht erhalte, werde sie auf der grundsätzlichen Besprechung schon m der jetzigen Ratstagung bestehen. Ihre endgülttge Haltung werde also davon abhängen, welche Einstellung Italiens sie in Genf vorfinde.

senden, ohne deshalb die Unternehmung gegen Aethiopien aufgeben zu müssen und gleichzeitig die Engländer vor den Kopf zu stoßen, selbst wenn es jetzt oder später gelingen sollte, aus den Dölker- bundssatzungen eine Rechtfertigung des Krieges in Ostafrika herzuleiten, so bleiben Doch von Diesem ganzen Theater die tatsächlichen Gegen­sätze unberührt, die machtpolitisch zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der Liga bestehen und die nun zu einer gewaltsamen Lösung drängen. Das starre System des Völkerbundes, das von seinen Begründern eingesetzt wurde, um den Ver­sailler Status quo für alle Zeiten zu sichern, ist von Natur aus ungeeignet, die dyna­mischen Kräfte einer Nation anzuerkennen und sie gegebenenfalls in Einklang zu bringen mit der Friedensmission, die der Liga satzungsgemäß ob­liegt. So bleibt dem Genfer Rat nichts anderes übrig, als entweder Italien zu verurteilen oder sich selbst und feine Ideologie aufzugeben. Alle an­deren diplomattschen Manöver, alle Advokatenkniffe und Dertagungsbeschlüsse können den Völkerbund nicht vor dem Zwang zu dieser Entscheidung retten. Im Augenblick, da der Ärie> '

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Parteien zu befürworten.

Beide Ziele sind miteinander völlig un­vereinbar. Denn Stalin #fagt:Der Sieg der Revolution in Rußland ist der Beginn und die Voraussetzung der Weltrevolution. Dazu hat schon Lenin die näheren Anweisungen gegeben: Bis wir nicht die ganze Welt erobert haben, und solange wir noch in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht schwächer bleiben als die kapitalistische Welt, müssen wir die Widersprüche und Antagonis» men zwischen den bürgerlichen Ländern für uns ausnutzen. Wir müssen alles daran wenden, daß die Feinde sich selber bekriegen, denn immer, wenn zwei sich ftreiten, hat der Dritte ben Vorteil. Wir können gegen die gegenseitigen Kon­stellationen keinen Krieg führen. Wir müssen also um jeden Preis immer kleine Teilkonzessionen machen und damit der Aufspeicherung von Macht- mitteln bei den andern für einen zukünfti­gen Krieg Vorschub leisten. Wenn wir das erreichen, hat unsere Politik den richtigen Sinn gehabt. . . ,,

Litwinow wird sich nicht den Vorwurf des Un­gehorsams gegen seine Meister Lenin und Stalm machen lassen wollen. Tatsächlich hat er ßd) als überaus gelehriger Schüler der leninisttschen Tak­tik erwiesen. Die Rolle, die Litwinow m Genf spielt, ist eine solcheTeilkonzession , die dazu dienen soll, die Völker gegeneinander aus- zuhetzen undeinem zukünftigen Krieg Vorschub zu leisten". Die ehrenwerten Diplomaten des We­stens, die ihre Kulturnationen in Genf vertreten, wissen das auch ganz genau. Aber sie geben sich dem verhängnisvollen Wahn hin, den Notebund mit dem Völkerbund versöhnen und durch den Ab- chluß von Verträgen mit Sowjetrußland einen Druck auf Deutschland ausüben zu können. Das ist ein gefährliches Spiel, dessen kriegerische Aus­wirkung nur zuschanden gemacht wird durch die ge­rade ehrliche unkomplizierte Friedenspolitik Hitlers, der das Reich von allen doppeldeuttgen Ver "Renn'heut'e"de?°Genfer Rat,unter dem Vorsitz Litwinows zusammentritt, um über den Fortgang der Schlich tun asbemuh ungen im oft» afrikanifchen Konflikt zu verhandeln dann lieht die sowjetrusiische Diplomatie auch auf diesem et-th, ihre Früchte reifen. Sie wird alles unter. lassen, was die Gegensätze zwischen den Mitglieds. Säten mildern könnte, denn ,e größere außen- voli siche Mißerfolge die einzelnen Regierungen au - zuweisen haben, desto leichter haben es die Wühl- mäufe der Kommunistischen Internationale. Man wird schon aus diesem Grunde dem Ausaana der Ratstagung keine allzu gunfhge ^Tognoie stellen dürfen. Die Situation, in der sich der Völkerbund angesichts der italienischen Kriegsoorbere, jungen 1 «egen Abessinien befindet, ist denkbar verworren und hoffnungslos. Selbst wenn eine Formel ge­funden werden sollte, die es Mussolini gestalte, auch weiterhin seine Vertreter nach Genf zu ent-